Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Wie funktioniert Kommunikation? - Die Theorie der Implikatur des Paul Grice close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Wie funktioniert Kommunikation? - Die Theorie der Implikatur des Paul Grice

Intermediate Examination Paper, 2008, 16 Pages
Author: Matthias Wühle
Subject: Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)

Details

Event: Analytische Philosophie
Institution/College: University of Frankfurt (Main) (Philosophie)
Tags: Kommunikation, Theorie, Implikatur, Paul, Grice, Analytische, Philosophie
Category: Intermediate Examination Paper
Year: 2008
Pages: 16
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V112485
ISBN (E-book): 978-3-640-10838-1
ISBN (Book): 978-3-640-10995-1
File size: 114 KB

Abstract

Ein Sprecher, nennen wir Ihn S, äußert einen Satz: „Ich muss heute Abend noch einen Bericht schreiben“. Was meint S mit diesem Satz? Dass er zum Zeitpunkt der Äußerung plant, einen Bericht zu schreiben. Setzen wir diesen Satz jedoch in einen bestimmten Gesprächskontext, so kommt es zu einem Bedeutungswandel der Äußerung. Ging z.B. die Frage eines Gesprächspartners, nennen wir ihn G1 voraus, „Kommst Du heute mit, ein Bier trinken?“, so beabsichtigt S mit seiner Äußerung, das Angebot abzulehnen, und zwar mit der implizierten Begründung, dass er noch einen Bericht schreiben müsse. Setzen wir den Satz des S in einen anderen Gesprächskontext, bei dem ein anderer Gesprächspartner, nennen wir Ihn G2 die Frage äußert: „Kannst Du für mich diesen Text übersetzen?“, so könnten wir den Satz des S interpretieren als „Ja, solange es bis Morgen Zeit hat“. Der Gesprächskontext verleiht einundderselben Aussage jeweils eine unterschiedliche Bedeutung, die im Falle des G1 eine Ablehnung und im Falle des G2 eine einschränkende Zustimmung bedeuten könnte. Ein anderes Beispiel – mit höherer Praxisrelevanz: Ein Bewerber, Herr B., erhält von seinem letzten Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis, in dem der Satz steht: „Herr B. zeichnete sich durch stete Pünktlichkeit aus“. Wie kommt es, das ein Satz, der zunächst unverfänglich wirkt, da er eine positive Aussage transportiert, im Kontext des Arbeitszeugnisses ein mulmiges Gefühl bei Herrn B. hinterlässt, und auch beim Personalchef des neuen Arbeitgebers, dem dieses Arbeitszeugnis vorliegt? Wie kommen derartige Bedeutungswechsel zustande und ist es tatsächlich so, dass die Mehrheit der Gesprächspartner genau diese Bedeutung korrekt erfasst? Und falls ja, wie ist es möglich, dass man mit einer Aussage unterschiedliches Meinen zum Ausdruck bringen kann, so dass es der Gesprächspartner auch im Sinne des Sprechers versteht? Durch Intuition? Durch Interpretation? Paul Grice hat in seiner Sprachphilosophie diese Fragen näher untersucht.


Excerpt (computer-generated)

Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt

Fachbereich 8 / Philosophie

Seminar: Analytische Philosophie

HAUSARBEIT


Wie funktioniert Kommunikation?

Die Theorie der Implikatur des Paul Grice

Verfasser:

Matthias

Wühle


INHALT

1

EINLEITUNG: KOMMUNIKATION UND BEDEUTUNG

3

2

DIE BEDEUTUNG DER SPRACHPHILOSOPHIE FÜR DIE KOMMUNIKATION 4

3

DAS GRICESCHE PROGRAMM

4

3.1

Die Maximen der rationalen Verständigung

5

3.2

Die Theorie der Implikatur

6

3.3

Die bedeutungstheoretische Funktion der Implikatur

9

4

PROBLEME, DIE SICH AUS DER IMPLIKATUR ERGEBEN

12

5

FAZIT: FUNKTION UND BEDEUTUNG DER IMPLIKATUR

13

6

QUELLEN 15

2


1 Einleitung: Kommunikation und Bedeutung

Ein Sprecher, nennen wir Ihn S, äußert einen Satz: ,,Ich muss heute Abend noch

einen Bericht schreiben". Was meint S mit diesem Satz? Dass er zum Zeitpunkt der

Äußerung plant, einen Bericht zu schreiben. Setzen wir diesen Satz jedoch in einen

bestimmten Gesprächskontext, so kommt es zu einem Bedeutungswandel der

Äußerung. Ging z.B. die Frage eines Gesprächspartners, nennen wir ihn G1 voraus,

,,Kommst Du heute mit, ein Bier trinken?", so beabsichtigt S mit seiner Äußerung, das

Angebot abzulehnen, und zwar mit der implizierten Begründung, dass er noch einen

Bericht schreiben müsse. Setzen wir den Satz des S in einen anderen

Gesprächskontext, bei dem ein anderer Gesprächspartner, nennen wir Ihn G2 die

Frage äußert: ,,Kannst Du für mich diesen Text übersetzen?", so könnten wir den

Satz des S interpretieren als ,,Ja, solange es bis Morgen Zeit hat". Der

Gesprächskontext verleiht einundderselben Aussage jeweils eine unterschiedliche

Bedeutung, die im Falle des G1 eine Ablehnung und im Falle des G2 eine

einschränkende Zustimmung bedeuten könnte.

