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Seelsorge an Trauernden als Begleitung von Lebensgeschichte

Scholary Paper (Seminar), 2008, 17 Pages
Author: Patrick Wacker
Subject: Theology - Practical Theology

Details

Event: Religion und Lebensgeschichte
Institution/College: Christian-Albrechts-University of Kiel
Tags: Seelsorge, Trauernden, Begleitung, Lebensgeschichte, Religion, Lebensgeschichte
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2008
Pages: 17
Grade: 2 (10 Punkte)
Bibliography: ~ 21  Entries
Language: German
Archive No.: V112286
ISBN (E-book): 978-3-640-11147-3
ISBN (Book): 978-3-640-11278-4
File size: 132 KB

Abstract

Aus der Zusammenfassung: Trauer ist eine lebensgeschichtliche Umbrucherfahrung und verändert erheblich die Lebensverhältnisse, so dass ein horror vacui entsteht, welches die Seelsorge zu füllen hat. Für die Seelsorge ist der Umgang mit solch einer besonderen Krisensituation eine Herausforderung, zumal der Aspekt des Leidens der Trauernden auf schmerzlichste Weise die Grenzen ihrer Möglichkeiten aufzeigt. Dass eine solche Erfahrung auch ein religiöser Relevanzpunkt sein kann, ist m.E. nicht zwingend, aber falls dies der Fall ist und dieser Fall kann durch Seelsorge forciert werden, kann er einen unschätzbaren Vorteil für die Trauerarbeit in sich bergen. Kann die religiöse bzw. die christliche Komponente in die Seelsorge an Trauernden eingebaut werden oder noch viel besser zum Ziel gemacht werden, dann erhält das individualisierte lebensgeschichtliche Konstrukt ein überindividuelles Fundament und geht aus dem Trauerprozess stärker und stabiler hervor. Die erzwungene Wahlbiografie und die ständige Identitätssuche bieten bei der Trauer keinen Halt, schlimmer noch, sie verstärken das Gefühl der Sinnlosigkeit und Beziehungslosigkeit. Gelingt es den Seelsorgenden mitfühlend Gefüh-e zu fokussieren, entsteht aus der Strukturierung der Gefühle eine Geschichte, deren Verstehen einen Freiheitsraum komponiert. [...]


Excerpt (computer-generated)

Seelsorge an Trauernden

als Begleitung von Lebensgeschichte

von Patrick Wacker


Inhaltsverzeichnis

1. Hinführung __________________________________________________ 2

1.1. Seelsorge __________________________________________________ 2

1.2. Lebensgeschichte im Kontext von Seelsorge_______________________ 3

2. Seelsorge im Kontext von Tod und Trauer __________________________ 5

2.1. Individualisierung als bestimmender Faktor für Trauer_____________ 5

2.2. Trauer ___________________________________________________ 7

2.3. Aufgabe der Seelsorgenden __________________________________ 9

2.4. Trauerarbeit im christlichen Kontext __________________________ 11

3. Zusammenführung ___________________________________________ 12

4. Literaturverzeichnis___________________________________________ 14

1


1. Hinführung

In diesem ersten Teil der Ausarbeitung werden die Hauptbegriffe ,,Seelsorge" und ,,Lebensge-

schichte" erörtert, um dann im Hauptteil näher auf

Seelsorge im Kontext von Tod und Trauer

einzugehen. Dort wird der Begriff der ,,Trauer" näher erläutert. Ziel wird sein, den Todesfall

bzw. die daraus resultierende Trauer lebensgeschichtlich einzuordnen bzw. die Relevanz der

Trauer für die Lebensgeschichte aufzuzeigen.

Ein weiterer Aspekt wird die christliche Intention der Seelsorge sein. Tod und Trauer als reli-

giöse Relevanzpunkte werden hierbei beachtet und es wird der Versuch gemacht, die Chancen

einer christlich intendierten Seelsorge hervorzuheben.

1.1. Seelsorge

Während der Begriff ,,Seelsorge" eigentlich säkularen Ursprungs ist, so ist der heutige

Sprachgebrauch auf eine kirchliche Praxis bezogen. Dieser kirchliche Bezug findet sich schon

bei Basilius von Caeserea und hat durch Martin Luthers Gebrauch ,,zentrale Bedeutung für

die kirchl. Amtspraxis erlangt"1.

Neben der konfessionell bedingten unterschiedlichen Gebräuche des Seelsorgebegriffs von

der

cura animarum generalis

(Katholizismus) und der

cura animarum specialis

(Protestan-

tismus), ist eine Differenzierung in die intentionale Seelsorge, die funktionale Seelsorge und

die dimensionale Seelsorge hilfreich.2 Dieser dreifache Gebrauch nützt m.E. auch den Begriff

der Seelsorge und auch die Seelsorge an sich in Bezug auf

Lebensgeschichte

anzuwenden.

