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Äthiopien zwischen Tradition und Moderne am Beispiel von Daniachew Worqus Werk 'Die Dreizehnte Sonne'

Termpaper, 2004, 39 Pages
Author: Holger W. Körtge
Subject: African Studies

Details

Event: Einführung in afrikanische Literaturen
Institution/College: Johannes Gutenberg University Mainz
Tags: Tradition, Moderne, Beispiel, Daniachew, Worqus, Werk, Dreizehnte, Sonne, Einführung, Literaturen
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 39
Grade: 1.7
Language: German
Archive No.: V110754
ISBN (E-book): 978-3-640-08915-4

File size: 295 KB


Fulltext (computer-generated)

Äthiopien zwischen Tradition und Moderne

am Beispiel von Daniachew Worqus Werk

„Die Dreizehnte Sonne“

Hausarbeit zum Seminar

Einführung in Afrikanische Literaturen

im Sommersemester 2004

Teilzwischenprüfung im Fachbereich 7

Institut für Afrikanische Philologie

Johannes Gutenberg Universität Mainz

vorgelegt von

Holger Körtge

 

 

Inhaltsverzeichnis:

 

Inhaltsverzeichnis: 2

1.  Einleitung. 3

1.1  Äthiopien — eine Einführung. 3

1.2  Aufbau der Arbeit 6

2.  Literatur in Äthiopien. 7

2.1  Geez — Amharisch — Englisch. 7

2.2  Die äthiopische Literatur des 20. Jahrhunderts. 8

3.  Daniachew Worqu — Leben und Werk  13

4.  Die Dreizehnte Sonne  17

4.1  Handlung  17

4.2  Schauplatz  17

4.3  Personen  18

5.  Äthiopien zwischen Tradition und Moderne. 19

5.1  Fitawrary Woldu. 19

5.2  Goytom  21

5.3  Woynitu  24

5.4  Der Bauer 26

5.5  Die Zauberin und der Priester 28

5.6  Weitere Charaktere. 30

6.  Thirteen months of sunshine. 32

7.  Zusammenfassung. 34

Literaturverzeichnis: 36

 

 

1.  Einleitung

1.1  Äthiopien — eine Einführung

Äthiopien ist in vielerlei Hinsicht ein interessantes Land, vor allem aber, weil es eine lange schriftliche Tradition pflegt. Es werden etwa achtzig verschiedene Sprachen in Äthiopien gesprochen, die vier unterschiedlichen Sprachfamilien zugehören, wobei sich Amharisch als offizielle Sprache durchgesetzt hat, auch wenn Oromo etwa gleich viele Muttersprecher aufweist (1998 hatte Oromo 17.080.000 Muttersprachler[1], und Amharisch 17.372.913 Muttersprachler[2]).

Diese Vielzahl an Sprachen ist nicht verwunderlich, in anderen Staaten Afrikas gibt es zum Teil weit mehr Sprachen, in Nigeria gibt es beispielsweise über 500 Sprachen[3]. Äthiopien unterscheidet sich von anderen Afrikanischen Nationen dadurch, dass es ein sehr altes orthodoxes Christentum hat, das im 4. Jahrhundert über die ägyptisch-koptische Kirche nach Äthiopien gelang, und von König Ezana zur Staatsreligion gemacht wurde.[4] Es ist älter als die christlichen Wurzeln in Europa. Der christliche Glaube wurde von den Amharen über die Jahrhunderte weiter tradiert, während sie sich nach Süden verbreiteten. Natürlich haben auch andere Religionen in Äthiopien Anhänger gefunden, wie das Judentum, das mit jüdischen Pilgern zu Zeiten Salomos über Handelsruten aus Jerusalem den Weg nach Äthiopien fand. Der Islam festigte sich im 9. Jahrhundert in Form von kleinen Sultanaten.[5] Davon abgesehen haben sich natürliche volkstümliche Bräuche erhalten, und sich zum Teil mit den importierten Religionen vermischt.

Eine weitere Besonderheit Äthiopiens ist es, dass es nie wirklich kolonialisiert wurde. Im ausgehenden 19. Jahrhundert versuchten die Italiener das Land zu besetzen. Doch dem damalige Kaiser Menilek II., der das Land auf seine heutige Größe ausdehnte, gelang 1895/96 bei der Schlacht von Adwa ein überwältigender Sieg und er schaffte es die Italiener bis in ihre damalige Kolonie Ertra zurück zu drängen.[6] 1935 besetzten die Italiener unter Mussolini erneut das Land und konnten bis 1941 militärische Kräfte in Äthiopien stationieren. Kaiser Haile Sellassie I. ging in dieser Zeit ins Exil nach England.[7]

Lange Zeit lag die politische Führung des Landes in den Händen der Amharen, die ihren Anspruch auf den kaiserlichen Thron durch die Legende der Königin von Saba begründeten.

Der Legende nach zeugte sie gemeinsamen mit König Salomo einen Sohn, M™nilek, der angeblich die Bundeslade nach Äthiopien brachte, wo sie noch bis heute aufbewahrt werden soll.[8]

Die Amharen verboten viele Jahre lang den Gebrauch anderer Sprachen als der offiziellen Landessprache Amharisch, wie Oromo (früher mit einer negativen Konnotation als Galla bezeichnet) und andere kuschitische und semitische Sprachen. Vor allem zum Ende der Regierungszeit des letzten Kaisers Haile Sellassie I. kam es vermehrt zu Aufständen von Studenten, die mehr Gleichberechtigung für alle Äthiopier verlangten.

Nachdem es 1974 zu einer Revolution kam und der Kaiser vom Militär gewaltsam abgesetzt wurde, änderten sich die sozialen Verhältnisse leider nur wenig. Das darauf folgende sozialistische Militär-Regime war noch mehr darauf bedacht, das niemand seine Autorität in Frage stellt, und so kam es zu Verfolgungen von politischen Dissidenten.

Alle diese historischen bzw. gesellschaftlichen Ereignisse hatten einen großen Einfluss auf die literarische Entwicklung Äthiopiens. Oft spiegelt die Literatur die zeitgenössische Entwicklung des Landes wieder. Da man jedoch vorsichtig schreiben musste, um nicht als Landesverräter verurteilt zu werden und viele Schriftsteller mit der Angst vor Folter und Gefängnis lebten, ist der Einblick in die äthiopische Gesellschaft sehr selektiv. Außerdem werden meistens nur Einblicke in die Welt der amharischen christlich-orthodoxen Gesellschaft gezeigt, da sie die dominierende Volksgruppe waren, und andere Sprachen überhaupt keine Schrift hatten.

Das Amharische jedoch, das als südäthiosemische Sprache sehr eng mit den nordäthiosemischen Sprachen Tigrinya, Tigre und Geez verwand ist, verwendet wie diese eine veränderte Form der sabäischen Schrift[9], die hauptsächlich in der Aufzeichnung von Königschroniken, in der Kirchenliturgie, sowie bei der Übersetzung biblischer Texte Verwendung fand. Die gemeine Bevölkerung war jedoch in der Regel analphabetisch und selbst das Amharisch wurde lange Zeit nur mündlich tradiert. Alles was geschrieben werden musste, wurde noch in Geez, der alten Kirchensprache niedergeschrieben.[10]

Die Verwendung des Amharischen als literarische Schriftsprache für Poesie, Drama und Prosa-Texte begann erst gegen Anfang des 20. Jahrhunderts.[11] Die ersten Werke in englischer Sprache wurden erst sehr viel später in den 60er und 70er Jahren verfasst.

Zu dieser Zeit war auch Daniachew Worqu aktiv, dessen Werk Die dreizehnte Sonne 1973 entstanden ist, also in einer Zeit, in der es viele politische Unruhen gab, in der Studenten für ihre Rechte und die Rechte der Unterdrückten eintraten und in der das Staatsreich unter Haile Sellassie I. 1974 zu Ende ging. Da es viele Bereiche des traditionellen Äthiopiens sehr kritisch betrachtet ist es in Englisch geschrieben[12] und wurde aus Gründen der Zensur erst nach dem Regierungswechsel in Äthiopien veröffentlicht, da man nun die im Buch beschriebenen sozialen Missstände dem alten, kaiserlichen Regime vorwerfen konnte.[13]

David Beer, ein Literaturwissenschaftler sagt, Die dreizehnte Sonne sei das beste literarische Werk in einer europäischen Sprache, das je in Äthiopien geschrieben worden sei.

„Daniachew Worku’s The Thirteenth Sun is a remarkable book by any standarts and might well be considered the finest piece of writing in English to be produced so far in Ethiopia“.[14]

Anhand des Romans der etwa 280 Seiten umfasst, lässt sich der äthiopische Weg von Tradition zu Moderne verdeutlichen. Die äthiopische Gesellschaft ist im Begriff sich zu verändern. Dabei nehmen diese Veränderungen ganz unterschiedliche Gestalt an. Viele äthiopische Schriftsteller bemängeln den europäischen Einfluss, der von vielen radikalen Äthiopiern kritiklos übernommen wird und den äthiopischen Traditionen vorgezogen wird.[15]

Ich in meiner Arbeit die unterschiedlichen Ansichten über Tradition und Moderne beschreiben und anhand der Charaktere des Werkes von Daniachew Worku herleiten, welche Rollen die verschiedenen Generationen, Geschlechter oder sozialen Schichten einnehmen.

 

1.2  Aufbau der Arbeit

Ich habe zunächst einige allgemeine Fakten zum besseren Verständnis der äthiopischen Gesellschaft an den Anfang dieser Arbeit gestellt. Diese Daten sind nicht vollständig, und gerade im Hinblick auf historische Fakten Lücken bestehen. Ich möchte mein Augenmerk daher mehr auf die Literatur als auf Geschichte lenken und nur an passender Stelle ein paar Erläuterungen zu den historischen Ereignissen machen, da die verschiedenen Faktoren doch stark die Themen von Schriftstellern beeinflussen.

Zunächst werde ich einen Überblick über die äthiopische Literaturgeschichte geben, und dabei detailiert auf die Verwendung der drei Sprachen Geez, Amharisch und Englisch eingehen, da von ihrer Auswahl die Verbreitung des jeweiligen Stückes unter der Bevölkerung stark beeinflusst ist.

