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Thesis (M.A.), 2008, 114 Pages
Author: Katrin Schulze
Subject: Sociology - Children and Youth
Details
Tags: Alkoholkonsum, Jugendlichen, Eine, Untersuchung, Jugendlichen, Potsdam
Year: 2008
Pages: 114
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 60 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-12267-7
ISBN (Book): 978-3-640-12405-3
File size: 951 KB
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Abstract
Alkohol steht in unserer Gesellschaft zum einen für Geselligkeit, zum anderen für einen ungesunden Lebensstil und zwar dann, wenn er im Übermaß getrunken wird. Übermaß ist in den verschiedenen nationalen Kulturen unterschiedlich definiert. Auffällig, aber noch am ehesten als Grenzerfahrung toleriert, ist der Alkoholkonsum vor allem bei Jugendlichen. Die Relevanz des Themas ist ungebrochen und erweckt mit vermeintlich neuen extremen Erscheinungsformen jugendlichen Trinkverhaltens, wie den „Flatrate- Partys“ oder dem „binge-drinking“, immer wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Was scheinbar nicht an die Öffentlichkeit gelangt, ist, dass die Bundesrepublik Deutschland insgesamt ein Alkoholproblem zu haben scheint. Das bedeutet nicht, dass die gesamte Bevölkerung zuviel Alkohol konsumiert, sondern dass der Umgang mit der Substanz kaum hinterfragt wird. Alkohol hat zu fast jeder Zeit und an fast jedem Ort seine Berechtigung. Das „Feierabendbier“ oder das „Sektfrühstück“ sind feste Bestandteile der Alltagssprache. Der Reichstag besitzt ein eigenes parlamentarisches Weinforum. Alkoholkonsum wird in unserer Gesellschaft nahezu vollkommen akzeptiert und reproduziert sich über Verhalten und Normen. Ein sensibler Umgang mit dem sogenannten „normalen“ Alkoholkonsum fehlt fast völlig. Der Verzicht auf das „Feierabendbier“ fördert eher Verlustängste als ein Überdenken der eigenen Risikoverhaltensweisen. Obwohl das alle Teile der Gesellschaft gleichermaßen betrifft, ruht der Blick dieser Arbeit auf den Jugendlichen, da sie durch die Normen und Werte ihrer sozialen Umgebung geprägt und in ihrer Entwicklung beeinflusst werden. Der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol spiegelt sich unter anderem im Trinkverhalten Jugendlicher wider, was sich durch kurze Ausblicke in andere Länder belegen lässt.
Excerpt (computer-generated)
Universität Potsdam
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Soziologie
Teilbereich: Sozialstrukturanalyse
Alkoholkonsum bei Jugendlichen
Eine empirische Untersuchung unter Jugendlichen aus Potsdam
Magisterarbeit
zur Erlangung des Grades Magister Artium
im Fachbereich Soziologie
WS 2007/2008
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Methodische Vorgehensweise 6
3. Begriffsdefinitionen 12
3.1 Jugend 12
3.2 Alkohol Substanz und Konsummengen 13
3.3 Alkoholkonsum, -missbrauch, -abhängigkeit 15
4. Alkoholkonsum in Deutschland Entwicklung und Bestandsaufnahme... 18
4.1 Alkoholkonsum bei Erwachsenen 19
4.2 Alkoholkonsum bei Jugendlichen 21
5. Alkoholkonsum versus gesundheitsbewusstes Verhalten 38
5.1 Gesundheitsverhalten 39
5.2 Soziale Ungleichheiten und Gesundheit 44
5.3 Der ,,normale" Alkoholkonsum und seine gesundheitlichen Folgen 52
5.4 Gesundheitliche Folgekosten für die Gesellschaft 56
6. Die Einflüsse des sozialen Umfelds auf das Konsumverhalten
Jugendlicher 59
