Please wait
Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.
Bachelor Thesis, 2008, 104 Pages
Author: Bachelor of Science Miriam Kreyenborg
Subject: Computer Science - Miscellaneous
Details
Tags: Automatisierung, Analyse, Neokortex, Tau-transgenen, Mäusen
Year: 2008
Pages: 104
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 26 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-11151-0
ISBN (Book): 978-3-640-11282-1
File size: 3581 KB
Interdisziplinäre Arbeit der Fächer Informatik und Neurobiologie
Other users also were interested in the following titles:
Abstract
Die Alzheimer-Krankheit ist eine degenerative Hirnerkrankung mit progredienter Hirnatrophie (bis zu zehn Prozent) unter Bildung bestimmter pathologischer Veränderungen im Gehirn. Tau bildet im Gehirn von Alzheimer-Patienten fibrilläre Aggregate („neurofibrillary tangles“, NFTs) in Neuronen und krankheitstypische Tauformen („paired helical filaments“, PHFs) im Gehirn. Dies führt zu einer Fehlfunktion der Mikrotubuli, was wahrscheinlich zum Zelltod der Neurone in Tauopathien wie bei Alzheimer führt. Um mehr über die Hintergründe zu erfahren, die den Gewebsverlust verursachen, wurde der Neokortex (NC) von tau-transgenen Mäusen, so wie der von nicht-transgenen Kontrolltieren morphometrisch analysiert. Dabei wurden Mäuse verwendet, die transgen für Wildtyp-Tau oder für eine pseudohyperphosphorylierte Variante von Tau (PHP-Tau) waren. Hierbei wurden sowohl die Dichte als auch die Größe der Neurone im NC bestimmt. Für die Analyse wurden Hirnschnitte in 50 μm Dicke angefertigt, in denen die Nervenzellkörper durch NeuN Immunfärbung deutlich sichtbar sind. Nach Erstellen von Bildern des gewünschten Analysebereiches mit einem konfokalen Laser-Scanning-Mikroskop wurde die Bildserie mit der Software ImageJ bearbeitet. Da die Bestimmung der Neuronenanzahl sowie der Neuronendichte von jedem einzelnen Bild erfolgen muss, war diese Art der Analyse sehr zeitaufwendig. Ziel der Arbeit war es, die morphometrische Analyse zu automatisieren und eine neue Analysemethode zu etablieren. Dies wurde erreicht, in dem zwei Plugins geschrieben wurden, die es ermöglichen einen Arbeitsschritt auch an einer Bildserie anwenden zu können. Die Automatisierung gewährleistet so eine schnelle und fehlerfreie Analyse, da Bearbeitungsfehler auf ein Minimum reduziert werden. Dadurch wird eine effiziente und standardisierte Bearbeitung des gesamten Datensatzes möglich. Da es Untersuchungen gibt, die die Veränderung im Gehirn in Zusammenhang mit der Region feststellten,wurden die verschiedenen Faktoren nur innerhalb der gleichen Region untersucht. Die Untersuchung der ausgezählten Polygone ergab altersunabhängig keine geschlechtsspezifische Auswirkung auf die Neuronengröße, oder -dichte in den verschiedenen Regionen. Eindeutigen Unterschiede konnten jedoch in der Neuronendichte der Regionen (Region 3 hat eine höhere Dichte als Region 1 und 2) bei C57 undWildtyp-Tau Mäusen festgestellt werden. PHP-Tau Mäuse folgen diesem Trend nicht, PHP-Tau scheint aber einen anderen Effekt auf den Kortex zu haben.
Excerpt (computer-generated)
Automatisierung der morphometrischen
Analyse des Neokortex von
Tau-transgenen Mäusen
Miriam Kreyenborg
Cognitive Science, Universität Osnabrück
Bachelorarbeit
12. Juni 2008
Danksagungen
Mein Dank gilt Herrn Prof. Dr. R. Brandt für die freundliche Überlassung des Themas, die Begutach-
tung meiner Arbeit und für die stetige Hilfsbereitschaft. Ohne seine freundliche Unterstützung wäre ein
Fertigstellen dieser Arbeit nur schwer möglich gewesen.