Die Äthiopier verwenden als Zunamen bzw. Nachnamen den Vornamen ihres Vaters, und werden selbst, auch bei offiziellen Anlässen mit ihrem Vornamen angesprochen. Diese Regelung habe ich beibehalten und stelle bei Aufzählungen immer den Vornamen dem Nachnamen voran, bzw. verwende im fließenden Text entweder den vollen Namen oder nur den Vornamen. Die Schreibweise äthiopischer Namen in Lateinischer Schrift ist con Autor zu Autor unterschiedlich. Ich habe in der Regel die übliche Schreibweise verwendet, oder eine eigene der Aussprache angeglichenen gewählt.

Da es für die Besprechung des Romans Die Dreizehnte Sonne von Interesse ist, wie der Autor Daniachew Worqu gelebt hat und wie er aufgewachsen ist, werde ich eine Biografie der Hauptarbeit voranstellen. Nachdem ich den Inhalt des Romans dann kurz vorgestellt habe, werde ich auf die veschiedenen Charaktere eingehen, um abschließend über den gesellschaftlichen Wandel und das moderne Äthiopien zu sprechen.

 

2.  Literatur in Äthiopien

2.1  Geez — Amharisch — Englisch

Über Jahrhunderte hinweg war die einzige publitierte Sprache in Äthiopien Geez (G™¿™z), eine heute fast ausgestorbene und nur noch in der Kirchenliturgie verwendete Sprache. Die ersten Schriften waren Übersetzungen des Alten und Neuen Testamentes aus dem Griechischen und dem Aramäischen. Es folgte das Buch Enoch, das nur im Geez Originaltext vorliegt. Die großen Herrscherchroniken wurden in Geez verfasst, sowie das Kebra Negast

‚die Herrlichkeit der Könige’. Eine besondere Stellung in der äthiopischen Literaturgeschichte nimmt die poetische Form des q™né ein. Dies ist eine idiomatische Rätselform, die auf die Vorstellung von sem  und werq, Wachs und Gold zurück zuführen ist.

„The wax and gold analogy comes from the craft of the goldsmith during the making of jewelry. The image is first formed in wax, because wax is soft and pliable to carve. The wax is then covered with clay, plaster, or porcelain, which hardens. When the molten gold is poured into the plaster or clay, the wax melts away, leaving the gold, with the desired image. Thus, encrypting a hidden message in Qene is an ancient art of creating more than one meaning, where the apparent ‘wax’ and the hidden, ‘gold,’ are intertwined in the same sentence.“[16]
(vgl.:  Levine, 1965: Wax & Gold)

Bis ins 20. Jahrhundert wurde fast ausschließlich in Geez geschrieben, dann verlor die Sprache interessanterweise an Sprechern:

„[the] language [...] was in fact meaningless to all but a small number of church-educated Ethiopians“.[17]

Gleichzeitig gewann Amharisch an Einfluss. Zwar wurden schon im 14. Jahrhundert Preisgesänge an den Herrscher geschrieben und gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden medizinische Manuskripte in Amharisch verfasst, jedoch kann man hier noch nicht von amharischer Literatur sprechen.[18]

Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu den ersten Übersetzungen, auch aus europäischen Sprachen, so wie Bunyan’s Pilgrim’s Progress. Dennoch waren die meisten anfänglichen Texte, die in der neuen Druckerei in Addis Abeba 1915 erschienen sind, religiöse Texte in Geez mit amharischen Kommentaren.

Man muss aber bedenken, dass die wenigsten Menschen alphabetisiert waren und somit das Privileg des Lesens nur gebildeten Personen, meist Geistlichen, vorbehalten war. Abgesehen davon wurde Amharisch von weniger als der Hälfte der äthiopischen Bevölkerung gesprochen.

„It is an inescapable fact, however, that few non-Ethiopians can read Amharic or Ge’ez, and although enjoing official status Amharic is spoken by less than half of Ethiopia’s population, most of whom are illiterate“.[19]

Um ein größeres Publikum zu erreichen, mit anderen Worten, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich zu ziehen, mussten äthiopische Schriftsteller dem Beispiel anderer afrikanischer Autoren folgen und Englisch oder Französisch als ihr literarisches Medium nutzen. Daher wurde in den 60er und 70er Jahren verstärkt in englischer Sprache publiziert, die sich als akzeptierte Sprache in Schule, der höheren Bildung und im Geschäftssektor durchsetzte.[20] Das English-Department der Haile Sellasie I University (heute Addis Ababa University) besaß eine hohe Sprachkompetenz und ermutigte durch viele Publikationen in der Zeitschrift Something zum kreativen Schreiben in Englisch. Während der frühen 60er erschienen viele andere Publikationen in englisch-sprachigen Zeitschriften wie Menen, Addis Reporter, Ethiopian Mirror und Ethiopian Observer. Letztere ist die einzige heute noch publizierte Zeitschrift.[21]

2.2  Die äthiopische Literatur des 20. Jahrhunderts

Der erste amharische Roman wurde 1909 von Afäwärq Gäbrä Yesus geschrieben, und der Originaltitel lautete übersetzt Fictious Story. Die englische Übersetzung 1964 bekam den Titel Tobbya. Es wird von einer Familie erzählt, die getrennt wurde und später wieder zusammen findet; ein Stück mit vielen moralischen Implikationen.

Der erste Dichter, der kontinuierlich in Amharisch schrieb, war Gäbrä Egziabher. Seine psalmähnlichen Gedichte stehen in der Tradition eines Hofdichters, während seine anderen Werke die Notwendigkeit von Modernisierung und nationaler Einheit hervorheben.[22]

Das erste amharische Theaterstück mit dem Titel Vain Entertainment wurde 1930 bei den Krönungszeremonien von Haile Sellassie I aufgeführt.[23]

Die Übersetzung von amharischen Texten ins Englische hat das kreative Schreiben englischer Werke stark gefördert. Die ersten Übersetzungen waren eine Kurzgeschichte (The City of the Poor) und zwei Theaterstücke (King David the Third, King of Gondar; The Voice of Blood) von Mäkonnen Endalkachäw 1955. Der Autor ist in einer feudalen, machtvollen Familie aufgewachsen, trat eine diplomatische Laufbahn an, war Bürgermeister von Addis Abeba, Militärkommandeur und letzlich auch Premierminister. Von daher wundert es nicht, dass seine Werke von konservativen, sozialen Werten und den Lehren der orthodoxen Kirche geprägt sind. Sieben Jahre später erschien im Ethiopian Observer ein Roman von Imru Haile Sellassie mit dem Titel Fitawrary Bälay, und im gleichen Jahr der erste Roman in englischer Sprache, Confession von Ashenafi Kebbede. Dieses Stück hebt sich von anderen äthiopischen Werken dadurch ab, dass der Ort der Handlung in den U.S.A. liegt. Es beschreibt eine zum Scheitern verurteilte Liebesgeschichte zwischen einem äthiopischen Austauschstudenten und einer amerikanischen Studentin während der schwarz-amerikanischen Freiheitsbewegung 1961/62. Ashänafi Käbbädä, der selbst in den U.S.A. Sprache und Musik studierte, wurde später Leiter der National School of Music in Addis Abeba.

1964 folgte die Übersetzung des schon erwähnten Romans Fictious Story  von Afäwärq Gäbrä Yesus, der Tobbya betitelt wurde. Doch viel bedeutender war die Veröffentlichung des ersten Romans von Sahle S™llase Shinega’s Village, das im gleichen Jahr von der University of California Press herausgegeben. Besonders ist hierbei, dass das Buch ursprünglich in Chaha, der Muttersprache von Sahle S™llase,  einer Westguragesprache, die zu den äthiosemitischen Sprachen gehört erschienen ist, was jedoch keiner im Land, bis auf die Chaha-Sprecher, versteht. Daher wurde der Roman direkt vom Autor, mit Hilfe von Professor Wolf Leslau, einem bekannten Äthiopienforscher, ins Englische übersetzt.[24] Seinen zweiten Roman The Afersata schrieb S™llase direkt in Englisch. Er erschien 1968 in Heinemann’s African Writers Series. Die wohl bekanntesten Werke in der äthiopischen Literatur sind die von Daniachew Worku verfassten Romane Adefris (1969-70) in kompliziertem Amharisch und The Thirteenth Sun (1973 bei Heinemann erschienen) in Englisch und der Roman Warrior King von Sahle S™llase (1974 bei Heinemann erschienen).

In den 60er Jahren wurden viele Chroniken aus dem Geez übersetzt, unter anderem die Chronik des Kaisers Zarä Yaqob (1434-1468), die im Ethiopia Observer gedruckt wurde. Erwähnenswert ist auch die Übersetzung des bekannten Fetha Negast (Das Gesetz der Könige) von Richard Pankhurst, einem Äthiopien-Historiker, und Abba Paulos Tzadua.[25]

Bis auf die erwähnten Stücke von Mäkonnän Endalkachew wurden bis in die 60er Jahre keine Schauspiele ins Englische übersetzt. Das änderte sich mit der 1964 erschienen Übersetzung des Stückes Marriage by Abduction. Der Autor Mäng™stu Lämma wurde somit über die Grenzen seines Landes hinaus bekannt und zählt heute zu den führenden Literaten Äthiopiens.[26] Er studierte äthiopisch-klassische Poesie und religiöse Musik und später an der London School of Economics. Er begann eine Karriere als Staatsman und Diplomat und nahm als Schriftsteller an vielen Konferenzen zu afrikanischer Literatur teil, unter anderem an der African-Scandinavian Writers’ Conference in Stockholm, 1967. Sein Schauspiel The Marriage of Abduction war jedoch nur ein Vorläufer eines größeren Werkes, das bei Macmillan 1970 publiziert wurde, The Marriage of Unequals, einer Komödie in zwei Akten. Es ist eines der wenigen amharischen Werke, das auch ins Russische übersetzt wurde und im Englischen und Amharischen produziert wurde. Abbe Gwäbägnas The Savage Girl war das erste Schauspiel in Englisch von einem äthiopischen Autor, doch wird es von Kritikern als geringwertiger eingestuft:

„it gives little thought to the requirements of dramatic pruduction. Far too many momentary scenes abound that would be ludicrous if projected onto the stage; and the author’s English, particularly in the verse he sometimes injects into the dialogue, is, to say the least, unfortunate at times“.

