40 Jahre Türken in Berlin

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Details

Titel: 40 Jahre Türken in Berlin
Untertitel : Dokumentation und medienwissenschaftliche Analyse des TV-Ideen-Wettbewerbs für Kinder und Jugendliche im Offenen Kanal Berlin
Autor: Thomas Funke
Fach: Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Institution/Hochschule: Technische Universität Berlin (Sprache und Kommunikation)
Kategorie: Diplomarbeit
Jahr: 2003
Seiten: 102
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 9  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 459 KB
Archivnummer: V112790
ISBN (E-Book): 978-3-640-13991-0
ISBN (Buch): 978-3-640-14004-6
Anmerkungen :
55 Buchvorschläge - spezielle Literaturliste im Anhang!

Zusammenfassung / Abstract

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Thema „40 Jahre Türken in Berlin“. Es handelt sich um die Dokumentation und medienwissenschaftliche Analyse eines TV-Ideen-Wettbewerbs für Schüler und Jugendliche im Offenen Kanal Berlin. Sie ist in drei Phasen eingeteilt: Die erste Phase gilt der Erarbeitung der dazu notwendigen Medien. Die zweite Phase behandelt die Werbung bis zu den Prämierungen der besten Ideen. Die dritte Phase umfasst abschließend den gesamten Prozess der Umsetzung, welche etwas hervorgehoben werden muss, denn sie beschreibt eine innovative Methode im Erstellen von Drehbüchern, die in diesem Wettbewerb angewandt wurde. Sie machte die schnelle Umsetzung der Ideen in fertige Filmstoffe möglich.

Textauszug (computergeneriert)


Technische Universität Berlin

Fakultät I - Geisteswissenschaften

Institut für Sprache und Kommunikation

Studiengang: Medienberatung (mit fachwissenschaftlicher Vertiefung)

Zur Erlangung des akademischen Grades

Diplom-Medienberater/in

vorgelegte Diplomarbeit

"40 Jahre Türken in Berlin"

Dokumentation und medienwissenschaftliche Analyse

des TV-Ideen-Wettbewerbs für Schüler und Jugendliche

im Offenen Kanal Berlin

Thomas Funke

Berlin, den 09. 01. 2003


Bibliographische Beschreibung

Name: Funke

Vorname: Thomas

Thema: "40 Jahre Türken in Berlin"

Dokumentation und medienwissenschaftliche Analyse des

TV-Ideen-Wettbewerbs für Schüler und Jugendliche im

Offenen Kanal Berlin

Art der Arbeit : Diplomarbeit

Schule: Technische Universität Berlin

Studiengang Diplom-Medienberatung

Institut für Sprache und Kommunikation

Fakultät I - Geisteswissenschaften

Abgabedatum: 09. Januar 2003

Umfang: Gesamt 103 Seiten

- 70 Seiten Text

- 28

Seiten

Anhang

- 5 Seiten Übersichten

- 1 Film (ca.20 Minuten)

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Vorwort

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Thema ,,40 Jahre Türken in Berlin". Es

handelt sich um die Dokumentation und medienwissenschaftliche Analyse eines TV-

Ideen-Wettbewerbs für Schüler und Jugendliche im Offenen Kanal Berlin. Sie ist in

drei Phasen eingeteilt: Die erste Phase gilt der Erarbeitung der dazu notwendigen

Medien. Die zweite Phase behandelt die Werbung bis zu den Prämierungen der

besten Ideen. Die dritte Phase umfasst abschließend den gesamten Prozess der

Umsetzung, welche etwas hervorgehoben werden muss, denn sie beschreibt eine

innovative Methode im Erstellen von Drehbüchern, die in diesem Wettbewerb

angewandt wurde. Sie machte die schnelle Umsetzung der Ideen in fertige Filmstoffe

möglich.

Mein Dank gilt den Teilnehmern am Wettbewerb. Durch ihren Einsatz haben sie

dieses Projekt zum Erfolg geführt. Durch ihre Beiträge wurde deutlich, dass die

türkische Minderheit in Berlin um ihre Anerkennung noch heute kämpfen muss. Das

Hin und Her um die doppelte Staatsbürgerschaft und die Neuregelung des

Asylrechtes, schufen für diesen Teil der Bevölkerung zusätzlich Probleme. Vor 40

Jahren waren sie als stark benötigte Gastarbeiter willkommen. Nach unzureichen-

den Eingliederungsmaßnahmen und einem Wandel auf dem Arbeitsmarkt, gelten sie

heutzutage als Last.

