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Technische Universität Dresden
Fakultät für Erziehungswissenschaft
Institut für allgemeine Erziehungswissenschaft
Hausarbeit
Kinderuniversitäten
zum Seminar:
Einführung in die Erziehungswissenschaft
im WS 04/05
Vorgelegt von:
Antje Schöne
MA Amerikanistik (HF), Deutsch als Fremdsprache, Erziehungswissenschaft (1. Semester)
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
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2. Entstehung der Kinderuniversität
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3. Kurzportrait der Kinderuniversität Dresden
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4. Resonanz
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4.1. Kinder
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4.2. Professoren
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5. Trägt die Teilnahme an einer Kinderuniversität zur Entwicklungsförderung bei?
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1. Einleitung
,,Der, die, das Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? - Wer nicht fragt bleibt dumm.
Tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehn - Manchmal muss man fragen, um sie zu
versteh'n" Der bekannte Refrain des Titelsongs der Sesamstraße beschreibt die Sicht vieler
Kinder. Wenn sie anfangen zu entdecken und Zusammenhänge zu verstehen stellen sie noch
viele Fragen, doch nicht alle können gleich von Lehrern, Eltern oder anderen Bezugspersonen
beantwortet werden. Noch bevor ihr Interesse daran vergeht, sollte man geeignete Formen
finden, diese Fragen zu beantworten als eine dieser Formen hat sich das Projekt
,,Kinderuniversität" diese Aufgabe gestellt.
Zunächst habe ich etwas über die Entstehung und Geschichte der Kinderuniversitäten
zusammengetragen. Ausführlicher werde ich danach auf die Kinderuniversität Dresden
eingehen. Da dies noch ein sehr junges Projekt ist und erst im Frühjahr letzten Jahres startete,
gibt es noch wenig über die Geschichte zu sagen und auch Auswertungen liegen noch keine
vor. Dennoch habe ich versucht viele Fakten zu sammeln, damit man sich ein genaueres Bild
machen kann.
Die darauf folgende Resonanz seitens der Kinder und Professoren, die schon mal an einer der
vielen deutschen Kinderuniversitäten teilgenommen haben, soll verdeutlichen, dass eine
Notwendigkeit besteht dieses Kinderprojekt in allen Universitätsstädten zu realisieren bzw. zu
erweitern.
Zum Schluss möchte ich auf die These: ,,Die Teilnahme an einer Kinderuniversität trägt zur
Entwicklungsförderung bei" eingehen. Hier wird der Frage nachgegangen, inwieweit der
Besuch der Kinderuniversität in diesem Lebensabschnitt Einfluss auf die Entwicklung des
Kindes nehmen kann. Danach wird die Notwendigkeit der Kinderuniversität aus kultur- und
bildungspolitischer Sicht betrachtet und gezeigt, inwieweit sich dieses Projekt, das durch
ehrenamtliches Engagement gekennzeichnet ist, auf Bildungsverläufe auswirken kann.
2. Entstehung der Kinderuniversität
Die ,,Universität für Kinder" wurde in Tübingen im Jahr 2001 ins Leben gerufen. Die Idee zu
einer Kinderuniversität hatten Ulla Steuernagel und Ulrich Janßen, beide Journalisten beim
Schwäbischen Tagblatt in Tübingen. Ulla Steuernagel ist Mutter von zwei Kindern und wurde
von diesen immer wieder mit komplexen Fragestellungen konfrontiert. ,,Wer weiß schon auf
die Schnelle und mitten im Alltagstrubel zu beantworten, warum Menschen sterben müssen.
Wer kann schon so genau sagen, warum es Arme und Reiche gibt, die Vulkane so heiß oder
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die Dinos ausgestorben sind. Antworten darauf müssten eigentlich die dafür zuständigen
Wissenschaftler geben."
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"'In Tübingen wimmelt's von Professoren, und es wimmelt von Kindern - man sollte sie
zusammenbringen', war Ulla Steuernagels Idee [...]. Warum nicht Universitätsgelehrte fragen,
wenn Eltern und Lehrer mit ihrem Latein am Ende sind? Zu Themen, für die sich Kinder
brennend interessieren, die aber an der Schule zu kurz kommen?"