Der Arbeitsgruppe Neurobiologie möchte ich für die freundliche Aufnahme, die Anregungen und die
schöne Zeit während meiner Bachelorarbeit danken. Die nette Atmosphäre hat das Arbeiten um einiges
erleichtert und angenehmer gemacht.
Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. Monika Hundelt für die gute Betreuung und großartige Hilfe,
ohne die meine Bachelorarbeit nicht möglich gewesen wäre. Vielen Dank für die schönen Stunden, den
regen Austausch und die bereichernden Diskussionen. Die Ratschläge haben mir sehr geholfen und die
Zusammenarbeit hat viel Spaß gemacht. Danke auch für die Übernahme der Zweitbegutachtung meiner
Arbeit.
Ich danke auch herzlich Karolin Selle und Frederik Sündermann. Danke, dass ihr für meine Fragen
immer ein offenes Ohr hattet. Danke auch für eure Korrekturlesung. Karo, Lena und ich danken dir auch
vielmals für das Babysitting.
Danke auch an Andrea Albrecht und Melissa Linkert für die Mitarbeit am Programm.
Schließlich danke ich meinen Freunden und meiner Familie für die Unterstützung während meiner
Bachelorarbeit. Besonderer Dank gilt hierbei meinem Freund David Liebl, der mich immer wieder mo-
tiviert und aufgebaut hat und schließlich meiner Freundin Meike Aulbach. Vielen Dank Meike, dass du
mich immer beraten hast und ich mit Problemen zu dir kommen durfte. Für deine Hilfe, deinen Rat und
deinen Beistand, vielen vielen Dank.
Zusammenfassung
Die Alzheimer-Krankheit ist eine degenerative Hirnerkrankung mit progredienter Hirnatrophie (bis zu
zehn Prozent) unter Bildung bestimmter pathologischer Veränderungen im Gehirn. Tau bildet im Gehirn
von Alzheimer-Patienten fibrilläre Aggregate (,,neurofibrillary tangles", NFTs) in Neuronen und krank-
heitstypische Tauformen (,,paired helical filaments", PHFs) im Gehirn. Dies führt zu einer Fehlfunktion
der Mikrotubuli, was wahrscheinlich zum Zelltod der Neurone in Tauopathien wie bei Alzheimer führt.
Um mehr über die Hintergründe zu erfahren, die den Gewebsverlust verursachen, wurde der Neokortex
(NC) von tau-transgenen Mäusen, so wie der von nicht-transgenen Kontrolltieren morphometrisch ana-
lysiert. Dabei wurden Mäuse verwendet, die transgen für Wildtyp-Tau oder für eine pseudohyperphos-
phorylierte Variante von Tau (PHP-Tau) waren. Hierbei wurden sowohl die Dichte als auch die Größe
der Neurone im NC bestimmt.
Für die Analyse wurden Hirnschnitte in 50 µm Dicke angefertigt, in denen die Nervenzellkörper
durch NeuN Immunfärbung deutlich sichtbar sind. Nach Erstellen von Bildern des gewünschten Ana-
lysebereiches mit einem konfokalen Laser-Scanning-Mikroskop wurde die Bildserie mit der Software
ImageJ bearbeitet. Da die Bestimmung der Neuronenanzahl sowie der Neuronendichte von jedem ein-
zelnen Bild erfolgen muss, war diese Art der Analyse sehr zeitaufwendig. Ziel der Arbeit war es, die
morphometrische Analyse zu automatisieren und eine neue Analysemethode zu etablieren. Dies wurde
erreicht, in dem zwei Plugins geschrieben wurden, die es ermöglichen einen Arbeitsschritt auch an ei-
ner Bildserie anwenden zu können. Die Automatisierung gewährleistet so eine schnelle und fehlerfreie
Analyse, da Bearbeitungsfehler auf ein Minimum reduziert werden. Dadurch wird eine effiziente und
standardisierte Bearbeitung des gesamten Datensatzes möglich.
