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Diploma Thesis, 2005, 76 Pages
Author: Dipl.- Ing. (FH) Forstwirtschaft Vincent Luong
Subject: Forestry / Forestry Economics
Details
Tags: Bodenkundliche, Untersuchungen, Auenwaldrelikten, Oder, Berücksichtigung, Standortsansprüche, Esche
Year: 2005
Pages: 76
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-09235-2
ISBN (Book): 978-3-640-28222-7
File size: 2110 KB
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Abstract
In der vorliegenden Fallstudie wurde zum einen ein periodisch- und zum anderen ein episodisch überfluteter Auenwaldrelikt an der Oder standortskundlich untersucht. Dabei sollten zwei Fragestellungen geklärt werden: Wie veränderte sich das Untersuchungsgebiet Brieskow standorts- bzw. bodenkundlich infolge der Eindeichung gegenüber dem periodisch überflutetem Eichwald? Gibt es standortsbedingte Gründe warum die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior L.) als typischer Vertreter der Hartholzaue in diesem Gebiet nicht vorkommt? Zur Beantwortung der Fragestellungen wurden in jedem Auenwald an einer repräsentativen Stelle jeweils eine Profilgrube angelegt. Die Untersuchungen wurden untergliedert in: Geländeaufnahmen (Bodenfarbe, Lagerungsdichte, Skelettanteile, Wasserhaushalt, Morphologie der Profilgrube) und Laboranalysen (Körnung, Bodenacidität, C/ N- Verhältnis, Nährstoffvorräte, Basensättigung, Schwermetalle, Humusstatus). Die aus der Untersuchung hervorgegangenen bodenphysikalischen- und bodenchemischen Ergebnisse wurden mit Hilfe von verschiedenen Bewertungsrahmen (BZE 1997, SEA, KNORR 1987 usw.) ausgewertet. Dabei wurden u. a. erhöhte Schwermetallgehalte, sehr hohe Calcium (Ca)-Vorräte, Nährelementmangel an Eisen (Fe) und Kalium (K) festgestellt. In der anschließenden Diskussion wurden zum einen die Ergebnisse beider Untersuchungsflächen miteinander verglichen und zum anderen ein Vergleich der eigenen laboranalytischen Daten mit den Standortsansprüche der Esche (Literatur) angestellt. Der Vergleich der beiden Standorte erbrachte u. a. erwartungsgemäß viele Gemeinsamkeiten, wie hohe Ca- Vorräte, Fe- Mangel, aber auch Unterschiede z. B. im Wasserhaushalt der Böden und der Bodenreaktion. Der Vergleich der laboranalytischen Daten mit den Literaturangaben zur Esche lässt schlussfolgern, dass beide Untersuchungsgebiete auf Grund ihrer Boden- und Standortsbedingungen durchaus (u. a. sehr hohe Basensättigung) in der Lage sind die bodenchemisch sehr anspruchsvolle Baumart Esche zu tragen.
Fulltext (computer-generated)
Fachhochschule Eberswalde
Fachbereich 1 - Forstwirtschaft
Bodenkundliche Untersuchungen in
Auenwaldrelikten der Oder unter besonderer
Berücksichtigung der Standortsansprüche der
Esche (Fraxinus excelsior L.)
Diplomarbeit zur Erlangung des Grades eines
,,Diplom- Forstingenieur (FH)"
vorgelegt von
Vincent Luong
Eberswalde, im Januar 2005
Inhalt
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1.Auenböden 1
1.2.Anlass der Untersuchung 1
1.3.Zielsetzung 2
2. Untersuchungsgebiet 3
2.1.Geographische Lage 3
2.2.Geologie 6
2.3.Hydrologie 7
2.4.Klima 10
2.5.Vegetation 11
2.6.Anthropogene Beeinflussung 12
3. Methoden 15
3.1. Geländearbeiten 15
3.1.1. Versuchsflächenauswahl und Profilbeschreibung 15
3.1.2. Bodenprobeentnahme 15
3.2. Bodenphysikalische Untersuchungen 16
3.2.1. Körnung 16
3.2.2. Wassergehalte 17
3.2.3. Luftkapazität (LK), nutzbare Feldkapazität (nFK) und pflanzenverfügbaren Wassers 17
3.2.4. kapillare Aufstiegsrate 17
3.3. Bodenchemische Untersuchungen 18
3.3.1. pH- Werte in Wasser und Kaliumchlorid 18
3.3.2. C/N- Verhältnis 18
3.3.3. Kationenaustauschverhältnisse 18
3.3.4. Karbonatgehalte 19
3.3.5. Schwermetallgehalte 19
4. Ergebnisse 20
4.1. Standortsaufnahme am Bodenprofil 20
4.1.1. Bodenfarbe 20
4.1.2. Lagerungsdichte 20
4.1.3. Carbonatgehalt 21
4.1.4. Skelettanteile 21
4.1.5. Bodenwasser 21
4.1.5.1. Luftkapazität, nutzbare Feldkapazität und Wasserspeicherleistung
22
4.1.5.2. Mittlere kapillare Aufstiegsrate
22
4.1.6. Morphologie der Bodenprofile 24
4.1.6.1. Bodentyp
26
4.1.7. Standortsformengruppe 26
4.1.7.1. Herleitung nach dem Nordostdeutschen Erkundungsverfahren
27
4.2.Laboranalyse 27
4.2.1. Körnung 27
4.2.2. Humusstatus 29
4.2.2.1. Humusgehalt im Mineralboden
29
4.2.2.2. Kohlenstoff-, Stickstoff-, Phosphorvorräte, sowie C/N- Verhältnis
30
4.2.2.3. Humusform
31
4.2.3. Bodenacidität und Carbonatgehalt 32
4.2.3.1. pH- Wert und Säurebelastungsrisiko
32
4.2.3.2. Carbonatgehalt
33
4.2.4. Kationenaustauschverhältnisse 33
4.2.4.1. effektive Kationenaustauschkapazität, Sättigungsgrad der Elemente und S- Wert
34
4.2.4.2. Austauschbare Elemente und Elementvorräte
37
4.2.5. Schwermetalle 39
4.2.5.1. Schwermetallgehalte
40
5. Diskussion 42
5.1.Vergleich der Untersuchungsflächen 42
5.2.Vergleich der Labordaten mit den Standortsansprüchen der Esche 52
5.2.1. Standortsansprüche der Esche 52
5.2.2. Vergleich mit den erhobenen Daten 56
5.3.Schlussfolgerungen 62
6. Zusammenfassung 64
7. Literaturverzeichnis 65
8. Danksagung 69
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Topographische Karte ,,Brieskow- Finkenherd" 4
Abbildung 2: Topographische Karte ,,Eichwald und Buschmühle" 5
Abbildung 3: Überflutungstage im ,,Eichwald" 8
Abbildung 4: Jahresstände der Pegel Frankfurt/Oder 9
Abbildung 5: Niederschlagssummen Messstation Frankfurt/Oder 11
Abbildung 6: Durchschnittstemperaturen Messstation Frankfurt/Oder 11
Abbildung 6a: Intensive landw. Nutzung der eingedeichten Bereiche 14
Abbildung 7: Morphologie Profilgrube Brieskow 24
Abbildung 8: Morphologie Profilgrube ,,Eichwald" 25
Abbildung 9: Kationenaustauschkapazität Brieskow 34
Abbildung 10: Austauscherbelegung Brieskow 35
Abbildung 11: Kationenaustauschkapazität ,,Eichwald" 36
Abbildung 12: Austauscherbelegung ,,Eichwald" 36
Abbildung 13: Vergleich Korngrößenverteilung bis 90 cm Tiefe 43
Abbildung 14: Vergleich Luftkapazität und nutzbare Feldkapazität 45
Abbildung 15: Vergleich Bodenacidität 46
Abbildung 16: Nährstoffmangelgrenze Esche nach BINNER et al. (2000) 54
Abbildung 17: Vergleich Nährelementvorräte KNORR (1987) mit Untersuchungsfläche 57
Abbildung 17a: von Rehwild verbissene und gefegte Eschenpflanze (MÜLLER, 2004) 59
Abbildung 18: Pflanzenzustand der eingezäunten Fläche 60
Abbildung 19: Pflanzenzustand der Vergleichsflächen 60
Abbildung 20: Vergleich der Überflutungstage mit Toleranzgrenze von DIESTER (1983) 61
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Hydrologische und geographische Kenngrößen von Elbe und Oder 3
Tabelle 2: Stadien der Weichselkaltzeiten 7
Tabelle3: Klimadaten der Jahre 1900-2003 in der Messstation Frankfurt/Oder 10
Tabelle 4: Grundwasserpegel unter Flur 17
Tabelle 5: Bodenfarbe Brieskow 20
Tabelle 6: Bodenfarbe ,,Eichwald" 20
Tabelle 7:Lagerungsdichte Brieskow 20
Tabelle 8:Lagerungsdichte: "Eichwald" 21
Tabelle 9: Lk, nFK und Speicher in Brieskow 22
Tabelle 10: Lk, nFK und Speicher im ,,Eichwald" 22
Tabelle 11:kapillare Aufstiegsrate (Trockenperiode) in Brieskow 23
Tabelle 12:kapillare Aufstiegsrate (Nassperiode) in Brieskow 23
Tabelle 13: kapillare Aufstiegsrate (Trockenperiode) im ,,Eichwald" 23
Tabelle 14: kapillare Aufstiegsrate (Nassperiode) im ,,Eichwald" 23
Tabelle 15: Bodenproben: frisch, trocken u. Bodenskelett in Brieskow 28
Tabelle 16: Bodenproben frisch, trocken u. Bodenskelett im ,,Eichwald" 28
Tabelle 17: Bodenart in Brieskow 28
Tabelle 18: Bodenart im ,,Eichwald" 29
Tabelle 19: Humusgehalte der Profilgrube Brieskow 29
Tabelle 20: Humusgehalte der Profilgrube ,,Eichwald" 30
Tabelle 21: Kohlenstoff-, Stickstoff- Vorräte sowie C / N Verhältnis in Brieskow 30
Tabelle 22:Kohlenstoff-, Stickstoff- Vorräte sowie C / N Verhältnis im ,,Eichwald" 31
Tabelle 23: Humusform in Brieskow 31
Tabelle 24: Humusform im ,,Eichwald" 31
Tabelle 25: pH- Werte(KCL)und Säurebelastungsrisiko in Brieskow 32
Tabelle 26: pH-Werte(KCL) und Säurebelastungsrisiko im ,,Eichwald" 32
Tabelle 27: Carbonat- Gehalt in Brieskow 33
Tabelle 28: Kationenaustauschkapazität eff ( mmolc/100g) in Brieskow) 34
Tabelle 29: Sättigungsgrad der Elemente (%) in Brieskow 34
Tabelle 30: S- Wert Berechnung(molc/m²) in Brieskow 35
Tabelle 31: Kationenaustauschkapazität eff ( mmolc/100g) ) im ,,Eichwald" 35
Tabelle 32:Sättigungsgrad der Elemente (%) im ,,Eichwald" 36
Tabelle 33: S- Wert Berechnung(molc/m) im ,,Eichwald" 37
Tabelle 34: Austauschbare Elemente (g/g) in Brieskow 37
Tabelle 35: Elementvorräte (Kg/ha) in Brieskow 37
Tabelle 36: Austauschbare Elemente (g/g) im ,,Eichwald" 38
Tabelle 37: Elementvorräte (Kg/ha) im ,,Eichwald" 38
Tabelle 38: Schwermetallgehalte (g/g) in Brieskow 40
Tabelle 39: Schwermetallgehalte (g/g) im ,,Eichwald" 40
Tabelle 40: Vergleich Schwermetalle in 3 Strömen Ostdeutschlands 50
Tabelle 41: Statistische Kenngrößen von 81 untersuchte Flächen Bayerns 54
Tabelle 42: Elementvorräte in 3 Auenstandorten Bayerns 54
Abkürzungsverzeichnis
Haupt- und Zusatzsymbole der Bodenhorizonte 25
1.
Einleitung
1.1 Auenböden
Auen- oder Alluvialböden sind Böden holozäner Flusstäler. Sie werden bei unregulierten
Fließgewässern periodisch überflutet (Eichwald- Frankfurt/ Oder) oder vom Druck- bzw. Qualmwasser
(Auenwald Brieskow) überschwemmt (FRIESE et al., 2000 ). Dadurch werden feste und gelöste Stoffe
zugeführt, teilweise aber auch abgeführt. Die Bodenentwicklung wird durch Sedimentation bzw.
Erosion unterbrochen. Demzufolge liegt ein alluviales Ausgangssubstrat vor und der humose
Oberboden besteht aus mehreren Lagen mit wechselndem Humusgehalt (SCHEFFER &
SCHACHTSCHABEL, 1998). Ebenso wie Tier- und Pflanzengemeinschaften weisen die Böden der
Auen standorttypische Besonderheiten auf. Sie sind vor allem von den Eingriffen des Menschen
betroffen. Er wirkte direkt oder indirekt durch Flussbaumaßnahmen und Landnutzung auf die Böden
der Auen ein. So wurden ab dem 18. Jahrhundert alle großen Flüsse Deutschlands u. a. durch
Flussbegradigungen (z. B. Oder bei Reitwein um 1739), Uferverbauung (z. B. Eindeichung der Oder
von Lebus bis Zellin um 1717), Errichtung von Staustufen (z. B. Oder: Hohensaatener Wehr um 1840)
stark verändert, wodurch sich das Gefälle des Flusses erhöht hat, was eine (gewollte) Sohlenvertiefung
bewirkte. Die Folgen sind eine verringerte Reichweite der Hochwässer und eine Absenkung des
Grundwasserspiegels in der Aue. Beide Faktoren haben erhebliche Auswirkungen auf die Auenböden
(FRIESE et al., 2000).
Als Bestandteil des Ökosystems stehen die Böden der Aue in Wechselwirkung mit der Bio-, Atmo-,
Hydro-, und Lithosphäre. Die Kenntnis dieser Zusammenhänge erweitert das Verständnis für die
Ökologie der Auen und verbessert die Prognose der Möglichkeiten der Renaturierungen (FRIESE et
al., 2000).
1.2 Anlass der Untersuchungen
Im Rahmen vegetationsökologischer Bestandesaufnahmen zur Charakterisierung potentieller
Auenwaldstrukturen (Forschungsprojekt FH- Eberswalde 2001-2004) im periodisch überfluteten
Naturschutzgebiet ,,Eichwald und Buschmühle" nahe Frankfurt/Oder und des episodisch (durch
Eindeichung) überfluteten Auenwaldes nahe Brieskow- Finkenherd wurde festgestellt, dass die
Gemeine Esche
(Fraxinus excelsior)
als Bestandteil der Hartholzaue, in diesem Gebiet fehlt.
DISTER (1983) weist die Gemeine Esche als typischen Bestandteil der Hartholzaue aus. Im
Übergansbereich zwischen Weich- und Hartholzaue wächst sie besonders gut auf feuchten Standorten.
Wo die Esche in Flussauen größere Bestände ausbildet, kann man annehmen, dass man sich außerhalb
der häufig überschwemmten Gebiete der Weicholzaue befindet (ELLENBERG, 1996).
1
Nach MRATZ (1965) stellt die Gemeine Esche (
F. excelsior
) hingegen eine Gastholzart in der
Tieflandsaue (Elbe) dar, die erst seit dem Jahre 1840 mit Erfolg von der Forstwirtschaft eingeführt
wurde und sich dort gut eingebürgert hat.
1.3 Zielsetzung
Da die in der Literatur publizierten Aussagen zur Bedeutung der Esche in der Tieflandsaue sehr
gegensätzlich sind, soll in einer
Fallstudie
*1 aus der Verbindung eigener Gelände- und
Laboruntersuchungen und einer Literaturrecherche zum Thema: Standortsansprüche der Esche im
Folgenden versucht werden die Fragestellung zu klären, ob sich die Esche aufgrund der vorhandenen
Bodenzustandseigenschaften auf beiden Standorten etablieren könnte.
Als zweite Fragestellung soll ein Vergleich der Bodenzustandseigenschaften beider Standorte
Aufschluss darüber geben, wie sich infolge der Eindeichung des Untersuchungsgebietes Brieskow um
das Jahr 1760 boden- bzw. standortskundliche Parameter im Laufe der Zeit verändert haben.
,,Eichwald" im Herbst 2001 (Quelle: MÜLLER E. 2004, unveröffentl.)
*1 Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine
Fallstudie
. Dieser Begriff stammt aus der empirischen Forschung, d h. eine
Untersuchung und Beschreibung eines Zusammenhanges oder eines Ereignisses an einer repräsentativen Sache. Ein Fall, den man
für "typisch" hält, wird untersucht (WAHRIG, 1991).
2
2. Untersuchungsgebiet
2.1 Geographische Lage
Die Untersuchungsflächen befinden sich im Nordostbrandenburger Jungmoränenland im periodisch
(Eichwald) bzw. episodisch (Brieskow) überflutetem Einzugsgebiet der Oder.
Das 1961 gegründete Naturschutzgebiet ,,Eichwald und Buschmühle" befindet sich ca. 3 km südöstlich
der Stadt Frankfurt/ Oder am westlichen Ufer des mittleren Oderlaufes. In diesem Bereich ist die Oder
beidseitig nicht eingedeicht, demzufolge treten hier periodische Überflutungen auf. Als natürliche
westliche Oderbegrenzung dient ein Höhenzug (Geländehöhe ca. 69 m Höhe ü. NN), welcher sich im
Untersuchungsabschnitt bei ,,Oderkilometer 479" mehr oder weniger parallel im Abstand von ca. 800
m zur Oder erstreckt. Die Profilgrube wurde in einer Geländehöhe 22,5m Höhe ü. NN angelegt und hat
einen Abstand von ca. 450 m zum Oderufer. Die genaue Lage der Profilgrube kann Abb.2 entnommen
werden.
Die Untersuchungsfläche Brieskow befindet sich 2 km östlich des Ortes Brieskow- Finkenherd. Es
befindet sich im Ausweisungsverfahren zum Naturschutzgebeit. In diesem Bereich ist die Oder am
westlichen Ufer (Untersuchungsgebiet) völlig eingedeicht. Die Profilgrube wurde im Abstand von ca.
200 m zum Oderufer bei ,,Oderkilometer 474,5" in einer Geländehöhe von 22,6 m Höhe ü. NN hinter
dem Deich angelegt. Die genaue Lage der Profilgrube kann Abb. 1 entnommen werden.
Um einen Eindruck geographischer und hydrologischer Parameter der Oder zu bekommen, wird die
Elbe, als längster Strom des Nordostdeutschen Tieflandes, vergleichend herangezogen (Tab. 1).
Tabelle 1
: Hydrologische und geographische Kenngrößen zweier Ströme des Nordostdeutschen Tieflandes: Oder und Elbe:
Oder
Elbe
Quellgebiet
Mährisches Gebirge
Riesengebirge
Länge
855 km
1094 km
Einzugsgebiet
118900 km
148300 km
Bedeutende Zuflüsse
7
10
Mittl. Gefälle
27 cm/km
32 cm/km
Mittl. Jahresabfluss
540 m³/s
860 m³/s
Hochwasser
Frühjahr Frühjahr
Mündungsgebiet
Stettiner Haff- Ostsee
Nordsee
(Quelle: Wolf, C., 2003)
3
Abbildung 1:
Topographische Karte Untersuchungsgebiet Brieskow
(Quelle: Landesvermessungsamt Brandenburg)
Profilgrube
Maßstab 1:10000
(1 cm der Karte entspricht 100 m in der Natur)
4
Abbildung 2:
Topographische Karte ,,Eichwald und Buschmühle"
(Quelle:Landesvermessungsamt Brandenburg)
Profilgrube
Maßstab 1:10000
(1 cm der Karte entspricht 100 m in der Natur)
5
2.2 Geologie
Das Untersuchungsgebiet gehört zum Bereich des Nordostbrandenburger Jungmoränengebietes und ist
in erster Linie durch die landschaftsprägenden Einflüsse der Weichsel- Kaltzeit (Tab.2)
hervorgegangen.
Die aus nördlicher Richtung vorrückenden Eismassen transportierten Schutt über den Dauerfrostboden.
Durch klimatische Veränderungen stagnierte der Eisrand in verschiedenen Gebieten und es bildeten
sich meistens durch die anstauenden Gesteinsmassen hohe Endmoränenwälle aus (MEHL & THIELE,
1998). Beim Zurückschmelzen des Inlandeises kam es zur Bildung mehrerer Rückzugsstaffeln,
Bereiche, in denen der Gletscherrand längere Zeit stagnierte. Zu erwähnen wären hier die Frankfurter
Staffel (18.000-15.000 v. Chr.), in deren Vorfeld es zu der Ausbildung einer breiten
Schmelzwasserabflussbahn, dem Warschau- Berliner- Urstromtal kam (RIEK & STÄHR, 2004). Bei
erneuten Eisvorstößen (Pommersches Stadium; 14.000- 12.000 v. Chr.) mischte sich abgelagertes mit
bereits vorhandenem älteren Material. Die Bestandteile (des Materials) waren im wesentlichen Sand
und Geschiebemergel mit hohen Block- und Geröllanteilen. Während die wellig- flache Grundmoräne
mit ungeschichteten unsortierten Schluff, Ton, Sand, Kies, Steinen und Blöcken der Endmoräne
vorgelagert ist, folgen der Endmoräne die Sander, die aus im Schmelzprozess ausgeschwemmten
Kiesen und Sanden bestehen (MEHL & THIELE, 1998). Der Gletschervorstoß während des
Pommerschen Stadiums führte zur Ausbildung der markanten Pommerschen Eisrandlage und deren
Abflussbahnen, dem Thorn- Eberswalder Urstromtal. Durch dieses Urstromtal gelangten die
Schmelzwässer nach Südwesten, durchbrachen im Bereich der Havelniederung die Höhenzüge der
Frankfurter Staffel und flossen weiter durch das Warschau- Berliner- Urstromtal (RIEK & STÄHR,
2004). Der Abfluss der enormen Mengen an Schmelzwasser wurde in dieser Richtung von der
Inlandvereisung erzwungen, da das Gebiet der Ostsee von Eis bedeckt war. Auf diese Weise wurden
die Schmelzwässer (Vorgänger der Oder) über das Berliner- Urstromtal in die Nordsee abgeleitet. Im
Zuge des fortschreitenden Abtauens der Eismassen durch allmähliche Erwärmung durchbrach die Oder
die Endmoräne bei Frankfurt/Oder und mündet seit dem in das Stettiner Haff, nahe der Ostsee
(LUTZE, 2001). Nach LUTZE (2001) führen die heutigen Flüsse der Urstromtäler nur ca. 2% der
einstigen Schmelzwassermassen. Daraus resultieren die verhältnismäßig großen Niederungen, Brüche
(Oderbruch) und die Auen der Oder.
6
Tabelle 2:
Stadien der Weichselkaltzeiten:
Weichsel- Frühglazial
Jahre
Zeitabschnitt
Besonderheiten
113.000-18.000 v. Chr.
Weichsel- Frühglazial
kein Gletschervorstoß nach Brandenburg
sehr kaltes Klima
Weichsel-Hochglazial
18.000-15.000 v. Chr.
Brandenburger Stadium
erster und weitester Eisvorstoss der
(mit Frankfurter Rückzugsstaffel)
Weichsel- Kaltzeit
15.000- 14.000 v. Chr.
Blankenberg- Interstadial
kurze Erwärmung mit lokal geringer
Bodenentwicklung
14.000-12.000 v. Chr.
Pommersches Stadium
zweiter Gletschervorstoss nach Branden-
(mit Angermünder Rückzugsstaffel)
burg, sehr kaltes Klima
Weichsel- Spätglazial
12.000-10.300 v. Chr.
Älteste Tundrenzeit
Jahresdurchschnittstemp. 2°C, baumfreie
Tundra, Bildung dünner Flugsanddecken
10.300- 9900 v. Chr.
Bölling
Jahresdurchschnittstemp. 0°C, keine
nachgewiesene Bodenbildung
9.900-9.700 v. Chr.
Ältere Tundrenzeit
Jahresdurchschnittstemp. 2°C,
Bildung dünner Flugsanddecken
9.700- 8.900 v. Chr.
Alleröd
Jahresdurchschnittstemp.+ 3°C, in ganz
Brandenburg nachweißlich Bodenbildung
8.900- 8.200 v. Chr.
