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"Tropfsteinhöhle der Erinnerung"

Untertitel: Der „Ort der Information“ des Denkmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin

Seminararbeit, 2006, 20 Seiten
Autor: Frieda Fredeweß Hagemann
Fach: Geschichte - Sonstiges

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 33  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V111760
ISBN (E-Book): 978-3-640-16037-2
ISBN (Buch): 978-3-640-16536-0
Dateigröße: 1763 KB

Zusammenfassung / Abstract

„Wenn die Treppe hinab nicht so breit wäre, könnte man meinen, es ginge in eine Gruft aus Beton. Links und rechts ragen die Stelen des neuen Mahnmals auf. Um die Aura des Feldes als einem "symbolischen Friedhof" für die ermordeten sechs Millionen Juden Europas nicht zu stören, wurde der "Ort der Information" in den Untergrund verlegt. Das, was oben an Erklärung fehlt, soll unten nachgeliefert werden.“ (Den Opfern ein Gesicht geben, Bönningheimer Zeitung vom 11.05.2005)


Volltext (computergeneriert)

,,Tropfsteinhöhle der Erinnerung"

(Kristian Teetz, in:

Die Welt

vom 30.05.05)

Der ,,Ort der Information"

des Denkmals

für die

ermordeten

Juden Europas

in Berlin

Zdenek Konas aus Prag.

Mit elf Jahren am 06. September 1943

nach Auschwitz deportiert. Verschol en.

Frieda Fredeweß


Gliederung

1.

Chronologie der Planung und Realisierung des,,Mahnmals für die ermordeten Juden

Europas" 3

2.

Die Entscheidung für einen ,,Ort der Information" 4

3.

Die Ausstel ungsdesignerin Dagmar von Wilcken 5

3.1.

Tabel arische Kurzbiografie 5

3.2.

Dagmar von Wilckens ,,Referenzprojekt" ,Juden in Berlin 1938-1945′ 5

4. Der ,,Ort der Information" 6

4.1.

Die konzeptionel e Grundidee 6

4.2.

Die Einbindung in den Mahnmal-Entwurf des Architekten Peter Eisenman 8

5. Die Räume des ,,Ortes der Information" 9

5.1.

Der Grundriss 9

5.2.

Al gemeine Informationen 9

5.3.

Strukturel e und organisatorische Gesamtübersicht 9

5.4.

Die Foyers 10

5.5.

Der ,,Raum der Stil e" (Raum 1) 11

5.6.

Der ,,Raum der Schicksale" (Raum 2) 12

5.7.

Der ,,Raum der Namen" (Raum 3) 13

5.8.

Der ,,Raum der Orte" (Raum 4) 13

6. Didaktischer Kommentar 14

7. Fazit 17

Literaturverzeichnis 18




2


1.

Chronologie der Planung und Realisierung des,,Mahnmals für die

ermordeten Juden Europas"


1989

Die Publizistin Lea Rosh und der Historiker Eberhard Jäckel veröffentlichen den ersten

Aufruf der Bürgerinitiative "Perspektive Berlin" für die Errichtung eines Denkmals für die

ermordeten Juden.

1990

Der aus der Bürgerinitiative hervorgegangene "Förderkreis" schlägt einen Standort in den

ehemaligen Ministergärten vor.

1992

Die CDU/CSU-FDP-geführte Bundesregierung erklärt sich bereit, einen Teil der

Ministergärten zur Verfügung zu stel en.

1995

528 Arbeiten nehmen am Wettbewerb für das Denkmal teil. Zwei erste Preise gehen an

Simon Ungers und an Christine Jackob-Marks, Hel a Rolfes, Hans Scheib und Reinhard

Stangl. Deren Entwurf zu realisieren, wie die Auslober empfehlen, scheitert am Widerstand

von Bundeskanzler Helmut Kohl.

1997

Nach einem dreistufigem Col oquium werden die Ministergärten als Ort bestätigt und 25

Architekten und Bildhauer zu einem neuen Wettbewerb eingeladen. Im November empfiehlt

die Findungskommission die Entwürfe von Peter Eisenman/Richard Serra und Gesine

Weinmil er. Die Auslober ergänzen dies durch die Vorschläge von Jochen Gerz und Daniel

Libeskind.

1998

Auf Anregung von Bundeskanzler Kohl wird der Entwurf von Eisenman/Serra überarbeitet.

Serra zieht sich zurück. Die neugewählte Bundesregierung aus SPD und Grünen vereinbart

im Herbst, die Entscheidung über das Denkmal vom Bundestag fäl en zu lassen.

1999

Nach mehreren Anhörungen beschließt der Bundestag am 25. Juni, Eisenmans Entwurf,

erweitert um einen "Ort der Information" über die Opfer und die Stätten des Gedenkens, in

den Ministergärten zu errichten.

2000

Am 27. Januar wird symbolisch mit dem Bau begonnen. Gründung der "Stiftung Denkmal für

die ermordeten Juden Europas". Im November bewil ig der Bundestag 27,6 Mil ionen Euro

für Bauten und Erstausstattung.

2001

Die Ausstel ungsmacherin Dagmar von Wilcken erhält den Auftrag für das

Gestaltungskonzepts.

2003

Baubeginn. Im Herbst führt die Verwendung von Produkten der Firma Degussa zu einer

Diskussion über deren Rol e im Dritten Reich. Das Kuratorium entscheidet, den Bau mit

Degussa-Produkten fortzuführen.

2004

Im Dezember steht die letzte der 2711 Stelen.

3


2005

Anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung vom NS-Regime ist ,,...am 10. Mai die feierliche

Eröffnung. Zwei Tage später werden das Denkmal und der "Ort der Information" der

Öffentlichkeit übergeben.1

2.

Die Entscheidung für einen ,,Ort der Information"

Michael Naumann, Kulturbeauftragter der Bundesregierung ergänzt im Januar den sog.

,,Eisenman I"-Entwurf, durch ein großes, an der Nordseite des Stelenfeldes platziertes ,,Haus

der Erinnerung". ,,Für das mit 13000 m2 und sieben Geschossen sehr voluminöse ,,Haus der

Erinnerung" schlug er ein Museum, eine Bibliothek, eine Forschungsabteilung und so il ustre

Nutzer wie das Leo-Baeck-Institut, die Shoah-Foundation oder das Genocide-Watch-Institut

vor." 2 Das Stelenfeld selbst sol um mehrere hundert Stelen verkleinert werden.

Dagegen beschließt der Bundestag am 25.06.1999 die Realisierung des sogenannten

,,Eisenman II"-Entwurfs. Gleichzeitig legte der Beschluss fest, das Mahnmal um einen ,,Ort

der Information" zu ergänzen. ,,Die Idee eines die kognitiven Fähigkeiten ansprechenden,

über Anlass und Widmung aufklärenden Zusatzelements" findet breite Unterstützung.3

,,Eine Historikerarbeitsgruppe bestehend aus Eberhard Jäckel, Andreas Nachama, Reinhard

Rürup und der Stiftungsgeschäftsführerin Sibyl e Quack hatte dem Kuratorium der Stiftung

im Juli 2000 ein Grundkonzept für den ,,Ort der Information" vorgelegt.