Da es Untersuchungen gibt, die die Veränderung im Gehirn in Zusammenhang mit der Region fest-
stellten, wurden die verschiedenen Faktoren nur innerhalb der gleichen Region untersucht. Die Unter-
suchung der ausgezählten Polygone ergab altersunabhängig keine geschlechtsspezifische Auswirkung
auf die Neuronengröße, oder -dichte in den verschiedenen Regionen. Eindeutigen Unterschiede konnten
jedoch in der Neuronendichte der Regionen (Region 3 hat eine höhere Dichte als Region 1 und 2) bei
C57 und Wildtyp-Tau Mäusen festgestellt werden. PHP-Tau Mäuse folgen diesem Trend nicht, PHP-Tau
scheint aber einen anderen Effekt auf den Kortex zu haben. Eine alterspezifische Untersuchung ergab ei-
ne mit zunehmendem Alter steigende Neuronendichte bei gleichzeitiger Abnahme der durchschnittlichen
Neuronengröße.
Um weitere Aussagen treffen zu können, ist eine weitere Analyse mit einem größeren Datensatz mit
mehr Individuen nötig.
Abstract
Alzheimer′s Disease (AD) ist a common type of dementia and characterized by progressive loss of neu-
rons and synapses in the cerebral cortex and certain subcortical regions. This results in gross atrophy (up
to ten percent) of the affected regions. Tau proteins are microtubule-associated proteins (MAPs) which
become characteristically altered both functionally and structurally in tauopathies such as AD. The alte-
rations of tau cause neuronal degeneration. In order to study the cause of the brain decay the neocortex
of non-transgenic and transgenic mice was analyzed morphometrically. For the analysis, mice were used
that were transgenic for wildtype tau (wt-tau) or a pseudohyperphosphorylated tau variant (PHP-tau).
The morphometric analysis included both the density of the neurons and the average size of the neurons.
For analysis 50 µm thin brain sections were used. Neuronal cell bodies were stained through NeuN.
After creating pictures on a confocal laser-scanning microscope the files were processed with ImageJ.
Since density and average size have to be obtained from every single picture this analysis took a lot of
time. The thesis′ purpose was to automatize the morphometrical analysis and to establish a new method
for that. This was achieved by programming two plugins which enable to not only apply every work step
to one image but also to a series of files. The automation provides for quick and error free analysis, since
defects in workmanships are reduced to a minimum. This allows efficient and standardized processing.
Investigations show that different brain regions are differentially effected during AD. Therfore regions
were only compared among one another. The investigation of the enumerated polygons did not show any
gender impact in density or average size of the neurons. Definite effects could be seen among the neuron
density in the different regions (region 3 has a higher density than region 1 and 2) for C57 and wt-tau
mice. PHP-tau mice did not follow this lead. This could be an indication of a different effect oh PHP-tau
on the cortex. An age specific investigation showed increasing density together with decreasing average
size.
To further specify the results a larger data set with more individuals would be necessary.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
8
1.1. Alzheimerkrankheit .
10
1.2. Tau .
12
1.2.1. PHP-Tau .
14
1.3. Transgene Mäuse .
16
1.4. Hintergrund der Arbeit .
16
1.5. Ziel der Arbeit .
18
2. Material und Methoden, Datenaufbereitung
20
2.1. Material .
20
2.1.1. Chemikalien .
20
2.1.2. Puffer und Stammlösungen .
21
2.1.3. (Transgene) Mäuse .
