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Analyse und Interpretation von Vergil, Aeneis 9,296-350

Hauptseminararbeit, 2008, 35 Seiten
Autor: Julia Ebert
Fach: Latein

Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 35
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 15  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V112880
ISBN (E-Book): 978-3-640-12783-2

Dateigröße: 272 KB
Anmerkungen :
Sehr gute, wortnahe Interpretationen. Angemessene Stützen aus Kommentaren. Hinreichende Selbstständigkeit in Entscheidungen. Flüssige Darstellung.


Zusammenfassung / Abstract

Die beiden Freunde Nisus und Euryalus, von denen in den hier behandelten Versen die Rede sein wird, erscheinen in der Aeneis bereits im fünften Buch, wo sie an einem Wettlauf teilnehmen und Nisus dem Euryalus zum Sieg verhilft, indem er dessen schärfsten Konkurrenten absichtlich zu Fall bringt. Dennoch werden sie später von Vergil so eingeführt, als hätte der Leser zuvor noch nichts von ihnen gehört. Diese Tatsache zählt zu den „kompositorischen Auffälligkeiten – manche sagen: Widersprüchen – der Aeneis“1. Im neunten Buch nun, dessen Nisus/Euryalus-Episode ganz offensichtlich durch die Dolonie im zehnten Gesang der Ilias angeregt ist, schließen sich die beiden Trojaner zusammen, um durch das feindliche Lager der Rutuler hindurch zu Aeneas durchzudringen, um ihn zu Hilfe zu holen. Jedoch genügt es ihnen dabei nicht, unbemerkt durch die feindlichen Reihen zu kommen, vielmehr nutzen sie die Nachlässigkeit der betrunkenen und schlafenden Rutuler, um unter ihnen erst noch ein Blutbad anzurichten. In diesen Zusammenhang fallen die Verse, die in der folgenden Arbeit zunächst lateinisch wiedergegeben, metrisch analysiert und sodann ins Deutsche übersetzt werden sollen. Im Anschluss daran steht die sprachliche Analyse und Interpretation dieser Textstelle, wobei einige textkritische Gesichtspunkte mit berücksichtigt werden. Den beiden Trojanern wird ihr nächtlicher Überfall auf die Feinde letztlich zum Verhängnis, da ein Beutestück, genauer ein im Dunkel der Nacht blitzender Helm, Euryalus verrät und er von einem latinischen Reitertrupp entdeckt wird. Daraufhin will sich Nisus zwar noch für seinen Kameraden opfern, doch werden schließlich beide getötet.


Textauszug (computergeneriert)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Lehrstuhl für Klassische Philologie (Latein)

Hauptseminar: Vergil, Aeneis

Wintersemester 2007/2008

Analyse und Interpretation von Vergil, Aeneis 9, 296-350
(eingereicht am 19.03.2008)

Julia Ebert
LAG Germanistik, Latein
6./5. Semester

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Worte zur Nisus/Euryalus-Episode 3
2. Text und metrische Analyse 4
3. Übersetzung 7
4. Interpretation von Vergil, Aeneis 9, 296-350 9
5. Literaturverzeichnis 33

2

 


1. Einleitende Worte zur Nisus/Euryalus-Episode

Nisus erat portae custos, acerrimus armis,
Hyrtacides, comitem Aeneae quem miserat Ida
venatrix iaculo celerem levibusque sagittis,
et iuxta comes Euryalus, quo pulchrior alter
non fuit Aeneadum Troiana neque induit arma,
ora puer prima signans intonsa iuventa.
his amor unus erat, pariterque in bella ruebant.
(Aen. IX, 176-182)

