Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Architektur als Zeichen am Beispiel von Daniel Libeskinds Museumsbauten close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Architektur als Zeichen am Beispiel von Daniel Libeskinds Museumsbauten

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 21 Pages
Author: Maria Hillegaart
Subject: Cultural Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V112160
ISBN (E-book): 978-3-640-10791-9
ISBN (Book): 978-3-640-10970-8
File size: 160 KB
Notes :
Ausgehend von dem Begriff des Dekonstruktivismus, zeigt die semiotische Untersuchung der architektonischen Bauwerke Libeskinds, dass Architektur als Zeichen im Sinne eines polysemen Textes zu einem kulturellen Kommunikationsmedium wird. Anhand des Jüdischen Museums Berlin und des Felix Nussbaum Hauses in Osnabrück wird das Phänomen auf interessante Weise erklärt.


Abstract

Wenn Libeskinds Bauten dekonstruktivistische sind, was sind dann die Zeichen dekonstruktivistischer Architektur? Da Libeskinds Architektur zwar als jene deklariert, insbesondere jedoch als textuelle Architektur in architekturtheoretischen Diskurs interpretiert wird, sollen dafür bezeichnende Gestaltungselemente der Museumsbauten Jüdisches Museum Berlin und Felix Nussbaum-Haus in Osnabrück mittels der Theorie der textuellen Architektur nach Peter Eisenmann und des semiotischen Ansatzes nach Umberto Eco betrachtet werden. Die als Zeichen abstrahierten Elemente der Architektur wie Türen, Fenster oder Materialien werden von Daniel Libeskind ganz bewusst eingesetzt. Traditionelle Vorstellungen von Ort und Zeit werden verschoben. Ein allein dem Zweck dienendes Gebäude gelingt dem Architekten nicht und will ihm nicht gelingen. Wie können Zeichen und Symbole des Gebauten deren beabsichtigte Wirkung unterstützen? Was kommunizieren darüber hinaus der grundlegende Zusammenhang von Form und Funktion sowie die Chaos und Ordnungs-Dichotomie über die Gesellschaft bzw. über den Architekten?


Excerpt (computer-generated)

Architektur als Zeichen

am Beispiel von Daniel Libeskinds

Museumsbauten


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Der Begriff des Dekonstruktivismus 4

3. Architektur als Text am Beispiel des Jüdischen Museums Berlin 6

3.1 Architektur als Erfahrung des Anderen 6

3.2 Der architektonische Text 8

3.3 Das architektonische Zeichen nach Umberto Eco 9

4. Grundlegende Gestaltungselemente Libeskinds Museumsbauten 12

4.1 Die Chaos und Ordnungs-Dichotomie 12

4.2 Der Form und Funktions-Zusammenhang 13

4.3 Die Symbole Leere und Labyrinth 13

4.3.1 Das Felix Nussbaum-Haus ­ form follows memory 14

5. Fazit 17

6. Literaturverzeichnis 19

1


1. Einleitung


Mitte des 18. Jh. schuf Giambattista Piranesi die wahrscheinlich ersten dekonstruktivistischen

Zeichnungen - ,,

skurrile frühe Vorformen autonomer Architektur

" (Pahl 1999: 186). Da er die

Begriffe Dekonstruktion und Dekonstruktivismus nicht kannte, wird ihm nachgesagt, im

Unterbewusstsein bereits ,,

das ,Abbauen′ vertrauter baulicher Elemente und ihr Wiederauf-

bauen in veränderter, ungewisser Bedeutung

" voraus gedacht zu haben (vgl. ebd.). Mitte der

80er Jahre des 20. Jh. etablierte sich eine neue Formensprache, die Charles Jencks als

,,neuer

Expressionismus"

bezeichnete (Stöbe 1999 zit. n. Jencks 1988: 93). Frei von einheitlichen

und konventionellen Codes entstanden fragmentierte und chaotisch wirkende Formen. Erste

Strukturen architektonischer Dekonstruktion wurden in den USA in der zweiten Hälfte der

70er Jahre, z.B. durch Frank O. Gehry und Peter Eisenmann, entwickelt. So fand 1988 die

erste und sehr umstrittene Ausstellung

Deconstuctivist Architecture

im New Yorker Museum

of Modern Art statt, an der auch Daniel Libeskind teilnahm (vgl. Pahl 1999: 196).