22
2.1.4. Konfokales Laserscanning-Mikroskop .
23
2.1.5. Software .
25
2.2. Methoden .
26
2.2.1. Präparation der Mausgehirne .
26
2.2.2. Koronarschnitte .
27
2.2.3. Immunfärbung von Schnitten .
28
2.2.4. Konfokale Laserscanning-Mikroskopie .
29
2.3. Datenaufbereitung .
31
2.3.1. Bildanalyse .
31
2.3.2. Umwandlung in TIFF mit EZ-Limo .
32
2.3.3. Bearbeitung mit ImageJ .
33
2.3.4. Statistische Auswertung mit R .
37
3. Ergebnisse
38
3.1. ImageJ - Plugins (NeuN1 & NeuN2) .
38
3.1.1. Manuelle Bildbearbeitung .
38
3.1.2. Grundlage für das Plugin .
39
3.1.3. Probleme .
39
3.2. Entwicklung von NeuN1 und NeuN2 .
45
3.2.1. Handhabung Plugin .
48
3.2.2. Fazit .
52
6
3.3. Statistische Auswertung mit R - Ergebnis .
52
3.3.1. Extraktion der Daten .
52
3.3.2. Ergebnisdateien .
53
3.3.3. Höhere Neuronendichte in Region 3 als in Region 1 und 2 in Linie C57 und 4WT1 55
3.3.4. Neuronendichte und durchschnittliche Größe der Neurone sind vom Geschlecht
unabhängig .
60
3.3.5. Mit steigendem Alter steigt die Neuronendichte und sinkt die Größe der Neurone
64
4. Diskussion
68
5. Zusammenfassung und Ausblick
71
Anhang
73
A. Abkürzungsverzeichnis
73
B. Tabellenverzeichnis
75
C. Abbildungsverzeichnis
75
D. Tabellarische Zusammenstellung der den Graphen zu Grunde liegenden Daten
81
E. Anleitung
92
F. Literatur
103
7
1. Einleitung
Das menschliche Gehirn ist einzigartig und ohne Zweifel das komplizierteste Organ, das die Evolution je
hervorgebracht hat. Unser Gehirn verleiht uns unser eigentliches Menschsein. Ähnlich wie ein Computer
fungiert unser Gehirn als persönliche Schaltzentrale all unserer lebenswichtigen Funktionen, ist aber im
Gegensatz zu diesem weitaus komplexer im Aufbau und in der Möglichkeit seiner Funktionen. Unser
Gehirn ist das Zentrum unserer Intelligenz, unseres Bewusstseins, steuert fast unbemerkt alle körperli-
chen Prozesse, die uns das Leben ermöglichen. Unsere Persönlichkeit, unser Handeln sei es willkürlich
oder unbewusst alles was uns zum Menschen macht und uns als Mensch ausmacht wird vom Gehirn
gesteuert.
Die Koordination unserer körperlichen und geistigen Fähigkeiten erfolgt im Gehirn über Nervenzel-
len (Neurone). Man schätzt, dass allein das menschliche Gehirn aus ca. 1011 Neuronen besteht. Diese
unvorstellbar große Zahl ist vergleichbar mit der Anzahl der Sterne in unserer Milchstraße. Das Neuron
hat denselben Grundbauplan wie andere Zellen, unterscheidet sich jedoch durch drei Besonderheiten:
1. in seiner Form fallen die langen Fortsätze auf;
2. die Zellmembran ist spezialisiert Signale zu erzeugen und zu leiten;
3. an seinen Endigungen produziert es spezifische Substanzen (Transmitter) und gibt diese ab (che-
mische Synapse). In manchen Fällen findet eine direkte elektrische Weiterleitung statt (elektrische
Synapse).
Ein Neuron (Abb. 1) besitzt einen Zellkörper (oder Soma). Im Soma liegen Zellkern, zahlreiche Mito-
chondrien und Nissl-Schollen1. Hier werden Enzyme und Membranbausteine hergestellt. Die Dendriten,
röhrenförmige, meist reich verästelte Fortsätze am Soma, können die ankommenden Signale aufnehmen.
Ein Neuron besitzt meist nur ein einziges Axon, welches dünner und viel länger als die Dendriten ist.
