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Bourdieu und der soziale Raum

Subtitle: Eine ökonomische Perspektive

Termpaper, 2004, 33 Pages
Author: Sven Sygnecka
Subject: Sociology - Economy and Industry

Details

Event: Bourdieu - eine Einführung
Institution/College: Free University of Berlin (Institut für Erziehungswissenschaften)
Tags: Bourdieu, Raum, Bourdieu, Einführung
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 33
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 23  Entries
Language: German
Archive No.: V110855
ISBN (E-book): 978-3-640-18572-6
ISBN (Book): 978-3-640-33729-3
File size: 145 KB

Abstract

Die Konzeption des sozialen Raums wird von der Empirie isoliert und ein alternatives mathematisches Verfahren verwendet, um die Eigenschaft des sozialen Raums als Möglichkeitsraum zu schärfen. Damit eröffnet sich ein neuer Blick auf die Funktionsweisen des bei Bourdieu als Wahrnehmungs- und Verhaltensmuster verhafteten Habitus. Die zu erwartenden Probleme bei der Wiedereinführung der Empirie werden diskutiert.


Excerpt (computer-generated)

Seminar:

Pierre Bourdieu ­

Soziologische Theorie als Grundlage pädagogischen Handelns

Dozent:

Arbeitsbereich Sozialisationsforschung / Sozialisation und Lernen

im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie

an der Freien Universität Berlin

Abgabedatum:

5.10.2004

Bourdieu und der soziale Raum ­

eine ökonomische Perspektive

Hausarbeit

Name:

Sven

Sygnecka

Matr.

Nr.:

Studiengang:

VWL. soz. Richtung

Semester:

8.

Sem.

Anschrift:

Telefon:

E-Mail:


Sygnecka: Bourdieu und der soziale Raum

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis II

Abkürzungsverzeichnis II

Literaturverzeichnis 26

Glossar 28

Bourdieu und der soziale Raum 1

1. Einleitung 1

1.1. Motivation 1

1.2. Rahmen 2

2. Grundlagen 3

2.1. Sozialstruktur 3

2.2. Bourdieus

Begriffsfeld 4

2.2.1. Kapitalsorten 5

Ökonomisches Kapital 6

Kulturelles Kapital 7

Soziales Kapital 8

Symbolisches Kapital 9

2.2.2.

Transformation von Kapital 10

2.2.3.

Die Konstruktion des Sozialen Raums bei Bourdieu 12

3. Alternative Konstruktion des sozialen Raums 13

3.1.

Kapitalausstattung als Vektor 15

3.2.

Bögen und Bogenabschnitte als Struktur 17

3.3.

Die dritte Dimension 19

4. Anwendung des Modells 21

4.1. Symbolisches

Kapital 21

4.2. Soziale

Ungleichheit 22

5. Zusammenfassung 24

I


Sygnecka: Bourdieu und der soziale Raum

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Der soziale Raum mit den drei Kapitaldimensionen 14

Abb. 2: Der Kapitalvektor geht vom Koordinatenursprung zur Position im sozialen Raum 15

Abb. 3: Sektoren im sozialen Raum 17

Abb. 4: Die grauen Pfeile auf der öK-kK-Ebene entsprechen den Vektoren in Abbildung 2 20

Abb. 5: Der soziale Raum mit Kapitalrichtungsnetz auf der Isokapitalschale. 20

Abkürzungsverzeichnis

öK

ökonomisches

Kapital

kK

kulturelles

Kapital

sK

soziales

Kapital

Zitierweise

Die Angabe der Quelle erfolgt in Kurzform bei Zitaten direkt im Text, bei Verweisen in

der Fußnote. Bei den Quellenangaben im Text wird der Name des Autors, wenn im Text

mehrere Quellen des selben Autors zitiert wurden, das Erscheinungsjahr und die Seiten-

zahl, im Bedarfsfall durch einen Doppelpunkt von der Jahreszahl getrennt, in einer Klam-

mer angegeben. Die Klammer beginnt bei den Verweisen erst hinter dem Autorenname.

Den genauen Titel der Quelle, Erscheinungsort und Verlag bzw. die Internetadresse finden

Sie im Literaturverzeichnis auf Seite 26f. Im nachfolgenden Glossar habe ich auf die An-

gabe der lexikalischen Quellen verzichtet.

