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Die Tobin-Steuer - kritische Würdigung einer Devisentransaktionssteuer

Bachelor Thesis, 2002, 62 Pages
Author: Mirko Gropp
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Bachelor Thesis
Year: 2002
Pages: 62
Grade: 2,0
Language: German
Archive No.: V11289
ISBN (E-book): 978-3-638-17488-6
ISBN (Book): 978-3-638-82229-9
File size: 606 KB
Notes :
Die Bachelor-Studienarbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Diskussion um die Tobin Steuer (Tobin Tax) und versucht umfassend Zieladäquanz und Praktikabilität zu überprüfen.


Abstract

Einer empirischen Studie nach traten innerhalb der letzten 400 Jahren alle 10 Jahre größere Währungs- und Finanzkrisen auf. Diese scheinen sich gerade in der letzten Zeit immer mehr zu häufen (Mexiko - 1995, asiatische Tigerstaaten – 1997, Russland 1998). Nicht zuletzt wegen dieser Krisen wird von einigen Ökonomen das Dogma freier Märkte und Globalisierung kritisch hinterfragt. In diesem Zusammenhang wurden Rufe nach einer internationalen Ordnungspolitik (Fels, 2002) und Demokratisierung der Globalisierung (Patomäki, 2001; Çagatay et al., 2000) laut. Selbst der IWF, Hort einer neoklassische Politik der Liberalisierung und Öffnung der Finanzmärkte, denkt im Nachgang der Asienkrise über eine Abkehr von einer allzu strikten Umsetzung dieser Maxime nach, um Schwellenländern mehr Gestaltungsmöglichkeiten beim Übergang zu freiem Kapitalverkehr zu ermöglichen. Zu den derzeit am meisten diskutierten Reformvorschlägen gehört das Konzept der Tobin Steuer (TT). In Kreisen der Wissenschaft in der Vergangenheit eher vernachlässigt , machen sich viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Gewerkschaften für die Einführung einer solchen Steuer auf internationale Devisentransaktionen stark. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es die vorgebrachten Argumente für und gegen eine TT nach den damit verbundenen Zielsetzungen getrennt zu betrachten und weiteren Untersuchungsbedarf aufzuzeigen. Daher soll zu Beginn auf die besonderen Rahmenbedingungen der Devisenmärkte eingegangen werden, um darauf aufbauend das ursprüngliche Konzept von James Tobin vorzustellen. Bezüglich der Zielsetzungen sollen hier kurz die Wirkungszusammenhänge erläutert werden. Im Anschluss werden die Erwartungen und Möglichkeiten bezüglich der heutigen Zielsetzungen diskutiert. War am Anfang die praktische Umsetzung noch eines der größten Kritikpunkte, so gibt es heute klare Konzepte für eine Implementierung. Diese werden im anschließenden Kapitel vorgestellt und um mögliche Probleme ergänzt. Zum Schluss werden kurz Alternativen kontrastiert und die Erkenntnisse aus den vorhergehenden Kapiteln zusammengefasst sowie Ausblicke gegeben.


Excerpt (computer-generated)

Universität Bayreuth
Volkswirtschaftslehre I
Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
– Wirtschaftspolitik –

Bachelorarbeit im Studiengang Philosophy & Economics 
zum Thema:
Die Tobin Steuer -
kritische Würdigung einer Devisentransaktionssteuer

Autor: Mirko Gropp

Abgabetermin: 03.11.2002

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis ... II
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ... III

1. Einordnung und Anliegen ... 1

2. Funktionsweise und Entwicklung des Devisenmarktes ... 3

3. Das ursprüngliche Konzept TOBINS einer Devisentransaktionssteuer ... 7

4. Heutige Zielsetzung und kritische Würdigung ... 9
4.1 Reduktion der Volatilität von Wechselkursen  ... 10
4.2 Vergrößerung der Handlungsspielräume von Zentralbanken ... 15
4.3 Verhinderung von Währungskrisen ... 16
4.4 Erzielung von Einnahmen ... 20
4.5 Weitere assoziierte Ziele ... 23

5. Probleme bei der Implementation und Lösungsansätze ... 24
5.1 Probleme bei der technischen Umsetzung ... 24
5.2 Problem der politischen Umsetzbarkeit ... 25

6. Alternative Konzepte ... 27

7. Fazit und Ausblick ... 29

Literaturverzeichnis ... 31

Anhang ... 40

Abkürzungsverzeichnis

[...]

Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Globalisierungsindikatoren ... 3-A
Abb. 2: Marktstruktur ohne elektronische Handelsplattformen ... 3-A
Abb. 3: Zusammensetzung des Devisenumsatzes nach Währungen ... 4-A
Abb. 4: Einfaches Modell der stabilisierenden Spekulation ... 5-A
Abb. 5: Einfaches Modell der destabilisierenden Spekulation ... 5-A
Abb. 6: Zusammensetzung des Marktes nach Akteuren ... 5-A
Abb. 7: Volumina der täglichen Devisenmarkttransaktionen nach Finanzinstrumenten in Mrd. Dollar (1989 - 2001) ... 6-A
Abb. 8: Zusammensetzung der Devisenmarkttransaktionen nach Finanzinstrumenten (1989 - 2001) ... 6-A
Abb. 9: Devisentransaktionen nach Handelsplätzen ... 7-A
Abb. 10: Trilemma der Geld und Währungspolitik mit Währungsordnungen ... 7-A
Abb. 11: Exemplarische Darstellung der Wirkungsweise einer TT ... 8-A
Abb. 12: Benötigter Auslandszinssatz p.a. bei Währungskonvertierung ... 8-A
Abb. 13: Zinskorridor der Notenbank bei einer TT von 0,25% ... 9-A
Abb. 14: Beispiel für eine Spekulative Blase am Aktienmarkt ... 11-A
Abb. 15: Beispiel für Chartanalyse USD/EUR ... 12-A
Abb. 16: Marktstruktur mit elektronischen Handelsplattformen ... 13-A
Abb. 17: Entwicklung der Interventionsmöglichkeit der Notenbank anhand der Reserven in Mrd. Dollar ... 16-A
Abb. 18: Auftreten von Währungs- und Finanzkrisen (1970 – 1997) ... 16-A
Abb. 19: Wirkungsweise der zweiten Komponente (BOX) ... 18-A
Abb. 20: Kapitalimporte der Industrie- und Entwicklungsländer ... 19-A
Abb. 21: Rationale hinter einem N-Personen-Gefangenendilemma ... 27-A

Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Die wichtigsten Finanzinstitute am Devisenmarkt nach Marktanteilen ... 6-A
Tab. 2: Das Trilemma und die historische Entwicklung der Kapitalmobilität ... 7-A
Tab. 3: Implizite Steuersätze ... 20-A

1. Einordnung und Anliegen
Einer empirischen Studie nach traten innerhalb der letzten 400 Jahren alle 10 Jahre größere Währungs- und Finanzkrisen auf (O.V., 1998). Diese scheinen sich gerade in der letzten Zeit immer mehr zu häufen (Mexiko - 1995, asiatische Tigerstaaten – 1997, Russland 1998). Hopkinson (2000) schätzt die Anzahl der in den letzten zwei Dekaden betroffenen Länder auf 125. Diese und weitere prägnante Ereignisse, wie die erfolgreiche Spekulation gegen das britische Pfund im Jahre 1992 durch den „König der Spekulanten“ George Soros und der sich anbahnende Zusammenbruch des Hedge-Fonds LTCM im Jahre 1998, hatten entscheidenden Einfluss auf die öffentliche Debatte um mehr Regulierung im Finanzbereich.

Nicht zuletzt wegen dieser Krisen wird von einigen Ökonomen das Dogma freier Märkte und Globalisierung kritisch hinterfragt1. In diesem Zusammenhang wurden Rufe nach einer internationalen Ordnungspolitik (Fels, 2002) und Demokratisierung der Globalisierung (Patomäki, 2001; Çagatay et al., 2000) laut. Selbst der IWF, Hort einer neoklassische Politik der Liberalisierung und Öffnung der Finanzmärkte, denkt im Nachgang der Asienkrise über eine Abkehr von einer allzu strikten Umsetzung dieser Maxime nach, um Schwellenländern mehr Gestaltungsmöglichkeiten beim Übergang zu freiem Kapitalverkehr zu ermöglichen2. Die allgemeine Kritik erfolgt meist aus einem bestimmten Weltbild heraus und reicht von der neoklassischen Einstellung (Washingtoner Konsens3), dass es sich bei den Reaktionen um Auswirkungen der Eingriffe in den Markt handelt, bis hin zu der keynesianisch geprägten Sicht der systemimmanenten Instabilität von Märkten. Folglich variieren auch die Lösungsvorschläge von einer Stärkung der strukturellen Rahmenbedingungen bis hin zu mehr staatlichen Eingriffen4.