Das Axon verästelt sich erst wo es mit anderen Zellen in Kontakt tritt. Das kann einen Meter oder sogar
weiter vom Soma entfernt sein. Die Verzweigungen sind am Ende verdickt (Endknöpfchen) und bilden
mit der Membran der folgenden Zelle die Synapsen. In diesem Bereich erfolgt die Erregungsübertragung
(Aktionspotential) vom Axon der einen Nervenzelle zu den Dendriten der nachfolgenden Nervenzellen
mithilfe chemischer Überträgersubstanzen, den Neurotransmittern. In einigen Fällen gibt es jedoch eine
direkte elektrische Weiterleitung. In elektrischen Synapsen wird das Aktionspotential direkt und ohne
Umwege auf die nachfolgende Zelle durch Verbindungskanäle (Gap junctions) weitergeleitet. Die Struk-
tur der Neurone wird dabei vom Zytoskelett aufrechterhalten. Im Inneren jedes Neurons liegt ein Gerüst
vor, das aus drei Komponenten besteht. Diese sind die Mikrotubuli, die Neurofilamente und die Mikro-
filamente. Die Gesamtheit dieser filamentösen Proteine bilden dann das Zytoskelett, das die Struktur der
1das sind Stapel des Endoplasmatischen Reticulums mit zahlreichen Ribosomen
8
Neurone von innen aufrechterhält. Nach Abschluss der Embryonalentwicklung teilen sich die Nerven-
zellen nicht mehr. Zwar findet im Hippocampus auch im adulten Gehirn noch eine Neurogenese2 statt,
aber für die meisten Hirnareale muss der bei der Geburt vorhandene Vorrat (beim Menschen ca. 100 Mrd.
Neurone) ein Leben lang reichen.
Im Gehirn kommt außer dem Neuron noch ein anderer Zell-
typ vor die Gliazelle. Während die Nervenzellen für Reiz-
aufnahme, Erregungsleitung und Reizverarbeitung zuständig
sind, sind die Gliazellen als eine Art ,,Nervenbindegewebe"
(Neuroglia) zu verstehen. Sie sind gleichsam Ernährungs- und
Stützgewebe für die Nervenzellen und dienen zusätzlich der
Abwehr von Krankheiten sowie der Isolierung von Nervenfa-
sern. Somit sind sie, wenn auch nur indirekt, an der Erregungs-
leitung beteiligt. Gliazellen behalten, anders als Neurone, die
sich nach der Geburt nicht mehr teilen können, zeitlebens die
Fähigkeit zur Zellteilung. Gehen Nervenzellen zugrunde, z.B.
durch Krankheit, Sauerstoffmangel oder Verletzungen, wer-
den sie durch eine Glianarbe ersetzt.
Entsprechend der überragenden Bedeutung des Gehirns
können Schädigungen im Nervensystem verheerend sein. Da
sich Nervenzellen nicht regenerieren können, kommt es bei
Abbildung 1: Schematische Darstel-
Verletzungen oder Nervenzelltod zu Strukturveränderungen im lung einer Wirbeltier Nervenzelle.
Gehirn, was zu einer Veränderung in der Bewusstseins- und
Persönlichkeitsstruktur, verschlechterter Koordination und Demenz3 führen kann.
Die bekannteste und am weitesten verbreitete Form der Demenzerkrankung ist die Alzheimer-Krankheit.
Weltweit sind schätzungsweise 15 Millionen Menschen betroffen und die Zahl der Alzheimer-Kranken
steigt mit höherer Lebenserwartung [2]. Da die genauen Ursachen der Alzheimer-Demenz bis heute nicht
genau bekannt sind, rücken Studien über die genauen Vorgänge immer mehr ins Zentrum der Forschung.
Somit wird es vielleicht möglich sein die Krankheit eines Tages zu heilen.
2Unter Neurogenese versteht man die Bildung von Nervenzellen aus bestimmten Stamm- oder Vorläuferzellen.
Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Neurogenese nicht nur während der Embryonalentwicklung, sondern
auch noch im adulten Gehirn stattfindet. Neugebildete Körnerzellen scheinen im Hippocampus eine Funktion in
der Bildung oder Konsolidierung des Lanzgzeitgedächtnisses zu haben. Im wesentlichen ist über die Funktion
der neugebildeten Zellen beim Menschen jedoch wenig bekannt, da die bisherigen Aussagen auf Tiermodellen
beruhen [1].
3Unter einer Demenz versteht man eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die die bereits erworbenen ko-
gnitiven Funktionen und geistige Leistungsfähigkeit bei einem erwachsenen bzw. alten Menschen vermindert.
