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Medea: Verzauberte Zauberin - Interpretation des Medea-Monologs in den Metamorphosen des Ovid

Subtitle: Ov. Met. 7,1-99

Termpaper, 2004, 19 Pages
Author: Katharina Tiemeyer
Subject: Latin

Details

Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 19
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 19  Entries
Language: German
Archive No.: V112095
ISBN (E-book): 978-3-640-10769-8

File size: 139 KB

Abstract

Sie ist eine dämonische Frauengestalt voll düsterer Tragik: wir kennen sie als leidenschaftliche Rächerin, brutale Mörderin, gefährliche Zauberin – die Attribute des Bösen, die dieser Figur zugeschrieben werden, sind von unerschöpflicher Vielfalt: Medea. Der Mythos um diese Frau, der bis in die vorhomerische Tradition zurückreicht, hat seit der Antike bis in die Gegenwart eine Vielzahl von Dichtern immer wieder fasziniert und zu zahlreichen Werken inspiriert, die, was das Wesen der Medea betrifft, stark variieren. Allgemein jedoch ist diese Frau als „die gewaltigste Zauberin der Antike“ in die Geschichte eingegangen, die in ihrer Leidenschaft vor keiner, noch so grausamen Tat zurückschreckt. Auch Ovid hatte es diese sagenumwobene Frauengestalt angetan, er widmete sich ihr in seinem Werk gleich dreimal: Neben einer verschollenen Tragödie , findet sich der Medea-Mythos auch in den Heroides und in den Metamorphosen . Der mythologische Hintergrund gehörte zum Allgemeinwissen eines gebildeten Römers und es steht außer Frage, dass Ovid die entsprechenden literarischen Vorlagen, [...], gekannt und seinem Werk zugrunde gelegt hat. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er die Sage einfach übernommen und nacherzählt hat. [...].Während Medea und ihre Geschichte in der mythologischen Überlieferung sowie bei den Autoren vor seiner Zeit immer stark in Zusammenhang mit der Argonautensage steht und in einem Atemzug mit Iason genannt wird, fällt bei Ovid auf, dass ihn vor allem die Zauberin selbst interessiert hat und die Geschichte vom Goldenen Vlies bei ihm nur schmückender Hintergrund für das eigentliche Motiv, das Wesen Medeas, ist. Besonders auffällig ist dies in der Medea-Episode in den Metamorphosen, von der ein Ausschnitt in dieser Arbeit analysiert und interpretiert werden soll. [...] In dieser Arbeit gilt das Interesse den ersten 99 Versen des ersten Teils, da Medea sich noch in Kolchis befindet. Diese Textpassage kennzeichnet vor allem ein Monolog Medeas vor ihrer Entscheidung für Iason. Es folgt die Begegnung mit Iason im Tempel der Hekate. Danach setzt sich die Erzählung fort mit der Beschreibung der drei Kämpfe, die der Argonaut in Kolchis auszustehen hat, bevor er als Sieger davonzieht. [...]. Die Textauswahl beschränkt sich somit auf die Szene, die der Dichter ganz der Figur der Medea, ihrem inneren Gemütszustand und ihrer Liebe zu Iason gewidmet hat. Im Zentrum der Analyse soll ihr Monolog stehen. [...]


Excerpt (computer-generated)

Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Seminar für Klassische Philologie

Proseminar: Medea bei Ovid und Seneca

WS 2003/04

Medea:

Verzauberte Zauberin

Interpretation des Medea-Monologs

in den Metamorphosen des Ovid

(Ov.Met. 7,1-99)


Verfasserin:

Katharina Tiemeyer


INHALTSVERZEICHNIS

I.

Einleitung 2

II. Hauptteil 4

1. Einordnung der Textpassage in den mythologischen und literarischen

Kontext 4

2. Aufbau und Struktur 5

3. Interpretation 7

3.1. Die Verzauberung:

Die Ankunft der Argonauten in Kolchis (V.1-11a) 7

3.2. Die Zauberin und der

nescio quis deus

:

Der Monolog Medeas (V.11b-73) 8

3.2.1. Medea zwischen

furor

und

ratio

8

3.2.2. Plädoyer für den Geliebten 10

3.2.3. Scheinbar gesiegt? 12

3.2.4. Rhetorisches Spiel oder Ausdruck wahrer Gefühle? 12

3.3. Liebeszauber:

Die Begegnung mit Iason im Tempel (V.74-99) 13

III. Schluss 15

IV. Literaturverzeichnis 17

1


I.

Einleitung


Sie ist eine dämonische Frauengestalt voll düsterer Tragik: wir kennen sie als

leidenschaftliche Rächerin, brutale Mörderin, gefährliche Zauberin ­ die Attribute des

Bösen, die dieser Figur zugeschrieben werden, sind von unerschöpflicher Vielfalt:

Medea.

Der Mythos um diese Frau, der bis in die vorhomerische Tradition zurückreicht, hat seit

der Antike bis in die Gegenwart eine Vielzahl von Dichtern immer wieder fasziniert und

zu zahlreichen Werken inspiriert, die, was das Wesen der Medea betrifft, stark variieren.