Jüngere Tundrenzeit
Jahresdurchschnittstemp. 3°C, trockenes
kaltes Klima, Bildung v. gr. Flugsanddünen
(Quelle: RIEK & STÄHR, 2004)
2.3 Hydrologie
Die jährliche Wasserführung der Oder ist i. d. R. durch zwei Hochwasserwellen, das
Frühjahrshochwasser in den Monaten März/ April (Schneeschmelze aus den kollinen und montanen
Gebieten des Einzugsgebietes) und relativ häufig durch ein Sommerhochwasser in den Monaten Juni/
Juli (starke Niederschläge in den Mittelgebirgen Beskiden, Ostsudeten und Lausitzer Gebirge)
gekennzeichnet. In der zweiten Jahreshälfte folgen häufig Niedrigwasserperioden, welche mehrere
Monate andauern. Der Durchfluss schwankt im Untersuchungsgebiet (Messwert Eisenhüttenstadt)
zwischen 70,4m³/s. und 2.585m³/s. Die größten Wasserstandsschwankungen (höchster
Hochwasserstand bzw. niedrigster Niedrigwasserstand) der Oder wurden mit 5,80 m in
Eisenhüttenstadt gemessen. Im Unterlauf verursachten Eisversetzungen die höchsten Wasserstände, im
Oberlauf traten sie während des Sommerhochwassers 1997 auf. Von den deutschen Strömen weist die
Oder infolge des Einflusses des Kontinentalklimas die häufigsten und längsten Vereisungsperioden auf
(VOLLBRECHT, 2001).
Aus der Topographischen Karte (Abb. 2.) lässt sich für den Standort ,,Eichwald" eine Geländehöhe
von 22,5 Höhe ü. NN ableiten. Abb. 4 (Daten: Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde) stellt die
Jahreswerte (Maximal-, Minimal-, und Mittelwert) von 1935-2001 dar. Die rot markierte Linie zeigt
die Pegel- bzw. Geländehöhe im ,,Eichwald" und stellt somit die Überflutungsereignisse der Jahre
1935- 2002 dar. Die im Säulen-Diagramm (Abb. 3) anhand der Wasserstandsganglinien (1935-2002)
abgeleiteten Daten (Quelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde) spiegeln die Überflutungstage
7
pro Jahr der periodisch überfluteten Aue im ,,Eichwald" wieder. Jahre ohne Überflutungsereignisse
über 22,5 m Höhe ü. NN wurden in der graphischen Darstellung nicht berücksichtigt.
Deutlich hervor tritt der Jahrgang 1997 dem sogenannten ,,Jahrhundert-Hochwasser" mit über 20
Tagen permanenter Überflutung innerhalb der Vegetationsperiode. Darauf folgt der Jahrgang 1947, wo
das Flutereignis in der Winterperiode knapp 15 Tage dauerte. Im Jahrgang 1976 stand das Wasser der
Oder mit etwas über 10 Tagen innerhalb der Vegetationsperiode in der Aue. Aus diesen Kennwerten
lassen sich wichtige standortliche Rückschlüsse auf die Überflutungsdynamik des ,,Eichwaldes"
ziehen.
Für den Standort Brieskow lassen sich infolge der Eindeichung um 1760 keine Überflutungsereignisse
nachweisen. Ausnahme bildet das Überflutungsereignis 1997 (ca. 22 Tage Überflutung) aufgrund des
Deichbruches in der Ziltendorfer Niederung.
Abbildung 3:
Überflutungstage im " Eichwald "(22,5 m Höhe ü. NN)
Überflutungsdauer in Tagen
25
20
15
g
e
Ta 10
5
0
1997 1987 1984 1983 1982 1977 1968 1965 1958 1947 1941 1940 1938
Jahre
(Datenquelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde, abgeleitet aus Wasserstandsganglinien 1935-02)
8
Abbildung 4:
Jahresstände Pegel Frankfurt/O.
Jahreswert Maximalwert
Jahreswert Minimalwert
Jahreswert Mittelwert
25,00 m
24,50 m
24,00 m
23,50 m
23,00 m
22,50 m
22,00 m
21,50 m
Höhe ü. NN
21,00 m
20,50 m
20,00 m
19,50 m
19,00 m
18,50 m
18,00 m
1935
1938
1941
1944
1947
1950
1953
1956
1959
1962
1965
1968
1971
1974
1977
1980
1983
1986
1989
1992
1995
1998
2001
Jahrgang
(Datenquelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde)
9
2.4 Klima
Das Land Brandenburg befindet sich im Grenzbereich zwischen ozeanisch und kontinental geprägtem
Klima. Die durchschnittlich mittlere Jahrestemperatur Brandenburgs beträgt ca. 8,9°C. Die mittlere
Januartemperatur liegt bei -0,4°C, die Julitemperatur bei 18,0°. Die hohe Temperaturspanne zwischen
kältestem- und wärmstem Monat verdeutlicht die Kontinentalität des Klimas in Brandenburg (RIEK &
STÄHR, 2004). Von Westen nach Osten nimmt die Kontinentalität zu, dieses liegt vor allem an der
zunehmenden Entfernung von den Meeren (Atlantik, Nord- und Ostsee) und der Abnahme der
Bewölkung.
Die langjährigen Niederschlagsmittelwerte Brandenburgs liegen bei 570 mm mit regionalen
Unterschieden zwischen <540 mm und >600 mm. Den Niederschlägen stehen potenzielle
Verdunstungsraten von durchschnittlich 600 mm mit räumlichen Schwankungen zwischen <580 mm
(10. Perzentil) und >610 mm (90. Perzentil) gegenüber. Die klimatische Wasserbilanz als Differenz
von langjährigem Niederschlag und potenzieller Verdunstung beträgt in Brandenburg durchschnittlich
-30mm. Die Daten beruhen auf modellierten Klimadaten für die Bodenzustandserhebung (BZE) 1996.
Das in Ostbrandenburg liegende Odertal befindet sich zwischen den beiden Hauptklimazonen, der
maritimen- und der kontinentalen Zone Europas. An der mittleren Oder sind die Niederschläge <500
mm (<10. Perzentil) pro Jahr, mit 28 Eistagen, 120 Frosttagen und 33 Sonnentagen. Aufgrund dieser
Klimadaten ähnelt es mehr den kontinental- als den maritimen Werten (www.unteres-
odertal.de/nationalpark/info/klima.htm).
Da sich beide Untersuchungsflächen in Auenwäldern in unmittelbarer Nähe zur Oder befinden ist hier
eine gewisse Eigendynamik des Klimas zu vermuten. Hier wirkt sich der Einfluss der Oder u. a. mit
höherer Luftfeuchtigkeit, kälteren Temperaturen nach Eisgang (Kältespeicher) oder höheren
Temperaturen nach dem Sommer (Wärmespeicher) aus.
Tabelle3:
Klimadaten der Jahre 1900-2003 in der Messstation Frankfurt/Oder:
Ereignis
Datum
Wert
min. Monatsdurchschnittstemperatur
Feb. 1929
-10,9°C
max. Monatsdurchschnittstemperatur
Jul. 1994
22,2°C
min. monatlicher Niederschlag
Okt. 1908
0,2 l/m²
max. monatlicher Niederschlag
Aug. 1978
203,6 l/ m²
min. Monatsmittel der rel. Luftfeuchtigkeit
Jun. 1992
54%
(Vegetationsperiode)
max. Monatsmittel der rel. Luftfeuchtigkeit
Sep. 1901
88%
(Vegetationsperiode)
Temperaturanstieg
1900-2003
1,133 K
(Datenquelle: Deutscher Wetterdienst)
10
Abbildung 5:
Niederschlagssummen Messstation Frankfurt/Oder:
(Datenquelle: Deutscher Wetterdienst)
Abbildung 6:
Durchschnittstemperaturen Messstation Frankfurt/Oder:
(Datenquelle: Deutscher Wetterdienst)
2.5 Vegetation
Vegetationsaufnahmen von WOLF (2003) im ,,Eichwald" zeigen in der Bestandesoberschicht die Stiel-
Eiche
(Quercus robur)
als Hauptbaumart. Der Entwicklungszustand (Lebensphase, Wuchsklasse) der
Eiche kann als ,,starkes Baumholz" (BHD> 50cm) eingestuft werden. Sie ist mit einem Anteil von ca.
19% in der Baumartenverteilung vertreten und steht ,,locker bis geschlossen" im Bestand. Im
Zwischenstand befinden sich: Flatter- Ulme
(Ulmus laevis)
im ,,geringen bis mittleren Baumholz"
(BHD 20-50 cm) flächenweise ,,licht bis räumdig" (mehrere Kronenbreiten Zwischenraum) mit 79%
11
der Baumartenverteilung im Bestand. Stammweise finden sich Hainbuche
(Carpinus betulus),
, Winter-
Linde
(Tilia cordata)
und Amerikanische- Esche
(Fraxinus pennsylvanica)
mit ,,geringen bis mittleren
Baumholz" vor.
Flächenweise sind im Unterstand die Straucharten: Weißdorn
(Crataegus spec.)
mit 70%, Blutroter
Hartriegel (Cornus sanguinea) mit 17% der Strauchartenverteilung vertreten. Einzelstammweise treten
Exemplare des Europäischen Pfaffenhütchens
(Euonymus europaeus)
, und des Kreuzdorns
(Rhamnus
carthatica)
auf. Naturverjüngung ist auf den Fläche nur spärlich, liegende- und stehende Totholzanteile
sind mosaikartig in geringen Anteilen vorhanden.
Flussauf- und flussabwärts befinden sich zahlreiche Pappelbestände, die im Zuge der Anbauwelle von
Hybridpappelplantagen in den 1960er Jahren gepflanzt wurden (WOLF, 2003).
Im Untersuchungsgebiet Brieskow findet sich nach MÜLLER (2004, unveröffentlicht) in der
Bestandesoberschicht die Stiel- Eiche
(Quercus robur)
als Hauptbaumart. Der Entwicklungszustand
der Eiche kann als ,,starkes Baumholz" (BHD> 50cm) eingestuft werden. Sie ist mit einem Anteil von
ca. 37% in der Baumartenverteilung flächenweise vertreten und steht ,,geschlossen" im Bestand. Im
Zwischenstand sind die Flatter- Ulme
(Ulmus laevis)
,,räumdig" flächenweise mit 57%, die Hainbuche
(Carpinus betulus)
einzelstammweise mit 5% der Baumartenverteilung und einzelne Exemplare des
Wildapfels
(Malus sylvestris)
vertreten. Im Unterstand kommen die Straucharten: Blutroter Hartriegel
(Cornus sanguinea)
mit 70%, Weißdorn
(Crataegus spec.)
mit 15%, Schwarzer Holunder
(Sambucus
nigra)
mit 13% der Strauchartenverteilung flächenweise vor. Das Europäische Pfaffenhütchen
(Euonymus europaeus)
ist mit einzelnen Exemplaren vertreten. Totholzanteile sind auf der Fläche
mosaikartig in geringen Anteilen vorhanden. Naturverjüngung konnte bis auf wenige Keimlinge nicht
festgestellt werden.
Auf beiden Flächen ist die Gemeine Esche (als typischer Vertreter der Hartholzaue) nicht vorhanden.
2.6 Anthropogene Beeinflussung
Beide Untersuchungsgebiete sind Bestandteil der ,,historisch gewachsenen Kulturlandschaft" in
Mitteleuropa und sind somit stark anthropogen beeinflusst.
Ein Jahrtausend v. Chr. gewann die Haltung von Weidevieh (Pferde, Rinder, Schafe) eine große
Bedeutung. Die natürlichen mit üppigem Grün bewachsenen Flächen der Flussauen boten gute
Weidemöglichkeiten. Daher suchten die Menschen Niederungsgebiete auf, es entstanden auf Inseln
und Horsten größere Siedlungen. Die Siedlungen beschränkten sich auf Gewässerränder und
Talsandinseln, somit wirkte der Einfluss vor allem auf die grundwassernahen Standorte (CORNELIUS,
1995).
Im ,,Eichwald". bestätigt sich diese Aussage, so befindet sich zwischen 481. und 482. Oderkilometer
ein slawischer Burghübel (Abb. 2) aus dem 11. Jahrhundert.
In den Wäldern wurde die Bodengenese vor allem durch den stattfindenden Biomasseexport im Zuge
der Waldweide, Streunutzung und Holzentnahme beeinflusst. Diese Eingriffe beschleunigten in ihrer
12
Gesamtheit die natürlichen Degradationsprozesse der Böden und führten zur Verarmung an
Nährelementen und zur Oberbodenversauerung (RIEK & STÄHR, 2004). Historisch gewachsene
Gebietsbezeichnungen wie ,,Schweine- oder Ochsenwerder" (Abb. 2) verdeutlichen die anthropogene
Veränderung der Landschaft. Nach Aussagen des langjährigen Jagdpächters GREISER (2004) wurde
bis in das Jahr 1989 Weidevieh unkontrolliert durch den ,,Eichwald" zu den davor gelagerten
Oderwiesen getrieben (vgl. Abb. 2: Topographische Karte).
Nach LIBBERT (1941) handelt es sich im ,,Eichwald" um einen von der Forstwirtschaft gepflanzten
Stiel- Eichen Wald, bei dem zur Schaftpflege der Eichen Hainbuche beigemischt wurde. Vor der
Begründung des Stiel- Eichen- Hainbuchenwaldes sollen dort Gehölze der Weichholzaue (Pappeln und
Weiden) gestockt haben.
Das Naturschutzgebiet ,,Buschmühle und Eichwald" wurde 1961 gegründet. Infolge der schweren
Kriegshandlungen (Brückenkopf der Roten Armee) 1944- 45 im ,,Eichwald" sind die Eichen
größtenteils durch Granatsplitter o. ä. wirtschaftlich entwertet (Splitterholz).
Bis Ende der 1950er Jahre wurde der ,,Eichwald" intensiv von der Bevölkerung als
Naherholungsgebiet genutzt. So befand sich ein Bahnhof in unmittelbarer Nähe des ,,Eichwaldes" (vgl.
Abb. 2) auf den natürlichen Höhenzügen. Somit war das Gebiet infrastrukturell so erschlossen, dass
selbst Erholungssuchende aus Berlin den ,,Eichwald" problemlos erreichten. Unterhalb des Bahnhofes
befand sich das Restaurant ,,Buschmühle". Zahlreich angelegte Wege durch den ,,Eichwald" gaben
dem Wald in der überflutungsfreien Zeit einen parkähnlichen Charakter. Selbst in den Wintermonaten
bei Eisgang der Oder diente der ,,Eichwald" als ,,Schlittschuhauslaufgebiet" für die Bevölkerung
(Greiser, mdl. Mitteilung, 2004).
Das Untersuchungsgebiet Brieskow befindet sich im Ausweisungsverfahren zum Naturschutzgebiet.
Eine forstwirtschaftliche Nutzung lässt sich seit Ende des Krieges 1945 (durch eventuelle Stubben o.ä.)
nicht nachweisen (Splitterholz). Es ist zu vermuten, dass auch dieser Bestand, ähnlich dem des
,,Eichwaldes", künstlich durch die Forstwirtschaft begründet wurde.
Von Mitte des 18.- bis Ende des 19. Jahrhunderts begann man mit umfangreichen Baumaßnahmen an
der Oder. Das Ziel dieser Maßnahmen waren die Errichtung von Deichanlagen, die Schutz vor
Hochwasser- und Eisgefahren boten sowie die Umgestaltung der Wasserläufe, d h. Veränderung der
Lage und Form des Strombettes der Oder mit dem Ziel den Fluss als Wasserstrasse für den
Schiffsverkehr auszubauen (VOLLBRECHT, 2001).
Infolge der Eindeichung des Odertals bis zum Jahre 1896 verringerte sich das natürliche
Überschwemmungsgebiet der Oder von ursprünglich 3700 km² auf 859 km². Sehr wahrscheinlich
schrumpften die auf polnischem Territorium gelegenen Retentionsflächen der Oder nach dem 2.
Weltkrieg durch Bewirtschaftung oder Besiedelung noch weiter (VOLLBRECHT, 2001).
Nach der Fertigstellung der Hochwasserschutzdeiche (18.-19. Jh.) begann man mit der Urbanisierung
der trockengelegten Gebiete. Die Bevölkerung siedelte sich nun in den Niederungen an und es
13
entstanden zahlreiche Ortschaften in den ehemaligen Retentionsflächen der Oder. Heute erkennt man
diese Ortschaften u. a. an der Präferenz (Vorwort) ,,Neu" vor der Ortsbezeichnung (z. B.; Neu- Lewin,
Neu- Bersinchen).
Aufgrund der Bodenfruchtbarkeit mit einer Ackerzahl 32-35 (Bewertungszahl für Ackerland mit
Reinertragsverhältnissen von 7-100) in den trockengelegten Gebieten werden die Flächen intensiv
landwirtschaftlich genutzt (Abb. 6a), so wurde z. B. Ost- Berlin (70 km Entfernung) bis in das Jahr
1989 vornehmlich mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus dem Oderbruch versorgt.
Die Folgen der Eindeichungen und Flussbegradigungen der Oder sind infolge von
,,Hochwasserkatastrophen" mit Deicheinbrüchen (1947, 1997) für die Region verheerend. So brach der
Deich am 24. Juli 1997 in der Ziltendorfer Niederung, nahe der Untersuchungsfläche Brieskow und
setzte das Gebiet ca. 20 Tage ,,Landunter".
Abbildung 6a:
Intensive landwirtschaftliche Nutzung der eingedeichten Bereiche (Neuzeller Niederung 2002)
(Quelle: MÜLLER E., 2004 unveröffentl.)
14
3. Methoden
3.1 Geländearbeiten
3.1.1 Versuchsflächenauswahl und Profilbeschreibung:
Im Rahmen der bodenkundlichen Untersuchungen wurden im Zeitraum Juni bis August 2004 eine
Profilgrube im Eichwald Frankfurt/ Oder und eine weitere im Auenwald bei Brieskow angelegt. Die
Anlage der Profilgruben erfolgten an einer für den Gesamtbestand repräsentativen, homogenen Stelle.
Die Profilgrubenbreite betrug jeweils 1m. Bei der Tiefe der Grube wurde bis zu dem Ausgangssubstrat
gegraben. Die Stirnwand der Profilgruben wurde nach Süden ausgerichtet. Der Aushub wurde nach
Ober- und Unterboden getrennt rechts und links der Profilwand abgelegt. Die Profilwand wurde mit
dem Spaten abgestochen und mit dem Spachtel geglättet (RIEK, 2000).
An den Profilwänden erfolgte die forstübliche Standortsaufnahme nach AK-
STANDORTSKARTIERUNG (1996). Dabei wurden folgende Parameter horizont- bzw.
tiefenschichtweise erhoben:
-Mächtigkeit (Horizonte)
-Bodenfarbe ( Farbansprache erfolgte nach der Munsell- Farbtafel )
-Lagerungsdichte (Messerspitzen- Probe)
-Skelettanteil (am Gesamtboden visuell nach Volumenprozenten geschätzt )
-Besonderheiten (z. B. Freier Kalk, ermittelt mit HCl)
3.1.2 Bodenprobenentnahme
Die Kennzeichnung der Bodenmerkmale im Gelände richtete sich nach der Vorschrift zur bundesweit
einheitlichen Kartierung von Böden (AG Boden, 1996 ; AK Standortskartierung, 1996; sowie AK
Bodensystematik, 1998).
Der Mineralboden wurde im Eichwald Frankfurt/ Oder tiefenschichtweise für die Horizontgrenzen: 0-
17 cm, 17-48 cm, 48-72 cm, 72-91cm, 91-110cm, 110-160cm und für das Untersuchungsgebiet
Brieskow: 0-10 cm, 10-40cm, 40-75 cm, 75-98 cm, 98-119cm, 119-130 cm beprobt. .Zehn
Stechzylinder pro Tiefenschicht wurden zu einer Mischprobe zusammengeführt. Anschließend wurde
das Probenmaterial beschriftet und luftdicht verschlossen. Die Entnahme der Humusauflage erfolgte
mit einem Stechrahmen ( 250 cm² ) in einem Umkreis von 10 m um die Profilgruben. Dabei ergaben
jeweils zehn Stechrahmenproben eine Mischprobe.
Als erstes wurde das Nassgewicht der Proben durch Wägung ermittelt. Danach wurden 100g
Probenmaterial von jeder Probe entnommen und im Trockenschrank bei 105° C bis zur
Gewichtskonstanz getrocknet. Anschließend wurden die Bodenproben auf einer sauberen Unterlage
gut durchmischt und zerkrümelt. Flach ausgebreitet konnten nun die Bodenproben über einen Zeitraum
von einer Woche in einem gut durchlüftetem Raum trocknen. Nach der Trocknung wurden Steine und
andere grobe Bestandteile ausgelesen und die Proben durch ein 2 mm Kunststoffsieb gesiebt, wobei
15
lockere organisch- mineralische Partikel ebenfalls durch das Sieb gedrückt wurden ( KOJ, 2004 ). Die
Humusproben wurden ebenfalls gut durchmischt, luftgetrocknet und anschließend durch ein 2 mm Sieb
gerieben. Allen Proben wurde eine fortlaufende Nummer zugeteilt, um im Labor fehlerfrei arbeiten zu
können.
3.2 Bodenphysikalische Untersuchungen
3.2.1 Körnung
Die Kornfraktion des Bodenskelettes (Fraktion > 2 mm) ergab sich aus der Siebung der Proben mit
einem 2 mm Maschensieb. Es war besonders darauf zu achten, dass der Siebrückstand klumpenfrei
war. Durch mechanisches Zerkleinern per Gummihammer und dem Zerdrücken der Klumpen von
Hand konnte das Verfahren realisiert werden.
Zur Ermittlung der Korngrößen der Sandfraktion (Grobsand, Mittelsand; Feinsand; Feinstsand) wurde
ebenfalls das Verfahren der Siebungsanalyse durchgeführt. Um die Sandfraktion von der Schluff- und
Tonfraktion zu trennen wurden 20g Feinboden (<2 mm) mit 15 ml Natriumpyrophosphat- Lösung und
200 ml destilliertes Wasser versetzt und ca. 6 Minuten mit einem Motorrührer in einem 800 ml
Becherglas gerührt. Nach der Dispergierung wurde der Sandanteil der Probe über ein Sieb
(Maschenweite von 0,063 mm) von der feinen Schluff- und Tonfraktion im Nassverfahren getrennt.
Der Siebrückstand (Sandteil) wurde anschließend mit wenig destilliertem Wasser in ein Wägeglas
überführt, bei 105 °C im Trockenschrank getrocknet und anschließend ausgewogen (KOJ, 2004). Alle
12 Bodenproben kamen nun nacheinander in die automatische Siebmaschine (Siebgrößen: 1mm;
0,63mm; 0,2mm; 0,125mm; 0,063mm), wo innerhalb der 15- minütigen Siebungszeit die einzelnen
Sandfraktionen getrennt wurden. Die auf den Sieben verbliebenen Rückstände wurden in tarierte
Wägeschiffchen überführt und auf der Analysewaage ausgewogen.
Berechnung der einzelnen Siebfraktionen:
er
ausgewogen Rückstand (g)
Siebfr
on
akti
(%)
100 % - U T
der Einzelwer e
t der Probe
100
% (20g
-
Sandteil
Auswaage
in g )
% U T - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
20g
Die Fraktion der Schluff- und Tonfraktion wurde gleich dem oben beschriebenen Verfahren von der
Sandfraktion getrennt. Das Filtrat wurde quantitativ aufgefangen und auf ein definiertes Volumen von
600 ml aufgefüllt. Nach einer Absetzungspause wurde die Suspension 2 min. manuell umgeschüttelt
und aufgestellt. Im Anschluss wurde die Senkspindel der Mohr- Westphal´schen Waage in den
Zylinder 10 cm tief eingeführt und durch Auflegen der Reitergewichte die Dichte der Summe von Ton
und Schluff bestimmt. Nach einer Wartezeit von 6 min erfolgte nun die zweite Messung in welcher die
Summe aus Mittelschluff und Ton ermittelt wurde. Nach einer Wartezeit von acht Stunden erfolgte die
letzte Messung, in der schließlich die Dichtemessung des Tones erfolgte. Zur Auswertung der
16
Messergebnisse der Sedimentationsanalyse hat man die Dichte der Suspension durch alle in der
Schwebe befindlichen Bodenbestandteile bestimmt (1. Messung). Daraus ergab sich, dass jede
Dichtemessung nach der vorgegebenen Fallzeiten auch die nachfolgenden Fraktionen enthält. Durch
die Subtraktion des jeweils nachfolgenden Ergebnisses konnten die Konzentrationsanteile der
einzelnen Fraktionen berechnet werden.