6.1 Der Einfluss von Gesellschaft und Werbung 60
6.2 Der Einfluss der Familie biologische und soziale Faktoren 67
6.3 Der Einfluss der Peergroups 72
6.4 Schlussfolgerungen 77
7. Jugendlicher Alkoholkonsum im Alltag - Expertengespräche 77
7.1 Vertreter der Polizei Gespräch mit dem Leiter der Führungsstelle des
Schutzbereichs Potsdam 78
7.2 Das Klinikum Ernst von Bergmann Gespräch mit dem Leiter der
Rettungsstelle und einem Oberarzt der Kinderstation 79
7.3 Sozialarbeiter Gespräch mit einem Mitarbeiter des Chill out Vereins 83
7.4 Gespräch mit zwei Sozialpädagogen des Jugendclubs ,,Alpha" 85
8. Präventionsmaßnahmen 87
9. Fazit 96
Anhang
Literaturverzeichnis 100
Abbildungsverzeichnis 105
Fragebogen
1
Einleitung
Alkohol steht in unserer Gesellschaft zum einen für Geselligkeit, zum anderen für einen ungesunden Lebensstil und zwar dann, wenn er im Übermaß getrunken wird. Übermaß ist in den verschiedenen nationalen Kulturen unterschiedlich definiert. Auffällig, aber noch am ehesten als Grenzerfahrung toleriert, ist der Alkoholkonsum vor allem bei Jugendlichen. Die Relevanz des Themas ist ungebrochen und erweckt mit vermeintlich neuen extremen Erscheinungsformen jugendlichen Trinkverhaltens, wie den ,,Flatrate-Partys" oder dem ,,binge-drinking", immer wieder die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Was scheinbar nicht an die Öffentlichkeit gelangt, ist, dass die Bundesrepublik Deutschland insgesamt ein Alkoholproblem zu haben scheint. Das bedeutet nicht, dass die gesamte Bevölkerung zuviel Alkohol konsumiert, sondern dass der Umgang mit der Substanz kaum hinterfragt wird. Alkohol hat zu fast jeder Zeit und an fast jedem Ort seine Berechtigung. Das ,,Feierabendbier" oder das ,,Sektfrühstück" sind feste Bestandteile der Alltagssprache. Der Reichstag besitzt ein eigenes parlamentarisches Weinforum. Alkoholkonsum wird in unserer Gesellschaft nahezu vollkommen akzeptiert und reproduziert sich über Verhalten und Normen. Ein sensibler Umgang mit dem sogenannten ,,normalen" Alkoholkonsum fehlt fast völlig. Der Verzicht auf das ,,Feierabendbier" fördert eher Verlustängste als ein Überdenken der eigenen Risikoverhaltensweisen. Obwohl das alle Teile der Gesellschaft gleichermaßen betrifft, ruht der Blick dieser Arbeit auf den Jugendlichen, da sie durch die Normen und Werte ihrer sozialen Umgebung geprägt und in ihrer Entwicklung beeinflusst werden. Der gesellschaftliche Umgang mit Alkohol spiegelt sich unter anderem im Trinkverhalten Jugendlicher wider, was sich durch kurze Ausblicke in andere Länder belegen lässt.
Es gibt bis zum heutigen Zeitpunkt viele umfassende Studien im In- und Ausland, die sich mit den Trinkgewohnheiten von Jungen und Mädchen unter 25 Jahren beschäftigen. Sehr oft werden gleichzeitig die Erfahrungen mit anderen berauschenden Drogen und der Tabakkonsum - sogenannte Risikoverhaltensweisen - erhoben. Viele Untersuchungen sind dabei stark medizinisch oder psychologisch ausgerichtet und konzentrieren sich darauf die Menge konsumierten Alkohols genau zu erfassen. Was fehlt ist eine genauere soziologische Betrachtung und Auswertung der Umstände, wegen denen Jugendliche Alkohol konsumieren. Wann, wo und in welchem Maße Jugendliche trinken, wird in vielen Studien nur am Rande erfasst und unzureichend ausgewertet. Der Fokus liegt allzu häufig vorrangig auf der Erfassung der Trinkmenge und der Trinkhäufigkeit.
