Berichterstattung aus Bagdad - Journalismus unter erschwerten Bedingungen

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Details

Titel: Berichterstattung aus Bagdad - Journalismus unter erschwerten Bedingungen
Autor: Simone Schubert
Fach: Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Veranstaltung: Refexionskurs
Institution/Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Institut für Kommunikationswissenschaft)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 101 KB
Archivnummer: V112309
ISBN (E-Book): 978-3-640-13645-2
ISBN (Buch): 978-3-640-13691-9

Zusammenfassung / Abstract

In der folgenden Arbeit möchte ich die gefährliche und unverzichtbare Arbeit unabhängiger Journalisten während des Irakkriegs 2003 beschreiben, die viel riskierten, um der Welt einen möglichst neutrale Sicht auf die Kriegsgeschehnisse in Bagdad zu geben. Dabei wird mein Hauptaugenmerk auf dem Buch „The Fall of Baghdad“ (2005) des amerikanischen Journalisten Jon Lee Anderson liegen. Als Berichterstatter für das Magazin „The New Yorker“ hielt er sich im Zeitraum von 2000 bis 2004 mehrere Monate im Irak auf und hielt seine Beobachtungen in der regelmäßigen Kolumne „Letter from Baghdad“ fest, die auch den Hauptbestandteil seines Buches ausmacht. Der Schwerpunkt seiner Berichterstattung liegt dabei auf den Menschen, die er vor, während und nach dem Krieg im Irak traf, und auf Erlebnissen der alltäglichen Art. Die Reihe seiner Interviewpartner ist breit gefächert und umfasst den ehemaligen irakischen Außenminister Tariq Aziz genauso wie ein verletztes Kind. Zudem beschreibt er auch ausführlich und oft mit leichter Ironie die Beschwerlichkeiten, die sich ihm und seinen Kollegen bei ihrer Arbeit in den Weg stellen. Anschließend möchte ich die Arbeitsbedingungen und -ergebnisse der unabhängigen, so genannten unilateralen Journalisten mit denen der „embedded journalists“, also in die US-Armee eingebetteten Journalisten vergleichen. Dabei konzentriere ich mich auf das Buch „embedded – The Media at War in Iraq“ von Bill Katovsky und Timothy Carlson (2003). Es enthält 59 Niederschriften von Interviews , die die Autoren 2003 kurz nach Beendigung des eigentlichen Krieges mit eingebetteten und auch einigen unilateralen Journalisten, irakischen Übersetzern und Offizieren führten. Oft sehr persönlich berichten die Befragten von ihren Erlebnissen während der Kriegszeit. Anhand einiger Beispiele aus diesem Sammelband will ich die Vorteile, aber auch Gefahren dieser neuen Form der Kriegsberichterstattung für den Journalismus aufzeigen.

Textauszug (computergeneriert)

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Institut für Kommunikationswissenschaft

Sommersemester 2005

Reflexionskurs: Auslandsjournalismus

Hausarbeit zu dem Thema:

Berichterstattung aus Bagdad ­ Journalismus unter

erschwerten Bedingungen

Simone Schubert

Kommunikationswissenschaft (NF) im 3. Fachsemester

Münster, den 28. September 2005

1


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Jon Lee Andersons ,,Fall of Baghdad" als Beispiel für unilateralen

Journalismus 3

2.1 Das Buch und sein Autor 4

2.2 Überleben in Bagdad als unabhängiger Journalist 5

2.2.1 Vorüberlegungen und Vorbereitungen Andersons 5

2.2.2 Erschwerung der Berichterstattung 6

2.2.3 Folgen für die unilaterale Berichterstattung 8

2.2.4 Die Bedeutung von Beziehungen für Erfolge Andersons 10

2.2.5 Mitten in Bagdad ­ abgeschnitten von der Welt 11

2.3 Andersons Doppelrolle ­ Journalist und Amerikaner 12

3. Embedded ­ Als Journalist bei den Marines 12

3.1 Wie einer von ihnen ­ die Gefahr der Solidarität 12

3.2 Mitten im Geschehen ­ und doch unwissend? 13

3.3 Kritische Berichterstattung trotz Einbettung 14

4. Embedded versus Unilateral 15

4.1 Gemeinsamkeiten zwischen unilateralen und eingebetteten Journalisten 15

4.2 Einbettung auf der ,,anderen Seite" 16

5. Resümee 18

6. Literatur 19

2


1. Einleitung

In der folgenden Arbeit möchte ich die gefährliche und unverzichtbare Arbeit unab-

hängiger Journalisten während des Irakkriegs 2003 beschreiben, die viel riskierten,

