Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Subtitle: Interpretation von Lukrez, De rerum natura I, 1-43
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 24 Pages
Author: Katharina Tiemeyer
Subject: Latin
Details
Tags: Aeneadum, Venus-Hymnus, Lukrez, De natura deorum, Lehrgedicht
Year: 2006
Pages: 24
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 35 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-10771-1
File size: 176 KB
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
I. Einleitung „Keine Partie an dem an Schwierigkeiten so reichen Lehrgedicht des Lukrez hat in den letzten Jahrzehnten den Philologen mehr Kopfzerbrechen bereitet als das Proömium des 1. Buches“, stellte Karl Barwick bereits 1923 fest. Auch 80 Jahre später hat der Beginn von Lukrez´ De rerum natura nicht an Brisanz eingebüßt und gilt nach wie vor als „ein Dauerproblem der Lukrezforschung“. Neben Fragen und Untersuchungen zum Aufbau des Proömiums sowie zur Komposition des Gesamtwerkes, bei denen besonders die Echtheit der Verse 44-49 Diskussionsgegenstand ist, beschäftigen die Forschung vor allem die ersten 43 Verse des ersten Proömiums, in denen Lukrez sein um 50 v.Chr. verfasstes Lehrgedicht mit einer Hymne an die Göttin Venus einleitet und sie um Inspiration für seine Dichtung und Frieden für die Römer bittet. Denn wie, so fragt man sich, konnte der Dichter sein Werk über die epikureische Konzeption der Welt, in der die Götter keine Rolle spielen und nicht in das Weltgeschehen eingreifen, ausgerechnet mit der Anrufung einer traditionellen Göttin des Pantheons beginnen lassen und sie darüber hinaus auch noch um Hilfe bitten? Die Antworten der Forschung hierauf erstrecken sich von komplexen und sehr unterschiedlichen Erklärungs- und Rechtfertigungsversuchen bis hin zum hämischen Vorwurf des „Anti-Lucretius“ : deinde vocet demens quos tentat perdere Divos/ immemor ipse sui. In dieser Arbeit soll der Beginn von De rerum natura einer genaueren Betrachtung unterzogen werden. Dazu soll der Venushymnus des Lukrez (I, 1-43) analysiert und interpretiert werden, um seine Problematik und Brisanz näher zu beleuchten. Der Rest des Proömiums, das bis V.148 reicht, wird nicht in die Textanalyse miteinbezogen, da sich die Venusthematik auf die angegebene Textstelle beschränkt und diese sich insofern vom folgenden Teil des Proömiums absetzt. Gegebenenfalls jedoch wird bei der Interpretation auch auf andere Stellen des Lehrgedichts zurückgegriffen werden.
Excerpt (computer-generated)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Seminar für Klassische Philologie
Hauptseminar: Epikureische Philosophie in Rom (Cicero, Lukrez)
SS 2006
Aeneadum genetrix -
Der Venushymnus des Lukrez
Interpretation von
Lukrez,
De rerum natura
I, 1-43
Verfasserin
:
Katharina Tiemeyer
INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung 1
II. Übersetzung des Hymnus an Venus (Lukrez, De rerum natura I, 1-43) 3
III. Interpretation des Venushymnus 4
1. Inhalt und Aufbau 4
2. Erläuterungen zum Inhalt 6
3. Sprache und Stil 7
4. Interpretationsansätze in der Forschung 9
5. Textimmanente Deutung 13
IV. Diskussion und abschließende Interpretation 16
V. Literaturverzeichnis 20
1
I. Einleitung
,,Keine Partie an dem an Schwierigkeiten so reichen Lehrgedicht des Lukrez hat in den
letzten Jahrzehnten den Philologen mehr Kopfzerbrechen bereitet als das Proömium des 1.
