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Intermediate Examination Paper, 2008, 16 Pages
Author: Matthias Wühle
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Details
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Philosophie)
Tags: Kommunikation, Theorie, Implikatur, Paul, Grice, Analytische, Philosophie
Year: 2008
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-10838-1
ISBN (Book): 978-3-640-10995-1
File size: 114 KB
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Abstract
Ein Sprecher, nennen wir Ihn S, äußert einen Satz: „Ich muss heute Abend noch einen Bericht schreiben“. Was meint S mit diesem Satz? Dass er zum Zeitpunkt der Äußerung plant, einen Bericht zu schreiben. Setzen wir diesen Satz jedoch in einen bestimmten Gesprächskontext, so kommt es zu einem Bedeutungswandel der Äußerung. Ging z.B. die Frage eines Gesprächspartners, nennen wir ihn G1 voraus, „Kommst Du heute mit, ein Bier trinken?“, so beabsichtigt S mit seiner Äußerung, das Angebot abzulehnen, und zwar mit der implizierten Begründung, dass er noch einen Bericht schreiben müsse. Setzen wir den Satz des S in einen anderen Gesprächskontext, bei dem ein anderer Gesprächspartner, nennen wir Ihn G2 die Frage äußert: „Kannst Du für mich diesen Text übersetzen?“, so könnten wir den Satz des S interpretieren als „Ja, solange es bis Morgen Zeit hat“. Der Gesprächskontext verleiht einundderselben Aussage jeweils eine unterschiedliche Bedeutung, die im Falle des G1 eine Ablehnung und im Falle des G2 eine einschränkende Zustimmung bedeuten könnte. Ein anderes Beispiel – mit höherer Praxisrelevanz: Ein Bewerber, Herr B., erhält von seinem letzten Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis, in dem der Satz steht: „Herr B. zeichnete sich durch stete Pünktlichkeit aus“. Wie kommt es, das ein Satz, der zunächst unverfänglich wirkt, da er eine positive Aussage transportiert, im Kontext des Arbeitszeugnisses ein mulmiges Gefühl bei Herrn B. hinterlässt, und auch beim Personalchef des neuen Arbeitgebers, dem dieses Arbeitszeugnis vorliegt? Wie kommen derartige Bedeutungswechsel zustande und ist es tatsächlich so, dass die Mehrheit der Gesprächspartner genau diese Bedeutung korrekt erfasst? Und falls ja, wie ist es möglich, dass man mit einer Aussage unterschiedliches Meinen zum Ausdruck bringen kann, so dass es der Gesprächspartner auch im Sinne des Sprechers versteht? Durch Intuition? Durch Interpretation? Paul Grice hat in seiner Sprachphilosophie diese Fragen näher untersucht.
Excerpt (computer-generated)
Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt
Fachbereich 8 / Philosophie
Seminar: Analytische Philosophie
HAUSARBEIT
Wie funktioniert Kommunikation?
Die Theorie der Implikatur des Paul Grice
Verfasser:
Matthias
Wühle
INHALT
1
EINLEITUNG: KOMMUNIKATION UND BEDEUTUNG
3
2
DIE BEDEUTUNG DER SPRACHPHILOSOPHIE FÜR DIE KOMMUNIKATION 4
3
DAS GRICESCHE PROGRAMM
4
3.1
Die Maximen der rationalen Verständigung
5
3.2
Die Theorie der Implikatur
6
3.3
Die bedeutungstheoretische Funktion der Implikatur
9
4
PROBLEME, DIE SICH AUS DER IMPLIKATUR ERGEBEN
12
5
FAZIT: FUNKTION UND BEDEUTUNG DER IMPLIKATUR
13
6
QUELLEN 15
2
1 Einleitung: Kommunikation und Bedeutung
Ein Sprecher, nennen wir Ihn S, äußert einen Satz: ,,Ich muss heute Abend noch
einen Bericht schreiben". Was meint S mit diesem Satz? Dass er zum Zeitpunkt der
Äußerung plant, einen Bericht zu schreiben. Setzen wir diesen Satz jedoch in einen
bestimmten Gesprächskontext, so kommt es zu einem Bedeutungswandel der
Äußerung. Ging z.B. die Frage eines Gesprächspartners, nennen wir ihn G1 voraus,
,,Kommst Du heute mit, ein Bier trinken?", so beabsichtigt S mit seiner Äußerung, das
Angebot abzulehnen, und zwar mit der implizierten Begründung, dass er noch einen
Bericht schreiben müsse. Setzen wir den Satz des S in einen anderen
Gesprächskontext, bei dem ein anderer Gesprächspartner, nennen wir Ihn G2 die
Frage äußert: ,,Kannst Du für mich diesen Text übersetzen?", so könnten wir den
Satz des S interpretieren als ,,Ja, solange es bis Morgen Zeit hat". Der
Gesprächskontext verleiht einundderselben Aussage jeweils eine unterschiedliche
Bedeutung, die im Falle des G1 eine Ablehnung und im Falle des G2 eine
einschränkende Zustimmung bedeuten könnte.