2
Das Motiv liefert jedoch die ersten Ansätze zur Prävention. Welche Rolle die häusliche Umgebung oder der sozioökonomische Status, dass heißt der Beruf, das Einkommen und die Schulbildung der Eltern spielt, ist ein weiterer Ansatz, der untersucht wird. Wieso Jugendliche Alkohol konsumieren, kann dabei nur in einem gewissen Maße erläutert werden, da die Gründe dafür vielschichtig sind und von vielen Faktoren beeinflusst werden.
Ein wichtiger Faktor ist die soziale Umgebung, in der die Jugendlichen aufwachsen. Dass Alkohol in unserer Gesellschaft ein unreflektiertes latentes Problem darstellt, ist die erste These, die dieser Arbeit innewohnt. Jugendliche wachsen in unserer Gesellschaft in einer Umgebung auf, in der es eher ,,normal" ist zu trinken als nicht zu trinken. Um diese Annahme zu verfolgen, wird zunächst dargestellt, was als ,,normaler" und was als ,,riskanter" Alkoholkonsum definiert ist. Zudem wird ein Einblick in den alltäglichen Umgang mit der Substanz gewährleistet. Durch eine Darstellung des allgemeinen Umgangs mit Alkohol und speziell dem der Werbung werden ihre Einflüsse auf das Konsumverhalten Jugendlicher analysiert. Die Determinanten, die das Trinkverhalten der Jugendlichen am stärksten beeinflussen, werden dabei genauer erörtert. Dazu zählen beispielsweise das nähere soziale Umfeld, die Familie und die Peergroups, sowie die Strukturen der gesamten Gesellschaft. Allgemeine Aussagen zum Thema Alkohol sollen auf ihre statistische Signifikanz hin untersucht werden. Beispielsweise, dass die Veranlagung für riskanten Alkoholkonsum vererbbar sei oder dass die Substanz eine gesundheitsschützende Wirkung habe.
Der Alkoholkonsum hat einen großen Einfluss auf den späteren Gesundheitszustand, die Morbidität und Mortalität. Die Gesundheit genießt insgesamt einen allgemein hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Bemerkenswerterweise wird der ,,normale" Alkoholkonsum größtenteils in der öffentlichen Meinung kaum als gesundheitsbeeinträchtigender Faktor wahrgenommen, es werden ihm sogar protektive Eigenschaften zugewiesen. Welche Folgen der vermeintlich normale Alkoholkonsum auf die Gesundheit hat, wird ebenso dargestellt wie der Kontrast zwischen Gesundheitsbewusstsein und realem Gesundheitsverhalten. Obwohl den meisten Jugendlichen bekannt ist, dass der übermäßige Konsum von Alkohol schädlich sein kann, trinken sie dennoch regelmäßig zu große Mengen. Dass das Gesundheitsbewusstsein im Widerspruch zum realen Gesundheitsverhalten steht, ist die zweite These dieser Arbeit, die untersucht werden soll. Dabei sollen vor allem die Faktoren herausgearbeitet werden, die einem gesundheitsbewussteren Handeln im Wege stehen.
3
Das Gesundheitsverhalten und Risikobewusstsein Jugendlicher wird durch viele Faktoren geprägt. Individuelle Einstellungen wie auch das soziale Umfeld, vor allem die häusliche Umgebung, die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung und der nähere Freundeskreis, spielen eine Rolle. Dabei ist zu beachten, dass Gesundheit in unserer Gesellschaft ein wertvolles und begehrtes Gut darstellt, das nicht gleich verteilt ist. Ein immer noch bestehender - trotz aller Ausdehnung in die Breite - hierarchischer Aufbau der Gesellschaft verwehrt bestimmten sozialen Gruppen den Zugang zu verschiedenen Lebensbedingungen. Solche positionsgebundenen Vor- und Nachteile werden allgemein als soziale Ungleichheiten bezeichnet.1 Aus diesem Grund liegt ein weiterer Fokus dieser Arbeit auf den Zusammenhängen von Gesundheit und sozialer Ungleichheit und ihrem Einfluss auf das Trinkverhalten. Signifikante Zusammenhänge zwischen dem sozioökonomischen Status der Eltern und dem Gesundheitsverhalten von Jugendlichen wurden in vielen Bereichen nachgewiesen, wie beispielsweise dem Ernährungsverhalten. Jedoch scheint dieser Fakt beim Konsum von alkoholischen Getränken nicht zuzutreffen. Der individuelle Alkoholkonsum scheint sich der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, zumindest im Jugendalter, zu entziehen. Dass der individuelle Alkoholkonsum im Jugendalter unabhängig von dem soziökonomischen Status der Eltern ist, stellt die dritte Kernthese dieser Arbeit dar.