um der Welt einen möglichst neutrale Sicht auf die Kriegsgeschehnisse in Bagdad zu

geben. Dabei wird mein Hauptaugenmerk auf dem Buch ,,

The Fall of Baghdad

" (2005)

des amerikanischen Journalisten Jon Lee Anderson liegen. Als Berichterstatter für

das Magazin ,,

The New Yorker

" hielt er sich im Zeitraum von 2000 bis 2004 mehrere

Monate im Irak auf und hielt seine Beobachtungen in der regelmäßigen Kolumne

,,

Letter from Baghdad

" fest, die auch den Hauptbestandteil seines Buches ausmacht.

Der Schwerpunkt seiner Berichterstattung liegt dabei auf den Menschen, die er vor,

während und nach dem Krieg im Irak traf, und auf Erlebnissen der alltäglichen Art.

Die Reihe seiner Interviewpartner ist breit gefächert und umfasst den ehemaligen

irakischen Außenminister Tariq Aziz genauso wie ein verletztes Kind. Zudem be-

schreibt er auch ausführlich und oft mit leichter Ironie die Beschwerlichkeiten, die

sich ihm und seinen Kollegen bei ihrer Arbeit in den Weg stellen.

Anschließend möchte ich die Arbeitsbedingungen und -ergebnisse der unabhängigen,

so genannten unilateralen1 Journalisten mit denen der ,,embedded journalists", also

in die US-Armee eingebetteten Journalisten vergleichen. Dabei konzentriere ich mich

auf das Buch

,,embedded ­ The Media at War in Iraq

" von Bill Katovsky und Timothy

Carlson (2003). Es enthält 59 Niederschriften von Interviews2, die die Autoren 2003

kurz nach Beendigung des eigentlichen Krieges mit eingebetteten und auch einigen

unilateralen Journalisten, irakischen Übersetzern und Offizieren führten. Oft sehr

persönlich berichten die Befragten von ihren Erlebnissen während der Kriegszeit.

Anhand einiger Beispiele aus diesem Sammelband will ich die Vorteile, aber auch

Gefahren dieser neuen Form der Kriegsberichterstattung für den Journalismus auf-

zeigen.

2. Jon Lee Andersons ,,Fall of Baghdad" als Beispiel für unilatera-

len Journalismus

Jon Anderson entschied sich, als unabhängiger Journalist direkt in Bagdad auf den

Anfang des Krieges zu warten und dann auch von dort über die Kriegsgeschehnisse

1 Die Bezeichnung ,,unilateral" scheint sich im englischen Sprachgebrauch eingebürgert zu haben, um

akkredierte, aber nicht in der Armee eingebettete Journalisten zu bezeichnen. (vgl. Katovsky 2004:

Introduction, S. IX)

2 Ich werde diese Niederschriften in der folgenden Zitation und in der Literaturangabe wie Beiträge in

einem Sammelband behandeln, d.h. die Interviewten als Autoren der Texte aufführen.

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zu berichten. Die Alternative dazu wäre gewesen, sich in die US-Armee einbetten zu

lassen oder in Iran auf den Kriegsanfang zu warten, um dann einzureisen. Seine

Entscheidung enthielt einige Risiken, aber auch den großen Reiz, den Wandel der

irakischen Gesellschaft zu beobachten und während des Krieges mitten im Gesche-

hen zu sein.

2.1 Das Buch und sein Autor

Das Buch ,,

The Fall of Baghdad

" wurde ­ angeblich unbeabsichtigt ­ kurz vor der

Präsidentschaftswahlen im Jahr 2004 in den USA veröffentlicht und zeigt die Politik

der Regierung Bush und deren Kriegsstrategien nicht im besten Licht. ,,I am aware

this is very polemical", gibt Anderson zu (Anderson zitiert in Birnbaum 2004). Trotz-

dem möchte er mit dem Buch eigentlich keinen politischen Einfluss auf die Amerika-

ner nehmen, sondern ihnen stattdessen mit einer relativ objektiven Sichtweise Denk-

anstöße geben. Es liegt ihm am Herzen, Zeugnis abzulegen über seine Beobachtun-

gen vom Niedergang einer Stadt, welchen er als historisches Ereignis bezeichnet.

Dies tut er jedoch mit dem Erzählen von kleinen, alltäglichen Begebenheiten. ,,[,,,] in

the small moments [.] I saw lie the seeds to many of the larger issues"(Anderson zit-

iert in Birnbaum 2004).

