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Scholary Paper (Seminar), 1996, 27 Pages
Author: Kulturwissenschaftler M.A. Adrian Flasche
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Institution/College: University of Lüneburg (Fachbereich 3 (Kulturwissenschaften))
Tags: Wortbedeutungswandel, Beispiel, Heinrich, Heines, Atta, Troll, Sommernachtstraum, Sprachgeschichte, Wortbedeutungswandel
Year: 1996
Pages: 27
Grade: 2
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-17374-2
ISBN (Book): 978-3-638-64173-9
File size: 245 KB
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Abstract
Die Bedeutung eines Wortes ist im steten Wandel, sie kann sich in verschiedene Richtungen verschieben und entwickeln. Der Sinngehalt kann erweitert, verengt, verbessert, verschlechtert oder verhüllt (Euphemismus) werden. Darüber hinaus kann dem Wort eine Bedeutungsübertragung (Metapher) als auch eine Bezeichnungsvertauschung (Metonymie) widerfahren. In diesem Buch soll das Phänomen des Wortbedeutungswandels anhand eines literarischen Textes aus dem 19.Jh. veranschaulicht werden, indem dort verwendete Wörter, die mit unserem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr ohne weiteres zu verstehen sind, auf ihren Ursprung und ihren Wandel hin analysiert werden. Außerdem soll so die Aussage des literarischen Textes, insofern diese von betroffenen Wörtern abhängig ist, geklärt und verständlich gemacht, sprich: in unsere Gegenwartssprache übersetzt werden. Hierfür sollen Auszüge aus Heinrich Heines 1841 verfasstem Versepos "Atta Troll. Ein Sommernachtstraum" als Grundlage dienen. Anhand der Analyse auf veraltete oder 'tote' Wörter soll verdeutlicht werden, inwieweit sich Heines Sprache zur heutigen geändert hat, wie sehr sein Ausdruck und damit seine Wortwahl sich in den seitdem vergangenen über 160 Jahren gewandelt haben, ob sie veraltet oder gar unverständlich geworden sind. Und weil Heine immer wieder als 'Vorläufer der Moderne' eingeordnet wird, stellt sich die weitere Frage nach der wirklichen Modernität seiner Sprache. Schließlich wird bei der Textanalyse darauf geachtet, ob sich an Heines Wortwahl Einflüsse von historischen Perioden auf den Wortwandel nachweisen lassen. So sind die gravierenden Ursachen des Wortwandels oft auf große historische Ereignisse und Epochen zurückzuführen, z.B. auf die Jahrhunderte lange französische Vorherrschaft im neuzeitlichen Europa, die wirtschaftliche Hegemonie Italiens im Mittelalter, die allgegenwärtige, langandauernde Verbreitung des Lateins durch die katholische Kirche oder die Reformation mit ihrer deutschen Übersetzung der Bibel. Weitere wortprägende Epochen waren Renaissance und Humanismus, die Entstehung der Wissenschaften und natürlich die Aufklärung, aber auch der Einfluss der neuzeitlichen Dichtung und gewiss die sprachliche Revolution durch die modernen Zivilisationsformen und deren Fachsprachen aus Naturwissenschaften, Verwaltungsbürokratie, Technisierung und Industrialisierung. Der Textanalyse vorangestellt ist ein kurzer biographischer Abriss zum Dichter Heinrich Heine und seinem Versepos "Atta Troll".
Excerpt (computer-generated)
Wortbedeutungswandel am Beispiel
von Heinrich Heines Atta Troll. Ein Sommernachtstraum
von Adrian Flasche
INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung
II. Heinrich Heine
und das Versepos "Atta Troll"
a) Heinrich Heine - ein biographischer Abriß
b) "Atta Troll. Ein Sommernachtstraum" - Inhalt, Bedeutung
und Form
III. Analyse an Auszügen aus "Atta Troll"
Exkurs: Die Französisierung der deutschen Sprache und
des kulturellen Lebens
IV. Zusammenfassung
V. Literaturverzeichnis
I. EINLEITUNG
Die menschliche Sprache ist kein in sich geschlossenes, vollendetes und unveränderbares Zeichen- und Kommunikationssystem, sondern ein durch den Menschen lebendig gehaltener Organismus, der der Veränderung unterliegt, der erweitert und verringert, der moduliert werden kann und wird. Sprache ist dynamisch und sie ist, seit es sie gibt, einem ständigem Wandel unterworfen: Worte ändern sich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte. Es verändert sich ihr Laut, ihre Lautgruppe, ihre Formen der Wortbeugung und -bildung ebenso wie sich ihr Sprachkörper und schließlich auch ihre Inhalte, Vorstellungen und Begriffe ändern. Genauso kommt es aber auch zu Neuschöpfungen von Worten, einhergehend mit dem ′Sterben′ stetig weniger in Anspruch genommener, veralteter Wörter und schließlich ′toten′ Begriffen, die aus dem gegenwärtigen Sprachgebrauch und -verständnis herausgedrängt worden sind, deren Bedeutungssinn abhanden gekommen ist.