Für die Überprüfung dieser Thesen wurde eine Erhebung mittels eines Fragebogens zum Trinkverhalten Jugendlicher der Stadt Potsdam, mit verschiedenen sozialen Hintergründen, entwickelt und durchgeführt. Dabei wurden die Jugendlichen einer 9. und 12. Klasse einer Privatschule und die Jungen und Mädchen eines Jugendclubs, der in einem sozial schwächeren Teil Potsdams liegt, befragt. Unter der Annahme, dass die Eltern der Kinder aus der Privatschule einen höheren Bildungsabschluss und somit höhere Realeinkommen haben als die Eltern der Jugendlichen aus dem Jugendclub sollte die unterschiedliche sozioökonomische Grundlage gewährleistet sein. Dieser Fakt wurde anhand der Bildungsabschlüsse der Eltern überprüft.
Um einen Einblick in das reale Trinkverhalten Jugendlicher zu erhalten und ein entsprechendes Erhebungsinstrument für die eigene Befragung zu erstellen, wurde der Leiter der Rettungsstelle und ein Oberarzt der Kinder und Jugendmedizin des Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, verschiedene Sozialarbeiter, das Lehrpersonal der Schulen und ein Beamter der Polizei Potsdam befragt. Zusätzlich wurde die Krankenhausstatistik des Klinikum Ernst von Bergmann herangezogen, um einen genauen Einblick in die
1 Reinhold, Gerd (Hg.): Soziologie-Lexikon. Oldenbourg Wissenschaftsverlag. München 2000, S. 590.
4
tatsächliche Zahl der mit einer Alkoholintoxikation eingelieferten Jugendlichen zu erhalten.
Da die eigene Befragung keine repräsentativen Daten liefert, sondern allenfalls Tendenzen des jugendlichen Trinkverhaltens aufweisen kann, wurden verschiedene andere Studien zum Alkoholkonsum bei Jugendlichen aus dem In- und Ausland herangezogen. Damit wurde gleichzeitig die Einordnung in den internationalen Kontext ermöglicht. Verwendet wurden dabei hauptsächlich die Drogenaffinitätsstudien und die regelmäßig durchgeführten Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, sowie die Studien zum Gesundheits- und Risikoverhalten der Weltgesundheitsorganisation und ,,Die Europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen".
Die Entwicklung des Fragebogens unter kritischer Betrachtung der bisher durchgeführten Studien und die Probleme bei der Gestaltung der Items und die Fragen der Messbarkeit bestimmter Merkmalsausprägungen bilden den ersten Teil dieser Arbeit. Es folgen verschiedene Definitionen von Begrifflichkeiten, die in der Arbeit verwendet werden und die notwendig sind, um Falschinterpretationen und Verständnisprobleme zu vermeiden. Den größten Teil der Arbeit nehmen die Auswertung und die Überprüfung der oben aufgestellten Thesen ein. Die Darstellung des Alkoholkonsums von Jugendlichen und Erwachsenen innerhalb der letzten 30 Jahre gibt einen Überblick über Tendenzen der zukünftigen Entwicklung. Dieses Kapitel ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Betrachtungen, da die dort analysierten Daten die Grundlage für die weiteren Annahmen bilden. Sie geben Aufschluss darüber, ob tatsächlich durch Flatrate-Partys und binge-drinking eine neue Qualität Jugendlichen Alkoholkonsums erreicht ist. Einen weiteren wichtigen Punkt bilden die zum Ende der Arbeit dargestellten Präventionsmaßnahmen. Sie sind vor allem durch die Expertengespräche beeinflusst und ziehen eine Bilanz der bisherigen angestrebten, präventiven Maßnahmen. Gleichzeitig dienen sie als Anregung für weitere Forschungen auf diesem Gebiet.
