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"Lust auf Frust" - über den konstruktiven Umgang mit einer Emotion

Subtitle: Frustrationsbewältigung mit den Methoden der Integrativen Gestaltberatung

Termpaper, 2006, 46 Pages
Author: Mike Schünemann
Subject: Psychology - Consulting, Therapy

Details

Event: Abschlußarbeit Ausbildung Psychologischer Berater
Institute: ALH - Akademie für ganzheitliche Lebens- und Heilweisen
Tags: Lust, Frust, Umgang, Emotion, Abschlußarbeit, Ausbildung, Psychologischer, Berater
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 46
Grade: 2,1
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V112710
ISBN (E-book): 978-3-640-12880-8
ISBN (Book): 978-3-640-13025-2
File size: 250 KB

Abstract

Motive für die Themenwahl Wie kann man Lust auf ein negatives Gefühl haben? Mein Arbeitstitel ist auch Provokation. Provokation führt zu Reaktionen. Ich möchte eine Reaktion des neugierig Machens, des spontanen Innehaltens anregen. Jeder von uns kennt Alltags- und Lebenssituationen, in denen er sich unzufrieden, ärgerlich, benachteiligt fühlte. „Ich habe Frust“, „Ich bin frustriert“ – das geht uns umgangssprachlich, als verbaler Ausdruck einer momentanen oder anhaltenden Emotion, schnell von den Lippen. „Frust“ als Sammelbecken für Wahrnehmungen, die negativ auf unser Fühlen, Denken und Handeln wirken. Meine These: Der positive Umgang mit Frustration ist erfahrbar und lernbar. Frustration ist nichts anderes, als die Wahrnehmung einer Lebenssituation, die auf Veränderungsbedarf hinweist. Sie macht uns auf unsere Bedürfnisse aufmerksam. Ein Signal geht auf „Stopp“. Durch diese Signalfunktion bietet sie die Chance zur innovativen Veränderung im Kontext unserer Gefühle, unseres Denkens und Handelns und der uns innewohnenden Möglichkeiten. Hin zu dem, was wir ganz einfach als selbstbestimmtes, glückliches Leben bezeichnen. Warum dieses Gefühl dann nicht auch annehmen – Lust auf die gute Begegnung mit Frust bekommen? Meine Intention: Ich werde in meiner Arbeit die aufgestellte These schlüssig belegen. Die Wichtigkeit des Themas ergibt sich für mich aus der Tatsache, dass Frustration oft die Ursache für andere Motivationen unseres Fühlens, Denkens und Handelns ist und dadurch häufig Ursache von Leid. Sie steht im Prozess der Situationsbewältigung am Anfang der Kette oder in wechselnder Wirkung mit anderen Motiven wie Konflikten, Angst und Furcht, Stress oder Aggression. Das Motiv Frustration hat damit eine Schlüsselfunktion in vielfältigen Beratungssituationen. Psychologische Beratung dient der Bewältigung von Situationen des Lebens und ist präventive Arbeit zur Vermeidung psychischer Störungen und Erkrankungen, die aus unzulänglicher Bewältigung von Lebenssituationen entstehen können. Das Heranführen des Klienten an seinen im besten Sinne schöpferischen Umgang mit Frustration, ist Grundlagenarbeit – auch zur frühen Vermeidung später indizierter therapeutischer Interventionen.


Excerpt (computer-generated)

Mike Schünemann

Abschlussarbeit
Psychologischer Berater

Thema:
,, LUST auf FRUST"
Über den konstruktiven Umgang mit einer Emotion.