Die Ausstel ung im ,,Ort der Information" sol demzufolge drei Aufgaben erfül en:

· sie sol das künstlerisch gestaltete Denkmal durch historische Inhalte ergänzen,

· eine ,,Personalisierung und Individualisierung" der Thematik leisten,

· sowie auf sonstige Institutionen des Gedenkens verweisen.

Angeregt wurden ein Foyer und vier weitere Bereiche:

· ein ,,Raum der Stil e" mit knappen Basisinformationen zur Ermordung der Juden,

· ein ,,Raum der Schicksale" mit ,,ausgewählten Familiengeschichten

oder Biographien",

· ein ,,Raum der Namen" mit einer Datenbank al er ermittelbaren Opfer und

· ein ,,Raum der Orte" mit näheren Angaben zur europäischen Dimension

der Verbrechen.

Das Kuratorium stimmte diesem Ansatz zu und beschließt gleichzeitig,

aus architektonischen
und Platzgründen

(Anm.d.V.), den ,,Ort der Information" unterirdisch zu realisieren (an der

südöstlichen Ecke des Stelenfeldes)."4

1 N.N., 16 Jahre Planung, in: Die Welt v. 10.05.2005

2 Schlusche, Günter, Ein Denkmal wird gebaut, in: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden

Europas, Materialien zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Nicolaische

Verlagsbuchhandlung, Berlin, 2005, S. 24

3 ebd., S. 24

4 Kirsch, Jan-Holger, Auf dem Weg zur Realisierung. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas

und der Ort der Information. Architektur und historisches Konzept, in: Quack, Sibylle, Das Denkmal für

die ermordeten Juden, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 2002, S. 249 ff

4


3.

Die Ausstellungsdesignerin Dagmar von Wilcken

3.1.

Tabellarische Kurzbiografie

- Dagmar von Wilcken, geb. 1958:

- Studium des Objektdesigns und der visuel en Kommunikation

- 1987 Diplom an der Hochschule der Künste in Berlin

- freiberufliche Ausstel ungsgestalterin

- Ausstel ungsgestaltungen für das Bauhaus-Archiv in Berlin

- 1995-2004: ,,Spuren des Unrechts": Gestaltung der Dauerausstel ung des DIZ

(Dokumentations- und Informationszentrums) in Torgau

- Ausstel ungsgestalterin für die Stiftung Neue Synagoge - Centrum Judaicum Berlin

2001-2005 gestalterisches Gesamtkonzept des Ortes der Information zum Denkmal

für die ermordeten Juden Europas 5

3.2.

Dagmar von Wilckens ,,Referenzprojekt" ,Juden in Berlin 1938-1945′

Zum 55. Jahrestag der Befreiung eröffnete die Stiftung »Neue Synagoge Berlin - Centrum

Judaicum« am 8. Mai 2000 eine Sonderausstel ung über Politik und Praxis des Judenmords

im Zeitraum 1938 bis 1945.

Berlin steht im Mittelpunkt dieser sehr persönlichen und vor allem durch ihre Details

wirkenden Präsentation. Aus der Perspektive von Juden selbst erlebt der Besucher am

authentischen Ort des Geschehens das Grauen der Jahre von 1938 bis zum Mai 1945.

,,Das heißt, dass in der Ausstel ung individuelle Schicksale vorgestel t werden, dass nur

solche Geschichten erzählt und durch Exponate veranschaulicht werden, die in irgendeiner

Form persönlich überliefert sind."6

Die intensive Wirkung der Ausstel ung auf den Betrachter entsteht hier nicht aus den Zahlen

oder Begleittexten. ,,Sie entsteht aus den kleinen Originalen: aus Schulheften,

Einkaufsscheinen, Zeugnissen al er Art, den 6 x 6-Fotos mit gezacktem Rand, den Pässen

und amtlichen Dokumenten, den Poesiealben der Kinder, Lebensmittelkarten,

Einkaufsscheine, Hörerkarten von Schulen, den Arbeitsbüchern, handgeschriebenen

Lebensläufen, Gestapo- Akten."7

Wie die verschiedenen Räume in der späteren Gestaltung des ,,Ortes der Information"

entwirft Dagmar von Wilcken in dieser Ausstel ung verschiedene sog. Stationen.

Auch hier wird man nicht ,,genötigt, dem Ablauf der Stationen zu folgen. Das

»Seiteneinsteigen« nach Raumgefühl bringt keine Nachteile, ist sogar hilfreich bei der Fül e

der Exponate und Assoziationen. Jederzeit ist es möglich, mittels der handlichen und

bedienerfreundlichen Elektronik relevante Hörtexte und Begleitinformationen abzurufen."8

Von den Kritikern wird als überaus positiv gewürdigt, dass die aufbauende Wirkung der

Stationen zur sukzessiven Personalisierung des Geschehens unmittelbar beiträgt.

5 aus: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Hrsg.), Materialien zum Denkmal für die

ermordeten Juden Europas, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin, 2005, S. 176

6 Thieme, Bernhard, Sie hatten al e einen Namen, Ausstel ung »Juden in Berlin 1938-1945«,

Berlinische Monatsschrift Heft 7/2000

7 ebd.

8 ebd.

5


Station 1

Das Jahr 1938 - das Jahr der »Juni-Aktion«, das Jahr der »Polen-Aktion« und das Jahr des

November-Pogroms.


Station 2

Rechtzeitige Emigration

Station 3

Schicksal der jüdische Fabrikantenfamilie Garbàty

Station 4/5

Die systematischen Maßnahmen zur Entrechtung, Ausplünderung und Kennzeichnung der

Berliner Juden

Station 6

Das Wirken der zionistischen Organisationen und Einrichtungen in Berlin am Beispiel der

Familie Levin aus Berlin

Station 7

Zwangsarbeit und geschlossener Arbeitseinsatz

Station 8

Der Massenprotest von Berliner Frauen in der Rosenstraße im März 1943

Station 9

Schicksale der Deportierten

Station 10

Die jüdischen »Greifer«

Station 11

Das versteckte Überleben

4.

Der ,,Ort der Information"

4.1.

Die konzeptionelle Grundidee

Im März 2001 bil igte das Stiftungskuratorium einen Gestaltungsentwurf von Wilkens.

,,Erwarten Sie kein Holocaust-Museum! Wir haben keine Originale, wir stel en nichts aus,

sondern stel en nur dar, um mit Bildern und Texten das Mahnmal zu ergänzen."9

,,Das Mahnmal sei eben kein authentischer Ort, nicht vergleichbar mit einer Gedenkstätte auf

dem Gelände eines früheren Konzentrationslagers. Weder von Opfern noch von Tätern

wurden deshalb Gegenstände zusammengetragen. Stattdessen setzen die Macher auf die

Wirkung

von

Bild,

Schrift,

Sprache,

Licht

und

Raum."10

Drei miteinander zu verbindende Bereiche bilden das Grundgerüst zur Konzeptionalisierung

des ,,Ortes der Information":

Architektur und Kunstgeschichte

Geschichte und historische Konzeption

Rezeption und Vermittlung

Dagmar von Wilcken hofft, dass dieser Ort "bei den Menschen etwas in Bewegung setzt und

sie ihn anders verlassen, als sie gekommen sind."11

Um eine ,,Konkurrenz" zu vorhandenen Gedenkstätten zu vermeiden stel en Wolfgang

Thierse als Kuratoriumsvorsitzender und Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin klar,

