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Das Verhalten der Herrscher zu den Ausschreitungen gegenüber den Juden im Ersten Kreuzzug

Autor: Anonym
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit

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Details

Veranstaltung: Der Erste Kreuzzug und das mittelalterliche Aschkenas
Institution/Hochschule: Universität Potsdam (Historisches Institut)
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 18
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 15  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 98 KB
Archivnummer: V113118
ISBN (E-Book): 978-3-640-13324-6

Zusammenfassung / Abstract

Am 27. November 1095 hielt Papst Urban II. zum Abschluss des Konzils von Clermont eine Rede, die letztendlich den Ersten Kreuzzug auslösen sollte und vor allem den Juden im Rheinland ein Jahr der Bedrohung und des Todes bescherte. In dieser Arbeit geht es nun vor allem darum zu zeigen, wie die kirchlichen und weltlichen Herrscher auf die Ausschreitungen gegenüber den Juden reagiert haben. Hierzu soll erst einmal die rechtliche Situation der Juden im Vorfeld des Kreuzzuges dargestellt werden, um zu sehen, von wem die Juden Schutz zu erwarten hatten. Anschließend wird dann betrachtet, ob bzw. wie Kaiser und Kirche versuchten, die Juden zu beschützen und Ausschreitungen zu verhindern. Diese Ausschreitungen betrafen nicht das ganze Land, sondern beschränkten sich auf einige Städte vor allem im Rheinland. Dieses waren Trier, Speyer, Worms, Mainz und Köln. Deshalb wird im fünften Teil der Arbeit der Ablauf der Ausschreitungen in den einzelnen Städten kurz beschrieben. Zudem steht im fünften Teil das Verhalten der Bischöfe als lokale Herrscher dieser Städte im Vordergrund, d.h. wie sie auf die Angriffe gegen die Juden reagierten. Im nächsten Teil soll dann, bevor am Ende der Arbeit ein Fazit gezogen wird, noch ein Ausblick auf den Zweiten Kreuzzug geworfen und herausgearbeitet werden, ob es Unterschiede im Verhalten gegenüber den Juden gab. Wichtig ist sicherlich noch, dass die Angriffe auf die Juden nicht von den eigentlichen Kreuzfahrerheeren ausgingen, die ihren Aufbruch für den 15. August 1096 festgelegt hatten. Zu dieser Zeit waren die jüdischen Gemeinden im Rheinland aber schon zu großen Teilen zerstört, denn vorher waren große Scharen in Belgien, Frankreich und dem Rheinland aufgebrochen, die für die Ausschreitungen verantwortlich waren. Hierbei handelte es sich um den so genannten Bauern- bzw. Volkskreuzzug, dessen Heere sich meistens um selbsternannte Führer, wie Peter den Einsiedler oder den Grafen Emicho, sammelten. Diese Heere bildeten große Züge, die kaum organisiert waren. Für die Ausschreitungen des Jahres 1096 stehen uns vor allem drei hebräische Quellen zur Verfügung, auf die sich fast die komplette Sekundärliteratur stützt, die hier verwendet wurde. Dieses sind die Berichte des Mainzer Anonymus, von Solomon ben Simson und Rabbi Eliezer ben Nathan.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Potsdam

Historisches Institut

Proseminar: Der Erste Kreuzzug und das mittelalterliche Aschkenas

Sommersemester 2004

Das Verhalten der Herrscher

zu den Ausschreitungen gegenüber den Juden

im Ersten Kreuzzug


Inhaltsverzeichnis


1. Einleitung 1

2. Die rechtliche Stellung der Juden 2

3. Das Verhalten der Kirche 4

4. Das Verhalten Kaiser Heinrichs IV 5

5. Der Ablauf der Ausschreitungen und das Verhalten der Bischöfe in den einzelnen Städten 7

5.1 Trier 7

5.2 Speyer 8

5.3 Worms 9

5.4 Mainz 9

5.5 Köln 11

6. Unterschiede im Zweiten Kreuzzug 12

7. Fazit 13

8. Literaturverzeichnis 15


1. Einleitung

Am 27. November 1095 hielt Papst Urban II. zum Abschluss des Konzils von Clermont eine

Rede, die letztendlich den Ersten Kreuzzug auslösen sollte und vor allem den Juden im

Rheinland ein Jahr der Bedrohung und des Todes bescherte. In dieser Arbeit geht es nun vor

allem darum zu zeigen, wie die kirchlichen und weltlichen Herrscher auf die Ausschreitungen

gegenüber den Juden reagiert haben. Hierzu soll erst einmal die rechtliche Situation der Juden

im Vorfeld des Kreuzzuges dargestellt werden, um zu sehen, von wem die Juden Schutz zu

erwarten hatten. Anschließend wird dann betrachtet, ob bzw. wie Kaiser und Kirche

versuchten, die Juden zu beschützen und Ausschreitungen zu verhindern. Diese

Ausschreitungen betrafen nicht das ganze Land, sondern beschränkten sich auf einige Städte

vor allem im Rheinland. Dieses waren Trier, Speyer, Worms, Mainz und Köln. Deshalb wird

im fünften Teil der Arbeit der Ablauf der Ausschreitungen in den einzelnen Städten kurz

beschrieben. Zudem steht im fünften Teil das Verhalten der Bischöfe als lokale Herrscher

dieser Städte im Vordergrund, d.h. wie sie auf die Angriffe gegen die Juden reagierten. Im

nächsten Teil soll dann, bevor am Ende der Arbeit ein Fazit gezogen wird, noch ein Ausblick

auf den Zweiten Kreuzzug geworfen und herausgearbeitet werden, ob es Unterschiede im

Verhalten gegenüber den Juden gab.