Danken möchte ich Professor em. Dr. Knilli für seine Denkanstösse, Vorschläge und

für so manche unkonventionelle Problemlösung. Mein Dank gilt aber auch Tina

Schmitz, Florian Güde und Michael Esser, die sich durch ein besonders starkes

Engagement auszeichneten, sowie meiner Familie, meinen Freunden und all

denjenigen, die mich in dieser Zeit unterstützt und mir geholfen haben.

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Das Inhaltsverzeichnis

Kapitel:

Seite

1. Einleitung - 40 Jahre Türken in Berlin 06

2. Der Ausschreibungstext 17

3. Der Flyer und das Plakat 26

4. Die Website 33

5. Die Werbung und Öffentlichkeitsarbeit 42

6. Die Einsendungen und die Verleihung 52

7. Die Stoffentwicklungsmethode nach Esser 58

8. Das Ende: Die Umsetzung der TV-Ideen 67

9. Der Anhang 78

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1. Einleitung ­ 40 Jahre Türken in Berlin

Am 30. Januar 2003 findet auf einer Festveranstaltung im Offenen Kanal Berlin

(OKB) der TV-Ideen-Wettbewerb unter den Schirmherrschaft von der Ausländerbe-

auftragten Frau Barbara John seinen Abschluss. Dieser Wettbewerb wurde durch

den Förderverein des Offenen Kanal Berlin e.V. und auf Initiative seines

Vorsitzenden Professor Dr. Knilli im Jahre 2001 ins Leben gerufen. Er wurde in

Zusammenarbeit mit Studenten der Medienberatung der Technischen Universität

Berlin, an welcher Herr Knilli als Dozent wirkt, durchgeführt. Das Thema des

Wettbewerbes ergab sich während der Vorbereitungen. Zum einen wurde die

türkische und die deutsche Bevölkerung als die größten Nutzergruppen des OKB

analysiert. Zum anderen stand das 40 jährige Jubiläum des Anwerbervertrages

zwischen Deutschland und der Türkei an. Verschiedene Reaktionen aus der

Bevölkerung auf dieses Jubiläum zeigten die Aktualität dieses Themas. So kam in

Interviews mit deutschen und türkischen Schülern und Schülerinnen offensichtlich

eine von den Einheimischen und den Zuwanderern akzeptierte und praktizierte

weitgehende

Getrenntheit im Alltag

zum Vorschein. Die deutschen Schüler und

Schülerinnen wussten nicht, warum es Türken in Berlin gibt. Die türkischen

Jugendlichen gaben vor es zu wissen, doch auf Nachfragen kamen keine

eindeutigen Antworten. So erzählten sie ausweichend vom Generationskonflikt

innerhalb der türkischen Familien mit gemischten Staatsangehörigkeiten in Berlin.

Die Ursachen dafür liegen in der Geschichte. Als die Türkei 1954 von der

Bundesrepublik Deutschland einen Kredit in Höhe von 225 Millionen Mark erhielt und

ein Jahr später ein Handelsabkommen folgt, dachte noch niemand an den wenig

später einsetzenden Arbeitskräfte-Export. Doch trotz dieses Abkommens wuchsen in

der Türkei rings um die Großstädte Ankara, Istanbul und Izmir in den 50er Jahren

Slums, sogenannte gecekondu, in denen vor allem verarmte Landbauern lebten. Die

Arbeitslosenzahlen stiegen. Als die Landflucht noch mehr zunahm und die

Unzufriedenheit immer öffentlicher spürbar wurde, kam die Bundesrepublik

Deutschland der Türkei zu Hilfe. Theodor Heuss verkündete bei einem Türkei-

Besuch 1957, dass die schnell wachsende deutsche Wirtschaft ausländische

Arbeitnehmer aufnehmen wolle. Noch im gleichen Jahr wurden 150 qualifizierte

Arbeitskräfte nach Kiel geschickt. Offiziell machten sich aber erstmals im Juni 1961

eine 93 Mann starke Arbeitergruppe auf den Weg nach Deutschland. Nach 1961

wurden mit dem bilateralen Anwerberabkommen die Tore Deutschlands für Türken

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weit aufgetan, wenn sie es schafften von den deutschen Ärzten in Istanbul ein

