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Diploma Thesis, 2003, 130 Pages
Author: Simone Mikeler
Subject: Social Pedagogy / Social Work
Details
Tags: Rahmenbedingungen, Möglichkeiten, Sozialer, Arbeit, Hochbetagten, Altenhilfe
Year: 2003
Pages: 130
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 90 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-13933-0
File size: 500 KB
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Abstract
Einleitung: Das Streben der Menschheit nach einem langen Leben bei guter Gesundheit scheint in den relativ reichen westlichen Industrieländern zunehmend er-füllbar. Die demographische Alterung der bundesdeutschen Gesellschaft schreitet weiter voran, immer weniger Menschen im arbeitsfähigem Alter müssen für die Versorgung von immer mehr älteren Menschen aufkommen. In der Sozialpolitik ist diese Entwicklung bereits eines der beherrschenden Themen. Um die prognostizierte Entwicklung bewältigen zu können wird die nationale Altenberichterstattung als Instrument der Politikberatung herangezogen. Alter und Altern muss nicht gleich Pflegebedürftigkeit bedeuten, doch auch der medizinische Fortschritt kann das mit dem Alter zunehmende Risiko, auf Hilfe und Pflege angewiesen zu sein, nicht ausschalten. Die ständig steigende Lebenserwartung bedeutet oftmals nur eine Verschiebung des Eintrittsalters in die Pflegebedürftigkeit. Jenseits des 80. bis 85. Lebensjahres steigt die Wahrscheinlichkeit für Multimorbidität2, Pflegebedürftigkeit und Demenzerkrankungen deutlich an.3 Seit Inkrafttreten im Jahr 1995 mindert die Pflegeversicherung die finanziellen Risiken bzw. Folgen der Pflegebedürftigkeit, insbesondere im Alter. Zu den pflegepolitisch wichtigsten Grundsätzen gehört der Vorrang der häuslichen Pflege gegenüber allen Formen stationärer Unterbringung und Betreuung. Durch die Pflegeversicherung mit ihren geschaffenen Leistungen zur häuslichen Pflege ist es möglich geworden, dass ältere Menschen heute wesentlich länger in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben und von Angehörigen, Nachbarn und ambulanten Pflegediensten unterstützt werden. Als eine wesentliche Orientierung in der Lebensperspektive von alten und von betagten Menschen kann diese Unterstützung dennoch oft nicht den Umzug in ein Altenpflegeheim verhindern.
Excerpt (computer-generated)
Aus dem FB Sozialwesen der Universität Kassel
Rahmenbedingungen und Möglichkeiten
Sozialer Arbeit mit Hochbetagten in der stationären Altenhilfe
Dipl.-Arbeit für die Prüfung zum Erwerb
des Akademischen Grades
Dipl.-Sozialarbeiter/ -Sozialpädagoge
eingereicht von Simone Mikeler
aus Kassel / 11.12.2003
"Solange wir unsere Einstel ung zu den psychisch Kranken von der Angst um unsere seelisch-geistige Gesundheit bestimmen lassen, wird sich nie etwas ändern, und wir werden die gestörten Menschen weiterhin dem Inferno der typischen `Anstalt für Geisteskranke′ überantworten und gelegentlich einen Entrüstungsschrei von uns geben, weil er dort in völ igem Elend vegetiert."(1)
____________________
(1) Bettelheim 1978; S. 10. Zit. in: Hummel 1991; S. 64
Inhaltsverzeichnis
Einleitung ___ 8
1. Das vierte Lebensalter ___ 12
2. Die Soziale Sicherung bei Pflegebedürftigkeit ___ 22
2.1 Die Pflegeversicherung ___ 22
2.2 Die Funktion der Sozialhilfe ___ 27
2.3 Die Zukunft der Pflegeversicherung ___ 28
3. Arbeiten und Leben im Alten- und Pflegeheim ___ 32
3.1 Die Qualitätssicherung in der Altenpflege ___ 32