Anderson sieht sich selbst inzwischen nicht mehr als Kriegsreporter, sondern einfach

als Journalist, der im Krieg arbeitet. Doch eine gewisse Faszination gegenüber Krie-

gen und Konflikten kann er nicht leugnen. Schon für einige seiner anderen Werke,

wie beispielsweise ,,

The Lion′s Grave: Dispatches from Afghanistan

" (2002) oder

,,

Guerrillas: Journeys in the Insurgent World

" (1992) begab er sich in Krisengebiete

und lebte beispielsweise eine Zeitlang bei den Muhajedin, den so genannten ,,Heili-

gen Kriegern", um zu recherchieren.

Schon als Kind wohnte Jon Lee Anderson nie lange an einem Ort, da sein Vater als

Diplomat arbeitete. Das bereitete ihn gut auf sein späteres Journalistenleben vor.

Seit 1979 arbeitet er als Journalist, zuerst hauptsächlich in Lateinamerika, später

auch in den USA und in diversen Krisenregionen. Inzwischen lebt er seit einigen Jah-

ren mit seiner Familie in England und schreibt regelmäßig für

The New Yorker

.

,,

The Fall of Baghdad

" wurde von den Kritikern und Käufern hoch gelobt, besonders

für seine relativ neutrale Sichtweise auf den Irakkrieg. Es sei ein guter Ausgleich für

die schlechte Nachrichtenlage der Presse und ein Gegenpart zum eingebetteten

Journalismus (vgl. Reviews: www.amazon.com). Auch Andersons Erzählstil, der

manchmal eher literarisch als journalistisch ist, packt und fesselt den Leser, ohne

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jedoch pathetisch zu wirken. Obwohl Anderson in der Ich-Perspektive schreibt, bleibt

er meist distanziert und gibt wenig Einblick in seine Emotionen. Wenn er es aller-

dings tut, dann mit großem Effekt. Die Stellen des Buches, in denen er seine Trauer

oder Angst beschreibt, sind mitunter die einprägsamsten.

Er schreibt detailliert, beschreibt die Leute, die er trifft, haargenau, und nimmt jede

Geschichte, die er hört, ernst. Doch er verliert sich nicht im Detail ­ im Gegenteil,

sein Buch ist keine Aneinanderreihung kleiner Begebenheiten. Erzählungen von sei-

nen eigenen, alltäglichen Tätigkeiten, Gespräche mit anderen und Berichte über

Kriegshandlungen wechseln sich auf angenehme Weise ab. Er schafft es auch, den

Irakkrieg und den daraus resultierenden Widerstand in einen historischen Bezug zu

setzen: immer wieder gibt er geschichtliche Rückblicke, besucht beispielsweise die

Nachkommen eines berühmten Widerstandkämpfer der 1920er Jahre, Scheich Dhari,

und knüpft somit Zusammenhänge zur heutigen Situation.

2.2 Überleben in Bagdad als unabhängiger Journalist

Das Überleben in Bagdad zur Zeit des Krieges war eine Herausforderung ­ wobei

damit sowohl das körperliche als auch das berufliche Überleben als Journalist ge-

meint ist. Es bedurfte guter Vorbereitung, Glück, Professionalität; auch hilfreiche

Kontakte zu einflussreichen Irakern konnten nicht schaden.

2.2.1 Vorüberlegungen und Vorbereitungen Andersons

Jon Lee Anderson reiste mit der Absicht in den Irak, die Hintergründe über die Ty-

rannei Saddam Husseins herauszufinden und dessen Fall zu beobachten (vgl. An-

derson 2004: Preface). Dies mag auch erklären, wieso er sich nicht, wie viele seiner

Kollegen, in die Hände amerikanischer Truppen begab, denn mit den Arbeitsbedin-

gungen eines eingebetteten Journalisten hätte er wohl kaum einen solchen Einblick

in das irakische Lebens vor, während und nach der Invasion bekommen.

Wie die meisten seiner Landsleute ist auch er bei seiner Einreise überzeugt, dass

Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besitzt; an eine angebliche Verbindung

zwischen dem Irak und Al-Qaida glaubt er jedoch nicht. Um im Fall eines erwarteten

chemischen Angriffs gewappnet zu sein, wird er von seiner Redaktion mit Schutzan-

zügen, schusssicheren Helmen und Gasmasken ausgerüstet, und besucht ein Semi-

nar zum Überleben in einer solchen Situation. Er und seine Kollegen rechnen mit

allem: ,,The Iraq war had begun to acquire the psychological dimension of an impen-

ding apocalypse, in which everything seemed possible." (ebd. S. 29) Mit einigem

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