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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 23 Pages
Author: Daniel Koporcic
Subject: History - Didactics
Details
Institution/College: University of Dortmund (Historisches Institut)
Tags: Alternative, Lehrplanmodelle, Geschichtsunterricht, Standards, Geschichtsunterricht
Year: 2008
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 17 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-12088-8
File size: 358 KB
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Abstract
Wie kein anderes Schulfach unterliegt der Geschichtsunterricht (GU) der ständigen Frage nach seinem Nutzen für die Schüler. So bedurfte es einer Selbstverständnis-Debatte , um die gesellschaftliche Notwendigkeit der Geschichtswissenschaft – und des entsprechenden GUs – neu formulieren zu können. Die Kontroverse zwischen der „didaktischen Orthodoxie, die sich (sic!) unter dem Ruf ‚Die Inhalte allein sind wichtig’ auf Faktenlernen beharrt“ und jenen, die auf die „performance standards“ , also auf den Umgang mit historischem Faktenwissen setzen, ist allerdings noch im Gange. Die damit verbundene Diskussion um die Stofffülle beschäftigt die Lehre bereits seit den 1920er Jahren - bis heute. Damals wurden die Prioritäten des GU grundlegend ver-ändert. Statt „Kriegs- und Dynastiegeschichte (wurden) Kultur- und Wirtschaftsgeschichte“ stärker berücksichtigt. Dieses Postulat ist auch heute wirksam. In den 70er Jahren wurden weitere Differenzierungen entwickelt und fanden Eingang in die Didaktik: Genderforschung, Sozialwissenschaften, Soziologie, Sozialpsychologie, Volkskun-de, Biologie (Umweltfrage!) und weitere Disziplinen wurden für die Geschichtswissenschaft dienstbar gemacht. Kurzum: Alle für die Gegenwart relevanten wissenschaftliche Kate-gorien konnten nun mit ausdrücklichem Gegenwartsbezug auf die Geschichte angewandt wer-den. Umgekehrt hat diese Interdisziplinarität in der historischen Betrachtung die Geschichte auf die Gegenwart vielfach anwendbar gemacht.
Fulltext (computer-generated)
Technische Universität Dortmund
Fakultät 15 - Kulturwissenschaften
Historisches Institut
Schriftliche Hausarbeit
Alternative Lehrplanmodelle für den
Geschichtsunterricht
Hauptseminar: Standards im Geschichtsunterricht
Wintersemester 2006/07
Verfasser:
Daniel Koporcic
Studiengang: GHR/Ge
Studienfächer: Geschichte, kath. Theologie
Fachsemester: 8
1
Gliederung
0.
Einführung
S.
1
0.1.
Problemlage
S.
1
0.2.
Kriterien
S.
3
1.
Lehrplankonzept
nach
Gerhard
Schneider
S.
3
1.1.
Unterrichtsgegenstände
des
6., 7. und 8. Schuljahres
S. 3
1.2.
Unterrichtsgegenstände
des
9.
Schuljahres
S.
6
2.
Lehrplankonzept nach Bodo von Borries
S. 8
2.1.
Erster
fragmentarischer
Durchgang:
Geschichtliche Grundformen
S. 8
und
Grundverfahren
2.2.
Zweiter fragmentarischer Durchgang: Geschichtliche Umbrüche
S. 11
und
Durchbrüche
3.
Zusammenschau
S. 12
4.
Fazit
S. 15
5.
Literatur
S. 16
6.
Anhang S.
18
2
0. Einleitung
0.1. Problemlage
Wie kein anderes Schulfach unterliegt der Geschichtsunterricht (GU) der ständigen Frage
nach seinem Nutzen für die Schüler. So bedurfte es einer Selbstverständnis-Debatte1, um die
gesellschaftliche Notwendigkeit der Geschichtswissenschaft und des entsprechenden GUs
neu formulieren zu können.2
,,Geschichte tritt uns entgegen als ein auf Überreste und Tradition gestützter
Vorstellungskomplex von Vergangenheit, der durch das gegenwärtige
Selbstverständnis und durch Zukunftserwartungen strukturiert und gedeutet wird. Nur
in dieser Form haben wir Geschichte in unserer Vorstellung; sie ist eben nicht die reale
Vergangenheit selbst oder ihr Abbild, sondern ein Bewusstseinskonstrukt."3
Die Kontroverse zwischen der ,,didaktischen Orthodoxie, die sich (sic!) unter dem Ruf ,Die
Inhalte allein sind wichtig′ auf Faktenlernen beharrt"4 und jenen, die auf die ,,performance
standards"5, also auf den
Umgang
mit historischem Faktenwissen setzen, ist allerdings noch
im Gange.6 Die damit verbundene Diskussion um die Stofffülle beschäftigt die Lehre bereits
seit den 1920er Jahren7 - bis heute.8 Damals wurden die Prioritäten des GU grundlegend ver-
ändert. Statt ,,Kriegs- und Dynastiegeschichte (wurden) Kultur- und Wirtschaftsgeschichte"9
stärker berücksichtigt. Dieses Postulat ist auch heute wirksam.
In den 70er Jahren wurden weitere Differenzierungen entwickelt und fanden Eingang in die
Didaktik: Genderforschung, Sozialwissenschaften, Soziologie, Sozialpsychologie, Volkskun-
de, Biologie (Umweltfrage!) und weitere Disziplinen wurden für die Geschichtswissenschaft
dienstbar gemacht.10 Kurzum: Alle für die Gegenwart relevanten wissenschaftliche Kate-
gorien konnten nun mit ausdrücklichem Gegenwartsbezug auf die Geschichte angewandt wer-
1 Zur Debatte über den Theoriedefizit der Geschichtswissenschaft: Vgl. Pandel, H.-J., Geschichtsunterricht nach
PISA. Kompetenzen, Bildungsstandards und Kerncurricula, Schwalbach/Ts. 2005 S. 106, zit. nach: Kosellek, R.,
Über die Theoriebedürftigkeit der Geschichtswissenschaft (1972), in: Ders.: Zeitschichten, Frankfurt a. M. 2000,
S. 298 ff.
2 Vgl. z.B. Uffelmann, U., Problemorientierter Geschichtsunterricht und Inhaltsauswahl, in: Ders.: Das
Mittelalter im Historischen Unterricht, Düsseldorf 1978, S. 11 f.
3 Jeismann, K. E., Geschichtsbewusstsein als zentrale Kategorie des Geschichtsunterrichts, in: Niemitz, G. (Hg.),
Aktuelle Probleme der Geschichtsdidaktik, Stuttgart 1990, S. 49.
4 Pandel, Geschichtsunterricht nach PISA, S. 7.
5 Ebd., im Original kursiv, S. 6.
6 Zudem wurde das ideologisch so sensible Schulfach bis in die 1990er Jahre stark von politisch, in diesem Fall
antikommunistisch geprägten Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK) beeiflusst, was die Inhaltedebatte
zusätzlich erschwerte. Vgl. ebd., S. 108
7 Vgl. ebd., S. 105.
8 Vgl. Interview mit Siegfried Schneider, gegenwärtig bayrischer Kultusminister, betreffend der G8-Reformen:
,,Wir wollen den Stoff reduzieren", in: SZ-online vom 30.03.2008.
9 Ebd.
10 Vgl. z.B. Sauer, M., Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, Seelze 20065, S.
42 ff.
3
den.11 Umgekehrt hat diese Interdisziplinarität in der historischen Betrachtung die Geschichte
auf die Gegenwart vielfach anwendbar gemacht.