Mit über zwanzig Schauspielen ist S≥ egaye Gäbrä-Med˙ ™n Äthiopiens führender Theater-Autor. Er hat auch Stücke von Shakespeare und Molière für Äthiopien bühnenreif gemacht und war seit 1966 Leiter des Haile Sellassie I Theater, das heute National Theater heißt und wurde zum äthiopischen Kultusminister ernannt. Seine bekanntesten Stücke sind Tewodros  (ein Historienschauspiel, das zunächst 1963 aufgeführt wurde, bevor es zwei Jahre später im Ethiopian Observer erschien) und Azmari, das auch 1965 erschien sowie Oda-Oak Oracle, das im gleichen Jahr in der Oxford University Press erschienen ist. Der Kritik nach ist es „one of the finest plays to have been written in Africa“[27].

Ähnliches wie in der Entwicklung des Dramas hat sich auch in der Entwicklung der Poesie bemerkbar gemacht:

„Ethiopian poetry followed the example of the other literary genres by appearing in translation before anything in English was composed for an international audience.“[28]

1957 erschien im Ethiopian Observer das Geez-Gedicht, On the Eve of Battle, das von Mäng™stu Lämma und Sylvia Pankhurst übersetzt wurde, ein Gedicht, das vor der Schlacht von Adwa (1896 gegen die Italiener) geschrieben wurde.[29] In den 60ern war die Blütezeit der Poesie. Die Zeitschrift Something, damals im Mittelpunkt des Geschehens, publizierte Gedichte bekannter Poeten, wie Sälomon Därässa, der bekannt für die Veröffentlichungen im Addis Reporter war, und S≥ ägaye Gäbrä-Med˙ ™n. Die Themen sind das kulturelle Erbe Äthiopiens, bzw. die historischen Wurzeln und Einflüsse und die gesellschaftlichen Veränderungen. Doch abgesehen von Sälomon Därässa wurde der Poesie in Englisch wenig Beachtung gewidmet.[30]

Für Kurzgeschichten hat man sich mehr interessiert. In den 60ern gab es viele Publikationen in der Zeitschrift Something, und besonders charakteristisch für das Jahr 1963 ist der ehrliche, kritische Blick auf die äthiopische Gesellschaft, so weit es die Zensur erlaubte. Beispiele hierfür sind Käbbädä Abärras Spent Youth, Assägä Hagoss You Too, my Son oder B™rhane Mäsqäl Räddas Gäbrä.Aregawi’s Hopes. In den späteren 60ern kam es zu einer Auszeit für äthiopische Kurzgeschichten, was sicher mit dem verschwinden der Zeitschrift Something zusammenhängt.

„[But] in the spring of 1974, when it became clear that the season for political change was approaching, the English-language Ethiopian Herald published a series of stories by various local authors.“[31]

Die meisten dieser Kurzgeschichten geben allerdings wenig Auskunft über die gesellschaftliche Situation in Äthiopien, sondern sind mehr „traditionelle didaktische Übungen“, und nicht von großem literarischem Wert, mit Ausnahme von Daniachew Worqu’ The House with the Big Worka. [32]

David Beer betont in seinem Artikel von 1977 zusammenfassend:

„Daniachew Worku’s unusual novel, the poetry of Solomon Deressa, and the drama and poems of Tsegaye Gebre-Medhin are undoubtedly the high points of more than twelve years of Ethiopian writing in English...“.[33]

Letztlich sollte nochmal darauf hingewiesen werden, dass äthiopische Schriftsteller, zumindest bis zum Sturz der DERG-Diktatur 1991, keine freie Meinungsäußerung ausüben konnten. Sie lebten immer mit dem Druck der Regierung, als Landesverräter deklariert zu werden, wenn sie nur annähernd schlecht über das Regime schrieben. The Thirteenth Sun und die Werke von Sälomon Däräsa und S≥ ägaye Gäbrä-Med˙ ™n durften erst 1974 in Äthiopien publiziert werden, als der politische Wandel schon vorraus zu sehen war.[34]

„The Thirteenth Sun and the poetry of Solomon Deressa and Tsegaye Gebre-Medhin are freely permitted now [(1977)] because evils their works depict can officially be attributed to an earlier and discredited regime. Yet today’s Ethiopia increasingly takes on more and more the aura of a fear-ridden police state, and no writer would dare express himself freely or spontanously since he would certainly find himself in prison for „opposing the current military government““.[35]

Ein anderer Faktor, bei dem ein äthiopischer Schriftsteller an seine Grenzen stößt, ist das Finanzierungsproblem. Kaum einer kann sich die hohen Papierkosten und die hohen Druckereikosten leisten, und oft fehlt es auch einfach an guten Verlegern und interessierten Lesern.[36]

 

3.  Daniachew Worqu  —  Leben und Werk

Daniachew Worqu wurde am 23. Februar 1936 (16 Yekkatet 1928 E.C.) in W™ha-T≥ äggäb, in der Nähe von Däbrä-Sina in Äthiopien geboren.[37]

Sein Vater Worqu B™zzab™˙ war in Frankreich und hat dort im ersten Weltkrieg gegen das deutsche nationalsozialistische Regime gekämpft. In Paris lernte Worqu B™zzab™˙ erst Amharisch und Französisch Lesen und Schreiben. Er arbeitete in einer Mine und in einer Likörfabrik und später als Kellner in einem feinem Restaurant in Paris, in dem auch der äthiopische Fürst Ras Täfäri Mäkonnen, der spätere Kaiser Haile Sellassie (Hayle S™llase I.) zu Gast war, als er Frankreich besuchte. Dieser bot Worqu B™zzab™˙ an ihn zu unterrichten. Worqu lehnte es jedoch ab, und bat den Fürsten diese Gunst seinem in Paris kennengelernten Freund Asfaw Wälde-Giyorg™s zu erweisen. Ras Täfäri nahm Asfaw mit nach Äthiopien und bildete ihn auf einer Militärschule aus. Später wurde er Äthiopiens erster General. Als Worqu auch ablehnte mit nach Äthiopien zu kommen, um dort ehrenhafte Titel zu empfangen, riet man ihm nie wieder nach Äthiopien zurück zu kommen, da so ein Verhalten sehr unhöflich und unehrenhaft sei.

1926 gelang es ihm aber doch nach Äthiopien zurück zu kommen. Nachdem er bei seinem zweiten Aufenthalt in Frankreich sein ganzes Geld ausgegeben hatte, legte er seine europäische Kleidung beiseite und wurde Farmer in W™ha-T≥ äggäb im Jahr 1930. Dort lernte er auch Assäggädäch Habte-Wäld kennen, seine spätere Frau und Mutter von Daniachew Worqu.

Daniachew war der Erstgeborene von fünf Kindern, drei Jungen und zwei Mädchen. Für eine kurze Zeit war er ein Hirtenjunge, bevor seine Familie mit ihm in die Stadt nach Däbrä-Sina zog. Dort hatte sein Vater einen kleinen Laden, wo er mit Salz und Kleidung handelte.

Mit  sechs oder sieben Jahren wurde er eingeschult. Er ging direkt auf eine staatliche Schule ohne wie üblich eine christliche Schule zu besuchen. Daher nahm ihn seine Mutter manchmal mit in die Kirche und erlaubte ihm auch von Zeit zu Zeit abends in die christliche Schule zu gehen, um ein bisschen Geez zu lernen.

Bis zu Grad sechs blieb er auf der staatlichen Schule in Däbrä-Sina, danach besuchte er die Hayle-S™llase I Secondary School in Kotebe in Addis Abeba. Schon früher war er in der Hauptstadt gewesen, wohnte bei General Asfaw Wälde-Giyorg™s, dem alten Freund seines Vaters, und besuchte das Lycée Guebre-Mariam, eine französische Schule. Im Haus des Generals wurde er jedoch nicht gut behandelt. Er rannte weg und ging zurück nach Däbrä-Sina.

Solange Daniachew noch zu Hause wohnte, erzählte ihm seine Mutter alte Volksmärchen, was wahrscheinlich ein Grund dafür war, dass er schon in jungen Jahren eigene Gedichte zu schreiben begann und die Volksmärchen aufschrieb, jedoch mit eigenem, verändertem Ende.

Mit dreizehn Jahren schrieb er schon sein erstes Theaterstück mit dem Namen Yalacha gab™cha tärfo hazen b™cha, ‚Nur Gram kommt von einer Fehlkombination’. Er schrieb über die Idee, dass Äthiopien und Eritrea eine Föderation bilden könnten, was zu der Zeit ein Diskussionsthema im Land war. Das Stück wurde einmal in Däbrä-Sina aufgeführt.

In der Schule las Daniachew am liebsten Werke von Käbbädä Mikael, Mäkonn™n Endalkachäw und Hiruy Wälde-S™lasse. Er behauptet aber, dass sie ihn als Schriftsteller nicht beeinflusst haben.

Am Ende der achten Klasse ging er in die Täfäri Mäkonn™n School, in der er während der Ferien in drei Monaten das Theaterstück Sew alle biyyé schrieb, das erst 1950 veröffentlicht und niemals aufgeführt wurde.

Den Rest seiner Schulzeit bis zum Ende des elften Grades verbrachte er in Kotebé. Dort bekam er Diphterie und war für zwei bis drei Monate schwer krank. Er kam ins Menelik II School Hospital, doch es gab keine Medizin für ihn, er und seine Eltern befürchteten, dass er sterben würde. Doch es wurde rechtzeitig eine neue Medizin entwickelt, die an kritischen Patienten getestet werden sollte und Daniachew wurde wieder gesund.

Nach seiner Genesung wollte er nicht wieder in die Schule in Kotebé zurück. Statt dessen besuchte er ein Lehrertrainingsseminar, in Kokebe-S™nah. Am Ende des Jahres bestand er das Examen dieses Kurses sowie das Examen des 12. Grades der Sekundarschule. Außerdem absolvierte er auch die ‚London matriculation examination’ und bestand auch diese.

Er lehrte Amharisch in der ‚Oberstufe’ der Mädhané Aläm Secondary School in Harar. Dort, lehrte er zwei Jahre, sowie danach in Addis Abeba. In Harar schrieb er das Theaterstück S™q™q™n™sh isat, das in den Schulen in Harar und in Addis Abeba und 1959 im Hayle-Sillasé I Theater aufgeführt wurde, aber nie gedruckt wurde.