2
,,Mit dieser Idee wandten sich beide Journalisten an den Leiter der Presse- und
Öffentlichkeitsabteilung der Universität Tübingen, Michael Seifert. [...] Seifert sah darin nicht
nur eine erstklassige PR-Idee, [sondern] hatte auch einen idealistischen Hintergedanken: ,Ich
wünsche mir, dass mehr Kinder durch diese Aktion die Universität als offene Institution sehen
und sie ohne Scheu betreten. Und sich dann vielleicht bei der Wahl der Ausbildung daran
erinnern.'"
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Außerdem erklärt er: ,,"Die Kinderuni soll ein Appetithäppchen sein, das Kinder
neugierig auf Wissen macht. Was sie mit nach Hause nehmen, sind Wissenstrophäen. Sie sind
stolz darauf, Eltern oder Freunden etwas Wissenschaftliches erklären zu können".
4
Zusammen stellten sie die Idee Prof. Eberhard Schaich, Rektor der Tübinger Universität vor.
Er ermutigte sie zu diesem Vorhaben und gab ihnen freie Hand zur Entwicklung des Projektes
,,Kinderuniversität".
"Zur ersten deutschen Kinder-Uni kamen im Jahr 2002 über 5000 Kinder. Die
Vorlesungsreihe für Kinder wurde auf Anhieb ein Riesenerfolg und lockte zahlreiche
Medienvertreter nach Tübingen. [...] So beschlossen die Universität und das Schwäbische
Tagblatt eine Fortsetzung. Die Kinder-Uni wird [mittlerweile] von einem kleinen Team
vorbereitet, dem der Pressesprecher der Universität Tübingen, Michael Seifert, und die beiden
Tagblatt-Journalisten Ulla Steuernagel und Ulrich Janßen angehören. [D]as Buch ,,Die
Kinder-Uni" ist [im März 2003] auf den Markt gekommen[, g]eschrieben haben es die
Erfinder der Kinder-Uni mit Unterstützung der Kinder-Uni-Professoren."
5
Mittlerweile gibt es in Deutschland über 30 Universitäten, die das Konzept übernommen
haben und auch Vorlesungen für Kinder halten.
1
Janssen, Ulla und Ulrich Steuernagel: ,,Die Kinderuni". Klett Verlag. 2003. Seite 7
2
Mösle, Marianne: ,,Die Jüngsten wollen's wissen". Die Zeit. Stand: 20.12.2004
http://www.zeit.de/archiv/2002/29/200229_c-kinderuni.xml
3
Brasch, Christine: ,,Gar keine dumme Idee die Kinder-Uni". Homepage des Goethe-Instituts. Juli 2003.
Stand : 20.12.2004
http://www.goethe.de/kug/buw/stu/thm/de51274.htm
4
Löffler, Udo: ,,Warum bauen Ritter Burgen?". Bildung PLUS. 21.06.2004. Stand: 20.12.2004
http://bildungplus.forum-
bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=317&start=0&str1=kinderuni&str2=&str3=&lib=&art=&details
=
5
Homepage der Eberhard Karls Universität. Was ist die Kinder-Uni?. Stand: 20.12.2004
http://www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/kinderuni-2003/kiu03-03.html
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3. Kurzportrait der Kinderuniversität Dresden
Am 04.05.2004 fand die erste Veranstaltung der neugegründeten Kinderuniversität Dresden
statt. Ein halbes Jahr vorher starteten ,,die TU Dresden, das Hygiene-Museum und die
Sächsische Zeitung [...] dieses Projekt"
6
nach dem Vorbild der ersten Kinderuniversität in
Tübingen. Im Sommersemester finden die Vorlesungen im neuen Hörsaal des
Hygienemuseums statt und im Wintersemester auf den Campus der Technischen Universität.
Die ersten Vorlesungen für Kinder im Umfang von 45 Minuten gab es im Sommersemester
von Mai bis Juni mit den Themen: ,,Warum können Bäume nichts vergessen?", ,,Warum wird
nicht jeder Millionär?", ,,Wie und warum lernten unsere Vorfahren, aufrecht zu gehen?",
,,Warum sind wir alle Kinder des Universums?" und ,,Warum sind wir alle so schrecklich
neugierig?". Im Wintersemester fanden Veranstaltungen vom Oktober bis Dezember statt,
dabei ging es um die Fragen: ,,Warum sind wir alle Kinder des Universums?", ,,Warum kann
ein Flugzeug fliegen?", ,,Warum brachten Scherben nicht allen Athenern Glück?", ,,Warum
sind Zellen wie kleine Fabriken mit winzigen Maschinen?" und ,,Warum tun uns Haustiere
gut?". Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren konnten sich anmelden, bekommen einen echten
kleinen Studentenausweis und können sich fühlen wie echte Studenten, deren Fragen von
einem echten Professor beantwortet werden.