Ein anderes Beispiel ­ mit höherer Praxisrelevanz: Ein Bewerber, Herr B., erhält von

seinem letzten Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis, in dem der Satz steht: ,,Herr B.

zeichnete sich durch stete Pünktlichkeit aus". Wie kommt es, das ein Satz, der

zunächst unverfänglich wirkt, da er eine positive Aussage transportiert, im Kontext

des Arbeitszeugnisses ein mulmiges Gefühl bei Herrn B. hinterlässt, und auch beim

Personalchef des neuen Arbeitgebers, dem dieses Arbeitszeugnis vorliegt?

Wie kommen derartige Bedeutungswechsel zustande und ist es tatsächlich so, dass

die Mehrheit der Gesprächspartner genau diese Bedeutung korrekt erfasst? Und falls

ja, wie ist es möglich, dass man mit einer Aussage unterschiedliches Meinen zum

Ausdruck bringen kann, so dass es der Gesprächspartner auch im Sinne des

Sprechers versteht? Durch Intuition? Durch Interpretation? Paul Grice hat in seiner

Sprachphilosophie diese Fragen näher untersucht.

3


2 Die Bedeutung der Sprachphilosophie für die

Kommunikation

Die Sprachphilosophie ist ein Produkt der neueren und neuesten Philosophie. Erst im

19. Jahrhundert, nach dem ,,linguistic tuirn" haben die Philosophen erkannt, dass,

wenn Erkenntnisse sprachlich verfasst sind, diese nicht losgelöst von Sprache

untersucht werden können1. Sie haben erkannt, dass ein Verständnis der

Funktionsweise des menschlichen Geistes nicht ohne ein Verständnis der

Funktionsweise der menschlichen Sprache möglich ist. Die Bedeutung von Sprache

ist auch für John Locke fundamental: ,,Da nun aber die Annehmlichkeiten und

Vorteile der Gesellschaft ohne eine Mitteilung der Gedanken nicht zu erreichen sind,

so muss der Mensch notwendig gewisse äußere, sinnlich wahrnehmbare Zeichen

ausfindig machen, mit deren Hilfe jene unsichtbaren Ideen, die seine Gedankenwelt

ausmachen, anderen mitgeteilt werden könnten"2. Ludwig Wittgenstein stellte im

Tractatus Logico-Philosophicus fest, dass die Funktion jeder Sprache die Abbildung

der Wirklichkeit ist3. John L. Austin kam darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass

Sprache auch Handlung sein kann, z.B. im Falle einer performativen Äußerung, wie

der Taufe: ,,Ich taufe Dich auf den Namen...", eine Handlung, die er als Sprechakte

bezeichnet4 Auch Grice beschäftigt sich mit der Intersubjektivität der Sprache, also

ihrer Funktion, wie sie Locke ihr zugeschrieben hat. Die performative Äußerung der

Sprechakte kann nicht wahr oder falsch sein. Für Grice stellt sich diese Frage in

erster Linie in der Relation von Sender und Empfänger, also, inwiefern ein

Wahrheitswert vom Sender zum Empfänger übertragen werden kann. Ist der

Wahrheitswert des Sprecher-Satzes immer noch derselbe, wie die des vom Hörer

vernommenen Satzes? Bleibt es wirklich dieselbe Aussage?

3 Das Gricesche Programm

Grice entwickelte eine Theorie von den propositionalen Einstellungen der Mitglieder

einer Sprachengemeinschaft, die in ,,dass-Sätzen" mit Hilfe von psychologischen

Verben, wie z.B. ,,wünschen, glauben, hoffen, befürchten usw." eine propositionale

Einstellung erkennen lassen5. Damit kann Verhalten alltagspsychologisch erklärt

1 vgl.: Gabriel, Gottfried: ,,Grundprobleme der Erkenntnistheorie", Paderborn 1998, S. 130

2 Locke, John: ,,Versuch über den menschlichen Verstand" Hamburg 1988, S. 5

3 vgl. Glock, Hans-Johann: ,,L. Wittgenstein ­ Sprache, Bedeutung und Gebrauch", Stuttgart 2004, S. 601

4 vgl. Kompa, Nikola: John L. Austin ­ Sprechakttheorie", Stuttgart 2004, S. 624

5 vgl.: Newen, Albert: ,,Analytische Philosophie zur Einführung", Hamburg 2005, S. 214

4



Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:


This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/112485/wie-funktioniert-kommunikation-die-theorie-der-implikatur-des-paul-grice
please wait Please wait