Die beiden Freunde Nisus und Euryalus, von denen in den hier behandelten Versen die Rede sein wird, erscheinen in der Aeneis bereits im fünften Buch, wo sie an einem Wettlauf teilnehmen und Nisus dem Euryalus zum Sieg verhilft, indem er dessen schärfsten Konkurrenten absichtlich zu Fall bringt. Dennoch werden sie später von Vergil so eingeführt, als hätte der Leser zuvor noch nichts von ihnen gehört. Diese Tatsache zählt zu den ,,kompositorischen Auffälligkeiten ­ manche sagen: Widersprüchen ­ der Aeneis"1. Im neunten Buch nun, dessen Nisus/Euryalus-Episode ganz offensichtlich durch die Dolonie im zehnten Gesang der Ilias angeregt ist, schließen sich die beiden Trojaner zusammen, um durch das feindliche Lager der Rutuler hindurch zu Aeneas durchzudringen, um ihn zu Hilfe zu holen. Jedoch genügt es ihnen dabei nicht, unbemerkt durch die feindlichen Reihen zu kommen, vielmehr nutzen sie die Nachlässigkeit der betrunkenen und schlafenden Rutuler, um unter ihnen erst noch ein Blutbad anzurichten. In diesen Zusammenhang fallen die Verse, die in der folgenden Arbeit zunächst lateinisch wiedergegeben, metrisch analysiert und sodann ins Deutsche übersetzt werden sollen. Im Anschluss daran steht die sprachliche Analyse und Interpretation dieser Textstelle, wobei einige textkritische Gesichtspunkte mit berücksichtigt werden.
Den beiden Trojanern wird ihr nächtlicher Überfall auf die Feinde letztlich zum Verhängnis, da ein Beutestück, genauer ein im Dunkel der Nacht blitzender Helm, Euryalus verrät und er von einem latinischen Reitertrupp entdeckt wird. Daraufhin will sich Nisus zwar noch für seinen Kameraden opfern, doch werden schließlich beide getötet.

1 Suerbaum, Werner: Vergils »Aeneis«. Epos zwischen Geschichte und Gegenwart. Stuttgart 1999 (= Reclams Universal-Bibliothek Nr. 17618). S. 369.

3

 


2. Text und metrische Analyse

,,sponde digna tuis ingentibus omnia coeptis.

namque erit ista mihi genetrix nomenque Creusae

solum defuerit, nec partum gratia talem

parva manet. casus factum quicumque sequentur,

per caput hoc iuro, per quod p ater ante solebat:

quae tibi polliceor reduci rebusque secundis,

haec eadem matrique tuae generique manebunt."

sic ait inlacrimans; umero simul exuit ensem

auratum, mira quem fecerat arte Lycaon

Cnosius atque habilem vagina aptarat eburna.

dat Niso Mnestheus pellem horrentisque leonis

exuvias, galeam fidus permutat Aletes.

protinus armati incedunt; quos omnis euntis

primorum manus ad portas, iuvenumque senumque,

prosequitur votis. nec non et pulcher Iulus,

ante annos animumque gerens curamque virilem,

multa patri mandata dabat portanda; sed aurae

omnia discerpunt et nubibus inrita donant.

Egressi superant fossas noctisque per umbram

4

 


castra inimica petunt, multis tamen ante futuri

exitio. passim somno vinoque per herbam

corpora fusa vident, arrectos litore currus,

inter lora rotasque viros, simul arma iacere,

vina simul. prior Hyrtacides sic ore locutus:

,,Euryale, audendum dextra: nunc ipsa vocat res.

hac iter est. tu, ne qua manus se attollere nobis

a tergo possit, custodi et consule longe;

haec ego vasta dabo et lato te limite ducam."

sic memorat vocemque premit, simul ense superbum

Rhamnetem adgreditur, qui forte tapetibus altis

exstructus toto proflabat pectore somnum,

rex idem et regi Turno gratissimus augur,

sed non augurio potuit depellere pestem.

tris iuxta famulos temere inter tela iacentis

armigerumque Remi premit aurigamque sub ipsis

nactus equis ferroque secat pendentia colla.