9 Dagmar von Wilken, in: Peter von Becker

,

Im Labyrinth der rechten Winkel,

Der Tagesspiegel

(06.05.2005 )

10 Berg, Stefan/Emcke, Carolin, Sinn aus der Tiefe,

DER SPIEGEL

18/2005, 02. Mai 2005

11 Müller, Volker, An den Wurzeln der Eisenmanschen Stelen, Berliner Zeitung vom 31.03.2001

6


dass der ,,Ort der Information" als ,,Portal" dient. Im sog. ,,Drehbuchentwurf" zur

Grundkonzeption der Stiftungsgeschäftsstel e wird die ,,konsequente inhaltliche Fokussierung

auf die Perspektive der Opfer" festgelegt, aber auch vorgeschlagen, ,,Täter und Zuschauer

im Hintergrund einzubeziehen".12

Zum Konzeptbereich ,Architektur und Kunstgeschichte′ wird verdeutlicht, dass der ,,Ort der

Information" ,,als neutraler Hintergrund für die Sprache der Dokumente" dienen sol . Eine

`reine′ Dokumentation ohne jeden Inszenierungscharakter kann und wird es al erdings nicht

geben. Zu empfehlen sei eine möglichst zurückhaltende Art der Gestaltung. Eine

,,Gefühlsüberwältigung" und die ,,Nähe zu sakraler Architektur" werden abgelehnt.13

Zum Konzeptbereich, ,Geschichte und historische Konzeption′ werden drei ,,Kernelemente

vorgeschlagen:

Darstel ung der ermordeten Juden selbst, d.h. ihres Lebens vor dem Zweiten

Weltkrieg, ihres Leidens und Sterbens während der Kriegsjahre sowie ­ im Fal des

Überlebens ­ ihres Umgangs mit der Erinnerung

Veranschaulichung der europäischen Dimension des Judenmords

Einbeziehung der nationalsozialistischen Politik und der deutschen

Tätergesel schaft

Durch den dritten Aspekt sei es möglich, die Verfolgung und Ermordung nichtjüdischer

Gruppen ebenfal s in den Blick zu bringen."14

Der Historiker Eberhard Jäckel stimmt als Kommentator weitgehend zu, wil die Präsentation

der Opfernamen im Sinne einer symbolischen, virtuel en Grabinschrift aber aufgewertet

sehen. Dieser Gedanke wird vom von Jäckel mitbegründete Förderkreis seit den Anfängen

des Projekts verfolgt, immer mit dem Hinweis auf Yad Vashem als Vorbild.

Das Kuratorium entscheidet, die Namenssammlung in den ,,Ort der Information"

aufzunehmen; sie sol jedoch nicht sein al einiges Zentrum bilden.

Im Konzeptbereich ,Rezeption und Vermittlung′ wird der Stel enwert des ,,Orts der

Information" für die deutsche Erinnerungslandschaft beschrieben. Die Autoren würdigen die

dezentrale Erinnerungskultur und hoffen, dass das Denkmal für die ermordeten Juden

Europas die Gedenkstätten an den historischen Orten eher stärken als schwächen wird. Der

,,Ort der Information" sol zu keiner ,,Theologisierung des Holocaust" führen, sondern als

,,Denkstätte" wirken, als ,,Ort der Artikulation und Präzisierung von Fragen". Die Besucher

und ihre mitgebrachten ,,Imaginationen" seien ernst zu nehmen.

,,So lückenhaft das Wissen um den Holocaust bei großen Teilen der potentiel en Besucher

sein mag, so sicher kann davon ausgegangen werden, dass die Besucher schon eine

Geschichte der Auseinandersetzung mit dem Holocaust mitbringen." Deshalb sei es sinnvoll,

im Sinne einer ,,flexibilisierten Formen der Informationsvermittlung" einen der vier Räume für

Wechselausstel ungen zu nutzen, ,,um auf veränderte Orientierungsbedürfnisse der

Besucher reagieren zu können".15 Im Kuratorium rechnet man damit, dass jährlich von

300000 bis zu einer Mil ion Besucher kommen.

12 Kirsch, Jan-Holger, Architektur und historisches Konzept, in: Quack, Sibylle (Hrsg.): Auf dem Weg

zur Realisierung. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Ort der Information.

Stuttgart 2002.

13 Winfried Nerdinger, Architektur und Kunstgeschichte, in: Quack, Sibylle (Hrsg.): Auf dem Weg zur

Realisierung. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Ort der Information,

Stuttgart 2002, S. 67

14 Ulrich Herbert, Geschichte und historische Konzeption, in: Quack, Sibylle (Hrsg.): Auf dem Weg zur

Realisierung. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Ort der Information,

Stuttgart 2002, S. 78ff

15 Peter Steinbach / Reinhard Rürup, Rezeption und Vermittlung, in: Quack, Sibylle (Hrsg.): Auf dem

Weg zur Realisierung. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Ort der Information,

Stuttgart 2002, S. 122ff

7


4.2.

Die Einbindung in den Mahnmal-Entwurf des Architekten Peter Eisenman

,,Wenn die Treppe hinab nicht so breit wäre, könnte man meinen, es ginge in eine Gruft aus

Beton. Links und rechts ragen die Stelen des neuen Mahnmals auf. Um die Aura des Feldes

als einem "symbolischen Friedhof" für die ermordeten sechs Mil ionen Juden Europas nicht

zu stören, wurde der "Ort der Information" in den Untergrund verlegt. Das, was oben an

Erklärung fehlt, sol unten nachgeliefert werden."16

,,Wie der Bundestagspräsident und Kuratoriumsvorsitzende Wolfgang Thierse erläuterte,

war eine unverwechselbare Informationsstätte gefordert, die die Eisenmansche Ästhetik

nicht nur nicht stört, sondern sich unaufdringlich in deren Dienst stel t. Es sei nicht leicht

gewesen, jenen "kritischen Pfad" zu finden, der zwischen den inhaltlichen Vorgaben der

beauftragten Historiker einerseits und den strengen architektonischen Strukturen Eisenmans

andererseits vermittelt, fügte der im Kuratorium mitwirkende Architekt Salomon Korn an.

Dagmar von Wilcken ,,... fächert Peter Eisenmans Grundeinfal auf, das Stelenfeld unter der

Erde fortzusetzen."17

Für die Ausstel ungsmacher war die Verbindung der «außergewöhnlichen Architektur» des

Denkmals und der «schwierigen Inhalte» eine besondere Herausforderung, wie Dagmar von

Wilcken am Freitag bei der Vorstel ung des Konzepts sagte."18 ,,Ich glaube, das Besondere

ist die Ergänzung von dem Denkmal mit dem Informationsort - das ist schon in dieser Form

einmalig. Mir lag es am Herzen, den "Ort der Information" mit der Architektur des Denkmals

korrespondieren und eine Einheit entstehen zu lassen."19

,,Die Spannung zwischen >oben< und >unten< besteht darin, dass das Denkmal als

abstraktes Kunstwerk vom Besucher körperlich und emotional erfahren wird, während die

Ausstel ung die Zusammenhänge und Hintergründe des Holocaust darstel t. Dieser

Spannungsbogen kommt in der Ausstel ungsarchitektur zum Ausdruck."20

Auffäl ig und gewol t erscheint der Wechsel zwischen meditativer Wirkung und dargestel ter

Information in den vier eigentlichen Ausstel ungsräumen (siehe unten).