II


Sygnecka: Bourdieu und der soziale Raum

Bourdieu und der soziale Raum

1. Einleitung

1.1. Motivation

Die Beziehung zwischen den Wissenschaften Ökonomie und Soziologie ist gestört. Die

einen beschäftigen sich mit dem Rationalen, der Maximierung des eigenen Nutzens. Die

anderen sagen, das würde nicht reichen, um die Gesellschaft und deren Prozesse zu erklä-

ren - und dann entbrennt ein Streit darum, wer nun Recht habe. Genau genommen ist die-

ser Streit einer um die definitorische Herrschaft innerhalb der Gesellschaftswissenschaften.

Wenn immer Kalkül und sparsamer Umgang ­ auch mit gesellschaftlichen Ressourcen ­

diskutiert werden, bildet sich sofort die Front zwischen scheinbaren Zerstörern und Bewah-

rern des Sozialen, also die Ökonomen gegen die Soziologen. Da man aber nur bewusst

rational anwenden kann, was man durchschaut, könnte die Soziologie einen wesentlichen

Beitrag zu den Grundlagen, der Materie des Berechenbaren leisten, so sie denn will, denn

jeden Funktionszusammenhang des Sozialen, den die Soziologie aufdeckt, gibt sie der rati-

onalen Anwendung im eigenen Sinne preis.1

Vielleicht verhalten sich Soziologie und Ökonomie wie Subjektivismus und Objektivismus

bei Bourdieu. Vielleicht fehlt es einfach an einer Sprache, die beide verstehen, vielleicht

fehlt auf beiden Seiten der Wille und die Bereitschaft sich zuzuhören. Vielleicht ist es nur

der feine Unterschied zwischen Diskreditierung und Ergänzung, der diese Verständigung

vernebelt.

Nun ist es ein gewagtes Vorhaben, diesen giftgrünen Nebel mit Bourdieu zu vertreiben, da

er in seinen späteren Jahren einer der lautesten Protagonisten dieser Front war. Dabei ist

seine ,,Ökonomie der Praxis" ein Ansatz zur Verständigung: ,,Denn es ist ein grundlegen-

des Axiom der »

allgemeinen Wissenschaft der Ökonomie praktischer Handlungen

(...), alle

Handlungen, und selbst noch jene, die sich als interessenlose oder zweckfreie, also von der

Ökonomie befreite verstehen, als ökonomische, auf die Maximierung materiellen oder

symbolischen Gewinns ausgerichtete Handlungen zu begreifen.«" (Müller 1997: 257)2

Bourdieu liefert also einen breiteren Begriff von ,,Ökonomie", wie er auch bei den Wirt-

schaftswissenschaften Verwendung finden könnte.

1 Vgl. Bourdieu (1993: 207ff). Näheres dazu unter 2.2.1, Absatz

Symbolisches Kapital.

2 Müller zitiert hier Bourdieu (1979:356f).

1


Sygnecka: Bourdieu und der soziale Raum

Mit einem Ansatz zur Sozialstruktur, möchte ich im Folgenden die Erkenntnisse, die Bour-

dieu in seinem Klassenmodell des sozialen Raums zusammengefasst hat, in die Sprache

der Ökonomie übersetzen. Dabei kann ich zum einen eine weitere Kapitalsorte einfügen

und ein Rahmen für die empirische Konkretisierung der Kapitalsorten vorstellen. Zum an-

deren soll darin ein Ansatz für eine neue, umfassendere mikroökonomische Theorie (nicht

als Invasion sondern als Annäherung verstanden) gesehen werden. Die Bereitschaft einen

gemeinsamen Weg einzuschlagen kann ich, ganz Volkswirt, nur voraussetzen oder ,,als

gegeben annehmen".

1.2. Rahmen

Bourdieu ist trotz seiner umfassenden wissenschaftlichen Arbeit in Deutschland erst be-

kannt geworden, als er sich mit der ,,Invasion des Neoliberalismus" beschäftigte, bei der

,,die Höllenmaschine" der wirtschaftlichen Logik die Logik der anderen Felder zu überla-

gern drohte.3 Er hat sich damit auf die wissenschaftliche und öffentliche Konfliktlinie So-

ziologie-Ökonomie eingelassen, nachdem ihn viele Jahre lang die berechtigten Zweifel

zurückgehalten haben: kann ein Soziologe etwas über Ökonomie sagen oder erfahren wir

bei dem Versuch nur etwas über seine Beziehung zur Ökonomie?