Buches", stellte Karl Barwick bereits 1923 fest.1 Auch 80 Jahre später hat der Beginn von
Lukrez´
De
rerum
natura
nicht an Brisanz eingebüßt und gilt nach wie vor als ,,ein
Dauerproblem der Lukrezforschung".2
Neben Fragen und Untersuchungen zum Aufbau des Proömiums sowie zur Komposition
des Gesamtwerkes, bei denen besonders die Echtheit der Verse 44-49
Diskussionsgegenstand ist,3 beschäftigen die Forschung vor allem die ersten 43 Verse des
ersten Proömiums, in denen Lukrez sein um 50 v.Chr. verfasstes Lehrgedicht mit einer
Hymne an die Göttin Venus einleitet und sie um Inspiration für seine Dichtung und
Frieden für die Römer bittet.4 Denn wie, so fragt man sich, konnte der Dichter sein Werk
über die epikureische Konzeption der Welt, in der die Götter keine Rolle spielen und nicht
in das Weltgeschehen eingreifen,5 ausgerechnet mit der Anrufung einer traditionellen
Göttin des Pantheons beginnen lassen und sie darüber hinaus auch noch um Hilfe bitten?
Die Antworten der Forschung hierauf erstrecken sich von komplexen und sehr
unterschiedlichen Erklärungs- und Rechtfertigungsversuchen bis hin zum hämischen
Vorwurf des ,,Anti-Lucretius"6:
deinde vocet demens quos tentat perdere Divos/ immemor
ipse sui
.7
In dieser Arbeit soll der Beginn von
De rerum natura
einer genaueren Betrachtung
unterzogen werden. Dazu soll der Venushymnus des Lukrez (I, 1-43) analysiert und
interpretiert werden, um seine Problematik und Brisanz näher zu beleuchten. Der Rest des
Proömiums, das bis V.148 reicht, wird nicht in die Textanalyse miteinbezogen, da sich die
1 Barwick, K.,
Über die Proömien des Lukrez
, in: Hermes 58 (1923), S.147.
2 Rumpf, L.,
Naturerkenntnis und Naturerfahrung. Zur Reflexion epikureischer Theorie bei Lukrez
, München
2003, S.15.
3 Die Diskussion um diese Verse 44-49 kann in dieser Arbeit leider nicht aufgenommen werden, da die
Echtheit dieser Stelle bereits wieder eine eigene Fragestellung voraussetzt. Die Forschung tendiert derzeitig
dorthin, diese Stelle als Interpolation anzusehen, die wohl antike Kommentatoren eingefügt haben, da sie
bereits vor dem Problem standen, den Venushymnus einzuordnen. Vgl. zu dieser Problematik:
Titi Lucreti Cari De rerum natura libri sex. Commentary books I-III
, Bd.2, hrsg. v. C.Bailey, Oxford 1947.
4 ,,The most enigmatic feature of the proem lies in the first three subdivisions, 1-43.", Sedley, D.,
The Proems
of Empedocles and Lucretius
, in: GRBS 30 (1989), S.269.
5 Vgl. Erler, M.:
Epikur
, in: Die Philosophie der Antike (Bd.4: Die hellenistische Philosophie), hrsg. v. H.
Flashar, Basel 1994, S.149ff.
6 Der vollständige Titel lautet ,,Anti-Lucretius sive de Deo et Natura". Es handelt sich hierbei um ein
Lehrgedicht, das Kardinal Melchior de Polignac, einer der bedeutendsten Diplomaten Ludwigs XIV. ,
verfasste und das 1747 zum ersten Mal in Paris erschien. Siehe Ament, E.J.,
The Anti-Lucretius of Cardinal
Polignac
, in: TAPA 101 (1970), S.29-49 sowie Glei, R.,
Erkenntnis als Aphrodisiakum. Poetische und
philosophische voluptas bei Lukrez
, in: A&A 38 (1992), S.82f.
7 Zitiert nach Rumpf,
Naturerkenntnis
, S.72.
2
Venusthematik auf die angegebene Textstelle beschränkt und diese sich insofern vom
folgenden Teil des Proömiums absetzt.8 Gegebenenfalls jedoch wird bei der Interpretation
auch auf andere Stellen des Lehrgedichts zurückgegriffen werden.