Aus den verschiedenen politischen und wissenschaftlichen Interessen, dem Methodenzuwachs
und der Frage, ob das oben dargestellte Geschichtsverständnis überhaupt öffentlich rezipiert
wird, ist zu entnehmen, dass
die
gesellschaftlich akzeptierte Form des GUs noch nicht gefun-
den worden ist. Gegenüber der in den Rahmenrichtlinien lange Zeit einfach nur gewachsenen
und bis heute nicht hinreichend abgebauten Stofffülle und den vielfältigen Zugangsmöglich-
keiten steht eine Stunde GU pro Woche zur Bewältigung all dessen zur Verfügung12. Aus
dieser Zwangslage entwickelte sich überhaupt erst das oben angedeutete neue Verständnis
von Geschichte.13 Ausgangspunkt für ein konzises Selbstverständnis (und die Existenzberech-
tigung) der Geschichtswissenschaft/-didaktik ist das Geschichtsbewusstsein, das eine genuine
,,Eigentümlichkeit und ein Wesensmerkmal des Menschen"14 ist. Geschichtsbewusstsein aber
bedeutet ,,Absage an ein objektivistisches Geschichtsverständnis"15. Geschichte ist immer
,,Ergebnis eines Rekonstruktionsvorganges"16. Sogar das Geschichtsbewusstsein an sich ist
ständiger (Re-)Konstruktion unterworfen, da es immer aus den Erfahrungen, Handlungsab-
sichten und (somit!) Vergangenheitsdeutungen der Gesellschaft und der in ihr lebenden Indi-
viduen erwächst.17 Diese Vorstellung von Geschichtsbewusstsein basiert auf dem Konstrukti-
vismus-Konzept, welches bei all seinen unterschiedlichen Modellen immerhin einen übergrei-
fenden Grundsatz aufweist: dass ,,Wirklichkeit (...) letztlich nichts anderes als eine Konstruk-
tion ist, die in den Köpfen von Menschen vor dem Hintergrund ihrer subjektiven Erfahrungs-
welt"18 entsteht.
Deshalb kann keinesfalls das alleinige ,,Thema" im Vordergrund des GUs bleiben. Ausgehend
von Völkels und Jeismanns Definitionen muss Geschichte als konstruiert begriffen werden.
Sie wird konstruiert von jedem einzelnen, der mit ihr in Berührung kommt. Darum muss die
subjektive Erfahrungswelt der Schüler neben das vermeintlich materielle ,,Thema" in den
Vordergrund gerückt werden.19
11 Vgl. ebd., S. 91 ff.
12 Vgl. Pandel, Geschichtsunterricht nach PISA, S. 106.
13 Vgl. ebd., S. 104f.
14 Ebd., S. 9.
15 Schönemann, B., Geschichtdidaktik, Geschichtskultur, Geschichtswissenschaft, in: Günther-Arndt, H. (Hg.),
Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin 2003, S. 12.
16 Ebd.
17 Vgl. ebd., S. 12 f.
18 Völkel, B., Wie kann man Geschichte lehren? Die Bedeutung des Konstruktivismus für die
Geschichtsdidaktik, Schwalbach/Ts. 2002, S.17.
19 Vgl. Handro, S., Art. ,Konstruktivismus′, S. 107f., in: Wörterbuch Geschichtsdidaktik, Mayer, U./Pandel, H.-
J./Schneider, G./Schönemann, B. (Hg.), Schwalbach/Ts. 2006.
4
Das sind die m. E. elementaren didaktischen Probleme des gegenwärtigen GUs. Nach der
Darstellung der Problemlage muss erörtert werden, welchen Niederschlag diese Probleme in
den neueren alternativen Richtlinien-Modellen gefunden haben. Die Kriterien, die ich auf die
zu untersuchenden Curricula anwenden werde, lauten:
0.2. Kriterien:
I.
Wird die Nützlichkeit eines eigenständigen Fachs ,Geschichte′ ersichtlich?
I.I.
gesellschaftlich20
I.II.
individuell
II.
Anspruch auf Interdisziplinarität als Relevanz für die Gegenwart
III.
Ist die Stoffauswahl und -menge sinnvoll zu bewältigen?
IV.
Wird die subjektive Erfahrungswelt der Schüler maßgeblich einbezogen?
Aus Gründen der Abgrenzung werde ich die Vorschläge von Gerhard Schneider (2000) und
Bodo von Borries (2001) untersuchen und vergleichen. Ein solcher Vergleich ist im bereits
zitierten Buch von Michael Sauer zu finden, aber in einer sehr knappen Darstellung, so dass
m. E. nicht alle wichtigen Vor- und Nacheile daraus ersichtlich werden können. In einer
darauffolgenden Zusammenschau werden die beiden Modelle hinsichtlich der oben heraus-
gestellten Kriterien in bündiger Form gegenüberzustellen. Daraus wird sich dann im
Wesentlichen das Fazit, die Einschätzung der Verwendbarkeit beider Lehrplanentwürfe also,
ergeben.
1. Lehrplankonzept
nach Gerhard Schneider
Gerhard Schneider schlägt einen zweigeteilten Lehrplan vor, ein eigenständiges und alternati-
ves Curriculum für die Schulklassen 6 bis 8 und ein hiervon weitgehend unabhängiges,
recht konventionelles ab der 9. Klasse.21
20 Auch wenn das individuelle Geschichtsbewusstsein/ Geschichtsbild mittlerweile, zumindest theoretisch, im
Vordergrund steht (Vgl. Berger, K., Rohrbach, R., Chance Geschichtsunterricht, Schwalbach/Ts. 2005, S. 21f.)
so ist und bleibt doch der GU gesellschaftlich notwendig.
21 Die vollständige Abbildung von Schneiders Lehrplanmodells: Vgl. 6. Anhang.
5
1.1. ,, Unterrichtsgegenstände des 6., 7. und 8. Schuljahres"22
Der erste Teil von Gerhard Schneiders Lehrplankonzept basiert auf ,,anthropologischen und
symbolischen Themen"23, also ,,menschlichen Grunderfahrungen"24. Mit diesem Ansatz sind
durch die Orientierung am Schülerinteresse (nämlich seinen Erfahrungen) einerseits und dem
darin impliziten Gegenwartsbezug didaktisch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er
bricht zudem völlig mit der vermeintlich zwingenden Logik der Chronologie (allerdings nur
in seiner Konzeption bis zur 9. Jahrgangsstufe!), wodurch sicherlich die thematisch über-
füllten Rahmenrichtlinien25 entlastet werden können. Das liegt in der Natur der Sache, da die
menschlichen Grunderfahrungen, auf welche man sich auch immer einigen und wie auch
immer man sie benennen will, in ihrer Anzahl übersichtlich bleiben. Gelten hingegen die
einzelnen historischen Themeninhalte als Basis für eine Richtlinie, so muss diese irgendwann
regelrecht bersten, was auch der Fall ist. Dies liegt wiederum an der sich offensichtlich nur
träge vollziehenden Einigung über die zu streichenden Themen.26
In Schneiders Curriculum findet sich ein sehr starker Bezug zu den längst geforderten, aber
bestenfalls rudimentär angewandten alltagsgeschichtlichen Themen.27 Dieser ,,lebensweltliche
Bezug"28 zielt wesentlich auf das Schülerwissen ab, was zugleich ein motivatorischer Aspekt
ist.29 Die sich auf den ersten Blick vollziehende Nichteinbeziehung der Politikgeschichte
birgt, bei entsprechender Ausarbeitung des Unterrichtsstoffs, möglicherweise einen überaus
politischen Effekt in sich: Dem Vorwurf ,,eine(r) unpolitische(n) Hinwendung zur überschau-
baren und beschaulichen Lebenswelt, zum kleinen Ich"30, Vorschub zu leisten, setzt Gerhard
Schneider exemplarisch die politische Dimension des Themas ,,Wohnen" entgegen. Bei der
Vorbereitung dieses Unterrichtsgegenstandes zeige sich sehr schnell eine Vielzahl politischer
Implikationen:
,,Unterschiedliche Formen des Zusammenlebens und der Behausungen
(,,Wohnblöcke", ,,Eigenheim", ,,Ferienwohnung", ,,Siedlungshaus", ,,sozialer
Wohnungsbau")", was alles mit ,,unterschiedlichen ökonomischen Verhältnissen der
Menschen, dem Willen der Regierung, preiswerten Wohnraum für möglichst viele
Menschen zu schaffen(...)"31.