Die Annahme, die Menschen handeln so, dass sie ihren Nutzen bei gegebenen Mitteln ma-

ximieren entspricht der Vorstellung, Menschen würden versuchen, mit dem was sie haben

glücklich zu sein ­ es klingt nur anders.4 Der Schritt, die Menschen könnten ihr Verhalten

voll bewusst und frei von äußeren Zwängen in den Dienst dieser Maximierung stellen, ist

aber einer zuviel. Zur Frage, ob diese Zwänge als ,,Kontextfaktoren" (Müller 1997: 252),

Nebenbedingungen oder als exorbitante Kosten zu betrachten sind, kann Bourdieu einiges

beitragen. Die meines Erachtens wichtigeren Einschränkungen sind einerseits Informati-

onsdefizite, der Umgang mit Risiko oder langfristige Überlegungen, deren Rationalität

man nur mit ungeheuren mathematischen Formeln und Axiomen bestimmen kann, und

andererseits unbewusste Denkprozesse. Auch hier kann Bourdieu erklären und der ökono-

mischen Theorie auf die Sprünge helfen. Diese Fragen sollen hier aber nicht explizit

besprochen werden. Es geht um einen ersten Schritt, um eine methodische Basis, für eine

wirtschafts-sozialwissenschaftliche Betrachtung von Gesellschaft.

Bourdieu konstruiert Klassen nach jeweils ähnlicher Verteilung von Kapital. Das betrifft

sowohl die absoluten (

Kapitalvolumen

) als auch die relativen (

Kapitalstruktur

) Unter-

schiede. Die dritte strukturierende Variable ist die der

sozialen Laufbahn

.

3 Siehe dazu vor allem: Bourdieu (1998a)

4 Für eine ,,Ökonomie des Glücks" siehe Müller (2004).

2


Sygnecka: Bourdieu und der soziale Raum

Nach der Einführung in die Begriffe Bourdieus werde ich dessen Konstruktion des sozialen

Raums und der Klassen vorstellen und Bourdieus Begriffe für eine Neukonzeption des

sozialen Raums, verstanden als Ansatz zur Sozialstruktur, interpretieren. Die Ökonomie

bietet dafür eine mathematische Infrastruktur, in der dieser soziologische Gegenstand gut

konstruiert werden kann. Diese Infrastruktur besteht aus der Darstellung dreidimensionaler

Räume und ihrer Beschreibung mit Isoquanten, Vektoren und Varianzen.

2. Grundlagen

2.1. Sozialstruktur

Die innere Struktur eines Ganzen ist dessen Gliederung in relevante Teile und die Bezie-

hung zwischen diesen Teilen. Die Relevanz der Teile der Sozialstruktur wird durch die

jeweilige Fragestellung bestimmt. Die Möglichkeit von (Chancen-)Gerechtigkeit, das

Ausmaß an sozialer Ungleichheit oder die Überprüfung von Thesen wie die Individualisie-

rungsthese von Ulrich Beck können solche Fragestellung sein.

,,Am Anfang aller Soziologie" habe jedoch ,,die Frage nach der Existenz und Existenzwei-

se der Kollektive" (Bourdieu 1991: 40) zu stehen, meint Bourdieu. Bei den Gruppen, Klas-

sen, Milieus, Schichten und Ständen, die Sozialstrukturanalytiker konstruieren, ,,ist an der

Differenz zwischen realen Gruppen und den aus dem sozialen Raum herauspräparierten

Klassen [...] festzuhalten" (Bourdieu 1991: 12). Die realen Gruppen sind als ,,historisch

ausgeprägtes System gesellschaftlicher Ordnungen und Grundinstitutionen" (Zapf 243) zu

verstehen und somit ist ,,in jedem Einzelfall die historische Arbeit zu rekonstruieren, aus

der die sozialen Gliederungen wie deren Gesellschaftsbilder hervorgegangen sind" (Bour-

dieu 1991: 36).

Die Dauerhaftigkeit, Kontinuität oder Stabilität, mit der einige Autoren Sozialstruktur de-

finieren, ist relativ, weil sie ,,Produkt der Geschichte [ist] ­ und damit (wie schwer auch

immer) historisch veränderbar" (Bourdieu 1991: 37). Die Art und Weise der Veränderlich-

keit von Sozialstruktur muss demnach Teil einer Darstellung von Sozialstruktur sein.

Für die Konstruktion der Gesellschaftsteile wurden verschiedene Kategorien gefunden:

- die demographische Grundgliederung

- die Verteilung zentraler Ressourcen

- (Erwerbs-)Tätigkeit und Bildungsstand

- Lebensstil5 und Konsumneigung u.a.

5 Vgl. Geißler (116), der darunter ,,soziopolitische und soziokulturelle Mentalitäten" versteht.

3



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