,,...während das historisch-didaktische Konzept ... grundsätzliche Zustimmung fand, stieß die

gestalterische Seite auf erhebliche Kritik. Die Ausstel ungsdesignerin Dagmar von Wilcken

hatte eine ,,Fortsetzung des Stelenfeldes in überdachter Form" entwickelt. Im Raum der Stil e

sol ten beleuchtete Bodenplatten die Breite und Länge der oberirdischen Stelen wieder

aufnehmen; im Raum der Schicksale sol ten Stelenelemente ,,wie Stalaktiten" von der Decke

hängen und als Informationsträger dienen; im Raum der Namen waren stelenförmige Pulte,

im Raum der Orte ähnlich abgemessene Sitzbänke vorgesehen".21 22

Als Kritiker plädiert Winfried Nerdinger dafür, zwischen dem oberirdischen und dem

unterirdischen Denkmalsteil eine entschiedene Trennung vorzunehmen. ,,Beim steinernen

Grab- und Denkmalfeld mag eine gewisse Assoziationsbreite angemessen sein, aber an

einem ,,Ort der Information", wo das konkrete Leid vermittelt und erfahrbar werden sol , sind

16 N.N., Den Opfern ein Gesicht geben, Bönningheimer Zeitung vom 11.05.2005

17 Müller, Volker, An den Wurzeln der Eisenmanschen Stelen, Berliner Zeitung vom 31.03.2001

18 ddp Berlin, Meldung vom 06.05.2005: «Ort der Information» vorgestellt, unter:

http://www.freiepresse.de/TEXTE/NACHRICHTEN/KULTUR/TEXTE/220431.html, Berlin, 06.05.2005

19 von Wilcken, Dagmar, Ein Ausschnitt des Leids, Interview in ,,Die Tageszeitung", Berlin 03.05.05

20 von Wilcken, Dagmar, Den Opfern ein Gesicht geben. Das gestalterische Konzept der

Ausstellung, in: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Hrsg.), Materialien zum Denkmal

für die ermordeten Juden Europas, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin, 2005, S. 45

21 Vgl. Endlich, Stefanie, Die Stele als Design-Prinzip, in: kunststadt stadtkunst 48 (2001), S. 11

22 Kirsch, Jan-Holger, Architektur und historisches Konzept, in: Quack, Sibylle (Hrsg.): Auf dem Weg

zur Realisierung. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Ort der Information.

Stuttgart 2002, S. 81ff

8


weder Undeutlichkeit noch Mehrdeutigkeit, sondern Rationalität und Aufklärung angebracht.

Natürlich muss eine architektonische Vermittlung zwischen Gedenkfeld und ,,Ort der

Information" stattfinden, aber ich halte eine Durchdringung für falsch, denn dadurch würden

auch zwei völlig verschiedene Formen des Gedenkens vermengt und gegenseitig

beeinträchtigt. Wird das `Stelenfeld′ in die Tiefe `durchgedrückt′ oder gar fortgesetzt, entsteht

fast zwangsläufig die Assoziation eines Hinabsteigens zu den Gräbern und dann ist natürlich

die fatale Assoziation zu Gruft, Krypta und Reliquien nicht mehr weit."23

5.

Die Räume des ,,Ortes der Information"

5.1.

Der Grundriss

Der Grundriss zeigt folgende Flächenaufteilungen: 778 m² Ausstel ungsräume, 106 m²

Vortragsräume, 46 m² Buchladen.


5.2.

Allgemeine Informationen

Öffnungszeiten:

täglich von 10 bis 20 Uhr, letzter Einlass um 19.30 Uhr

Geschlossen ist jeweils vom 24. bis 26. Dezember, am 31. Dezember und am 1. Januar.

Service:

Die Mahnmalstiftung bietet Gruppenführungen ab 15 oder 20 Teilnehmern an. Kosten: 30

Euro für 90 Minuten; 40 Euro für 180 Minuten. Führungen sind auf Deutsch, Englisch,

Polnisch, Russisch, Französisch, Italienisch, Hebräisch und in Gebärdensprache.

Buchungen:

unter der Telefonnummer 030-74072929.

Ein Katalog zum Mahnmal kostet im ,,Ort der Information" 9,90 , im Buchhandel 24,90 .24

5.3.

Strukturelle und organisatorische Gesamtübersicht

Nach von Wilckens Vorschlag gliedert sich der "Ort der Information" in ein Foyer und vier

150 Quadratmeter große Räume, in denen Konturen und Strukturen des überirdischen

Denkmals fortgeschrieben werden."25

,,Die vier unterirdischen Räume wirken zurückhaltend, nüchtern, und in ihrer sachlichen

Ästhetik bescheiden...Das Maß und der Schnitt der Räume war von Eisenman vorgegeben",

sagt Frau von Wilcken, die mit ihrem Konzept der Ausstel ungsgestaltung den Förderkreis

Denkmal für die ermordeten Juden Europas überzeugte. Eisenman habe die Beton-

Kassettendecken entworfen, in der jede Kassette in Größe und Form der darüber

23 Nerdinger, Winfried, Architektur und Kunstgeschichte, in Quack, Sibylle (Hrsg.): Auf dem Weg zur

Realisierung. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Ort der Information,

Stuttgart 2002, S. 49ff

24 Aus: Besucherservice der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Flyer, Berlin, 2005

25 Gundlach, Sabine, Bescheidene Sachlichkeit im "Ort der Information", Ressort Berlin, Berliner

Morgenpost vom 01.05.2005

9


positionierten Stele entspreche." Von Wilcken lässt in ihrer Gestaltung die von Historikern

erarbeiteten Ausstel ung mit Eisenmans Stelen korrespondieren. "Ich wol te eine Einheit

zwischen dem Denkmal und der Exposition schaffen", begründet die Designerin, daß auch

die einzelnen Ausstel ungsflächen in ihrer Form den darüber liegenden Betonquadern

entsprechen."26

,,Die tägliche Besucherzahl der Ausstel ung wird auf etwa 3.000 Personen geschätzt;

angesichts der vorgesehenen Fläche von etwa 800 Quadratmeter sei dieser Andrang nur bei

sehr kurzer Verweildauer und entsprechend komprimierten Informationsangeboten zu

bewältigen. Für das heterogene Publikum aus Deutschen und Ausländern, alten und jungen

Menschen müsse das Material gleichermaßen

verständlich sein."27

5.4.

Die Foyers

,,Der Zugang zur Ausstel ung ist im Stein-

Labyrinth nicht sofort zu finden. Das ist

gewol t. Jeder sol erst mal die Beklemmung

zwischen den Stelen erfahren."28

Im Eingangsfoyer (Foyer 1 und 2) erzählt ein Text- und Bildfries die Geschichte des

Holocaust und die Eskalation des Verbrechens. Sechs große Porträts von Opfern an der

Stirnwand, vom Kind bis zum Greis, jeweils versehen mit Namen und biografischen

Kurzdaten, sol en die sechs Millionen getöteten Juden symbolisieren.