22 Schneider, G., Ein alternatives Curriculum für den Geschichtsunterricht in der Hauptschule. Ein Diskussions-
beitrag, in: GWU 51, 2000, H. 7/8, S. 412.
23 Ebd.
24 Sauer, M. Geschichte unterrichten, S. 50.
25 Vgl. Pandel, H.-J., Geschichtsunterricht nach PISA, S. 106.
26 Vgl. ebd.
27 Vgl., Schneider, G., Ein alternatives Curriculum, S. 411f.
28 Ebd., S. 412.
29 Vgl. ebd., S. 412f.
30 Ebd., S. 413.
31 Ebd., S. 414.
6
Ähnlich verhalte es sich mit dem Thema Essen, was bei einer Behandlung im GU kaum
unpolitisch bleiben könne.32 Politik wird also veranschaulicht als ein die konkrete Lebens-
wirklichkeit der Schüler darstellende und bestimmende Realität; dem Thema ,Politik′ wird
eine für die Schüler nachvollziehbare, konkrete Gestalt gegeben.33
Schneider sieht einen weiteren Vorteil seiner Lehrplankonzeption in der Ausbildung der das
Geschichtsbewusstsein konstituierenden historischen Doppelkategorien nach Pandel:
-
,,Zeitbewusstsein (früher - heute/morgen)34
-
Wirklichkeitsbewusstsein (real/historisch imaginär)
-
Historizitätsbewusstsein (statisch veränderlich)
-
Identitätsbewusstsein (wir ihr/sie)
-
politisches Bewusstsein (oben unten)
-
ökonomisch-soziales Bewusstsein (arm reich)
-
moralisches Bewusstsein (richtig falsch)"35
Die Zugrundelegung der menschlichen Grunderfahrungen hat zudem einen äußerst
interdisziplinären Charakter: mindestens mit den Sozialwissenschaften36, aber auch mit dem
Religionsunterricht37 können z.T. engste Verknüpfungen und Parallelen festgestellt werden.
An dieser Stelle setzt Michael Sauer allerdings auch zur Kritik an Schneiders Modell
an: Dieses lasse keinen Anspruch auf historischen Groborientierung erkennen, stattdessen
lauter Längsschnitte durch Themen, die überhaupt keine primär historischen Themen seien.38
Schneiders Ansatz binde somit den GU an andere Fächer an, wobei sich das genuin
Geschichtswissenschaftliche und -didaktische, will man Sauer folgen, ohne wirklichen
eigenen Beitrag darin aufzulösen drohe.
Diese Sichtweise teile ich nur bedingt: Auf die Missverständlichkeit der Themenauswahl und
vielmehr ihrer Bezeichnung weist Schneider hin, wenn er aussagt, ,,korrekterweise müssten
die Themenkomplexe(...) ,,Mein Heimatort früher und heute": ,, Kindheit früher und heute
32 Vgl. ebd.; Vgl. Ebenso zu den sogenannten "sozialen Totalphänomenen" (Marcel Maus), wie Wohnen oder
Essen etc. Mohrmann, R.-E., Wohnen und Wirtschaften, in: Brednich, R.-W., Grundriss der Volkskunde.
Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie, Berlin 20013, S. 133-153; Vgl. ebenso
Bourdieu, P., Die feinen Unterschiede, Frankfurt a. M. 1984, S. 104.
33 Damit löst Schneider seine vorab geäußerte Forderung nach ,,Konkretion" ein. Schneider, G., Ein alternatives
Curriculum, S.408.
34 Pandel plädiert mittlerweile für den Begriff des Temporalbewusstseins, da dieser Terminus besser
verdeutliche, dass nicht die Kenntnis von Etwas in der Zeit, sondern die ,,Fähigkeit, mit der Zeit als
Orientierungssystem umzugehen" gemeint sein soll. Vgl. Pandel, H.J., Geschichtsunterricht nach PISA, S. 10f.
35 Ebd., S. 413, zit. nach Pandel, H.-J., Dimensionen des Geschichtsbewusstseins, in: Geschichtsdidaktik 12,
1987, S. 132. Zu den historischen Kategorien vgl. ebenso Günther-Arndt, H., Historisches Lernen und
Wissenserwerb, in: Dies. (Hg.), Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II., S. 40ff..
36 Vgl. Sauer, M., Geschichte unterrichten, S. 50
37 Vgl. z.B. Neues Handbuch der religionspädagogischen Grundbegriffe, Bitter, G./Englert, R./Miller,
G./Nipkow, E. (Hg.), München 2002, Kap. II, III.
38 Vgl. Sauer, M., Geschichte unterrichten, S. 50.
7
etc."39 genannt werden. Es handele sich eben ,,nicht um sozialkundliche Themen (...), (statt-
dessen müsse) ,,bei
fast
allen Themen die historische Perspektive im Zentrum der Unterrichts-
beschäftigung stehen (...)."40 Hier stellt sich allerdings die Frage, weshalb im GU nur
fast
alle
Themen einer historischen Perspektive unterzogen werden sollen, wenn man unter einer
solchen Perspektive jenen mentalen Vorgang versteht, wie eingangs ztitiert.
Weiterhin fraglich erscheint mir, ob es bei einem solchen Curriculum, wie Schneider es
vorschlägt, überhaupt noch einer interdisziplinärer Kopplung zwischen GU und einigen seiner
,,Nachbarfächer" bedarf, oder ob man ihn dann nicht konsequenterweise direkt mindestens
mit der Sozialkunde und/oder dem Politikunterricht, ja möglicherweise sogar der Erdkunde
zusammenlegt. Die einzelnen geschichtlichen Themen dienen als beliebige Beispiele für
Lebenserfahrungen und umstände, die die Schüler betreffen. In dieser Form ist nicht nur un-
ersichtlich, weshalb man für die (unverfügbare) Vergangenheit ein eigenes Unterrichtsfach
organisieren und den Schülern überstülpen soll (anstelle der Darstellung anderer zeitgenös-
sischer Personen, Gesellschaften, Kulturkreise...), wo doch eine signifikante Kategorie der
Geschichtswissenschaft, nämlich die Chronologie (banal: was war wann und warum nicht
früher oder später?) nicht einmal in gröbsten Zügen den Schülern verfügbar bleibt.41 Ebenso
ist es fraglich, was für ein Geschichtsverständnis dabei herauskommen soll, wenn die vielen
einzelnen Themenkomplexe nebeneinander unverknüpft stehen bleiben, da eine historische
Einordnung
untereinander
anscheinend zweitrangig oder erlässlich ist.42
Als organisatorischer Rahmen dient diese Konzeption aufgrund der oben genannten Gründe
also nicht völlig, jedoch hätte Schneiders Lehrplankonzept schon allein als didaktische Matrix
bei der Vorbereitung von Unterrichtsreihen große Vorteile, da es aus durchaus relevanten
,,Bildungsgehalte(n)"43 besteht. Zudem hat Schneider seine Ausarbeitung weitestgehend so
zu formulieren verstanden, dass man sich als Lehrer begrifflich nicht zu weit von den
Schülern entfernt, sondern allein durch den Blick in den Lehrplan immer wieder durch die
elementar gehaltenen Formulierungen auf dem Boden gehalten wird.
