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Details

Veranstaltung: Die Juden in der Geschichte Deutschlands 1750-1900
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Neuere Geschichte)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 34
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 218 KB
Archivnummer: V112921
ISBN (E-Book): 978-3-640-13738-1
Anmerkungen :
Komplett zitiert über Fußnoten, daher kein Literaturverzeichnis.

Zusammenfassung / Abstract

Über 500 Jahre, von Anbeginn des Osmanischen Reiches bis zu seinem Ende nach dem Ersten Weltkrieg lebten Juden unter osmanischer Herrschaft. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Geschichte des Judentums im Osmanischen Reich und versucht einen Überblick über jüdisches Leben in jener Zeit zu geben. In Anbetracht der heutigen Situation im Nahen Osten bzw. in Palästina erscheint die Beziehung zwischen dem islamischen Osmanenreich und seinen jüdischen Untertanen äußerst interessant. Wie gingen die muslimisch-türkischen Machthaber mit den Minderheiten im Reich, insbesondere mit der jüdischen Minderheit um? Es sind vor allem jüdische bzw. jüdischstämmige Gelehrte, die sich dem vorliegenden Thema angenommen haben. Aber dieses Thema scheint auch Forscher in den meisten nahöstlichen islamischen Ländern immer mehr zu interessieren. Einigen wenigen dient sie wohl mehr zur pseudohistorischen Untermauerung fundamentalistisch Ansichten, wie z.B. dass der Islam weit toleranter sei als andere Religionen. Feststellungen dieser Art scheitern aber meist schon bei näherer Betrachtung, denn oft resultieren sie aus unsachlicher und historisch unnützer Emotionalisierung oder aus schiefen Vergleichen, wie z.B. von Zeit und Raum. Eine große Mehrheit von wissenschaftlichen Arbeiten aber zu diesem Thema verfolgt die rein faktische Darstellung der Vergangenheit. Dies ist auch erklärtes Ziel der Republik Türkei. Der Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches und Anwärter auf eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union ist nicht zuletzt seit der Debatte um einen vermeintlich begangenen Völkermord der osmanischen Regierung an der armenischen Minderheit während des Ersten Weltkrieges mit einer Vergangenheitsbewältigung beschäftigt. So stellen sich viele Wissenschaftler nicht nur in der Türkei die Frage, wie es um das Verhältnis zwischen muslimischen Herrschern und nichtmuslimischen Untertanen im Osmanischen Reich bestellt war, und auch um das muslimisch-jüdische bzw. türkisch-jüdische Verhältnis. Dieser Frage wird im Folgenden nachgegangen. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf den Juden im damaligen Kernland des Osmanischen Reiches liegen, also auf dem Gebiet der heutigen Türkei, des Balkans und dem Nahen Osten.

Textauszug (computergeneriert)

SS 2006

Die Juden in der Geschichte Deutschlands 1750 ­ 1900

Die Juden im Osmanischen Reich

Aytac Burak Altin

LAG Englisch / Geschichte

Studiensemesterzahl 5


Inhaltsverzeichnis

I.

Einleitung 3

II. Hauptteil 4

A. Juden im Osmanischen Reich bis zum 17. Jahrhundert 4

A.1 Vorosmanische Zeit 4

A.1.1 Römisches und byzantinisches Judentum 4

A.1.2. Arabisch-islamisches Judentum 7

A.2. Osmanische Zeit 10

B. 17. bis 19. Jahrhundert 18

B.1 Die Wende im 17. Jahrhundert 18

B.1.1 Reaktion des osmanischen Judentum 21

B.2 18. Jahrhundert 24

B.3 Das Reformjahrhundert 25

C. Schluss 32

2


I. Einleitung

Über 500 Jahre, von Anbeginn des Osmanischen Reiches bis zu seinem Ende nach dem

Ersten Weltkrieg lebten Juden unter osmanischer Herrschaft. Die vorliegende Arbeit widmet

sich der Geschichte des Judentums im Osmanischen Reich und versucht einen Überblick über

jüdisches Leben in jener Zeit zu geben.