Das Ausgangsfoyer präsentiert sich, im Gegensatz zur vorwiegenden schwarz-weiß

Gestaltung der vier Ausstel ungsräume, in intensiven Farben und sol ,,den Bezug zur

Gegenwart" verdeutlichen. Hier wird auch anderer Opfergruppen gedacht und auf andere

Gedenkstätten verwiesen. (Foyer 3 und 4). Auch Forschungseinrichtungen in Berlin,

Deutschland und ganz Europa werden genannt. Hier stehen auch über Terminals die

Datenbank der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem mit drei Mil ionen Einträgen für

Interessierte zur Verfügung.

Zwei Seminarräume und ein sog. Bookshop ergänzen den unterirdischen Trakt. In einem der

Seminarräume sol eine große Auswahl von Porträts Überlebender zugänglich gemacht

werden. Durch eine Kooperation mit dem Fortunoff-Video-Archiv der Yale- Universität (USA)

gelang es, umfangreiche Interviewdokumente nach Berlin zu holen, von denen die ersten

bereits Ende der siebziger Jahre entstanden. Das Besondere dieses Archivs besteht in

seinem systematischen Stichwortverzeichnis, in dem sämtliche Videos nach Themen, Orten

und Namen katalogisiert sind. So können Besucher des Holocaust-Mahnmals ihre eigene

Familiengeschichte recherchieren oder Schüler einen ganz besonderen Geschichtsunterricht

erleben

26 ebd.

27 Kirsch, Jan-Holger, Architektur und historisches Konzept, in Quack, Sibylle (Hrsg.): Auf dem Weg

zur Realisierung. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Ort der Information,

Stuttgart 2002, S. 87f

28 Gärtner, Peter, Raum für einzelne Schicksale,

Bremer Tageszeitung

vom 30.05.2005

10


5.5.

Der ,,Raum der Stille" (Raum 1)

Im

,,Raum

der

Stil e"

sol

das

gesamteuropäische

Ausmaß

des

Holocaust aufgezeigt werden.

Ein Schriftenfries an den hel grauen

Wänden erwähnt die 20 europäischen

Länder in denen die Vernichtung der

Juden betrieben wurde und benennt die

jeweiligen Opferzahlen, z.B. zwischen

76100 und 77100 Juden aus Frankreich,

zwischen 270 000 und 300 000 aus

Ungarn, ,,Polen 2 900 000 bis 3 100 000",

,,Rumänien 210 000 bis 215 000",

,,Österreich 60 000 bis 70 000". Und so weiter. Muss man mehr wissen, um berührt zu sein?

Wer mehr wissen wil , kann die in den Boden eingelassenen Leuchttafeln lesen und wird

schnel merken, dass dies nur in gebückter Haltung möglich ist.29

Bis auf drei massive, quaderförmige Bänke, positioniert in der gedachten Fortführungslinie

der oberirdischen Stelen, ist der Raum leer.

Die 15 von unten beleuchtete Glasplatten im Boden des Raumes erscheinen in Größe,

Fläche und Positionierung ebenfal s als Grundrisse der oberirdischen Stelen. Die

Glasflächen sind Lichtquel en für den Raum und informative Texttafeln zugleich.

Die Glasflächen erleuchten exemplarisch, quasi als Schlaglichter, die Dimensionen des

persönlichen Leidens der Opfer, die hier mit Zitaten aus Tagebüchern oder Briefen zu Wort

kommen.

Diese letzten Erinnerungen jüdischer Männer und Frauen, ,,die in großer Not entstandenen

Briefe oder Tagebuchnotizen sind in den Boden eingelassen. Zum Beispiel: "Lieber Vater.

Vor dem Tod nehme ich Abschied von dir. Wir möchten so gern leben, doch man lässt uns

nicht. Wir werden umkommen", ist von der zwölfjährigen Judith Wischnjatskaja zu lesen.

Eine Frau mit Vornamen Fela aus dem polnischen Kutno schreibt am 27. Januar 1942: "Ich

habe keine Lebenskraft mehr. Das Gemetzel geht weiter. Ich grüße euch herzlich."30 Oder:

"Ich sitze auf meinem Rucksack mitten in einem vol en Güterwaggon" steht auf der Postkarte

von Etty Hil esum, die die 29jährige bei ihrer Deportation nach Auschwitz am 7. September

1943 aus dem Zug warf.31

"Durch die äußerlich distanzierte und eher nüchterne Form können die Inhalte stärker

wirken", sagt Dagmar von Wilcken.32 Der lesende Blick nach unten ist von der

Ausstel ungsgestalterin beabsichtigt. Diese Haltung ,,erlaubt...auch einen reflektierenden

Blick nach innen."33 Der ,,Raum der Stil e" ist bewusst als Raum mit ,,kontemplativer

Atmosphäre" inszeniert.34

,,Weil die Opfer hier persönlich zu Wort kommen, würde ich es als Diffamierung empfinden,

wenn hier etwa ein Zitat beschmiert würde. Das Personal, das hier unten im "Ort der

Information" tätig ist, wird genau diesbezüglich geschult, um darauf zu reagieren und zu

deeskalieren."35

29 Zimmermann, Monika, Treppab in das Reich der Toten,

Berliner Morgenpost

vom 10.05.2005

30 Emmerich, Marlies, Letzte Grüße an den Vater,

Berliner Zeitung

vom 10.05.2005

31 Gundlach, Sabine, Bescheidene Sachlichkeit im "Ort der Information", Ressort Berlin,

Berliner
Morgenpost

vom 01.05.2005

32 Müller, Volker, An den Wurzeln der Eisenmanschen Stelen,

Berliner Zeitung

vom 31.03.2001

33 von Wilcken, Dagmar, Den Opfern ein Gesicht geben. Das gestalterische Konzept der

Ausstellung, in: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Hrsg.), Materialien zum Denkmal

für die ermordeten Juden Europas, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin, 2005, S. 47

34 ebd., S. 46

35 von Wilcken, Dagmar, Ein Ausschnitt des Leids, Interview in ,,

Die Tageszeitung

", Berlin 03.05.05

11


5.6.

Der ,,Raum der Schicksale" (Raum 2)

"Die Informationen über die Opfer zu

personalisieren, ist eine wesentliche

Herangehensweise

im

,,Ort

der

Information"", sagt Dagmar von Wilcken.36

Im ,,Raum der Schicksale" wird an Hand

des Schicksals von 15 jüdischen Familien

aus europäischen Ländern über die

verschiedenen jüdischen Lebenswelten

ausführlich berichtet. Hier ,,wachsen

dunkle Ausstel ungsstelen von oben in

den Raum hinein und bieten Einblicke in

die Lebenswelten jüdischer Familien vor,

während und nach der Verfolgung."37

Diese ,,stalaktitisch "herabwachsende" Stelen sind die Ausstel ungsträger"38 Aus den

beleuchteten Öffnungen der durchbrochenen Kuben scheinen die Fotografien, Dokumente

und biografischen Daten der 15 Familien.

Zum Beispiel: ,,Die Mitglieder der Familie Aig aus der UdSSR werden fast al e bei

Massenerschießungen im März 1942 ermordet. Der Sohn der polnischen Familie

Grossmann hat die Folgen der deutschen Besatzungspolitik in Fotos festgehalten. Als

einzige der Grossmanns überlebt die Schwester. Aus Nitra in den Karpaten stammt die

ermordete Familie Antman, Vater Adolf und Mutter Berta mit fünf Söhnen. In der Familie

Haberman aus Galizien stirbt die Mutter im Lager Belzec, Vater und Kinder werden interniert.