5
2. Methodische Vorgehensweise
Diese Befragung zum Alkoholkonsum bei Jugendlichen hat vor allem die Überprüfung ihrer drei Kernthesen zum Ziel:
1. Alkohol stellt in unserer Gesellschaft ein unreflektiertes, latentes Problem dar.
2. Das reale Gesundheitsverhalten steht im Widerspruch zum Gesundheitsbewusstsein.
3. Der ökonomische Status der Eltern hat nur einen geringen Einfluss auf das Trinkverhalten Jugendlicher.
Weiterhin soll dargestellt werden wie viel und wie regelmäßig Jugendliche Alkohol konsumieren und wie groß die Einflussnahme durch die häusliche Umgebung und den Freundeskreis ist.
Beim individuellen Gesundheitsverhalten und auch bei den Motiven Alkohol zu trinken, handelt es sich um Einstellungen, Meinungen oder Verhaltensdispositionen, die am besten durch Befragungen zu messen sind. Um einen aussagekräftigen Fragebogen zu erstellen, wurden im Vorfeld der eigenen Befragung die gängigen Studien, die zu diesem Thema bisher veröffentlicht worden sind und deren Erhebungsinstrumente durchgesehen.1 Die Studien fragen jedoch größtenteils den reinen Substanzkonsum ab und weniger die Motive, die hinter dem Konsum von Alkohol stehen. In diesem Punkt wurde der eigene Fragebogen angepasst und explizit nach den Motivationen gefragt. Weiterhin wurden Fragen zur Gesundheit und zu einer gesunden Lebensweise eingebunden um das Gesundheitsverhalten einschätzen zu können. Inwieweit schon im Jugendalter eine gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol vorliegt und allgemeine Vorstellungen über den Konsum manifestiert sind, wurde vor allem durch Frage 25 getestet, in der die Zustimmungen zu weitläufigen Meinungen über Alkohol abgefragt wurden. Die im Vorfeld der Befragung durchgeführten Expertengespräche mit Vertretern der Polizei, mit Ärzten und Sozialpädagogen, haben einen ersten Einblick in die Realität jugendlichen Alkoholkonsums gegeben und fanden ihren Eingang in den Fragebogen vor allem über die Fragen, die die Auswirkungen eines starken Alkoholkonsums betreffen. Sie gaben Aufschluss darüber, wo Präventionsmaßnahmen gezielter ansetzen müssen und wo sie versagen.2
Um den Alkoholkonsum bei Jugendlichen zu messen, gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: Man setzt beim Produkt an. Das hieße die für den Konsum zur Verfügung stehenden
1 Anregungen für den Fragebogen wurden vor allem der ESPAD Studie entnommen, sowie den Befragungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.
2 Siehe Kapitel 7 und 8.
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Mengen und ihren Absatz zu erfassen. Diese Methode eignet sich für diese Befragung nicht, da es speziell um den Alkoholkonsum von Jugendlichen geht und das Alter beim Umsatz von alkoholischen Getränken in der Regel nicht erfasst wird.3 Die zweite Methode ist die indirekte Befragung, die für diese Studie mit der Hilfe eines standardisierten Fragebogens auch erfolgte. Es wurden quantitative und qualitative Methoden angewendet um die Trinkgewohnheiten und die Einstellungen zur Gesundheit so realitätsnah wie möglich abzubilden.
