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Ökologie und Biodiversität von Tiefland- und Bergregenwäldern - Schlussfolgerungen zur Schutzwürdigkeit

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 39 Pages
Author: Jörg Vogelmann
Subject: Geography / Earth Science - Physical Georgraphy, Geomorphology, Env. Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2006
Pages: 39
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V112162
ISBN (E-book): 978-3-640-12534-0
ISBN (Book): 978-3-640-12623-1
File size: 2797 KB
Notes :
Die Arbeit entwickelt auf innovative Weise ein Muster zur Beurteilung der Schutzwürdigkeit von Regenwaldformationen und Lebensräumen generell. Zum Studium und zur Weiterentwicklung dieses Ansatzes lade ich herzlich ein! Die Arbeit entwickelt auf innovative Weise ein Muster zur Beurteilung der Schutzwürdigkeit von Regenwaldformationen und Lebensräumen generell. Zum Studium und zur Weiterentwicklung dieses Ansatzes lade ich herzlich ein!


Abstract

“Unter den verschiedenen tropischen Regenwaldformationen finden wir die strukturell komplexesten und reichhaltigsten Landökosysteme, die die Erde je trug” (Whitmore 1993: 21). Dennoch gehört dieser Lebensraum zu den Waldflächen der Erde, die am stärksten der anthropogene Zerstörung zum Opfer fallen. Die Abholzung und Degradierung tropischer Regenwälder wird sich in den nächsten Jahrzehnten kaum abschwächen. Folglich ist die Menschheit zunehmend aufgefordert, Maßstäbe und Kriterien zu entwickeln, die bei der Entscheidung helfen, welche Regenwaldformationen schon aus eigenem Interesse der Menschheit heraus unbedingt für die Zukunft erhalten werden müssen und welche man auf Grund der vielfältigen (kurzfristigen) Nutzungsansprüche der stetig anwachsenden Bevölkerungen vielleicht eher der Veränderung preisgibt. Die in den Geo- und Biowissenschaften noch umstrittene Frage, ob tropische Bergregenwälder oder tropische Tieflandregenwälder schutzwürdiger sind, steht somit im Zentrum dieser Arbeit – eine Frage, die angesichts des immensen jährlichen Verlustes an tropischen Wäldern immer dringender zu beantworten ist. Neben einem Blick auf die Konzepte Tieflandregenwald, Bergregenwald und Schutzwürdigkeit untersucht die Arbeit, ob Biodiversität als Kriterium zur Beurteilung letzterer dienen kann. Im zentralen Teil der Arbeit werden Ökologie und Artenvielfalt der beiden Lebensräume theoretisch und empirisch dargestellt und miteinander verglichen. Anhand der sechs Kategorien physiognomische Merkmale/Biomasseproduktion, Vermeidung von Erosion und Überschwemmungen, Fähigkeit zur CO2-Speicherung, Böden und Nährstoffkreisläufe, Bedrohtheit sowie Artenvielfalt werden Aussagen über die relative Schutzwürdigkeit der behandelten Regenwaldformationen abgeleitet, die im Fazit zu einer Gesamteinschätzung komprimiert werden. Zudem gibt die Arbeit einen Ausblick auf die weitere prognostizierte Entwicklung der Regenwaldzerstörung und darauf, wie die Bewahrung dieser Lebensräume gemäß neuer Ideen im Sinne eines “conservation management” aussehen könnte.


Excerpt (computer-generated)

Universität Stuttgart

16.9.2005

Institut für Geographie

Azenbergstr. 12

70174 Stuttgart

Hauptseminar Physische Geographie, WS 2005/06

Hauptseminararbeit:

Ökologie und Biodiversität von

Tiefland- und Bergregenwäldern:

Schlussfolgerungen zur Schutzwürdigkeit

Jörg Vogelmann

Geographie, M.A.


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1

2 Grundlagen, Begriffsdefinitionen und Untersuchungsgegenstand

2

3 Die Ökologie von Tiefland- und Gebirgsregenwäldern

4

3.1 Der tropische immergrüne Tieflandregenwald: Darstellung und Ökologie . .

4

3.2 Der tropische immergrüne Bergregenwald: Darstellung und Ökologie . . . .

6

3.3 Formations- und Ökologie-Vergleich der beiden Formationen tropischer Ber-

gregenwald und Tieflandregenwald .

8

3.3.1 Physiognomische Merkmale und Biomasseproduktion .

8

3.3.2

Nährstoffkreisläufe

.