9
1.1. Alzheimerkrankheit
Der deutsche Psychiater und Neuropathologe Dr. Alois Alzheimer (1864-1915) beschrieb diese Krank-
heit als erster an der Patientin Auguste D. und stellte sie 1907 auf einem wissenschaftlichen Kongress in
Tübingen vor [3].
Es handelt sich hierbei um eine degenerative Hirnerkran-
kung mit progredienter4 Hirnatrophie5 unter Bildung bestimm-
ter pathologischer Veränderungen im Gehirn [5]. Der Verlauf
der Krankheit ist durch die fortschreitende Abnahme der all-
gemeinen geistigen Fähigkeiten und des Gedächtnisses ge-
kennzeichnet. Weltweit leiden ca. 5% der Bevölkerung über
65 Jahre an einer Demenz. Davon sind mehr als 60% aller
Demenzen vom Alzheimer-Typ [6]. Allein in Deutschland
leiden ca. 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer und jedes
Jahr sind mehr als 200.000 Menschen von dieser Diagno-
se betroffen. Wegen der höheren Lebenserwartung überwiegt
wahrscheinlich das weibliche Geschlecht [2].
Die Diagnose einer Alzheimer-Demenz (AD) ist im We-
sentlichen eine Ausschlussdiagnose, das heißt, nach Über-
prüfung einer Reihe von Kriterien, kann die Diagnose einer
klinisch wahrscheinlichen AD gestellt werden. Eine sichere
Abbildung 2: Alois Alzheimer (1864-
Bestätigung der klinischen Verdachtsdiagnose ist nur durch
1915)[4]
neuropathologische Post-Mortem-Untersuchungen möglich [7].
Ein dementielles Syndrom liegt dann vor, wenn gravierende Gedächtnisstörungen und intellektuelle Ein-
bußen zu einer erheblichen Beeinträchtigung der sozialen Kompetenz geführt haben, wenn ein progre-
dienter Verlauf zu beschreiben ist und wenn Defizite in mindestens zwei verschiedenen Bereichen von
Gedächtnis, Merkfähigkeit und anderen Bereichen der Kognition zu quantifizieren sind [5]. Da die Sym-
ptome solch einer Demenz aber eine Vielzahl von Ursachen haben können, ist die diagnostische Ab-
klärung dieser Störungen mitunter sehr schwierig und zeitaufwendig. Daher ist eine umfassende neuro-
psychologische Untersuchung notwendig um die Demenz-Symptome nachzuweisen.
Charakteristische Symptome der Alzheimer-Krankheit sind Störungen der Sprache, des Denkvermö-
gens und des Gedächtnisses. Während sich der Verlust der Merkfähigkeit anfangs nur in der Unfähigkeit,
neue Ereignisse zu behalten, äußert, wird im Verlauf der Krankheit auch das Altgedächtnis erfasst. Die
daraus entstehende Desorientierung führt dazu, dass die Neuorientierung an bisher unbekannten Orten,
zum Beispiel im Urlaub, nicht mehr möglich ist. Später findet sich der Patient auch im häuslichen Umfeld
4Das Fortschreiten oder die zunehmende Verschlimmerung des Krankheitsverlaufs.
5Ein über das gesunde Altersmaß hinausgehender Gewebsschwund wird als Atrophie bezeichnet.
10
nicht mehr zurecht [7]. Dadurch wird die Alltagskompetenz zunehmend beeinträchtigt. Da der Verlauf
der Krankheit einen Abbau aller höheren Hirnfunktionen nach sich zieht, kommt es zum Verlust der
Abstraktionsfähigkeit, zur Störung der Koordination (Apraxie)6 und Sprache (Aphasie)7. Im weiteren
Verlauf wird der Patient immer orientierungsloser und ist schließlich sogar nicht mehr in der Lage Ver-
wandte zu erkennen (Agnosie)8. Die fortschreitende Verschlimmerung der Symptome führt schließlich
zu einer reduzierten Kommunikation, die sich auf stereotype verbale Äußerungen beschränkt. Die Pati-
enten werden schließlich pflegebedürftig und sterben nach einer Krankheitsdauer von ca. fünf bis acht
Jahren an den Folgen der Bettlägrigkeit [6].
