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NOLLYWOOD - Von den Volksopern des klassischen Yoruba-Wandertheaters zu den Seifenopern der nigerianischen Videofilmindustrie

Scholary Paper (Seminar), 2004, 17 Pages
Author: Daniel Seiffert
Subject: African Studies

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2004
Pages: 17
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V112982
ISBN (E-book): 978-3-640-13296-6

File size: 88 KB

Abstract

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem rasanten Aufstieg der nigerianischen Video-Film Industrie. Das „Phänomen Nigeria“ erntet in cinophilen Kreisen bis heute ungläubiges Staunen – freilich mehr und mehr begleitet von respektvollem Kopfnicken. Ob nun milde belächelt oder wohlwollend mit dem Neologismus Nollywood versehen, man schaut nicht mehr nur im anglophonen Afrika mit allerlei Interesse auf die blühende Videofilmindustrie von Lagos. Nach nur mehr 15 Jahren, seit dem Aufkommen erster Videoproduktionen Ende der 80er, sind es mittlerweile 1200 Titel jährlich, die die 120 Millionen Einwohner zählende Nation im Westen des Kontinents zu einer der bedeutendsten Filmproduktionsstätten weltweit machen. Die „Zelluloidgiganten“ USA und Indien wurden dieses Jahr erstmals quantitativ abgehängt. Der unablässig wachsende, hauptsächlich auf den heimischen Bedarf ausgerichtete Markt kann als Rollenmodell für den gesamten englischsprachigen Raum des Kontinents gelten. Ghana und Kenia versuchen schon jetzt mit Produktionsfirmen aus Lagos Stars und Stories auszutauschen und mithin das nigerianische Erfolgsmodell zu adaptieren. Die mehr als 45 Millionen Videorekorder schreien regelrecht nach immer neuer Fütterung durch aktuelle Produktionen, die in immer atemberaubender werdenden Abständen, ihren Weg in die überfüllten Verschläge auf den Hinterhöfen oder hinter die Tresen der zahllosen Kneipen in den urbanen Zentren finden. Entstanden ist innerhalb kürzester Zeit ein Verbund von Produzenten, Filmemachern, Kassettenverleihern, Zeitungen, Kritikern, Filmvorführern und Raubkopierern. An der Spitze dieser originär afrikanischen Distributionsmechanismen stehen die so genannten marketers (Schieber). Sie sitzen in den Schlüsselpositionen einer ökonomischen Struktur, „die auf der Straße und für die Strasse entstanden ist“. Die chronische Unsicherheit, die in den großen Metropolen Südnigerias – vor allem in Lagos – abends auf den Strassen herrscht, hat die Entwicklung dieses audiovisuellen Marktes begünstigt. Nicht zu letzt in diesem Zusammenhang soll ein besonderes Augenmerk auf den sozio-ökonomischen Kontext gelegt werden, der als fruchtbarer Nährboden für den enormen Erfolg dieses Bilder bewegten Teils afrikanischer Populärkultur zu begreifen ist. Hierbei wird der Übergang von kostspieligen Zelluloid-Produktionen hin zu billig produzierten und vor allem zu reproduzierbaren Videofilmen ebenso Eingang in die Darstellung finden, wie der spezielle Einfluss der oralen afrikanischen Erzähltraditionen, insbesondere des Yoruba-Wandertheaters. Jenes bildet in der etwa zwanzig jährigen Geschichte nigerianischer Filmproduktion ein tragendes Element. Bis heute dominieren die Yoruba die nigerianische Videoproduktion – zumindest zahlenmäßig. Auch wenn für sie das Video zunächst nichts weiter war als eine schnelle und billige Methode, ihrem Theaterpublikum audiovisuelles Material darzubieten. Demgegenüber gelten die Ibo-Geschäftsleute als die ersten, die das außerordentliche Marktpotential erkannten und entsprechend bis heute weithin die Distributionskanäle beherrschen. Auch in den behandelten Sujets, Anleihen und Stilistiken lassen sich merkliche Unterschiede zwischen Yoruba-, Ibo- und Hausa-Produktionen ausmachen. Insofern liegt die Stärke der in Ästhetik und Erzählmotiven nach filmkritischen Gesichtspunkten nicht immer gänzlich überzeugenden Videos in ihrem Potential, uns etwas über die Gesellschaften zu erzählen, in denen sie gleichsam produziert wie konsumiert werden. Da es uns nicht immer vorbildlich gelingen mag, die westliche Brille für den klaren, ungetrübten Blick vom Nasenbein zu schieben, liegt in diesem Punkt vielleicht das ganz besondere Vergnügen solch einer filmischen Entdeckungsreise.