7
Eltern dürfen nicht mit an den Vorlesungen
teilnehmen, können das Geschehen aber über eine Videowand im Nachbarhörsaal verfolgen.
Das große Leitwort der Dresdner Kinderuni ist die Frage nach dem ,,Warum?", die sich
Kinder immer wieder selber und vor allem anderen stellen. ,,Meist sind es knifflige Fragen zu
den Zusammenhängen der Welt. So etwas lern[en sie] später, in der Berufsausbildung oder
beim Studium. Aber die Fragen hab[en Kinder] jetzt schon [...]. [Denn w]er zu lange auf
Antwort warten muss, verliert die Lust am Fragen."
8
Die erste Vorlesung ,,
Warum wird nicht jeder Millionär?" hielt Volkswirtschafts-Professor und
derzeitiger Ministerpräsident Georg Milbradt vor 600 Kindern. Er selbst ist angetan von der
Idee und sagte im Vorfeld, er werde versuchen ,,statt vor Studenten vor Kindern zu sprechen
und auf kindgerechte Art ein Wirtschaftsthema herüberzubringen", denn schließlich ist jedes
Kind, durch das Taschengeld schon einmal mit Wirtschaft in Berührung gekommen. Auf die
Frage ob es wohl leichter oder schwieriger wird vor Kindern zu sprechen, sagt Milbradt:
6
Schön, Stephan: ,,Kein Märchen: Eine Vorlesung". Sächsische Zeitung, 03.04.2004
http://www.ku-dresden.de/artikel.asp?id=600658
7
Homepage der Kinderuniversität Dresden. Programm. Stand: 18.12.2004
http://www.ku-dresden.de/programm.asp
8
Homepage der Kinderuniversität Dresden. Warum. Stand: 18.12.2004
http://www.ku-dresden.de/warum.asp
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,,Kinder sind wissbegierig, das macht es leichter. Es kindgerecht zu vermitteln, macht es
sicher schwerer."
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Klaus Vogel, Direktor des Dresdner Hygiene-Museums sieht es nicht als ein einfaches
Projekt: ,,Kinder sind ziemlich kritisch, manchmal gnadenlos kritisch. [...] Man kommt bei
Kindern nicht ungeschoren davon, wenn man ihnen Käse erzählt oder sie langweilt" und
beschreibt das Lehren der Professoren vor Kindern als ein Abenteuer. Der Soziologe Karl
Lenz warnt davor die Lehrveranstaltung als Routine zu sehen und dass Vorwissen der Kinder
zu unterschätzen.
,,Wissenschaft ist spannend, man muss sie nur den Kindern zeigen, glaubt auch Hermann
Kokenge, Rektor der TU Dresden." Die Organisatoren hoffen vor allem, den Wissensdurst
und die Wissbegierde der Kinder zu nutzen und ihr Interesse für die Wissenschaft frühzeitig
zu wecken.
10
Und da der Erfolg der Dresdner Kinderuniversität immer mehr zunimmt, was man vor allem
daran festmachen kann, dass es mehr Anmeldungen als Plätze gibt, geht das Projekt nun in
das 3. Semester. Ab dem 21. Februar starteten die Anmeldungen für das Sommersemester
2005 diesmal mit den Themen: ,,Warum sind die Wünsche von Kindern wichtig für die
Stadtentwicklung?", ,,Warum können Bakterien auch unsere Freunde sein?", ,,Warum ist die
Antarktis der Kühlschrank der Erde?", ,,Warum wurde Harry Potter zum Bestseller?" und
,,Warum ist Spielen wichtig?". Es ist geplant die Veranstaltungen wieder im Audimax der TU
Dresden durchzuführen und die Abschlussveranstaltung im Hygienemuseum.
4. Resonanz
4.1. Kinder
Die Kinderuniversität ist bei Kindern durchweg auf positive Resonanz gestoßen, was sich vor
allem anhand der, hohen Besucherzahlen verdeutlichen lässt, denn auf allen Internetauftritten
verschiedener Kinderuniversitäten in Deutschland ist zu lesen, dass sämtliche Plätze schnell
vergeben waren.
