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Das Miteinander von Deutsch und Türkisch in der multikulturellen Jugendsprache Deutschlands

Untertitel: Ungesteuerter Spracherwerb nicht-türkischer Jugendlicher und das Phänomen Ethnolekt

Hauptseminararbeit, 2008, 17 Seiten
Autor: Isabell Falter
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 17
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 8  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V112253
ISBN (E-Book): 978-3-640-11075-9
ISBN (Buch): 978-3-640-11081-0
Dateigröße: 151 KB

Zusammenfassung / Abstract

Auch wer sich nicht von der wissenschaftlichen Seite mit dem Phänomen Sprachkontakt beschäftigt, dem bleibt die zunehmende Tendenz einer multikulturellen und damit eben auch gemischtsprachigen Gesellschaft in Deutschland nicht verborgen. In nahezu allen Situationen des alltäglichen Lebens, beim Einkauf, in Bus und Bahn sowie im Schul- und Arbeitsleben trifft auf man Menschen, die sich eben nicht nur monolingual in Deutsch unterhalten können. Gerade in Stadtteilen mit einer multiethnischen Bevölkerungszusammensetzung (wie etwa in Hamburg-Altona oder Berlin-Neukölln) liegt keine einheitliche Sprachlandschaft vor. Schilder, Aushänge, Werbeplakate, Speisekarten und sogar amtliche Formulare sind längst mehrsprachig oder in den jeweiligen Landessprachen formuliert. Vor allem das Türkische ist in genau diesem multikulturellen Deutschland stets präsent. Bedingt durch die Zuwanderung in den 1960er Jahren existiert heute in der 3. Generation eine große Sprechergemeinschaft, die sowohl Türkisch als auch Deutsch beherrscht und anwendet. So kommt es gerade in der Schule und Freizeit zu Begegnungen zwischen türkischen Jugendlichen und Jugendlichen nicht-türkischer Herkunft. Im Fokus dieser Arbeit steht genau dieser Sprachkontakt. Viele anderssprachige Jugendlichen beginnen bewusst oder unbewusst mit dem Erlernen des Türkischen. Hierbei geht es immer um den natürlichen, ungesteuerten Spracherwerb der im Alltag geschieht und nicht von Institutionen wie der Schule gesteuert wird. Die Türkischkompetenz der Lerner weist ein breites Spektrum auf und reicht von floskelhaften Begrüßungen bis hin zu einer Sprachkompetenz, die von der eines Muttersprachlers kaum zu unterscheiden ist. Im Vordergrund der Arbeit stehen weniger die soziokulturellen Beweggründe der Lerner, sondern die Strategien des Spracherwerbs sowie die pragmatische Anwendung der Kenntnisse in der Kommunikation. Auf der anderen Seite steht der Bevölkerungsteil Deutschlands, der nicht zwangsläufig in direktem Kontakt zu Türkischsprechern stehen muss und dennoch den Eindruck vermittelt, mit den Grundzügen der Sprache vertraut zu sein. Der ethnolektale Sprachstil erfreut sich nicht nur unter Jugendlichen großer Beliebtheit und ist dank der Medien und einiger „Comedians“ in aller Munde. Auch diesem Phänomen wendet sich diese Arbeit zu, stellt die Grundzüge vor und grenzt gleichzeitig den Ethnolekt von anderen sprachlichen Registern wie dem Gastarbeiterdeutsch ab.


Textauszug (computergeneriert)

Institut für Linguistik der Universität zu Köln

-Al gemeine Sprachwissenschaft-

Hauptseminar ,,Soziolinguistik"

Wintersemester 2007/08

,,Das Miteinander von Deutsch und Türkisch in der

multikulturellen Jugendsprache Deutschlands."

Ungesteuerter Spracherwerb nicht-türkischer Jugendlicher &

das Phänomen Ethnolekt

Isabel Falter

6. Semester

Germanistik, Al g. Sprachwissenschaft, Philosophie


Seite 2

Gliederung

1

Einleitung 3

2

Türkischerwerb durch jugendliche Sprecher nicht-türkischer Herkunft 4

2.1

Kontext der Datenerhebung 4

2.2

Erwerbssituationen 4

2.3

Strategien des Spracherwerbs 5

3

Anwendung türkischer Sprachkenntnisse 7

3.1

Türkische Routinen in der Anrede 7

3.2

Sprachliche Routinen zu Beginn und Ende eines Diskurses 7

3.3

Diskurssteuernde Elemente 9

4

Das Phänomen Ethnolekt 10

4.1

Definition 10

4.1.1

Der primärer Ethnolekt 11

4.1.2

Der Sekundäre Ethnolekt 12

4.1.3

Der tertiäre Ethnolekt 13

4.2

Gründe für Aneignung und Verwendung des stilisierten Ethnolekts 13

5

Fazit 15

6

Bibliographie 16


Seite 3

1 Einleitung

Auch wer sich nicht von der wissenschaftlichen Seite mit dem Phänomen Sprachkon-

takt beschäftigt, dem bleibt die zunehmende Tendenz einer multikulturel en und da-

mit eben auch gemischtsprachigen Gesel schaft in Deutschland nicht verborgen. In

nahezu al en Situationen des al täglichen Lebens, beim Einkauf, in Bus und Bahn

sowie im Schul- und Arbeitsleben trifft auf man Menschen, die sich eben nicht nur

monolingual in Deutsch unterhalten können. Gerade in Stadtteilen mit einer multieth-

nischen Bevölkerungszusammensetzung (wie etwa in Hamburg-Altona oder Berlin-

Neuköl n) liegt keine einheitliche Sprachlandschaft vor. Schilder, Aushänge, Werbe-

plakate, Speisekarten und sogar amtliche Formulare sind längst mehrsprachig oder

in den jeweiligen Landessprachen formuliert.

