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Gewissen, Moral und Selbstliebe in der englischen Aufklärung als Fundament freimaurischer Gewissensethik anhand von Joseph Butlers "15 Sermons"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 27 Pages
Author: Clemens Grün
Subject: Theater Studies

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 27
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V11278
ISBN (E-book): 978-3-638-17480-0
ISBN (Book): 978-3-638-68164-3
File size: 203 KB

Abstract

Selbstvervollkommnung durch Selbsterziehung - diese Losung bildet seit dem frühen 18. Jahrhundert einen zentralen Bestandteil freimaurischer Gewissensethik. Ein wesentliches Fundament der Moralphilosophie dieser im Zeitalter der Aufklärung entstandenen Geheimgesellschaft waren Joseph Butlers Einlassungen über die Natur des Menschen. Was Butler und die Freimaurer verbindet, ist das aufklärerische Sendungsbewusstsein, das mit einem Rückgriff auf antikes Gedankengut einhergeht und sich z.B. in der Bezugnahme auf den Salomonischen Tempel manifestiert. Zu den erörterten Fragen gehören wesentlich solche nach der Identität des Individuums, des menschlichen Rechts auf Selbstbestimmung und die ethisch-moralische Bestimmung der Vereinbarkeit eines individuellen Strebens nach Glück mit dem Allgemeinwohl und dem Glauben an Gott. Butler bezieht zu diesen Fragen mehr oder weniger explizit Stellung. In der vorliegenden Arbeit wird zu zeigen sein, in welcher Weise er die menschliche Konstitution und dessen Handlungsantriebe bestimmt, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis der Affekte des Menschen und seinem Reflektionsvermögen. Darüber hinaus wird, beispielhaft an einer Darstellung der Positionen Lockes, Shaftesburys und Mandevilles, eine Einordnung von Butlers Erörterungen in den kulturhistorischen Kontext vorgenommen.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt-Universität Berlin
Institut für Theaterwissenschaft und Kulturelle Kommunikation
WiSe 2002/03

Gewissen, Moral und Selbstliebe in der
englischen Aufklärung als Fundament
freimaurischer Gewissensethik anhand von
Joseph Butlers „15 Sermons“

Clemens Grün

 

Inhalt

0. Vorwort

1. Joseph Butler
1.1. Leben und Charakter
1.2. Werk und Rezeption

2. Die 15 Sermons
2.1. Die Natur des Menschen
2.2. Innere und äußere Prinzipien
2.3. Mitleid
2.4. Nächstenliebe
2.5. Der Gebrauch der Sprache

3. Kulturhistorischer Kontext
3.1. Shaftesbury
3.2. Locke
3.3. Mandeville

4. Zusammenfassung
4.1. Gewissen, Moral, Selbstliebe
4.1. Butler und die Freimaurer

5. Bibliographie

 

0. Vorwort

Im Jahre 1718 wurde Joseph Butler Preacher at the Rolls Chapel in London. Ein Jahr zuvor, am 24. Juni 1717, dem Johannistag, beschlossen vier Logen in London, eine Großloge zu gründen, die Grand Lodge of London. Dieses Datum gilt als Gründungstag der regulären Freimaurerei, der Johannisfreimaurerei oder blauen Freimaurerei.1

Biographische Berührungspunkte zwischen Butler und den Freimaurern dürfen also vorausgesetzt werden. Ob und in welcher Weise Butler persönliche Kontakte mit Freimaurern pflegte, die Freimaurerei als solche sein Interesse weckte oder ihm als Inspirationsquelle diente und in welcher Weise er in den gesellschaftlichen Debatten um die Freimaurerei jener Zeit Stellung bezog und Einfluss nahm, kann aufgrund der dünnen Quellenlage hier nicht entschieden werden. Auf umgekehrtem Weg dürfte die Beweisführung einfacher sein, besitzen Butlers moralethische Erörterungen über die Natur des Menschen doch eine offensichtliche Affinität zum moralethischen Konzept der Selbstvervollkommnung durch Selbsterziehung, dem die Freimaurer nachhingen.