3.2 Die Finanzierung von Alten- und Pflegeheimen ___ 34
3.3 Die Anforderungen an die Pflege ___ 38
3.4 Die Pflege zwischen Anspruch und Möglichkeiten ____ 41
3.5 Das Leben im Alten- und Pflegeheim ___ 43
3.6 Alternative Heimkonzepte ___ 47
3.6.1 Lebensweltorientierte Heimkonzepte ___ 49
3.6.2 Wohngruppen/ Hausgemeinschaften ___ 52
3.6.3 Die besondere stationäre Dementenbetreuung ___ 54
3.6.4 Das ′Drei-Welten-Model′ ___ 56
4. Die Soziale Arbeit in der stationären Altenhilfe ___ 60
4.1 Die Bewohnerzentrierte Ebene ___ 62
4.2 Die Gemeinwesenorientierte Ebene ___ 72
4.3 Die Institutions- und Mitarbeiterbezogene Ebene ___ 79
4.4 Die rechtliche Verankerung Sozialer Arbeit im Heim ___ 82
Seite 5
5. Konzeptentwicklung für das Aufgabenfeld Sozialer Arbeit im Seniorenheim Nordstadt ___ 86
5.1 Das Seniorenheim Nordstadt ___ 88
5.1.1 Die Bewohner ___ 90
5.1.2 Die Personalausstattung im September 2003 ___ 92
5.1.3 Der Al tag der Heimbewohner ___ 93
5.2 Die Aufgabenbereiche Sozialer Arbeit im Seniorenheim Nordstadt ___ 94
5.2.1 Die Bewohnerzentrierten Aufgaben ___ 96
5.2.1.1 Biographiearbeit ___ 96
5.2.1.2 Einzelförderung für gerontopsychiatrisch veränderte alte Menschen ___ 97
5.2.1.2.1 Erinnerungsarbeit ___ 97
5.2.1.2.2 `Snoezelen′ (Basale Stimulation) ___ 98
5.2.1.3 Vorfeld- und Integrationsarbeit mit neuen Heimbewohnern ___ 99
5.2.1.4 Psychosoziale Begleitung/ Krisenintervention ___ 100
5.2.1.5 Die Stärkung des Heimbeirats ___ 101
5.2.1.6 Zeitstrukturierende Angebote ___ 102
5.2.1.6.1 Teilhabe der Bewohner am Heimalltag ___ 102
5.2.1.6.2 Struktur für Menschen mit Demenz ___ 103
5.2.1.6.3 Sozialpädagogische Gruppenangebote ___ 105
5.2.1.6.4 Hausinterne Veranstaltungen ___ 107
5.2.2 Die Gemeinwesenarbeit ___ 108
5.2.2.1 Die Stadtteilarbeit ___ 108
5.2.2.2 Die Angehörigenarbeit ___ 109
5.2.2.3 Bürgerschaftliches Engagement ___ 110
5.2.2.4 Die Öffentlichkeitsarbeit ___ 111
5.2.3 Die Institutions-und Mitarbeiterbezogene Ebene ___ 112
5.2.3.1 Die Milieugestaltung ___ 112
5.2.3.2 Die Mitwirkung an der Organisationsentwicklung ___ 114
Seite 6
5.2.3.3 Die Einführung von `Fingerfood′ ___ 115
5.2.3.4 Die Kooperation mit den Altenpflegern ___ 116
5.2.3.5 Die Begleitung von Altenpflegeschülern, Praktikanten, FSJ-, Honorarkräften ___ 117
6. Resümee ___ 119
7. Literaturverzeichnis ___ 121
Abbildungsverzeichnis ___ 131
Seite 7
Einleitung
Das Streben der Menschheit nach einem langen Leben bei guter Gesundheit scheint in den relativ reichen westlichen Industrieländern zunehmend erfül bar. Die demographische Alterung der bundesdeutschen Gesel schaft schreitet weiter voran, immer weniger Menschen im arbeitsfähigem Alter müssen für die Versorgung von immer mehr älteren Menschen aufkommen. In der Sozialpolitik ist diese Entwicklung bereits eines der beherrschenden Themen. Um die prognostizierte Entwicklung bewältigen zu können wird die nationale Altenberichterstattung als Instrument der Politikberatung herangezogen. Alter und Altern muss nicht gleich Pflegebedürftigkeit bedeuten, doch auch der medizinische Fortschritt kann das mit dem Alter zunehmende Risiko, auf Hilfe und Pflege angewiesen zu sein, nicht ausschalten. Die ständig steigende Lebenserwartung bedeutet oftmals nur eine Verschiebung des Eintrittsalters in die Pflegebedürftigkeit. Jenseits des 80. bis 85. Lebensjahres steigt die Wahrscheinlichkeit für Multimorbidität(2), Pflegebedürftigkeit und Demenzerkrankungen deutlich an(3).