tum caput ipsi aufert domino truncumque relinquit

sanguine singultantem; atro tepefacta cruore

terra torique madent. nec non Lamyrumque Lamumque

5

 


et iuvenem Serranum, illa qui plurima nocte

luserat, insignis facie, multoque iacebat

membra deo victus ­ felix, si protinus illum

aequasset nocti ludum in lucemque tulisset:

impastus ceu plena leo per ovilia turbans

suadet enim vesana fames manditque trahitque

molle pecus mutumque metu, fremit ore cruento.

nec minor Euryali caedes; incensus et ipse

perfurit ac multam in medio sine nomine plebem,

Fadumque Herbesumque subit Rhoetumque Abarimque

ignaros; Rhoetum vigilantem et cuncta videntem,

sed magnum metuens se post cratera tegebat.

pectore in adverso totum cui comminus ensem

condidit adsurgenti et multa morte recepit.

purpuream vomit ille animam et cum sanguine mixta

vina refert moriens, hic furto fervidus instat.

| 3 Trithemimeres
| 5 Penthemimeres
| 7 Hephthemimeres

6

 


3. Übersetzung

,,Versprich dir alles, was deiner gewaltigen Vorhaben wert ist. Denn sie soll als Mutter mir gelten und der Name Creusa fehlt ihr allein, und nicht kleiner Dank ist ihr beschieden dafür, dass einen solchen Sohn sie gebar. Und welche Schicksale auch immer der Tat folgen werden, bei diesem meinem Haupt schwöre ich, bei dem mein Vater zuvor zu schwören pflegte.

Was ich dir verspreche, falls du zurückkehrst und für den glücklichen Ausgang, dasselbe wird auch deiner Mutter und deinem Geschlecht erhalten bleiben."

So sprach er unter Tränen.

Von der Schulter legte er zugleich das vergoldete Schwert ab, das Lykaon aus Knossos mit wunderbarer Kunstfertigkeit geschaffen und leicht handhabbar in die elfenbeinerne Scheide eingefügt hatte.

Mnestheus gab dem Nisus ein Fell, die Haut eines struppigen Löwen; seinen Helm tauscht mit ihm der treue Aletes.

Sofort ziehen sie bewaffnet los; und die ganze Schar der Edelsten, Junge und Alte, geleitet sie unter Gebeten zu den Toren.

Unter ihnen ist auch der herrliche Julus, schon vor seinen Jahren männlichen Mut und Sorge in sich tragend, der ihnen noch viele Aufträge für den Vater mitgeben wollte;

aber die Winde zerstreuten alles und übergaben es den Wolken als unwirksame Gabe. Draußen lassen sie die Gräben hinter sich, eilen durch das Dunkel der Nacht zum feindlichen Lager, zuvor jedoch sollten sie noch vielen den Tod bringen. Überall sehen sie die im Gras hingestreckten Körper voll Schlaf und Wein, die empor gerichteten Wagen am Strand, zwischen Riemen und Rädern die Männer, zugleich sehen sie Waffen herumliegen und ebenso Weingefäße.

Folgendermaßen sprach da zuerst des Hyrtakus′ Sohn:

,,Euryalus, nun muss die Tat gewagt werden, nun ruft die Gelegenheit selbst. Hier ist der Weg.

Wache du und halte weithin Ausschau, damit keine Hand sich gegen uns im Rücken erheben kann; ich aber werde hier Platz schaffen und dich durch einen breiten Durchgang führen."

So spricht er und schweigt wieder.

Zugleich greift er den hochmütigen Rhamnes mit dem Schwert an, der zufällig auf hohen Decken liegend aus voller Brust den Schlaf herausschnarchte, selbst König und dem König Turnus der liebste Seher, doch konnte er durch die Weissagekunst das Unheil nicht abwehren. Daneben tötet er drei Diener, die sorglos zwischen den Waffen liegen, und den Knappen des Remus, er trifft den Wagenlenker bei den Pferden und haut ihm mit dem Schwert den hängenden Hals herunter.

7

 



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