,,1.2. Unterrichtsgegenstände des 9. Schuljahres"44
Nicht überzeugend wiederum ist die Konzeption des GUs im 9. Schuljahr. Hier soll ein
,,chronologischer Durchgang durch die Geschichte der Weimarer Republik, der NS-Zeit und
39 Schneider, G., Ein alternatives Curriculum, S. 410, Anm. 7.
40 Ebd., S. 410. Das Wort ,,fast" im Original nicht hervorgehoben.
41 Vgl. ebd., S. 408.
42 Schneider spricht von einer chronologischen Orientierung ,,innerhalb der einzelnen Themenkomplexe". Wie
die Komplexe jedoch zueinander organisiert werden könnten, erscheint ihm fakultativ. Vgl. ebd., S. 407.
43 Klafki, W., Studien zur Bildungstheorie und Didaktik, Weinheim 1963, S. 47.
44 Schneider, G., Ein alternatives Curriculum, S. 412.
8
der Zeit nach 1945 unter nationalen und globalen Gesichtspunkten"45 stattfinden. ,,Die Schü-
lerinnen und Schüler müssen (nämlich) selbstverständlich auch genaue Kenntnisse der unmit-
telbaren Vorgeschichte unserer Gegenwart haben, wenn sie in ihrem Alltag politisch sinnvolle
Entscheidungen treffen wollen"46 Durch diesen Punkt wird die für den GU konzeptionell be-
dauerlicherweise so typische Parallelisierung von ,,menschheitsgeschichtliche(r) Entwicklung
und (...) geistige(r) Entwicklung der Schülerinnen und Schüler"47 vorgenommen: Hier liegt
zwangsläufig eine ungleich detailliertere Betrachtung einiger Jahrzehnte vor, als dies bei den
zuvor thematisierten Jahrhunderten/Jahrtausenden der Fall sein kann. Das suggeriert unbe-
dingt größere Wichtigkeit und Komplexität der Ereignisse!48 Zudem behält Schneider genau
bei jenem Themenfeld die herkömmliche, strikt chronologische und politiklastige tour de
force der gegenwärtigen Lehrpläne bei, dem gegenüber ohnehin ein Überdruss vorherrscht.
An genau dieser Stelle sollte deshalb auch mehr didaktische Phantasie ins Spiel kommen.49
Zudem entkräftet Schneider hier seine m. E. einleuchtende Feststellung, dass die politische
Dimension in seinem Themenkanon immer inbegriffen sei. Für eine hinreichende
Politisierung der Themen des 20. Jahrhunderts (insbesondere der NS-Zeit) genügt dies
offenbar nicht. Ferner abstrahiert Schneider die Fähigkeit zu ,,politisch sinnvolle(n)
Entscheidungen"50 allein von diesem Jahrhundert. Wozu dann die politische Dimension bei
den anthropologischen und symbolischen Themen bloß zur spielerischen Vorbereitung auf
das bedeutungsschwangere und politisch eigentlich relevante 20. Jahrhundert?
Dass Schneider plötzlich von den Grundbedürfnissen auf die Staatengeschichte abhebt, ist
aus einem weiteren Grund irritierend: Der Eindruck wird erweckt, dass die
anthropologischen
und symbolischen Themen
einem für ernsthaften GU zu geringen kognitiven Entwicklungs-
stand der Schüler zugeordnet sind, wodurch Schneider den didaktischen Eigenwert seiner
Themen unnötig schmälert. Auch aus dieser Perspektive läuft es auf die Vorstellung heraus,
dass der richtige GU erst ab Klasse 9 erteilt wird/werden kann.
Schleierhaft ist auch Schneiders Anspruch, sein Curriculum eigne sich ausdrücklich (und
ausschließlich) für Hauptschulen. Sein Lehrplankonzept kann damit letztlich glauben machen,
dass Hauptschüler unterhalb der 9. Jahrgangsstufe nicht das erforderliche Geschichtsbewusst-
45 Ebd., S. 412.
46 Ebd., S. 411.
47 Sauer, M., Geschichte unterrichten, S. 47.
48 Gegen eine solche Vorstellung richtet sich Sauer zurecht. Vgl. ebd., S. 47f.
49 Vgl. z.B. Hoffmann, A., Junge Menschen begegnen Vergangenheit, in: Bevor Vergangenheit vergeht. Für
einen zeitgemäßen Politik- und Geschichtsunterricht über Nationalsozialismus und Rechtsextremismus, Schlag,
Th./Schermann, M. (Hg.), Schwalbach/Ts. 2005, 92ff.
50 Schneider, G., Ein alternatives Curriculum, S. 411.
9
sein51 (oder lediglich das Interesse) herauszubilden in der Lage sind, um GU im ,,traditio-
nellen" Sinne zu verstehen. Wie das gesamte Konzept, so macht auch diese strukturelle
Zweiteilung keinen erkennbarer schulformspezifischen Sinn. Dieser Anspruch lässt vermuten,
dass sein Lehrplan der didaktisch und bildungspolitisch gebeutelten Hauptschule gleichsam
ehrenhalber gewidmet ist, grundsätzlich aber allgemein anwendbar sein kann, oder auch
soll52.
Wie auch immer diese krasse Zweiteilung gemeint ist, sie bleibt erklärungsbedürftig, weil
missverständlich, nicht hinreichend ausgearbeitet und in sich nicht vollständig schlüssig.53
2. Lehrplankonzept nach Bodo von Borries
Der von Bodo von Borries vorgelegte Entwurf zur Neugestaltung des Curriculums im Fach
Geschichte behält den chronologischen Durchlauf in erheblich modifizierter Form - im GU
bei. Von Borries schlägt einen ,,doppelten und fragmentarischen Durchlauf"54 vor. Der
erste Durchlauf umfasst den GU von der 6. bis einschließlich der 8. Klasse, der zweite die
Klassen 9 und 10.55
2.1. Erster
fragmentarischer
Durchgang:
Geschichtliche Grunderfahrungen und Grund-
verfahren (6.-8. Klasse)56
Fragmentarisch ist der erste Durchgang, weil bestimmte Themenfelder - die geschichtlichen
Grunderfahrungen und Grundverfahren einzeln und mit merklichen thematischen Brüchen
zueinander behandelt werden. Sie stehen, anders als bei Schneider, in chronologischer
Reihenfolge57, sind aber in der Themensetzung durchaus und zugegebenerweise Schneiders
Gedanken nicht unähnlich.58 Auch von Borries geht in seiner Konzeption von ,,menschlichen
51 ,,Geschichtsbewusstsein ist Inbegriff der mentalen (emotionalen und kognitiven, unbewussten und bewussten)
Operationen, durch die die Erfahrung von Zeit im Medium der Erinnerung (im Original nicht fett gedruckt) zu
Orientierungen der Lebenspraxis verarbeitet werden." Rüsen, J., Historische Orientierung. Über die Arbeit des
Geschichtsbewusstseins, sich in der Zeit zurechtzufinden, Schwalbach/Ts. 20082, S. 14.