Seit Inkrafttreten im Jahr 1995 mindert die Pflegeversicherung die finanziellen Risiken bzw. Folgen der Pflegebedürftigkeit, insbesondere im Alter. Zu den pflegepolitisch wichtigsten Grundsätzen gehört der Vorrang der häuslichen P flege gegenüber al en Formen stationärer Unterbringung und Betreuung. Durch die Pflegeversicherung mit ihren geschaffenen Leistungen zur häuslichen Pflege ist es möglich geworden, dass ältere Menschen heute wesentlich länger in ihrer gewohnten Umgebung verbleiben und von Angehörigen, Nachbarn und ambulanten Pflegediensten unterstützt werden. Als eine wesentliche Orientierung in der Lebensperspektive von alten und von betagten Menschen kann diese Unterstützung dennoch oft nicht den Umzug in ein Altenpflegeheim verhindern. In den Alten- und Pflegeheimen hat eine dramatische Veränderung stattgefunden: Das Durchschnittsalter der Menschen, die heute in ein Heim aufge nommen werden,
____________________
(2) eine Vielzahl von Erkrankungen, an denen eine Person gleichzeitig leidet
(3) vgl. BMFSFJ 2002; S. 54f
Seite 8
ist deutlich gestiegen. Die Bewohner haben einen wesentlich höheren Hilfebedarf, dennoch werden die Pflegedienstleistungen von immer weniger und schlechter ausgebildetem Personal erbracht. Die Prämissen der Gesetzgebung, nämlich Wirtschaftlichkeit, Angemessenheit, Wettbewerbs- und Leistungsorientierung, stehen den aktuel en Forderungen nach einer Verbesserung der Pflegequalität entgegen und führen zu einer Zuspitzung der Diskussion um Inhalte und Kriterien von Qualität in der Pflege. Insbesondere Prinzipien wie Rationalisierung und Effektivierung des Behandlungs- und Pflegeprozesses stehen im Widerspruch zu Zielen wie Humanisierung und Ganzheitlichkeit der Pflege.
Die Zunahme an Hochbetagten führt in stationären Einrichtungen zu einer stetig wachsenden Zahl von Bewohnern mit psychischen Störungen und gerontopsychiatrischen Auffäl igkeiten. Demenzen und andere hirnorganische Störungen sind im höheren Lebensalter die häufigste Ursache für Hilfs- und Pflegebedürftigkeit. Hauptgründe für die Unterbringung in Pflegeheimen sind neurodegenerative Erkrankungen (Demenzen), Depressionen und Schlaganfälle(4). Somit kommen ihnen rein quantitativ unter ökonomischen Aspekten eine immense Bedeutung zu. Altersheime mit 30 bis 50 Prozent Bewohnern, die an hirnorganischen Leistungsstörungen leiden, sind heute keine Seltenheit mehr(5). Auch alt gewordene psychisch Kranke werden aus Kostengründen in Pflegeheimen untergebracht. Eine kontinuierliche qualifizierte Behandlung kann jedoch nicht gewährleistet werden, da - im Unterschied zu gerontopsychiatrischen Fachabteilungen - die benötigten therapeutischen, fachpflegerischen und ärztlichen Behandlungsmöglichkeiten nicht verfügbar sind. Die Mitarbeiter, die für diese speziel en Anforderungen nicht qualifiziert wurden, fühlen sich durch den Umgang mit aggressiven, verwirrten und depressiven Bewohnern stark belastet(6).