Zu dieser Zeit begann er auch in verschiedenen Zeitungen zu veröffentlichen, wie die Addis Zemen und Yezaréyitu Ityopiya. Hauptsächlich schrieb er Rezensionen zu Büchern oder Filmen.

1960 begann er ein Studium  am University College, das drei Jahre zuvor gegründet wurde (Später wurde es zur Haile Sellassie I University umbenannt und heute ist es die Addis Abeba University). Dort studierte er zunächst Humanwissenschaften und apäter, als das Institute for Ethiopian Languages and Literatures etabliert wurde wechselte er für zwei Jahre dorthin, wo er auch Geez und Arabisch studierte und seinen Abschluss erlangte.

Während seiner Zeit als Student schrieb er viele Protestgedichte (viele wurden später in Ambwa belu als Kollektion gedruckt). Er und andere Autoren schrieben über ‚Landreform’, ‚Gerechtigkeit für die Armen’ und ‚gerechten Lohn für gerechte Arbeit’.

Daniachew beschäftigte sich an der Universität hauptsächlich mit Poesie, vor allem mit Geez-Poesie. Nach seinem Abschluss wurde er als ‚Graduate Assistant’ eingestellt (in welche Position nur die besten Studenten kamen). Später wurde er ‚Assistant Lecturer’ und dann ‚Lecturer’.

Drei Jahre nach seiner Graduierung schrieb er das Theaterstück T™belch≥ ‚Du bist die meist Begehrteste’ (nach einem weiblichen Kurznamen von T™belch≤ ’allesh).

1969 bekam Daniachew Worqu ein dreijähriges Stipendium für einen ‚international writers’ workshop’ an der Iowa State University, in den USA. Er erlangte einen ‚Master of fine Arts’, zu dem auch die Veröffentlichung eines Manuskripts dazu gehörte.

Als er zurück nach Äthiopien kam, hatte er zwei Geschichten veröffentlicht, aber sein Graduierten Werk, eine Kollektion von 8 Kurzgeschichten war bis dahin nicht veröffentlicht.

Wieder zurück in Addis Abeba wurde er nach einem Jahr wegen Auseinandersetzungen mit der Universitätsleitung von der Universität verwiesen. Erst viereinhalb Jahre später unterrichtete er wieder, auf dem Ècole Normale Superieure (Später Black Lion Secondary School). In der Zwischenzeit (1970-73) schrieb er sein wohl bedeutenstes Werk Adäfr™s und The Thirteenth Sun, welches auch in Deutsch, Portugiesisch und Chinesisch übersetzt wurde.

An der Black Lions Secondary School unterrichtete er Literatur und Poesie und übernahm zur selben Zeit einen Halbtagsjob am Ethiopian Standarts Institute.  Den baute er jedoch als die Revoluion begann zu einer vollen Stelle aus und wurde zu einem externen Prüfer für BA-Kandidaten, vier Jahre später für MA-Kandidaten an der Addis Abeba University.

Daniachew sagt, dass er sich während der Revolution ruhig verhalten habe. Er schrieb Kinderbücher (1978/79), einen guide to creative fiction (1984/85) und über amharische Idiome mit Dr. Amsalu Aklilu (1994).

Gegen Ende seines Lebens hat er zwar geschrieben, aber nicht veröffentlicht.

„Almost as soon as he has written something, he found that what he had written had become reality — is creative imagination was overtaken by events“.[38]

Für einige Zeit war Daniachew auch chairman für the board of Kuraz – das Regierungsverlagshaus, zu der Zeit in der das Werk Oromay von Be’alu G™rma ziemlich viel Aufruhr verursachte. Daniachew riet Be’alu an einigen Stellen Veränderungen vorzunehmen,. Dieser hörte nicht auf seinen Rat und war kurze Zeit später verschwunden.

1991 trat Daniachew Worqu vom Dienst zurück, den er für The Industrial Project Service verrichtete.

Am 1. Dezember 1994 starb er um 7:30 Uhr unerwartet an einer Lebensmittelvergiftung; er hinterließ eine Frau und zwei Kinder.

Die Bedeutung seiner Arbeit fasst er wie folgt zusammen:

„‚we are together in this country, and being together we have our differences, and yet what guarantees our survival ist the values we have accumulated through generations. And this (our values) we cannot just throw out overnight. We cannot overnight replace the values we have been experiencing and feeling throughout our lives. Those values tat we have built up through generations are our driving force, and new driving forces take time to become part of our feeling and experience. This ist the central thing or theme of my (literary) work.’“

 

4.  Die Dreizehnte Sonne

4.1  Handlung

Woynitu und ihr Halbbruder Goytom begleiten ihren herzkranken Vater Fitawrary Woldu zum Schrein des Abbo auf dem heiligen Berg Z™qwala, wo er Heilung finden möchte. Sie finden eine private Unterkunft bei einem Bauern in der Nähe des Schreins, dessen Frau eine Zauberin (Schamanin) ist.

Der Fitawrary möchte durch die traditionellen Methoden des Priester und der Zauberin Heilung finden.

Doch während der Priester den Fitawrary als Heilmethode mit geweihten Schafgedärmen auspeitscht, und der Bauer das dazu geschlachtete Schaf roh verzehrt, wird Woynitu nach dessen Mahl vom Bauern vergewaltigt.

Am Abend erschießt der Fitawrary von seinem Krankenbett den Bauern, der verkleidet als ‚böser Geist’ vor dem Haus hin- und herschleicht. Im selben Augenblick erliegt der Fitawrary seinem Herzleiden. Einige Tage später, nachdem klar ist, dass die Polizei doch nicht mehr eintrifft, wird der Fitawrary auf eine Trage aufgebahrt und von Trägern den Berg hinunter befördert.

Die Gedanken, Reaktionen und gegensätzlichen Ansichten der drei Hauptcharaktere und einiger weiterer, werden in Form von Monologen und Dialogen dem Leser eröffnet, und bilden mit der Athmosphäre den zentralen Inhalt des Romans[39].   

4.2  Schauplatz

Z™qwala ist ein erloschener Vulkan etwa 50 km südwestlich von Addis Abeba gelegen. Er umragt das umliegende Plateau ungefähr 1100m, seine exakte Höhe beträgt 2800m und seine Kratertiefe beträgt ca. 300m.[40] An den Rändern des Kratersees (dessen Wasser eine heilende Wirkung zugesagt wird), liegt ein Kloster, dass dem heiligen Abbo geweiht ist.[41] Der Schauplatz auf dem Berg wurde vom Autor nicht willkürlich gewählt. Außer seiner naturalistischen Bedeutung liegt ihr auch eine Zweideutigkeit zugrunde, was ein beliebtes Stilmittel in Äthiopien ist (vgl. Donald Levine, 1965: Wax & Gold). Für Wren sind die Analogien zwischen dem monarchisch-theokratischen Äthiopien und dem heiligen Vulkan zu offensichtlich, als dass sie zufällig sein könnten.[42]

„This suggests that the narrative may well have as its subject matter not characters on a mountain, but Ethiopia and her people as Daniachew sees them and their situation [...]“.[43]

4.3  Personen

Die Protagonisten sind der Fitawrary Woldu und seine beiden Kinder Goytom und Woynitu, deren Diskussionen und Gedanken den zentralen Inhalt des Romans bilden. Goytom und seine modernen Ansichten stehen dabei im Kontrast zu den konservativen Ansichten seines Vaters, doch dazu später mehr. Am Rande stehen andere Charaktere, die aber nicht zu vernachlässigen sind, wie der Bauer und seine Frau, die Priester, die Gutsbesitzerin, die junge Dame, von der sich Goytom so angezogen fühlt, und der Ferenj, der mit seinen Zaubertricks beeindruckt. Alle diese Personen haben eine bestimmte symbolische Bedeutung, auf die ich später noch eingehen werde.

 

5.  Äthiopien zwischen Tradition und Moderne

5.1  Fitawrary Woldu

„‚Du vertraust mehr auf weiße Ärtzte, nicht wahr, Goytom?’ sprach der Fitawrary. ‚Du kriechst ihnen zu Füßen. Sie sind deine Götter. Nun, es war ja sogar dein Wunsch, mich unter ihrem Schlachtmesser sterben zu sehen.’ [...]

‚Ich würde eher zu einem Priester gehen, dessen Behandlung aus geflüsterten Zaubersprüchen und Spucke besteht, als zu einem Artzt.’“[44]

Viele solcher Bemerkungen hört man aus des Fitawrarys Mund, der voller Skepsis gegenüber den westlichen Wertvorstellungen ist, sei es in der Medizin oder auf anderen Gebieten. Doch dies ist die allgemeine Praxis in Äthiopien, zumindest unter den meisten Konservativen und Älteren. Denn Priester und die äthiopisch-orthodoxe Kirche genießen eine hohe Autorität und hohes Ansehen unter den Äthiopiern, was definitiv mit der Verbundenheit zwischen Kirche und Monarchie zusammenhängt. Die orthodoxe Kirche hat schon sehr früh die Richtlinien für die amharische Gesellschaft gegeben, da Monarch und Patriarch eng miteinander gearbeitet haben:

„The imperial centre, monolithic and uniform as it may seem, is in other words a body with two heads, the emperor amd the patriarch. [...]