Excerpt (computer-generated)

Humboldt Universität zu Berlin

Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

Seminar für Afrikawissenschaften

SS 2004

Proseminar im Bereich Literatur

Einführung in die Afrikanischen Literaturen

NOLLYWOOD
Von den Volksopern des klassischen Yoruba-Wandertheaters zu den
Seifenopern der nigerianischen Videofilmindustrie

Daniel Seiffert
HF: Politologie (Universität Potsdam), 7. FS
1.NF: Medienwissenschaften (Universität Potsdam), 7. FS
2.NF: Afrikawissenschaften, 4. FS

 


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung 3
II. Hauptteil 5
II.1 Der Video-Boom als kulturelle Antwort auf die gesamtgesellschaftliche Krise 5
II.2 Hollywood + Bollywood = Nollywood!? ­ Die Videos als Beispiel für Creolization 6
II.3 Die Videos als Element der African Popular Arts und in Konkurrenz zum ,,Dritten Kino" 7
II.4 Von der Strasse für die Strasse: Formale Schwächen und die Identität stiftende Stärke der Yoruba-Videos 8
II.5 Die Ibos und der Video-Boom ­ Auch im Film regiert das Geld die Ibo-Welt 11
II.6 Züchtiges aus dem hohen Norden ­ die aufstrebende Hausa-Videoproduktion 12
III. Fazit 14
IV. Bibliographie 16

2

 


I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem rasanten Aufstieg der nigerianischen Video-Film Industrie. Das ,,Phänomen Nigeria" erntet in cinophilen Kreisen bis heute ungläubiges Staunen ­ freilich mehr und mehr begleitet von respektvollem Kopfnicken. Ob nun milde belächelt oder wohlwollend mit dem Neologismus Nollywood versehen, man schaut nicht mehr nur im anglophonen Afrika mit allerlei Interesse auf die blühende Videofilmindustrie von Lagos. Nach nur mehr 15 Jahren, seit dem Aufkommen erster Videoproduktionen Ende der 80er, sind es mittlerweile 1200 Titel jährlich, die die 120 Millionen Einwohner zählende Nation im Westen des Kontinents zu einer der bedeutendsten Filmproduktionsstätten weltweit machen. Die ,,Zelluloidgiganten" USA und Indien wurden dieses Jahr erstmals quantitativ abgehängt. Der unablässig wachsende, hauptsächlich auf den heimischen Bedarf ausgerichtete Markt kann als Rollenmodell für den gesamten englischsprachigen Raum des Kontinents gelten. Ghana und Kenia versuchen schon jetzt mit Produktionsfirmen aus Lagos Stars und Stories auszutauschen und mithin das nigerianische Erfolgsmodell zu adaptieren. Die mehr als 45 Millionen Videorekorder schreien regelrecht nach immer neuer Fütterung durch aktuelle Produktionen, die in immer atemberaubender werdenden Abständen, ihren Weg in die überfüllten Verschläge auf den Hinterhöfen oder hinter die Tresen der zahllosen Kneipen in den urbanen Zentren finden. Entstanden ist innerhalb kürzester Zeit ein Verbund von Produzenten, Filmemachern, Kassettenverleihern, Zeitungen, Kritikern, Filmvorführern und Raubkopierern. An der Spitze dieser originär afrikanischen Distributionsmechanismen stehen die so genannten marketers (Schieber). Sie sitzen in den Schlüsselpositionen einer ökonomischen Struktur, ,,die auf der Straße und für die Strasse entstanden ist". Die chronische Unsicherheit, die in den großen Metropolen Südnigerias ­ vor allem in Lagos ­ abends auf den Strassen herrscht, hat die Entwicklung dieses audiovisuellen Marktes begünstigt. Nicht zu letzt in diesem Zusammenhang soll ein besonderes Augenmerk auf den sozioökonomischen Kontext gelegt werden, der als fruchtbarer Nährboden für den enormen Erfolg dieses Bilder bewegten Teils afrikanischer Populärkultur zu begreifen ist. Hierbei wird der Übergang von kostspieligen Zelluloid-Produktionen hin zu billig produzierten und vor allem zu reproduzierbaren Videofilmen ebenso Eingang in die Darstellung finden, wie der spezielle Einfluss der oralen afrikanischen Erzähltraditionen, insbesondere des Yoruba-Wandertheaters. Jenes bildet in der

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etwa zwanzig jährigen Geschichte nigerianischer Filmproduktion ein tragendes Element. Bis heute dominieren die Yoruba die nigerianische Videoproduktion ­ zumindest zahlenmäßig. Auch wenn für sie das Video zunächst nichts weiter war als eine schnelle und billige Methode, ihrem Theaterpublikum audiovisuelles Material darzubieten. Demgegenüber gelten die Ibo-Geschäftsleute als die ersten, die das außerordentliche Marktpotential erkannten und entsprechend bis heute weithin die Distributionskanäle beherrschen. Auch in den behandelten Sujets, Anleihen und Stilistiken lassen sich merkliche Unterschiede zwischen Yoruba-, Ibo- und Hausa-Produktionen ausmachen. Insofern liegt die Stärke der in Ästhetik und Erzählmotiven nach filmkritischen Gesichtspunkten nicht immer gänzlich überzeugenden Videos in ihrem Potential, uns etwas über die Gesellschaften zu erzählen, in denen sie gleichsam produziert wie konsumiert werden. Da es uns nicht immer vorbildlich gelingen mag, die westliche Brille für den klaren, ungetrübten Blick vom Nasenbein zu schieben, liegt in diesem Punkt vielleicht das ganz besondere Vergnügen solch einer filmischen Entdeckungsreise.

Filmproduktion in Nigeria: Dezember 1994 ­ Mai 19981 1

1 Quelle: Africa′s video alternative, The UNESCO Courier, http://www.unesco.org./courir/1998_11/uk/signes/txt1.htm. 18.06.2004.

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