3.2.2 Wassergehalte
Eine 100g frische Bodenprobe wurde im Trockenschrank bei 105° C bis zur Gewichtskonstanz
getrocknet. Nach dem Abkühlen wurde die Probe erneut gewogen.
Berechnung des Wassergehaltes in % :
g Einwage ( vor der Trocknung ) - g Boden ( nach der Trocknung )
% Wassergehalt - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
- 100
g Einwage ( vor der Trocknung )
3.2.3 Luftkapazität, nutzbare Feldkapazität u. pflanzenverfügbares Wasser
Die
Luft-(LK), Feldkapazität (FK)
und das
Speichervermögen pflanzenverfügbaren Wassers
wurde an
Hand der Materialien zur Boden- und Standortsansprache (RIEK, 2000) ermittelt. Hierzu dienten die
Kenngrößen: Bodenart und Lagerungsdichte. Mit Hilfe der beiden bekannten Werte konnten LK, nFK
und FK tabellarisch abgelesen werden.
Zur Berechnung der pflanzenverfügbaren Speicherleistung des Bodens wurde folgende Formel
verwendet:
Wasserspeicher( l / ²)
m
nFK Horizontmä
(
chtigkeit dm ) Skelletan teil(%
)
3.2.4 kapillare Aufstiegsrate
In der Trockenperiode (August 2003)und der Nassperiode (März 2004) wurden jeweils an jeder
Profilgrube drei Messungen der Grundwasserstände im wöchentlichen Abstand mit Hilfe des
Bohrstockes durchgeführt. Die ermittelten Tiefen (dm unter Flur) wurden als Mittelwerte
zusammengefasst.
Tabelle 4:
Grundwasserpegel unter Flur
Standort
2.August2003
9.August2003
16.August2003
Brieskow
25,1dm
25,5 dm
27,2 dm
Eichwald
17,1 dm
18,1 dm
18,3 dm
Standort
6.März 2004
13. März 2004
19.März 2004
Brieskow
1,0 dm
1,5 dm
2,0 dm
Eichwald
0,0 dm
1,0 dm
1,5 dm
Die kapillare Aufstiegsrate aus dem Grundwasser wurde bis zur Untergrenze des effektiven
Wurzelraumes (KRWE) mit Hilfe der Materialien zur Boden- und Standortsansprache (RIEK, 2000)
tabellarisch abgelesen.
Der S- Wert (molc/m²)
, auf der Grundlage von
Ake
und
BS
wurde horizontweise nach folgender Formel
berechnet (RIEK, 2000):
S Wert( mol / ²)
m
BS 100
(
AKe cmolc / kg )
(
TDR g /
³)
cm
Horizont( dm )
17
3.3 Bodenchemische Untersuchungen
3.3.1 pH- Wert in Wasser und Kaliumchlorid
Um die saure, neutrale, oder alkalische Reaktion der Bodenproben zu ermitteln, wurden die Proben
zum einen in destillierten Wasser und zum anderen mit einer Salzlösung (Kaliumchlorid ) versetzt,
wobei die Gegebenheiten in der Salzlösung eher der natürlichen Bodenlösung entsprechen als in
destillierten Wasser. In ihm werden nur die dissoziierten H- Ionen in der Bodenlösung erfasst.
20 g lufttrockener Mineralboden wurden mit 50 ml destillierten Wasser versetzt. Das Gemisch blieb
dann zirka eine Stunde bei gelegentlichem Umrühren stehen. Anschließend stellte man mit einem pH-
Messgerät die Wasserstoffkonzentration der 12 Horizontproben einschließlich der beiden
Auflagehorizonte. Im Anschluss an diese Messungen gab man 2 ml Kaliumchloridlösung aus der
Dispensette zu jeder Probe. Nach einer kurzen Einwirkzeit konnte nun auch der pH- Wert in der
Salzlösung mit Hilfe des pH- Messgerätes ermittelt werden (KOJ, 2004).
3.3.2 C/ N Verhältnis
Zur Ermittlung des C /N- Verhältnisses der Bodenproben wurde je Bodenprobe ca. 20g fein gemörsert.
Die gemahlenen Bodenmischproben wurden anschließend in Reagenzgläser überführt. Im Labor der
FH- Eberswalde (FHE; FB2, Thomas) wurde der N- Gehalt
(mg/ g)
mit dem Verfahren der
Elementaranalyse mittels Elementaranalysatoren durchgeführt.
3.3.3 Kationenaustauschverhältnisse und Elementvorräte
Hierzu wurden jeweils 10 g lufttrockenen Mineralbodens in 500 ml Weithals- Plastikflaschen
eingewogen. Mit einem Messzylinder wurden nun 100 ml Ammoniumchloridlösung zugegeben und
anschließend eine Stunde in der Überkopfrüttelmaschine bei 30 U/ Min geschüttelt (beim Schütteln der
Bodenproben mit 0,5 mol/ l werden die Kationen des Bodens gegen Ammonium ausgetauscht und in
Lösung gebracht). Danach wurden alle Bodenproben über einen Trichter und Papierfilter in einen
Erlenmeyerkolben filtriert. Um eventuelle Verunreinigungen des Filtrats zu vermeiden, wurden die
ersten 20 ml des Filtrats verworfen. Alle 12 Filtrate wurden im Anschluss in gerätespezifische
Messrörchen gefüllt und zur Messung der Elemente in ein Fachlabor versandt. Zum Schluss erfolgte
die Bestimmung des pH- Wertes (=pH NH Cl) der mit Boden geschüttelten Lösung. Für die
4
Berechnung der Kationenaustauschkapazität eff ist die Summe der Kationenäquivalente und der
Protonenäquivalente notwendig. Die Berechnung erfolgte mit Hilfe des Computerprogramms
,,Berechnung Basensättigung" der FH- Eberswalde (KOJ, 2004).
Die Bestimmung der Verfügbarkeitsfraktionen löslicher und leicht austauschbarer Elemente erfolgte
durch die Extraktion mit Extraktionsmitteln unterschiedlicher Aggressivität. Hier werden verschiedene
Bindungsformen erfasst, um die Aneignungskraft der Pflanzenwurzeln nachzuahmen. Bei der
Untersuchung von forstlichen Böden wird die Extraktion und Perkolation mit Ammoniumchlorid
bevorzugt. Die Vorgehensweise im Labor gleicht der Durchführung zur Ermittlung der
18
Kationenaustauschkapazität eff , so dass dies an dieser Stelle nicht noch einmal näher erläutert werden
braucht. Die Messung der folgenden Elemente: Stickstoff, Phosphor, Schwefel, Kalium, Calcium,
Magnesium, Eisen, Mangan, erfolgte durch das Fachpersonal am ICP (Plasmaspektrometer). Die
Ergebnisse wurden in der Einheit
mg Element/ 1000 g
Boden ausgegeben (KOJ, 2004).
3.3.4 Karbonatgehalte
Alle 12 Bodenproben wurden im Labor auf ihren Carbonatgehalt (CaCO ) geprüft. Dabei wurde eine
3
Spatelspitze lufttrockener Boden auf ein Uhrglas mit einigen Tropfen 10- %iger Salzsäure versetzt.
Nach der Stärke des Aufschäumens wurde nun der ungefähre Carbonatgehalt entsprechend einer
Tabelle geschätzt und die Einwaagemenge für die quantitative Bestimmung abgeleitet. Je nach dem im
qualitativen Versuch abgeschätzten Karbonatgehalt wurden 5g gemörserter lufttrockener Feinboden in
das Entwicklungsgefäß der Scheibler Apparatur gefüllt. Die weitere Verfahrensweise erfolgte nach der
Gerätevorschrift zur Scheibler Apparatur. Nach dem Vorgang wurde das CO -Volumen in ml
2
abgelesen. Bei der Berechnung wurde von CO auf mg CaCO
2
3 umgerechnet. Zur Berechnung wurde
auch die Raumtemperatur in °C und der Luftdruck in Torr benötigt.
Gesamtgleichung:
ml CO2 Faktor
ml
100
CO2 Faktor
CaCO3 - - - - - - - - - - - - - - - - - -
-
-
- - - - - - - - - - - - - - - -
Einwage in g
100
Einwage in g 10
3.3.5 Schwermetallgehalte
Im Rahmen der Schwermetalluntersuchung wurden die Elemente: Blei (Pb), Kupfer (Cu) und Zink
(Zn) im Oberboden labortechnisch durch Fachpersonal mit der Methode des
HNO3- Druckaufschluss
analysiert. Die Ergebnisse wurden in
g/g
ausgegeben.
Die Bewertung der ermittelten Ergebnisse der Bodeneigenschaften beruht auf folgenden Bewertungsrahmen:
-
Bundesweite Bodenzustandserhebung im Wald (BZE)
(WOLFF & RIEK, 1997).
-
Mitteilungen der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft
( 1998, Band 86)
-
Materialien zur Boden- und Standortsansprache
(RIEK, 2000).
-
Anleitung für die forstliche Standortserkundung im
nordostdeutschen Tiefland (SEA 95)
(SCHULZE, 1996).
- AG Boden (1996) Bodenkundliche Kartieranleitung
19
4. Ergebnisse
4.1 Standortsaufnahme am Bodenprofil
4.1.1 Bodenfarbe (nach MUNSELL- Farbtafel)
Tabelle 5:
Bodenfarbe Brieskow:
Horizont Tiefe
Hue
Chroma
Value
in cm
Farbton Farbtiefe Farbhelligkeit
aAa-M
0-10
10YR
2
1
aM
10-40
10YR
3
3
aGo
40-75
10YR
3
4
aGro
75-98
10YR
4
3
aGro
98-119
10YR
4
4
aGor
119-130 10YR
4
3
Die Ansprache nach der MUNSELL- Farbtafel ergibt eine farbliche Abstufung von der Bodenfarbe
black
in der humusangereicherten Tiefenschicht -5 cm über
dark brown
in den darunter liegenden
Tiefenschichten bis hin zu
dark yellow wish brown
- Tönen in den Tiefenschichten -100 cm.
Tabelle 6:
Bodenfarbe Standort ,,Eichwald":
Horizont Tiefe
Hue
Chroma
Value
in cm
Farbton Farbtiefe Farbhelligkeit
aAh-M
0-17
10YR
2
1
aM
17-48
10YR
3
3
aGo-M
48-72
10YR
3
4
aGro
72-91
10YR
4
4
aGro
91-110
10YR
5
3
aGor
110-160
2,5Y
5
3
Im Oberboden lassen sich Vergleiche mit der Profilgrube in Brieskow ziehen. In den unteren
Tiefenschichten ab 110 cm wird der Boden mit der Farbe
brown
angesprochen. Im sandigen
Ausgangssubstrat fällt der Boden relativ hell aus und wird hier mit der Farbe
light olive brown
angesprochen.
4.1.2 Lagerungsdichte
Tabelle 7:
Lagerungsdichte Brieskow:
Horizont
Tiefe
Code
in cm
aAa-M
0-10
Ld2
aM
10-40
Ld3
aGo
40-75
Ld4
aGro
75-98
Ld4
aGro
98-119
Ld4
aGor
119-130
Ld3
In der Tiefenschicht 0-10 cm zerfällt die Probe bereits bei leichtem Druck in zahlreiche Bruchstücke.
Im Bewertungsrahmen kann die Lagerungsdichte (Ld) mit
gering
eingestuft werden. In der darunter
liegenden Tiefenschicht 10-40 cm kann das Messer mit wenig Kraft in den Boden gedrückt werden.
Aus dem Bewertungsrahmen kann dadurch die Lagerungsdichte
mäßig dicht
abgeleitet werden. In der
Tiefenstufe 40-119 cm ist das Messer nur schwer bis ca. 2 cm in den Boden zu drücken. Hieraus ergibt
20
sich aus dem Bewertungsrahmen eine Lagerungsdichte die mit
dicht
einzustufen ist. In der
Tiefenschicht 119-130 cm nimmt die Lagerungsdichte wieder ab. Das Messer kann mit wenig Kraft in
den Boden gedrückt werden. Im Bewertungsrahmen kann die Lagerungsdichte als
mäßig dicht
eingestuft werden (AG BODEN, 1996).
Tabelle 8:
Lagerungsdichte: "Eichwald":
Horizont
Tiefe
Code
in cm
aAh-M
0-17
Ld2
aM
17-48
Ld3
aGo-M
48-72
Ld3
aGro
72-91
Ld3
aGro
91-110
Ld4
aGor
110-160
Ld2
In der Tiefenschicht 0-17 cm kann das Messer mit sehr wenig Kraft in den Boden gedrückt werden.
Die Probe zerfällt bereits bei leichtem Druck in zahlreiche Bruchstücke. Im Bewertungsrahmen kann
die Lagerungsdichte mit gering eingestuft werden. In der Tiefenschicht 17-91 cm ist das Messer mit
wenig Kraft in den Boden zu drücken. Im Bewertungsrahmen ist die Lagerungsdichte als
mäßig dicht
einzustufen. In der Tiefenschicht 91-110 cm ist das Messer nur schwer in den Boden zu drücken. Im
Bewertungsrahmen kann die Lagerungsdichte als
dicht
eingestuft werden. In der Tiefenschicht 110-
160 cm wechselt die Körnung sichtbar. Es liegt ein Feinsand vor. Die Probe zerfällt bereits bei
leichtem Druck in ihre Einzelteile. Im Bewertungsrahmen kann die Lagerungsdichte als
gering
eingestuft werden (AG BODEN, 1996).
4.1.3 Carbonatgehalt
Bei der Versetzung der jeweiligen Tiefenschicht mit einigen Tropfen 10%iger HCl kann lediglich in
der Profilgrube Brieskow in der Tiefenschicht 0-10 cm freier Kalk durch
nicht anhaltendes Brausen
festgestellt werden (AG BODEN, 1996). Eine genaue Untersuchung erfolgt im Rahmen der
chemischen Laborarbeiten.
4.1.4 Skelettanteile
Die Abschätzung des Kies- und Steingehaltes nach Flächenanteil ergibt für beide Bodenprofile einen
Wert von <2% Fläche. Eine genaue Ermittlung des Skelettanteils erfolgt im Rahmen der
physikalischen Laborarbeiten.
4.1.5 Bodenwasser
Unter natürlichen Bedingungen enthält jeder Boden Wasser. Es wird über die Niederschläge, das
Grundwasser, Überflutungen, und in geringem Maße über Kondensation aus der Atmosphäre ergänzt.
Wenn das Wasser den gesamten Porenraum des Bodens erfüllt, bezeichnet man diesen Zustand des
Bodens als
wassergesättigt
(SCHEFFER &SCHACHTSCHABEL 1998). Das in den Boden
eindringende Wasser verbleibt in dem Boden als Haftwasser oder durchsetzt ihn als Sickerwasser und
bildet Grund- oder Stauwasser. Durch kapillaren Aufstieg kann Wasser aus Grund- und Stauwasser das
Haftwasser wieder ergänzen (SCHRÖDER 1992).
21
4.1.5.1 Luftkapazität, nutzbare Feldkapazität und Speicherleistung für pflanzenverfügbares
Wasser
Wichtige Kennwerte des Wasser- und Lufthaushaltes sind die (nutzbare) Feldkapazität (nFK) und die
Luftkapazität (LK). Unter Feldkapazität wird die Wassermenge des Bodens verstanden, die er maximal
gegen die Schwerkraft zurückhalten kann. Subtrahiert man das Totwasser (Wasseranteil an FK,
welcher nicht pflanzenverfügbar ist) von der Feldkapazität erhält man die nutzbare Feldkapazität.
Die Luftkapazität entspricht dem Porenvolumen das bei Feldkapazität entwässert und mit Luft gefüllt
ist (RIEK, 2000).
Tabelle 9:
Lk, nFK und Speicher in Brieskow
:
Horizont
Tiefe Code Bodenart Horizont
nFK
LK Speicherleistung
in cm
dm
%
%
mm
aAa-M
0-10
Ld2
Su2
1
17,5
17
17,4
aM
10-40
Ld3
Lt2
3
16,5
6,5
49,5
aGo
40-75
Ld4
Ls2
3,5
13,8
6,5
48,3
aGro
75-98
Ld4
Ls2
2,3
13,8
6,5
31,7
aGro
98-119
Ld4
St2
2,1
13,5
11
28,3
aGor
119-130 Ld3
Sl4
1,1
17
10
18,7
Die Einstufung der nutzbaren Feldkapazität des effektiven Wurzelraumes wird laut AG Boden (1996)
bis zu einer Tiefenschicht von 1 m Tiefe veranschlagt. Sie liegt bei dieser Tiefenschicht bei ca. 147
mm Regenhöhe und kann im Wertebereich als
mittel(nFKWe3)
eingestuft werden.
Die Luftkapazität ist in der Tiefenschicht 0-10 cm als
hoch (LK4)
im Wertebereich einzuordnen. Ab
der Tiefe 10 cm ist das Porenvolumen, das mit Luft gefüllt ist in der Bewertungsskala mit dem Wert
mittel (LK3)
einzustufen.
Tabelle 10:
Lk, nFK und Speicher im ,,Eichwald":
Horizont
Tiefe Code Bodenart Horizont
nFK
LK Speicherleistung
in cm
dm
%
%
mm
aAh-M
0-17
Ld2
Slu
1,7
31,5
11
53,5
aM
17-48
Ld3
Sl4
3,1
17,5 10,5
54,2
aGo-M
48-72
Ld3
Sl3
2,4
18
11
42,6
aGro
72-91
Ld3
Sl4
1,9
17
10
32,3
aGro
91-110
Ld4
Lt2
1,9
11,5
4
21,9
aGor
110-160 Ld2
Msfs
5
14,5
23
72,5
Die nutzbare Feldkapazität des effektiven Wurzelraumes bei 1 m Tiefe bei einer Regenhöhe von
ca.193 mm und kann in der Bewertung als
mittel (nFKWe3)
angesehen werden.
Die Luftkapazität kann in der Tiefenschicht 0-110 cm als
mittel (LK3)
im Wertebereich eingestuft
werden. Ab der Tiefenstufe 110 mit der Bodenart
mittelsandiger Feinsand
steigt die Luftkapazität im
Wertebereich an und ist als
sehr hoch (LK5)
einzustufen (AG BODEN, 1996).
4.1.5.2 Mittlere kapillare Aufstiegsrate aus dem Grundwasser
Durch kapillaren Aufstieg gegen die Schwerkraft kann Wasser aus Grund- und Stauwasser das
Haftwasser wieder ergänzen (SCHROEDER, 1992). Als Kapillarwasser bezeichnet man das durch
Menisken im Boden gehaltene Wasser. Die Menisken werden von zwei Kräften gebildet, den
22
Adhäsionskräften zwischen der Teilchenoberfläche und den Kohäsionskräften zwischen den
Wassermolekülen (MÜCKENHAUSEN, 1993).
Als Bewertungsschema der Grundwasserform dient SCHULZE (1996): Anleitung für die forstliche Standortskartierung im
nordostdeutschen Tiefland- SEA95.
Tabelle 11
:kapillare Aufstiegsrate in Brieskow:
Trockenperiode (August 2003)
Horizont
Tiefe Code Bodenart Abstand kapillarer Aufstieg
in cm
in dm
mm/ Tag
aGro
98-119
Ld4
St2
16
0
aGor
119-130 Ld3
Sl4
14,1
0,125
Der mittlere Grundwassertiefstand wurde in der Trockenperiode ( August 2003) direkt an der
Profilgrube ermittelt und lag bei 26 dm unter Flur. Die Bewertung der kapillaren Aufstiegsrate aus dem
Grundwasser nimmt als kleinsten Wert annähernd die Null an und kann somit im Wertebereich als
sehr
gering
eingestuft werden.
Tabelle 12:
kapillare Aufstiegsrate in Brieskow:
Nassperiode (März 2004)
Horizont
Tiefe Code Bodenart Abstand kapillarer Aufstieg
in cm
in dm
mm/ Tag
aGro
98-119
Ld4
St2
0
> 5
aGor
119-130
Ld3
Sl4
0
> 5
Der Grundwasserpegel der Frühjahrsmessung (März 2004) lag im Mittel bei 1,5 dm unter Flur. Auf
Grund dieser hohen Grundwasserstände kann die kapillare Aufstiegsrate aus dem Grundwasser mit
sehr hoch
im Wertebereich eingestuft werden.
Nach dem Schema zur Ableitung der Grundwasserform nach SCHULZE (1996)kann für den Standort
Brieskow , welcher dem Qualmwasser der Oder unterliegt die Grundwasserform:
kurzzeitig stark
grundsumpfig
im Bewertungsschema zugeordnet werden.
Tabelle 13:
kapillare Aufstiegsrate im ,,Eichwald":
Trockenperiode (August 2003)
Horizont
Tiefe Code Bodenart Abstand kapillarer Aufstieg
in cm
in dm
mm/ Tag
aGro
91-110
Ld4
Lt2
8
0,3
aGor
110-160 Ld2
msfS
7
1,5
Der mittlere Grundwassertiefstand wurde in der Trockenperiode (August 2003) direkt an der
Profilgrube ermittelt und lag bei 1,80 m unter Flur. Den kleineren der ermittelten Werte beurteilend,
kann er in der Bewertungsskala mit
sehr gering
eingestuft werden.
Tabelle 14:
kapillare Aufstiegsrate im ,,Eichwald":
Nassperiode (März 2004)
Horizont
Tiefe Code Bodenart Abstand kapillarer Aufstieg
in cm
in dm
mm/ Tag
aGro
91-110
Ld4
Lt2
0
> 5
aGor
110-160 Ld2
msfS
0
> 5
23
In den Wintermonaten (Januar, Februar 2004) war der Eichwald in Frankfurt/ Oder vom Hochwasser
der Oder überflutet.
Die Grundwasserpegelstände der Frühjahrsmessung (März 2004) ergaben einen errechneten Mittelwert
von 0,8 dm unter Flur. In der Bewertungsskala ist die kapillare Aufstiegsrate aus dem Grundwasser
somit als
sehr hoch
einzustufen.
Ausgehend von der winterlichen Überflutung durch die Oder ergibt sich aus dem Schema zur
Ableitung der Grundwasserform nach SCHULZE (1996) die Grundwasserform:
kurzzeitig stark
überwässert
im Bewertungsschema.