The patriarch’s importance came second to the emperor’s and he sat at his right hand on all public occasions“[45]

Die Abstammungslinie der äthiopischen Kaiser lässt sich bis zum biblischen König David in Jerusalem zurück verfolgen. Dadurch empfindet sich der äthiopische Kaiser gleichzeitig auch als kirchlicher Vertreter.[46]

Aber auch unabhängig vom Kaiser haben die Amharen einen starken christlichen Glauben, der sich wie überall auf der Welt mit den heidnischen Bräuchen vermischt hat. Dieser Synkretismus von christlichen und nicht-christlichen Elementen wird immer wieder gerne von äthiopischen Schriftstellern als Thema verwendet,[47] da das gewöhnliche Volk keine klare Grenze zwischen den beiden Bereichen zieht. Doch selbst gebildete Priester vermischen oft christliche mit heidnischen Praktiken:

„A great number of the clergy seems to participate in sorcery and magic of different kinds.“[48]

„The belief in spirits and their influence on human life and the power and reality of magic seems to be b among practically the whole population, including the clergy and many of the educated.“[49]

Auch in Die Dreizehnte Sonne werden solche Praktiken geschildert. Die Frau des Bauern, die von sich behauptet eine Zauberin zu sein, versucht zusammen mit einem orthodoxen Priester die Leiden des Fitawrary zu heilen. Dabei soll ein Opferschaf auf eine bestimmte Art und Weise geschlachtet werden. Mit dem Blut soll der Fitawrary sich bekreuzigen, mit den Gedärmen soll das Böse aus ihm hinaus geprügelt werden,[50] bzw. soll der böse Geist vom Menschen auf das Opfertier transferiert werden.[51]

Die Vorstellung von der Besessenheit eines Menschen von üblen Geistern ist eine weit verbreitete Ansicht, und viele unterschiedliche Begriffe können für die verschiedenen Arten von Besessenheit in Frage kommen. Ein böser Geist kann als Dämon mit den Namen zar, k≥ olle, säyt≥ an oder set≥ an erscheinen, oder als w™k≥ abi, ‚gekleidet in Fleisch’, als ‚Unnennbarer’.[52] Daher ist es auch üblich eine Art Talisman oder Beschützer um den Hals zu tragen, wie das k™tab oder aπ änk™tab, ein Schutzzauber auf ein Pergament geschrieben, oder den t≥ älsäm, der vor Krankheit und Gefahren schützt.[53]

Auch der Brauch des Schlachtens von Hühnern zur Vorhersage, oder zur Beeinflussung von Geistern, ist wie fast überall in Afrika eine weit verbreitete Maßnahme der Geisterbeschwörung. Die Zauberin in „Die Dreizehnte Sonne“ lässt ein Huhn schlachten, um die bösen Geister zu verwirren.[54]

Die Vorstellung vom ‚bösen Blick’ (aynä t≥ ™la), den manche Menschen (buda) besitzen um anderen Menschen durch bloßes Anschauen Schaden zuzufügen, ist ein weit verbreiteter Glaube,[55]der vor allem den niederen Klassen, wie Schmieden, Gerbern und Töpfern, welche zum größten Teil jüdische Felascha sind, zugeschrieben wird.[56]

Auch der Gebrauch von Zaubertränken ist nicht ungewöhnlich.

In „Die Dreizehnte Sonne“ wird dem Fitawrary eine Mixtur aus Wurzeln, dem Schnabel eines Kappengeiers, einer Hyänenleber, und Koso-Wasser gebraut. Koso-Wasser ist mit Blüten des Koso-Baumes angereichetes geweihtes Wasser, das eine abführende Wirkung hat.[57] Das Wasser wird aus dem Kratersee entnommen, dem eine heilende Wirkung zugesagt wird.[58] Generell ist der Gebrauch von geheiligtem Wasser zur Kurierung von Patienten sehr verbreitet.[59]

Fitawrary Woldu ist der festen Überzeugung, dass ihm diese Praktiken Heilung verschaffen können. Auch wenn er sich durchweg über sein Erbrechen und gleichzeitigen Durchfall beklagt[60], den das Koso-Wasser bewirkt, lässt er sich doch geduldig weiter behandeln und die zum Teil demütigende Behandlung über sich ergehen.[61]

Viele äthiopische Autoren möchten darauf aufmerksam machen wie viel Unehrlichkeit in diesen magischen Praktiken steckt, und dass viele ‚Zauberer’ den religiösen Glauben einfacher Leute ausnutzen und oft einschüchternd sind, um Geld für ihre Behandlung zu bekommen.[62] Sie kritisieren auch den äthiopischen Klerus darin, dass er Schamanismus mit christlichen Praktiken mischt.[63]

5.2  Goytom

„The social order is regarded as created by God; it is, therefore, the evil in rebellious human nature that wants to introduce changes in society.“[64]

Der Gedanke der sozialen Veränderungen ist mit der Vorstellung verknüpft, dass immer wenn ungewöhnliche Dinge passieren, das Ende der Welt nahe ist. Die Äthiopier nennen diesen letzten Abschnitt der Weltgeschichte s™mm™ntäññaw π ih, ‚das achte Jahrtausend’. Daher ist es nicht einfach Reformen in Gang zu setzen, egal welcher Art, da sie in jedem Fall vom Kaiser und auch vom Volk abgelehnt werden würden. Denn auch wenn sich Reformgedanken im Volk entwickeln würden, würde es keiner wagen seine Stimme gegen die des Kaisers zu erheben. Hinzu kommt, dass zu Beginn der 60er Jahre noch etwa 95% der äthiopischen Bevölkerung Analphabeten waren.[65]

Goytom ist ein gebildeter, junger Äthiopier, der viel für sein Land tun möchte, aber seine Grenzen genau kennt[66].

„He has learned the ideals of (in the best sense) socialized Europe, and he is already sure that he cannot realize those ideals in his father’s Ethiopia – and probably not in his own.“[67]

Er steht im starken Kontrast zu seinem Vater, der an einer alten, ‚ nicht mehr entsinnbaren’ Zeit festhält, während Goytom die Welt in seine eigene Zeit rücken möchte.[68] Für seinen Vater ist er ein Schwächling, ein Tunichtgut, der nicht arbeiten kann. [69] Der Fitawrary berichtet mit Stolz von sich, dass er in Goytoms Alter 90 Kilometer am Tag gelaufen sei, ein Schaf ganz alleine geschlachtet und zerlegt habe. Er fühlt sich als Mann, als Held, der auch als ein solcher respektiert werden möchte, immerhin hat er in der Schlacht von Maichew gekämpft, wo sie vor Hunger rohes Pferdefleisch gegessen haben und den Urin ihrer Tiere getrunken haben.[70] Doch das interessiert Goytom alles nicht, für ihn sind die glorifizierten Berichte über die großen Schlachten alles Lügen, und das Heldentum seines Vaters ist für ihn veraltet.[71]

„Und er erzählt mir, daß er diese und jene Auszeichnungen besitzt, als ob ich irgend etwas darauf gebe. Auszeichnungen, die den Menschen verliehen werden, weil sie die allergrößten Lügen erzählen oder die allergrößten Feiglinge sind.“[72]

Goytom möchte Äthiopien wieder ins richtige Licht rücken, er möchte Äthiopien retten.[73] Er berichtet von der Schönheit des Landes, von seinen Bergen und Tälern, von der unberührten Wildnis, durch die nur Trittpfade führen. Aber gleichzeitig möchte er, dass neue Straßen gebaut werden, was einen Widerspruch zur unberührten Wildnis darstellt.[74]

Er möchte den Menschen von der Zukunft des Landes erzählen, aber niemand würde ihm zuhören!

„Sprich über die soziale Wirklichkeit in deinem Land und du wirst aus der Schule geworfen; laß dich über diene miserablen Arbeitsbedingungen aus und du wirst von deinem Posten gefeuert; erhebe deine Stimme über gewisse Unrechtmäßigkeiten in der Regierung und du landest im Gefängnis; sprich überhaupt und du bist sogar von deinen Freunden verlassen.“[75]

Doch die Veränderungen in Äthiopien sind bereits bemerkbar. Vor allem die jungen Leute, die in Kontakt mit der westlichen Zivilisation stehen, versuchen den westlichen Lebensstil anzunehmen, indem sie europäische oder amerikanische Kleidung tragen, westliche Technologie und westliches Essen bevorzugen.[76] Sicherlich steht dieser Lebensstil nur wohlhabenden Äthiopiern offen, was die große Spalte zwischen Arm und Reich deutlich macht. Die radikalste Veränderung ist bei der Heirat junger Leute zu beobachten. Während zu früheren Zeiten der Heiratspartner immer von den Eltern ausgesucht worden ist, zum Teil schon im Kindheitsalter, können heute manchmal zwei sich liebende Menschen allein zueinander finden. Natürlich ist es auch heute noch verpönt in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten auszutauschen, ‚Händchenhalten’ dürfen nur platonische Freunde, in der Regel Männer.

Doch das Bild Goytom, als Symbol für die gebildete Schicht, wie Studenten und Universitätsmitglieder ist brüchig:

„The problem with Goytom is he is never practical. He lives his life in his mind. He creates an image and tries to follow that image.“[77]

Daniachew Worqu beschreibt in einem Interview, dass die gebildeten Menschen an der Universität alle Goytoms sind, die nur reden, aber in ihren Illusioen feststecken und daher handlungsunfähig sind. Obwohl von einem gebildeten Menschen erwartet wird, dass er seiner Familie und seinen Freunden hilft indem er Verantwortung übernimmt.

  „And yet, we still talk of being practical and helping our country.“[78]

5.3  Woynitu

Woynitu hat es schwer, denn gerade als Frau hat sie nicht viele Rechte, schon gar nicht, da sie die Tochter einer Prostituierten ist. Wenn sie von der Hochzeitsnacht eines jung verheirateten Paares spricht, hört es sich an, als sei die Frau nicht mehr als das Haushalts- und Befriedigungsobjekt des Mannes. Die Frau wird schon vor der Hochzeitsnacht durch Fasten und dem Verzehr von Koso-Blüten betäubt, bzw. geschwächt, damit sie dem Mann gefügig ist.

„Und der Bräutigam kann sich in aller Ruhe seiner Pflichterfüllung widmen – ohne daß sie ihn kratzt und beißt...“.[79]

Die Erfahrungen, die Woynitu macht, machen die materielle Gier und die damit verbundene Unmenschlichkeit deutlich. Sie ist ein Exempel für die Ausnutzung der Menschen, für zwischenmenschliche Ungerechtigkeiten, denn jeder versucht sein Geschäft zu machen, und den den größt möglichen Nutzen daraus zu ziehen, egal wie brutal es dabei zugeht.[80] Von ihrer Mutter wird sie ausgenutzt, indem sie möchte dass Woynitu sich auch prostituirt, um sich von wohlhabenden Männern sexuell ausbeuten zu lassen.[81]

Auch ihr Halbbruder Goytom ist an ihr sexuell interessiert, was zunächst auch von ihr ausgeht, denn sie träumt davon, Stewardess bei Ethiopian Airlines zu werden und im Falle eines Flugzeugabsturzes von ihrem Bruder gerettet zu werden.[82] Goytom zeigt deutlich Eifersucht, wenn er den Bauern und Woynitu Hand in Hand sieht, und schon früher hatte er an ein sexuelles Verhältnis mit ihr gedacht und zunächst akzeptierten Goytom und sein Vater sie nicht als vollwertiges.[83] Erst nach seiner ‚Geisteraustreibung’ ist der Fitawrary bereit sie als seine Tochter zu akzeptieren. Dies macht er mit dem Geschenk seines goldenen Kreuzes deutlich.[84] Doch Goytom sieht nur den wirtschaftlichen Nutzen in ihr, denn wie alle hübschen Mädchen wird auch sie die Touristen anziehen und wichtige Geschäftsmänner nach Äthiopien locken.