Die einseitige Orientierung der Pflegeversicherung und die ausschließliche Begutachtung der körperbezogenen Funktionen und Verrichtungen wirkt sich negativ auf die Versorgungsstruktur der Bewohner aus. Die Lebensbedingungen von alten Menschen und vor al em von Menschen mit Demenz
____________________
(4) vgl. Schneekloth 1997. Zit. in: Karst 2002; S. 45
(5) vgl. Schröder 1996; S. 18
(6) vgl. Zimber 1997. Zit. in: Braun/ Kühnert 1998; S. 65
Seite 9
entsprechen dadurch oft einem ′Verwahrungsumfeld′, es fehlt an angemessener psychosozialer Betreuung und deren Finanzierung.
Wenn die Grundwerte einer humanen Begleitung von alten Menschen, ihre Individualität, ihre Selbständigkeit und ihre Eigenverantwortung auch im Altersheim gefördert und realisiert werden sol en, stel t sich die Frage, welche spezifischen Kompetenzen und Inhalte die Soziale Arbeit angesichts der derzeitigen Rahmenbedingungen in der stationären Altenhilfe beitragen kann, um die Lebensqualität und die Autonomie hochaltriger Menschen zu erhalten bzw. zu verbessern.
Dieser Fragestel ung widmet sich die vorliegende Arbeit. Ausgehend von der demographischen Alterung der Bevölkerung, beschäftigt sich das erste Kapitel mit der individuel en Planung der Wohnsituation bei Eintritt in die Pflegebedürftigkeit, was Lebensqualität im Alter bedeutet und führt zu den Auswirkungen gesundheitlicher Probleme im Alter, dabei speziel zu der Frage nach der Versorgung von Menschen mit Demenz oder anderen hirnorganischer Störungen.
Im Zweiten Kapitel werden die Voraussetzungen für den gesetzlichen Leistungsanspruch des SGB XI erläutert und kritisch dargestel t und die teils widersprüchlichen Aussagen gesetzlicher Grundlagen zum Leistungsanspruch `Soziale Betreuung′ gegenübergestel t. Anschließend wird die ergänzende Funktion der Sozialhilfe erklärt, die finanziel e Lage der Pflegeversicherung dargestel t und mögliche zukünftige Entwicklungen in Bezug auf die Pflegeversicherung beschrieben.
Im dritten Kapitel werden ausgehend von der Veränderung der Bewohnerstruktur in Alten- und Pflegeheimen durch Hochaltrigkeit und einhergehenden gerontopsychiatrischen Veränderungen die gesetzlichen Anforderungen an die Qualität der Leistungserbringung durch stationäre Einrichtungen aufgezeigt und die bestehenden und demnächst anstehenden gesetzlichen Vorgaben zur Finanzierung der Heime erläutert. Dabei werden die Probleme der Finanzierung durch leistungsgerechte Entgelte näher beleuchtet und die daraus resultierenden Anforderungen an die Arbeitsrealität der Pflegenden ausgearbeitet. Im zweiten Teil des Kapitels werden die psychische Belastung der alten Menschen beim Heimeinzug und der Al tag von Bewohnern in Heimen beschrieben, die ohne eine speziel dafür eingerichtete Soziale
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Betreuung auskommen müssen. Darauf werden alternative Heimkonzepte, die aus der Kritik an Institutionen entwickelt wurden, und verschiedene besondere Wohnformen für dementiel veränderte Bewohner vorgestelt.