4.1.6 Morphologie der Bodenprofile
Abbildung 7:
Profilgrube Brieskow:
+2cm
L/Of
schwach schluffiger Sand
-10cm
aAa-M
schwach toniger Lehm
-40cm
aM
schwach sandiger Lehm
-75cm
aGo
schwach sandiger
-119cm
aGro
Lehm
>130cm
aGor
schwach toniger
Sand
Bodentyp: Gley- VEGA mit mullartigem Moder
24
Abbildung 8:
Profilgrube ,,Eichwald":
+2cm
L/Of
schluffig
lehmiger Sand
-17cm
aAh-M
stark lehmiger Sand
-48cm
aM
mittel lehmiger Sand
-72cm
aGo-M
stark lehmiger Sand
-110cm
aGro
>160cm
aGor
feinsandiger Mittelsand
Bodentyp: Gley- VEGA mit mullartigem Moder
Die Ansprache der Böden erfolgt nach MITTEILUNGEN der DEUTSCHEN BODENKUNDLICHEN GESELLSCHAFT (Band
86) 1998
Horizontbezeichnungen (Symbole):
L
= Organischer Horizont aus Ansammlung von nicht und wenig zersetzter Pflanzensubstanz an der Bodenoberfläche; die
organische Substanz besteht zu <10 Vol.-% aus Feinsubstanz
O
= Organischer Horizont aus organischer Substanz über dem Mineralboden; die organische Substanz besteht i. d. R. zu >
10 Vol.-% aus Feinsubstanz; der Grenzwert zum Mineralboden liegt bei 70 Masse-% mineralischer Substanz
Of
= O-Horizont, in dem neben Pflanzenresten die organische Feinsubstanz deutlich hervortritt, ihr Anteil liegt i. d. R.
zwischen 10-70 Vol.-% der Summe von organischer Feinsubstanz und Sprossresten
a
= Auendynamik; kombinierbar mit A-,C-,G- und M- Horizonten
M
= Mineralbodenhorizont, entstanden aus fortlaufend sedimentierten holozänem Solummaterial i. d. R. mit einem
Mindestgehalt an organischer Substanz bei < 17 Masse-% Ton und < 50 Masse-% Schluff; bei < 17 Masse-% und > 50
Masse-% Schluff bzw. 17-45 Masse-% Ton
25
Aa
= Mineralischer Oberbodenhorizont mit 15-30 Masse-% organischer Substanz (anmoorig), unter Grundwasser- oder
Stauwassereinfluss an der Oberfläche entstanden
Ah
= Mineralischer Oberbodenhorizont mit bis zu 30 Masse-% akkumuliertem Humus, dessen Menge i. d. R. nach unten hin
abnimmt; Mindestgehalt an organischer Substanz bei < 17 Masse-% Ton und < Masse-% Schluff, bei 17 Masse-% Ton und
> Masse-% Schluff bzw. 17- 45 Masse-% Ton, bei > 45 Masse-% Ton
Go
= Mineralbodenhorizont mit Grundwassereinfluss, oxidiert, mit > 10 Flächen-% Rostflecken, besonders an
Aggregatoberflächen und im Grundwasserschwankungsbereich einschließlich Schwankungsbereich der Obergrenze des
geschlossenen Kapillarraumes entstanden
Gro
= Go- Horizont, teilweise reduziert, mit 5 10 Flächen-% Rostflecken
Gor
= G- Horizont mit reduzierenden Verhältnissen mit < 5 Flächen-% Rostflecken, nicht an Wurzelbahnen gebunden und
nass an über 300 Tagen im Jahr
4.1.6.1 Herleitung des Bodentyps
Die Böden der Untersuchungsgebiete werden in der Bodensystematik der Klasse der Auenböden
zugeordnet. In dieser Klasse werden Böden aus holozänen fluviatalen Sedimenten in Tälern von
Flüssen und Bächen zusammengefasst, die z. T. periodisch überflutet werden bzw. wurden. Sie
besitzen i. d. R. ein stark schwankendes Grundwasser, das im allgemeinen mit dem Flusswasserspiegel
in Verbindung steht. Die Schwankungsamplitude nimmt meist mit der Entfernung zum Fluss ab.
Eingedeichte Auenböden werden z. T. noch durch Druckwasser des Flusses überstaut.
Bei den ,,braunen Böden mit Auendynamik" werden Allochtone Vega und Autochtone Vega zur Vega
zusammengefasst, da sie meistens nicht einwandfrei unterschieden werden können (MITTEILUNGEN
der DEUTSCHEN BODENKUNDLICHEN GESELLSCHAFT Band 86; 1998).
Die Abgrenzung zwischen Auenböden und der Klasse: GLEYE besteht darin, dass GLEYE unter
nachhaltig höherstehendem Grundwasser (zeitweilig bis mindestens 4 dm unter Geländeoberfläche bei
geringen Schwankungsamplituden) entstanden sind. Bei der Klasse: AUENBÖDEN befindet sich
hingegen die Obergrenze des aG- Horizontes unterhalb 8 dm unter Geländeoberfläche.
Da bei beiden Profilgruben die Hydromorphiemerkmale zwischen 4-8 dm unter Geländeoberfläche
(vgl. Merkmale der Horizontabfolge) zu finden sind, können beide Böden nach MITTEILUNGEN der
DEUTSCHEN BODENKUNDLICHEN GESELLSCHAFT als Gley- VEGA klassifiziert werden.
Dabei handelt es sich um einen sog. ,,Subtyp" des Bodentypes: VEGA (Braunauenboden).
4.1.7 Standortsformengruppe
Bei dem Standortserkundungsverfahren für das Nordostdeutsche Tiefland werden definierte
Standortsformenkomponenten als räumliche Befundeinheit kartiert. Alle Komponenten werden unter
dem Aspekt der Gleichwertigkeit für das Waldwachstum zu Standortsformengruppen
zusammengefasst. Die Grundlage für die Zuordnung zu Standortsformengruppen ist die qualitative
Ansprache von Geländewasserhaushalt und Nährkraft auf der Basis von Bodenform (Substrat u.
Bodentyp), Relief, sowie Grund- bzw. Stauwassereinfluss. Die Standortsformengruppe kann als eine
forstökologische Auswerteeinheit angesehen werden, auf deren Grundlage Entscheidungen für den
praktischen Waldbau (Baumartenwahl) getroffen werden (RIEK, 2000).
26
4.1.7.1 Herleitung der Standortsformengruppe nach dem Nordostdeutschem
Erkundungsverfahren
Standort Brieskow:
Aufgrund der Disharmonie, d h. in Relation zur Basenversorgung und der Bodenacidität weite C/ N-
Verhältnisse (vgl. Kap. 4.2.3.3. Humusform), wird der Standort Brieskow nicht als
reich (R )
, was für
lehmreiche Auenböden mit hoher Basensättigung zutreffen würde eingestuft ,vielmehr wird er um eine
Stufe ärmer eingestuft und gilt somit als (
kräftiger)
K
-
Standort (RIEK, 2004 mdl. Mitteilung).
Nach der Einteilung der Standorte nach dem Wasserhaushalt kann der Standort Brieskow als
mineralischer
Grundwasserstandort (N)
ausgewiesen werden. Auf Grund des mittleren
Grundwasserhöchststandes im Frühjahr von 0,15m unter Flur (vgl. Kap. 4.1.5.2. Mittlere kap.
Aufstiegsrate) kann der Standort in der Wasserhaushaltsstufe als
grundnass (1)
eingestuft werden. Aus
diesen einzelnen Komponenten ergibt sich für Brieskow die Standortsformengruppe:
NK1- Standort
(SCHULZE, 1996).
Standort ,,Eichwald":
Aufgrund der Disharmonie, d h. in Relation zur Basenversorgung und der Bodenacidität weite C/ N-
Verhältnisse (vgl. Kap. 4.2.3.3. Humusform),wird auch der Standort ,,Eichwald" nicht als
reich (R )
,
was für lehmreiche Auenböden mit hoher Basensättigung zutreffen würde eingestuft ,vielmehr wird er
um eine Stufe ärmer eingestuft und gilt somit als (
kräftiger)
K- Standort (RIEK, 2004 mdl. Mitteilung).
Nach der Einteilung der Standorte nach dem Wasserhaushalt kann der Standort ,,Eichwald" als
Auenstandort (mineralisch bzw. organischer Überflutungsstandort, zeitweilig unter Wasser)
ausgewiesen werden. Aus diesen einzelnen Komponenten ergibt sich für den ,,Eichwald" die
Standortsformengruppe:
AK- Standort
(SCHULZE, 1996).
4.2 Laboraranalysen
4.2.1 Körnung:
Bei dem Transport und entsprechend bei der Sedimentation im Fluss findet eine von der
Strömungsgeschwindigkeit abhängige Korngrößensortierung statt. Der Charakter von Auensedimenten
wird entscheidend durch die Gesteins- und Bodeneigenschaften im Einzugsgebietes des Flusses
bestimmt. So finden wir im Bereich der Norddeutschen Sand- Landschaften sandige Auen vor.
Die Ablagerung von Auenlehmen über dem Ausgangssubstrat steht im Zusammenhang mit
Klimaänderungen und der Besiedlungsgeschichte. Seit der Umwandlung von Lößgebieten in
Ackerkultur (vor ca. 2500 Jahren) erodierte der Boden stark und die Flüsse transportierten die
Sedimente über sehr große Entfernungen (SCHEFFER & SCHACHTSCHABEL, 1998).
Als Bewertungsgrundlage für die Körnungen dient: AG BODEN (1996): Bodenkundliche Kartieranleitung, Arbeitsgemeinschaft
Boden Hannover
27
Tabelle 15:
Brieskow:
Horizont
Tiefe
frisch
trocken trocken / 100 Steine(2-6 mm) Bodenskelett
in cm
in g
Gewichts- %
aAa-M
0-10
933
652
69,84
4,75
0,73
aM
10-40
1419
1203
84,76
0,03
0,00
aGo
40-75
1524
1302
85,41
0,04
0,00
aGro
75-98
1575
1316
83,55
2,13
0,16
aGro
98-119
1448
1335
92,18
4,53
0,34
aGor
119-130
1703
1409
82,74
0,93
0,07
Tabelle 16:
,,Eichwald":
Horizont
Tiefe
frisch
trocken trocken / 100 Steine(2-6 mm) Bodenskelett
in cm
in g
Gewichts- %
aAh-M
0-17
1135
811
71,44
0,9
0,11
aM
17-48
1490
1239
83,17
1,68
0,14
aGo-M
48-72
1625
1409
86,7
20,15
1,43
aGro
72-91
1613
1352
83,81
0,03
0,00
aGro
91-110
1708
1355
79,31
0,04
0,00
aGor
110-160
1692
1487
86,8
0,03
0,00
Nach der graduellen Abstufung der Skelettanteile der Bodentextur nach AG BODEN (1996) ergibt sich
aus den einzelnen Tiefenschichten jeweils ein Gewichts- % < 2. Da sich aus der Zusammensetzung des
Skelettanteils und der Skelettgröße Rückschlüsse auf die Fließgeschwindigkeit (je höher die
Skelettgröße, desto höher die Strömungsgeschwindigkeit) der Oder ziehen lassen, kann man davon
ausgehen, dass an der Stelle der Profilgruben die Strömungsgeschwindigkeit des Flusses bei
Überflutung niedrig ist. Die Korngrößen der Skelettfraktion lassen sich in einem Bereich von 2-6 mm
einordnen und sind somit
sehr schwach kiesig
(Kurzzeichen:g´´).
Tabelle 17:
Korngrößenverteilung Brieskow:
Horizont
Tiefe
Sand
Schluff
Ton
Kurz-
Bodenart
in cm
in Gew.-%
zeichen
aAa-M
0-10
81
16
4
Su2
schwach schluffiger Sand
aM
10-40
33
42
25
Lt2
schwach toniger Lehm
aGo
40-75
39
43
18
Ls2
schwach sandiger Lehm
aGro
75-98
36
47
17
Ls2
schwach sandiger Lehm
aGro
98-119
89
6
5
St2
schwach toniger Sand
aGor
119-130
49
39
12
Sl4
stark lehmiger Sand
Der oberste Bereich der Profilgrube wird durch einen schwach schluffigen Sand gekennzeichnet.
In den darunter folgenden Schichten ist ein wesentlich höherer Schluff- und Tonanteil vorzufinden. So
finden sich dort im Bereich von 10 100 cm Tiefe schwach- tonige bis schwach- sandige Lehme,
welche noch bis 120 cm Tiefe von schwach tonigen Sanden unterlagert sind.
Als Ausgangssubstrat liegt ab 120 cm Tiefenschicht stark lehmiger Sand vor, der wieder hohe Schluff-
und Tonanteile aufweist.
Der abrupte Wechsel der Bodenart in einem Band von 105-115 cm Tiefe lässt auf veränderte
Ablagerungsbedingungen zur Zeit der Sedimentation schließen.
28
Tabelle 18:
Korngrößenverteilung ,,Eichwald":
Horizont
Tiefe
Sand
Schluff
Ton
Kurz-
Bodenart
in cm
in Gew.-%
zeichen
aAh-M
0-17
43
43
15
Slu
schluffig- lehmiger Sand
aM
17-48
49
35
15
Sl4
stark lehmiger Sand
aGo-M
48-72
61
27
10
Sl3
mittel lehmiger Sand
aGro
72-91
51
35
14
Sl4
stark lehmiger Sand
aGro
91-110
23
48
29
Lt2
schwach toniger Lehm
aGor
110-160
95
3
2
Msfs
feisandiger Mittelsand
Im ,,Eichwald" Frankfurt/ Oder sind die Tonanteile in den oberen Bereichen von 0-100 cm mit 10-15
Gew.-% relativ ähnlich. Hier liegen mittel lehmige bis stark lehmige Sande vor. Ab 100 cm
Tiefenschicht vollzieht sich ein Wechsel hin zu schwach tonigen Lehmen, die sich mit Tonanteilen von
29 Gew.- % und Sandanteilen von nur 23 Gew.- % deutlich von den oberen Schichten unterscheiden.
Ab 150 cm Tiefenschicht wechselt die Bodenart erneut. Das Ausgangssubstrat ist ein feinsandiger
Mittelsand.
4.2.2 Humusstatus
4.2.2.1 Humusgehalt im Mineralboden
Das meist schichtweise angelandete Solum- Material der einzelnen Tiefenschichten enthält mehr oder
weniger erodiertes Material der Ah- Horizonte. Es ist mit organischer Substanz durchsetzt und daher
meist biologisch aktiv (MÜCKENHAUSEN, 1993). Bei einem Mineralbodenhorizont des
Allochthonen Braunen Auenbodens definiert sich der Mindestgehalt an organischer Substanz bei den
vorliegenden Tongehalten < 17 % und Schluffgehalten < 50 % mit 0,6 Gew.- %, bzw. Tongehalten
>17 % mit 0,9 Gew.- % für den Humusanteil (KUNTZE et al., 1994).
Als Bewertungsschema des Humusstatus dient SCHULZE (1996): Anleitung für die forstliche Standortskartierung im
nordostdeutschen Tiefland- SEA95.
Tabelle 19:
Humusgehalte Brieskow:
Horizont
Tiefe in cm
Humus
in Gew.- %
L/Of
2
34,65
aAa-M
0-10
16,57
aM
10-40
2,67
aGo
40-75
1,02
aGro
75-98
1,19
aGro
98-119
0,16
aGor
119-130
0,43
Die Tiefenschicht 0-10 cm weist sehr hohe Humusanteile auf und kann somit als
anmoorig(h6)
im
Wertebereich eingestuft werden. Die Tiefenschicht 10-40 cm weist einen
mittel humosen (h3)
Zustand
auf. In der Tiefe von 40-98 cm ist der Humusanteil im Mineralboden als
schwach humos (h2)
einzustufen. In der Tiefenschicht 98-130 cm geht der Humusanteil im Mineralboden auf
sehr schwach
humos (h1)
im Wertebereich zurück.
29
Tabelle 20:
Humusgehalte ,,Eichwald":
Horizont
Tiefe in cm
Humus
in Gew.- %
L/Of
2
37,07
aAh-M
0-17
11,35
aM
17-48
1,48
aGo-M
48-72
0,49
aGro
72-91
0,58
aGro
91-110
1,27
aGor
110-160
0,07
In der Tiefenschicht 0-17 cm findet sich ein deutlicher Humusanteil im Mineralboden. Er konnte im
Wertebereich als
sehr stark humos (h5)
eingestuft werden. In der darunter folgenden Schicht gehen die
Humusanteile stark zurück. Im Wertebereich lassen sie sich als schwach humos (h2) einordnen. In der
Tiefenschicht 48-91 cm geht der Humusanteil weiter zurück und lässt sich im Bereich als sehr schwach
humos (h1) ansprechen. In der Tiefe von 91-110 cm steigt er wieder leicht an
(h2).
In der letzten
beprobten Tiefenschicht, dem feinsandigen Mittelsand geht der Humusanteil wieder zurück und kann
im Wertebereich mit
nur stellenweise humos (h)
eingestuft werden.
4.2.2.2 Kohlenstoff-, Stickstoff-, Phosphorvorräte, sowie C/N- Verhältnis
Die Bewertung der Ergebnisse erfolgt an Hand des BZE- Berichtes (WOLFF & RIEK, 1996). Er beinhaltet für alle bundesweit
ausgewerteten Daten die
prozentualen komulativen Häufigkeitsverteilungen (PKH).
Diese Form der Darstellung erlaubt die
unmittelbare Bestimmung des Medians (jeweils mind. 50% der Messungen einen Wert größer o. gleich bzw. kleiner o. gleich dem
Median) sowie die Darstellung beliebiger Perzentile. Diese geben einen Einblick in die Streuung der Merkmalswerte einer
Messgröße.
Tabelle 21:
Brieskow:
Horizont
Tiefe
Kohlenstoff
Stickstoff
C / N
in cm
%
Verhältnis
L
2
20,10
1,01
19,98
aAa-M
0-10
10,22
0,38
24,98
aM
10-40
1,55
0,13
11,51
aGo
40-75
0,59
0,05
11,85
aGro
75-98
0,69
-*
-*
aGro
98-119
0,09
-*
-*
aGor
119-130
0,25
-*
-*
(-*= Werte nicht interpretierbar)
Der Vorrat an Stickstoff ist in der Tiefenschicht 0-10 cm
sehr gering
einzustufen. In der Tiefenschicht
10-40 cm steigen die Vorräte leicht an und sind im Wertebereich als
gering
einzuordnen.
Der Kohlenstoff- Vorrat lässt sich in der Tiefenschicht 0-40 cm im Wertebereich als
gering
einstufen.
Die darunter liegenden Schichten sind als
sehr gering
einzustufen.
Das C / N-Verhältnis im Humus als Hinweis für biologische Aktivität und Stoffumsetzung liegt in der
Tiefenschicht 0-10 cm im
mäßig weiten
bis
weiten
Wertebereich. In der darunter liegenden
Tiefenschicht 10-75 cm ist das Verhältnis als
eng
in der Bewertungsskala einzustufen und somit als
günstig einzuschätzen (BZE, 1996).
30
Tabelle 22:
,,Eichwald":
Horizont
Tiefe
Kohlenstoff
Stickstoff
C / N
in cm
%
Verhältnis
L/Of
2
21,50
1,07
20,09
aAh-M
0-17
6,59
0,36
18,55
aM
17-48
0,86
0,08
11,42
aGo-M
48-72
0,28
0,02
12,58
aGro
72-91
0,34
-*
-*
aGro
91-110
0,74
-*
-*
aGor
110-160
0,04
-*
-*
(-*= Werte nicht interpretierbar)
Der Stickstoff- Vorrat ist in der Tiefenschicht 0- 48 cm als
gering
einzustufen. Ab der Tiefenschicht
48- 160 cm fallen die Vorräte auf ein
sehr geringes
Niveau ab.
Der Vorrat an Kohlenstoff ist in der Tiefenschicht 0-17 cm im Wertebereich als
gering
mit einer
Tendenz zu
mittel
zu bewerten. Ab der Tiefenschicht 17-72 cm fallen die Kohlenstoff- Vorräte auf ein
sehr geringes
Niveau ab.
Der Phosphor- Vorrat ist auf der gesamten Fläche im Wertebereich als
sehr gering
einzustufen.
Das C / N-Verhältnis im Humus als Hinweis für biologische Aktivität und Stoffumsetzung befindet
sich in der Tiefenschicht 0-17 cm im
mittleren
Wertebereich. In der darunter liegenden Tiefenschicht
kann der ermittelte Wert als
eng
und somit günstig eingeordnet werden (BZE, 1996).
4.2.2.3 Humusform
Die Humusform ist ein Ausdruck der aktuellen Oberbodenfruchtbarkeit. Sie kann durch menschliche
Einflussnahme in relativ kurzen Zeiträumen stark verändert werden. Sie wird daher als
Zustandseigenschaft bezeichnet. Zur Charakterisierung und Differenzierung der aktuellen Humusform
(NO-dt. Erkundungsverfahren) werden laboranalytische Parameter (pH, Basensättigung, C/N) zur
Auswertung der Ergebnisse beurteilt (RIEK, 2000).
Tabelle 23:
Humusform in Brieskow:
Horizont
Tiefe
C/N
BS
pH
in cm
%
KCl
aAa-M
0-10
20*
100
7,38
(*= bezieht sich auf die L/Of Schicht)
Die Werte für BS und pH liegen im Bereich der Humusform
Mull
, während dass
mäßig weite
C/N-
KCl
Verhältnis auf Grund der erhöhten Stickstoffeinträge hingegen auf die Humusform
rohhumusartiger
Moder
schließen lässt. Es lässt sich hier eine Disharmonie zwischen Stickstoff- und Säure- Basenstufe
feststellen. Nach SCHULZE (1996) zu Nährkraftstufen bei Disharmonie ist aus dem Ableitungsschema
die Humusform
sehr basenreicher und hoch gesättigter mullartiger Moder
mit drei Stufen
Abweichung über der natürlichen Form abzuleiten.
Tabelle 24:
Humusform im ,,Eichwald":
Horizont
Tiefe
C/N
BS
pH
in cm
%
KCl
aAh-M
0-17
20*
100
5,20
(*= bezieht sich auf die L/Of Schicht)
31
Die Werte BS und pH liegen im Bereich der Humusform
Mull
. Das
mittlere
C/N- Verhältnis ordnet
KCl
sich hingegen in der Humusform des
Moders
ein. Es lässt sich auch hier eine Disharmonie zwischen
Stickstoff- und Säure- Basenstufe feststellen. Nach SCHULZE (1996) zu Nährkraftstufen bei
Disharmonie ist aus dem Ableitungsschema die Humusform
sehr basenreicher und hoch gesättigter
mullartiger Moder
mit drei Stufen Abweichung über der natürlichen Form abzuleiten.
4.2.3 Bodenacidität und Karbonatgehalt
Der pH- Wert lässt Aussagen über die effektive Kationenaustauschkapazität und die relative
Verfügbarkeit von Nährelementen zu. Außerdem steuert er wichtige Bodenprozesse wie z B. die
Verwitterungsintensität, Tonverlagerung und die biologische Aktivität ( RIEK, 2000).
Da die Gegebenheiten in KCl eher der natürlichen Bodenlösung mit ihrem Ionengehalt entsprechen,
wird bei den Ergebnissen vornehmlich mit diesen ermittelten Werten gearbeitet. Durch Austausch mit
den Kationen eines Salzes gelangt ein Teil der am Sorptionskomplex haftenden H- und Al- Ionen in
die Bodenlösung, wodurch sich ein tieferer pH- Wert als in Wasser ergibt (KOJ 2004).
4.2.3.1 pH- Wert (KCL)und Säurebelastungsrisiko
Tabelle 25:
Brieskow:
Horizont
Tiefe
pH- Wert
in cm
H2O
KCl
NH4Cl
L/Of
2
6,83
6,51
aAa-M
0-10
7,8
7,38
7,31
aM
10-40
7,81
7,14
6,98
aGo
40-75
7,08
6,49
5,94
aGro
75-98
7
6,49
6,16
aGro
98-119
6,84
6,51
5,96
aGor
119-130
7,12
6,7
6,22
Die Azidität ( KCl) in der Auflageschicht ist als
schwach sauer
in der Reaktion einzustufen. Die
Tiefenschicht 0-40 cm befindet sich im
schwach alkalischem
Reaktionsbereich.. Ab der Tiefenschicht
40-130 cm lässt sich die Reaktionsbezeichnung des Bodens als
schwach sauer
einstufen. Der gesamte
Boden befindet sich hier im
Carbonat
- Pufferbereich (BZE, 1996).
Das Säurebelastungsrisiko für mittlere und anspruchsvolle Pflanzengesellschaften (AK
STANDORTSKARTIERUNG 1996) ist für das untersuchte Bodenprofil als
minimal
einzustufen.
Tabelle 26:
,,Eichwald":
5
Horizont
Tiefe
pH- Wert
pH- Wert
pH- Wert
in cm
H2O
KCl
NH4Cl
L/Of
2
5,58
5,33
aAh-M
0-17
5,82
5,2
5,21
aM
17-48
5,97
5,29
5,2
aGo-M
48-72
6,4
5,86
5,58
aGro
72-91
6,65
6,02
5,78
aGro
91-110
6,98
6,19
5,7
aGor
110-160
7,03
6,49
5,77
Die Azidität (KCl) in der Auflageschicht ist als
mäßig sauer
einzustufen. Auch in den darunter
folgenden Tiefenschichten 10-70 cm ordnet sich die Bodenreaktion im
mäßig sauren
Wertebereich ein.
32
Ab der Tiefenschicht 90 cm bis zum Ausgangssubstrat steigt der Aziditätswert leicht an und siedelt
sich im Bereich
schwach sauer
an (BZE, 1996).
Die sandige Schicht des Ausgangssubstrates weist eine deutlich mildere Azidität auf, was auf den
Einfluss des hier leicht eindringenden kalkreichen Grundwassers zurückgeführt werden kann. In der
Tiefenschicht 0-110 cm befindet sich der Boden im Silikat- Pufferbereich. Ab der Tiefe von 110 cm
steigt der Wertebereich an und liegt hier im
Carbonat-
Pufferbereich (BZE, 1996).