Allgemein jedoch ist diese Frau als ,,die gewaltigste Zauberin der Antike"1 in die

Geschichte eingegangen, die in ihrer Leidenschaft vor keiner, noch so grausamen Tat

zurückschreckt.

Auch Ovid hatte es diese sagenumwobene Frauengestalt angetan, er widmete sich ihr in

seinem Werk gleich dreimal: Neben einer verschollenen Tragödie2, findet sich der

Medea-Mythos auch in den

Heroides

3 und in den Metamorphosen4.

Der mythologische Hintergrund gehörte zum Allgemeinwissen eines gebildeten Römers

und es steht außer Frage, dass Ovid die entsprechenden literarischen Vorlagen,

insbesondere die Medea-Tragödie des Euripides und die

Argonautica

von Apollonius

von Rhodos, gekannt und seinem Werk zugrunde gelegt hat.5

Dies bedeutet jedoch nicht, dass er die Sage einfach übernommen und nacherzählt hat.

Vielmehr hat er sie kunstvoll variiert: Nicht nur hat er sie stilistisch dem von ihm

verwendeten entsprechenden Genre angepasst, sondern vor allem hat er inhaltlich eine

völlig andere Akzentuierung vorgenommen und ihr seinen ganz eigenen Stempel

aufgesetzt.

Während Medea und ihre Geschichte in der mythologischen Überlieferung sowie bei

den Autoren vor seiner Zeit immer stark in Zusammenhang mit der Argonautensage

steht und in einem Atemzug mit Iason genannt wird, fällt bei Ovid auf, dass ihn vor

allem die Zauberin selbst interessiert hat und die Geschichte vom Goldenen Vlies bei

ihm nur schmückender Hintergrund für das eigentliche Motiv, das Wesen Medeas, ist.6

Besonders auffällig ist dies in der Medea-Episode in den Metamorphosen, von der ein

Ausschnitt in dieser Arbeit analysiert und interpretiert werden soll. Nicht mit in die

1 BÖMER, 1977, 196.

2 Vgl. NIKOLAIDES, A.G., Some Observations on Ovids lost Medea, Latomus 44, 1985, 383-387.

3 Ov.Her. 6 und 12.

4 Ov.Met. 7,1-424.

5 Vgl. KRAUS, 1982, 91.

6 Vgl. BINROTH-BANK, 1994, 153.

2


Untersuchung einbezogen werden die Darstellungen der Medea in den Vorlagen, die

Interpretation ist nicht intertextuell angelegt, sondern stützt sich allein auf den Text bei

Ovid. Auch auf die bei Bömer verzeichneten Querverweise und Anspielungen Ovids auf

die Aeneis wird hier nicht eingegangen, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen

würde.7

Die Medea-Geschichte in den Metamorphosen gliedert sich in zwei Teile: Zuerst nimmt

Ovid die Ereignisse in Kolchis in sein Blickfeld und schildert, wie Medea Iason

begegnet und ihm und den Argonauten hilft, das Goldene Vlies zu erobern.8 Im zweiten

Teil wird der Aufenthalt Medeas in Hellas thematisiert.9

In dieser Arbeit gilt das Interesse den ersten 99 Versen des ersten Teils, da Medea sich

noch in Kolchis befindet. Diese Textpassage kennzeichnet vor allem ein Monolog

Medeas vor ihrer Entscheidung für Iason. Es folgt die Begegnung mit Iason im Tempel

der Hekate. Danach setzt sich die Erzählung fort mit der Beschreibung der drei Kämpfe,

die der Argonaut in Kolchis auszustehen hat, bevor er als Sieger davonzieht. Letztere

Passage des ersten Teils soll bei der folgenden Textuntersuchung unberücksichtigt

bleiben. Die Textauswahl beschränkt sich somit auf die Szene, die der Dichter ganz der

Figur der Medea, ihrem inneren Gemütszustand und ihrer Liebe zu Iason gewidmet hat.

Im Zentrum der Analyse soll ihr Monolog stehen. Dieser jedoch lässt sich nicht völlig

isoliert vom Kontext betrachten, so dass die Verse in seiner näheren Umgebung in die

Untersuchung mit einbezogen werden sollen.

Die Interpretation soll zeigen, wie Ovid die Gedanken- und Gefühlswelt dieser

sagenumwobenen Hexe darstellt, wie das Wesen einer Frau angelegt ist, die später zu

grausamen Verbrechen fähig ist. Wie gestaltet der Dichter die Gefühle einer verliebten

Zauberin? Lässt sich Medea wie ein gewöhnliches junges Mädchen durch Amors Pfeile

,,verzaubern"? Was denkt, fühlt, erlebt die Kolcherin, als sie sich in Iason verliebt, wie

reagiert sie?

7 Eine intertextuelle Interpretation ist bei BINROTH-BANK, 1994, nachzulesen.

8 Ov.Met. 7,1-158.

9 Ov.Met. 7,159-424. Vgl. die Zweiteilung mit BINROTH-BANK, 1994.

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