Im Vierten Kapitel wird der mögliche Beitrag Sozialer Arbeit zur Qualität der Versorgung von hochaltrigen Menschen in Alten- und Pflegeheimen deutlich gemacht. Die Aufgabenfelder werden in bewohnerzentrierte, gemeinwesenorientierte und institutionsbezogene Ebene gegliedert und herausgearbeitet. Im fünftes Kapitel wurde in Kooperation mit der Pflegedienst-/ Heimleitung des Seniorenheims Nordstadt (Frau Maike Stöver) eine konkrete Konzeptentwicklung für das Aufgabenfeld Sozialer Arbeit erstel t, darin enthalten ist die Beschreibung des Seniorenheims, die Bewohnerstruktur und das Mitarbeiterteam. Als Grundlage für die möglichen Handlungsfelder eines beschäftigten Sozialarbeiters sol das Konzept der Weiterentwicklung der Dienstleistungen für die Bewohner und ihrer Zufriedenheit dienen. Zum anderen sol durch die Darstel ung der Arbeitsbereiche und Arbeitsabläufe eine wichtige Voraussetzung für eine koordinierte Zusammenarbeit mit al en Arbeitsbereichen der Einrichtung, insbesondere der Pflege geschaffen werden.
Die vorliegende Arbeit beschränkt sich ausschließlich auf den vol stationären Bereich der Altenhilfe, wobei die Auseinandersetzung mit den überaus wichtigen Themen Sterbebegleitung der Bewohner und der Angehörigen, Sterben im Altersheim, lebensverlängernde Zwangsmaßnahmen und Patientenverfügungen nicht bearbeitet wurde.
Zum Zweck der besseren Lesbarkeit wird in der Arbeit nur die männliche Geschlechtsform verwendet. Außerdem habe ich den Begriff Sozialarbeit benutzt, der jedoch immer auch die Fächerkombination Sozialarbeit/Sozialpädagogik beinhaltet.
Um die Nutzung des Konzeptes (Kap. 5), das im Prinzip separat verwendbar ist, zu vereinfachen, wurde die Numerierung dieses Kapitel geändert.
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1. Das vierte Lebensalter
Die Betrachtung des Alters als defizitäre Lebensphase hat sich zugunsten einer umfassenden Sichtweise verändert. Die dritte Lebensphase nach Abschluss der Berufs- und Kinderphase wird heute in drei Abschnitte aufgegeteilt, denn sie kann 30 Jahre und mehr betragen. Durch das frühere Ausscheiden aus dem Berufsleben und die gestiegene Lebenserwartung hat sich der Zeitraum zwischen dem Beginn des Erwerbs-Ruhestandes und dem eigentlichen ′Altsein′ (der Hochaltrigkeit) für viele Menschen erheblich ausgeweitet. Das Rentenalter wird deshalb auch nicht mehr als eine einheitliche Lebensphase angesehenen, sondern man spricht vom ′dritten′ und ′vierten′ Alter(7). Unterschieden wird zwischen den ′jungen′ Alten im Alter zwischen 50-60 Jahren, die frühzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden (müssen) und in den Vorruhestand treten, der dritten Lebensphase zwischen 60-80 Jahren und den Hochbetagten ab 80 Jahren.
Seit Beginn der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entwickeln sich Umschichtungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Der kontinuierliche Anstieg in der Lebenserwartung über einen Zeitraum von 160 Jahren ist das Ergebnis verbesserter Lebensbedingungen, gesundheitsbewussterer Lebensführung und positiver Auswirkungen der Fortschritte in Medizin, Medizintechnik und Pharmakologie(8). Kennzeichen des Prozesses demographischen Alterns sind die absolute Zunahme älterer Menschen ab 60 Jahren sowie der Rückgang des Anteils der jüngeren Jahrgänge bei einer gleichzeitigen Zunahme des Anteils älterer Jahrgänge an der Gesamtbevölkerung. In Deutschland wird erwartet, dass der Anteil der über 60-Jährigen von derzeit 22,5% in fünfzig Jahren auf rund 36% an der Gesamtbevölkerung ansteigt. Darunter ist insbesondere ein Anstieg hochaltriger Menschen über 80 Jahre zu verzeichnen(9). Im Vierten Altenbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wird der Beginn der Hochaltrigkeit für die Altersspanne zwischen 80 und 85 Jahren definiert.
____________________
(7) vgl. Kremer-Preiß, Stolarz 2003; S. 8
(8) vgl. Max-Plank-Gesellschaft. Presseinformation vom 10. Mai 2002
(9) vgl. BMFSFJ 2002; S. 55
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