Wichtig ist sicherlich noch, dass die Angriffe auf die Juden nicht von den eigentlichen

Kreuzfahrerheeren ausgingen, die ihren Aufbruch für den 15. August 1096 festgelegt hatten.

Zu dieser Zeit waren die jüdischen Gemeinden im Rheinland aber schon zu großen Teilen

zerstört, denn vorher waren große Scharen in Belgien, Frankreich und dem Rheinland

aufgebrochen, die für die Ausschreitungen verantwortlich waren. Hierbei handelte es sich um

den so genannten Bauern- bzw. Volkskreuzzug, dessen Heere sich meistens um selbsternannte

Führer, wie Peter den Einsiedler oder den Grafen Emicho, sammelten. Diese Heere bildeten

große Züge, die kaum organisiert waren.

Für die Ausschreitungen des Jahres 1096 stehen uns vor allem drei hebräische Quellen zur

Verfügung, auf die sich fast die komplette Sekundärliteratur stützt, die hier verwendet wurde.

Dieses sind die Berichte des Mainzer Anonymus, von Solomon ben Simson und Rabbi Eliezer

ben Nathan. Robert Chazan ordnet diese Quellen so ein, dass die Berichte des Mainzer

Anonymus und von Solomon ben Simson unabhängig voneinander sind, aber sich auf

dieselben Berichte über die Verfolgung in Mainz stützen. Die Chronik von Rabbi Eliezer ben

Natahan ist eine kurze Version des längeren Berichts von Solomon ben Simson. Die beste und

möglicherweise früheste Quelle ist die des Mainzer Anonymus. Alle drei sind parteiisch

zugunsten der Juden, aber die Ereignisse sind genau berichtet. So spricht die Detailliertheit

1


und Diversifiziertheit der Berichte von Solomon ben Simson und des Mainzer Anonymus für

ihre Zuverlässigkeit.1

2. Die rechtliche Stellung der Juden

Bis zu den Kreuzzügen sind wir über die rechtliche Situation der Juden nur sehr unvollständig

unterrichtet, aber sie scheinen genauso wie alle anderen Einwohner behandelt worden zu sein,

d.h. auch sie waren den Bischöfen und den kaiserlichen Beamten unterworfen. Von einer

besonderen Abhängigkeit aller Juden zum Kaiser ist nichts bekannt.2 Der rechtliche Schutz

erfolgte durch Privilegien, die aber nicht für die Juden im ganzen Reich galten, sondern nur

für Einzelpersonen bzw. einzelne Gemeinden. Vor dem Ersten Kreuzzug sind uns zwei

Privilegien bekannt. Das erste ist ein Privileg des Bischofs Rüdiger von Speyer von 1084 für

die Juden seiner Stadt. Das zweite wurde 1090 von Kaiser Heinrich IV. für die Juden von

Speyer und Worms erteilt. Ein Fehlen von Privilegien für andere Gemeinden bedeutet aber

nicht, dass die Juden dort schutzlos waren. Aber man kann aufgrund des Fehlens auch nicht

davon ausgehen, dass es ein allgemeines Judenrecht gab, denn je nach lokalen Gegebenheiten

waren es unterschiedliche politische Gewalten, die aus eigener Macht- bzw. Machtverleihung

den Judenschutz ausübten. Dieses geschah meist gegen Zahlungen der Juden.3 Das Fehlen

weiterer Privilegien bedeutet auch nicht, dass es keine weiteren gab, sondern sie sind uns

möglicherweise nur nicht bekannt. So vermutet Sara Schiffmann ein Privileg für die Mainzer

Gemeinde aufgrund ihrer großen Bedeutung. Außerdem übernahm es die Mainzer Gemeinde,

einen Gesandten zum Kaiser nach Italien zu schicken, um diesen um Schutz zu bitten. Was

auch dafür spricht, dass die Mainzer Gemeinde ein Privileg hatte. Alle nicht privilegierten

Juden genossen nur den allgemeinen Königsschutz als Fremde. Sie waren somit vom guten

Willen des Kaisers abhängig, sie im Notfall zu beschützen.4

Nun möchte ich noch einmal etwas genauer auf die Privilegien von Speyer und Worms

eingehen, da es hier einen interessanten Unterschied gibt. Dieser besteht darin, dass in Worms

die Juden direkt Heinrich IV. unterstanden, wohingegen in Speyer der Bischof neben dem

Kaiser noch gewisse Rechte hatte, z.B. ist er der Gerichtsherr, und der Vorsteher der

Gemeinde ist ihm unterstellt. Dieser Unterschied ist als politische Folge des Investiturstreites

1Vgl. Chazan, Robert, European Jewry and the First Crusade, Berkeley 1987, S.41ff.

2 Vgl. Stobbe, Otto, Die Juden in Deutschland während des Mittelalters in politischer, sozialer und rechtlicher

Beziehung, Amsterdam 1968, S.8

3 Vgl. Toch, Michael, Die Juden im mittelalterlichen Reich, München 1998, S.46.

4 Vgl. Schiffmann, Sara, Heinrich IV. und die Bischöfe in ihrem Verhalten zu den deutschen Juden zur Zeit des

ersten Kreuzzuges, Berlin 1931, S.22f.

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