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Scholary Paper (Seminar), 2002, 30 Pages
Author: Martin Stepanek
Subject: German Studies - Linguistics
Details
Tags: Du Sie Anrede Anredepronomen Pronomen
Year: 2002
Pages: 30
Grade: Sehr gut
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-17479-4
File size: 262 KB
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Excerpt (computer-generated)
ANREDEPRONOMEN IM DEUTSCHEN:
Das Problem mit ‚Du‘ und ‚Sie‘
von Martin Stepanek
INHALTSVERZEICHNIS
I. ANREDEPRONOMEN IM DEUTSCHEN: Das Problem mit ‚Du’ und ‚Sie’
0. Vorwort
1. Theoretischer Ausgangspunkt
2. Aktuelle Bestandsaufnahme
2.1. Alter
2.2. Arbeitsplatz
2.3. Resumé
3. Anredepronomen in Vorarlberger Dialekten
3.1. Klitisierung der Personalpronomina
3.2. Besonderheit des Anredepronomens ‚Ihr’
4. Literaturverzeichnis
5. Appendix
II. TEXTANALYSE
1.Textvorlage
2. Analyse
2.1. Substantiva
2.2. Verbformen, Verbstellung
2.3. Pronomina, Artikel
2.4. Ausklammerung und Ähnliches
2.5. Hypotaktische Konstruktionen im Text
I. ANREDEPRONOMEN IM DEUTSCHEN:
Das Problem mit ‚Du‘ und ‚Sie‘
0. Vorwort
Die Deutschsprachigen hätten so ihre Probleme mit du und Sie (Strutz (1986), S. 84), heißt es in einem englischen Kursbuch für Deutsch Lernende zum Thema der Anredeformen lapidar. Die Harmlosigkeit dieser Formulierung kann bestenfalls als Untertreibung gewertet werden, macht gleichzeitig jedoch auch eine gewisse Zurückhaltung und Unsicherheit deutlich, die von Sprachwissenschaftlern und Pädagogen rund um die Thematik auszugehen scheint.
Rund vier Jahrzehnte nach einer von den amerikanischen Soziolinguisten Brown und Gilman (1960) eröffneten Diskussion über die pronominale Anrede in einigen indogermanischen Sprachen, muss festgestellt werden, dass in diesen vier Jahrzehnten dem Thema der Anredeproblematik im Deutschen eher spärliche wissenschaftliche Aufmerksamkeit zuteil wurde und abgesehen von einigen sprachideologischen Aufsätzen in den 70-er Jahren (z. Bsp.: Ammon (1972), und Schütze (1975)), zumeist nur randkapitelweise in allgemeine sprachwissenschaftliche Abhandlungen Eingang fand. Dialektbezogene Erörterungen der Anredeformen existieren überhaupt nur vereinzelt und stellen selten pragmatische Überlegungen in den Mittelpunkt.
Die vorliegende Arbeit versucht daher pragmatische Aspekte in den Vordergrund zu stellen und sich dem Thema in der Auseinandersetzung mit einigen ausgewählten Diskussionsbeiträgen der Sprachwissenschaft, insbesonders der Soziolinguistik, behutsam, aber überaus wachsam zu nähern. Ausgangspunkt bildet der bereits zitierte Aufsatz von Brown und Gilman, The Pronouns of Power and Solidarity, der in der Auseinandersetzung mit der Thematik nicht unerwähnt bleiben darf. Neben der Analyse und Gegenüberstellung verschiedener Standpunkte der Sprachwissenschaft, soll eine eigene, unter deutschsprachigen Studenten durchgeführte Studie, einige interessante Hinweise zum gegenwärtigen Sprachverhalten dieser Altersgruppe liefern.
Ein weiterer Teilbereich dieser Arbeit befasst sich mit den Besonderheiten der Anredepronomen im Alemannischen. Als Basis für die Auseinandersetzung mit syntaktischen, morphologischen, aber auch die Pragmatik betreffenden Eigenheiten des Alemannischen, dient dem Autor dieser Arbeit sein eigener Dialekt und Dialektgebrauch, sowie Beobachtungen von Dialektsprechern im Raum Feldkirch und Laiblachtal.
1. Theoretischer Ausgangspunkt
Brown und Gilman’s (1960) Aufsatz The Pronouns of Power and Solidarity diente lange Zeit als Grundlage für die wissenschaftliche Diskussion der Anredeproblematik in Sprachen, die ein zweigliedriges pronominales Anredesystem besitzen. Das Phänomen der T/V-Unterscheidung, also der je nach Anredeverhalten und –situation auftretenden Variierung zwischen Singular tu bzw. Plural vos für die Anrede einer Person, wie Brown und Gilman anhand des Lateinischen veranschaulichen, findet sich in dieser oder ähnlicher Form bis heute in beinahe allen germanischen, romanischen und slawischen Sprachen wieder.
Das Verwenden eines Pluralpronomens in der singulären Anrede führen Brown und Gilman auf die Diocletianischen Reformen (285-305 n. Chr.) im römischen Reich zurück. Die Aufteilung des Reiches in zwei von jeweils einem Kaiser repräsentierte Hälften, bei gleichzeitiger Beibehaltung einer zentralistisch geführten Administration, habe ab dem 4. Jh. bei einem Ansuchen an den jeweils einen durch die beide Repräsentanten des Kaiserreiches implizierende Anrede wahrscheinlich zur Verwendung eines Plural-Anredepronomens für den Kaiser geführt.
Brown und Gilmans Ausführungen zur sprachhistorischen Entstehung des pluralis majestatis bleiben leider an der Oberfläche und entsprechen zudem auch nicht ganz den historischen Tatsachen. So bestand die Reform Diocletians ja geradezu darin, das Großreich in kleinere Verwaltungsgebiete aufzuteilen, was zu einer administrativen Dezentralisierung führte, und nicht wie von Brown und Gilman beschrieben, zu einer Zentralisierung der administrativen Agenden in einem ‚imperial office‘ (1960: 255). Auch wenn zwischen den beiden Hauptkaisern, den augusti, wiederum eine Hierarchie zum Tragen kam, die einen eindeutig Mächtigeren der beiden vorsah und letztendlich daher den Schluss von einer machtpolitisch zentralistischen Struktur des Kaiserreiches nahelegt, scheint die von Brown und Gilman in diesem Zusammenhang verwendete Erklärung zur Entstehung und Verbreitung der Pluralanrede als unlogisch und unwahrscheinlich.
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