Ilmenau, Mai 2006

 


Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort - persönliche Motive für die Themenwahl 1
1.1 Meine These: 1
1.2 Meine Intention: 2
2 Einleitung - Hinführung zum Thema 3
2.1 Frustration 3
2.2 Motivation / Motivationsvariablen 3
2.3 Gestaltberaterischer Ansatz 4
2.4 Exkurs: wissenschaftliche Modelle in der empirischen Psychologie 5
2.5 Themenrelevanz 6
3 Hauptteil ­ praktisch detaillierte Themenbearbeitung 8
3.1 Kurzcharakteristika intervenierender Motivationsvariablen 8
3.1.1 Konflikt 9
3.1.2 Aggression 10
3.1.3 Angst und Furcht 10
3.1.4 Stress 10
3.1.5 Leistungsmotivation 11
3.2 Frustration 12
3.3 Zwei Wege ­ Umgang mit / Folgen von Frustration 14
3.3.1 A - ,, der destruktive Weg" (Beispiele) 15
3.3.2 B ­ ,,der konstruktive Weg" 16
3.4 Beratungszeitpunkt ­ Wann ist Beratung angezeigt? 17
3.5 Praxis der Beratungsarbeit 19
3.5.1 Grundgedanken 19
3.5.2 Integrative Gestaltberatung 21
3.5.2.1 Tiefenpsychologischer Hintergrund 21
3.5.2.2 Gestaltpsychologie - ausgewählte theor. Grundannahmen 22
3.5.2.3 Gestaltgesetze ­ Anwendung in der Beratung 26
3.5.2.4 Gestaltkonzepte 30
3.5.2.5 Methoden der Gestaltarbeit 33
3.5.2.6 Prozessmodel der Integrativen Beratung 34
3.5.3 Komplementäre Methoden 36
4 Mein Resumé und persönlicher Ausblick 38
5 Quellenverzeichnis 43

II

 


1 Vorwort - persönliche Motive für die Themenwahl

Wie kann man Lust auf ein negatives Gefühl haben?

Mein Arbeitstitel ist auch Provokation. Provokation führt zu Reaktionen. Ich möchte eine Reaktion des neugierig Machens, des spontanen Innehaltens anregen.

Jeder von uns kennt Al tags- und Lebenssituationen, in denen er sich unzufrieden, ärgerlich, benachteiligt fühlte. ,,Ich habe Frust", ,,Ich bin frustriert" ­ das geht uns umgangssprachlich, als verbaler Ausdruck einer momentanen oder anhaltenden Emotion, schnell von den Lippen. ,,Frust" als Sammelbecken für Wahrnehmungen, die negativ auf unser Fühlen, Denken und Handeln wirken.

Was machen wir damit?

Die Spanne ist breit. Wir greifen an ­ reagieren aggressiv. Am anderen Ende der Bandbreite ziehen wir uns zurück ­ reagieren depressiv. Diese Reaktionen sind für die Bewältigung der auslösenden Situation destruktiv, wenn wir von möglichen positiven Aspekten der Aggression (Stichwort: Schaffung von Freiräumen durch angemessene Interessendurchsetzung) absehen. Ja, sie können zum Problem werden, bis hin zu Veränderungen unserer Persönlichkeitsstruktur, psychischen Störungen und Erkrankungen.

Und wenn es ,,gut läuft"?

Dann helfen uns unsere Persönlichkeitsmerkmale, Erfahrungen und Einstellungen in der zunächst negativ empfundenen Situation ­ wir reagieren konstruktiv. Das Ergebnis: Wir fühlen uns gut. Denn es ist uns gelungen, durch positive Reaktion, eine für uns positive Situationsveränderung herbeizuführen.

1.1 Meine These:

Der positive Umgang mit Frustration ist erfahrbar und lernbar.

Frustration ist nichts anderes, als die Wahrnehmung einer Lebenssituation, die auf Veränderungsbedarf hinweist. Sie macht uns auf unsere Bedürfnisse aufmerksam. Ein Signal geht auf ,,Stopp". Durch diese Signalfunktion bietet sie die Chance zur

1

 


innovativen Veränderung im Kontext unserer Gefühle, unseres Denkens und Handelns und der uns innewohnenden Möglichkeiten.

Hin zu dem, was wir ganz einfach als selbstbestimmtes, glückliches Leben bezeichnen.