Gesundheitszeugnis zu erhalten. Neben den Land-Anatolen kamen aber auch schon

von Anfang an gebildete türkische Großstädter nach Berlin, oft mit abgeschlossener

Berufsausbildung, erzogen im Geiste Atakürks und aufgewachsen mit europäischer

Kultur. Dies waren die ersten Schritte zu einer immer mehr zunehmenden Zahl von

Einreisewilligen. Vor allem West-Berlin profitierte davon. Denn ihm fehlte nach dem

Mauerbau 1961 das Arbeitskräfte-Reservoir aus dem Ostteil der Stadt und dem

Umland. In nur fünf Jahren, von 1961 bis 1966, stieg die Anzahl der Türken in Berlin

im gleichen Maße, wie in über dreißig Jahren zuvor zwischen den beiden

Weltkriegen. ,,So waren es 1905: 308 und 1938: 3310 Türken in Berlin. Von 1961 bis

1966 stieg die Zahl von 284 auf 5698 sprunghaft an." [GRE-98] So geschah, was der

Dichter Orhon Murat Ariburun, der selbst einmal eine zeitlang in Berlin Kreuzberg

lebte, so beschrieb: ,,Ein Anatolien entstand in der Mitte Deutschlands". [VER-01]

Die 60er

In den 60ern kamen zuerst Frauen, um in der damals noch stark ausgebauten Textil-

und Elektromontageindustrie zu arbeiten. Sie waren mehr gesucht als Männer, da sie

für weniger Lohn arbeiteten. Die Bundesregierung und Unternehmen verfolgten ein

Rotationsprinzip, welches die ausländischen Arbeitskräfte nur einige Jahre in

Deutschland duldete. Danach wurden sie wieder in ihre Heimatländer zurück-

geschickt und durch Neu-Angeworbene ersetzt. Die meisten Türken in Berlin lebten

daher praktisch ohne Kontakt zur deutschen Bevölkerung. Sie wohnten in notorisch

überbelegten und schlecht ausgestatteten Gastarbeiterwohnheimen und versuchten

ihrerseits, in möglichst kurzer Zeit viel Geld anzusparen. Zum Deutschlernen bestand

kein Anlass ­ und bei den oft außerordentlich harten Arbeitsbedingungen auch keine

Gelegenheit.

Die 70er

In den 70er Jahren nahm die Arbeitsmigration nach Deutschland immer größere

Ausmaße an. ,,In Berlin lebten 1973 bereits 79468 Türken." [GRE-98] Seit 1972

bildeten die Türken unter den ausländischen Arbeitnehmern die größte Gruppe. Der

Höhepunkt der Arbeitsmigration war erreicht. Am 23. November 1973 verhängte die

Bundesregierung einen Anwerberstopp. Nicht erst seit dieser Zeit zeigte sich, dass

eine vorübergehende Verschiebung von Arbeitskräften weder sinnvoll noch

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durchzuführen war. Anstatt frisch eingetroffene Arbeitskräfte jeweils neu anzulernen,

zogen viele deutsche Firmen es vor, die Arbeitsverträge bewährter ausländischer

Mitarbeiter zu verlängern. Deshalb wurde das Rotationsprinzip von Arbeitgebern und

der Bundesregierung aufgehoben. Je länger der Aufenthalt der jungen Türken in

Berlin dauerte, desto stärker wurde deren Wunsch zu heiraten oder Ehepartner und

Kinder nachzuholen. Die türkischen Familien verließen die Wohnheime und zogen in

die billigen Wohnungen der sanierungsbedürftigen Gebiete in Kreuzberg, Wedding

oder Tiergarten. Vor allem nach dem Anwerberstopp 1973 fürchteten viele Türken

überall in Deutschland, dass auch der Familiennachzug bald verboten werden

könnte. Ein versteckter Zuzug setzte ein. Durch die große Zahl der nachreisenden

Familienangehörigen wurde das Leben in Deutschland einfacher. Im Gegenteil: Für

Türken in Berlin traten nun neue Probleme auf. Die Erziehung ihrer Kinder zwang sie

zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit der ihnen noch fremden und

unbekannten deutschen Gesellschaft. Es kam zum ansteigen der Arbeitslosenzahl

und zu einer zunehmenden Ausländerfeindlichkeit. Trotz allem gab es auch sichtbare

Annäherungen zwischen Türken und Deutschen. So wurde die Ausländerfeindlich-

keitsproblematik in Vereinen, politischen Vereinigungen und Parteien angegangen.