Das Säurebelastungsrisiko für mittlere und anspruchsvolle Pflanzengesellschaften nach AK
STANDORTSKARTIERUNG (1996) ist für das untersuchte Bodenprofil als
minimal
einzustufen.
4.2.3.2 Carbonat- Gehalt
Tabelle 27:
Brieskow:
Horizont
Tiefe
CaCO
3
in cm
in Gew.-%
aAa-M
0-10
5,12
aM
10-40
-*
aGo
40-75
-*
aGro
75-98
-
aGro
98-119
-*
aGor
119-130
-*
(*=karbonatfrei)
In der Tiefenschicht von 0-10 cm konnte Carbonat nachgewiesen werden. Dieser Carbonat- Gehalt
wird als
mäßig
im Wertebereich der BZE (1996) eingestuft.
Im ,,Eichwald" kann an Hand der Laboruntersuchungen kein Carbonat nachgewiesen werden.
4.2.4 Kationenaustauschverhältnisse
Die
Kationenaustauschkapazität
erfasst die Summe aller an Humus und Tonminerale gebundene
Kationen. Dabei unterscheidet man sog. saure Kationen mit den Elementen: Al+++, Fe++, Mn++, H+ und
sog. basisch wirkende Kationen mit den Elementen: Ca++, Mg++,K+, Na+ (RIEK, 2000). Die Summe der
basisch wirkenden Metallkationen wird als
Basensättigung
ausgedrückt. Je höher hierbei der Anteil der
Anteil der
Basensättigung (BS)
der Bodenaustauscher ist, desto geringer ist der mit den Säurebildnern
H+, Al+++ belegte und die potentielle Bodenazidität bestimmende Teil bestimmende Teil (KUNTZE et
al., 1994). Auf der Grundlage von AKeff und BS lässt sich horizontweise der Gehalt an austauschbaren
basisch wirkenden Kationen, der sog.
S- Wert
berechnen. Die Summe der
S- Werte
aller Horizonte im
Hauptwurzelraum kann als Näherungsmaß der pflanzenverfügbaren Nährstoffe verwendet werden
(RIEK, 2000).
Die Bewertung der Ergebnisse erfolgt an Hand des BZE- Berichtes (WOLFF & RIEK, 1996). Er beinhaltet für alle bundesweit
ausgewerteten Daten die
prozentualen komulativen Häufigkeitsverteilungen (PKH).
Diese Form der Darstellung erlaubt die
unmittelbare Bestimmung des Medians (jeweils mind. 50% der Messungen einen Wert größer o. gleich bzw. kleiner o. gleich dem
Median) sowie die Darstellung beliebiger Perzentile. Diese geben einen Einblick in die Streuung der Merkmalswerte einer
Messgröße.
33
4.2.4.1 Effektive Kationenaustauschkapazität (mmolc/100g), Sättigungsgrad der Elemente (%)
sowie S- Wert Berechnung(molc/m²)
Tabelle 28:
Kationenaustauschkapazität eff
( mmolc/100g)
in Brieskow:
Horizont
Tiefe
Ca
Mg
K
Na
in cm
mmolc/kg
aAa-M
0-10
17,24
1,88
0,23
0,11
aM
10-40
19,76
2,47
0,16
0,11
aGo
40-75
9,47
1,78
0,15
0,14
aGro
75-98
14,24
2,48
0,16
0,51
aGro
98-119
2,76
0,51
0,03
0,1
aGor
119-130
10,02
1,87
0,11
0,55
Horizont
Tiefe
Al
Fe
Mn
KAK eff
in cm
mmolc/kg
aAa-M
0-10
0,01
0
0
19,47
aM
10-40
0,01
0
0
22,52
aGo
40-75
0
0
0,01
11,54
aGro
75-98
0,01
0
0
17,4
aGro
98-119
0
0
0
3,41
aGor
119-130
0
0
0
12,55
Abbildung 9:
Brieskow:
Kationenaustauschkapazität
Kationen
0-10
10-40
m
40-75
e in c
i
ef
75-98
T
98-119
119-130
0
5
10
15
20
25
30
mmolc/kg
Tabelle29:
Sättigungsgrad der Elemente
(%)
in Brieskow :
Horizont
Tiefe
Ca
Mg
K
Na
BS
cm
Sättigung %
aAa-M
0-10
89
9,6
1,2
0,6
100
aM
10-40
88
11
0,7
0,5
100
aGo
40-75
82
15,4
1,3
1,2
100
aGro
75-98
82
14,3
0,9
2,9
100
aGro
98-119
81
15
0,9
2,9
100
aGor
119-130
80
14,9
0,9
4,4
100
Die Basensättigung ist auf Grund der hohen Ca- Vorräte im Wertebereich mit
sehr hoch
(BZE, 1996)
einzustufen.
34
Abbildung 10:
Brieskow:
Austauscherbelegung
Ca
Mg
K
Na
0-10
10-40
m
40-75
e in c
i
ef
75-98
T
98-119
119-130
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
%
Tabelle 30:
S- Wert Berechnung
(molc/m²)
in Brieskow:
Horizont
Tiefe
S- Wert
TRD
Horizont
S- Wert
in cm
cmolc/kg
g/cm³
dm
molc/m²
aAa-M
0-10
19,47
0,65
1
12,7
aM
10-40
22,52
1,2
3
81,1
aGo
40-75
11,54
1,3
3,5
52,5
aGro
75-98
17,4
1,32
2,3
52,8
aGro
98-119
3,41
1,34
2,1
9,6
aGor
119-130
12,55
1,41
1,1
19,5
Im Hauptwurzelraum, d h. bis zu einer Tiefe von 1 m kann der ermittelte
S- Wert
als Maß der
pflanzenverfügbaren Nährstoffe im Wertebereich als
sehr hoch
eingestuft werden (RIEK, 2000).
Tabelle 31:
Kationenaustauschkapazität eff
( mmolc/100g)
im ,,Eichwald":
Horizont
Tiefe
Ca
Mg
K
Na
in cm
mmolc/kg
aAh-M
0-17
14,45
2,17
0,24
0,22
aM
17-48
8,35
1,2
0,08
0,2
aGo-M
48-72
5,37
0,8
0,07
0,13
aGro
72-91
7,66
1,14
0,1
0,18
aGro
91-110
23,08
3,34
0,28
0,53
aGor
110-160
1,77
0,31
0,03
0,07
Horizont
Tiefe
Al
Fe
Mn
KAK eff
in cm
mmolc/kg
mmolc/kg mmolc/kg mmolc/kg
aAh-M
0-17
0,01
-
0,12
17,2
aM
17-48
0,01
-
0,03
9,86
aGo-M
48-72
0
-
0,01
6,38
aGro
72-91
0
-
0
9,08
aGro
91-110
0,01
-
0
27,24
aGor
110-160
0
-
0
2,18
35
Abbildung 11:
,,Eichwald":
K ation e na u sta u sc hk ap a zitä t
K a tione n
0 -1 7
1 7 -4 8
m
4 8 -7 2
e in c
i
ef
7 2 -9 1
T
9 1 -1 1 0
1 1 0 -1 6 0
0
5
1 0
1 5
2 0
2 5
3 0
m m o lc/k g
Tabelle 32
:Sättigungsgrad der Elemente
(%)
im ,,Eichwald":
Horizont
Tiefe
Ca
Mg
K
Na
BS
cm
Sättigung %
aAh-M
0-17
84
12,6
1,4
1,3
99
aM
17-48
85
12,1
0,8
2,1
100
aGo-M
48-72
84
12,6
1
2
100
aGro
72-91
84
12,5
1
2
100
aGro
91-110
85
12,3
1
2
100
aGor
110-160
81
14,3
1,4
3
100
Die Basensättigung ist auf Grund der hohen Ca- Vorräte im Wertebereich mit
sehr hoch
(BZE, 1996)
einzustufen.
Abbildung 12:
Eichwald":
Austauscherbelegung
Ca
Mg
K
Na
0-17
17-48
m
48-72
e
f
e
i
n
c
72-91
Ti
91-110
110-160
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
%
36
Tabelle 33:
S- Wert Berechnung (
molc/m
) im ,,Eichwald":
Horizont
Tiefe
S- Wert
TRD
Horizont
S- Wert
in cm
cmolc/kg
g/cm³
dm
molc/m²
aAh-M
0-17
17,2
0,81
1,7
23,7
aM
17-48
9,86
1,24
3,1
37,9
aGo-M
48-72
6,38
1,41
2,4
21,6
aGro
72-91
9,08
1,35
1,9
23,3
aGro
91-110
27,24
1,36
1,9
70,4
aGor
110-160
2,18
1,49
5
16,2
Im Hauptwurzelraum, d h. bis zu einer Tiefe von 1 m kann der ermittelte S- Wert als Maß der
pflanzenverfügbaren Nährstoffe im Wertebereich als
sehr hoch
eingestuft werden (RIEK, 2000).
4.2.4.2 Austauschbare Elemente (g/g) und Elementvorräte (kg/ha)
Der Boden ist Träger und Vermittler von Nährstoffen für Pflanzen und Mikroorganismen. Neben
Wasser und Kohlendioxid sind auch Ionen für die Pflanzenernährung erforderlich (KUNTZE et al.,
1994).In der laboranalytischen Untersuchung wurden die Hauptnährelemente: K, Ca, Mg, S, Na; P und
N, sowie die Spurenelemente:, Fe, Mn, B sowie ermittelt.
Die Bewertung der Ergebnisse erfolgt an Hand des BZE- Berichtes (WOLFF & RIEK, 1996). Er beinhaltet für alle bundesweit
ausgewerteten Daten die
prozentualen komulativen Häufigkeitsverteilungen (PKH).
Diese Form der Darstellung erlaubt die
unmittelbare Bestimmung des Medians (jeweils mind. 50% der Messungen einen Wert größer o. gleich bzw. kleiner o. gleich dem
Median) sowie die Darstellung beliebiger Perzentile. Diese geben einen Einblick in die Streuung der Merkmalswerte einer
Messgröße.
Tabelle 34:
Austauschbare Elemente
(g/g)
in Brieskow:
Horizont
Tiefe
Ca
Mg
K
Na
Al
Fe
in cm
g/g
aAa-M
0-10
3455 228,1
88,84
25,41
0,968
-*
aM
10-40
3960 300,8
62,77
26,01
0,7595
-*
aGo
40-75
1898
216
57,84
33,14
-*
-*
aGro
75-98
2854 301,7
61,67
117,4
0,6007
-*
aGro
98-119
553,6 62,26
11,79
22,92
-*
-*
aGor
119-130 2008
227
42,14
126,5
-*
-*
Horizont
Tiefe
S
B
P
N
C
in cm
g/g
aAa-M
0-10
42,28
5,433
1,947
3847,1 96100
aM
10-40
15,46
3,812
0,9229
1346
15490
aGo
40-75
20,57
2,413
0,2385
501,2
5939
aGro
75-98
97,39
3,042
0,4198
528,4
6927
aGro
98-119 19,32
1,064
0,313
72,1
949,2
aGor
119-130 199,7
2,166
0,5428
195,7
2484
Tabelle 35:
Elementvorräte
(Kg/ha)
in Brieskow:
Horizont
Tiefe
Ca
Mg
K
Na
Al
Fe
Mn
in cm
Kg/ha
aAa-M
0-10
2236,25
147,64
57,5
16,45
0,63
-*
0,75
aM
10-40
14291,28 1085,56 226,53
93,87
2,74
-*
1,55
aGo
40-75
8648,92
984,28
263,57 151,01
-*
-*
6,7
aGro
75-98
8624,51
911,71
186,36 354,77
1,82
-*
1,59
aGro
98-119
1546,75
173,95
32,94
64,04
-*
-*
1,11
aGor
119-130 3110,15
351,6
65,27
195,93
-*
-*
1,04
(-*=Nachweisgrenze < 0,050)
37
Horizont
Tiefe
S
B
P
N
C
in cm
Kg/ha
aAa-M
0-10
27,37
3,52
1,26 2490,02 62200,73
aM
10-40
55,79
13,76 3,33 4857,59 55902,02
aGo
40-75
93,73
11
1,09
2283,9
27063,19
aGro
75-98
294,3
9,19
1,27 1596,77 20932,71
aGro
98-119
53,98
2,97
0,87
201,45
2652,05
aGor
119-130 309,31
3,35
0,84
303,12
3847,41
Der Kalium-Vorrat ist in der Tiefenschicht 010 cm (Ah- Horizont) und in der Tiefenschicht 98-130
cm (Gr- Horizont) als
sehr gering
einzustufen. In der Bewertung als
gering
lassen sich sich die
Tiefenschicht von 10-98 cm (Bv- Go Gor- Horizonte) einordnen (BZE, 1996).
Der Calcium- Vorrat ist im gesamten Profil als
hoch
bzw. in der Tiefenschicht 10-98 cm (Bv- Go
Gor- Horizonte)als sehr hoch im Wertebereich einzuordnen (BZE, 1996).
Der Vorrat an Magnesium ist in der Tiefenschicht 0-10 cm als
mäßig
zu bewerten. In der Tiefenschicht
10-98 cm lassen sich die Vorräte als
hoch
zu bewerten. Im unteren Bereich der Bodengrube sinken die
Werte wieder ab und lassen sich als
mäßig
bis
mittel
einstufen (BZE, 1996).
Der Mangan-, Aluminium-, Eisen- Vorrat ist in der gesamten Profilgrube im Wertebereich als
sehr
gering
einzustufen (BZE, 1996).
Tabelle 36:
Austauschbare Elemente
(g/g)
im ,,Eichwald":
Horizont
Tiefe
Ca
Mg
K
Na
Al
Fe
in cm
g/g
aAh-M
0-17
2895 263,4
94,95
50
0,8529
-*
aM
17-48
1673 145,6
30,47
46,55
0,7875
-*
aGo-M
48-72
1077 97,55
26,03
29,92
-*
-*
aGro
72-91
1536
138
37,16
41,99
-*
-*
aGro
91-110
4625 406,2
109,8
122,2
0,6817
-*
aGor
110-160
355
37,8
11,58
15,22
-*
-*
(-*=Nachweisgrenze < 0,050)
Tabelle 36:
Austauschbare Elemente
(g/g)
im ,,Eichwald":
Horizont
Tiefe
S
B
P
N
C
in cm
g/g
aAh-M
0-17
23,85
1,434
3,247
3550
65850
aM
17-48
30,82 0,7423 0,3136
753,4
8605
aGo-M
48-72
15,8
0,5557 0,1986
224,3
2822
aGro
72-91
32,39 0,5667 0,2881
273,9
3359
aGro
91-110 37,33 0,8444 0,5486
680,8
7359
aGor
110-160 14,96 0,5331 0,4181
35,7
412,5
Tabelle 37:
Elementvorräte
(Kg/ha)
im ,,Eichwald":
Horizont Tiefe
Ca
Mg
K
Na
Al
Fe
Mn
in cm
Kg/ha
aAh-M
0-17
3986,91
362,75
130,76
68,86
1,17
-*
44,03
aM
17-48
6417,11
558,48
116,87 178,55
3,02
-*
26,68
aGo-M
48-72
3589,9
325,16
86,76
99,73
-*
-*
6,36
aGro
72-91
3945,59
354,49
95,45
107,86
-*
-*
3,03
aGro
91-110 11906,71 1045,73 282,67 314,59
1,75
-*
2,04
aGor
110-160 2639,37
281,04
86,1
113,16
-*
-*
2,26
(-*=Nachweisgrenze < 0,050)
38
Horizont
Tiefe
S
B
P
N
C
in cm
Kg/ha
aAh-M
0-17
32,85
1,97
4,47 4888,95 90686,64
aM
17-48
118,22
2,85
1,2
2889,81 33006,13
aGo-M
48-72
52,67
1,85
0,66
747,65
9406,4
aGro
72-91
83,2
1,46
0,74
703,58
8628,41
aGro
91-110
96,1
2,17
1,41 1752,67 18945,19
aGor
110-160 111,23
3,96
3,11
265,42
3066,88
Der Vorrat an Kalium ist als
sehr gering
einzustufen. Lediglich in der Tiefenschicht 91- 110 cm lassen
sich die Vorräte in dem Bewertungsrahmen der BZE als
gering
einstufen (BZE, 1996).
Der Vorrat an Calcium ist in der Tiefenschicht 0-91 und 110-160 cm als
hoch
im Wertebereich
einzuordnen. In der Tiefenschicht 91-110 cm sind die Vorräte als
sehr hoch
einzustufen (BZE, 1996).
Der Magnesium- Vorrat ist als
mittel
zu bewerten. Lediglich in der Tiefenschicht 91-110 cm steigen
die Vorräte an und lassen sich im Wertebereich (BZE, 1996) mit
hoch
einstufen.
Die Mangan- Vorräte fallen in der Tiefenschicht 0-48 cm
gering
bis
mäßig
aus. Ab der Tiefenschicht
48 cm lassen sich nur noch
sehr geringe
Vorräte feststellen (BZE, 1996).
Der Aluminium- und Eisen- Vorrat ist auf der gesamten Fläche im Wertebereich (BZE, 1996) als
sehr
gering
einzustufen.
4.2.5 Schwermetalle
Schwermetalle (SM) sind Elemente, deren Dichte > 5 g/cm³ liegt. Einige sind für die Ernährung von
Pflanzen und Tieren essentielle Bioelemente, solange ihre Dosis gering bleibt (Spurenelemente),
andere nicht essentielle, wie z B. Cd, Hg, As verhalten sich schon in geringen Dosen hochgradig
toxisch (KUNTZE et al., 1994).
Die Schwermetallgehalte und- vorräte von Waldböden können je nach Standort großen Schwankungen
unterliegen. Sie sind z. T. geogen bedingt und variieren in Abhängigkeit von der mineralischen
Zusammensetzung des Ausgangssubstrates. Zur Erhöhung dieser geogenen Schwermetallanteile kann
es zum einen durch atmosphärische Einträge, und speziell auf Auen- Standorten durch periodische
bzw. episodische Überflutungsereignisse kommen. Die Stoffeinträge stammen im wesentlichen aus
anthropogenen Emissionsquellen (WOLFF & RIEK, 1999). Im Boden unterliegen diese anthropogenen
SM einer weiteren Veränderung ihrer Bindungsformen und damit ihrer Löslichkeit. Pedogene SM
nehmen absorbiert an Austauscher, verschlossen (okkludiert) in Metalloxiden eine mittlere Löslichkeit
zwischen lithogenen und anthropogenen SM ein. Mobilisierung und Immobilisierung sind deshalb
möglich.
Einen großen Einfluss für die Aufnahme von SM durch Pflanzen hat der pH- Wert des Bodens. Mit
sinkendem pH nehmen die unspezifisch gebundenen Anteile der adsorbieren Metalle zu, d h. um so
niedriger der pH- Wert des Oberbodens, desto höher der Faktor der SM- Aufnahme(KUNTZE et al.,
1994). Da viele SM im Boden dazu neigen, metallorganische Komplexe zu bilden, manifestiert sich die
39
atmogene Schwermetallbelastung vor allem in erhöhten Gehalten in den Humusauflagen und
humusreichen Oberbodenhorizonten (WOLFF & RIEK, 1999).
Die Bewertung der Ergebnisse erfolgt an Hand des BZE- Berichtes (WOLFF & RIEK, 1996). Er beinhaltet für alle bundesweit
ausgewerteten Daten die
prozentualen komulativen Häufigkeitsverteilung (PKH)*.
Diese Form der Darstellung erlaubt die
unmittelbare Bestimmung des Medians (jeweils mind. 50% der Messungen einen Wert größer o. gleich bzw. kleiner o. gleich dem
Median) sowie die Darstellung beliebiger Perzentile. Diese geben einen Einblick in die Streuung der Merkmalswerte einer
Messgröße.
Des weitren wird die Schematische Einordnung von Schwermetallgehalten nach PRÜSS (1994) ,,Vorsorgewert" und der
,,Orientierungswert nach TYLER (1992) für die Bewertung hinzugezogen.
4.2.5.1 Schwermetallgehalte (g/g)
Tabelle 38:
Schwermetallgehalte
(g/g)
in Brieskow:
Horizont Tiefe
pH
Pb
Zn
Cu
in cm
KCl
g/g
aAa-M
0-10
7,38
31,38
79,44
13,91
aM
10-40
7,14
34,31
94,76
16,01
Der Pb- Gehalt der Humusauflage (0-10 cm) kann im bundesweiten Bewertungsrahmen als
gering (ca
10. Perzentil)
eingestuft werden. Der ,,Vorsorgewert" (natürliche Gehalte einschließlich ubiquitärer
anthropogener Kontamination) nach PRÜSS (1994) wird nicht erreicht. Die pH- Schwelle der
Schwermetallmobilisierung nach BLUME & BRÜMMER (1987) wird für Pb (ph=4,0) nicht erreicht.
Der Gehalt an Zn in der Humusauflage (0-10 cm) liegt im Bewertungsrahmen
(PKH*)
zwischen den
Werten
mittel
und
mittel / hoch (ca.55. Perzentil).
. Der ,,Vorsorgewert" für organische Auflagen nach
PRÜSS (1994) für Zn (85 g/g) wird fast erreicht.
Die pH- Schwelle der Schwermetallmobilisierung nach BLUME & BRÜMMER (1987) wird für Zn
(6,0) nicht erreicht.
Der Cu- Gehalt der Humusauflage (0-10 cm) ordnet sich im Bewertungsrahmen
(PKH*)
zwischen
mäßig
bis
mittel (ca. 27. Perzentil)
ein. Der Vorsorgewert nach PRÜSS (1994) wird nicht erreicht.
Die pH-Schwelle zur Mobilisierung der SM (bei Cu; pH= 4,5) wird nach BLUME & BRÜMMER
(1987). unterschritten.
Tabelle 39:
Schwermetallgehalte
(g/g)
im ,,Eichwald":
Horizont Tiefe
pH
Pb
Zn
Cu
in cm
KCl
g/g
aAh-M 0-17
5,2
162,1
640,3
125
aM
17-48
5,29
24,61
87,41
26,79
Der Pb- Vorrat der Humusauflage (0-17 cm) kann im Bewertungsrahmen als
mittel / hoch
mit Tendenz
zu
hoch (ca.77. Perzentil)
eingestuft werden (BZE, 1996).
Der ,,Vorsorgewert" nach PRÜSS (1994), welcher für das Element Pb den Wert 130 g/g definiert,
wird überschritten. Nach dem Orientierungswert von TYLER (1992) (Pb= 150g/g) tritt der Wert in
den ,,Kritischen Bereich" ein, wo mit zunehmender Beeinträchtigung der Bodentiere zu rechnen ist.
40
Die pH- Schwelle der Schwermetallmobilisierung nach BLUME & BRÜMMER (1987) wird für Pb
(ph=4,0) nicht erreicht.
Die Anteile des Elements Zn in der Humusauflage (0-17 cm) können im bundesweiten
Bewertungsrahmen zwischen
hoch
und
sehr hoch (ca.94. Perzentil)
eingeordnet werden.
Der ,,Vorsorgewert" für das Element Zn nach PRÜSS (1994) wird um das 7,5- fache überschritten Die
,,Kritische Schwermetallkonzentration" nach TYLER (1992) wird um das doppelte überschritten.
Hieraus resultieren zunehmende Beeinträchtigungen der Ökosystemkomponenten: Bodentiere,
Mikroflora, Bodenatmung und biochemische Aktivität.
Nach BLUME & BRÜMER (1987) ist die Schwelle der Schwermetallmobilisierung für das Element
Zn (pH=6,0) unterschritten, d h. eine Mobilisierung der SM tritt ein.
Der Cu- Gehalt in der Humusauflage (0-17 cm) ist im Bewertungsrahmen als
hoch
mit Tendenz zu
sehr hoch (ca.94. Perzentil)
einzustufen.
Der ,,Vorsorgewert" für organische Auflagen nach PRÜSS (1994) wird um das 6- fache überschritten.
Der Orientierungswert für die Bewertung von Schwermetallgehalten nach TYLER (1992) wird um das
6- fache überschritten. Nach TYLER (1992) ist mit einer zunehmenden Beeinträchtigung der
Ökosystemkomponenten: Bodentiere, Mikroflora, Stickstoffumsetzung, Bodenatmung und
biochemische Aktivität zu rechnen.
Der nach BLUME & BRÜMER (1987) pH- Schwellenwert der Schwermetallmobilisierung wird für
das Element Cu nicht erreicht.