In Anbetracht der heutigen Situation im Nahen Osten bzw. in Palästina erscheint die

Beziehung zwischen dem islamischen Osmanenreich und seinen jüdischen Untertanen äußerst

interessant. Wie gingen die muslimisch-türkischen Machthaber mit den Minderheiten im

Reich, insbesondere mit der jüdischen Minderheit um?

Es sind vor allem jüdische bzw. jüdischstämmige Gelehrte, die sich dem vorliegenden Thema

angenommen haben. Aber dieses Thema scheint auch Forscher in den meisten nahöstlichen

islamischen Ländern immer mehr zu interessieren. Einigen wenigen dient sie wohl mehr zur

pseudohistorischen Untermauerung fundamentalistisch Ansichten, wie z.B. dass der Islam

weit toleranter sei als andere Religionen. Feststellungen dieser Art scheitern aber meist schon

bei näherer Betrachtung, denn oft resultieren sie aus unsachlicher und historisch unnützer

Emotionalisierung oder aus schiefen Vergleichen, wie z.B. von Zeit und Raum.

Eine große Mehrheit von wissenschaftlichen Arbeiten aber zu diesem Thema verfolgt die rein

faktische Darstellung der Vergangenheit. Dies ist auch erklärtes Ziel der Republik Türkei. Der

Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches und Anwärter auf eine Mitgliedschaft in der

Europäischen Union ist nicht zuletzt seit der Debatte um einen vermeintlich begangenen

Völkermord der osmanischen Regierung an der armenischen Minderheit während des Ersten

Weltkrieges mit einer Vergangenheitsbewältigung beschäftigt. So stellen sich viele

Wissenschaftler nicht nur in der Türkei die Frage, wie es um das Verhältnis zwischen

muslimischen Herrschern und nichtmuslimischen Untertanen im Osmanischen Reich bestellt

war, und auch um das muslimisch-jüdische bzw. türkisch-jüdische Verhältnis. Dieser Frage

wird im Folgenden nachgegangen. Dabei wird das Hauptaugenmerk auf den Juden im

damaligen Kernland des Osmanischen Reiches liegen, also auf dem Gebiet der heutigen

Türkei, des Balkans und dem Nahen Osten.

3


II. Hauptteil

A. Juden im Osmanischen Reich bis zum 17. Jahrhundert

A.1 Vorosmanische Zeit

A.1.1 Römisches und byzantinisches Judentum

Für Menschen jüdischen Glaubens stellte sich das Leben im Kernbereich des Islam und dem

Nahen Osten in der antiken vorislamischen Zeit fast ebenso schwierig dar, wie das der Juden

in anderen Teilen rund um das Mittelmeer und darüber hinaus zu jener Zeit. Zunächst war das

politheistische Rom der jüdischen Bevölkerung gegenüber eher tolerant gestimmt, und das

obwohl man den

Bar-Kochba-Aufstand

im Jahre 70 n. Chr. endgültig hatte niederschlagen

und mit der Zerstörung des Zweiten Tempels im Heiligen Land hatte besiegeln müssen. Man

gewährte ihnen nahezu alle Freiheiten in ihrer Lebensweise, ihrer Glaubensausführung und

ihrer Berufswahl.1 Auch durften Juden umsiedeln und sich an einem Ort ihres Wunsches

niederlassen, wovon diese regen Gebrauch machten. Weite Teile des späteren oströmischen

Gebietes wurden von Juden besiedelt, so z.B. die Schwarzmeerküste Kleinasiens, die

Küstengebiete und Inseln der Ägäis, Ägypten, syrische Gebiete, die fruchtbaren Gebiete um

Euphrat und Tigris bis hin zur arabischen Halbinsel.2 Auch in weit entfernten Regionen des

Mittelmeeres entstanden jüdische Gemeinden, denen in späterer Zeit eine große Bedeutung in

vielerlei Hinsicht zufallen sollte, wie z. B. auf der iberischen Halbinsel, auf dem Gebiet des

heutigen Italien, an der nördlichen Schwarzmeerküste und natürlich auch in Mittel-, Nord-

und Osteuropa.

So frei sich der römische Staat gab, so problematisch gestaltete sich doch das Zusammenleben

zwischen Juden und der örtlichen Bevölkerung, besonders der zumeist griechischen

Bevölkerung in der östlichen Mittelmeerregion, welche regelmäßig offene Verachtung

gegenüber den Andersgläubigen an den Tag legten. Schon früh beschrieben hellenistische

Schriftsteller die Juden als schmutzige Gesindel, derer sich die Ägypter vor langer Zeit hätten

entledigt.3 Und zu jener Zeit machte auch zum ersten Mal das Ritualmordgerücht4 die Runde,

welches später in weiten Teilen Europas als Vorwand für grausame Verfolgung dienen sollte.5

1 Stern, Menahem, Die Zeit des Zweiten Tempels, in: Geschichte, Von den Anfängen bis zum 7. Jahrhundert,

Erster Band, München, hg. Haim Hillel, Ben-Sasson, (4. Aufl. 1994), S. 231 ff.

2 Ebd.

3 Ebd.

4 Ebd.

5 Ebd.

4


Die Juden wurden als blutrünstige Mörder beschrieben, die Menschenblut für ihre religiösen

Rituale benutzten.

Die zu jener Zeit als tolerant einzustufende Haltung des Römischen Reiches gegenüber den

Juden, welche ca. 10 % der Gesamtbevölkerung des Reiches stellten6 endete mit der

Christianisierung des Imperiums, welche zu Beginn des vierten Jahrhunderts n. Chr. ihren

Anfang nahm.7 Frühchristlich-antijudaistische Tendenzen, welche besonders auf der den

Juden vorgeworfenen Kollaboration mit den römischen Behörden bei der Tötung Jesu′ und

auch auf die Skepsis und den Widerstand der Juden gegenüber den Neuchristen in den darauf

folgenden Jahrhunderten beruhte wurden übernommen. Auch judenfeindlich-hellenistische

Ansichten wurden dabei mehr und mehr Bestandteil der Überzeugungen der Herrschenden

und mündeten schon sehr früh in Intoleranz und Unterdrückung.

Juden wurden zu Menschen zweiter Klasse erklärt mit weit reichenden Folgen, und sowohl

römisches Reichsrecht als auch kanonisches Recht suchte jüdisches Leben in einer Art

,,Gleichgewicht zwischen Repression und Toleranz"8 zu bestimmen. Dieses Unterfangen

äußerte sich darin, dass es Juden nicht mehr gestattet war administrativen oder militärischen

Berufen nachzugehen, zu missionieren bzw. andersgläubige zum Judentum zu bekehren oder

gar Beziehungen mit Christen einzugehen.9 So wie die Christianisierung an sich, so war auch

die Unterordnung jüdischen Glaubens und auch aller anderen Glaubensrichtungen unter die

offizielle Religion des Römischen Reichs Sache des Reiches und wurde kraft staatlicher

Autorität vorangetrieben und durchgesetzt. Zugleich aber wollte man das Überleben des

Judentums sichern, da die Existenz des israelischen Volkes als Beweis dazu dienen sollte,

dass der monotheistische Gott Israels seine Gnade vom ,,alten Israel" auf das ,,neue Israel"

übertragen hatte.10 Dieser Umstand hielt jedoch Teile der Bevölkerung nicht davon ab Juden

zu verteufeln, zu vertreiben oder gar immer wieder zu verfolgen und zu töten.11

Die Haltung des im 4. Jahrhundert entstandenen Oströmischen Reiches ging in ihrer

restriktiven Haltung gegenüber der jüdischen Bevölkerung wesentlich weiter. Wurde zunächst

christlich-römisches Judenrecht übernommen, so wurde bereits kurze Zeit später durch

mehrere Bestimmungen das Fundament für staatliche Unterdrückung, Vertreibung und

Verfolgung von Juden gelegt, die bis zum Untergang des Reiches im 15. Jahrhundert anhalten

sollte.