Warum dieses Gefühl dann nicht auch annehmen ­ Lust auf die gute Begegnung mit Frust bekommen?

1.2 Meine Intention:

Ich werde in meiner Arbeit die aufgestellte These schlüssig belegen.

Die Wichtigkeit des Themas ergibt sich für mich aus der Tatsache, dass Frustration oft die Ursache für andere Motivationen unseres Fühlens, Denkens und Handelns ist und dadurch häufig Ursache von Leid.

Sie steht im Prozess der Situationsbewältigung am Anfang der Kette oder in wechselnder Wirkung mit anderen Motiven wie Konflikten, Angst und Furcht, Stress oder Aggression.

Das Motiv Frustration hat damit eine Schlüsselfunktion in vielfältigen Beratungssituationen.

Psychologische Beratung dient der Bewältigung von Situationen des Lebens und ist präventive Arbeit zur Vermeidung psychischer Störungen und Erkrankungen, die aus unzulänglicher Bewältigung von Lebenssituationen entstehen können. Das Heranführen des Klienten an seinen im besten Sinne schöpferischen Umgang mit Frustration, ist Grundlagenarbeit ­ auch zur frühen Vermeidung später indizierter therapeutischer Interventionen.

2

 


2 Einleitung - Hinführung zum Thema

Zur Annäherung an das Thema ist es notwendig, auf wiederkehrende Begriffe per Definition einzugehen, sowie den Kontext, in dem sie sich befinden, zu betrachten.

2.1 Frustration

Unter dem Stichwort >Frustration< findet sich im Psychologischen Wörterbuch:

,,Das Erlebnis der wirklichen oder vermeintlichen Benachteiligung, Zurücksetzung, des Zukurzkommens, bei enttäuschter Erwartung oder erlittener Ungerechtigkeit." (Dorsch 1998, S.293)

Mit dem ersten Blick auf diese Definition werden mit nicht erfüllten Erwartungen oder Ungerechtigkeit Situationen in Verbindung gebracht, in denen wir beispielsweise fehlender Anerkennung, Unehrlichkeit oder Kritik ausgesetzt sind. Diese Interpretation greift zu kurz.

Auch die mangelnde Befriedigung von grundlegenden Bedürfnissen, wie Nahrungsaufnahme, Ruhebedürfnis und der Sexualtrieb, zählen in diese Begriffsbestimmung.

Bei diesen Erklärungen aus den Ursachen heraus, kann Frustration nicht zuletzt auch infolge unvereinbarer Handlungstendenzen in Konflikten entstehen.

Die Übersetzung des lateinischen >frustratio ­ Vereitelung/ Nicht- Erfüllung< macht es ebenso deutlich: Frustration bedeutet Mangel. Mangel an Bedürfnisbefriedigung.

Wobei unsere Wahrnehmung wesentlichen Einfluss auf den jeweiligen Zusatz >tatsächlich< oder >vermeintlich< hat.

Dabei ist Frustration als intervenierende Motivationsvariable zu verstehen.

2.2 Motivation / Motivationsvariablen

Die Motivationsforschung bietet verschiedene theoretische Model e, um Verhalten, Reaktionen und deren Ursachen zu erklären. Eine übergreifende Definition lautet:

3

 


,,Annahmen über aktivierende und richtungsgebende Vorgänge, die für die Auswahl und Stärke der Aktualisierung von Verhaltensstrukturen bestimmend sind. Die intervenierenden Motivationsvariablen sollen erklären, warum ein Mensch (ein Tier) sich unter bestimmten Umständen gerade so und mit dieser Intensität verhält." (Dorsch 1998, S.550)

In den verschiedenen Theorien finden sich eine Vielzahl von Motiven und Motivationsvariablen ­ Bestrafung, Belohnung, Lust, Macht, Bedürfnis, Freude, Mangel, Werte, Normen, Zielvorstellungen, usw. ­ die zur nachvollziehbaren Erklärung herangezogen werden.