Aus den von mir herangezogenen Zeitungsartikeln ist zu entnehmen, dass die Kinder
freiwillig auf Freizeit, die sie im Freibad oder mit Freunden verbringen könnten, zu Gunsten
der Kinderuniversität verzichteten: ,,Trotz Freibad und hitzefrei an der Schule rücken jede
Woche zwischen 500 und 900 Schüler an [...]".
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9
Schön: ,,Kein Märchen: Eine Vorlesung". SZ. 2004
10
Schön, Stephan: Eltern müssen draußen bleiben. Sächsische Zeitung. 03.04.2004
http://www.ku-dresden.de/artikel.asp?id=600656
11
Mösle: ,,Die Jüngsten wollen's wissen". Die Zeit. 2004
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An den Reaktionen der befragten Kinder lässt sich verdeutlichen, dass das Konzept von Ulla
Steuernagel, komplexe Fragestellungen des Alltags, auf die Eltern nicht immer eine Antwort
haben von Wissenschaftlern beantworten zu lassen, erfolgreich angenommen wurde und
Vorurteile abgebaut werden konnten: ,,Sie sind ziemlich alt. Sie haben einen weißen Kittel an
und eine Brille auf der Nase. Ihr Haar lichtet sich bereits und unterm Arm tragen sie stets ihre
Aktentasche mit Notizen. Vor allem aber reden sie ziemlich eigenartig; weil sie so schlau
sind. Ein bisschen lernen und vor allem lesen müssen sie aber auch noch. Sie haben ein sehr
stressiges Leben. Für die Schüler der Klasse 7.1 im Gymnasium Großzschachwitz steht das
Bild vom Professor fest. Sie werden es gewaltig korrigieren müssen. Nicht nur, dass
Professoren mitunter viel jünger als ihre Lehrer in der Schule sind; dass die Schüler selbst viel
häufiger eine Brille tragen als die Professoren und dass nur ganz selten ein weißer Kittel im
Schrank hängt. [...] Der Botaniker und Professor [Andreas Roloff] muss bei den Vorurteilen
der Schüler erst einmal laut lachen. ,Da werden wir wohl was geradebiegen müssen.'"
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Die Kinder gaben ebenfalls mehrheitlich an, dass die in den Vorlesungen behandelten
Themen ein Kriterium waren, weshalb sie die Kinderuniversität besuchten. Denn viele der
Themen waren für sie äußerst spannend, da sie in ihren jeweiligen Interessensgebieten lagen
und sie sich noch stärker mit diesem Thema auseinandersetzen wollten. ,,Warum Lukas hier
ist? Blöde Frage, weil ihn die Themen interessieren, sagt er. Vor allem die erste Vorlesung
über Vulkane hat ihm gefallen, warum sie Feuer speien, was toll an ihnen ist und wie
gefährlich sie sind. Dass der Professor auf einem Vulkan sogar seinen Schlafsack ausgerollt
und dort geschlafen hat, findet er ,voll krass'."
13
,,Am Ende findet Saskia, 8 Jahre, sie sei ,ein bisschen schlauer geworden'. Es sei anders als in
der Schule, weil man keine Hausaufgaben kriege und weil der Professor alles besser erkläre.
[Auch] Maximilian glaubt, alles verstanden zu haben[, d]och spätestens auf dem Weg nach
Hause tauchen bestimmt neue Fragen auf."
14
4.2. Professoren
Doch nicht nur die Kinder haben Erfahrungen auf einem neuen Gebiet gemacht, auch die
Professoren wurden mit einer neuen Erfahrung konfrontiert: ,,Wenn ein Hochschullehrer so
12
Schön: ,,Eltern müssen draußen bleiben". SZ. 2004
13
Mösle: ,,Die Jüngsten wollen's wissen". Die Zeit. 2004
14
Zickgraf, Arnd: ,,Jumbojet der fliegenden Klassenzimmer". Bildung PLUS. 24.06.2004. Stand: 20.12.2004
http://bildungplus.forum-
bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=318&start=0&str1=kinderuni&str2=&str3=&lib=&art=&details
=
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eine Vorlesung hinter sich gebracht hat, sieht er die Welt mit anderen Augen'".
15
Prof. Dr.
Speckmann beschreibt es so: ,,Es reizt mich einfach, anderen Menschen die Dinge
weiterzugeben, die mich selbst begeistern. [...] Was einem am Herzen liegt, das möchte man
[...] ja auch weitergeben."