„Und Woynitu zieht Touristen und alles an. Sie könnte vielleicht irgendein Geschäft abwickeln. Hübsche Mädchen exportieren. Die haben wir ja hier im Überfluß. Wir werden auch mehr Einkünfte für unser Land haben. Kaffee und Häute und Mädchen – so wird die Liste unserer Exporte lauten. Und unsere Importe – alle möglichen internationalen Währungen.“[85]

Nachdem Woynitu den Bauern beim Feuermachen beobachtet hat, ihm zur Hilfe eilt und ein Gespräch mit ihm über die Lebensgewohnheiten des Bauers führt, vergewaltigt er sie in einer Art Lustrausch, und nimmt ihr die Jungfräulichkeit[86], welche sie so lange versucht hat zu bewahren.[87]

Woynitu ist ein Symbol für ein Äthiopien, dessen Menschen sich gegenseitig ausbeuten. Die Aristokraten, und Landbesitzer beuten die Bauern durch hohe Abgaben aus, die Bettler nutzen ihre Verletzungen und Deformierungen aus um mehr Geld von reichen Touristen zu bekommen.[88] Der Stärkere bzw. Reichere unterdrückt den Schwächeren.

„Everywhere the land is shown to have been exploited by an unenlightened peasantry, and it now enslaves them, making them impoverished, callous, and sullen.“[89]

Der Wert eines Menschen ist nicht durch sein bloßes Dasein als Hominid definiert, sondern durch seine Herkunft, durch seine Abstammung (Daher wird der letzte Kaiser in Äthiopien Hayle S™llase auch von vielen als die Reinkarnation Jesu Christi angesehen, da er der 225. direkte Thronfolger von M™nilek ist, welcher wiederum der direkte Abkomme von Salomo sein soll.[90]). Wer in Armut leben muss, führt ein schandvolles Dasein.[91]

„Diese Armut hat ihnen doch Gott als Strafe auferlegt für ihr sündiges Leben, weil sie an den Namenstagen ihrer Schutzheiligen und an Feiertagen gearbeitet haben“[92],

meint Fitawrary Woldu. Bedienstete werden daher nicht voll respektiert, sie sind praktisch niedere Menschen, mit denen man nicht von einem Tisch essen möchte. Daniachew selbst ist als Kind vom Haus des Generals Asfaw Wälde-Giyorg™s ausgebrochen, weil er mit den Bediensteten zusammen essen musste.[93]

Doch auch die Bediensteten wissen sich zu helfen und drehen am Ende des Romans den Spieß um, indem sie horrende Summen für den Abtransport des verstorbenen Fitawrary verlangen.[94]

5.4  Der Bauer

Neben den drei Protagonisten, Fitawrary Woldu, Goytom und Woynitu bestimmen noch einige wichtige Nebendarsteller das Geschehen.

Der Bauer ist ein Rohling[95], und erscheint auf den ersten Blick brutal. Doch nur in ihm sieht Daniachew Worqu die Hoffnung für ein neues Äthiopien, auch wenn er Woynitu vergewaltigt.

„I didn’t see anything wrong in what he did, it was just natural, and he wasn’t in any way trying to harm her. It is his own way of life; it is his environment that made him what he is.“[96]

Die meisten der gebildete Klasse sind frustriert und idealistisch, in ihnen findet der Autor keine Hoffnung für ein besseres Äthiopien, auch nicht im Fitawrary, der trotz seiner praktischen Natur nur ein mittelmäßiger Christ und sehr abergläubisch ist. Doch die gebildete Klasse ist nicht besser.[97]

Jedoch gibt es psychologische Gemeinsamkeiten zwischen dem Fitawrary und dem Bauern: beide sind vital, appetitreich, eingebildet und egozentrisch.[98] Nur dass der Fitawrary alt und im strerben liegt, und der Bauer auf dem Höhepunkt seiner sexuellen Vitalität steht.

„The contrast is well shown in the koso water (for worms) that causes the old man in his weakness to vomit and excrete simultaneously, as opposed to the sacrificial spayed sheep with the Peasant, in his half-acknowledged role as devil, eats raw.“[99]

Ein weiterer Kontrast lässt sich in der Arbeit des Bauern und des Fitawrarys finden. Der Bauer stellt sich selbst als Arbeitsmensch[100] dar. Er stellt seinen Pflug selbst her und pflügt, säht und hackt alles allein. Auch seine Wudämma, seinen Dreschplatz bereitet er selbst vor.[101] Er macht alles alleine, damit seine Frau ihrer Zauberarbeit nachgehen kann, denn auch er ist ein Zauberpflüger.[102] Er denkt, dass der Fitawrary seine Zauberin mit nach Addis Abeba mitnehmen möchte, und merkt sofort, wenn ihn jemand reinlegen möchte. [103]

Doch der Fitawrary entpuppt sich als Betrüger, der, als er mit Getreide handelte, falsche Gewichte maß, um so einen Profit für sich heraus zuschlagen.[104]

„Und wenn ich Verträge aufstellte, oh, wie klug war ich, mochte es sich um die Pacht für mein Land oder etwas anderes handeln, ich fand immer einen Weg, Nichtigkeitsklauseln einzufügen, und meistens nutzte ich dabei zu meinem eigenen Vorteil, daß meine Kunden nicht lesen konnten. Einige verklagten mich natürlich auch deswegen, aber das nützte ihnen nichts, denn sie mußten viel Geld für die Beamten aufwenden, um am Ende doch nur den Prozeß zu verlieren.“[105]

Den Unterschied zwischen dem Bauern und Fitawrary Woldu fasst Robert Wren folgendermaßen zusammen:

„He [Fitawrary Woldu] is in short parasitic; the Peasant, productive. The differing morality their economic life sets them apart as distinctly as their class.“[106]

Was den Bauern von den anderen Charakteren unterscheidet, ist, dass er an das glaubt, was er macht und daher liegt die Hoffnung in ihm.[107]

5.5  Die Zauberin und der Priester

Die Namen des Bauern und seiner Frau, der Zauberin sowie der des Predigers, bzw. Priesters werden nicht erwähnt, dennoch nehmen sie eine wichtige Rolle in Daniachew’s Roman ein. Der Prediger ist mehr eine Schattenfigur[108], doch die Zauberin

„[...]is fully realized as a character, sensual, attractive with full faith in herself and her powers, faith in both the devils whom she commands and deceives and in the sacraments of the church – which ultimately, she turns to.“[109]

Sie und der Prediger stehen symbolische für die Macht der Kombination von Glaube und Aberglaube.[110] Doch gibt es keine klare Verbindung zwischen den beiden.

„[...] for she chews qat to create the hallucinations which verify to her (and to all) her powers, and speaks in a language which must be interpreted by the priest, whose participation is essential, though passive.“[111]

Robert Wren bemerkt, dass sich am Ende des Romans in einer Predigt herausstellt, dass der Priester bis 1960 ein Mitglied der Geheimpolizei gewesen sei, was nach Daniachew Worqu keine Seltenheit war.

„Secret agents pretend to be priests and monks. That is in part how the emperor succeeded in paralyzing the country people, ladies, gentlemen of all sorts, they thought that they were confessing to religious people bur if they admitted to any ill feelings or intent against the Emperor they were destroyed.“[112]

Zunächst kann man sich nur auf die Vermutung verlassen, dass dies stimmt:

  „Sie hatte den Eindruck, daß sie [, die Füße] nicht gewohnt waren bloß zu sein.“[113]

Doch im anschließenden Kapitel wird es in einem Gespräch deutlich.

„Und davor war er Hauptmann im Geheimdienst Seiner Majestät. Aufgrund seiner Äußerungen und Taten während des letzten coup d’état wurde er in Unehren seines Dienstes enthoben.“[114]

Zwischen den Zeilen, lässt sich jedoch mehr finden, und auch so ist dieses Kapitel ‚Die Offenbarung’ (S. 231-250) eine wichtige Schlüsselszene. Die Menschenmassen pilgern mit dem Tabot (das Heiligtum, in dem die Bundeslade eingewickelt ist) zum Schrein des Abbo, eine alljährliche Prozession. Dabei bleibt der Tabot, bzw. bleiben seine Träger kurz vor dem Klostergelände stehen, was einen großen Aufruhr unter den Menschen verursacht. Der Priester tut nicht verwundert und predigt über den Grund, warum der Tabot stehen geblieben sei. Die Schuld und die Sünden der Menschen, dass sie sich von Christus abgewandt haben, sei daran Schuld. Abbo selbst weigere sich seinen Schrein zu betreten, ja sogar in seine Nähe zu kommen.[115]

Das 8. Jahrtausend stünde bevor, der Tag des jüngsten Gerichts.

„Die Stunde, in der die Knechte sich gegen ihre Herren erheben. Die Kinder gegen ihre Eltern. Die Stunde, in der Kinder die Hand beißen, die sie ernährt. Sich gegen ihren Kaiser erheben. Gegen den Kaiser, der sie mit Milch und Honig ernährt. Der sie zu gebildeten Menschen macht. Der sie aus dem Dreck zieht und zu Ministern und Generälen macht.“[116]

Er macht den Menschen mit diesen Vorwürfen ein schlechtes Gewissen, dass sie sich nicht vom Kaiser abkehren, der ihnen ja angeblich soviele Vorzüge bietet. Gleichzeitig zeigt er ihnen auf, was alles passieren soll, wenn sie dem Kaiser und somit Gott nicht loyal bleiben.