9

3.3.3 Die Ökologie der Böden im Tiefland- und Bergregenwald 11

4 Biodiversität von Berg- und Tieflandregenwäldern

12

4.1 Überblick: Was ist Biodiversität? Theoretische Grundlagen 12

4.2 Theoretische Deduktionen zur Biodiversität von Berg- und Tieflandregenwäl-

dern 13

4.3

Empirische Ergebnisse

16

4.3.1 Überblick

16

4.3.2

Die Artenvielfalt von Berg- und Tieflandregenwäldern: Empirische Er-

gebnisse und Forschungsdebatte 19

5

Die Schutzwürdigkeit von Berg- und Tieflandregenwäldern

21

5.1

Wie ist der Begriff Schutzwürdigkeit und Naturschutz in Bezug auf Regen-

wälder zu verstehen? 21

5.2 Kann Biodiversität als Kriterium für die Schutzwürdigkeit eines Lebensraumes

dienen? 22

5.3 Ableitungen aus den Erkenntnissen aus Ökologie und Biodiversität: Bewer-

tung der Schutzwürdigkeit von Berg- und Tieflandregenwäldern 24

5.3.1 Physiognomische Merkmale/ Biomasseproduktion 24

5.3.2

Vermeidung von Erosion und Überschwemmungen 24

5.3.3 Fähigkeit zur CO -Speicherung 25

2

5.3.4 Böden und Nährstoffkreisläufe 25

i


5.3.5

Bedrohtheit 27

5.3.6

Biodiversität

28

5.4 Fazit zur Schutzwürdigkeit 30

6

Ausblick (fakultativ)

31

7 Quellenverzeichnis

33

ii


Abbildungsverzeichnis

1

Ökozonale Gliederung der Erde .

3

2

Immergrüner Tieflandregenwald .

4

3

Kapokbäume als Emergenten .

5

4

Stockwerksbau und Nährstoffkreislauf .

6

5

Tropischer Bergregenwald .

7

6

Bergregenwald mit geringeren Stammdurchmessern und Wuchshöhen . . .

7

7

Dicker Bewuchs von Stämmen und Ästen mit Bryophyten und Farnen . . . .

7

8

Bromeliaceen im Bergregenwald .

7

9

Die Verteilung von Calcium und Kalium in Tiefland- und in Bergregenwäldern 10

10

Pleistozäne Refugien tropischer Regenwälder 16

11

Die globale Biodiversität 18

12

Abgeholzter Wald in Südwestbrasilien 26

13

Abnahme der mit Regenwald bedeckten Fläche Costa Ricas 28

14

Weltweite Abnahme des feuchten Tropenwaldes 32

Tabellenverzeichnis

1

Vergleich eines Tieflandregenwaldes mit einem Bergregenwald .

8

2

Zoomasse in einem Amazonasregenwald 18

iii


1 Einleitung

¨Unter den verschiedenen tropischen Regenwaldformationen finden wir die strukturell

komplexesten und reichhaltigsten Landökosysteme, die die Erde je trug ¨ (WHITMORE

1993: 21). Diese beeindruckende Aussage des renommierten Regenwaldforschers T.C.

WHITMORE geht allerdings einher mit der Tatsache, dass dieser Lebensraum zu den Wald-

flächen der Erde gehört, die am stärksten dem Raubbau und der Abholzung durch den

Menschen zum Opfer fallen. Dabei hat die anthropogene Zerstörung der Regenwälder

viele Ursachen. Ein Grund für die Vernichtung dieses Naturraumes ist sicherlich das starke

Bevölkerungswachstum vor allem in den Entwicklungsländern, was zu einem immer stär-

keren Bedarf an Anbau- und Siedlungsflächen und somit zum Zurückdrängen der Wälder

besonders in den Tropen führt.

Dieser Trend und somit auch die Regenwaldzerstörung werden sich in den nächs-

ten Jahrzehnten kaum abschwächen. Folglich ist die Menschheit zunehmend aufgefor-

dert, Maßstäbe und Kriterien zu entwickeln, die Hilfestellung bei der Entscheidung geben

können, welche Regenwaldstandorte schon aus eigenem Interesse der Menschen her-

aus unbedingt für die Zukunft erhalten werden müssen und welche man auf Grund der

vielfältigen Interessen und Nutzungsansprüche der Bevölkerungen vielleicht eher der Ver-

änderung preisgibt.

Die Frage, ob z.B. ein Bergregenwald oder ein Tieflandregenwald schützenswerter

ist, ist zwar angesichts des immensen jährlichen Verlustes an tropischen Wäldern immer

dringender zu beantworten, gehört aber auch gleichzeitig zu den umstrittensten in den

Geo- und Biowissenschaften. Zwar kann man Kriterien wie Biodiversität oder Ökologiever-

gleiche heranziehen oder die verschiedenen Nutzen der einzelnen Gebiete und Wald-

typen für den Menschen abwägen, der Entscheidung wird aber letztendlich immer eine

subjektive Bewertung dieser Kriterien vorausgehen.

Nichtsdestotrotz möchte sich diese Arbeit mit der genannten Frage der Schutz-

würdigkeit von Tiefland- oder Gebirgsregenwäldern befassen. Nach der Klärung von

Begriffen wie Tieflandregenwald und Bergregenwald werden Ökologie und Biodiversi-

tät der beiden Lebensräume theoretisch und empirisch dargestellt und miteinander ver-

glichen. Nach der Einführung in den Begriff Schutzwürdigkeit wird dann untersucht, ob

Biodiversität als Kriterium zur Beurteilung dieser dienen kann. Zuletzt sollen sich aus den

durchgeführten Analysen zu Berg- und Tieflandregenwald subjektive Aussagen über die

1


Schutzwürdigkeit der behandelten Formationen ableiten lassen und im Fazit zu einer

Gesamteinschätzung komprimiert werden. Am Schluss dieser Arbeit soll ein kurzer Aus-

blick zur zukünftigen Entwicklung der Regenwaldzerstörung und zu der Frage gegeben

werden, wie die Bewahrung dieser schutzwürdigen Regenwaldgebiete gemäß neuer

Ideen im Sinne eines ¨conservation management¨ aussehen könnte.

2 Grundlagen, Begriffsdefinitionen und

Untersuchungsgegenstand

Der Pflanzenwuchs auf der Erde ist stark von den klimatischen Bedingungen abhängig.

Demzufolge ähneln die Vegetationszonen der Erde sehr stark den Klimazonen. In den

feuchten tropischen Klimaten mit - gemäß KÖPPEN - Monatsdurchschnittstemperatu-

ren von mehr als 18C in jedem Monat und Tageszeitenklima gedeihen die tropischen

Feuchtwälder. Dabei herrschen in den Gebieten mit hohen Niederschlagsmengen von

mindestens 100 mm pro Monat, also ohne ausgeprägte Trockenzeiten, die tropischen

Regenwälder vor; bei längeren Trockenphasen gedeihen dagegen Monsunwälder, die

nicht Gegenstand dieser Arbeit sind.

Somit lassen sich tropische Regenwälder in der Neotropis mit einer Fläche von vier

Mio. Quadratkilometern, in den Osttropen (2,5 Mio. Quadratkilometer) und in Afrika (1,8

Mio. Quadratkilometer) finden. In der Ökozonalgliederung der Erde nach SCHULTZ (2000)

entspricht die Fläche der immerfeuchten Tropen sehr gut der Vegetationszone des tro-

pischen Regenwaldes (vgl. Abb.1), dessen Bezeichnung 1898 vom deutschen Botaniker

SCHIMPER entwickelt wurde (WHITMORE 1990: 21). Eine Vegetationszone lässt sich durch

bestimmte Vegetationsformationen - also Vegetationseinheiten - kennzeichnen, die sich

durch einheitliche, konvergente Wuchs- und Lebensformen sowie Vegetationsstruktur, je-

doch keineswegs durch identische Artenzusammensetzung, auszeichnen (SCHOLZ 1998:

53).

GRIESEBACH (1814-1879), einer der Begründer der Formationslehre, definierte in

seinem berühmten folgenden Satz die geobotanische Formation wie folgt: ¨Ich möch-

te eine Gruppe von Pflanzen, die einen abgeschlossenen physiognomischen Charakter

trägt, wie eine Wiese, ein Wald und dergleichen, eine pflanzengeographische Formation

nennen¨ (GRIESEBACH 1838).

2


Abbildung 1. Ökozonale Gliederung der Erde. Die dunkelgrüne Farbe mit der Bezeichnung ¨immer-

feuchte Tropen¨ korreliert sehr gut mit der Verbreitung der tropischen Regenwälder auf der Erde.

Lediglich die isolierten Regenwaldvorkommen in Indien im Bereich der Westghats und in Nord-

ostaustralien bleiben hier unberücksichtigt.

Quelle: SCHULTZ 2000: 33.

Gemäß den Weiterentwicklungen dieses Ansatzes durch ELLENBERG und MÜLLER-

DUMBOIS lassen sich nun die Bezeichnungen Berg- und Tieflandregenwald deduzieren:

Innerhalb der Formationsklasse Dichtgeschlossene Wälder gibt es die Formationsunter-

klasse vorwiegend immergrüne Wälder, wozu auch die Formationsgruppe Feuchttropen-

wälder gehört (zit. in KLINK 1998:82). Innerhalb der Formationsgruppe Feuchttropenwälder

sind für diese Arbeit folgende Formationen in der Reihenfolge ihres Höhenvorkommens

über N.N. relevant: Tieflands-Feuchttropenwald, submontaner Feuchttropenwald und mon-

taner Feuchttropenwald. Der Einfachheit halber wird aber der Begriff (immergrüner)

Tief-

landregenwald

synonym für den wissenschaftlich exakteren Begriff (immergrüner) Tieflands-

Feuchttropenwald verwendet. Außerdem werden in dieser Arbeit submontaner Feucht-

tropenwald und montaner Feuchttropenwald aus technischen Gründen im Begriff Ber-

gregenwald zusammengefasst.

Bei den in dieser Arbeit behandelten Berg- und Tieflandregenwäldern handelt es

3



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