16
Für die meisten Professoren ist es noch ,Neuland' und eine interessante Erfahrung, doch diese
Euphorie war nicht bei allen gleichermaßen vorhanden, als ihnen das Projekt
Kinderuniversität vorgestellt wurde: ,,'Ich war zwischendurch etwas skeptisch, ob sich Kinder
wirklich für die Uni interessieren und etwas von den Vorlesungen haben, sagt Hermann
Bausinger, emeritierter Professor für Kulturwissenschaft und Referent des Tages. Bedenken
hatte er auch, ob sein Thema bei den Kindern ankommt: Warum lachen wir über Witze? Als
ob dieser Titel nicht allein schon Abwechslung in den trockenen Wissenschaftsbetrieb bringen
würde."
17
Laut Aussage der Professoren war die Teilnahme an der Kinderuniversität eine
Herausforderung, denn sie mussten Menschen ohne akademische Vorbildung, die Inhalte
ihres jeweiligen Fachgebietes erklären. Die besondere Herausforderung bestand darin, das
Wissen kindgerecht und zugleich wissenschaftlich fundiert zu vermitteln. ,,Sich Menschen
ohne akademische Vorbildung verständlich zu machen ist auch für einen Gelehrten kein
Kinderspiel. Aber ein Anspruch für die Zukunft."
18
Und ,,[w]as bei Studierenden als
selbstverständlich und als Grundlage für Vorlesungen vorausgesetzt wird hier [muss] es
infragegestellt werden."
19
Es ist ,,[e]in neues Aufgabenfeld, ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Auch für die
Professoren, die in erster Linie etwas von der Wissenschaft, aber erst in zweiter Linie etwas
von Didaktik und Pädagogik verstehen."
20
15
Mösle: ,,Die Jüngsten wollen's wissen". Die Zeit. 2004
16
Bergs-Winkels, Dagmar Dr.: ,,,Mamis letzte Hoffnung'". Bildung PLUS. 05.07.2004. Stand: 20.12.2004
http://bildungplus.forum-
bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=321&start=0&str1=kinderuni&str2=&str3=&lib=&art=&details
=
17
Mösle: ,,Die Jüngsten wollen's wissen". Die Zeit. 2004
18
Mösle: ,,Die Jüngsten wollen's wissen". Die Zeit. 2004
19
Zickgraf: ,,Jumbojet der fliegenden Klassenzimmer". Bildung PLUS. 2004
20
Mösle: ,,Die Jüngsten wollen's wissen". Die Zeit. 2004
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5. Trägt die Teilnahme an einer Kinderuniversität zur
Entwicklungsförderung bei?
Den Mittelpunkt in der Kinderuniversität bilden Kinder im Alter von 6 - 13 Jahren, diese
Lebensphase wird in der Entwicklungspsychologie als spätere Kindheit beschrieben und
vollzieht sich vom Schuleintritt bis zum Beginn der Vorpubertät.
21
Gerade in diesem
Lebensabschnitt kann die Teilnahme an der Kinderuniversität Einfluss auf die Entwicklung
des Kindes nehmen, da es beginnt, sich zunehmend kritisch mit seiner Lebensumwelt
auseinander zu setzen.
22
Diese Phase beschreibt den naiven Realismus, der ,,gekennzeichnet
ist, durch eine zunehmende realistische Einstellung dem Leben gegenüber und durch die
Auseinandersetzung des Kindes mit der Welt der Schule."
23
Diese Lebensphase kann in zwei
weitere Abschnitte unterteilt werden: den naiven Realismus in der Alterstufe von ca. 5 - 8
Jahren, und den kritischen Realismus von 9 - ca. 13. In der Phase des naiven Realismus ,,ist
das Kind noch sehr in seine engere Umwelt eingebunden und dieser - sowie Autoritäten
gegenüber - unkritisch."
24
Die Denkstrukturen im naiven Realismus sind egozentrisch
ausgerichtet. In dieser Phase ist das Kind in seinem Denken auf wenige Dimensionen
zentrieren. Im kritischen Realismus, der sich ungefähr bis zum 13. Lebensjahr vollzieht,
erweitern sich die Persönlichkeitsstrukturen der Kinder in den kognitiven, sozialen und
emotionalen Bereichen.