Worte, die diesem ′Schicksal′ nicht unterliegen, erfahren meistens dennoch einen Wandel im Bild-, Sinn- oder Wertgehalt als auch in ihrer Morphologie. Diese vorliegende Arbeit möchte sich vornehmlich mit dem Wandel der Wortbedeutung befassen. So kann die Bedeutung eines Wortes sich in verschiedene Richtungen verschieben und entwickeln: Der Sinngehalt kann erweitert, verengt, verbessert, verschlechtert oder verhüllt (Euphemismus) werden. Darüber hinaus kann dem Wort eine Bedeutungsübertragung (Metapher) als auch eine Bezeichnungsvertauschung (Metonymie) widerfahren.
In vorliegender Arbeit soll das Phänomen des Wortbedeutungswandels anhand eines literarischen Textes aus dem 19.Jh. veranschaulicht werden, indem dort verwendete Wörter - die mit unserem heutigen Sprachgebrauch nicht mehr ohne weiteres verstanden werden können oder die zumindestens nicht mehr in der aktiven Sprachanwendung benutzt werden - auf ihren Ursprung und ihren Wandel hin analysiert werden. Außerdem soll so die Aussage des literarischen Textes, insofern diese von betroffenen Wörtern abhängig ist, geklärt und verständlich gemacht, sprich: in unsere Gegenwartssprache übersetzt werden. Hierfür sollen Auszüge aus Heinrich Heines 1841 verfaßtem Versepos "Atta Troll. Ein Sommernachtstraum" als Grundlage dienen. Anhand der Analyse auf veraltete oder ′tote′ Wörter soll verdeutlicht werden, inwieweit sich Heines Sprache zur heutigen geändert hat, wie sehr sein Ausdruck und damit seine Wortwahl sich in den letzten 150 Jahren gewandelt haben, ob sie veraltet oder gar unverständlich geworden sind. Interessant ist auch die Frage, ob gewandelte Worte eher ab- oder aufgewertet worden sind, welche Entwicklung häufiger auftritt.
Und da Heinrich Heine immer wieder als ′Vorläufer der Moderne′ eingeordnet wird, stellt sich die weitere Frage nach der wirklichen Modernität seiner Sprache. Schließlich soll bei der Textanalyse darauf geachtet werden, ob sich an Heines Wortwahl Einflüsse von historischen Perioden auf den Wortwandel nachweisen lassen. So sind die gravierenden Ursachen des Wortwandels auf große historische Ereignisse und Umwälzungen - sowohl in evolutionärer als auch in revolutionärer, sprich: gesteuerter Weise - zurückzuführen. Beispielsweise hat die jahrhundertelange französische Vorherrschaft im neuzeitlichen Europa erheblichen Einfluß auf die deutsche Sprache gehabt, ebenso wie die wirtschaftliche Hegemonie Italiens im Mittelalter oder die jahrhundertelange Verbreitung des Lateins durch die katholische Kirche. Weitere historische Ursachen für den Wortwandel sind die Reformation mit ihrer deutschen Übersetzung der Bibel, die Entdeckung des menschlichen Innenlebens und des Individuums seit Renaissance und Humanismus als auch die Entstehung der Wissenschaften samt ihrer eigenen Sprachen seit der aufklärerischen Epoche. Nicht vergessen werden darf der Einfluß der neuzeitlichen Dichtung auf die Sprache, der Neuprägungen mit sich brachte - z.B durch die in der Romantik populär gewordenen Volksmärchen - sowie natürlich auch die sprachliche Revolution durch die modernen Zivilisationsformen und deren Fachsprachen aus Naturwissenschaften, Verwaltungsbürokratie und ganz besonders durch die Technisierung und Industrialisierung. Dazu gesellen sich der Fremdworteinfluß samt der damit einhergehenden gelenkten Fremdwortverdeutschung sowie die Sprachlenkung durch Sprachgesellschaften und gesellschaftlich einflußreichen Gruppen.
(Vgl. Tschirch, Fritz: Geschichte der deutschen Sprache, 2. T. Entwicklungen und Wandlungen der deutschen Sprachgestalt von Hochmittelalter bis zur Gegenwart. 2. Aufl. Berlin 1975)
Vor der möglichen Beantwortung dieser sich stellenden Fragen durch die Textanalyse soll der Dichter Heinrich Heine und sein Versepos "Atta Troll" kurz vorgestellt werden.
II. HEINRICH HEINE UND DAS VERSEPOS "ATTA TROLL"
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