Was Butler und die Freimaurer verbindet, ist das aufklärerische Sendungsbewusstsein, das mit einem Rückgriff auf antikes Gedankengut einhergeht und sich z.B. in der freimaurerischen Bezugnahme auf den Salomonischen Tempel manifestiert. Zu den in damaliger Zeit erörterten Fragen gehören wesentlich solche nach der Identität des Individuums, des menschlichen Rechts auf Selbstbestimmung und die ethisch-moralische Bestimmung der Vereinbarkeit eines individuellen Strebens nach Glück mit dem Allgemeinwohl und dem Glauben an Gott.

Butler bezieht zu diesen Fragen mehr oder weniger explizit Stellung. In der vorliegenden Arbeit wird zu zeigen sein, in welcher Weise er die menschliche Konstitution und dessen Handlungsantriebe bestimmt, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis der Affekte des Menschen und seinem Reflektionsvermögen. Darüber hinaus soll, beispielhaft an einer kurzen Darstellung der Positionen Lockes, Shaftesburys und Mandevilles, eine Einordnung von Butlers Erörterungen in den kulturhistorischen Kontext vorgenommen werden.

1. Joseph Butler

1.1. Leben und Charakter

Joseph Butler2 lebte 1692-1752 in England. Er war der jüngste Sohn eines Presbyterianers, einer auf kalvinistischen Grundlagen stehenden Kirche, die das Bischofsamt ablehnt. 1714 wechselte er seine Konfession und trat der Established Church bei. In den Jahren 1718-1726 hielt er als Preacher at the Rolls Chapel in London vor einem akademisch gebildeten Publikum die später unter dem Titel “Human Nature and other Sermons” veröffentlichten 15 Predigten. Er studierte Divinity und Law in Oxford, und 1733 erwarb er seinen Doktortitel in den Rechtswissenschaften. Er war Leibpriester der Königin Caroline (1736-37) und Georgs II. (1746) sowie während dieser Jahre auch Parlamentsmitglied. 1950 wurde er zum Bischof von Durham ernannt.

Der führenden englischen Gesellschaft zu Butlers Zeit wird von Biographen und Historikern eine gewisse Doppelzüngigkeit nachgesagt: einerseits ein modisches Interesse an theologischen Fragen, andererseits ein inhumaner Umgang mit Schwächeren. Butler selbst versuchte den hohen ethischen Anforderungen seiner Theorie zwar gerecht zu werden, doch stand seine Theorie der Selbstbejahung im Gegensatz zu seinen Selbsterfahrungen, er hatte „mehr Angst vor sich selbst als vor der Welt“. „Die Einsicht in die Notwendigkeit einer Selbstvervollkommnung“, so von Eckhardt, „verlangt die Umwandlung vom gewöhnlichen zum idealen Selbst“, und die Diskrepanz zwischen beiden schaffe die von Butler beschriebene Angst.

Über Butlers Leben ist, abgesehen von den Eckdaten seiner Biographie, wenig bekannt. Auch seine Bibliographie ist lückenhaft: Seine Bescheidenheit verleitete ihn dazu, seinen gesamten Nachlass vor seinem Tod zu verbrennen. Als gesichert gelten seine Interessenschwerpunkte auf philosophisch-theologischem und wissenschaftlich-politischem Gebiet, sowie in der Architektur. In letzterem Bereich konnte er gleichwohl keine herausragenden Leistungen vollbringen, seine Leidenschaft geriet ihm zu einer „ruinösen Freizeitbeschäftigung“.

1.2. Werk und Rezeption

[....]


1  Die historischen Daten zur Freimaurerei in dieser Arbeit entstammen einer Zusammenfassung zur Geschichte und Philosophie der Freimaurer unter http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/thg/16362.htm.
2  gesamter Abschnitt: von Eckhardt, S. 10ff.


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