Denn von der allgemeinen dimensionalen Beschreibung als Ideal konkretisiert sich das Mo-

dell über die strukturelle Beschreibung als Funktion hin zu einer Intention im Sinne einer

Veranlassung, in welcher dann auch die religiösen Relevanzpunkte Beachtung finden.

Geschieht Seelsorge aus einer Veranlassung, dann ist noch nicht geklärt, was Seelsorge ei-

gentlich ist. Neben den landläufigen deutlichen Vorstellungen über eine Definition ist in der

Poimenik die Begrifflichkeit diffus.3 Da Seelsorge nicht nur Gespräch bedeutet - und falls

1 Ziemer, Jürgen, Art. Seelsorge. I. Zum Begriff, in RGG4 7 (2004), 1111.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. Pohl-Patalong, Uta, Seelsorge. Konzeption / Kontexte / Lebensgestaltung / Seelsorgegespräch, in: Gräb,

Wilhelm/Weyel, Birgit, Handbuch Praktische Theologie, Gütersloh 2007, [675].

2


doch, dann ist die Frage wie ein Gespräch seelsorgerlich qualifiziert ist -4 erfordert es zum

einen Seelsorge als Konstrukt zu betrachten und zum anderen eine inhaltlich weite Definition

zu verwenden: ,,Seelsorge ist christliche Unterstützung der Lebensgestaltung."5 Dadurch wird

Seelsorge nicht nur dimensional beschrieben, sondern auch gefordert. Vorteil kann hier beim

initialen Gebrauch der Seelsorge sein, dass sie sich immer an der dimensionalen Beschrei-

bung verifizieren lässt, also einer Kontrollfunktion gleich kommt.

Betrachtet man die verschiedenen Handlungsfelder6 in der heutigen Seelsorgepraxis, so er-

scheint es wenig überraschend, dass die Konzeptionen und Methoden mindestens genauso

vielseitig sind. Zwar spiegelt sich in einer Vielzahl der Ansätze die Idee der Seelsorgebewe-

gung7 wider, man kann jedoch nicht von einer aktuellen übergreifenden konzeptionellen

Strömung sprechen. Neben Einflüssen aus der Psychologie (Systemische Therapie) und der

Soziobiologie haben die gegenwärtigen Konzepte die Tendenz sich auf Schwerpunkte zu ver-

lagern und erheben daher keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Sie bewegen sich bspw.

in einer eindeutigen Thematik wie etwa die Interkulturelle Seelsorge und die Feministische

Seelsorge, oder eben auch in einer Alltagswahrnehmung, in der die Biografie, die Lebensge-

schichte, als Erzählung seelsorgerliche Relevanz erhält. Die Konstruktion bzw. die Rekon-

struktion von Lebensgeschichte kann und sollte dann Aufgabe von Seelsorge werden.

Interessant an dieser Stelle ist die mögliche Vereinbarung von Seelsorge hinsichtlich einer

Lebensgeschichte und Seelsorge in Krisensituationen wie etwa einem Todesfall. Eine Ver-

zahnung von Konzeptionen innerhalb der Pluralität erscheint hier nicht nur möglich, sondern

notwendig und ist vielleicht der eigentliche Gewinn bzw. der Nutzen dieser Pluralität.

1.2. Lebensgeschichte im Kontext von Seelsorge

Bei der Fülle seelsorgerlicher Handlungsfelder in der Gegenwart wird deutlich, dass Seelsor-

ge lebensbegleitend ist und zwar in vielfältiger Weise: Sie kann auf bestimmte Berufsfelder

(Polizeiseelsorge) oder auf die Freizeitgestaltung (Urlaubsseelsorge) bezogen werden oder sie

nutzt die neuen Medien (Internetseelsorge), um einerseits zeitgemäß zu agieren, wohl aber

4 Diese Frage stellt sich natürlich immer beim seelsorgerlichen Handeln. Gerade aber bei der verbalen Kommu-

nikation, die oft alltäglich ist, ist die seelsorgerliche Qualifizierung schwerlich auszumachen.

5 Pohl-Patalong, Seelsorge, 676.

6 Vgl. Ziemer, Begriff, 1116; vgl. Pohl-Patalong, Seelsorge, 681-685; Dies., Art. Seelsorge. III. Konzeption und

Methoden, in: RGG4 7 (2004), 1116.

7 Die geschichtliche Entwicklung der Seelsorge soll hier nicht ausgeführt werden, da dies an vielen anderen

Stellen getan wurde. Bei Begriffen wie etwas ,,Seelsorgebewegung" wird ein Vorverständnis vorausgesetzt.

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