Zur Teilnahme an dieser Studie haben sich die Schüler des Schillergymnasiums Potsdam und die Besucher des Jugendclubs Alpha in Potsdam bereit erklärt, die somit auch die Grundgesamtheit der Befragten bilden. Erläutert werden im Anschluss zunächst die Auswahlkriterien für die Befragten, die Methoden der Auswertung sowie die Schwierigkeiten, die bei der Planung und Durchführung dieser Befragung aufgetreten sind.
Auswahl der Probanden und Auswertung
Die Stichprobe umfasst Jugendliche im Alter von 13-25 Jahren mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen. Die kleine Altersspanne soll die Untersuchung von Tendenzen für einen eventuell anderen Umgang mit Alkohol innerhalb der unterschiedlichen Altergruppen ermöglichen, beispielsweise das Erstkonsumalter oder die Trinkmenge der letzten 30 Tage. Weiterhin ist so die Vergleichbarkeit mit anderen Studien gewährleistet. Für den unterschiedlichen sozialen Hintergrund wurde eine Privatschule herausgesucht und die Schüler einer 9. und 12. Klasse befragt, sowie ein Jugendclub, der in einem Stadtteil Potsdams liegt, in dem überwiegend sozial schwache Familien leben und die Arbeitslosenquote überdurchschnittlich hoch ist. Von der Annahme ausgehend, dass die Eltern der Kinder aus der Privatschule aufgrund des Schulgeldes höhere Realeinkommen haben, als die Eltern der Jugendlichen aus dem Club, wurden im November und Dezember 2007 zwei etwa gleich große Befragungen an dem jeweiligen Ort durchgeführt. Angestrebt war eine Stichprobengröße von 50 Jugendlichen. Die Befragungen wurden in den Klassen des Schillergymnasiums persönlich durchgeführt. Insgesamt wurden 14 Schüler der 9. Klasse und 13 Schüler der 12. Klasse befragt. Dem gegenüber stehen 30 Jugendliche, die im Jugendclub an unterschiedlichen Tagen die Fragebögen
3 Angaben über die Mengen an produziertem Alkohol und dessen Verbrauchszahlen lassen sich in der amtlichen Statistik des Statistischen Bundesamtes finden, in den verschiedenen Veröffentlichungen der Brauereiverbände und vereine, sowie beim Münchener Institut für Wirtschaftforschung; ,,Produktschap"- Index trägt jedes Jahr die Produktionszahlen von mehr als 50 Ländern zusammen.
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unter Anleitung der vorher informierten Mitarbeiter ausfüllten. Es ergibt sich demnach eine Grundgesamtheit von 57 befragten Personen, die sich wie folgt verteilt.
Abb. 2-1 Grundgesamtheit (absolute Zahlen)
(Quelle: Datenmaterial aus eigener Erhebung)
Das Durchschnittsalter aller Befragten liegt bei 17,6 Jahren. Das ermöglicht eine gute
Vergleichbarkeit mit anderen Studien, die sich mit jugendlichem Alkoholkonsum befassen.
Die Befragung erfolgte in schriftlicher Form. Der Fragebogen umfasst 34 Fragen, für
deren Beantwortung etwa 30 Minuten veranschlagt worden sind. Dabei wurden verschiedene Themenbereiche abgefragt. Den größten Teil nahmen die unterschiedlichen
Erfahrungen mit Alkohol, die Einstellungen zur Substanz sowie die Erfassung des Frequenz-Menge Index des Alkoholkonsums ein. Der zweite Fokus lag auf dem individuellen Gesundheitsverhalten und dem Wert, der Gesundheit beigemessen wird. Dazu wurde nach dem Freizeitverhalten, vor allem nach sportlicher Aktivität, der Werteinschätzung von Gesundheit direkt und nach allgemeinen Vorstellungen vom Alkoholkonsum
gefragt, deren Authentizität eingeschätzt werden sollte. Die Aussagen über den
Alkohol- und Tabakkonsum, sowie über ungeschützten und ungewollten Geschlechtsverkehr
unter Alkoholeinfluss, sind in dieser Befragung Determinanten für ein riskantes
Gesundheitsverhalten.