Zu den derzeit am meisten diskutierten Reformvorschlägen gehört das Konzept der Tobin Steuer (TT). In Kreisen der Wissenschaft in der Vergangenheit eher vernachlässigt5, machen sich viele Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Gewerkschaften für die Einführung einer solchen Steuer auf internationale Devisentransaktionen stark. Hierbei tat sich vor allem die mitgliederstarke Organisation „Attac“6 hervor, deren namentliches Ziel die Einführung der Tobin Steuer ist. Ihr geistiger Vater, Nobelpreisträger James Tobin, distanzierte sich aber von der hinter Attac stehenden Ideologie, da für ihn die Vorteile des freien Handels7 außer Frage stehen und er nicht mit den Globalisierungsgegnern in Verbindung gebracht werden möchte (O.V., 2001).

Auch in der Politik, scheint der Vorschlag nicht auf unfruchtbaren Boden zu fallen und so haben Frankreich und Kanada bereits eine symbolische TT gesetzlich verankert, deren Inkrafttreten an bestimmte Bedingungen geknüpft ist8. Innerhalb der Europäischen Union und auch der SPD-B90/Grüne-Koalition wird das Vorhaben intensiv diskutiert. So hat das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent wicklung ein Gutachten über die Durchführbarkeit einer TT als Diskussionsgrundlage für die UN-Konferenz9 „Financing for Development“ vorgestellt und im September 2001 der ECOFIN eine nähere Prüfung durch die Europäische Kommission vorgeschlagen10.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es die vorgebrachten Argumente für und gegen eine TT nach den damit verbundenen Zielsetzungen getrennt zu betrachten und weiteren Untersuchungsbedarf aufzuzeigen. Daher soll zu Beginn auf die besonderen Rahmenbedingungen der Devisenmärkte eingegangen werden, um darauf aufbauend das ursprüngliche Konzept von James Tobin vorzustellen. Bezüglich der Zielsetzungen sollen hier kurz die Wirkungszusammenhänge erläutert werden. Im Anschluss werden die Erwartungen und Möglichkeiten bezüglich der heutigen Zielsetzungen diskutiert. War am Anfang die praktische Umsetzung noch eines der größten Kritikpunkte, so gibt es heute klare Konzepte für eine Implementierung. Diese werden im anschließenden Kapitel vorgestellt und um mögliche Probleme ergänzt. Zum Schluss werden kurz Alternativen kontrastiert und die Erkenntnisse aus den vorhergehenden Kapiteln zusammengefasst sowie Ausblicke gegeben.

[...]


1 Hervorzuheben sind Stiglitz (2002), Bhagwati (1998) und Rodrik (2000).

2 So sah man davon ab, die vollständig freie Konvertibilität der Währung als Bedingung in die Statuten des IWF aufzunehmen.

3 Der Begriff „Washingtoner Konsens“ geht auf den Ökonom John Williamson zurück und bezeichnet das Konglomerat der Ideen von freien Märkten unter Rückzug des Staates. Diese orthodoxe Ideologie („laissezfaire Kapitalismus“ oder „marketthink“) wird an den meisten US-Universitäten gelehrt und bestimmt auch das Handeln internationaler Organisationen wie IWF und Weltbank.

4 Unter diesem Aspekt kann man auch die Diskussion um die Tobin Steuer einordnen.

5 Tobin (1978) meint, dass der Vorschlag wie ein Stein in einen tiefen Brunnen gefallen sei. Seit Mitte der 90ziger Jahre gibt es aber eine Reihe von Veröffentlichungen zur TT.

6 Attac ist das Akronym für „Association pour une Taxation des Transactions financières pour l′Aide aux Citoyens“ (Vereinigung zu Besteuerung der Finanztransaktionen zum Nutzen der Bürger). Einen Einblick in die dahinter stehende Ideologie bietet Grefe et al. (2002) und Chesnais (2001).

7 Die möglichen Vorteile von freien Kapitalmärkten sind unbestritten (vgl. Obstfeld, 1998). Die Wohlstandsgewinne durch optimale Allokation von Kapital, Diversifizierung (Risikostreuung), Wissensspillover (FDI, Finanzsektor), intertemporalen Handel und Kontrollfunktion der Märkte können enorm sein. Daher ist die Öffnung für den internationalen Kapitalverkehr sehr attraktiv. Dem entgegen steht aber immer die Gefahr der von Übertreibungen und den damit verbundenen negativen Effekten. Daher plädiert man verstärkt für eine graduelle Öffnung von Schwellenländern, wie z.B. in China oder Indien praktiziert.

8 Der aktuelle Satz beträgt 0% und soll ein Signal zur Kooperation für die anderen Staaten darstellen.

9 Das UNDP spricht sich seit 1994 für die Einführung einer Devisentransaktionssteuer zur Finanzierung seiner Projekte aus.

10 Dieser Report (Europäische Kommission, 2002) äußert sich skeptisch bezüglich der Möglichkeiten und Praktikabilität einer TT.


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