„Wir alle wissen, was es bedeutet. Es bedeutet Missernten, Heuschrecken, Seuchen, Hunger, Tod und Verderben sowohl der Menschen als auch der Tiere – das Nahen des jüngsten Tages.“[117]

Er rät denjenigen, die sich seiner Ansicht nach gegen ihren Kaiser versündigt haben, ihre mutmaßlichen Verbrechen zu gestehen und die Strafe auf sich zu nehmen, da es besser sei die Strafe von einem irdischen König auf sich zunehmen, als von Gott, und es besser sei in einem irdischen Gefängnis zu sitzen, als die Qualen der Hölle erleiden zu müssen.[118]

Besonders auf die Zauberin hat der Prediger ein große Ausstrahlung. Auch wenn sie sich schon einige Jahre kennen, bemerkt sie verwundert, dass er eine starke Ähnlichkeit mit dem Bildnis Jesu Christi hat, das er um den Hals trägt.[119] Aber könnte der Priester sich nicht bewusst so verändert haben, um den Menschen ein falsches Bild von sich zu geben? Nach vielen wechselnden Blicken ist die Zauberin bereit ihren alten Praktiken abzuschwören, und sich wieder Christus zu zuwenden.[120]

Nach diesen ermahnenden Worten des Predigers setzt sich die Prozession wieder Richtung Klosteranlage in Bewegung, und sobald der Tabot die Schwellen der Kirche passiert hat, beginnt das große opfern der Tiere, die auf recht brutele Weise geschlachtet werden, man könnte sagen, dass sie regelrecht zerfleischt werden.

„Ringsum im Kirchhof begannen sie die Opfertiere bei lebendigem Leibe zu zerschneiden. Der eine schnitt, der andere packte zu; der eine strauchelte, der andere lief. Überall im Kirchhof wurden Tiere zerlegt, noch ehe sie tot waren, der eine säbelte am Hinterbein, der andere am Vorderbein, der dritte am Bauch. Und Abbo fand Gefallen an dem, was sich dort abspielte. Zumindestens glaubten das die Menschen.“[121]

5.6  Weitere Charaktere

Die Hauptpersonen und einige weitere sind nun besprochen worden, doch gibt es noch ein paar symbolträchtige Charaktere die ich kurz umranden möchte.

Der Ferenj (amh.: Ausländer; Europäer) ist einer davon. Er führt ein paar Zaubertricks vor, von denen die Menschen stark beeindruckt sind. Daniachew wirft hier die Frage auf, was geschehen könnte, wenn Äthiopier zu sehr den westlichen Einflüssen nacheifern, nämlich das sie blind den falschen Werten folgen, die gleichen Fehler wie die Europäer und Amerikaner machen, und in eine Sackgasse laufen.

„Imagine first that the peasant himself could fool the whole population and could make them bow to him? What would happen if a Ferenj happen to come in at such a place? [...] So luckily the Ferenj was only on a temporary visit.“ [...]

„I don’t want my country to repeat their mistakes. I want a gradual and not a sadden [sic!] and volcanic change to take place in my country creating complete dislocation for men and things.“[122]

Die Gutsherrin, eine Person, welche sehr korpulent erscheint, ist ein weiteres Bild dafür wie gut es den Wohlhabenden geht, so auch die Versammlung der Priester beim Nachtmahl.[123] Ihr Mahl ist strikt hierarchisch gegliedert. Erst essen die Priester, dann kommen die Klosterschüler an die Reihe und zuletzt werden alle Essensreste in einem Korb gesammelt und den Bettlern vor der Tür gegeben. Doch die Priester essen dabei so viel, dass sie zwischendurch immer wieder an eine Grube gehen müssen, um sich zu übergeben. Die Einen schlagen sich den Bauch so voll, dass sie sich übergeben müssen und die Anderen bekommen den Abfall zu essen.[124] Dabei wurde das Essen von der wohlhabenden Gutsherrin gespendet.

Die letzte Person, die ich noch erwähnen möchte ist die junge Dame die Goytom am See erblickt. Sie taucht öfter im Text auf, schon zu Anfang, als die Gruppe den Berg hinauf steigt ist er fasziniert von ihr und fühlt sich zu ihr hingezogen. Doch sie ist nur eine Illusion, wenn er den See erreicht ist sie weg.

„The whole thing is the image of this country, the image of his father and everything, that is Ethiopia. [...] She is just a girl in his imagination, she isn’t ever real.“[125]

Sie ist eine Metapher für seine Untätigkeit. Er kann nur reden, aber es folgen keine Taten, so wie die gebildeten Universitätsangestellten, die Daniachew hier kritisiert.

„And I know for a fact that most graduates who had been working for five or six years, did nothing but talk like Goytom.“[126]

 

6.  Thirteen months of sunshine

Es hat sich gezeigt, dass Die Dreizehnte Sonne voller Ambiguitäten ist, wie so vieles in der äthiopischen Gesellschaft.

Goytom, der einerseits voller Ideen und Idealen ist, kann letztendlich doch nichts verändern, da ihm keiner zuhört, und er nicht handelt. Es werden seinen Worten keine Taten folgen.[127] Auf die gebildete Klasse vertraut man, die für eine bessere Zukunft stehen sollte, aber nur redet und nichts tut[128]. Sie ist aber andererseits machtlos, da sie an die Vorgaben der Kirche und des Kaisers gebunden war, sowie sie nach dem Putsch des Kaisers an die Bedingungen des sozialistischen Regimes gebunden ist.

Daher musste Daniachew Worqu aufpassen bei dem was er schrieb, um nicht als Landesverräter verfolgt zu werden. Vor allem weil er Anspielungen auf den Kaiser machte. Eine Passage musste er noch einmal abändern, da der Zusammenhang mit dem Kaiser zu offensichtlich war.

„At one place Goytom said „begging from Europe, begging from India, begging from China, begging from America“, and so on. I cancelled all out all those things and said „begging manna from heaven, begging manna from everywhere“[.] At that time if the Emperor chanced to get my book he would know immediately that he was the person who was begging for money all over the world.“[129]

Doch Daniachew wollte den Kaiser persönlicher darstellen und lebensnahe, damit sein Handeln nachvollziehbarer wird.

„In the Fitawrary, I was actually trying to depict the Emperor. [...] In reallity, yes, he lives, he reigned for 50 years, in his own way, his own style. People bowed down to him. He was everything. But in fiction I had to nake him a particular human being. So I made him the Fitawrary.“[130]

Weitere Doppeldeutigkeiten, findet man in der Selbstdarstellung des Bauern, der auf der einen Seite glaubt, dass die Geister durch ihn wirken, aber ihre Präsenz nicht spürt, und daher skeptisch gegenüber der Arbeit seiner Frau ist.[131] Dass er selbst, in der Darstellung eines Geistes am Ende des Romans, vor seinem eigenen Hauseingang vom Fitawrary erschossen wird, muss man ironisch verstehen.[132]

Die größte Zweideutigkeit ist jedoch der Titel des Romans an sich. Die Dreizehnte Sonne verweist darauf, dass das äthiopische Jahr dreizehn Monate hat und nicht zwölf. Das kommt daher, dass ein äthiopischer Monat nur 30 Tage hat, und die übrigen sieben Tage zu einem dreizehnten Monat (P≥ agumen) zusammengefasst werden. Im ersten und letzten Kapitel wird auf Werbetafeln für erfolreiche Produkte geworben, in der Regel Zigarettenmarken, aber auch für erfolgreiche Unternehmen, wie Ethiopian Airlines, mit dem Motto: ‚Flieg mit Ethiopian Airlines – Dreizehn Monate Sonnenschein’. Dies wirft ein falsches Licht auf die tatsächlichen Verhältnisse in Äthiopien. Denn Äthiopien wird nicht von Erfolgsunternehmen und vom Wohlstand dominiert, sondern immer noch von Armut und Korruption. Daniachew möchte dieses Missverhältnis zwischen der Touristenwerbung und der Realität aufzeigen.

„People come to the country of thirteen months of sunshine, and I was trying to show them the other side; no you are not coming to that; you are coming to a country where disease and hunger are rampant. [...] if you only come to the sunny side of Ethiopia, then you are mistaken. [...] And so I was trying to take the other role, the other side, and depict it as it is without my personal commentary: just see this and make your own impression.“[133]

 

7.  Zusammenfassung

Daniachew Worqu hat in seinem Roman versucht die sozialen und politischen Missstände in Äthiopien aufzuzeigen und gleichzeitig vor Gefahren zu warnen, die durch eine falsche Entwicklung des Landes eintreten könnten. Dabei kam es ihm nicht so sehr darauf an, eine gut unterhaltende Handlung zu erschaffen, der leicht zu folgen ist, so wie es die meisten Leser erwarten und auch die meisten Autoren sie anstreben. Ihm ging es mehr um die Atmosphäre und um den Eindruck der beim Leser bleibt.[134] Und in der Tat überliest man viele Ereignisse beim ersten Durchgang leicht, selbst die Vergewaltigung der jungen Woynitu, da Danaichew mehr die Athmosphäre und die Emotionen der Handelnden beschreibt, denn die eigentliche Handlung.

„However, I’m trying to come out of such a rigidity. After all, the writer, why shouldn’t he take life as it is? Should it really matter if the story is simple and the characters onedimensional? Or if the story and the characters are subsidiary to the atmosphere?“[135]

Daniachew weicht mit diesem Schreibstil stark von dem der Allgemeinheit ab, doch genau das beabsichtigt er. Er geht den Weg, der am wenigsten betreten wurde[136], auch auf die Gefahr hin missverstanden zu werden, oder gar aus besagten Gründen verfolgt zuwerden. Er schreibt nicht um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, sondern alleine zu seiner eigenen Zufriedenstellung, zu seiner eigenen Unterhaltung und eigentlich hat er nie erwartet, dass der Roman veröffentlicht wird, wegen der enormen Kritik am Kaiser.

Daniachew Worqu möchte Veränderungen, aber diese dürfen nicht zu schnell gehen, sonst machen die Äthiopier die gleichen Fehler wie die Europäer.[137] Bevor sie Straßen bauen müssen die Menschen erst gebildet und aufgeklärt genung sein, um dem Bösen zu widerstehen, dass die Straßen mit sich bringen.[138]

Zum Verhalten des Kaisers sagt er folgendes:

„If the Emperor had not been so stubborn, if he had seen where the sitations were moving, if he had helped us writers, a different situation C[c]ould have developed I[i]n poetry, in plays, in stories the Emperor never cared. He only wanted those people around him who were building him up and because of that he failed.“[139]

Diese Arbeit soll weder als sozial-kritische Studie gesehen werden, noch als reine Interpretation des Textes. Mir kam es eher darauf an ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Textanalyse und Gesellschaftsbeschreibung zu finden, und die Ansichten von Daniachew Worqu dabei in den Vordergrund zu stellen. Daher habe ich ihn an vielen Stellen selbst sprechen lassen, weil er sein Werk am besten kennt und die von ihm erschaffenen Bilder am besten deuten kann.