Jetzt wo Deutschland, wo Berlin zur zweiten Heimat für die erste Generation und für

deren Kinder wurde, war es um so wichtiger, diese Probleme anzugehen. Erschwert

wurde dieses Vorhaben jedoch durch die vielen nachgezogenen türkischen Kinder,

die oft ohne geringste Deutschkenntnisse kamen. Gleichzeitig bildete sich in Berlin

ein eigenes türkisches Stadtleben mit türkischen Geschäften, Obst- und

Gemüsehändlern, Reisebüros. Neben Geschäften fürs Alltägliche, wie kleinen

Handwerksbetrieben, Schneidereien, KFZ ­ Werkstätten, etablierten sich auch einige

Unternehmen, wie Glasereien und andere Unternehmensarten. In Berlin

konzentrierte sich die türkische Alltagsinfrastruktur auf einige wenige Bezirke, die

rasch weitere Türken aus anderen Stadtgebieten anzog. Aber auch innerhalb dieser

Bezirke bildeten sich spezielle Konzentrationsgebiete. Wohnungen im schlechten

Zustand wurden an Türken vermietet. So schuf die Migration einen bleibenden

Charakter dieser Stadt. In den 70er Jahren betrug der Anteil türkischer Bewohner in

einigen Kreuzberger und Weddinger Häuserblocks um die 60 Prozent. Ab 1975

wurde eine Zuzugsperre für Ausländer in Bezirke mit einem Ausländeranteil von über

12 Prozent angeordnet. Das betraf die Bezirke Kreuzberg, Wedding und Tiergarten.

Die Zuzugssperre sollte diese Entwicklung aufhalten.

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Die 80er

Zu Beginn der 80er veränderte sich die gesamte Situation. Bereits 1978 hatte die

erste Ausländerbeauftragte der Bundesregierung anstatt von ,,Gastarbeitern" von

,,Einwanderern" gesprochen. Dies verschärfte die Ausländerfeindlichkeit zunehmend.

Denn nach dem Militärputsch in der Türkei am 12. März 1971 und am 12. September

1980 konnte man in Deutschland einen deutlichen Anstiegt der Anträge auf

politisches Asyl beobachten. ,,So kamen 1980 von 108000 Asylbewerbern allein 54

Prozent, knapp 60000, aus der Türkei. Im Jahr zuvor waren es nur 26 Prozent und

1976 sogar nur 7 Prozent gewesen. Auch wenn schon zu Beginn des Jahres 1981

die Zahlen wieder rasch zu sinken begannen, im Januar waren es noch 30 Prozent,

im April 17 Prozent und im Juli nur noch 8 Prozent, so waren die Auswirkungen

deutlich zu spüren." [GRE-98] Die politischen Migranten beeinflussten zunehmen die

Wirtschaftsmigranten in deren politischen Überzeugungen. Nach kurzer Zeit

begannen Gründungen erster Organisationen. Neben Studentenvereinen, wurden

Migrantenvereine gegründet, in denen sich das politische Parteienspektrum der

Türkei wiederspiegelte. Weiterhin entstanden in Kreuzberg verschiedene türkische

Kulturvereine, darunter Berlin Aile Tiyatrosu (heute Diyalog e.V.) und Tiyatrom. Die

Mehrzahl der aus politischen Gründen Emigrierten ist nach einiger Zeit wieder in ihre

Heimatländer zurückgekehrt, um dort den Kampf weiterzuführen. Doch den Samen

ihrer Überzeugungen ließen sie hier. So begannen in der Gewerkschaft nun auch

türkische Gewerkschaftler mitzuarbeiten. Türkische und deutsche Arbeiter standen

bei Streiks und auch bei Demonstrationen hinter den selben Transparenten.