Kurz vor der Befreiung lässt der SS-Lagerkommandant Vater Haberman und den Sohn

Joseph erschießen."39 Gequälte oder ausgemergelte Menschen sieht man nur im

Kleinformat, denn ,,Wir wol ten keine voyeuristische Perspektive einnehmen, um die Opfer

nicht über den Tod hinaus zu entwürdigen"40 sagt die an der Planung beteiligte

Museumspädagogin Fischer.

Rechteckige Lichtfelder vor den Informationsstelen symbolisieren wiederum in Größe, Form

und Platzierung die oberirdischen Stelen.

36 Gundlach, Sabine, Bescheidene Sachlichkeit im "Ort der Information", Ressort Berlin, Berliner

Morgenpost vom 01.05.2005

37 Gundlach, Sabine, Bescheidene Sachlichkeit im "Ort der Information", Ressort Berlin, Berliner

Morgenpost vom 01.05.2005

38 Müller, Volker, An den Wurzeln der Eisenmanschen Stelen, Berliner Zeitung vom 31.03.2001

39 Emmerich, Marlies, Letzte Grüße an den Vater,

Berliner Zeitung

vom 10.05.2005

40 Fischer, Stefanie, in: Emmerich, Marlies, Letzte Grüße an den Vater,

Berliner Zeitung

vom

10.05.2005

12


5.7.

Der ,,Raum der Namen" (Raum 3)

Die Namen sagen aus, dass es sich hier um

Menschen, um Individuen handelt und nicht um

anonyme Zahlen. Sechs Mil ionen ist eine

abstrakte Zahl. In dem Moment, in dem einzelne

Individuen mit ihren Namen und kurzen

Lebensdaten - also Alter, Beruf, Familienstand,

Todesumstände - erwähnt werden, heben sich

die Menschen aus der anonymen Masse

heraus. Wenn man dann noch mitbekommt,

dass jedes vierte Opfer ein Kind war, dann,

denke ich, wird es schon seine Wirkung haben...

Formal äußerst reduziert, in der Wirkung jedoch

besonders eindringlich...zur Zeit werden die

Namen von 800 der bislang 3,5 Mil ionen in Yad Vashem erfaßten Opfer auf die Wände

projiziert".41

Ein einziger Name wird jeweils, nur ergänzt durch Geburts- und Sterbedatum, auf die Wände

projiziert. Dazu wird in Deutsch und Englisch verlesen, gesprochen jeweils von Bürgern des

Landes, in dem sie zu Hause waren, was man von diesem Leben noch weiß.

Zum Beispiel: "Manfred Frank wurde am 12. November 1936 im westfälischen Weseke

geboren. Am 13. Dezember 1941 wurde Manfred ins Rigaer Getto deportiert. Die genauen

Todesumstände sind nicht bekannt. Manfred Frank wurde sechs Jahre alt."42

Minuten später erscheint der nächste Name. ,,Die Namen al er Opfer zu verlesen würde

sechs Jahre, sieben Monate und 27 Tage dauern. Bislang sind aber von rund sechs

Mil ionen Namen überhaupt erst 3,5 Millionen bekannt.

Beim Zuhören wird man sich dabei zwischen flachen Stelen bewegen oder auf ihnen sitzen

oder sie...auch als Computerpult vorfinden, an dem man zusätzliche biografische Daten

abrufen kann. 3,5 Millionen Namen sind erfasst, in zwei Jahren könnten es fünf Millionen

sein".43

5.8.

Der ,,Raum der Orte" (Raum 4)

Der "Raum der Orte" verdeutlicht die

geographische Dimension des Holocausts.

Hier werden 230 Konzentrations- und

Arbeitslager stel vertretend für Tausende

von Stätten des Schreckens dokumentiert.

"Wir zeigen hier auch die vielen kleinen Orte der Erschießungen", erläutert Frau von

Wilcken."44

,,Der «Raum der Orte» informiert mit historischem Film- und Fotomaterial über 200

europäische Stätten der Verfolgung und Vernichtung von Juden und anderen

Opfergruppen."45 Den sieben größten Vernichtungslagern und dem Massaker von Babij Jar

wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Über Audiostationen kommen Zeitzeugen zu

Wort. Der Besucher hört Berichte und Erinnerungen, die sich auf diese acht Orte beziehen.

41 Gundlach, Sabine, Bescheidene Sachlichkeit im "Ort der Information", Ressort Berlin, Berliner

Morgenpost vom 01.05.2005

42 Emmerich, Marlies, Letzte Grüße an den Vater,

Berliner Zeitung

vom 10.05.2005

43 Müller, Volker, An den Wurzeln der Eisenmanschen Stelen, Berliner Zeitung vom 31.03.2001

44 Gundlach, Sabine, Bescheidene Sachlichkeit im "Ort der Information", Ressort Berlin, Berliner

Morgenpost vom 01.05.2005

45 ddp Berlin, Meldung vom 06.05.2005: «Ort der Information» vorgestellt, unter:

http://www.freiepresse.de/TEXTE/NACHRICHTEN/KULTUR/TEXTE/220431.html, Berlin, 06.05.2005

13


Die Zuhörer können so in eine Art Dialog mit Zeitzeugen treten und gewinnen einen Eindruck

von den individuel en Erfahrungen der Opfer mit Gewalt und Tod.

6.

Didaktischer Kommentar

Die Fragestel ung ist für mich, ob das Holocaust-Mahnmal und hier vor al em der ,,Ort der

Information" helfen kann, schulische ,,Erziehung nach Auschwitz" 46 angemessen und

überzeugend zu gestalten.

In den Rahmenrichtlinien für die Schule für Lernhilfe steht unter

Themenbereiche der
Schuljahrgänge 7 ­ 9

,

Demokratie und Diktatur

,

Gewaltherrschaft und Krieg

:

,,Die Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus zeigt den Schülerinnen und

Schülern, daß die Errichtung einer Gewaltherrschaft Auswirkungen auf al e Lebensbereiche

hat. Für die unterrichtliche Behandlung dieses Themenbereiches wird zunächst die Thematik

,,Kindheit und Jugend" herausgegriffen. Diese Beschränkung ermöglicht durch den Vergleich

mit vertrauten Lebensbedingungen eine besondere Betroffenheit der Schülerinnen und

Schüler (Unterstreichung durch Verf.) herzustel en...Durch die Auseinandersetzung mit der

Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung jüdischer Kinder und Jugendlicher sol en mögliche

Folgen von Diskriminierung bewußt werden."47

Als Inhalte im Mindestkanon sind vorgeschrieben:

Gleichschaltung der Jugend

Verfolgung und Vernichtung jüdischer Kinder und Jugendlicher

Widerstand

Elend im Krieg

Gleichschaltung der Gesel schaft

Motive für den Widerstand

Formen des Widerstandes

Methoden der Massenbeeinflussung

In den unterrichtlichen Hinweisen zum Inhalt

Verfolgung und Vernichtung jüdischer Kinder
und Jugendlicher

heißt es weiter:

,,Schilderung der fortschreitenden Diskriminierung jüdischer Schülerinnen und Schüler im

Al tag

Berichte über das Leben im Ghetto und im Konzentrationslager

Besuch eines Museums, eines Mahnmals, eines Konzentrationslagers in der Umgebung

Gespräche mit Zeitzeugen

Jugendbuchlektüre, Film- und Bildmaterial" 48

Als sog. ,,Zeitrichtwert" für den gesamten Themenbereich

Gewaltherrschaft und Krieg

sind 12

Unterrichtsstunden ausgewiesen 49. (Genau so viel wie für den Themenbereich

Die
industrielle Revolution und ihre Folgen

)

Ich hoffe nicht, dass viele Lehrerinnen und Lehrer immer noch so arbeiten, wie es die

Rahmenrichtlinien fordern: in einer Art ,,Betroffenheitspädagogik".