41
5. Diskussion
5.1 Standortsvergleich der Untersuchungsflächen
Die Ausprägung naturnaher Böden wird durch das Zusammenwirken vieler Faktoren
(Ausgangssubstrat, Relief, Klima Organismen, Zeit usw.) gesteuert. Auf all diese Faktoren wirken
Flüsse durch den Eintrag von Energie und Stoffen so intensiv ein, dass sich die Böden der Auen
sowohl in ihren Eigenschaften als auch in ihren Verbreitungsmustern von den Böden anderer
Landschaftsformen unterscheiden. Eine große anthropogene Beeinflussung setzte seit dem
Neolithikum durch den Beginn von Ackerbau und Viehzucht (Steinzeit 5000 vor heute) auf die Böden
der Auen ein (FRIESE et al., 2000).
Die
Körnung
der Elemente hängt stark von der Fließgeschwindigkeit und damit der Schleppkraft des
Überflutungswassers ab. Da die Fließgeschwindigkeit im Auenquerschnitt bei einem
Hochwasserereignis stark variiert, werden gleichzeitig unterschiedlich grobe Sedimente abgelagert.
Darüber hinaus veränderte sich die Fließgeschwindigkeit im Verlauf der Flussgeschichte , so dass in
Auen geschichtete Substrate die Regel sind (FRIESE et al., 2000).
Betrachtet man die Ergebnisse der Korngrößenanalyse, lassen sich die Standorte: Brieskow und
,,Eichwald" gut charakterisieren. Auf Grund der hohen prozentualen Anteile feinerer Fraktionen
(Feinstsand, Schluff und Ton) kann man von einer ruhigen Sedimentation ausgehen. Dies entspricht
den Verhältnissen eines Rückstaues bzw. sehr langsamer Fließgeschwindigkeiten bei
Überflutungsereignissen. Abb. 13 vergleicht die beiden Standorte bezüglich ihrer
Korngrößenverteilung bis zu einer Profiltiefe von 90 cm. Aufgrund der geringen Skelettanteile (<1%)
wurden nur die Korngrößenfraktionen des Feinbodens (<2mm) zur Darstellung herangezogen. Deutlich
zu sehen ist, wie ähnlich sich beide Standorte bezüglich der prozentualen Korngrößenverteilung
verhalten. Daraus lässt sich eine gewisse Homogenität zwischen beiden Standorten ableiten. Es fällt
auf, dass die größte Gewichtung auf der Korngrößenfraktion des Schluffes liegt.
Betrachtet man die Bodenhorizonte beider Standorte, so ist ein häufiger Wechsel der Bodenarten in
den jeweiligen Tiefenschichten zu verzeichnen, was auf veränderte Sedimentationsbedingungen
zurückzuführen ist. In Brieskow findet sich ab der Tiefenschicht 10-98 cm größtenteils die Bodenart
sandiger Lehm. Nach AG Boden (1996) wird der Auenlehm als holozäne mehr oder minder
geschichtete Ablagerung in Flusstälern (z. T. mit Pflanzenresten) beschrieben. Es handelt sich
überwiegend um jüngere, feinkörnige Flusssedimente, die durch Abspülung von Bodenmaterial im
Zusammenhang mit den Rodungsphasen (etwa 1000 n. Chr.) die im Einzugsgebiet entstanden sind und
dadurch bräunlich oder gelblich gefärbt sind (vgl. Abschnitt Bodenfarbe). Schließlich wurden etwa
vom 15. Jh. an bis zur Zeit der Flusskorrekturen um 1850 erneut im starken Maße Auenlehme
abgelagert (SCHEFFER/ SCHACHTSCHABEL, 1998). Auf Grund dieser anthropogenen
Beeinflussung lässt sich auch der zu verzeichnende
Humusgehalt
im Boden beider Standorte erklären.
42
Durch die Erosion der Böden wurden Pflanzenreste z. T. aus Ackerbau mit dem Hochwasser in der
Aue abgelagert und durch Sauerstoffmangel infolge von hochstehendem Grundwasser konserviert. Die
organische Substanz der tieferen Auensedimente ist wegen der überwiegend oxidativen Verhältnisse
gut humifiziert und stabil, so dass ein schneller Abbau mit reduktiver Wirkung nicht zu erwarten ist
(FRIESE et. al, 2000). Beide Standorte zeigen bis zur Tiefenschicht von ca. 1 m ähnliche
Humusgehalte an.
Am Standort ,,Eichwald" ist die Bodenart lehmiger Sand vorherrschend. Deutlich ist der
Bodenartenwechsel ab der Tiefenschicht 110 cm zu erkennen (Bodenfarbe 2,5Y5/3). Ab dieser Tiefe
liegt feinsandiger Mittelsand (mSfs) vor. Durch den abrupten Wechsel der Sedimente könnte
geschlussfolgert werden, dass es sich hierbei um glazifluviatile (durch Gletscherwasser entstandene)
Substrate handelt. Das war der Zeitraum am Ende der letzten Kaltzeit, dem sog. Spätglazial (12800-
10200 vor heute) bis zum Beginn des Holozäns. Deutlich wird, dass diese Bodenschicht lange vor der
anthropogenen Beeinflussung entstanden ist. Am Standort Brieskow konnten diese glazifluviatilen
Substrate bis zu einer Tiefenschicht von 160 cm nicht nachgewiesen werden. Es ist aber anzunehmen,
dass sich diese Bodenart in tieferen Schichten vorfindet.
Abbildung 13:
K orn größ en verteilung b is 90 cm T ie fe
B rie s k o w
E ich w a ld F F /O
40
35
30
t
n
25
e
z
20
o
Pr
15
10
5
0
)
63)
)
-0,2)
002
002
-0,125)
-0,
25-0,0
<0,
063
Ton (
obsand (2-0,63)
f (0,
Gr
ittelsand (0,63
M
Feinsand (0,2
chluf
S
Feinstsand (0,1
Äq uiva len du rch m e ss er in m m
Auf den
Wasserhaushalt
der Auenböden wirkt das Relief über die Zahl und Dauer und Überflutungen
und über den vom Flussverlauf abhängigen Grundwasserstand ein. Der bestimmende Steuerfaktor für
Auen und Auenböden und ihre Lebensgemeinschaften sind periodische auf Grund von Hochwasser in
Flüssen oder an die Oberfläche tretendes Grundwasser. Auf Grund der häufigen Wechsel von
Vernässungs- und Austrocknungsphasen stellen die Auengebiete in Bezug auf den Wasserhaushalt
äußerst dynamisch Systeme dar, in denen sich die wirksamen Faktoren und Prozesse räumlich und
zeitlich wechselseitig beeinflussen Der Wasserhaushalt der Flussauen bewegt sich zwischen
43
Überflutung durch Hochwasser und extremer Austrocknung in Niedrigwasserzeiten. Zwischen Fluss-
und Grundwasser besteht ein enger hydraulischer Kontakt über die gutdurchlässigen Sande und Kiese
an der Flusssohle. Damit sind der Grundwasserstand und das Grundwassergefälle unmittelbar vom
Flusswasserstand abhängig. Nach Ablaufen des Hochwassers bleiben in Flutrinnen und Mulden
größere wasserbedeckte Flächen zurück, die innerhalb von Tagen bis Wochen teils durch Verdunstung,
teils durch Versickerung austrocknen (FRIESE et. al, 2000).Nach GREISER (Jagdpächter 1974-2004)
kann im periodisch überfluteten ,,Eichwald" aufgrund des Reliefs (z. T. große Mulden, Senken,
Gräben, Teiche) davon ausgegangen werden, dass das Überflutungswasser hier bis zu mehreren
Wochen nach dem Überflutungsereignis z. T. großflächig in der Aue steht (mdl. Mitteilung, 2004). Ein
weiterer Grund für das in der Aue ,,stehende" Wasser ist die Einbürgerung des ,,Elbe"- Bibers an der
Oder. Er lebt in Kolonien in Bauen an Uferböschungen. Er fertigt in flachem Wasser Burgen aus
Reisig und Schlick und staut Wasserläufe durch Dämme, die er durch Äste errichtet (NÜßLEIN, 1996).
Im ,,Eichwald" wurden etliche Biberburgen und Biberdämme gesichtet. Als Folge der Anstauung des
Wassers ist hier an einigen Stellen ein Absterben der Schwarz- Erle
(Alnus glutinosa)
als Resultat der
Überflutung zu erkennen.
Aufgrund der Eindeichung in Brieskow, als Folge der Trockenlegung des Oderbruchs um 1760, finden
sich auf beiden Standorten unterschiedliche Wasserhaushaltssituationen vor. Nach Untersuchungen
von FRIESE et. al (2000) an der mittleren Elbe ist im Bereich flussnaher Standorte ein direkter
Einfluss des Flusspegels auf den Grundwasserstand feststellbar. Die flussnahen Auenbereiche weisen
demnach die stärksten Grundwasserstandsschwankungen auf.
Der Anstieg des Grundwassers kann unter Deichen hindurch als Druckwasser (Qualmwasser) erfolgen,
z. T. wird Qualmwasser aber auch nur gestautes Niederschlagswasser oder seitlich eingestautes
Hangwasser sein (FRIESE et. al, 2000).
Aus dem Bewertungsrahmen AG Boden (1994) der kapillaren Aufstiegsrate aus dem Grundwasser
abgeleiteten Ergebnisse zeigen für Brieskow (episodisch überflutet) starke Schwankungen bei der
kapillaren Aufstiegsrate innerhalb eines Jahres. Während im Sommer 2003 die kapillare Aufstiegsrate
sehr gering war, viel die Frühjahrsmessung (März 2004) mit einer sehr hohen kap. Aufstiegsrate aus.
Für den Standort ,,Eichwald" (periodisch überflutet) konnten im Sommer 2003 ähnliche Werte
ermittelt werden. In der Wintermessung war der Standort allerdings überflutet, woraus sich
unterschiedliche Grundwasserformen nach SCHULZE (1996) ableiten lassen (vgl. Kap 3.2.4.).
Anzumerken wäre, dass es sich bei der Sommermessung 2003 um Extremwerte handelt, da dieser
Sommer als sogenannter ,,Jahrhundertsommer" mit sehr hohen Verdunstungsraten und sehr geringen
Niederschlägen ausgefallen ist.
Die
Luft (LK)- und nutzbare Feldkapazität (nFK)
als wichtige Kennwerte des Wasser- und
Lufthaushaltes fallen im Vergleich der beiden Standorte unterschiedlich aus. Wegen des engen
Zusammenhangs zwischen dem Wasserhaltevermögens eines Bodens, seiner Körnung und Lagerung
44
ist es möglich, aus diesen Daten auf Eigenschaften des Wasser- und Lufthaushaltes zu schließen
(SCHEFFER & SCHACHTSCHABEL, 1998). Wie Abb. 14 verdeutlicht, ist der Anteil der nutzbaren
Feldkapazität im ,,Eichwald" in den oberen Bodenschichten deutlich höher. Somit steht den Pflanzen
hier mehr freies Wasser zur Verfügung. Bei der Beurteilung der LK ist kein eindeutiger Trend
zugunsten eines Standortes festzustellen. Im allgemeinen ergibt sich Speicherleistung
(pflanzenverfügbare Bodenwassermenge) aus den Faktoren: nutzbare Feldkapazität (nFK),
Lagerungsdichte (Ld), effektiver Wurzelraum (Weff) und Luftkapazität (LK). Sie liegt im ,,Eichwald"
um ca. 30% höher als in Brieskow. Die im Labor gravimetrisch gemessenen
Wassergehalte
der
Bodenproben (Juni-August 2004) bestätigen dieses Ergebnis. Im ,,Eichwald" beträgt der
durchschnittliche Wassergehalt der Bodenproben ca. 18 Gew. -%, dem gegenüber steht der Wert in
Brieskow mit ca. 16 Gew.-%. Durch den höheren Lehmanteil in den oberen Bodenschichten ergibt sich
für Brieskow
(Ld4= dicht)
eine höhere
Bodendichte
, als im ,,Eichwald"
(Ld3= mäßig dicht).
Die
Lagerungscharakteristika der Böden unter Wald geben die Verhältnisse eines normal verdichteten
Standortes wieder (KUNTZE et al., 1994). Es ist für beide Standorte davon auszugehen, dass keine
Störung infolge anthropogener Bodenverdichtung (Landwirtschaft) vorliegt.
Abbildung 14:
Luftkapazität u. nutzb. Feldkapazität
nFK Brieskow
nFK "Eichwald" FF/O
Lk Brieskow
LK "Eichwald" FF/O
aAh(a)
aM
aGo (M)
z
o
nt
Hori
aGro
aGro
aGor
0
5
10
15
20
25
30
35
Prozent
Aufgrund der häufigen Wechsel von Vernässungs- und Austrocknungsphasen stellen die Auengebiete
in Bezug auf den Stoffhaushalt äußerst dynamisch Systeme dar in denen sich die wirksamen Faktoren
und Prozesse räumlich und zeitlich wechselseitig beeinflussen (FRIESE et. al, 2000). Die pH- Werte
des Bodens weisen keine Substratabhängikeit auf. Sie zeigen wie viele andere Parameter eine
Korrelation zur Tiefe. Dies ist nicht auf Sedimentationsgeschehen zurückzuführen, sondern Ausdruck
des stark schwankenden Wasserstandes, der mit der Zufuhr basisch wirkender Kationen einhergeht
(FRIESE et. al, 2000).Durch den Eintrag von basischen Elementen (vor allem Ca, Mg) in die Aue
lassen sich für Brieskow
Bodenaciditätswerte
im Calciumcarbonatpufferbereich (ph>6,3) feststellen.
45
Daraus abgeleitet ergeben sich optimale Bedingungen für die Mikroorganismen, woraus eine rasche
Umsetzung der Streu resultiert. Im ,,Eichwald" befinden sich die Aciditätswerte im
Silikatpufferbereich (6,3>pH>5,0). Daraus ergibt sich auch für diesen Standort eine optimale
Nährstoffverfügbarkeit.
Während sich in den unteren Bodenschichten (ab Gor- Horizont) die Aciditätswerte der beiden
Standorte mehr oder weniger einander angleichen (Abb.15), ist diese Tendenz in den oberen
Bodenhorizonten nicht zu verzeichnen. In Brieskow ist die Bodenreaktion u a. wegen des
nachgewiesenen CaCO3- Anteils (5,12 Gew.- %) deutlich höher. Eine weitere Erklärung für die
höheren Reaktionswerte könnten in der Eindeichung des Standortes Brieskow um 1760 liegen. Seit
diesem Zeitraum finden hier keine periodischen Überflutungen mehr statt, demzufolge bleibt der
Oberboden frei von fluviatilen Stoffeinträgen, die u. U. zur Bodenversauerung beitragen können.
Im ,,Eichwald" hingegen mit seinen periodischen Überflutungen wurden als Folge der
Industrialisierung und der stattfindenden landwirtschaftlichen Nutzung (Waldweide u. Streunutzung)
permanent bodenversauernde Elemente in den Auenwald eingetragen. Nach GREISER (mdl.
Mitteilung, 2004) wurde permanent Weidevieh bis Ende der 1980er Jahre mehr oder weniger
unkontrolliert durch den ,,Eichwald" auf die davor gelagerten Oder-Wiesen getrieben. Der durch die
Äsung des Weideviehs stattfindende Biomasseexport lässt den Oberboden extrem stark divastieren
(REHFUESS, 1990). Daraus resultiert eine allmähliche Bodenversauerung des Standortes mit wenig
Pufferreserven.
Abbildung 15:
Bodenacidität
Brieskow
"Eichwald" FF/O
L/Of
aAh(a)
aM
i
z
ont aGo (M)
Hor
aGro
aGro
aGor
0
1
2
3
4
5
6
7
8
pH (KCl)
Auffällig für beide Standorte sind die sehr hohen
Nährstoffvorräte
des Elementes Calcium (Ca).
Calcium ist ein für Pflanzen und Tiere essentielles Element, das durch Transfer aus dem Boden in die
Nahrungskette gelangt. Calcium ist vor allem für das Wachstum der Pflanzen, insbesondere für das
Wurzelwachstum, für die Stabilisierung der Zellwände, für die Aktivierung einzelner Enzyme, für
46
Osmoseregulation u. a. von Bedeutung. Dabei liegt ein wesentlicher Teil des Ca- Vorrates in
austauschbarer Form vor In Oberböden Mitteleuropas mit pH >6 beträgt der Ca- Anteil meist über
80%. der Basensättigung (SCHEFFER & SCHACHTSCHABEL, 1998). .Die hohe Basensättigung mit
>80% auf beiden Standorten (Abb.10 und 12) bestätigt diese Aussage.
Die Magnesium (Mg)- Vorräte sind auf beiden Standorten als mittel im Bewertungsrahmen der BZE
(1996) eingestuft worden. Entscheidend für die Versorgung der Pflanze ist das austauschbare Mg, das
i. d. R. nur 5% des Gesamt- Mg ausmacht (AMBERGER, 1988).An der Austauscherbelegung ist Mg
auf beiden Standorten mit ca. 10-15% beteiligt.
Im allgemeinen wird Mg2+ von der Pflanze in geringen Mengen Menge als Ca2+ oder K+
aufgenommen. Sein Gehalt in pflanzlichen Organen liegt meistens <0,5% Mg, bezogen auf die
Trockensubstanz. Die Ionenkonkurrenz der verschiedenen Kationen hat für die Mg- Aufnahme
insofern eine Bedeutung, dass sie in der Praxis vielfach zu Mg-Mangelerscheinungen führt. Die Mg-
Mangelsymptome wirken sich auf die einzelnen Pflanzenarten unterschiedlich aus, jedoch zeigen sie
im allgemeinen einige gemeinsame charakteristische Merkmale. So wurde festgestellt, dass Mg-
Mangel eine Blattaufhellung der meist älteren Blätter hervorruft, die in der Mitte der Blatthälfte
zwischen den Blattadern beginnt (MENGEL, 1991).Diese ,,Sprenkelungen" entwickeln sich später in
(flecken- oder streifenförmige) Chlorosen und schließlich Nekrosen über. Die Blattränder und
Blattadern bleiben häufig noch längere Zeit gesund (AMBERGER, 1988). Die Mg- Mangelblätter
werden von der Pflanze vorzeitig abgeworfen (MENGEL, 1991).
Der Kalium (K)- Vorrat ist auf beiden Standorten mit gering bis sehr gering in dem Bewertungsrahmen
der BZE (1996) eingestuft worden. Auf den Niederterassen von Flusstälern, die seit Jahrzehnten
extensiv als Wiesen genutzt worden sind ist auf Grund der starken Durchwurzelung der Grünlandnarbe
zusammen mit einer periodischen Überflutung eine zunehmende Verarmung des Bodens an K
eingetreten (AMBERGER, 1988).
Die Versorgung der Pflanze mit K hängt ab von der Kapazität (Gesamt- K- Gehalt), der Intensität (K-
Konzentration der Bodenlösung, <10% des austauschbaren K ist frei in der Bodenlösung) und der
Nachlieferungsrate (AMBERGER, 1988). Bei einer guten K- Versorgung des Bodens sollten nach
AMBERGER (1988) 4-5% K+- Ionen an der Gesamtaustauschkapazität beteiligt sein. Für beide
Standorte liegt die Austauschkapazität der K+- Ionen <1% und somit wird dieser Wert nicht erreicht.
Die Aufnahme und Konzentration in der Pflanze kann durch andere Kationen (Ca2+, Mg2+, Na+ und
NH4+) behindert werden (AMBERGER, 1988). Aus dieser Tatsache resultierend lässt sich folgendes
Gesetz nach EHRENBERG (1930er Jahre) ableiten: durch ein hohes Ca2+- Angebot wird die K+-
Aufnahme zurückgedrängt und umgekehrt. Auf Grund der Tatsache, dass K+ an beiden Standorten nur
mit <1% an der Kationenaustauschkapazität beteiligt ist und im Gegensatz dazu eine
Kationenaustauschkapazität von Ca2+ von ca.15-20% vorliegt, kann angenommen werden, dass sich
dieser Umstand pflanzenbeeinträchtigend auswirkt.
47
Eine ungenügende K- Versorgung äußert sich zuerst im Tugor (Zelldruck) der betroffenen Pflanzen.
Schlaffe und herunterhängende Blätter sind die Folge des Druckabfalls. Die Blätter beginnen vom
Blattrand zur Mitte hin mit Aufhellungen, die in späteren Stadien braun und nekrotisch werden. Der
gesamte Habitus der Pflanze macht einen schlaffen, welken Eindruck; man bezeichnet deshalb diese
Erscheinung auch mit ,,Welketracht" (MENGEL, 1991).
Die Vorräte an Natrium (Na) sind an beiden Standorten ausreichend. Nach MENGEL (1991) konnte
Na- Mangel im Freiland noch nicht beobachtet werden.
Die Vorräte an Mangan (Mn) sind an beiden Standorten in dem Bewertungsrahmen der BZE als sehr
niedrig eingestuft worden Nach AMBERGER (1988) ist auf Standorten mit guter Wasserversorgung,
hohem Feinbodenanteil und pH- Werten zwischen 4,0-6,0 nicht mit Mn- Mangel zurechnen. Für beide
Standorte sind die von AMBERGER definierten Anforderung an den Boden erfüllt.
Auf beiden Standorten wurden nach dem BZE Bewertungsrahmen sehr geringe Eisen (Fe)- Vorräte
ermittelt. In gut durchlüfteten neutralen Böden fällt die Fe2+- Konzentration in der Bodenlösung gering
aus. In hydromorphen (stagnierendes Stau- und Grundwasser) Böden kommt es zu einer Verlagerung
des Fe2+ in tiefere Zonen bzw. in das Grundwasser, in staunassen Böden wird Fe (II)- Carbonat bzw.
Fe (II)- Phosphat gebildet (AMBERGER, 1988). Die Bodenmorphologie weist beide Standorte nach
der Bodensystematik (Mitteilung der deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft 1998, Bd.:86)als Gley-
Vega aus. Die von AMBERGER (1988) beschriebenen Vorgänge der Fe2+- Verlagerung konnten auf
Grund der Rostflecken im Unterboden (Go und Übergangshorizonte ab 4-8 dm) beider Profilgruben
bestätigt werden.
Auf Grund des hohen Ca- Angebotes beider Standorte tritt zusätzlich eine Konkurrenzsituation
zwischen Ca2+ und Fe2+ ein. Diese Tatsache kann den Fe- Mangel am Standort noch verschärfen. Diese
auftretende Konkurrenzsituation ist unterschiedlich je nach Pflanzenart und Entwicklungszustand der
Pflanze zu sehen (AMBERGER, 1988).
Die Nichtmetalle Phosphor (P), Schwefel (S) und Stickstoff (N) werden nach dem Bewertungsrahmen
der BZE auf beiden Standorten mit gering eingestuft. Nach GREISER (mdl. Mitteilung, 2004) haben
sich die N-Einträge im ,,Eichwald" in den letzten Jahrzehnte kontinuierlich erhöht. Belegt werden kann
diese Tatsache dadurch, dass die Grosse Brennnessel
(Urtica dioica)
als typischer N- Anzeiger die
vorher am Standort wachsende Brombeere
(Rubus spec.)
allmählich verdrängte. Am Standort
Brieskow dürften die N- Einträge in den letzten Jahren auch stetig gewachsen sein. Das Vorhandensein
des Schwarzen- Holunder
(Sambucus nigra)
als N-anzeigende Pflanze bestätigt diese Vermutung.
Nach AMBERGER (1988) sind S- und P- Mangelerscheinungen an Pflanzen ähnlich der Symptome
bei N- Mangel, d h. Blätter bzw. Gesamtpflanzen erscheinen hellgrün bis gelb (Vergilbung) oder
rötlich, der Stengel ist dünn, aber stark verholzt, die Blätter bleiben klein. Es kommt zu Zwergwuchs
und Steiltracht der Blätter sowie eine verkürzte vegetative Phase und schlechte Bewurzelung (lange
Hauptwurzel mit geringer Verzweigung). Hinzu kommt bei P- Mangel eine zögernde und schwache
48
Entwicklung der Fruchtausbildung. Da beide Elemente an den Standorten nachgewiesen sind, ist von
einer Mangelsituation nicht auszugehen.