Vor al em das Türkische ist in genau diesem multikulturel en Deutschland stets prä-

sent. Bedingt durch die Zuwanderung in den 1960er Jahren existiert heute in der 3.

Generation eine große Sprechergemeinschaft, die sowohl Türkisch als auch Deutsch

beherrscht und anwendet. So kommt es gerade in der Schule und Freizeit zu Begeg-

nungen zwischen türkischen Jugendlichen und Jugendlichen nicht-türkischer Her-

kunft.

Im Fokus dieser Arbeit steht genau dieser Sprachkontakt. Viele anderssprachige Ju-

gendlichen beginnen bewusst oder unbewusst mit dem Erlernen des Türkischen.

Hierbei geht es immer um den natürlichen, ungesteuerten Spracherwerb der im Al -

tag geschieht und nicht von Institutionen wie der Schule gesteuert wird. Die Tür-

kischkompetenz der Lerner weist ein breites Spektrum auf und reicht von floskelhaf-

ten Begrüßungen bis hin zu einer Sprachkompetenz, die von der eines Muttersprach-

lers kaum zu unterscheiden ist. Im Vordergrund der Arbeit stehen weniger die sozio-

kulturel en Beweggründe der Lerner, sondern die Strategien des Spracherwerbs so-

wie die pragmatische Anwendung der Kenntnisse in der Kommunikation.

Auf der anderen Seite steht der Bevölkerungsteil Deutschlands, der nicht zwangsläu-

fig in direktem Kontakt zu Türkischsprechern stehen muss und dennoch den Ein-

druck vermittelt, mit den Grundzügen der Sprache vertraut zu sein. Der ethnolektale

Sprachstil erfreut sich nicht nur unter Jugendlichen großer Beliebtheit und ist dank

der Medien und einiger ,,Comedians" in al er Munde. Auch diesem Phänomen wendet

sich diese Arbeit zu, stel t die Grundzüge vor und grenzt gleichzeitig den Ethnolekt

von anderen sprachlichen Registern wie dem Gastarbeiterdeutsch ab.


Seite 4

2 Türkischerwerb durch jugendliche Sprecher nicht-türkischer

Herkunft

2.1 Kontext der Datenerhebung

Vor al em in Stadtteilen mit einem hohen Ausländanteil gehört es nahezu zum al täg-

lichen Geschehen auch deutsche Jugendliche oder Jugendliche nicht-türkischer Her-

kunft Türkisch sprechen zu hören. Dies kann mehrere Gründe haben. Oft leben die

Jugendlichen in direkter Nachbarschaft zu türkischen Mitbewohnern und stehen häu-

fig mit ihnen in Kontakt. Dies kann bedingt durch die Schule, durch Freizeitaktivitäten

oder die Wohnsituation entstehen.

1997/1998 leitete Peter Auer das Forschungsprojekt ,,Türkisch in gemischtkulturel en

Gruppen von Jugendlichen"1. Die Daten, auf die ich mich stütze und die ich vorstel e,

stammen ausschließlich aus diesem Projekt. 25 Hamburger Jugendliche2 unter-

schiedlicher Nationalitäten, die von sich selbst behaupten mehr oder weniger gut

Türkisch zu sprechen, führten ein Tonbandgerät mit sich, das ihre Al tagskommuni-

kation aufzeichnete. Ergänzt wurden diese Angaben durch biographische Inter-

views3. Auch die Angaben zu den Strategien des Spracherwerbs stammen von den

Jugendlichen selbst.

2.2 Erwerbssituationen

Al e Jugendlichen begannen aus freien Stücken mit dem Türkischerwerb. Die Spra-

che ist in ihrem sozialen Umfeld meist al gegenwärtig und damit ein bedeutender As-

pekt des Al tags. Jedoch wachsen nicht al e Jugendlichen in einer Umgebung mit

einem hohen türkischen Anteil auf. Einige der Informanten haben dafür verstärkten

Kontakt zu Türkischsprechenden und lernen die Sprache oft von ihnen.4 Der Auslö-

ser für den Erwerb kann auch mit konkreten Daten zusammenhängen. In der Regel

erinnern sich die Informanten an Zeiträume, in denen sie begannen intensiveren

Kontakt zu Türken5 zu pflegen. Auch ein Urlaub in der Türkei kann das Interesse an

der Sprache wecken. Einige der Jugendlichen verbinden den Beginn ihres Türkisch-

1 Vgl. nci Dirim/Peter Auer (2004), Türkisch sprechen nicht nur die Türken, Über die Unschärfebeziehung zwi-

schen Sprache und Ethnie in Deutschland, Walter de Gruyter, Berlin, S. 32ff.

2 nci Dirim spricht in seinem Aufsatz ,,Zum Gebrauch türkischer Routinen bei Hamburger Jugendlichen nicht-

türkischer Herkunft" (2005)der sich auf das gleiche Projekt stützt von 20 Jugendlichen.

3 Vgl Auer/Dirim 2004 : 58

4 Vgl. Dirim (2005) : 43

5 Wie auch Auer/Dirim verwende ich den Begriff ,türkisch´und ´Türken/Türkinnen´ lediglich als ethnische Katego-

rie. In meinem Kontext bezeichne ich damit lediglich Sprecher des Türkischen, die zumeist auch türkische Wur-

zeln haben.



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