Zunächst sollen die wichtigsten Deutungsansätze in der Forschungsliteratur vorgestellt und
systematisiert werden, um sie dann nach eigener Deutung der Textpassage zu diskutieren
und zu einem abschließenden Ergebnis zu gelangen. ,,Das Proömium gehört zu den am
meisten interpretierten Stellen des Werkes."9 Aufgrund der so entstandenen ,,fast
unüberschaubaren Literaturfülle"10 können daher nicht alle Publikationen zu diesem
Thema vorgestellt und in die Diskussion miteinbezogen werden. Vielmehr soll eine
Auswahl einzelner Interpretationen hinsichtlich Aktualität oder Bedeutsamkeit getroffen
werden, um gewisse Deutungstendenzen aufzuzeigen.
Der Venushymnus, zu dem sich aktuelle Deutungen bei Courtney11 und Rumpf12 finden
lassen, war vor allem in den 90er Jahren Gegenstand der Forschungsdiskussion. Neben
einzelnen Aufsätzen wie denen von Glei,13 O´Hara14 und Sier,15 die genau auf diese
Problematik Bezug nehmen, erschienen vor allem die Werke von Gale und Sedley, die die
Textstelle innerhalb eines übergeordneten Kontextes deuten.16 Einzelne Publikationen
finden sich auch Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre.17 Die wichtigsten Kommentare zu
Lukrez,
Der rerum natura
gehen auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück.
Grundlegend ist der Kommentar von Bailey,18 der zumeist die Anmerkungen älterer
Kommentatoren wie Munro und Ernout aufnimmt19 und auch auf die wichtigsten Werke
älterer Zeit wie die Arbeiten von Diels, Barwick, Büchner und Bignone verweist.20
8 Zur genaueren Gliederung und Einordnung der Textstelle siehe Kapitel III.1 dieser Arbeit.
9 Erler,
Epikur
, S.416.
10 Rumpf,
Naturerkenntnis
, 2003, S.9.
11 Courtney, E.,
The Proem of Lucretius
, in: Museum Helveticum 58 (2001), S.201-211.
12 Siehe Anm. 2.
13 Siehe Anm.6.
14 O´Hara, J.J.,
Venus and the Muse as "Ally" (Lucr.1.24, Simon. Frag. Eleg. 11.20-22 W)
, in: CPh 93
(1998), S.69-74
15 Sier, K.,
Religion und Philosophie im ersten Proömium des Lukrez
, in: A&A 44 (1998), S.97-106.
16 Gale, M.,
Myth and Poetry in Lucretius
, Cambridge 1994; Sedley, D.:
Lucretius and the Transformation of
Greek Wisdom
, Cambridge 1998.
17 Wie zum Beispiel: Asmis, E.,
Lucretius´ Venus and Stoic Zeus
, in : Hermes 110 (1982), S.458-470.
18 Siehe Anm.3.
19
Titi Lucreti Cari De rerum natura libri sex, volume II: Explanatory notes
, hrsg. v. H.A.J.Munro,
Cambridge 1886;
Lucrèce De rerum natura. Commentaire exégétique et critique
, livres I et II, hrsg. v.
A.Ernout u. L.Robin, Paris 1925.
20 Bignone, E.,
Nuove Ricerche sul proemio del poema di Lucrezio
, in: RFIC 47 (1919), S.423-433; Barwick,
K.,
Über die Proömien des Lukrez
, in: Hermes 58 (1923), S.147-174; Büchner, K.,
Die Proömien des Lukrez
,
in: C&M 13 (1952), ), S.159-235; Diels, H.,
Lukrezstudien I-V
, in: Ders.: Kleine Schriften zur Geschichte der
antiken Philosophie, hrsg. v. W. Burkert, Hildesheim 1969, S.312-378.
3
II. Übersetzung des Hymnus an Venus (Lukrez, De rerum natura I, 1-43)
Mutter der Römer21, Freude der Menschen und Götter, lebens-
spendende Venus, die du unter den schwebenden Zeichen des Himmels
das schifftragende22 Meer, die du die fruchtbringenden Länder mit
Leben füllst, weil durch dich das ganze Geschlecht der Lebewesen
empfangen wird23 und es, wenn es entstanden ist, das Sonnenlicht erschaut:
Vor dir, Göttin, vor dir fliehen die Winde, vor dir und vor deiner Ankunft
die Wolken des Himmels, dir lässt die kunstfertige24 Erde süßduftende
Blumen hervorsprießen, dir lächelt die Oberfläche des Meeres zu und der
Himmel, von Licht übergossen, strahlt dich sanft an.25
Denn sobald das frühlingshafte Antlitz des Tages enthüllt ist und befreit der
befruchtende26 Luftzug des Westwindes kraftvoll herrscht, kündigen dich,
Göttin, und deine Ankunft zuerst die Vögel, hoch in der Luft, an, die in
ihren Herzen27 von deiner Gewalt erschüttert worden sind.