Beide Standorte weisen bezüglich ihrer
C/N- Verhältnisse
eine Disharmonie gegenüber pH- Wert und
Basensättigung auf. Nach KUNTZE et al. (1994) kann die Aktivität des mikrobiellen Abbaus
(Bodenorganismen spalten enzymatisch organische Verbindungen in ihre Grundbausteine) aus dem
pH- Wert und dem C/N- Verhältnis der organischen Substanz abgeleitet werden. Die Mikrobentätigkeit
ist gehemmt, wenn nicht genügend Stickstoff (N) zum Aufbau körpereigener Eiweißes vorhanden ist.
Dieser N- Bedarf wird bei C/N<20 gedeckt (vgl. ,,Eichwald": C/N=19; Brieskow :C/N=20). Mit
erweitertem C/N- Verhältnis wird entweder die weitere Entwicklung der Mikroorganismen gehemmt,
oder im Boden vorhandener, anorganischer N den dort wachsenden Pflanzen entzogen. .(KUNTZE et
al., 1994) Bei C/N- Verhältnissen>25 ist die Mikroorganismentätigkeit und damit der Streuabbau
gehemmt, wodurch verstärkt Auflagehumus akkumuliert Das C/N- Verhältnis guter Böden liegt bei
10. Je enger das C/N- Verhältnis ist, desto günstiger ist die Bioverfügbarkeit des N und entsprechend
höher die Mineralisationsrate (WOLFF &RIEK, 1996).
Vergleicht man das C/N- Verhältnis in Brieskow der L/Of- Auflage (C/N=20) mit dem Aa- Horizont
(C/N=25) ergeben sich Diskrepanzen zwischen beiden Werten. Nach RIEK et al (1996) ist in der stark
zersetzten organischen Substanz des Mineralbodens (Aa- Horizont) grundsätzlich von einem engeren
C/N- Verhältnis als in der vergleichsweise schwach zersetzenden Streu (L/Of- Auflage) der
Humusauflage auszugehen.
Auf Grund dieser Tatsache wird für die Bewertung und Diskussion des Standortes Brieskow das C/N-
Verhältnis der L/Of- Auflage als Grundlage herangezogen.
Nach der bundesweiten Bodenzustandserhebung (BZE 1996) kann aus der makromorphologisch
ermittelten Humusform insbesondere bei den Auflage- Humusformen nicht mehr auf einen
spezifischen C/N- Bereich geschlossen werden (vgl. BUBERL et al. 1994). Nach BZE ist der
Median
für die Humusform ,,mullartiger Moder"(Humusform beider Standorte) mit C/N- Wert= 16 angegeben.
Die C/N- Werte der Standorte ,,Eichwald" und Brieskow ordnen sich mit C/N- Werten um 20 in der
Nähe des 75.
Perzentil
der BZE 1996 an.
Die Ursachen der Diskrepanz zwischen Aciditätszustand und den C/N- Verhältnissen beider Standorte
könnten ihre Ursache in den überhöhten Schwermetalleinträgen haben.
Einige
Schwermetalle (SM)
können die Aktivität von Mikroben im Boden beeinträchtigen und damit
die Bodenproduktivität herabsetzten (DAVIS, 1999). Nach ALLOWAY at al. (1999) kann Pb die
Stickstofffixierung im Boden behindern. BAKER et al. (1999) stellte hingegen fest das zwar Cu-
Verunreinigungen in Böden die Stickstoffmineralisierungen herabsetzten, dass aber Pb darauf keinen
ausgeprägten Einfluss hat. ALLOWAY at al. (1999) berichten, dass SM die Assimilation von
Stickstoff (N) und die Nitrifizierung behindern (Cr> Cd> Cu> Zn> Mn> Pb). ALLOWAY at al. (1999)
untersuchten mit Pb und Zn verunreinigtes Weideland und kamen dabei zu dem Schluss, dass das
49
Wachstum, speziell die Erträge der Pflanzen, weniger empfindlich auf SM- Verunreinigungen
reagieren als die nach dem Absterben der Pflanze einsetzenden Zersetzungsprozesse. Die
Empfindlichkeit der einzelnen biologischen Prozesse gegenüber SM wurden in der folgenden
Reihenfolge angegeben: Pflanzenwachstum< Streuansammlung< Zerfall organischen Materials im
Boden< Zersetzung von Bodenhumus.
Um die Frage nach dem Zusammenhang zwischen wiederkehrenden Überflutungen und Erhöhung des
Schwermetallgehaltes dieser Böden beantworten zu können veranlasste die LUFA (Landschaftliche
Untersuchungs- und Forschungsanstalt) Potsdam die gezielte Beprobung von
Überschwemmungsgebieten u. a. der Flüsse Elbe, Oder und Havel (Tab.; 40). Es sind in den
Untersuchungsergebnissen nach PECHER (1993) sowohl Normalwerte als auch hohe
Schwermetallgehalte vorhanden. Vergleicht man die gemittelten Schwermetallgehalte mit denen für
das Land Brandenburg abgeleiteten Normalwerten der LUFA- Potsdam, so werden diese bei fast allen
Elementen der einzelnen Überschwemmungsgebiete überschritten. Als mögliche Quellen dieser
Schwermetallanreicherung kommen eingeleitete Abwässer, Industrieabfälle und die Schifffahrt in
Frage (SCHMIED & SCHOLZ, 1995).
Tabelle 40:
Schwermetalle in 3 Strömen Ostdeutschlands:
Schwermetalle
Elbe
Havel
Oder
Eichwald
Brieskow
Mittelwerte
Fallstudie
mg/kg
Blei (Pb)
102
25,3
52,2
162,1
31,38
Zink (Zn)
478
73,8
201
640,3
79,44
Kupfer (Cu)
96,3
11,3
43,3
125
13,91
(Quelle der Mittelwerte: PECHER 1993)
Vergleicht man die ermittelten SM- Gehalte der Fallstudie (keine statistische Sicherheit, sondern
zufällige Stichprobe) so fallen vor allem im ,,Eichwald" die erheblich erhöhten Gehalte von Blei (Pb),
Zink (Zn) und Kupfer (Cu) auf.
Der Blei (Pb)- Gehalt unbelasteter Böden liegt unter 20 mg/ kg, aber in vielen Regionen wurden
wesentlich höhere Gehalte festgestellt, bei denen es sich um die Folgen anthropogener Emissionen
handelt. Wird Pb in die Umwelt freigesetzt, so ist seine Verweilzeit im Vergleich zu anderen
Schadstoffen sehr groß. Pb und seine Verbindungen neigen zur Ansammlung in Böden und
Sedimenten, wo sie wegen ihrer geringen Löslichkeit und der verhältnismäßig geringen mikrobiellen
Abbaubarkeit bis weit in die Zukunft potenziell bioverfügbar bleiben (DAVIS, 1999).
Nach DAVIS (1999) besteht eine eindeutige Korrelation zwischen der Pb- Konzentration im Boden
und in den darauf wachsenden Pflanzen. Es herrscht ein allgemeines Einverständnis darüber, dass nur
ein kleiner Teil des Bodenbleis den Pflanzen zur Aufnahme zur Verfügung steht. ALLOWAY et al.
(1999) fanden heraus, dass die Aufnahme von Pb durch die Pflanzenwurzeln und seine Umlagerung in
die Triebe von der Jahreszeit abhängen. Sie berichten, dass der Pb- Gehalt von Grasstrieben im Herbst
und Winter höher ist (Wachstumsperiode= 0,3-1,5mg/kg ; Spätherbst= 10mg/kg ; Winter= 30-40mg/kg
50
i. T.). Obwohl Pb nicht sehr toxisch auf Pflanzen wirkt, führen hohe Konzentrationen im Substrat zu
Kümmerwuchs oder Absterben.
Pb kann von Pflanzen aufgenommen werden, wobei allerdings seine Löslichkeit und Mobilität und
damit seine Bioverfügbarkeit niedrig sind (DAVIS, 1999). Auf beiden Standorten kann von einer
Mobilisierung durch Pb (pH-4,0) zur Zeit nicht ausgegangen werden, da dieser Schwellenwert nach
BLUME & BRÜMER (1987) nicht erreicht wird.
In den letzten Jahren haben die Zink (Zn)- Gehalte infolge menschlicher Aktivitäten in einigen Böden
zugenommen, insbesondere in Industrieländern. So ist Klärschlamm ein Nebenprodukt der
Abwasserreinigung und enthält neben Stickstoff (N), Phosphor (P) und organischem Material
erhebliche Zn- Mengen, die Pflanzen beeinträchtigen können (KIEKENS, 1999)
Im ,,Eichwald" ist in der Bodenuntersuchung ein Zn- Gehalt, welcher den Grenzwert von Böden (EU-
Richtlinie: 300 mg Zn /kg) um das doppelte überschreitet festgestellt worden. Mögliche Ursachen der
erhöhten Zn- Gehalte sind in der Verunreinigung der Oder durch den Eintrag von Abwässern der
Industrie bzw. Landwirtschaft (Düngemittel und Pestizide) zu sehen. Nach KIEKENS (1999) kann Zn
als überaus mobiles und leicht bioverfügbares Metall angesehen werden, das sich in Pflanzen und der
menschlichen Nahrung ansammelt. Diese Mobilität bestätigt sich aufgrund der ermittelten pH- Werte.
Bei einem pH<6,0 (BLUME et al., 1987) tritt eine Schwermetallmobilisierung für das Element Zn ein.
In unserem Fall wurden im ,,Eichwald" pH- Werte (KCl) von 5,2 ermittelt, was auf eine Mobilisierung
schließen lässt.
Die größte Besorgnis im Zusammenhang mit überhöhten Zn- Gehalten in Böden trifft die mögliche
Aufnahme durch Pflanzen und die sich daraus ergebenden schädlichen Auswirkungen auf die Pflanze
selbst sowie auf Weide- bzw. Wildtiere und die menschliche Nahrung. Ebenso wie Kupfer (Cu),
Nickel (Ni) und Chrom (Cr) wirkt Zn in erster Linie phytotoxisch (giftig auf Pflanzen), und somit gibt
dieses Metall vor allem Anlass zur Besorgnis hinsichtlich des Pflanzenertrages und der
Bodenfruchtbarkeit (KIEKENS, 1999).
Höhere Kupfer (Cu)- Gehalte im Oberflächenhorizont eines Bodens sind Hinweise auf eine Zufuhr aus
Düngern, Klärschlämmen oder anderen Abfällen, Fungizieden, Bakterizieden oder dem Dung von
Schweinen und Geflügel, denen bestimmte Cu- Verbindungen zur Verbesserung der
Nahrungsauswertung und zur Wachstumsförderung zugefüttert worden (BAKER et al., 1999). Für das
Untersuchungsgebiet ,,Eichwald" ist infolge der Kriegsereignisse 1944-45 (schwere
Kampfhandlungen) von einer sehr erheblichen Belastung von SM durch Munitionsrückstände (Cu, Pb)
auszugehen. Nach BAKER et al. (1999) sind auf solchen ,,Sonderstandorten" genauere Methoden (z.
B. Verfahren mit verdünnten Ca(NO3)2- Extrakten) zur Pflanzenverfügbarkeit erforderlich um die
Ionenaktivität von Cu2+ in der Bodenlösung verlässlich zu bestimmen.
Cu wird in Böden spezifisch adsorbiert oder ,,fixiert" und ist damit eines der am wenigsten (u. a. auch
Pb) mobilen Spurenmetalle. Die Verfügbarkeit von Cu hängt vom chemischen Potential (analog zum
51
pH- Wert definiert) der entsprechenden Spezies in der Bodenlösung ab (BAKER et al., 1999). Auf
beiden Standorten kann von einer Mobilisierung durch Cu (pH-4,5) z. Z. nicht ausgegangen werden, da
dieser Schwellenwert nach BLUME & BRÜMER (1987) nicht erreicht wird.
Die essentielle (lebensnotwendige) Bedeutung von Cu von Pflanzen ist seit den 1930er Jahren bekannt.
ARNON et al. (1939) veröffentlichten einen Beitrag über die Kriterien, die für die Essentialität von
Elementen in der Nahrung von Pflanzen erfüllt sein müssen. Dabei nahm das Element Cu eine
gesonderte Stellung ein. Typische Cu- Konzentrationen von Pflanzen liegen zwischen 5-20 mg/kg, die
Spanne kann jedoch auch 1-30 mg/kg betragen. Der Grad der Ansammlung von Cu schwankt zwischen
einzelnen Pflanzenarten sowie auch zwischen verschiedenen Genotypen (genetisches Potential eines
Individuums zur Merkmalsausprägung) einer Art. Daraus schlussfolgernd ist es nicht möglich,
allgemeingültige Werte für Cu- Gehalte anzugeben, die Vergiftungs- oder Mangelerscheinungen
hervorrufen (BAKER et al., 1999).
Die ermittelten Ergebnisse der vorliegenden
Fallstudie
zeigen insbesondere im ,,Eichwald"
Frankfurt/Oder bedenklich hohe Gehalte an SM an. Dabei stützte sich die Untersuchung lediglich auf
die Elemente: Blei, Kupfer und Zink. Es ist zu vermuten, dass auch andere SM im Boden angereichert
sind und erhöhte ,,kritische" Werte am Standort anzeigen. Wildpflanzen können als wichtige
Zeigerpflanzen dienen, die Aufschluss über die Standortbedingungen und Belastungen durch
Schadstoffe geben. Als Futterpflanzen für Wildtiere kommt den Schadstoffgehalten in Wildpflanzen,
als erstes Glied der Nahrungskette, eine große Bedeutung zu (HOFFMANN et al., 2002).
Da auf beiden Standorten teilweise Mangelerscheinungen an pflanzennotwendigen Nährstoffen (Fe, K)
auftreten und die SM- Gehalte pflanzenbeeinträchtigend wirken können empfiehlt es sich eine
Blattanalyse durchzuführen, um eine Einschätzung des aktuellen Ernährungszustandes der Pflanzen
und Hinweise auf potentielle Ernährungsstörungen zu bekommen.
5.2 Vergleich der Labordaten mit den Standortsansprüchen der
Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior L.)
5.2.1 Standortsansprüche der Esche (Literatur)
Die forstliche Standortslehre geht davon aus, dass neben den Faktoren: Licht, Wärme und Wasser die
Ausstattung an Nährstoffen des Bodens einen wesentlichen Standortsfaktor darstellt. Die
unterschiedliche chemische Ausstattung der Böden gibt Nährstoff- Mangelgrenzen für einige
Baumarten vor. So werden bodenchemisch äußerst anspruchslose Baumarten, wie Gemeine Kiefer,
Sand- Birke und nach neusten Forschungen von LEUSCHNER (1993) auch die Rot- Buche mit keiner
echten Nährstoffmangelgrenze von denen unterschieden, die eine eindeutige Nährstoffmangelgrenze
besitzen. Zu diesen Baumarten zählen u. a. Ulme und Esche Für die Beurteilung der
Nährstoffausstattung von Waldstandorten stehen verschiedene Parameter zur Wahl. So hat sich in
jüngerer Zeit die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich die Zusammensetzung der Bodenlösung als
52
Wurzelmedium die Ernährung der Waldbäume steuert. Sie kann durch die Bestimmung der
Basensättigung nach KÖLLING et a. (1996) an den Bodenaustauschern geschätzt werden.
Als Baumart mit einem enormen Calciumbedarf stellt die Gemeine Esche sehr hohe Anforderungen an
die Basensättigung des Bodens. Untersuchungen von BINNER et al. (2000) in zwei Regionen Bayerns
(Oberpfalz und Schwaben) bestätigen diese Aussage. Wie der Untersuchungsmethodik zu entnehmen
ist, untersuchten sie 20 ältere Eschenbestände (>40 Jahre) auf nährstoffarmen, gering basengesättigten
Standorten. Sie wurden hinsichtlich ihrer Basensättigung beurteilt. Gleichzeitig erfassten sie die
Ernährung mit Ca und Mg sowie die Wuchsleistung und Vitalität der Bäume. BINNER et al. (2000)
stellten in ihren Untersuchungen folgendes fest:
-
Ein Teil der Standorte weist in allen Tiefen hohe (>80%) Basensättigung auf. Dies sind die
typischen Eschenstandorte, die z. T. kalkbeeinflusst sind und z. T. durch Ca- und Mg- haltiges
Grundwasser geprägt werden.
-
Alle Standorte weisen im Oberboden eine Basensättigung von > 40% auf. Hier wirkt sich der
Einfluss der besonders basenreichen Eschenstreu aus, die fast stets zu reichen
Mullhumusformen führt.
-
Auf keinem Standort konnte ein Basensättigungswert <10% beobachtet werden.
-
Selbst wenn in mittleren Bodentiefen (20-80 cm) die Basensättigung <20% absinkt, wurden in
größerer Tiefe (>80 cm) stets Sättigungen > 30% angetroffen.
Alle untersuchten Standorte, d h. auch die mit den geringsten Basensättigungswerten tragen vitale
Eschenbestände mit guter bis sehr guter Höhenentwicklung (Höhentriebe im Mittel 20 cm/Jahr) ohne
sichtbare Schäden. Alle durchgeführten Blattanalysen waren im Toleranzbereich mit den aus der
Literatur vorgeschlagenen Grenzwerte nach WEBER (1998).
Aus den umfangreichen Untersuchungen von BINNER et al., (2000) und durch weitere Arbeiten zum
Thema Esche von WEBER (1998) und ZOLLNER et al. (1994) können folgende Schlussfolgerungen
nach dem bisherigen Wissenstand gezogen werden:
-
Der ideale Eschenstandort weist im gesamten Bodenprofil hohe Basensättigung von >80% auf.
Dort ist die Esche von Natur aus an der Waldgesellschaft beteiligt und beherrscht diese häufig
sogar. Für das Gedeihen der Esche ist der Basenreichtum der Böden die wichtigste
Vorbedingung.
-
Alle Standorte bei denen zumindest im Unterboden mittlere Basensättigung (>30%)
vorkommen und bei denen ein Minimalwert von <10% Basensättigung nirgends im Profil
unterschritten wird, sind für den Eschenanbau bedingt (Wuchsstockung und Ausfällen in der
Jugendphase) geeignet.
-
Die Nährstoffmangelgrenze der Esche wird wie folgt festegelegt: -Humoser Ah mit
Basensättigung >40%; -Horizonte - 20 bis - 40 cm mit Basensättigung 10- 20%; -Unterboden
mit Basensättigung >30% (Abb. 15a).
53
Abbildung 15a:
N ä h rs t o ffm a n g e lg r e n z e F r a x in u s e x c e ls io r
B a s e n s ä tt ig u n g %
0
0
1 0
2 0
3 0
4 0
5 0
6 0
7 0
8 0
9 0
1 0 0
- 2 0
- 4 0
m
c
e
- 6 0
ef
Ti
- 8 0
-1 0 0
-1 2 0
N ä h r s t o ff m a n g e lg r e n z e
(Quelle: Nährstoffmangelgrenze nach BINNER et al. (2000) Fraxinus excelsior)
KNORR (1987) untersuchte Ernährungszustand, Standortsansprüche und die Wuchsleistung der
Gemeinen Esche im bayrischem Raum. Die Studie basiert auf standörtlichen, ertragskundlichen und
blattanalytischen Erhebungen von 81 Probeflächen, die ein breites Standortsspektrum der Esche
abdecken. Das Alter der untersuchten Eschenbestände liegt zwischen 30- 90 Jahren. Die Probeflächen
verteilen sich auf einen Höhenbereich von 280- 870 m über normal Null (NN).
Tab. 41 zeigt für die Elemente: Ca, Mg, K, Na, Al und Fe die ermittelten maximalen und minimalen
Elementvorräte (kg/ha bis 1 m Tiefe), sowie den statistischen Mittelwert.
Unter den 81 untersuchten Flächen befinden sich u. a. auch drei Eschenbestände auf Auenstandorten.
Die Elementvorräte (kg/ha bis 1 m Tiefe) dieser Standorte sind Tab. 42 zu entnehmen.
Tabelle 41:
Statistische Kenngrößen der 81 untersuchten Flächen Bayerns:
Statistische Kenngrößen für Elemente bis 1 m Tiefe
kg / ha
Element
Max.
Min.
Durchschnitt
Calcium (Ca)
2422922
3479
435444
Magnesium (Mg)
639864
12419
158457
Kalium (K)
476064
24917
193113
Aluminium (Al)
1062017
104939
572186
Eisen (Fe)
909740
67062
338390
Mangan (Mn)
31799
1502
10308
Kohlenstoff (C)
1151882
46680
290644
Stickstoff (N)
30899
5575
13315
(Quelle: KNORR (1987); Ernährungszustand u. Wuchsleistung der Esche in Bayern)
Tabelle 42:
Elementvorräte in 3 Auenstandorten:
Elementvorräte bis 1 m Tiefe in 3 Auenstandorten Bayerns
kg / ha
Auenstandort
Ca
Mg
K
Al
Fe
Mn
N
C
Forstamt München 2268789 627449 68893 228506 117251 3259 12541 1151882
Forstamt Landshut 2249791 639864 48710 161083 84688 2647 6630 1042125
Forstamt Landshut 2422922 607825 61925 211931 113212 3342 11420 1124255
(Quelle: KNORR (1987); Ernährungszustand u. Wuchsleistung der Esche in Bayern)
54
Untersuchungen über die Vorräte einiger Makronährelemente für den Bayrischen Raum wurden von
MADL (1960), EMBERGER (1965) und von REHFUSS (1969) durchgeführt. Die Ergebnisse dieser
Arbeiten bilden für KNORR (1987) einen Rahmen, in den die Befunde aus seinen Untersuchungen
eingehängt werden können.
KNORR (1987) stellte u. a. fest, dass sich hohe bzw. niedrige Elementvorräte größtenteils vom
Ausgangsgestein und dem jeweiligen Skelettanteil des Bodens ableiten lassen. Für die Auenstandorte
stellte KNORR (1987) hohe Ca- Vorräte fest. So wird der Rahmenwert für Ca von REHFUSS (1969)
um das 4- fache überschritten. Erwartungsgemäß niedrige Fe- Vorräte wurden auf verschiedenen
Auenstandorten , skelettreichen Kalkstandorten oder Standorten mit hohem Anteil organischer
Bodenbestandteile festgestellt. Als Resümee stellt KNORR (1987) fest, dass sich alle Elementgehalte
mehr oder weniger in dem vorgegebenen Rahmen einfügen und keine Mangelerscheinungen an
Elementen vorzufinden sind.
Die pH- Werte der 81 von KNORR (1987) untersuchten Eschenstandorte liegen im Bereich von 7,6
3,8 im Oberboden und 7,9 3,8 im Unterboden. In der überwiegenden Zahl der Fälle (85 %) steigt auf
der selben Probefläche, infolge karbonatreicher Schichten im Unterboden, der pH- Wert mit
zunehmender Bodentiefe an. Für die drei Auenstandorte werden von KNORR (1987) pH- Werte
zwischen 6 7 angegeben.
Für alle Eschenstandorte führte KNORR (1987) Wasserhaushaltsberechnungen durch. In seinen
Ergebnissen weist er die Tage mit leicht verfügbarem Wasser während der Vegetationszeit (Mai-
August) aus. Zusätzlich unterscheidet er Standorte mit unterschiedlich langer Nassphase. Dort werden
die Tage mit ,,Staunässeeinfluss" von den Tagen mit leicht verfügbarem Wasser abgezogen. Insgesamt
wies KNORR (1987) 20 staunasse Standorte aus. Für die drei Eschenbestände der Auenstandorte
werden 2 x 123 und 1 x 85 Tage mit leicht verfügbaren Wasser innerhalb der Vegetationsperiode
ausgewiesen. Diese Standorte bleiben unbeeinflusst von Staunässeeinfluss. Über eventuell
stattfindende periodische bzw. episodische Überflutungen der Auenstandorte sind in der vorliegenden
Arbeit von KNORR (1987) keine Angaben zu finden. KNORR (1987) stellt in seiner abschließenden
Beurteilung Zusammenhänge zwischen dem Standort und der Wuchsleistung der Esche her. So hat die
Wasserversorgung einen dominanten Einfluss auf die Wuchsleistung. Hohe Wuchsleistung werden auf
Standorten mit i. d. R. mehr als 110 Tagen leicht verfügbarem Wasser in der Vegetationszeit erreicht.