Die genauen Ursachen der Krankheit sind bisher nicht bekannt, jedoch konnte eine Vererbung mit
autosomal dominantem Erbgang in 5-10% der Fälle nachgewiesen werden (FAD)9. Sicher ist jedoch,
dass die klumpen- und fadenförmigen Gebilde, die Alzheimer bei der Untersuchung des Gehirns der Pa-
tientin Auguste D. vorfand, mit zu den Verursachern der AD zählen. Bei diesen auffälligen molekularen
Veränderungen des Hirngewebes handelt es sich um extrazelluläre amyloide Plaques und intrazelluläre
neurofibrilläre Knäuel (NFTs)10. Ferner konnte Alois Alzheimer Neurodegeneration im Neokortex und
Hippocampus feststellen. Der Vergleich eines an Alzheimer erkrankten Gehirns mit einem gesunden Ge-
hirn zeigt, dass die Patienten bis zu 10% ihrer Hirnmasse verlieren (siehe Abb.7 auf S.17). Betroffene
Regionen sind vor allen Dingen die Schläfenlappen, die für die Gedächtnisleitung von großer Bedeutung
sind. Die Neurodegeneration am Hippocampus ist für die Einbußen an Konzentration und Merkfähigkeit
verantwortlich. Eine weitere Ursache zeigt sich mikroskopisch auch in der Abnahme der Synapsendichte,
was mit hoher Wahrscheinlichkeit mit den kognitiven Einbußen der Krankheit korreliert. Diese neurona-
len Anomalien kommen bei allen Alzheimer-Patienten, gegenüber der gesunden Altersgruppe, in stark
erhöhter Häufigkeit vor [5].
Die extrazellulären Plaques bestehen aus Ablagerungen von Amyloidprotein und werden von einem
Proteinfragment namens A gebildet, welches als Abbauprodukt bei der Prozessierung des -Amyloid-
Vorläuferproteins (APP) entsteht und im extrazellulären Raum Plaques bildet (Abb. 3).
6Die Unfähigkeit erlernte willkürliche Handlungen bei intakter motorischer Funktion auszuführen wird als Apra-
xie bezeichnet. Es liegt dabei keine Lähmung vor [8].
7Eine Aphasie bezeichnet eine Sprachstörung nach abgeschlossenem Spracherwerb, bei der der Patient nicht
in der Lage ist Informationen in Form von Sprache oder Schrift zu verstehen oder bzw. zu begreifen. Man
unterscheidet die motorische und sensorische Aphasie [8].
8Eine Agnosie bezeichnet die Unfähigkeit Dinge zu erkennen, obwohl die erforderliche Sinnesfunktion intakt ist
[8].
9Bei der familiär gehäuften AD (FAD, familiar alzheimer disease) ist der Gendeffekt auf die Mutation des Pre-
senilin 1-Gens auf Chromosom 14, des Presenilin 2-Gens auf Chromosom 1 oder Mutation des APP-Gens
auf Chromosom 21 zurückzuführen. Des weiteren besteht eine Verbindung zwischen der Erkrankung und dem
e4-Allel von Apolipoprotein E (ApoE) [5].
10neurofibrillary tangles
11
Comments
No comments yet
Other users also were interested in the following titles:
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für Microsoft Word
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit - Formatvorlage / Vorlage für eine Hausarbeit für OpenOffice.org
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 9,99 EUR
Formatvorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit / Vorlage zur Erstellung einer Hausarbeit
Author: Marco FeindlerPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2005 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Author: GRIN VerlagPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008 Download as PDF-file for 6,99 EUR
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit
Author: Zoran ZivkovicPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Author: Claudia NickelPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Author: Maik PhilippPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - Hausarbeiten - Seminararbeiten
Author: Mark RichterPresentations, Models, Tutorials, Instructions, 2008
This text can be quoted and accessed from this url: