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Scholary Paper (Seminar), 2006, 21 Pages
Author: Stephanie Klingemann
Subject: Pedagogy - History of Pedagogy
Details
Tags: Pädagogik, Nationalsozialismus, Beispiel, Ernst, Krieck
Year: 2006
Pages: 21
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 7 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-12271-4
File size: 136 KB
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Abstract
In dieser Hausarbeit beschäftigen wir uns mit dem Erziehungsprogramm des Nationalsozialismus unter besonderer Berücksichtigung von Ernst Kriecks Erziehungsmodell. Eine weitere Grundlage bieten uns Franzjörg Baumgarts Erläuterungen in seinem Buch „Erziehungs- und Bildungstheorien“. Wir haben Ernst Krieck als Repräsentanten der nationalsozialistischen Erziehungswissenschaft ausgewählt, weil er einer der führenden Ideologen der Pädagogik im Dritten Reich war und wir aufgrund der Fülle der Materialien exemplarisch die Grundelemente der damaligen Pädagogik erläutern wollen. Dabei geht es uns zunächst um die nationalsozialistische Weltanschauung und wie diese in dem Erziehungsmodell von Ernst Krieck zum Ausdruck kommt. Ferner möchten wir in kurzer Form darlegen, wie Krieck die funktionale und intentionale Erziehung verschieden gewichtet und wie sich dies im Alltagsleben der Kinder und Jugendlichen bemerkbar gemacht hat. Hierbei konzentrieren wir uns auf die Hitlerjugend, den Minderheiten widmen wir nur ein kurzes Kapitel, da der Umfang dieser Hausarbeit es uns nicht ermöglicht, diese Verbrechen angemessen zu werten. Mit der Frage, wie die Neugestaltung in der Erziehungswissenschaft nach 1945 vonstatten gegangen ist, beschäftigen wir uns in Kapitel V, bevor wir im letzten Kapitel die Diskussion in der heutigen Zeit bearbeiten, ob die Pädagogik des Nationalsozialismus in der erziehungswissenschaftlichen Tradition steht oder aber, ob sie einen Bruch mit ihr darstellt. Wir möchten darauf hinweisen, dass wir uns bewusst sind, mit diesem Thema nicht angemessen genug umgehen zu können. Wir hoffen, dass es uns mit dieser Hausarbeit gelingt, Analyse und Kritik voneinander zu trennen, da es gerade vor dem Hintergrund des wahrscheinlich größten Menschheitsverbrechen schwer fällt, nicht schnell in eine Wertung zu verfallen. 2 Erziehung im Nationalsozialismus "Meine Pädagogik ist hart", so formulierte Hitler seine Erziehungsideale, "Das Schwache muss weggehämmert werden. Es wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich ..." Damit diese Pädagogik Erfolg haben sollte, wurden die Kindheit und die Jugend unter Hitler durchorganisiert und die Kinder von klein auf für den Kampf und für den Krieg erzogen.
Excerpt (computer-generated)
Stephanie Klingemann
Erziehungstheorien
Proseminar
,,Du bist nichts, Dein Volk ist alles!"
Die Pädagogik des Nationalsozialismus am Beispiel von Ernst Krieck
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort 3
2 Erziehung
im
Nationalsozialismus 3
3
Ernst Krieck und sein Erziehungsmodell 5
3.1
Ernst Krieck und die nationalsozialistische Weltanschauung 5
3.1.1
Die völkische Gemeinschaft und der Einzelne 6
3.1.2
Die Rasse im Zentrum der Lehre Kriecks 6
3.1.3
Das völkische Modell Zucht und Auslese 7
3.1.4
Ganzheit des Volkes 7
3.2
Funktionalität der Erziehung 8
3.2.1
Gewichtung von funktionaler und intentionaler Erziehung 8
3.2.2 Das
Drei-Schichten-Modell 9
4
,,...und sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben!" - Organisation der Kinder und
Jugendlichen im Dritten Reich 10
4.1 Die
Hitlerjugend 10
4.1.1
Gründung und Anfänge 10
4.1.2
Aufgaben und Erziehung in der HJ 11
4.1.3
Die Hitlerjugend im Zweiten Weltkrieg 12
4.2
Auslese an den Schulen Umgang mit Minderheiten 13
4.3
Vergleich mit Ernst Kriecks Erziehungsmodell 13
5
Nach 1945 Reeducation 14
6
War die nationalsozialistische Erziehung eine Pädagogik oder doch eine ,,Un-
Pädagogik"? 16
6.1 ,,Un-Pädagogik" 16
6.2
Fortführung statt Bruch 17
6.3 Kontinuität
und
Kritik 17
7 Fazit 18
8 Literaturverzeichnis 20
2
1 Vorwort
In dieser Hausarbeit beschäftigen wir uns mit dem Erziehungsprogramm des Nationalsozialismus unter besonderer Berücksichtigung von Ernst Kriecks Erziehungsmodell. Eine weitere Grundlage bieten uns Franzjörg Baumgarts Erläuterungen in seinem Buch ,,Erziehungs- und Bildungstheorien".