Libeskind, 1946 in Lódz, Polen, geboren, gilt als international renommierter Architekt und

Stadtplaner jüdischen Glaubens. Sein Schaffen reicht von kulturellen Einrichtungen wie

Museen und Konzertgebäuden über Landschafts- und Stadtplanungen bis hin zum Entwurf

von Bühnenbildern, Installationen und Ausstellungen. Er studierte Architektur an der Cooper

Union for the Advancement of Science and Art in New York und erhielt 1970 sein Diplom.

Zu seinen Lehrvätern zählten u. a. Peter Eisenmann, Richard Meier, Charles Gwathmey und

Steven Holl. An der Universität von Essex, Großbritannien, erhielt er 1971 einen

Postgraduierten-Abschluss in Architekturgeschichte und -theorie. Nachdem er 1989

schließlich den Wettbewerb für die ,,Erweiterung des Berlin Museums mit Abteilung

Jüdisches Museum" gewonnen hatte, eröffnete er 1990 sein Architekturbüro in Berlin.

Mittlerweile existieren drei Hauptsitze in New York, Zürich und Mailand. Weltweit arbeiten

ca. 140 Angestellte für Libeskinds Architektur. Libeskind erhielt bereits zahlreiche

Architektur-Preise und Ehrendoktorwürden und gilt als einer der wichtigsten Vertreter des

Dekonstruktivismus. Weltweite Berühmtheit erlangte er mit seinem Entwurf für den Freedom

Tower in New York, mit dem er den Wettbewerb zur Gestaltung des Ground Zero gewann.1

1 Der Entwurf wurde vom Chefarchitekten David Childs inzwischen modifiziert. Zum World Trade Center-

Wiederaufbau siehe Christiner P.: http://www.egghof.com/NewYork/wtcneu.htm

(Stand: 16.01.2008).

2


Wenn Libeskinds Bauten dekonstruktivistische sind, was sind dann die Zeichen dekonstrukti-

vistischer Architektur?2 Da Libeskinds Architektur zwar als jene deklariert, insbesondere

jedoch als textuelle Architektur in architekturtheoretischen Diskurs interpretiert wird, sollen

dafür bezeichnende Gestaltungselemente der Museumsbauten Jüdisches Museum Berlin und

Felix Nussbaum-Haus in Osnabrück mittels der Theorie der textuellen Architektur nach Peter

Eisenmann und des semiotischen Ansatzes nach Umberto Eco betrachtet werden. Die als

Zeichen abstrahierten Elemente der Architektur wie Türen, Fenster oder Materialien werden

von Daniel Libeskind ganz bewusst eingesetzt. Wie können Zeichen und Symbole des

Gebauten deren beabsichtigte Wirkung unterstützen? Was kommunizieren darüber hinaus der

grundlegende Zusammenhang von Form und Funktion sowie die Chaos und Ordnungs-

Dichotomie über die Gesellschaft bzw. über den Architekten?

2 Die Einteilung von Architektur erfolgt in Anlehnung an Schäfers nach verschiedenen Kriterien wie dem

vorherrschenden Baustil, der Kunst- und Kulturepoche, dem Zweck und den Funktionen der Gebäude, den

vorherrschenden Baumaterialien, den Formen der Raumauffassung sowie nach der Lage und Verbundenheit des

Gebäudes mit anderen Gebäuden (vgl. Schäfers 2006: 17f). In der vielschichtigen Auseinandersetzung mit

gegenwärtigen Architekturströmungen kann von Klassifizierungen nicht abgesehen werden. Im 20. Jh. werden

Stile durch die Konfrontation des einen Stils mit anderen Stilen bestimmt. Ein festes Zentrum der

Stilorientierung existiert nicht mehr. Stile sind vielmehr Systeme der äußeren Differenzierung (zwischen

verschiedenen Stilen) und der inneren Differenzierung (innerhalb eines Stils) geworden. (Vgl. Friesen 2006: 2f)

3


2. Der Begriff des Dekonstruktivismus


Der Dekonstruktivismus ist, in Anlehnung an Pahl, keine Epoche, die sich durch einen

bestimmten Stil auszeichnet oder eine Gegenbewegung gegen die Moderne und

Postmoderne.3 Vielmehr ist es ,,

eine Möglichkeit zur Darstellung einer geistigen Haltung

"

(Pahl 1999: 188).

