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Bürgerkriege und die nicht direkt beteiligte Bevölkerung

Subtitle: Lasten und Zerstörungen aus den Bürgerkriegen und die Regelung der Folgen

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2008, 20 Pages
Author: Oliver Quast
Subject: History - Early and Ancient History

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2008
Pages: 20
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 11  Entries
Language: German
Archive No.: V112166
ISBN (E-book): 978-3-640-10794-0

File size: 138 KB

Abstract

In der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche Auswirkungen die Kriegshandlungen im Rahmen der Bürgerkriege für die unbeteiligte Bevölkerung hatte. Als nicht unmittelbar beteiligte Bevölkerung sollen alle bezeichnet werden, die nicht direkt in die Kampfhandlungen als Soldaten, Söldner oder ähnliches eingebunden waren. Weiterhin soll untersucht werden, wie die Folgen der Bürgerkriege geregelt wurden. Wurde den Geschädigten bei der Beseitigung des durch direkte Kriegshandlungen entstandenen Schadens geholfen? Bekamen die Enteigneten und Entrechteten eine Wiedergutmachung? Weiter soll hierbei deutlich werden, zu welchem Zeitpunkt solche Entschädigungen stattfanden. In der Epoche der Bürgerkriege, welche den Zeitraum der Jahre 133 bis 30 v.Chr. umfasste, geriet die Römische Republik in eine schwere Krise und ging schließlich unter. Beginnend mit den Reformen der Gracchen über die Parteikämpfe zwischen den Optimaten und Popularen, mündeten die Auseinandersetzungen schlussendlich in der Errichtung der Monarchie unter dem ersten römischen Kaiser Augustus. Dieser kurze Abriss der politischen Vorgänge darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf dem Weg hin zur Monarchie annähernd einhundert Jahre teils kriegsähnliche Auseinandersetzungen lagen. Krieg bedeutete (und bedeutet heutzutage immer noch) nicht allein Truppenaushebungen und –verschiebungen sowie Schlachten, in denen viele Menschen um ihr Leben kamen, sondern auch enorme Lasten für die zivile, also nicht direkt beteiligte Bevölkerung.


Excerpt (computer-generated)

Helmut-Schmidt-Universität

Universität der Bundeswehr Hamburg

Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften

HS AG: Das Zeitalter der Bürgerkriege

Bürgerkriege und die nicht direkt beteiligte

Bevölkerung

-

Lasten und Zerstörungen aus den

Bürgerkriegen und die Regelung der Folgen

Oliver Quast

Abgabedatum: 21.04.2008


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

3

Fragestellung

3

Literaturlage

3

Methode

4

Allgemeine Auswirkungen

5

Auswirkungen durch Kriegshandlungen

8

Mylasa

8

Pergamon

9

Rhodos

10

Verfolgung der politischen Gegner

12

Laudatio Turiae

12

Schlussfolgerungen

17

Quellen- und Literaturverzeichnis

18

Quellen

18

Literatur

18

2


Einleitung

In der Epoche der Bürgerkriege, welche den Zeitraum der Jahre 133 bis 30 v.Chr. umfasste,

geriet die Römische Republik in eine schwere Krise und ging schließlich unter. Beginnend

mit den Reformen der Gracchen über die Parteikämpfe zwischen den Optimaten und

Popularen, mündeten die Auseinandersetzungen schlussendlich in der Errichtung der

Monarchie unter dem ersten römischen Kaiser Augustus.1

Dieser kurze Abriss der politischen Vorgänge darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf

dem Weg hin zur Monarchie annähernd einhundert Jahre teils kriegsähnliche

Auseinandersetzungen lagen. Krieg bedeutete (und bedeutet heutzutage immer noch) nicht

allein Truppenaushebungen und ­verschiebungen sowie Schlachten, in denen viele Menschen

um ihr Leben kamen, sondern auch enorme Lasten für die zivile, also nicht direkt beteiligte

Bevölkerung.

Fragestellung

In der vorliegenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, welche Auswirkungen die

Kriegshandlungen im Rahmen der Bürgerkriege für die unbeteiligte Bevölkerung hatte. Als

nicht unmittelbar beteiligte Bevölkerung sollen alle bezeichnet werden, die nicht direkt in die

Kampfhandlungen als Soldaten, Söldner oder ähnliches eingebunden waren. Weiterhin soll

untersucht werden, wie die Folgen der Bürgerkriege geregelt wurden. Wurde den

Geschädigten bei der Beseitigung des durch direkte Kriegshandlungen entstandenen Schadens

geholfen? Bekamen die Enteigneten und Entrechteten eine Wiedergutmachung? Weiter soll

hierbei deutlich werden, zu welchem Zeitpunkt solche Entschädigungen stattfanden.

Literaturlage

Übersichtswerke, die die späte Römische Republik zum Inhalt haben, sind zahlreich

vorhanden. Der Zeitraum der Bürgerkriege und die Bürgerkriege an sich sind auch

weitreichend untersucht worden. Allerdings werden meist die politischen und militärischen

Vorgänge und nur in geringerem Maße die Sozialgeschichte behandelt. Die römische

Sozialgeschichte wurde insbesondere von Alföldy2 erforscht. Was die direkten Kriegsfolgen

für die Bevölkerung betrifft, wird man jedoch auch hier nicht fündig.