Wir haben Ernst Krieck als Repräsentanten der nationalsozialistischen Erziehungswissenschaft ausgewählt, weil er einer der führenden Ideologen der Pädagogik im Dritten Reich war und wir aufgrund der Fülle der Materialien exemplarisch die Grundelemente der damaligen Pädagogik erläutern wollen. Dabei geht es uns zunächst um die nationalsozialistische Weltanschauung und wie diese in dem Erziehungsmodell von Ernst Krieck zum Ausdruck kommt. Ferner möchten wir in kurzer Form darlegen, wie Krieck die funktionale und intentionale Erziehung verschieden gewichtet und wie sich dies im Alltagsleben der Kinder und Jugendlichen bemerkbar gemacht hat. Hierbei konzentrieren wir uns auf die Hitlerjugend, den Minderheiten widmen wir nur ein kurzes Kapitel, da der Umfang dieser Hausarbeit es uns nicht ermöglicht, diese Verbrechen angemessen zu werten.
Mit der Frage, wie die Neugestaltung in der Erziehungswissenschaft nach 1945 vonstatten gegangen ist, beschäftigen wir uns in Kapitel V, bevor wir im letzten Kapitel die Diskussion in der heutigen Zeit bearbeiten, ob die Pädagogik des Nationalsozialismus in der erziehungswissenschaftlichen Tradition steht oder aber, ob sie einen Bruch mit ihr darstellt.
Wir möchten darauf hinweisen, dass wir uns bewusst sind, mit diesem Thema nicht angemessen genug umgehen zu können. Wir hoffen, dass es uns mit dieser Hausarbeit gelingt, Analyse und Kritik voneinander zu trennen, da es gerade vor dem Hintergrund des wahrscheinlich größten Menschheitsverbrechen schwer fällt, nicht schnell in eine Wertung zu verfallen.
2 Erziehung im Nationalsozialismus
"Meine Pädagogik ist hart", so formulierte Hitler seine Erziehungsideale, "Das Schwache muss weggehämmert werden. Es wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich ..."1
1 Aus einer Rede Hitlers im Jahre 1936
3
Damit diese Pädagogik Erfolg haben sollte, wurden die Kindheit und die Jugend unter Hitler durchorganisiert und die Kinder von klein auf für den Kampf und für den Krieg erzogen. Die Erziehung im Nationalsozialismus hatte erst einmal den Zweck, die Weltanschauung Hitlers und seiner Anhänger durchzusetzen. Dabei beschränkte sich der nationalsozialistische Staat nicht nur auf die üblichen pädagogischen Institutionen, sondern benutzte auch in hohem Maße die Mittel der Propaganda, um die Menschen nach seinen Vorstellungen zu formen. Ziel der nationalsozialistischen Erziehung war ,,der neue polit. Mensch, der weniger denkt als handelt, weniger rational als emotional und weniger intellektuell als rassisch-gesund ist: insgesamt ging es um ,,die Erhebung des dt. Gemütes gegen die Willkür des kalten Intellekts" (Baldur von Schirach)"2.
Nach der ,,Machtergreifung" Hitlers 1933 herrschte in der Erziehungswissenschaft eine große Unsicherheit, wie es weitergehen sollte; viele von den sog. ,,Kathederpädagogen"3 behielten ihre Ämter und leisteten kaum bzw. keinen Widerstand. Die Wortführer dieser neuen Bewegung in der Pädagogik, die die Ideale Hitlers durchsetzen wollten und unter anderem nur durch den Druck der Nationalsozialisten an den Universitäten und anderen Institutionen hohe Ämter bekleideten, waren unter anderen Alfred Rosenberg, K.F. Sturm, Kade, Alfred Baeumler und Ernst Krieck. Erste spürbare Veränderungen für Schulen und Universitäten bereits 1933
Eines der Hauptziele der nationalsozialistischen Pädagogik war die Bekämpfung der ,,Überfremdung des dt. Volkes"4, daraus folgte die rassistische Selektierung an Schulen, Universitäten und in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Als Beispiele hierfür sind zum einen die Aufhebung der rechtlichen Gleichstellung vor allem der jüdischen und Sinti- und Roma- Kinder, und der aus dem Staatsdienst entlassenen jüdischen Professoren und Lehrer bereits im April 1933 zu nennen. So konnten sich die nationalsozialistischen Erziehungstheorien, die es durchaus schon vor 1933 gegeben hat (Beispiel Ernst Krieck ,,Menschenformung", 1923)5, in der Praxis durchsetzen und Einfluss auf die Entwicklung in der Geschichte nehmen.
2 Winfried Böhm, Wörterbuch der Pädagogik, 15., überarbeitete Auflage, Stuttgart 2000, S. 382
3 Franzjörg Baumgart (Hrsg.), Erziehungs- und Bildungstheorien. Erläuterungen Texte Arbeitsaufgaben. Bad Heilbrunn, 2., durchgesehene Auflage 2001, S. 177
4 a. a. O., S.382
5 W. Böhm, Wörterbuch der Pädagogik, S.315
4
3 Ernst Krieck und sein Erziehungsmodell
3.1 Ernst Krieck und die nationalsozialistische Weltanschauung
In diesem Kapitel wollen wir uns den Erziehungstheorien Ernst Kriecks widmen, dem pädagogischen Repräsentanten des Nationalsozialismus6.
Nachdem er bereits seit 1923 an diversen Hochschulen gearbeitet hatte, wurde er 1934 unter dem Druck der Nationalsozialisten Professor an der Universität Heidelberg7.
Kriecks Hauptaugenmerk lag auf der Funktionalität der Erziehung, die meisten seiner Werke zielen darauf ab. Die völkische Lebensgemeinschaft und die erbbiologische Orientierung bildeten dabei sein Hauptanliegen. Dieses Gedankengut war jedoch keineswegs neu oder erst mit den Nationalsozialisten entstanden. Bereits in den Jahrzehnten zuvor, spätestens aber mit dem Beginn der ,,Dolchstoßlegende" 1918 fanden sich auch bei einigen Reformpädagogen, wie beispielsweise Hermann Nohl, völkisch-rassistische Tendenzen.
Die Hinwendung einiger Reformpädagogen zum verstärkt völkisch-nationalen Gedankengut ist im historischen Kontext mit dem Gefühl der Erniedrigung durch die Niederlage von 1918 zu erklären. Beide, die Reformpädagogik und die Pädagogik des Nationalsozialismus, haben ,,das Ressentiment gegen die Erscheinungsformen der modernen liberalen Gesellschaft"8 gemeinsam.
Dennoch muss man beachten, dass es auch große Unterschiede zwischen den beiden gab; viele wichtige Elemente der Reformpädagogik, so zum Beispiel der Gedanke der kindgemäßen Erziehung, des Eigenrechts des Kindes, die Autonomieforderung von Seiten der Pädagogik gegenüber den politischen Mächten und Weltanschauungen, wurden von den Nationalsozialisten als ,,liberale Erblast" bekämpft9.
Den völkischen Charakter hat es somit schon vorher in der Erziehungswissenschaft gegeben, jedoch erhält er durch Krieck und andere nationalsozialistische Pädagogen eine neue Qualität und Zuspitzung.
6 W. Böhm, a. a. O., S.315
7 W. Böhm, a. a. O., S.315
8 Franzjörg Baumgart, a. a. O., S.176
9 Ebenda
5
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