Der Begriff Dekonstruktion - ein Hybrid aus den binären Oppositionen Konstruktion und

Destruktion - wurde von dem französischen Philosophen Jacques Derrida (1930) begründet

und aus der Philosophie in den Architekturdiskurs übersetzt. Seit Bernard Tschumi

gemeinsam mit Jacques Derrida in den 80er Jahren des 20. Jh. am Projekt ,,Parc de la

Villette" in Paris zusammenarbeitete, gibt es neben einer textlichen Referenz auch einen

persönlichen Austausch zwischen philosophischer Dekonstruktion und architektonischen

Dekonstruktivismus. Dekonstruktion gilt als wichtigstes Element des Poststrukturalismus4

und beruft sich v.a. auf den sprachlich-textuellen und ideologisch-metaphysischen Aspekt von

Kultur. Nach Derrida unterliegt Dekonstruktion keiner eindeutigen Bestimmung. Ohne seine

Konzepte5 detailliert zu betrachten, schreibt der Dekonstruktivismus im Wesentlichen zentrale

westliche Konzepte und Positionen neu. (Vgl. Nünning 2004: 105)

Dekonstruktion meint nicht die Verneinung von Konstruktion, wie es die Vorsilbe ,De′ in

ihrer sprachlichen Deutung nahe legt. Neben dem Moment der

De

-struktion enthält er auch

einen der

Kon

-struktion. Dekonstruktion bezeichnet die Ambiguität, Überliefertes zu

demontieren mit dem gleichzeitigen Bewusstsein, nicht ohne dieses auszukommen.

Der Annahme, dass Dekonstruktion die Moderne kritisiert und zerstört, setzt Stöbe entgegen,

dass Dekonstruktion deren Hintergründe und Strukturen aufdeckt (vgl. Stöbe 1999: 155).

Betroffen sind die vorherrschend klassischen Werte, wie z.B. Ordnung, Harmonie, Wahrheit

und Schönheit. Eine wirklich moderne Architektur müsse an den Zeitgeist anschließen und so

Erfahrungen wie Chaos, Unsicherheit und Entfremdung reflektieren (vgl. ebd.).

Dekonstruktivistische Architektur, so Jacques Derrida, befreit sich von

einer

vorherrschenden

Ästhetik, Schönheit, Nützlichkeit und der Funktionalität der Gebäude (vgl. ebd. zit. n.

Derrida: 191). Indem sie Konflikte artikuliert und ästhetisiert, revolutionieren Dekonstrukti-

3 Auf die formalen Ähnlichkeiten dekonstruktivistischer Architektur zum russischen Konstruktivismus, zum

italienischen Futurismus und zum deutschen Expressionismus wird in dieser Arbeit kein Bezug genommen.

4 Der Poststrukturalismus entwickelt sich in den 1960er-1980er Jahren aus der Neudefinition des Struktura-

lismus. Bedeutend dabei ist der Rekurs auf die linguistische Wende (linguistic turn), die eine Beeinflussung

vieler Wissenschaften von der Linguistik und Semiotik bedeutet.

5 Derrida wendet sich mit seinen Schlüsselkonzepten der Schrift (,,

écriture

") und der Differenz (,,

différance/
différence

") gegen die logozentrischen Illusionen des abendländischen Denkens. Er wendet sich damit gegen die

,Präsenz′ einer unmittelbar gegebenen und in der Sprache vergegenwärtigten Wirklichkeit. (Vgl. Nünning 2004:

105)

4



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:


This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/112160/architektur-als-zeichen-am-beispiel-von-daniel-libeskinds-museumsbauten
please wait Please wait