1 Siehe hierzu Bleicken, Jochen: Geschichte der römischen Republik, München 1999, S. 61-91.

2 Alföldy, Geza: Römische Sozialgeschichte, Wiesbaden 1975.

3


Aus diesem Grund wird sich die Arbeit hauptsächlich auf Quellen stützen. Hierbei sei

einerseits die sogenannte Laudatio Turiae und andererseits die Quellensammlung von Sherk3

hervorgehoben. Die sogenannte Laudatio Turiae liegt in verschiedenen Editionen vor. In

dieser Arbeit wurden die beiden jüngeren verwendet, einerseits die von Erik Wistrand4 und

anderseits die jüngste von Dieter Flach5, da beide Herausgeber in ihren Anmerkungen die

Laudatio durchaus verschieden interpretieren und damit zu unterschiedlichen Ergebnissen

kommen. Nachfolgend soll die jeweils nachvollziehbarere Interpretation übernommen

werden. Obwohl es nicht als sicher zu bewerten ist, ob es sich bei der Grabesrede um die des

trauernden Konsuls Quintus Lucretius Vespillo auf seine verstorbene Frau Turia handelt,6

wird im nachfolgenden Quellennachweis der gebräuchliche Name ,,Laudatio Turia"

verwendet.

Methode

Aufgrund der sehr eingeschränkten Literatur, sollen die Folgen für die nicht direkt beteiligte

Bevölkerung an dieser Stelle exemplarisch untersucht werden. Hierzu werden aus den

verfügbaren Quellen die Passagen herausgenommen, die auf Folgen eines Bürgerkrieges

schließen lassen und der dargestellte Sachverhalt verallgemeinert. Es sollen also die

Gemeinsamkeiten der jeweiligen Einzelfälle untersucht werden, um somit einen Schluss auf

das Allgemeine zu ziehen.

Beginnend sollen die Auswirkungen behandelt werden, die die Bürgerkriege im Allgemeinen

auf die Bevölkerung und die römische Gesellschaft hatten. Anschließend werden

Auswirkungen der Kriegshandlungen an den drei Beispielen der Städte Mylasa, Pergamon

und Rhodos verdeutlicht werden, um schließlich die Auswirkungen auf den Einzelnen wie

Verfolgung oder Enteignung zu untersuchen.

3 Sherk, Robert K.: Rome and the Greek East to the death of Augustus, Cambridge 1984.

4 Wistrand, Erik: The so-called Laudatio Turiae, Göteborg 1976.

5 Flach, Dieter: Die sogenannte Laudatio Turiae, Darmstadt 1991.

6 Vgl. ebd., S. 1-8.

4


Allgemeine Auswirkungen

Im 2. Jahrhundert v.Chr. vollzog sich eine starke Differenzierung der römischen Gesellschaft,

wodurch sich einige schwere Konflikte entwickelten. Die Fronten bildeten sich zwischen den

verschiedenen benachteiligten sozialen Gruppierungen und der herrschenden Schicht, aber

auch zwischen einzelnen Gruppen der Führungsschicht. Die überholte politische Ordnung

Roms konnte dabei nicht zu der Entschärfung der Konflikte beitragen, sodass die Konflikte

meist nicht mit friedlichen Mitteln zu lösen waren. Reformen oder Versuche, die Entwicklung

aufzuhalten versagten meist. Die Krise der römischen Gesellschaft mit Bürgerkriegen und

Revolten war quasi unvermeidlich.7

Durch die Auseinandersetzungen und die damit einhergehenden Reformen wandelte sich die

römische

Gesellschaft

grundlegend.

Solche

Veränderungen

der

rechtlichen

Rahmenbedingungen änderten auch die politischen und sozialen Möglichkeiten einzelner

aufzusteigen.8 Die Auswirkungen der rechtlichen Erneuerungen sollen an dieser Stelle aber

vernachlässigt werden, da sie nur äußerst mittelbar durch die Bürgerkriege entstanden und

den Unbeteiligten betrafen.

Einzelne Personen konnten jedoch auch unmittelbar durch die Auswirkungen oder besser

Folgen der Auseinandersetzungen und besonders durch geschicktes und rücksichtsloses

Handeln zu immensen Reichtümern gelangen. So verhalfen in der Zeit der Bürgerkriege nicht

nur die fortgesetzte Expansion des Reiches und unternehmerische Gewinne zu Besitz, sondern

auch die politischen Umwälzungen besonders seit Marius und Sulla. Führende Familien

wurden ausgerottet und riesige Vermögen konfisziert.9

Beispiele für solche Männer, die während der Bürgerkriege zu viel Geld kamen sind Marius,

der seinerzeit als armer Mann seine Tätigkeit begann und im Laufe seiner Karriere Ländereien

erwarb, die nach Plutarch für einen König ausreichten.10 Ebenso Sulla war anfangs arm und

zählte später als einer der reichsten Menschen seiner Zeit und auch Marcus Licinius Crassus

vermehrte sein Vermögen enorm.11 So behauptete dieser, ,,nur wer aus seinem jährlichen

Einkommen eine Legion unterhalten könne, sei reich. Er besaß Ländereien im Wert von

200.000.000 Sesterzen, nach Sulla der reichste der Quiriten, und doch war es <ihm> nicht

genug, wenn er nicht <noch> das ganze Gold der Parther an sich gebracht hätte; mag er

7 Alföldy, Geza: Römische Sozialgeschichte, Wiesbaden 1975, S. 45.

8 Vgl. ebd., S. 79.

9 Ebd., S. 79.

10 Plutarch: Große Griechen und Römer, Marius 34 und 45.

11 Alföldy, Geza: Römische Sozialgeschichte, Wiesbaden 1975, S. 79-80; vgl. hierzu Plutarch: Große Griechen

und Römer, Crassus 2.

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