6 Ebd.

7 Sharf, Andrew: Byzantine Jewry, from Justinian to the Fourth Crusade. London 1971, S. 19 ff.

8 Cohen, Mark R.: Unter Kreuz und Habmond. Die Juden im Mittelalter. München, 2005, S. 54 f.

9 Sharf, Andrew: Byzantine Jewry, from Justinian to the Fourth Crusade, S. 20.

10 Bowman, Steven: Der Balkan bis zum 15. Jahrhundert, in: Handbuch zur Geschichte der Juden in Europa,

Band 1, Länder und Regionen, hrsg. v. Kotowski, Schoeps, Wallenborn, Potsdam 2001, S. 288.

11 Sharf, Andrew: Byzantine Jewry, from Justinian to the Fourth Crusade, S. 2 ff.

5


Beginnend mit dem Edikt von Kaiser Arkadius bereits 395 n. Chr. sollten sich die

Lebensumstände der Juden im Byzantinischen Reich von Jahrhundert zu Jahrhundert

verschlechtern. Dabei war die Haltung der byzantinischen Herrscher gegenüber der jüdischen

Minderheit, anders als die der römischen Machthaber, deren Haltung mehrheitlich politisch

geprägt war im Wesentlichen von religiösem Übereifer, Fanatismus und Intoleranz geprägt.12

Den Juden wurde schon sehr früh das Recht auf freie Wahl der Wohngegend entzogen, das

Recht auf freie Berufswahl untersagt und insbesondere und zu aller erst das Recht auf

Ausübung ihrer Religion erschwert und von Zeit zu Zeit auch verwährt.13 Ziel der

Reichsherrscher war es, eine kulturelle und auch eine religiöse Homogenität herzustellen.14

Früchte trug diese Bemühung im Hinblick auf die Hellenisierung der jüdischen Gemeinden,

die sowohl sprachlich als auch kulturell gelang. Jedoch gelang dies nie vollständig in

religiöser Hinsicht.15

Weite Teile der jüdischen Bevölkerung wurden vertrieben, waren der öffentlichen Verfolgung

ausgesetzt, wurden gezwungen in Massenkonvertierungen den Glauben zu wechseln, wurden

je nach Gutdünken umgesiedelt und waren über 1000 Jahre lang der Willkür der Kaiser und

der herrschenden christlich-orthodoxen Elite ausgesetzt. Das Schicksal der jüdischen

Bevölkerung unter byzantinischer Herrschaft war dabei immer eng verknüpft mit dem

Konflikt zwischen dem sich zu Beginn des Mittelalters zunächst ausbreitenden Reich und

dem katholischen Europa einer seit, und dem Konflikt zwischen dem im Hochmittelalter

schwächer werdenden Reich und den arabisch-islamischen, später türkisch-islamischen

Mächten andererseits.

Zwar gibt es einige Phasen, in denen jüdisches Leben zur Ruhe kommt und sogar zeitweilig

sich entfalten kann, doch kann man die byzantinische Herrschaft durchgehend als eine

judenfeindliche Herrschaft bezeichnen, dessen Ziel oftmals die Vertreibung, Verfolgung und

Auslöschung jüdischen Lebens innerhalb ihren Grenzen war.

Das Resultat jahrhunderte langer Verfolgung war, dass von den tausenden Juden auf dem

Balkan und Kleinasien, die es noch unter römischer Herrschaft dorthin verschlagen hatte und

die sich dort angesiedelt hatten kaum noch welche auf dem Lande und nur noch wenige in den

Städten gab als die Osmanen im 14. und 15. Jahrhundert die Gebiete eroberten.16

12 Ebd., S. 21f.

13 Ebd.

14 Ebd., S. 43.

15 Lewis, Bernard: Die Juden in der islamischen Welt. Vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. München

2004, S. 73 f.

16 Shaw, Stanford. J.: The Jews of the Ottoman Empire and the Turkish Republic. London 1991, S. 25.

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