52 Vgl. Schneider, G., Ein alternatives Curriculum, S. 417.
53 Schneider sei jedoch zugute gehalten, dass er seinem ,,Diskussionsbeitrag" nicht den Stellenwert eines
vollständig ausgearbeiteten Konzepts beimisst.
54 v. Borries, B., Überlegungen zu einem doppelten - und fragmentarischen - Durchgang im Geschichts-
unterricht der Sekundarstufe I, in: GWU 52, 2001, H. 2, S.76.
55 Die vollständige Abbildung von Borries´ Lehrplanmodell: Vgl. 6. Anhang.
56 Ebd., S. 78.
57 Außer das erste Thema in Klasse 5 ,,Unser Ort hat sich verändert - die Geschichte unserer Familie beweist
es", ebd. S.79. Dies stellt sicherlich ein außerhalb des sonstigen Rahmens stehendes Einstiegsthema dar, was v.
Borries mit seinem ,,Sitz in der Lebenswelt" der Kinder rechtfertigt. Ebd.
58 Vgl. ebd., S. 76, Anm. 1.
10
Grunderfahrungen"59 als Unterrichtsgegenstand aus, systematisiert diese allerdings in einer
fragmentarischen Chronologie. So ist in seiner Ausführung beispielsweise das Thema
,,Völkergemisch und Massenzivilisation"60 der historischen Epoche ,römisches Kaiserreich′
beigeordnet. Das heißt aber nicht, dass diese historische Grunderfahrung zwingend an der ihr
exemplarisch zugeordneten Epoche gebunden bleiben muss. Die Austauschbarkeit der
Themen räumt von Borries ausdrücklich ein61, wie er auch die eigenen Mängel in der
Themenauswahl, bzw. -unterbringung benennt.62 Er belässt jedenfalls der zeitlichen
Aufeinanderfolge seinen für den GU bislang konstitutiven Charakter.63 Zugleich relativiert er
den zumindest latenten Anspruch des chronologischen Durchlaufs, historische Vollständigkeit
darstellen zu können.64 Mit der Offenkundigkeit der zutiefst fragmentarischen und selektiven
Gestalt des GU-Lehrplans und der Orientierung an Grunderfahrungen der Schüler kann auch,
wie in Schneiders Curriculumsentwurf, der GU erheblich von überflüssigen oder fakultativen
Themen entschlackt werden. Eine weitere Ähnlichkeit zum Konzept von Schneider ist die
Auflösung jener bereits zitierten Parallelisierung von geschichtlichen Entwicklungen und der
kognitiven Entwicklung der Schüler.65 Ebenfalls positiv ist sicherlich die beibehaltene histo-
rische Groborientierung, zudem eine verbesserte Möglichkeit zur Wiederholung wesentlicher
Sachverhalten im Rahmen des zweiten Durchgangs.66 Gerade weil eine Vertiefung bestim-
mter, im ersten Durchgang bereits gestreifter Themen unter Berücksichtigung und Operatio-
nalisierung weiterer und differenzierterer Aspekte stattfinden kann, wäre es dem ,Behalten′
von geschichtlichen Daten aber auch und vor allem dem Umgang mit ihnen in hohem Maße
förderlich.67
Auffällig am ersten Durchlauf ist, dass, um zwei prägnante Beispiele zu nennen, weder die
griechische Antike noch die Reformation thematisiert werden; letztere findet sich übrigens
auch im zweiten Durchgang nicht. Auch wenn von Borries die Notwendigkeit einer
Verbesserung seines Entwurfs bekennt, so fällt es mir dennoch schwer, derart zentrale
Themen, wie die beiden von mir genannten (besonders das letzte) auch aus einem noch so
59 Sauer, M., Geschichte unterrichten, S. 48.
60 v. Borries, B., Überlegungen, S. 80.
61 Vgl. ebd., S. 77; vgl. ebenso S. 79.
62 Ebd., S. 88.
63 Vgl. ebd. S. 76.
64 Vgl. ebd., Anm. 2.
65 Vgl. Sauer, M., Geschichte unterrichten, S. 47.
66 Vgl. v. Borries, B., Überlegungen, S. 77.
67 Vgl. zu ,,Wissenserwerb und Wissenskonstruktionen insbesondere des prozeduralen (=heuristischen) Wis-
sens: Günther-Arndt, H., Historisches Lernen und Wissenserwerb, in: Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für
die Sekundarstufe I und II, Günther-Arndt, H. (Hg.), Berlin 2003, S. 40ff.
11
fragmentarischen GU herauszunehmen. Problematisch ist auch das Fehlen von jedwedem
Längsschnitt68, womit ein wesentliches ,Grundverfahren′ außer Acht gelassen wird.
Michael Sauer moniert weiterhin, dass die von Borries′ angewandten Kriterien bisweilen
beliebig anmuten.69 Sauer zählt die von ihm ausgemachten Ebenen auf, nämlich ,,Schüler-
interesse, weltgeschichtliche Bedeutsamkeit, andere Kulturen (und) menschliche Grundstim-
mungen"70 und sieht kein klares Konzept, ,,an welcher Stelle welches Kriterium zum Tragen
kommt"71. Dem kann ich nur zum Teil zustimmen, auch wenn die didaktischen Rechtfer-
tigungen bei den einzelnen Themen sehr unterschiedlich gelagert sind und zumindest auf
den ersten Blick angesichts der Beziehungslosigkeit der Themenblöcke zueinander regel-
recht extemporiert erscheinen. So ist dennoch eine Tendenz gut sichtbar: je jünger die
Schüler, desto näher orientiert sich von Borries am individuellen Schülerinteresse, wodurch
vermutlich das von Sauer attestierte Defizit an ,,Politik- und Sozialgeschichte (Herrschaft,
politische Teilhabe, Sozialverhältnisse)"72 zustande kommt. Ab der 7. Klasse erhalten die
Unterrichtsinhalte fortlaufend einen normativeren Charakter, nicht mehr die gegebenen
Kinderbedürfnisse stehen im Vordergrund sondern die Relevanz liegt immer mehr im Thema
selbst. Dass Umweltgeschichte ein mittlerweile weithin anerkanntes Unterrichtsthema ist,
liegt auf der Hand. Auch mag das ein Thema sein, mit dem frühere Generationen im Rahmen
handlungsorientierten Unterrichts aufgrund eigener Verbundenheit zum Wald motiviert wer-
den konnten. Heute aber könne der Einwand erhoben werden, ,,dass die besondere (innige und
gefährliche) Beziehung der Deutschen zum Wald für die jüngere Generation (erstmals) gar
nicht mehr zutrifft (Ende der Wanderromantik)"73. Das Thema hat also trotz aller Relevanz
und Unmittelbarkeit vielleicht nicht den Reiz, wie andere, womöglich exotischere Themen.
Aber gerade wegen seiner Relevanz muss es u. U. auch über die Köpfe der Schüler hinweg im
Lehrplan bleiben.
Der Unterschied von Männern und Frauen wird, will man das Thema ins 19. Jahrhundert
einbetten, auch wenig reizvoll für einen großen Teil der Schüler sein. Zumal wenn man antike
Geschlechtertypisierungen entgegenhält: für die Jungen seien es die Hellenen, die Römer oder
Germanen, für die Mädchen die meroitischen Königinnen von Kusch. Bei aller Eindimensio-
nalität des Beispiels lässt sich hier feststellen, dass der Schülerbezug einstweilen seine Gren-
zen dort zu haben scheint, wo ein wenigstens empfundener Wissenskanon berührt wird.