Dem schob die Bundesregierung einen Riegel vor. Sie erließ Gesetze, die den

Familien- und Ehegattennachzug unterbinden oder zumindest stark einschränken

sollte. Auch versuchte sie Türken zu einer Rückkehr in ihre Heimat zu bewegen.

,,Dies geschah durch Starthilfen in Höhe von 10.500 DM plus 1.500 DM pro Kind. So

kehrten im Jahre 1983 und 1984 bundesweit insgesamt 313857 Türken in die Türkei

zurück." [GRE-98] Doch brach diese Rückzugswelle schon nach kurzer Zeit wieder

ab. Unter den Türken hatte sich herumgesprochen, dass der Lebensstandart der

Rückkehrer drastisch absackte. Die Zuschüsse und die Reserven waren zu schnell

verbraucht. ,,So kehrten 1986 nur noch 37666 Türken in die Türkei zurück." [GRE-

98] So weitete sich in der Mitte der 80er Jahre die bereits vorhandene türkische

Infrastruktur auch auf Buchhandlungen, Druckereien, Festsäle, Banken und

Moscheen aus. Man machte sich bereit für einen Daueraufenthalt.

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Die 90er

In den 90ern etablierte sich das türkische Leben in Berlin. Unterschiede

verschwanden, die Regelungen auch. So wurde 1989, nach der Öffnung der Mauer,

die Regelung zum Zuzug aufgehoben. Man vertraut seit dem den Selbstregulierungs-

prozessen. ,,Gut zwei Drittel aller Berliner Türken leben nun seit über 15 Jahren in

Berlin." [GRE-98] Die zweite Generation wurde erwachsen und bestimmte das

Leben in der türkischen Gemeinde. Junge Ehepaare kamen, genauso wie

Gaststudenten. Die Gastarbeiter der ersten Generation gingen und türkische

Geschäftsleute pendeln ständig hin und her. Somit ist mittlerweile die gesamte

ethnische und kulturelle Vielfalt der Türkei in Berlin angekommen. ,,Es gibt die

Großstädter und die Bauern, Türken, Kurden, Aserbeidschaner, Lasen, Bulgarien-

Türken, Armenier und viele andere." [GRE-98]

Im Heute angekommen

,,Es geschah, wie Max Frisch es einst beschrieb: Die westlichen Gesellschaften

hatten Maschinen zur Unterstützung ihrer Industrie erwartet und bekamen

Menschen. Menschen, die ihre Kultur, ihre Bräuche und ihre Weltanschauung

mitbrachten. Mit ihrer Arbeitskraft und ihrer Seele trugen sie zum wirtschaftlichen

Aufbau Deutschlands bei und vergaßen dabei nicht, auch ihre politischen

Überzeugungen einzubringen. Noch bevor viel Zeit verstrich, haben die namenlosen

Helden des deutschen Wirtschaftswunders sich auch politisch artikuliert." [VER-01]

Heute ist Berlin eine Stadt mit 160.000 Türken. Die meisten von ihnen sprechen

gutes bis sehr gutes Deutsch. Die Infrastruktur umfasst alle Bereiche des Lebens und

unter den Türken gibt es mittlerweile eine breite soziale Streuung. Sie reicht vom

Gemüsehändler über den Handwerker, vom Arzt über den Abgeordneten, vom

Profiboxer bis hin zum Lyriker. Steigende Umsätze der Betriebe und die wachsende

Anzahl selbständiger Türken/innen sind wichtige Zeugnisse des Bleibens. Aber auch

auf dem sportlichen Sektor wurden bedeutende Erfolge erzielt. Der bei ,,Kreuzberg

Türkspor" ausgebildete Ilyas Tüfekci, der bei ,,Hertha BSC", bei ,,Schalke 04" und

später bei ,,Fenerbahce Istanbul", ,,Galatasaray Istanbul" und in der türkischen

Nationalmannschaft spielte, war der erste wirklich erfolgreiche Fußballspieler der

türkischen Migrantengemeinde. Der 1978 gegründete Verein ,,Izmirsport" wurde 1987

in ,,Türklyemspor" umbenannt und gewann in den Jahren 1988, 1990 und 1991 als

erste ausländische Mannschaft den Pokal der Berliner Fußball Föderation (VBB).

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