Schlechte Wuchsleistungen erbringt die Esche auf staunässebeeinflussten Standorten ohne Wasserzug,
wobei Wassereinstau in die obere Hälfte des Hauptwurzelhorizontes für eine Dauer von mehr als 30
Tagen (Orientierungswert) zu Beginn der Vegetationszeit leistungsmindernd wirkt. Selbst bei hohen
Ca- Vorräten im Boden, aber ungünstiger Wasserversorgung, werden nur geringe Wuchsleistungen
erzielt. In der Schlussbetrachtung weist KNORR (1987) die Esche als Baumart mit einer breiten
Standortsamplitude aus. Ebenfalls schreibt er ihr auf seinen Untersuchungen fußend eine hohe
Widerstandskraft gegen Schadstoffe (u. a. Schwermetalle) zu.
55
Nach ELLENBERG (1996) sind periodische und episodische Überflutungen ein prägendes Merkmal
intakter Flussauen. Dabei ist jede Aue durch spezifische Flussdynamik, Flussmorphologie und die
jeweiligen Boden- und Standortsverhältnisse charakterisiert. Diese Parameter beeinflussen unmittelbar
die Dynamik, Struktur und Artenvielfalt der azonalen flussbegleitenden Vegetation (OBERDORFER,
1953). Da die standörtlichen Gegebenheiten auch in den Flussauen sehr variieren, wird die
Überflutungstoleranz von Gehölzen in der Literatur sehr unterschiedlich bewertet.
DISTER (1983) gibt die mittlere tolerierbare Überflutungsdauer der Gemeinen Esche (Rhein) mit 35
bis 40 Tagen pro Jahr an, davon immerhin rund 25 in der Vegetationsperiode. Die Extreme liegen
dieser Untersuchung zufolge bei etwa 100 Tagen, nach SPÄTH (1988) sogar bei 129 Tagen, wobei die
Toleranz sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, je nach Alter der Esche und ihrem Standort (AAS, 2002).
Überflutungsversuche an vierjährigen Eschen (MÜLLER ,unveröffentl.2004), welche die Messung des
ökophysiologischen Leistungsparameters Nettophotosynthese dokumentiert, zeigten Exemplare der
überfluteten Eschen nach 21 Tagen erste Chlorosen an stammbasisnahen Blättern. Eine vollständige
Schädigung der Eschenpflanzen konnte aber bis zum Laubfall nicht beobachtet werden.
5.2.2 Vergleich mit den erhobenen Daten aus Gelände- und Laboruntersuchung
Aufgrund der
sehr hohen
Ca- Vorräte beider Standorte ergibt sich eine
Basensättigung
von nahezu
100% in allen Tiefenschichten. Dabei ist das Element Ca mit 80-90% an der Austauscherbelegung
beteiligt (vgl. Kap. 4.2.4). Nach BINNER et al.(2000) wird für die Esche eine Nährstoffmangelgrenze
von > 40 % im Oberboden, 10 bis 20 % im Horizontbereich zwischen -20 und -60 cm und > 30 % im
Unterboden ausgewiesen. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass sich die Standorte Brieskow und
,,Eichwald" auf Grund der
sehr hohen
Ca- Vorräte (BZE Bewertungsrahmen, 1996) deutlich jenseits
der Nährstoffmangelgrenze von BINNER et al. (2000) befinden. Bezüglich der Basensättigung weisen
sich somit beide Standorte als potenzielle Eschenstandorte aus.
Im Rahmen einer Forschungsprojektes untersuchte KNORR (1987) 81 Standorte mit
Eschenbestockung im Raum Bayern und ermittelte u. a. statistische Kenngrößen (Maximal-, Minimal-
und Mittelwert) für Nährelementvorräte in kg/ ha bis 1m Tiefe (vgl. Tab.41). Ausgehend davon, dass
auch die Standorte mit minimalen Nährelementvorräten Eschenstandorte mit z. T. guten
Wuchsleistungen repräsentieren, bilden diese Minimalgehalte den Bewertungsrahmen für die
Untersuchungsflächen Brieskow und ,,Eichwald" (Abb.17).
56
Abbildung 17:
Vergleich Elementevorräte KNORR (1987) mit Untersuchungsflächen
Minimalgehalte nach KNORR (1987) Standort Brieskow
Standort "Eichwald"
Mittelwerte nach KNORR (1987)
Stickstoff (N)
Kohlenstoff (C)
Mangan (Mn)
Eisen (Fe)
ente
Aluminium (Al)
Elem
Kalium (K)
Magnesium (Mg)
Calcium (Ca)
1
10
100
1000
10000
100000
1000000
kg/ha im eff. Wurzelraum (logarithmisch)
(Quelle: KNORR (1987) Minimalwerte bzw. Mittelwerte an Elementen; eigene Daten hinzugefügt)
Der Ca- Vorrat der beiden Untersuchungsflächen ordnet sich im Bewertungsrahmen von KNORR
(1987) mit 10- fach höheren Vorräten als die Minimalwerte ein. Betrachtet man hingegen den
statistischen Mittelwert der 81 Eschenstandorte von KNORR (1987), so bleiben die ermittelten Ca-
Vorräte der Untersuchungsflächen Brieskow und ,,Eichwald" um das ca. 12- fache unter den
Mittelwerten von KNORR (1987).
Der Mg- Vorrat der beiden Untersuchungsflächen bleibt unter den Minimalgehalten von KNORR
(1987). Er liegt um das ca. 4- fache unter den ermittelten Minimalwerten der 81 untersuchten
Eschenstandorte im Raum Bayern.
Der K- Vorrat der beiden Untersuchungsflächen bleibt deutlich unter den Minimalgehalten von
KNORR (1987). Er liegt um das ca. 31- fache unter den ermittelten Minimalwerten der 81
untersuchten Eschenstandorte im Raun Bayern..
Der Al- und Fe- Vorrat nimmt auf beiden Untersuchungsflächen fast den Wert ,,Null" an und bleibt auf
Grund dieser Tatsache weit unter den ermittelten Minimalgehalten von KNORR (1987).
Der Mn- Vorrat der beiden Untersuchungsflächen bleibt deutlich unter den Minimalgehalten von
KNORR (1987). Er liegt um das ca. 30- fache unter ermittelten Minimalwerten der 81 untersuchten
Eschenstandorte im Raun Bayern.
57
Der C- Vorrat der beiden Untersuchungsflächen ordnet sich mit ca. 3- fach höheren Vorräten als die
Minimalwerte von KNORR (1987) ein. Betrachtet man den statistischen Mittelwert der 81
Eschenstandorte, so bleiben die ermittelten C- Vorräte der Untersuchungsflächen Brieskow und
,,Eichwald" um das ca. doppelte unter den Mittelwerten von KNORR (1987).
Der N- Vorrat der beiden Untersuchungsflächen ordnet sich im Bewertungsrahmen mit ca. doppelt so
hohen Vorräten wie die Minimalwerte von KNORR ein. Betrachtet man den statistischen Mittelwert
der 81 Eschenstandorte (KNORR, 1987), so gleichen sich die ermittelten N- Vorräte der
Untersuchungsflächen Brieskow und ,,Eichwald" mit den Mittelwerten von KNORR (1987) an.
Auffallend bei der vergleichenden Bewertung mit den von KNORR (1987) untersuchten
Eschenstandorten sind die
sehr geringen
Fe-und K- Vorräte beider Untersuchungsflächen. Da beide
Elemente als essentielle Makronährstoffe für Pflanzen angesehen werden, könnte sich diese Tatsache
als ,,wuchsmindernd" für einen potentiellen Eschenstandort auswirken. Ob der Fe- und K- Mangel
verantwortlich für das Fehlen der bodenchemisch äußerst anspruchsvollen Baumart Esche am Standort
ist, scheint aber eher unwahrscheinlich. Im Rahmen eines Forschungsprojektes (2001-2004) der FH-
Eberswalde, das sich mit der Charakterisierung ,,naturnaher" Auenwaldstrukturen beschäftigte, wurden
u. a. Kontrollzaunflächen und Vergleichsflächen (Weisergattersysteme) mit jeweils 40
(20 x Fraxinus
excelsior, 20 x Quercus robur)
vier Jahre alten Baumschulpflanzen bepflanzt, um die Etablierung der
Esche und Eiche auf beiden Standorten zu untersuchen. Weisergattersysteme ermöglichen ein
Vergleichsverfahren, bei dem mit Hilfe eines Kontrollzaunes eingezäunte- und nichteingezäunte
Flächen (12x12m) bei gleichen äußerlichen Parametern (Licht, Standraum usw.) verglichen werden.
Lediglich der Faktor ,,Schalenwild" wird bei den eingezäunten Flächen ausgeschlossen. Im ,,Eichwald"
Frankfurt/ Oder erfolgte die Etablierung von drei-, in Brieskow arbeitete man mit zwei
Weisergattersystemen. Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte nach RIEGER (1999) in einem
Aufnahmebogen, wo Pflanzenzustand (Vital, abgestorben), Schädigungsart (Terminalverbiss, Verbiss
der Seitenknospe, Fegeschäden) und ,,nicht mehr existierende Pflanzen" aufgenommen wurden. Die im
Frühjahr 2002 in die Weisergattersysteme gepflanzten Eschen entwickelten sich gut. Es konnten keine
abgestorbenen Pflanzen beobachtet werden. Auf den uneingezäunten Vergleichsflächen hingegen
wurden unmittelbar nach der Pflanzung erste Wildschäden festgestellt. Diese bestanden aus
Fegeschäden, Verbissschäden an Terminal- und Seitenknospen jeweils verursacht durch Rehwild
(Abb.17a) und durch Bodenumbruch hervorgerufen durch Schwarzwild (MÜLLER, unveröffentl.
2004). Nach MÜLLER (unveröffentl. 2004) sind von den 100 gepflanzten Eschen in der eingezäunten
Fläche nur drei Exemplare abgestorben., von den 100 gepflanzten Eichen überlebten insgesamt 73
Exemplare. Innerhalb der uneingezäunten Vergleichsfläche sieht die Situation deutlich anders aus. Hier
starben 32 Eschen und 63 Eichen von 100 gepflanzten Exemplaren völlig ab. Von den 68 vitalen
Eschen sind 21 Pflanzen ohne erkennbare Schäden. Der Rest der Pflanzen brachte meist eine
Kombination aus Terminal- und Seitenverbiss bzw. Fegeschäden hervor (vgl. Abb. 18 und 19).
58
Aus den Untersuchungen von MÜLLER (unveröffentl., 2004) kann abgeleitet werden, das sich die
gepflanzten 4- jährigen Eschen, wenn der Faktor ,,Schalenwild" ausgeschlossen wird, durchaus auf den
Standorten ,,Eichwald" und Brieskow auf Grund der bodenchemischen Verhältnisse etablieren können.
Damit dürfte sich der Fe- und K- Mangel beider Untersuchungsflächen nicht als nachteilig für die
Esche erweisen.
Abbildung 17a:
von Rehwild verbissene und gefegte Eschenpflanze auf der uneingezäunten Fläche
(Quelle: MÜLLER, 2004 unveöffentl.)
59
Abbildung 18:
Abbildung 19:
Abbildung 5 a/b: Darstellung der Pflanzenzustände der Weisergattersysteme oben:
Darstellung der Pflanzenzustände der Weisergattersysteme oben: gezäunte Flächen unten: ungezäunte Vergleichsflächen
(NV=Naturverjüngung, Pfl.=künstlich eingebrachte Pflanzen, Cosa=Cornus sanguinea, Eueu=Euonymus europaea, Acne=Acer
negundo, Sani=Sambucus nigra, Ulme=Ulmus laevis, Eiche=Quercus robur, Esche=Fraxinus excelsior)
(Quelle: Projektbericht MÜLLER E. unveröffentl., 2004)
60
Ein Vergleich der Überflutungstage im periodisch überfluteten ,,Eichwald" mit den Toleranzangaben
von DIESTER (1983) soll Aufschluss darüber geben, ob es in dem Zeitraum von 1938-04
Überflutungsereignisse gab, die eine Gefährdung der Esche darstellen (vgl. Abb. 20).
Die Überflutungstoleranz der Esche wird von DIESTER (1983) am Rhein mit ca. 25 Tagen in der
Vegetationsperiode und 35-40 Tage außerhalb der Vegetationsperiode als Orientierungswert
angegeben.
Abbildung 20:
Vergleich der Überflutunstage im "Eichwald" mit der Toleranzgrenze
nach DIESTER (1983)
Überflutungsdauer in Tagen
40
Überflutungstoleranz außerhalb der Vegetationsperiode
35
30
Überflutungstoleranz i. d. Vegetationsperiode
25
g
e 20
Ta 15
10
5
0
1997 1987 1984 1983 1982 1977 1968 1965 1958 1947 1941 1940 1938
Jahre
(Datenquelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde, abgeleitet aus Wasserstandsganglinien 1935-02; mit den Daten von
DIESTER (1983) verknüpft)
In den Jahren 1938-04 gab es im ,,Eichwald" keine Überflutungsereignisse, die den von DIESTER
(1983) festgelegten Richtwert von 25 Tagen Überflutung überschreitet. Das sog.
,,Jahrhunderthochwasser 1997" der Oder ist mit 22 Tagen Überflutung in der Vegetationsperiode dem
Orientierungswert von DIESTER (1983) mit 25 Tagen am nächsten.
Zu berücksichtigen bleibt aber die Tatsache, dass auf Grund des Reliefs (z. T. große Mulden, Senken,
Gräben, Teiche) das Überflutungswasser im ,,Eichwald" bis zu mehreren Wochen nach dem
Überflutungsereignis z. T. großflächig in der Aue steht (GREISER, mdl. Mitteilung, 2004). Ein
weiterer Grund für das in der Aue ,,stehende" Wasser ist die Einbürgerung des ,,Elbe"- Bibers an der
Oder (vgl. Abschnitt 5.1.). Als Folge der Anstauung des Wassers ist hier an einigen Stellen ein
mosaikartig verteiltes Absterben der Schwarz- Erle
(Alnus glutinosa)
als Resultat der durch den Biber
verursachten Anstauung zu erkennen.
In dem episodisch überfluteten Auenwald Brieskow wirkte sich das ,,Jahrhundert- Hochwasser" des
Jahrgangs 1997 mit einer Überflutung von etwas mehr als 20 Tagen aus. Andere
Überflutungsereignisse konnten aufgrund der Eindeichung um das Jahr 1670 nicht verzeichnet werden.
61
5.3 Schlussfolgerungen
Aus dem
Standortsvergleich
beider Untersuchungsflächen (,,Eichwald" und Brieskow) lassen sich
folgende Schlussfolgerungen ableiten:
-
Beide Standorte weisen eine Ähnlichkeit bezüglich der prozentualen
Korngrößenverteilung
auf. Daraus lässt sich eine gewisse Homogenität zwischen beiden Standorten ableiten. Die
größte Gewichtung liegt auf der Korngrößenfraktion des Schluffes.
-
Bezüglich des
Wasserhaushaltes
verhalten sich beide Untersuchungsflächen
erwartungsgemäß unterschiedlich. Der periodisch überflutete ,,Eichwald" mit seinen
(jährlichen) Überflutungen kann nach SCHULZE (1996) der Grundwasserform:
kurzzeitig
stark überwässert
zugeordnet werden. Im episodisch überfluteten Auenwald Brieskow findet
sich hingegen als Folge der Eindeichung die Grundwasserform:
kurzzeitig stark grundsumpfig
(SCHULZE, 1996).
-
In der
Bodenacidität
weist der Standort Brieskow höhere Reaktionswerte als der Standort
,,Eichwald" auf. In Brieskow befinden sich die ermittelten Ergebnisse im
Carbonat
-
Pufferbereich (pH >= 6,3), während sich im ,,Eichwald" die Reaktionswerte dem
Silikat
-
Pufferbereich (pH 5,1-6,3) im Oberboden zuordnen lassen.
-
Beide Standorte weisen in ihrem
C/ N- Verhältnis
eine Abnormität auf. Die für einen
Auenstandort zu erwartenden typischen
engen (10-12)
C/ N- Verhältnisse konnten nicht
ermittelt werden. Nach dem Bewertungsrahmen der BZE (1997) siedeln sich die C/ N-
Verhältnisse stattdessen im
mittleren (16-20)
Bereich an.
-
Aufgrund der Disharmonie, d h. in Relation zur Basenversorgung und der Bodenacidität weite
C/ N- Verhältnisse können beide Standorte bezüglich ihres
Humusstatus
nicht der für die
Auenstandorte typischen Humusform
Mull
zugeordnet werden. Vielmehr erfolgt eine
Abstufung auf die Humusform:
mullartiger Moder
.
-
Aufgrund der Hohen Calcium (Ca)- Vorräte weisen beide Standorte eine
Basensättigung
von
nahezu 100 % auf. Daraus resultierend kann der ermittelte
S- Wert
(Gehalt austauschbarer
basisch wirkenden Kationen) als Näherungsmaß der pflanzenverfügbaren Nährstoffe
sehr hoch
im Wertebereich eingestuft werden.
-
Die essentiellen
Nährelemente
Eisen (Fe) und Kalium (K) sind auf beiden Standorten nach
dem Bewertungsrahmen der BZE (1997) als
sehr gering
eingestuft worden. Erst eine im Labor
durchgeführte Blattanalyse kann Aufschluss darüber geben, ob Fe- und K-Mangel bei der Flora
besteht.
-
Beide Standorte wurden auf
Schwermetallgehalte
untersucht. Dabei wurden im ,,Eichwald"
erheblich höhere SM- Gehalte bei den untersuchten Elementen: Kupfer (Cu), Blei (Pb) und
Zink (Zn) im Oberboden festgestellt. Es ist zu vermuten, dass auch andere SM mit erhöhten
Werten im Boden angereichert sind. Da die z. T. in erhöhter Form toxisch wirkenden SM über
62
die Nahrungskette auch bis zum Menschen gelangen können, empfiehlt sich hier eine weitere
detailliertere statistisch gesicherte Untersuchung durchzuführen.
Der Vergleich der
Standortsansprüche der Esche
aus der Literaturrecherche mit den eigenen Daten
erzielt folgendes Resümee:
-
Die bodenchemisch äußerst anspruchsvolle Baumart Esche könnte sich nach BINNER et al.
(2000) auf Grund der
Basensättigung
des Bodens von nahezu 100 % auf beiden Standorten
etablieren. Anzumerken wären allerdings die im Vergleich mit KNORR (1983) als
sehr gering
bewerteten
Nährstoffvorräte
an Eisen (Fe)- und Kalium (K) Gehalte des Bodens. Sie könnten
sich wuchsmindernd auf die Esche auswirken.
-
Bezüglich der
Hochwassertoleranz
der Esche, die nach DIESTER (1983) mit 25 Tagen in der
Vegetationsperiode und 35-40 Tagen außerhalb der Vegetationsperiode als Orientierungswert
angegeben ist, gab es in dem Zeitraum 1938-04 keine Überflutungsereignisse, die diesen
Orientierungswert erreichen. Aufgrund des Reliefs (Gräben, Senken, Teiche) im
Untersuchungsgebiet ,,Eichwald" kann das anstehende Überflutungswasser aber mosaikartig
länger als der angegebene Orientierungswert von DIESTER (1983) auf einigen Teilen der
Fläche stehen. Zu berücksichtigen sind auch die Aktivitäten (Anstauen von Wasser) des von
der Elbe an die Oder eingebürgerten Bibers.
Die Frage warum sich letztendlich die Esche, als typischer Vertreter der Hartholzaue nicht auf diesem
Standort etablieren konnte, hat dieser
Fallstudie
fußend, keine bodenkundlichen Ursachen. Am
wahrscheinlichsten ist die These einer Verknüpfung folgender Parameter:
-
Zu
hohe Schalenwildbestände
, d h. eine möglich aufkommende Naturverjüngung der Esche
kann sich aufgrund von Wildverbissschäden nicht einstellen (vgl. Abb. 18 und 19).
-
Der
Eisgang der Oder
, d h. mit durchschnittlich 28 Eistagen pro Jahr (Kap. 2.4) im
Untersuchungsgebiet kann dies für die spätfrostempfindliche Esche nach AAS (2002) ein
möglichen wuchsmindernden Faktor darstellen.
-
Der
Lichtfaktor am Boden
, d h. Stiel- Eiche im Oberstand und Flatter- Ulme im
Zwischenstand (Kap. 2.5) lassen den Boden z. T. erheblich ausdunkeln. Für die Pionierbaumart
Esche dürfte sich diese Tatsache wegen fehlender mosaikartiger Bestandesstrukturen u. U.
wuchsmindernd auswirken.
63
6. Zusammenfassung
In der vorliegenden
Fallstudie
wurde zum einen ein periodisch- und zum anderen ein episodisch
überfluteter Auenwaldrelikt an der Oder standortskundlich untersucht. Dabei sollten zwei
Fragestellungen geklärt werden: Wie veränderte sich das Untersuchungsgebiet Brieskow standorts-
bzw. bodenkundlich infolge der Eindeichung gegenüber dem periodisch überflutetem Eichwald? Gibt
es standortsbedingte Gründe warum die Gemeine Esche (
Fraxinus excelsior
L.) als typischer Vertreter
der Hartholzaue in diesem Gebiet nicht vorkommt?
Zur Beantwortung der Fragestellungen wurden in jedem Auenwald an einer repräsentativen Stelle
jeweils eine Profilgrube angelegt. Die Untersuchungen wurden untergliedert in: Geländeaufnahmen
(Bodenfarbe, Lagerungsdichte, Skelettanteile, Wasserhaushalt, Morphologie der Profilgrube) und
Laboranalysen (Körnung, Bodenacidität, C/ N- Verhältnis, Nährstoffvorräte, Basensättigung,
Schwermetalle, Humusstatus).
Die aus der Untersuchung hervorgegangenen bodenphysikalischen- und bodenchemischen Ergebnisse
wurden mit Hilfe von verschiedenen Bewertungsrahmen (BZE 1997, SEA, KNORR 1987 usw.)
ausgewertet. Dabei wurden u. a. erhöhte Schwermetallgehalte, sehr hohe Calcium (Ca)-Vorräte,
Nährelementmangel an Eisen (Fe) und Kalium (K) festgestellt. In der anschließenden Diskussion
wurden zum einen die Ergebnisse beider Untersuchungsflächen miteinander verglichen und zum
anderen ein Vergleich der eigenen laboranalytischen Daten mit den Standortsansprüche der Esche
(Literatur) angestellt.
Der Vergleich der beiden Standorte erbrachte u. a. erwartungsgemäß viele Gemeinsamkeiten, wie hohe
Ca- Vorräte, Fe- Mangel, aber auch Unterschiede z. B. im Wasserhaushalt der Böden und der
Bodenreaktion. Der Vergleich der laboranalytischen Daten mit den Literaturangaben zur Esche lässt
schlussfolgern, dass beide Untersuchungsgebiete auf Grund ihrer Boden- und Standortsbedingungen
durchaus (u. a. sehr hohe Basensättigung) in der Lage sind die bodenchemisch sehr anspruchsvolle
Baumart Esche zu tragen.
64
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68
8. Danksagung
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen bedanken, die zum Gelingen der Diplomarbeit beigetragen
haben:
-
Prof. Dr. W. Riek, dem Betreuer der Diplomarbeit, der mir wichtige inhaltliche Anregungen
für meine Diplomarbeit gegeben hat und stets ein offenes Ohr für meine Fragen und Bedenken
hatte.
-
Prof. Dr. H. Schill, der mich insbesondere bei der Ausarbeitung der Thematik zur
Eschenproblematik unterstützte und mir über das Forschungsprojekt der FH- Eberswalde
(Renaturierung von Auenwäldern) die Anregung gab, diese Diplomarbeit anzufertigen.
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Dipl. Ing. (FH) A. Koj, die mir zum einen schnell und unbürokratisch das Bodenkunde- Labor
zur Verfügung stellte, um die bodenphysikalisch- und bodenchemischen Analysen durchführen
zu können und zum anderen für die tatkräftige Unterstützung bei offenen fachlichen Fragen.
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Frau Schönfelder und Frau Kraft (Mitarbeiterinnen der LFE Brandenburg), die mir u. a. bei der
Bestimmung der Korngrößenfraktionen geholfen haben.
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Kommilitone P. Kunze (9. Sem. Forstwirtschaft), der mir u. a. bei der Morphologie der
Bodenprofile wichtige Hinweise gab und mit dessen Hilfe die Profilgruben ausgehoben
wurden.
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Jagdpächter Greiser, der mir bei einer Exkursion durch den ,,Eichwald" viele standörtliche
Besonderheiten (u.a. Biberproblematik) zeigte und von dem ich viele wichtige Hinweise zur
historisch- anthropogenen Beeinflussung des Untersuchungsgebietes bekam.
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