68 Sauer, M., Geschichte unterrichten, S. 52.
69 Vgl. ebd.
70 Ebd., S. 51f.
71 Ebd., S. 52.
72 Ebd.
73 v. Borries, B., Überlegungen, S. 81.
12
Kurzum: Das 19. Jahrhundert ist für unser heutiges (Selbst-)Verständnis unverhältnismäßig
wichtiger, als vorchristliche Lebensmodelle. Also muss das 19. Jahrhundert trotz all seiner
Kompliziertheit und Trockenheit auch unterrichtet werden74 - sei es auch unter dem Vorwand
der (zufällig!) sonst noch nicht behandelnden Geschlechterdebatte. Die chronologischen Frag-
mente und die darauf angewandten Kategorisierungen wirken überdies bei näherer Betrach-
tung an manchen Stellen wie Fremdkörper zueinander. In diesem Punkt erweist sich Sauers
Vorwurf der didaktischen Beliebigkeit als berechtigt.
Überdies zeigt sich hier das Problem des fehlenden Längsschnittes, was manchem Thema
zuträglicher ist. In von Borries Konzept wird die Möglichkeit eines weiten Bogens offenbar
der historischen Groborientierung geopfert, worin dieses Konzept dem Schneiderschen eben-
so diametral entgegensteht, wie auch in der Perspektive, aus der heraus die Lehrplan-
Vorschläge konzipiert wurden: Schneider sieht die Grundbedürfnisse der Schüler im Vorder-
grund und will diese mit Themen des GUs ansprechen. Von Borries hingegen scheint die
Inhalte zu sehen mit der Aussicht, den Schülern anhand dessen eine historische Methoden-
lehre beizubringen, eine ,,Grammatik des Historischen"75. Die ,,Grundbedürfnisse" sind Mittel
zum Zweck.
2.2.
Zweiter fragmentarischer Durchgang: Geschichtliche Umbrüche und Durchbrüche76
Fehlt im ersten fragmentarischen Durchgang, wie bereits erwähnt, der historische Zugang des
Längsschnitts, so ist der zweite Durchgang ein großer regelrechter Längsschnitt mit der
Kategorie ,,Umbrüche und Durchbrüche". Der Grund für Michael Sauers Beurteilung, der
zweite Durchgang sei im Gegensatz zum ersten ,,in sich konsistent"77 könnte in der didakti-
schen Begründung liegen, die hier schlicht immer die weltgeschichtliche Wichtigkeit anführt
und weniger methodische oder motivatorische Erwägungen. Da hier die didaktische Analyse
zu einer Sachanalyse enggeführt ist, diese aber in sich stimmig ist, so ist auch das gesamten
Konzept in sich schlüssig.
Die großen Umbrüche der Menschheit zu einem zentralen Thema im GU zu machen, emp-
fiehlt sich allein aufgrund unserer Gegenwart, die aus dem Gefühl des Umbruchs (technische
Neuerungen, Globalisierung, naturwissenschaftlicher Fortschritt, der mental längst nicht mehr
74 Auch wenn es keine Epoche und kein Jahrhundert gibt, das bei ausgiebiger Betrachtung nicht kompliziert
wäre, so scheint doch das 19. Jahrhundert, wie einige davor liegende Jahrhunderte und das darauf folgende ein
bedeutend geringeres Maß an Simplifikation zuzulassen, als etwa das Hochmittelalter. Das gilt selbstverständlich
wiederum nur für die alltäglich relevante historische Groborientierung. Jedenfalls werden sicherlich das 18., 19.
und das 20. Jahrhundert mit überwiegend zäher Diplomatie- und Politikgeschichte assoziiert werden.
75 v. Borries, B., Überlegungen, S. 84.
76 Ebd., S. 84.
77 Sauer, M., Geschichte unterrichten, S. 51.
13
nachvollziehbar ist, Ängste vor unbequemen politischen Reformen, Wegbrechen von Tradi-
tionen, Klimaveränderung...) kaum mehr heraustreten kann.
Fraglich leibt, ob zwei Jahre Geschichte von großen Umwälzungen nicht das Bewusstsein für
nichtrevolutionäre Entwicklung verstellt.78 Wenn große Veränderungen in der 9. und 10.
Klasse implizit nur mit eruptiven Entwicklungsschüben innerhalb relativ kurzer Zeit
gleichgesetzt werden, dann wird das sicherlich so manchen menschheitsgeschichtlichen
Entwicklungen nicht gerecht. Ferner können in der vorliegenden Form nur schwierig
Kontinuitäten und Umbrüche zu jeweils späteren Epochen aufgezeigt werden, was aber in den
meisten anderen Konzepten ebenso zu sein scheint.
Zuletzt scheint mir der Anspruch, einer Kultur der Wiederholung Platz eingeräumt zu haben,
nicht konsequent eingelöst worden zu sein, da sich die Themen nicht wirklich nah genug
berühren. Aber grundsätzlich wäre eine Wiederholung mit diesem Lehrplan sicherlich am
besten im GU einzurichten.
3. Zusammenschau
Bei der Gegenüberstellung der beiden dargestellten Curricula werden sich zwangsläufig
Redundanzen ergeben, da einige Merkmale von Schneiders und von Borries´ Lehrplan ein-
fach mehr als einem Kriterium beigeordnet werden können. Zudem birgt das Verfahren
gewisse Vereinfachungen in sich: Allein aus Gründen der inhaltlichen Begrenzung werden bei
weitem nicht alle voraussichtlichen Auswirkungen der Details beider Lehrplanmodelle
erörtert werden können, sondern nur die aus meiner Sicht primären und direkt ersicht-
lichen Ansprüche der Autoren und die von mir unterstellten, künftig wirksamen Vor- und
Nachteile.
I.
Wird die Nützlichkeit eines eigenständigen Fachs ,Geschichte′ ersichtlich?
I.I. gesellschaftlich
Schneider verweist auf die ,Doppelkategorien′ nach Pandel, die durch sein Modell besonders
gefördert würden.79 Die politische, ökonomische, moralische und identifikatorische Kompo-
nente dieser Doppelkategorien ist sicherlich ganz vordringlich von staatlichem und gesell-
78 Vgl. Richtlinien und Lehrpläne für die Realschule in Nordrhein-Westfalen. Geschichte, 1993 (2002), S. 37,
wonach die Schüler über ,,historische Entwicklungen,
Kontinuitäten
(im Original nicht hervorgehoben) und
Veränderungen" unterrichtet werden sollen.
79 Vgl. Schneider, G., Ein alternatives Curriculum, S. 413.
14
schaftlichem Interesse. Mittels der Orientierung an Grunderfahrungen80 der einzelnen Schüler
(Ist-Zustand) können diese mit den gesellschaftlichen Normen (Soll-Zustand) besser, oder
überhaupt erst in Verbindung gebracht werden.
Insbesondere ab der 9. Klasse sieht Schneiders Entwurf eine chronologische Vermittlung
,,genaue(r) Kenntnis(e) der unmittelbaren Vorgeschichte unserer Gegenwart"81 vor. Die
Schüler sollen damit zu sinnvoller politischer Entscheidungsfähigkeit ertüchtigt werden, was
als gesellschaftliche Erfordernis wohl keiner weiteren Erklärung bedarf.