Ausgehend von der Motivationsvariablen >Frustration< wird die Themenbehandlung dieser Arbeit, auf die gegenseitigen Wechselwirkungen verschiedener Variablen und auf deren Einfluss auf unsere Motivation von Verhalten eingehen. Die Auswahl der Variablen und deren Detailbeschreibung ist aufgrund des gebotenen Umfanges der Ausarbeitung eingeschränkt. Sie stellt damit nur einen Ausschnitt der Komplexität im Feld von Motivation ­ Erleben ­ Verhalten dar. Ausgewählt wurde vor allem mit Blick auf ihre praktische Bedeutung und Häufigkeit im Auftreten der Beratungssituation und ihrem deutlichen Bezug untereinander.

2.3 Gestaltberaterischer Ansatz

Der im Hauptteil dargestellte Arbeitsansatz zum Aufbau der Lösungskette

- konstruktiver Umgang mit Frustration,

- positive Wirkung auf andere Motivationsvariablen,

- wirkungsvolle Aktualisierung von Verhaltensstrukturen des Klienten,

- angemessene Situationsbewältigung,

durch Veränderungen in der (Selbst-) Wahrnehmung im Awareness- Prozess, hat seine tiefergehenden Wurzeln in der Humanistischen Psychologie. Zu ihr zählen neben verschiedenen anderen Verfahren, wie der klientenzentrierten Beratung nach C.R. Rogers, auch die Beratungsmethoden auf Erkenntnisgrundlage der Gestaltpsychologie.

Die Gestaltarbeit und ihre Ausprägung in der Integrativen Gestaltberatung schöpft ihr Selbstverständnis aus ganzheitlichen Sichtweisen. Theorien, das praktische

4

 


Kliententhema und die Aufgabenstellung für Klient und Berater, werden als kognitiv- emotionale Prozesse unter Einbezug körperlicher Aspekte gesehen. Die Person erhält eine stärkere Gewichtung gegenüber der Situation. Das Individuum wird in seiner ,,individuellen Welt" als agierender Selbstgestalter mit Tendenz zur Selbstverwirklichung verstanden.

Dieses positive Menschenbild steht im Gegensatz zu den grundlegenden Auffassungen des Behaviorismus ­ Person überwiegend reagierend und konditioniert ­ oder den Grundannahmen der Psychoanalyse ­ überwiegend unbewusste Triebsteuerung der Person.

Auch wenn es zunehmend zu einer begrüßenswerten Annäherung zwischen den psychologischen Schulen, vor allem auf der Anwendungsebene kommt*, fühlt sich diese Arbeit primär der ganzheitlichen Sicht verbunden.

* Anmerkung: Zum Beispiel Unterscheidet Rahm drei Phasen der Gestaltberatung. In Phase 3 >Veränderung< weist er in den Beispielen von Gestaltmethoden auf mögliche Anwendungen aus der Verhaltenstherapie - wie Selbstinstruktion, Hausaufgaben ­ hin. (vgl. Rahm 1995, SB 12, S.77)

Deshalb an dieser Stelle der Motivationsbegriff aus der phänomenologisch, existenzialistischen Betrachtungsweise humanistischer Theorien, wie der Gestalttheorie:

,,Motivation als Gesamtheit der Motive, die der Verwirklichung von Lebens-, Bedeutungs- und Sinnwerten dienen und damit die Thematik des individuellen Lebens enthalten." (Dorsch 1998, S.551) 2.4 Exkurs: wissenschaftliche Modelle in der empirischen Psychologie Erklärungsmodel e entwickeln sich aus verschiedenen psychologischen Schulen.

Beispielgebend sind u.a. der Behaviorismus (verhaltenstheoretischer Ansatz), die Psychoanalyse (tiefenpsychologischer Ansatz) oder die Humanistische Psychologie (ganzheitlicher Ansatz), zu nennen.

5

 



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