Der Leiter der Pädagogischen Dienste an der Internationalen Begegnungsstätte im

ehemaligen Konzentrationslager Ravensbrück Matthias Heyl hat andere Erfahrungen mit der

schulischen

Bearbeitung

des

Themas:

46 Adorno, Theodor, W., Erziehung nach Auschwitz, in: Abram, Ido, Holocaust, Erziehung und

Unterricht, Amsterdam, 1998, S. 2

47 Niedersächsisches Kultusministerium, Rahmenrichtlinien für die Schule für Lernhilfe,

Geschichte/Sozialkunde, Schroedel, Hannover, 1995, S. 75

48 ebd., S. 75

49 Niedersächsisches Kultusministerium, Rahmenrichtlinien für die Schule für Lernhilfe,

Geschichte/Sozialkunde, Schroedel, Hannover, 1995, S. 18

14


Lehrkräfte messen den Erfolg ,,...ihrer Arbeit in den Tränen der Jugendlichen. Manche

erwarten, dass eine doppelstündige sonderpädagogische Maßnahme gepaart mit einer

gedenkstättenpädagogischen

Marienerscheinung

aus

extrem

fremdenfeindlichen

kurzhaarigen Jungens gute, weltoffene Demokraten macht. Jugendliche sperren sich gegen

derlei Formen einer "Choreographie" ihrer Emotionen...50

Die Kritik an dieser Betroffenheitspädagogik ist angemessen und überfäl ig.

Es gibt auch ,,die Geschichte von den Berliner Jugendlichen, die vor drei Jahren von ihrem

Lehrer in die Holocaust-Ausstel ung im Deutschen Historischen Museum geschleppt werden

- und beim Anblick des Model s der Gaskammern von Auschwitz klatschen. Es gibt den

Bericht eines Lehrers in der Hauptstadt, der seinen Schülern den Film "Schindlers Liste" auf

Video vorspielte - und geschockt feststel en musste, dass manche den KZ-Chef bei weitem

tol er fanden als die KZ-Insassen, die er abknal te. Und da ist schließlich das Erlebnis einer

Pädagogin, die von einem rechten jugendlichen Berliner erzählt, der zur Gedenkstätte

Auschwitz reisen durfte, intensiven Kontakt zu einem Holocaust-Überlebenden bekam - und

dennoch weiter in seiner rechten Clique den Judenmord insgesamt für richtig erklärte und

al e Juden bis auf den einen verachtete...Was bringt die so genannte Holocaust-Erziehung?

...Offenbar manchmal wenig bis nichts - und gegen Antisemitismus, darin sind sich die

Experten weitgehend einig, immunisiert sie oft nicht." 51

Dabei ist m.E. die Geschichtsdidaktik wesentlich weiter als es die Rahmenrichtlinien

vermuten lassen!

Die elementaren Kernpunkte basieren auf dem berühmten Aufsatz von Theodor Adorno von

1966:

Erziehung nach Auschwitz

.

Ido Abram folgert weiter, die Erziehung nach Auschwitz sei zweierlei, einmal die

unterrichtliche Arbeit über den Holocaust und zum zweiten, die Erziehung von Kindern und

Jugendlichen im al gemeinen.52

Erreicht der ,,Ort der Information" seine vorrangige ,,Zielgruppe": Jugendliche und junge

Erwachsene, die in der 3. Nach-Holocaust-Generation in einer ,,vielkulturel en" Gesel schaft

leben? Erreicht der ,,Ort der Information" migrantische Jugendliche, deren Familien selbst

eine große Leidenserfahrung erlebt haben? Häufig ,,können diese gar nicht anders, als das

eigene Erleben mit dem Holocaust zu vergleichen. Dies tun sie al erdings meist nicht, um

den Holocaust zu relativieren, sondern, weil sie auch mit ihrer Geschichte wahrgenommen

werden wol en."53

Abram schildert Auschwitz als Barbarei und Barbarei sei ,,das Ergebnis des Fehlens von

Liebe und Wärme...das Unvermögen, sich in jemanden anderes und in andere Situationen

hineinzuversetzen...Barbarei ist das Unvermögen zur Empathie"54

Abram fordert weiter, ,,um den Holocaust zu verstehen, müssen sich Jugendliche in al e

hineinversetzen: sowohl in die Täter, als auch in die Opfer und die Zuschauer...keinem Kind

ist eine dieser Rol en fremd."55

Das Ausstel ungskonzept des ,,Ortes der Information" stützt m.E. nachdrücklich durch

konsequente Individualisierung und Personalisierung des Holocaust den Gedanken der

Empathieanbahnung und ­unterstützung.

50 Heyl, Matthias, Erziehung nach Auschwitz, Interview mit www.arte-tv.com/de/geschichte-

gesel schaft/Holocaust/750016,CmC=753926.html

51 Gessler, Philipp, Weil Fahrten nach Auschwitz wenig bringen, taz Berlin lokal vom 9.3.2005

52 Abram, Ido, Holocaust, Erziehung und Unterricht, Vortrag anlässlich der Gründung der

Forschungs- und Arbeitsstel e (FAS) ,,Erziehung nach/über Auschwitz", Amsterdam, 1998, S. 1

53 Rafael, Simone, Versagt die Schule bei der Arbeit gegen Judenhass?, in: mut-gegen-rechte-

gewalt.de, 19.05.2004, S. 4

54 Abram, Ido, Holocaust, Erziehung und Unterricht, Vortrag anlässlich der Gründung der

Forschungs- und Arbeitsstel e (FAS) ,,Erziehung nach/über Auschwitz", Amsterdam, 1998, S. 1

55 ebd., S. 2/3

15


Der ,Raum der Stil e′, der ,Raum der Namen′ und der ,Raum der Schicksale′ konzentrieren

sich ganz und gar auf die Personalisierung der Opfer, ohne sie in herabwürdigenden

Tötungsposen darzustel en (s.o.).

Bilder und Texte sprechen in der reduzierten Formensprache der Ausstel ung für sich. Selbst

das individuelle Vorlesen der Opfernamen durch jeweils verschiedenen Vorleserstimmen

fördert den Eindruck von Individualität, selbst bei der fast monotonen Verlesung von Namen

und Kurzbiografien.