Ich denke im Ganzen ist die Arbeit ein recht guter Überblick über die äthiopische Literatur im allgemeinen, über das Lebenswerk Daniachew Worqus und über die äthiopische Gesellschaft. Doch es wäre gut die gewonnen Erkenntnisse in einer weiteren literarischen Studie zu erweitern, denn Daniachew Worqu ist nicht der einzige kritische Autor in Äthiopien, einige mussten leider ihre Kritik an der Regierung, wie Bä’alu G™rma mit dem Leben einbüßen.

 

Literaturverzeichnis:

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Daniachew Worqu. 1982. Die dreizehnte Sonne. Originaltitel: 1973. The Thirteenth Sun.

London: William Heinemann Ltd.

Eide, Øyvind M. 2000. Revolution & Religion in Ethiopia – 1974-85.

Eastern African Studies.  London: James Currey Ltd.; Athens, Ohio:
Ohio University Press; Addis Ababa: Addis Ababa University Press

Ethnologue. 2001. Volume 1. Languages of the World. Fourteenth Edition.

Hrsg.: Barbara F. Grimes. Dallas, Texas: SIL International. Erste Ausgabe: 1951.

Jensen, Hans. 1969. Die Schrift — In Vergangenheit und Gegenwart.

VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin.

Levine, Donald N. 1965. Wax & Gold – Tradition and Innovation in Ethiopian Culture.

Chicago und London: The University of Chicago Press.

Melakneh Mengistu.  2005.  Map of African Literature. 

Addis Abeba: Branna Enterprise

Molvaer, Reidulf Knut. 1980. Tradition and Change in Ethiopia

Social and cultural life as reflected in Amharic Fictional Literature ca 1930-1974. Leiden: E.J. Brill.

1997. Black Lions – The Creative Lives of Modern Ethiopia’s Literary Giants and Pioneers. Asmara, Eritrea: The Red Sea Press.

Wright, Stephen G. 1970. Amharic Literature. In: Something.

Sonstige Quellen: 

Online-Recherche am 19.09.2005 14:30 Uhr:

s.Q. 1  Wren, Robert M.  The Ethiopian Volcano: Ambiguity and Meaning, in Daniachew’s
The Thirteenth Sun  In: WLWE – World Literature Written in English

http://www.adefris.net/eng_reviews/rv_eng_2.htm

s.Q. 2  Interview mit Daniachew Worqu, September 1974  by Robert. M. Wren

http://www.adefris.net/crt_esay/intervew_01.htm

s.Q. 3  Alem Mezgebe.  „Thirteenth Sun“: A Review

http://www.adefris.net/eng_reviews/rv_eng_3.htm

s.Q. 4  Henning Behrens. ELM Mitteielen. Die vergessene Volkgruppe (Felascha)

http://www.elm-mission.net/deutsch/mitteilen/ausgaben/062001/indexjs.html?
http://www.elm-mission.net/deutsch/mitteilen/ausgaben/062001/seite17.html

s.Q. 5  http://volcano.und.edu/vwdocs/volc_images/img_zukwala.html

Aus: Paola, G.M. Di, " The Ethiopian Rift Valley," Francesco Giannini & Figli, Napoli, Italy, 44 pp., August 1972.

s.Q. 6  A brief Introduction to Qené 

  www.meskot.com/qene  15.09.2005


[1] Ethnologue I. 2000. S. 116-117

[2] Ethnologue I. S. 109

[3] ibid. S. 166

[4] Bartnicki / Mantel-Nie£ko. 1978. Geschichte Äthiopiens. S. 6 ff.

[5] Ibid. S. 32 ff.

[6] Ibid. S. 320-349;

ebenso Bahru Zewde. 1991. A History of Modern Ethiopia. S. 72-85

[7] Bartnicki / Mantel-Nie£ko. S. 494-549

ebenso Bahru Zewde. S. 150-179

[8] Bartnicki / Mantel-Nie£ko. S. 27 ff.

[9] Jensen, H.  1969.  S. 334

[10] Beer, D.F.   1977.  In: Research in African Literature. Bd. 8, 1. S. 99

[11] Ibid. S. 100

[12] Molvaer, R. K. 1997. Black Lions. S. 296

[13] Beer. 1977. S. 121

[14] Ibid. S. 108

[15] Molvaer, R. K. 1980. Tradition and Change in Ethiopia.  S. 223

[16] s.Q. 6 www.meskot.com/qene  15.09.2005

[17] Beer. 1977.  S. 100

[18] Ibid. S. 100

[19] Ibid. S. 99

[20] Ibid. S. 101 / Beer. 1986.  S. 982

[21] Beer. 1986. S. 982

[22] Beer. 1977. S. 100

[23] Ibid. S. 100

[24] Ibid. S. 103

[25] Ibid. S. 103

[26] Ibid. S. 104

[27] Ibid. S. 114

[28] Ibid. S. 105

[29] Ibid. S. 105

[30] Ibid. S. 120

[31] Ibid. S. 112

[32] Ibid. S. 112

[33] Ibid. S. 121

[34] Ibid. S. 108

[35] Ibid. S. 121

[36] Ibid. S. 122

[37] Die in diesem Kapitel angeführten Informationen entstammen alle aus dem Werk ‚Black Lions’ von Reidulf Molvaer, von 1980.

[38] ibed. S. 298

[39] Beer.  1977.  S. 109

[40] s.Q. 5  http://volcano.und.edu/vwdocs/volc_images/img_zukwala.html

[41] s.Q. 1  Wren, Robert M.  1976.  The Ethiopian volcano:...  S. 1

[42] Ibid. S. 1

[43] Ibid. S. 1

[44] Daniachew Worku.  1973(1980).  Die Dreizehnte Sonne. S. 12

[45] Eide, Øyvind M.  2000.  Revolution & Religion in Ethiopia.  S. 32

[46] Ibid. S. 31/32

[47] Molvaer, R. K.  1980.  S. 113

[48] Ibid. S. 113

[49] Ibid. S. 111

[50] Danischew Worku.  S. 67/68; auch S. 100

[51] Molvaer.  1980.  S. 110

[52] Molvaer.  1980.  S. 105

[53] Ibid. S. 107

[54] Daniachew Worku.  S. 109

[55] Molvaer.  1980.  S. 107

[56] s.Q. 4  Behrens, Henning.  http://www.elm-mission.net

[57] Ibid. S. 66/69

[58] s.Q. 1  Wren, Robert M. 1976. The Ethiopian Volcano: ...  S. 1

[59] Molvaer.  1980.  S. 130

[60] Beer. 1977.  S. 109

  Daniachew Worqu S. 84

[61] Daniachew Worqu S. 100

[62] Molvaer.  1980.  S. 120

[63] Ibid. S. 84

[64] Ibid. S. 70

[65] Eide.   S. 29

[66] s.Q. 1  Wren, R. M.    1976  S. 2

[67] Ibid. S. 2

[68] s.Q. 3  Alem Mezgebe. „Thirteenth Sun“ A Review. S. 2

[69] Daniachew Worku.  S. 127

[70] Daniachew Worku.  S. 129

[71] Ibid. S. 130

[72] Ibid. S. 130

[73] Ibid. S. 188

[74] Ibid. S. 187

[75] Ibid. S. 188

[76] Molvaer.  1980.  S. 168

[77] s.Q. 2    1974.  Inteview with Daniachew Worqu by Robert Wren. S. 3

[78] Ibid. S. 3

[79] Daniachew Worqu.  1973.  S. 31

[80] Beer.  1977.  S. 110

[81] Daniachew Worqu.  1973.  S. 79 ff.

[82] Ibid. S. 24

[83] Ibid. S. 47 f.

[84] Ibid. S. 109 f.

[85] Ibid. S. 58

[86] Ibid. S. 166

[87] s.Q. 1  Wren.  1976.  S. 2

[88] Beer.  1977.  S. 110

[89] Ibid. S. 110

[90] Bartnicki / Mantel-Nie£ko. S. 27 ff.

[91] Molvaer.  1980.  S. 42

[92] Daniachew Worqu.  1973.  S. 86

[93] Molvaer.  1997.  S. 291

[94] Daniachew Worqu.  1973.  S. 275 f.

[95] Ibid. S. 164

[96] s.Q. 2  1974.  Interview with Daniachew Worqu.  S. 2

[97] s.Q. 1  Wren.  1976.  S. 2

[98] Ibid. S. 2

[99] Ibid. S. 2

[100] Daniachew Worqu.    1973.  S. 111

[101] Ibid.  S. 114

[102] Ibid.  S. 112

[103] Ibid.  S. 113

[104] s.Q. 1  Wren.  S. 2

[105] Daniachew Worqu.  1973.  S. 87

[106] s.Q. 1  Wren.  S. 3

[107] s.Q. 2  1974  Interview with Daniachew Worqu.  S. 2

[108] s.Q. 1  Wren.  S. 3

[109] Ibid.  S. 3

[110] Ibid.  S. 3

[111] Ibid.  S. 3

[112] s.Q. 2  S. 3

[113] Daniachew Worqu.  1973.  S. 248 f.

[114] Ibid.  S. 256 f.

[115] Ibid.  S. 242

[116] Ibid.  S. 240

[117] Ibid.  S. 241

[118] Ibid.  S. 243

[119] Ibid.  S. 236

[120] Ibid.  S. 247

[121] Ibid.  S. 252

[122] Ibid.  S. 4

[123] Daniachew Worqu. 1973. S. 190 f.

[124] Ibid.  S. 191

[125] s.Q. 2  S. 3

[126] Ibid.  S. 3

[127] vgl. Kapitel 5.2

[128] s.Q. 2  S. 3

[129] s.Q. 2  S. 2

[130] Ibid.  S. 2

[131] Ibid.  S. 2

[132] Daniachew Worqu.  1973.  S. 263 f.

[133] s.Q. 2  S. 6

[134] Ibid.  S.1

[135] Ibid.  S.1

[136] Ibid.  S. 5 f.

[137] vgl.  Kapitel 5.6

[138] s.Q. 2  S. 4

[139] Ibid.  S. 4


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