Bei von Borries besteht, wie oben gezeigt, eine zu Schneider im Ansatz unterschiedliche
Gewichtung: die Inhalte sind der eigentliche Zweck seines Lehrplans. Dieser besitzt in seiner
Zielsetzung einen mehr nach gesellschaftlichen, statt individuellen Erfordernissen ausgerich-
teten Charakter. Vgl. Umweltgeschichte anhand historischer Beispiele, wobei/weil ein heuti-
ger Bezug nicht mehr dergestalt herstellbar ist, wie etwa in früheren Generationen.82
I.II. individuell
Ebenso wie Pandels Doppelkategorien eine gesellschaftliche Relevanz aufweisen, so entfalten
sie zugleich eine ungemein individuelle Wichtigkeit. Sie dienen auch umgekehrt dem
Individuum, sich in einer mittels dieser Kategorien erfassbaren Gesellschaft zurechtzufinden.
Dasselbe gilt für die politische Entscheidungsfähigkeit.
Ein GU nach Schneiders Lehrplan kann auch eine für den Schüler unzulängliche Auswirkung
haben. Ohne wenigstens über jene geforderte historische Groborientierung zu verfügen bleibt
es zweifelhaft, ob die von Pandel geforderte Orientierung in der Zeit erworben werden kann.83
Zur Orientierung an menschlichen Grunderfahrungen kommt in von Borries´ Curriculum
die chronologische Anordnung der Themen hinzu. Die Struktur seines Lehrplans ergibt zu-
dem die beste Möglichkeit zur Wiederholung und Vertiefung zuvor durchgenommener
Unterrichtsthemen. Kritisch ist allenfalls die inhaltliche Zusammenstellung, die von Borries
als vermeintlich kompatibel vorgenommen hat. Eine Wiederholung und Vertiefung wäre
sicherlich effektiver zu organisieren.
80 Diese habe ich mit den Bildungsgehalten nach Klafki in Beziehung gebracht, weil von den Grunderfahrungen
der jugendlichen Schüler aus m. E. ebendiese Bildungsgehalte vermittelt werden sollen.
81 v. Borries, B., Überlegungen, S. 81.
82 Vor allem fällt auf, dass Bodo von Borries die Lebenswelt der einzelnen Schüler in seiner ,,Problemlage" (v.
Borries, Überlegungen, S. 76) nicht aufgreift. Seine Kritik ist fachimmantent.
83 Vgl. S. 5 Anm. 33.
15
II.
Anspruch auf Interdisziplinarität als Relevanz für die Gegenwart
Den interdisziplinären Charakter des GUs verstehe ich als Indikator für eine möglichst große
Vielfalt der Gegenwartsbezüge.84 Der Anspruch Schneiders, interdisziplinären GU konzipiert
zu haben, liegt durch zahlreiche alltagsgeschichtliche, soziologische etc. Ansätze auf der
Hand. Selbes gilt in gleichem Maße für von Borries´ Vorschlag.
III.
Ist die Stoffauswahl und -menge sinnvoll zu bewältigen?
Das notorische Manko in Schneiders Konzept ist die fehlende Chronologie bei der Anordnung
der Unterrichtsinhalte. Dieses bietet allerdings enormen Freiraum, GU rein exemplarisch zu
verstehen und nicht dem Irrtum von angeblicher Vollständigkeit zu verfallen, was auch
gegenwärtig noch hauptsächlicher Grund für die Überfrachtungen der Lehrpläne ist.
Auch bei von Borries befindet sich die Anknüpfung an die Grunderfahrungen (der Schüler)
im Zentrum seiner didaktischen Überlegungen. Daher besteht auch hier die verbesserte Mög-
lichkeit zu einer ,,schlanken" Themenwahl. Als zusätzlicher konzeptioneller Vorteil kommt
die eingeplante Wiederholung/Vertiefung hinzu.
IV.
Wird die subjektive Erfahrungswelt der Schüler maßgeblich einbezogen?
Der unter I. erwähnte Anknüpfungspunkt der menschlichen Grunderfahrungen meint genau
dieses Kriterium. Beispielhaft sei nochmals die Bedeutung von Politik für die Schüler vor
Augen geführt: Politik als Lebensbereich, als System gehört zumeist nicht zur Lebenswelt der
Schüler. Deshalb wird die Politik auch im Regelfall ein Abstraktum bleiben, wenn sie als
einzelner Stoffinhalt vermittelt wird.85 Zeigt man aber, durch welche politischen Entschei-
dungen was für alltägliche Lebensbereiche konstituiert, gesichert, verändert und gefährdet
werden können, wie dies mit Schneiders Lehrplan möglich wäre, so kann die ein höchst kon-
kreter Inhalt zahlreicher Einzelthemen sein. Bedauerlicherweise bricht Schneider mit diesem
Konzept ab der 9. Klasse zugunsten allzu herkömmlicher Kategorisierungen.
Je jünger die Schüler, desto näher bindet von Borries den Unterrichtsstoff an die Lebenser-
fahrungen der Schüler. Auch hier ist bedauerlich, dass er diese Themengestaltung in den
höheren Klassen sukzessive aufgibt. Des weiteren ist die mögliche Gefahr festzuhalten, dass
durch die Konzentration auf Umbrüche ein Geschichtsbild entstehen kann, wonach Umbrüche
alleinige Motoren für Fortschritt, von wissensrelevanter Geschichte überhaupt seien.
84 Vor allem ist dies eine Voraussetzung für eine effektive Vernetzung von erworbenem Wissen. Dieser Aspekt
wird trotz aller Wichtigkeit nicht thematisiert, da dies in meinen Augen keinesfalls ein Problem des GUs,
sondern der gesamten Unterrichtskonzeption und fächer ist.
85 Dies ist exakt das Problem, welches ein GU hat, der keine ,,fremden" Fachdisziplinen in die Betrachtung
einbezieht!
16
Bodo von Borries beginnt bei den fachdidaktischen Defiziten des GUs und verteidigt mit
seinem Beitrag die Stellung des Unterrichtsfachs Geschichte unter Relativierung der
Chronologie.86 Schneider fängt bei der Situation der Schüler an und macht mit der
Abschaffung des chronologischen GUs aus der Not, dass die Schüler die chronologische
Reihenfolge nämlich nicht zu verinnerlichen in der Lage seien, eine Tugend und will sie für
die unteren Jahrgangsstufen abschaffen.87 Aus dieser Situation heraus schafft er einen
Themenkatalog für die 6.-8 Klasse, den ich ausgezeichnet finde. Dann kehrt er zu ordinärem
GU zurück , woraus ersichtlich wird, dass seine Konzeption schließlich ein Notbehelf ist und
keinen GU als einzelnes Fach rechtfertigen kann. Ein solcher ist faktisch erst ab der 9. Klasse
vorgesehen.
4. Fazit
Vergleicht man die beiden untersuchten Lehrplanmodelle, so fällt auf, dass sie sich in vielerlei
Hinsicht nicht widersprechen, sondern sich gut ergänzen können. Dort, wo Schneider einen
allgemeinen anthropologischen Rahmen eröffnet, kann man diesen mit von Borries konkreti-
sieren, mit Inhalten füllen. Bei der Trennung in Bildungsinhalt/Bildungsgehalt heißt das: Die
Bildungsgehalte findet man bei vornehmlich bei Schneider, allein deshalb, weil sie kaum
einer Abänderung oder Hinzufügung bedürfen. Von Borries hingegen weist selber auf einige
Möglichkeiten und Notwendigkeiten zur inhaltlichen Abänderung seiner Konzeption hin. Das
ist in dem Umfang bei Schneider nicht notwendig, da die Konkretisierung bei ihm völlig aus-
bleibt. Seine Themen sind von Grunderfahrungen geprägt, die generell wichtig sind und blei-
ben ähnlich wie Pandels Doppelkategorien.
Strukturell hat von Borries´ Lehrplan allein den Vorzug, dass er überhaupt eine inhaltlich
besetzbare Struktur besitzt. Diese sollte wiederum mit Inhalten gefüllt werden, die durch
Schneiders Grundkategorien reflektiert worden sind.
So besteht zumindest theoretisch die Möglichkeit, bei der Planung von GU einerseits vom
Schüler mit dessen Umfeld und Erfahrungen (Ist-Zustand) aus zu denken. Zugleich kann auch
der Bildungsauftrag des Faches Geschichte in durchaus greifbarer Form deutlich erkennbar
bleiben, dass GU das Unterscheidungsvermögen von früher/heute ab Eintritt in die
86 Vgl. v. Borries, B., Überlegungen, S. 76, Anm. 2.
87 Vgl. Schneider, G., Ein alternatives Curriculum, S. 407f.
17
Sekundarstufe I nämlich dahingehend
weiterentwickeln
soll, dass ein Schüler sich in der
Geschichte zurechtfindet, um dadurch heute für morgen handlungsfähig zu sein.88
88 Vgl. Richtlinien und Lehrpläne für die Realschule in Nordrhein-Westfalen. Geschichte, 1993 (2002), S. 37f.
18
5. Literatur
Richtlinien
Richtlinien und Lehpläne für die Realschule in Nordrhein-Westfalen. Geschichte, 1993,
unveränderter Nachdruck 2002
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Historisches Lernen und Wissenserwerb, in: dies. (Hg.), Geschichts-
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Geschichtsbewusstsein als zentrale Kategorie des Geschichtsunterrichts,
in: Niemitz, G. (Hg.), Aktuelle Probleme der Geschichtsdidaktik,
Stuttgart 1990
19
Klafki, W.,
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Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und
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Schneider, G.,
Ein alternatives Curriculum für den Geschichtsunterricht in der
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Schönemann, B.,
Geschichtsdidaktik,
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Günther-Arndt, H. (Hg.), Geschichtsdidaktik. Praxisbuch für die
Sekundarstufe I und II, Berlin 2003
Uffelmann, U.,
Problemorientierter
Geschichtsunterricht und Inhaltsauswahl, in: ders.:
Das Mittelalter im Historischen Unterricht, Düsseldorf 1978
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Wie kann man Geschichte lehren? Die Bedeutung des Konstruktivismus
für die Geschichtsdidaktik, Schwalbach/Ts. 2002
Pandel, H.-J.,
Geschichtsunterricht nach PISA. Kompetenzen, Bildungsstandards und
Kerncurricula, Schwalbach/Ts. 2005
20
6. Anhang
Curriculum nach Gerhard Schneider
1.
Unterrichtsgegenstände des 6., 7. und 8. Schuljahres
a) ,,Anthropologische" und symbolische Themen
-
Wer bin ich? Wo komme ich her? Die Geschichte meiner Familie
-
Mein Heimatort Meine Umwelt
-
Kindheit und Jugend
-
Schule und Ausbildung
-
Jung sein alt sein
-
Tod und Weiterleben
-
Jungen und Mädchen Männer und Frauen
-
Lieben und Hassen, Freunde und Feinde, Solidarität und Ausgrenzung,
Sinnlichkeit und Nüchternheit
-
Arbeiten und Lernen
-
Freizeit Vergnügen Feste Sport
-
Heilige, Propheten, Stars Genies, Außenseiter, Sonderlinge ,,Devianz" und
,,Normalität"
-
Essen Trinken, Hunger und Überfluss
-
Krank sein und gesund sein
-
Sich kleiden
-
Wohnen
-
Versorgung und Entsorgung in Stadt und Land
-
Gewalt, Krieg und Frieden
-
Führer und Verführer, Aktivisten und Mitläufer, Vorbilder und Feindbilder
-
Angst und Ohnmacht, Zivilcourage, Mut und Verzagtheit
-
Wir und die anderen
-
Minderheit und Mehrheit Identifikation und Distanz Dazugehören und
Abseitsstehen der Einzelne und das Ganze
-
Lokale und nationale Gedenktage/-jahre, Feste und Jubiläen
b)
Überraschungsthemen
2. Unterrichtsgegenstände
des
Schuljahres
Chronologischer Durchgang durch die Geschichte der Weimarer Republik, der NS-Zeit und
der Zeit nach 1945 unter nationalen und globalen Gesichtspunkte
21
Curriculum nach Bodo von Borries
6. Klasse
1.1. ,,Unser Ort hat sich verändert die Geschichte unserer Familie beweist es"
1.2. ,,Hominisation Die Sonderstellung des Menschen innerhalb (nicht außerhalb) der
Natur"
1.3. ,,Religiöser Jenseitsglaube Pyramiden, Mumien, Grabopfer und Totengericht im Alten
Ägypten"
1.4. ,,Römisches Kaiserreich Völkergemisch und Massenzivilisation"
7. Klasse
1.5. ,,Gegensätzliche Blicke auf einen feindlichen Zusammenstoß von Kulturen Die Kreuz-
züge aus christlicher, islamischer und jüdischer Sicht"
1.6. ,,Umwelt hat Geschichte: Der Wald in Mittelalter und Frühneuzeit"
1.7. ,,Zwischen Menschenrechten und Massenhinrichtungen Die Französische Revolution"
1.8. ,,Das Europa des Wiener Kongresses: Staatsräson und Mächtegleichgewicht als Kriegs-
grund oder als Friedensinstrument?"
8. Klasse
1.9. ,,Frauen und Männer sind verschieden; aber worin eigentlich und seit wann eigentlich?"
1.10. ,,Der erste Weltkrieg Eine ,Urkatastrophe′ des 20. Jahrhunderts?"
1.11. ,,Nationalsozialismus Diktatur, Vernichtung, Vökermord"
1.12. ,,Geschichte gibt es auch außerhalb Europas: China vor der Volksrepublik"
9. Klasse
2.1. ,,Die Entstehung der Landwirtschaft" oder ,,Von Sammlerinnen und Jägern zu Ackerbau-
ern" (Umbruch um 8000 v. Chr.)
2.2. ,,Schrift und Staat" oder ,,Vom Dorf zum Großreich" (Umbruch um 3000 v. Chr.)
2.3. ,,Rationalität in Alt-Hellas und Alt-China" oder ,,Zum Mythos den Logos" (Umbruch um
400 v. Chr.)
2.4. ,,Entdeckung und Eroberung der Welt für Europa" oder ,,Von isolierten Kulturerdteilen
zum frühen Weltsystem" (Umbruch um 1500 n. Chr.)
10. Klasse
2.5. ,,Nicht nur die Dampfmaschine!" oder ,,Von Agrar- zu Industriegesellschaften"
(Umbruch um 1800 n. Chr.)
2.6. ,,Staat und Nation Nationalstaat und Staatsnation: Das Beispiel Deutschland, Polen und
Tschechien" (Entwicklung von 1500 bis 2000)
2.7. ,,Postindustrielle Überfluss-, Freizeit-, Risiko-, Dienstleistungs- oder Informationsgesell-
schaft?" oder ,,Grenzen des Wachstums und Innovation ohne Grenzen? (Umbruch um
1950 n. Chr.)
2.8. ,,Historische Wurzeln und Determinanten von aktuellen Krisenfeldern in der ,einen′ und
,gespaltenen′ Welt" (Fallstudie zur Entwicklung von 1950-2000)
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