25
Er ist im Wesentlichen durch ,,größere Selbstständigkeit, größere
Distanz vom Eigenerlebnis, größere Komplexität, größere Fähigkeit zur Strukturierung und
Planung, Abstraktionsfähigkeit und zunehmen der Sprache beim Lösen von Problemen"
26
gekennzeichnet. Die gesteigerte Abstraktionsfähigkeit und die Fähigkeit komplexere
Strukturen zu erfassen, kann durch die Kinderuniversität gefördert werden. Den Kindern
werden komplexe Gesellschafts- und Wirtschaftszusammenhänge altersgerecht erklärt, die für
sie nicht in ihrer mittelbaren Erlebniswelt liegen und dennoch im Kontext ihrer Umwelt von
unmittelbarer Bedeutung sind.
Es ist klar, dass auf die menschliche Entwicklung drei große Faktoren Einfluss nehmen: die
Kultur, die engere Umwelt wie Familie, Schule und Freunde und die weitere Umwelt in Form
der Gesellschaft. Im Fall der Kinderuniversität kann die Teilnahme an einem Ereignis der
gesellschaftlichen Umwelt einen nachhaltig prägenden, meist positiven Effekt auf die
21
Schenk-Danziger, Lotte: ,,Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter. Klett-Cotta. 1993.
Seite 233
22
Schenk-Danziger: ,,Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter". 1993. Seite 233
23
Schenk-Danziger: ,,Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter". 1993. Seite 233
24
Schenk-Danziger: ,,Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter". 1993. Seite 233
25
Schenk-Danziger: ,,Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter". 1993. Seite 233
26
Schenk-Danziger: ,,Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter". 1993. Seite 263
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individuelle Entwicklung hinsichtlich des Bildungsverlaufs der Kinder nehmen: ,,,Wenn ich
groß bin, werde ich Professor, weiß Agnes (9) schon jetzt."
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Dieser Kommentar des
Mädchens zeigt, dass sie aufgrund des Besuches der Kinderuniversität für sich ein späteres
Berufsziel definiert. Sicherlich ist fraglich, ob die 9-jährige diesen Berufswunsch bis zum
Ende ihrer Schullaufbahn behalten wird, dennoch kann dieses Erlebnis unbewusst positiv
prägend sein und Einfluss auf die Wahl ihres Bildungsweges nehmen. Hier hat die
Kinderuniversität Einfluss auf die Motivation zum Lernen genommen.
Außerdem stellt die Kinderuniversität einen Weg dar, Kinder an die Lebenswelt der
Erwachsenen heranzuführen. Die Inhalte der jeweiligen Vorlesungen wurden kindgerecht und
zugleich wissenschaftlich fundiert vermittelt. Die Kinder wurden nicht nur in spezielle
Themengebiete eingeführt, sondern auch mit den universitären Ritualen vertraut gemacht.
Dies hat zur Folge, dass sich Kinder in der Welt der Erwachsenen akzeptiert fühlen und mit
einem kindlichen Ernst teilnehmen.
Es ist sicher unterschiedlich, wie lange diese Motivation auf die Schüler wirkt. Es kann sich
durchaus um eine kurzfristige Motivation handeln, die auf die weitere Schullaufbahn keine
längerfristigen Auswirkungen hat. Werden die Schüler aber weiterhin von ihren Lehren
motiviert, als ein Ziel das Hochschulstudiums im Auge zu behalten, kann diese Motivation
durchaus langfristig auf die Entwicklung des Schülers einwirken.
In jedem Fall ist die Kinderuniversität eine kleine Lebens- und Lernerfahrung, die einen
positiven Einfluss auf die weitere Entwicklung der Kinder haben kann.
27
Biewald, Nicole: ,,Die Uni der klugen Knirpse". BILD Thüringen. 01.07.2003
http://www.fh-erfurt.de/kinderuni/medien-spiegelbild.htm
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Literaturverzeichnis
Janssen, Ulla und Ulrich Steuernagel: ,,Die Kinderuni". Klett Verlag. 2003.
Schenk-Danziger, Lotte: ,,Entwicklung Sozialisation Erziehung, Schulalter und Jugendalter."
Klett-Cotta. 1993
Bildung PLUS: www.bildungplus.forum-bildung.de
Die Zeit: www.zeit.de
Eberhard Karls Universität Tübingen: www.uni-tuebingen.de
Goethe-Institut: www.goethe.de
Fachhochschule Erfurt: www.fh-erfurt.de
Kinderuniversität Dresden: www.ku-dresden.de
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