Im ,Raum der Orte′ schildern Überlebende ihre subjektiven Erfahrungen und Eindrücke aus

den jeweiligen Vernichtungszentren. Die sog. Audiostationen sind so konstruiert, dass der

Besucher in ein fast ,,intimes" Zwiegespräch mit den Zeitzeugen treten kann. Wer sich auf die

Audiostationen einlässt und zuhören kann, ist unmittelbar und direkt mit dem Holocaust

beschäftigt.

Die Empathie, das Hineinversetzen in die Täter und Zuschauer, die unersetzliche und nicht

abzulösende Frage nach dem ,Wie ist ein Mensch, wie wird ein Mensch, dass er Menschen

so etwas antun kann′, (,,weder Eichmann noch jemand anderes wurden in SS-Uniform

geboren"56), dieser berechtigten Forderung Abrams wird der ,,Ort der Information" m.E. nur

andeutungsweise im Eingangsfoyer gerecht, in dem insgesamt die Eskalation der

Verbrechen, die Geschichte des Holocaust dargestel t wird.

Demnach unterstützt der ,,Ort der Information" nicht ,,die Einsicht in Mechanismen und

Umstände, die Menschen zu Aggressoren und Mördern machen..."57

Das Mahnmal ist ein Mahnmal für die ermordeten Juden Europas und der ,,Ort der

Information" fügt sich dieser Funktion. Die Informationen über eskalierende oder eruptive

Biografien von Tätern und Zuschauern fehlen.

Bei der offiziel en Eröffnung des Mahnmals kritisierte Paul Spiegel, Vorsitzender des

Zentralrats der Juden in Deutschland, das Mahnmal und der ,,Ort der Information" ,,ehre zwar

die Opfer, verweise aber nicht auf die Täter: Die Täter und Mitläufer von einst und deren

heutige Gesinnungsgenossen müssen sich beim Besuch des Denkmals nicht unmittelbar

angesprochen fühlen."58

Neben der Schlüsselqualifikation zum Umgang mit dem Holocaust, der Empathie, gilt die

Förderung der kindlichen und jugendlichen Autonomie als weitere Basis.

Autonomie übersetzt Abram mit der ,,Fähigkeit zum Nachdenken, zur Selbstbestimmung,

zum Nonkonformismus".59 Kinder und Jugendliche sol en sich mit anderen Menschen

beschäftigen, andere Lebenssituationen reflektieren und bedenken; eigenen Hass und

Aggressionen nicht an anderen Menschen ausleben, sich selbst verwirklichen und nicht

ungefragt Mehrheitsmeinungen folgen.

Unterstützt der ,,Ort der Information" die Idee von der Autonomie? Wie autonom muss man

sein, um den ,,Ort der Information" zu besuchen.

Ausstel ungsdesign und -methodik sind m.E. auf eine besondere Art ,,anspruchsvol ".

Aus guter Rücksicht auf die Würde der Opfer wird bewusst auf eine mediale Überfrachtung

oder gar ,,Show" verzichtet.

Die Präsentation von Originaltexten und ­zitaten verlangt jedoch nicht nur die vielzitierte

sinnentnehmende Lesefertigkeit von jugendlichen Besuchern.

Die Frage stel t sich, ob die gut gelungene didaktische Reduktion von Bildern und Texten

ausreicht in diesen Zeiten medialer Abstumpfung und konsumorientierten Egoismen, in

Zeiten von internet-vernetzten Ego-Shootern?

56 Heyl, Matthias, Erziehung nach Auschwitz, Interview mit www.arte-tv.com/de/geschichte-

gesellschaft/Holocaust/750016,CmC=753926.html

57 Abram, Ido, Holocaust, Erziehung und Unterricht, Vortrag anlässlich der Gründung der

Forschungs- und Arbeitsstel e (FAS) ,,Erziehung nach/über Auschwitz", Amsterdam, 1998, S. 3

58 Weiland, Severin, 2711 Stelen gegen das Vergessen, in: http://www.spiegel.de/politik/

deutschland/0,1518,355437,00.html vom 12.05.05, S.3

59 Abram, Ido, Holocaust, Erziehung und Unterricht, Vortrag anlässlich der Gründung der

Forschungs- und Arbeitsstel e (FAS) ,,Erziehung nach/über Auschwitz", Amsterdam, 1998, S. 2

16


Wie (vor-)gebildet muss man sein, um den ,,Ort der Information" für sich zu nutzen?

Mit der Personalisierung der Opfer und Opfergeschichten, mit der exemplarischen

Darstel ung des Holocaust an einzelnen Leben, kann jeder Besucher unabhängig vom

Bildungsniveau eine universel e und sehr persönliche Botschaft mitnehmen.

Al erdings glaube ich mit Annegret Ehmann, dass Aufklärung und Information ein ,,Klima"

verändern bzw. beeinflussen kann. Nicht einen Einzelnen ändern.60

7.

Fazit

Der Besuch des Mahnmals

muss

verbunden sein mit einem Besuch des ,,Ortes der

Information".

Diese gelungene Ergänzung des Mahnmals ist genau das, was sein Titel verspricht: ein Ort,

an dem die Informationen zum Holocaust im direkten Kontakt zum oberirdischen,

architektonischen Mahnmal stehen und fast körperlich zu begreifen sind;

denn ,,ohne die historische Erinnerung...wird auf Dauer jedes abstrakte Denkmal seine

Wirkung als Zeichen gegen das Vergessen verlieren"61.

Und, ,,dass das Mahnmal nicht völ ig dem Grauen enthoben ist, an das es erinnern sol , ist

vor al em dem - nachträglich - eingefügten "Ort der Information" zu verdanken".62

Al erdings kann und darf der ,,Ort der Information" nicht als Ersatz für die o.g. erzieherischen

und inhaltlichen Arbeiten im schulischen Geschichtsunterricht dienen.

Er sol m.E. die kongeniale Ergänzung sein, denn

,,Wenn man aus dem ,,Ort der Information" wieder an die Oberfläche tritt

über eine andere Stiege, die wieder mitten hineinführt ins Stelenfeld,

dann hat sich dieses Stelenfeld verändert.

Das ist nicht mehr bloß Beton, der hier verbaut wurde.

Mit den Stelen treten Geschichten an die Oberfläche,

die zu erzählen längst überfäl ig waren." 63

60 vgl. Ehmann, Annegret, Erziehung nach Auschwitz" oder ,,Holocaust Education". Entwicklungen,

Möglichkeiten und Grenzen, in: polis 4/2001, S. 7-9

61 Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, Rede zur Eröffnung des Mahnmals, Berlin,

10.05.2005

62 Severin Weiland, 2711 Stelen gegen das Vergessen, www.spiegel.de/politik/deutschland/, v.

12.05.05, S. 2

63 Oliver Elser, Geschichten in Beton, in: Architektur: Profil.at 21/05 das online-magazin österreichs

17


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http://www.freiepresse.de/Texte/Nachrichten/Kultur/Texte/220431.html,

Besucherservice

der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Flyer,

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N.N.

, 16 Jahre Planung, in:

Die Welt

v. 10.05.2005

N.N.

, Den Opfern ein Gesicht geben,

Bönningheimer Zeitung

vom 11.05.2005

Titelfoto

aus: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Hrsg.), Materialien zum Denkmal

für die ermordeten Juden Europas, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin, 2005


alle übrigen Fotos
Lepkowski

, aus: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Hrsg.), Materialien

zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin,

2005

19



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