Ein anderes Beispiel mit höherer Praxisrelevanz: Ein Bewerber, Herr B., erhält von
seinem letzten Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis, in dem der Satz steht: ,,Herr B.
zeichnete sich durch stete Pünktlichkeit aus". Wie kommt es, das ein Satz, der
zunächst unverfänglich wirkt, da er eine positive Aussage transportiert, im Kontext
des Arbeitszeugnisses ein mulmiges Gefühl bei Herrn B. hinterlässt, und auch beim
Personalchef des neuen Arbeitgebers, dem dieses Arbeitszeugnis vorliegt?
Wie kommen derartige Bedeutungswechsel zustande und ist es tatsächlich so, dass
die Mehrheit der Gesprächspartner genau diese Bedeutung korrekt erfasst? Und falls
ja, wie ist es möglich, dass man mit einer Aussage unterschiedliches Meinen zum
Ausdruck bringen kann, so dass es der Gesprächspartner auch im Sinne des
Sprechers versteht? Durch Intuition? Durch Interpretation? Paul Grice hat in seiner
Sprachphilosophie diese Fragen näher untersucht.
3
2 Die Bedeutung der Sprachphilosophie für die
Kommunikation
Die Sprachphilosophie ist ein Produkt der neueren und neuesten Philosophie. Erst im
19. Jahrhundert, nach dem ,,linguistic tuirn" haben die Philosophen erkannt, dass,
wenn Erkenntnisse sprachlich verfasst sind, diese nicht losgelöst von Sprache
untersucht werden können1. Sie haben erkannt, dass ein Verständnis der
Funktionsweise des menschlichen Geistes nicht ohne ein Verständnis der
Funktionsweise der menschlichen Sprache möglich ist. Die Bedeutung von Sprache
ist auch für John Locke fundamental: ,,Da nun aber die Annehmlichkeiten und
Vorteile der Gesellschaft ohne eine Mitteilung der Gedanken nicht zu erreichen sind,
so muss der Mensch notwendig gewisse äußere, sinnlich wahrnehmbare Zeichen
ausfindig machen, mit deren Hilfe jene unsichtbaren Ideen, die seine Gedankenwelt
ausmachen, anderen mitgeteilt werden könnten"2. Ludwig Wittgenstein stellte im
Tractatus Logico-Philosophicus fest, dass die Funktion jeder Sprache die Abbildung
der Wirklichkeit ist3. John L. Austin kam darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass
Sprache auch Handlung sein kann, z.B. im Falle einer performativen Äußerung, wie
der Taufe: ,,Ich taufe Dich auf den Namen...", eine Handlung, die er als Sprechakte
bezeichnet4 Auch Grice beschäftigt sich mit der Intersubjektivität der Sprache, also
ihrer Funktion, wie sie Locke ihr zugeschrieben hat. Die performative Äußerung der
Sprechakte kann nicht wahr oder falsch sein. Für Grice stellt sich diese Frage in
erster Linie in der Relation von Sender und Empfänger, also, inwiefern ein
Wahrheitswert vom Sender zum Empfänger übertragen werden kann. Ist der
Wahrheitswert des Sprecher-Satzes immer noch derselbe, wie die des vom Hörer
vernommenen Satzes? Bleibt es wirklich dieselbe Aussage?
3 Das Gricesche Programm
Grice entwickelte eine Theorie von den propositionalen Einstellungen der Mitglieder
einer Sprachengemeinschaft, die in ,,dass-Sätzen" mit Hilfe von psychologischen
Verben, wie z.B. ,,wünschen, glauben, hoffen, befürchten usw." eine propositionale
Einstellung erkennen lassen5. Damit kann Verhalten alltagspsychologisch erklärt
1 vgl.: Gabriel, Gottfried: ,,Grundprobleme der Erkenntnistheorie", Paderborn 1998, S. 130
2 Locke, John: ,,Versuch über den menschlichen Verstand" Hamburg 1988, S. 5
3 vgl. Glock, Hans-Johann: ,,L. Wittgenstein Sprache, Bedeutung und Gebrauch", Stuttgart 2004, S. 601
4 vgl. Kompa, Nikola: John L. Austin Sprechakttheorie", Stuttgart 2004, S. 624
5 vgl.: Newen, Albert: ,,Analytische Philosophie zur Einführung", Hamburg 2005, S. 214
4
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