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Termpaper, 2006, 24 Pages
Author: Hilthart Pedersen
Subject: History - Modern Times, Absolutism, Industrialization
Details
Institution/College: Christian-Albrechts-University of Kiel (Historisches Seminar CAU Kiel)
Tags: Duell, Frühen, Neuzeit, Alltag, Mentalität, Frühen, Neuzeit, Geschichte, Waffe
Year: 2006
Pages: 24
Grade: 2
Bibliography: ~ 22 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-10752-0
ISBN (Book): 978-3-640-10946-3
File size: 411 KB
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Abstract
Es ist erstaunlich wie stark das Duell - zwar nicht so sehr den Alltag des einzelnen Menschen geprägt hat - umso mehr aber das Bewusstsein in Verbindung mit geistigen Werten und Tugenden wie Ehre, Anstand und Moral. In diesem Sinne hat das Duell auch statistisch gesehen in einem Zeitraum von dreißig Jahren mit über 1000 gerichtlichen Duellfällen in Baden, Preußen und Bayern eine nicht unerhebliche Zahl aufzuweißen. Vor allem wenn man bedenkt, dass damit nur die Fälle mit einem gerichtlichem Nachspiel erfasst sind. So muss die Gesamtzahl der Duelle durch die der Nichterfassten deutlich höher liegen. Allein daran sehen wir schon die große Bedeutung des Duells und in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts die Bedeutung der Mannesehre. Das Duell spielte in der Gesellschaft der Frühen Neuzeit eine große Rolle, besonders im 19. Jahrhundert. Diese Arbeit will der Frage nachgehen, wie die Gesellschaft mit dem Duellieren an sich umging, wie diese es zu stärken suchte, bzw. im Zuge mit dem all-gemeinen Abstieg des Adels gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland (beson-ders Bayern und Preußen) es auch zu beseitigen suchte. Erst die allgegenwärtige Prä-sens des Ehrenzweikampfes im Lebenszusammenhang bürgerlicher und adliger Männer, schuf überhaupt die Voraussetzung dafür, dass die „Duellfrage“ im 19. Jahrhundert in-tensiv diskutiert und politisiert wurde. Ohne einen solchen tatsächlichen Rückhalt in konkreten Erfahrungen und „Erlebnisstrukturen“ hätte das Duell niemals jenes immense öffentliche Interesse auf sich lenken können, das seinen Niederschlag in parlamentari-schen Anfragen, staats- und kirchenpolitischen Debatten sowie einer Unmenge rechts-wissenschaftlicher Traktate und literarischer Werke gefunden hat. Zentral beschäftigt sich diese Arbeit deshalb mit den beiden folgenden Fragen: Erstens, welche Rolle spielt in Deutschland das Duell in der Gesellschaft des 18.- 20. Jahrhunderts und zweitens, warum nimmt trotz gesetzlichem Verbot die Bedeutung von Duellen in der bårgerlichen Gesellschaft zu und welche gesellschaftliche Aspekte spie-len hierbei eine u. a. immanente Rolle?
Excerpt (computer-generated)
Christian Albrechts- Universität zu Kiel
Historisches Seminar
Hauptseminar: Alltag und Mentalität in der Frühen Neuzeit
Referent: Hilthart Pedersen
Das Duell in der Frühen Neuzeit
______________________________________________________________________ 2
Inhaltsverzeichnis
1.EINFÜHRUNG 0
1.1. DUELL DEFINITION 1
1.2. FORSCHUNGSSTAND 1
2 . QUELLEN ZUM DUELL 2
3. GESCHICHTLICHE GRUNDLAGE 2
4. DAS DUELL IM BAROCK 3
4.1 ZWECK DES DUELLS 3
5. WIE KOMMT ES ZUM DUELL DER BEGRIFF DER EHRE 4
5.1 ABLAUF UND REGELN DES DUELLS 5
6 . DUELLFORMEN - DUELLWAFFEN 7
7. MEINUNG UND ÖFFENTLICHKEIT DUELLKRITIK 7
7.1 AUFKLÄRUNG UND DUELLKRITIK 7
7.2 BEFÜRWORTUNG DES DUELLS 10
8. DUELL UND DAS RECHT 11
9. EHRBEGRIFF UND MENTALITÄT 13
10. BEISPIELE FÜR DUELLE 15
11. FAZIT 16
12. LITERATURVERZEICHNIS 19
______________________________________________________________________ 0
VORWORT
Es ist erstaunlich wie stark das Duell - zwar nicht so sehr den Alltag des einzelnen
Menschen geprägt hat - umso mehr aber das Bewusstsein in Verbindung mit geistigen
Werten und Tugenden wie Ehre, Anstand und Moral. In diesem Sinne hat das Duell
auch statistisch gesehen in einem Zeitraum von dreißig Jahren mit über 1000
gerichtlichen Duellfällen in Baden, Preußen und Bayern eine nicht unerhebliche Zahl
aufzuweißen. Vor allem wenn man bedenkt, dass damit nur die Fälle mit einem
gerichtlichem Nachspiel erfasst sind. So muss die Gesamtzahl der Duelle durch die der
Nichterfassten deutlich höher liegen. Allein daran sehen wir schon die große Bedeutung
des Duells und in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts die Bedeutung der Mannesehre.
1.EINFÜHRUNG
Das Duell spielte in der Gesellschaft der Frühen Neuzeit eine große Rolle, besonders im
19. Jahrhundert. Diese Arbeit will der Frage nachgehen, wie die Gesellschaft mit dem
Duellieren an sich umging, wie diese es zu stärken suchte, bzw. im Zuge mit dem all-
gemeinen Abstieg des Adels gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland (beson-
ders Bayern und Preußen) es auch zu beseitigen suchte. Erst die allgegenwärtige Prä-
sens des Ehrenzweikampfes im Lebenszusammenhang bürgerlicher und adliger Männer,
schuf überhaupt die Voraussetzung dafür, dass die ,,Duellfrage" im 19. Jahrhundert in-
tensiv diskutiert und politisiert wurde. Ohne einen solchen tatsächlichen Rückhalt in
konkreten Erfahrungen und ,,Erlebnisstrukturen" hätte das Duell niemals jenes immense
öffentliche Interesse auf sich lenken können, das seinen Niederschlag in parlamentari-
schen Anfragen, staats- und kirchenpolitischen Debatten sowie einer Unmenge rechts-
wissenschaftlicher Traktate und literarischer Werke gefunden hat. Zentral beschäftigt
sich diese Arbeit deshalb mit den beiden folgenden Fragen:
Erstens, welche Rolle spielt in Deutschland das Duell in der Gesellschaft des 18.- 20.
Jahrhunderts und zweitens, warum nimmt trotz gesetzlichem Verbot die Bedeutung von
______________________________________________________________________ 1
Duellen in der bårgerlichen Gesellschaft zu und welche gesellschaftliche Aspekte spie-
len hierbei eine u. a. immanente Rolle?
Zuerst wird kurz auf die Quellenlage und den Forschungsstand eingegangen, um einen
geschichtlichen Rückgriff bis in die Antike vom Entstehen des Zweikampfes darzustel-
len. Anschließend wird eroertert wie es überhaupt zum Duell kommt und dessen ent-
sprechenden Ablauf. Weiterhin wird sich beschäftigt mit der zeitgenössischen Kritik
und Fürsprache des Duells und wie das Duell im Rechtssystem vornehmlich in Preußen
be- und verurteilt wurde. Abschließend behandelt die Arbeit noch Beispiele einiger
Duelle im Bezug zum Ehrbegriff und der Mentalität der Gesellschaft, sowie statische
Betrachtungen der Untersuchungen von Ute Freverts Arbeit:
Ehrenmänner: Das Duell
in der bürgerlichen Gesellschaft,
das in Deutschland den neusten Forschungsstand dar-
stellt und zugleich die umfassendste Arbeit über die Thematik des Duells ist.
1.1. DUELL DEFINITION
Ein Duell (lat.:
duellum
ital.
duello
) war ein freiwilliger Zweikampf mit gleichen, po-
tenziell tödlichen Waffen, wie er in der Frühen Neuzeit mit Säbel und Degen und später
mit Pistolen ausgeführt wurde. Das Duell wurde von den Kontrahenten vereinbart, um
eine Ehrenstreitigkeit auszutragen und unterlag zur Zeit des 17., 18. und 19. Jahrhun-
derts traditionell festgelegten Regeln, die sich im 19. Jahrhundert mit neuen Duellwaf-
fen differenzierten.
1.2. FORSCHUNGSSTAND
Die historische Forschung beschäftigte sich vor allem mit der Rolle des Duells aus dem
späten 18. und besonders dem 19. Jahrhundert1. Freverts und McAleers zentrale Thesen
haben sich in der Debatte des Einsteins Forums (1996) als unvereinbar erwiesen. Fre-
vert versteht das bürgerliche Duell als Identitäts- und Selbstbehauptungsmerkmal im
1 WIESINGER, A., Das Duell vor dem Richterstuhle der Religion, der Moral, des Rechts und der Geschich-
te, Graz, 1895; SCHMIEDEL, H., Berüchtigte Duelle. München/Berlin 2002; BÜSCH, J. G., von den in
Deutschland gewöhnlichen Gebräuchen bei Duellen und über die Mittel die Duelle abzustellen. Leipzig,
1804; FREVERT, U., Ehrenmänner. Das Duell in der bürgerlichen Gesellschaft. Darmstadt, 1991; BURK-
HART, D., Eine Geschichte der Ehre. Darmstadt, 2006; BIASTOCH, M., Duell und Mensur im Kaiserreich.
Am Beispiel der Tübinger Corps Franconia, Rhenania, Suevia und Borussia zwischen 1871 und 1895,
Vierow 1995; MCALEER, Duelling The Cult of honor in Fin Siecle Germany, 1994; SCHULTZ, U. (Hrsg.),
Das Duell. Der tödliche Kampf um die Ehre, Frankfurt am Main 1996.
______________________________________________________________________ 2
sozialen Prozess des Fortschrittes der Industrialisierung und Modernisierung zu einer
bürgerlich geprägten Gesellschaft. McAleer hingegen weist es als Symptom des deut-
schen ,,Sonderweges" aus, indem er allein am ,,deutschen Bürger" ,,killing obsessions"
und Unterwerfungsbereitschaft unter die feudale Sozialgestik des Adels ausmacht, eine
Interpretation, die eine typische Variante angelsächsischer Geschichtsbetrachtung der
deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert ist2.
2 . QUELLEN ZUM DUELL
Die Quellen zumr Thematik des Duells setzten sich meist aus persönlichen Tagebüchern
und Autobiographien, sowie niedergelegten Diskussionen der öffentlichen Meinung,
Akten und Protokolle aus der Rechtspraxis aus verschiedenen Archiven Deutschlands
,wie das Bayerische Hauptstaatsarchiv in München.
3. GESCHICHTLICHE GRUNDLAGE
Die Anfänge des Duells gehen bis in die Antike zurück (z. B. Menelaos gegen Paris3),
den gerichtlichen Zweikampf bei den späteren Germanen (Holmgang) und das mittelal-
terliche Gottesurteil. Nachdem der ritterliche Zweikampf des Mittelalters und dessen
Erscheinungen von Fehden, bedeutungslos geworden waren, verbreitete sich das neu-
zeitliche Duell seit dem Ende des 15. Jahrhunderts zunächst in Italien, und dann Spa-
nien und Frankreich und dann über ganz Europa auch in Deutschland. In Frankreich war
das Duell vom Ende des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts geradezu eine Modeer-
scheinung: Allein zwischen 1594 und 1610 sollen in Frankreich achttausend Adlige und
Offiziere in Duellen getötet worden sein, und der (allerdings für seine häufigen Duelle
berüchtigte) François de Montmorency (Marschall, Pair und Connétable von Frank-
reich)4 soll in einem einzigen Jahr 22 (nach anderen Quellen sogar über 40)5 Kontrahen-
ten im Duell getötet haben. Während das Duell in England schon um die Mitte des 19.
2 Von MÜLLER, A., Literaturanhang, in: SCHULTZ, U. (hrsg.), Das Duell. Der tödliche Kampf um die Eh-
re, Frankfurt am Main 1996, 416-418, 416.
3 Hom., Ilias, 3, 415.
4 FREVERT, U.,
Ehrenmänner
, 206.
5 DESORMEAUX, J. C. B., Histoire de la maison de Montmorency 1764, Bd.. IV & V.
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