Die Angaben zum Alkoholkonsum selber wurden deshalb auf ihre Validität hin geprüft
um Unregelmäßigkeiten, die sich auf Grund von Unverständnis oder fehlender
Bereitschaft den Fragebogen korrekt auszufüllen, ergeben haben sollten, aufzudecken. Beantwortet beispielsweise ein Proband die Angabe zum Erstkonsum mit dem Item ,,ich habe
noch nie Alkohol getrunken" , gibt später jedoch an, Alkohol zu konsumieren, werden
seine gesamten Aussagen einer Prüfung unterzogen und bei weiteren Widersprüchen
wird der Fragebogen gegebenenfalls aus der Grundgesamtheit entfernt. Jugendliche, die
in der Mehrheit keinen Konsum angaben, wurden als Nichtkonsumenten und Jugendliche, die in der Mehrheit der Items Konsum angaben, wurden dementsprechend als Konsumenten
eingestuft. Die gleiche Art der Rückkontrolle gab es bei dem Merkmal ,,sportliche Aktivität", das in verschiedenen Fragen gemessen wurde. Weiterhin wurde der
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sozidemographische Hintergrund, der Bildungsstand der Eltern, das Freizeitverhalten und die Höhe des für Alkohol ausgegeben Geldes erfragt, mit dem Ziel herauszufinden, ob einer dieser Faktoren einen signifikanten Einfluss auf den individuellen Alkoholkonsum oder das Gesundheitsverhalten hat.
Durch das persönliche Einsammeln der Fragebögen in den Klassen und im Jugendclub und die anschließende Kodierung ist sowohl die Anonymität der befragten Personen gewährleistet sowie die Unterscheidung nach dem Ort der Erhebung. Auf eine Rücklaufkontrolle konnte auf Grund der geringen Stichprobengröße verzichtet werden. Jedem Probanden stand es frei, die Befragung komplett zu verweigern oder einzelne Fragen ohne die Angabe von Gründen auszulassen. Das Interesse an der Erhebung war jedoch groß, was sich aus anschließenden Gesprächen mit den Jugendlichen ergab. Die 57 Fragebögen wurden alle gewissenhaft ausgefüllt und keiner musste wegen widersprüchlicher Angaben aus der Befragung entfernt werden. Die Auswertung wurde mit den Programmen SPSS sowie mit der Hilfe von EXCEL durchgeführt und erfolgte größtenteils über die Darstellung prozentualer Verteilungen und Kreuztabellen, da vorrangig deskriptive Sachverhalte abgefragt wurden. Die Ergebnisse sind in die folgenden Kapitel der Arbeit eingearbeitet.
Die größte Schwierigkeit bei dieser Befragung ist die geringe Größe der Stichprobe, die keine repräsentativen Daten zulässt, auch wenn das Anliegen dieser Studie eine hauptsächlich deskriptive Darstellung ist. Um diese Lücke zu füllen, werden im Verlauf der Arbeit mehrere repräsentative Studien aus dem In- und Ausland herangezogen, um die eigenen Ergebnisse in den aktuellen Forschungsstand einordnen zu können bzw. zu untermauern und die Thesen zu verifizieren oder gegebenenfalls zu falsifizieren. Ein allgemeines Problem bei reinen schriftlichen Umfragen ist, dass alle erhobenen Informationen auf Selbstangaben beruhen. Bei Befragungen zu zurückliegenden Ereignissen und Verhalten können diese, im Gegensatz zu Beobachtungen, nicht direkt gemessen werden. Es werden Verhaltensberichte erfasst. Das ,,underreporting" bei der Feststellung des genauen Alkoholkonsums, dass heißt das die tatsächlich getrunkenen Mengen nicht korrekt angegeben werden, ist ein Schwachpunkt in der Erfassung. Das wird durch den Fakt verschärft, dass es sich bei Alkoholmissbrauch um ein sozial unerwünschtes Verhalten handelt. So ist bekannt [...] ,,dass Selbstangaben zur Konsummenge aus Repräsentativerhebungen, [...]
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