Dann durchschwärmen das Wild und das Vieh28 das üppige Futter und
durchschwimmen die reißenden Ströme: So folgt dir, von deinem Liebreiz
ergriffen, ein jedes begierig, wohin du es zu leiten fortfährst.
Schließlich erregst du durch Meere, Gebirge, reißende Flüsse, belaubte
Häuser der Vögel und grüne Felder hindurch bei allen zärtliche Liebe in
den Herzen und bewirkst so, dass sie begierig gemäß ihrer Art ihr
jeweiliges Geschlecht29 fortpflanzen.
21 Wörtliche Übersetzung: ,,Mutter der Aeneaden...". Das Patronymikon wurde in der Übersetzung nicht
übernommen, um den Anklang an die Römer im Deutschen zu verdeutlichen.
22 Mit der Übersetzung ,,schifftragend" soll versucht werden, den Neologismus
naviger
bei Lukrez
nachzuahmen, den jener in Analogie zu
frugifer
wählt. Bailey weist darauf hin, dass derartig
zusammengesetzte Adjektive typisch für den Stil des Lukrez sind, siehe Bailey,
Commentary
, S.592.
23
concipitur
hier im Sinne von ,,Empfängnis" als Vorstadium zur Geburt verstanden, vgl. Ebd., S.593.
24
daedala
kann sowohl passiv als auch aktiv verstanden werden, vgl. Ebd., S.593 und Ernout/Roubin,
Commentaire
, S.7. Das Wort ist hier eindeutig als aktivisches Attribut zu
tellus
aufzufassen, da es im
Zusammenhang mit dem Wachstum der
flores
steht, die
tellus
aktiv hervorbringt.
25 Wörtlich: ,,...und der Himmel, durch das Licht, das sich über ihn ergossen hat, besänftigt, strahlt dich an."
26
genitabilis
kann sowohl Attribut zu
aura
als auch zu
favoni
sein; hier als Attribut zu
aura
gewählt, um den
aktiven Charakter von
genitabilis
hervorzuheben, vgl.
Lucreti De rerum natura
, hrsg. v. H.Paratore u.
H.Pizzani, Rom 1960, S.138.
27
corda
wurde als acc. graecus aufgefasst.
28
ferae
pecudes
wurde gemäß Ernout/ Robin (S.10/11) und Bailey (S.595) als Asyndeton aufgefasst.
ferae
adjektivisch aufzufassen, im Sinne von ,,wild, ausgelassen" (wie Paratore/ Pizzani, S.139), ist (als
Oxymoron) denkbar, jedoch macht ein Asyndeton hier mehr Sinn, da so zum Ausdruck kommt, wie die Kraft
des Frühlings sowohl die gezähmten als auch die wilden Tiere ohne Unterschied ergreift. Die Konjektur
Wakefields erscheint wenig sinnvoll, da
fere
so für die Bedeutung unwesentliches Füllwort wäre.
29
saecla
wurde im Sinne von
genera
aufgefasst, entsprechend Bailey,
Commentary
, S.596.
4
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Interkulturelles Marketing: Werbestile im Kulturvergleich - Werbung in Frankreich
Author: Sabine SchrenkCommunications: Public Relations, Advertising, Marketing, 2004 Download as PDF-file for 7,99 EUR
Das Verhältnis von Bild und Sprache in französischer Reklame: eine multimediale Textanalyse
Author: Philipp RottRomance Languages - French Linguistics, 2001 Download as PDF-file for 8,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Author: Marco FeindlerPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Author: Zoran ZivkovicPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Author: Claudia NickelPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Author: Maik PhilippPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Author: Mark RichterPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008
This text can be quoted and accessed from this url: