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Seminararbeit, 2008, 17 Seiten
Autor: Florian May
Fach: Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde
Details
Institution/Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Romanistik)
Tags: Analyse, Orillas“, Carlos, Fuentes, Kurzgeschichte, Jahrhunderts
Jahr: 2008
Seiten: 17
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 10 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-640-13331-4
ISBN (Buch): 978-3-640-13497-7
Dateigröße: 121 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Im Jahre 1993 erschien erstmals das Werk El Naranjo von Carlos Fuentes. Es besteht aus fünf Kapiteln, von denen „Las dos orillas“ das erste darstellt. Die darin enthaltenen Übersetzerfiguren sollen in der vorliegenden Arbeit analysiert werden. Dabei soll der Schwerpunkt auf das Übersetzungskonzept der Figuren, sowie auf deren Missbrauch ihres Berufs gelegt werden. Darüber hinaus werden die Aspekte der Übersetzertätigkeit und die mit ihnen verbundene Problematik untersucht, um aufzuzeigen, weshalb der Text ein Musterbeispiel für das Konzept des Traduttore/Traditore gesehen werden kann.
Textauszug (computergeneriert)
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Institut für Romanistik
Sommersemester 2008
PS Übersetzerfiguren in der lateinamerikanischen
Kurzgeschichte des 20. Jahrhunderts
Analyse der Übersetzerfiguren in
,,Las dos Orillas" von Carlos Fuentes
Florian May
6. Fachsemester Magister
Anglistik Literaturwissenschaft/ Iberoromanische Philologie
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Merkmale des Textes 3
2.1 Erzählsituation Perspektive und Erzählweise 3
2.2 Raumzeitliche Situierung der Handlung 5
2.3 Die Übersetzerfiguren als kulturelle Knotenpunkte 6
2.3.1 Jerónimo de Aguilar Die Vorraussetzungen für seine Übersetzertätigkeit 6
2.3.2 Jerónimo de Aguilar Die Übersetzung als Instrument von Verrat und
Manipulation 7
2.3.3 Malinche Übersetzertätigkeit und Loyalität? 8
2.3.4 Jerónimo de Aguilar und Doña Marina Ein Vergleich 10
2.4 Übersetzer in ,,Las dos orillas": Traduttore /Traditore par excellence 13
2.5 Intertextualität 14
3 Fazit 15
Literaturverzeichnis: 16
Primärliteratur: 16
Sekundärliteratur: 16
2
1 Einleitung
Im Jahre 1993 erschien erstmals das Werk
El Naranjo
von Carlos Fuentes. Es besteht aus
fünf Kapiteln, von denen ,,Las dos orillas" das erste darstellt.
Die darin enthaltenen Übersetzerfiguren sollen in der vorliegenden Arbeit analysiert werden.
Dabei soll der Schwerpunkt auf das Übersetzungskonzept der Figuren, sowie auf deren
Missbrauch ihres Berufs gelegt werden. ,,Las dos orillas" ist in elf Abschnitte eingeteilt, die
numerisch nicht steigen sondern abnehmen. Als Konsequenz ergibt sich die Zahlenfolge zehn
bis null.
Diese wurde deshalb gewählt, um den Text parallel zu seinem Inhalt als Spiegelbild der
Geschichtsschreibung und der damit verbundenen aufsteigenden Zahlenfolge erscheinen zu
lassen (vgl. Mac Adam 1996, S. 436).
Bei dem Protagonisten handelt es sich um Jerónimo de Aguilar, den es als historische Person
gegeben hat. Fuentes lässt diesen die Geschichte der Eroberung Mexikos aus dessen
Sichtweise erzählen, welche historische Ereignisse mit fiktionalen verbindet. Im Verlauf
dieser Arbeit soll bewiesen werden, dass die Übersetzertätigkeit in ,,Las dos orillas" ein Mittel
zur Manipulation darstellt. Darüber hinaus werden die Aspekte der Übersetzertätigkeit und
die mit ihnen verbundene Problematik untersucht, um aufzuzeigen, wieso der Text ein
Musterbeispiel für das Konzept des Traduttore/Traditore gesehen werden kann.
2 Merkmale des Textes
2.1 Erzählsituation Perspektive und Erzählweise
In ,,Las dos orillas" wird die Handlung durch einen aus der internen Perspektive sprechenden
Ich-Erzähler beschrieben. Bereits der erste Absatz beginnt mit dem Satz ,,Yo ví todo esto"
(Fuentes 2003, S. 11), was die erste Person Singular auffällig markiert, da es im Spanischen
nicht zwingend notwendig gewesen wäre, bei einer Verbform das zugehörige
Personalpronomen voranzustellen. Aber durch die Benutzung des Pronomens ,,Yo" wird die
erste Person Singular von ,,ví" nochmals betont. Diese Erzählperspektive ist im Text ebenfalls
stark markiert, so beginnen mehrere der 10 Absätze mit einem Satz, welcher die erste Person
Singular des Erzählers markiert und daher dem Leser dessen Präsenz hervorhebt.
Der Erzähler bleibt nicht anonym, sondern verrät auf Seite fünfzehn seinen Namen: ,,Yo,
Jerónimo de Aguilar [...]". Des Weiteren erfährt man von ihm, dass er zwar schon tot sei,
,,Yo acabo de morir de bubas", aber dennoch aus seinem Grab heraus seine Geschichte erzählt
(Fuentes 2003, S. 11). Mehrmals wird die fiktive Leserschaft vom Erzähler direkt
angesprochen: ,,lector" (Fuentes 2003, S. 30); ,,Ved así, lectores, auditores [...]" (2003, S.
3
13). Interessanterweise gibt es bei der Analyse der Erzählsituation durch verschiedene
Autoren der Sekundärliteratur abweichende Ergebnisse, deren Diskrepanz auf folgende
Textstelle zurückzuführen ist: ,,Me quiero despedir del mundo [...] Pero mis ojos no llegan a
cerrarse en paz, pensando [...]" (2003, S. 15). Dies steht im groben Kontrast zu der früheren
Aussage ,,Yo acabo de morir de bubas" und ,, [...] en esta ocasión se escriben desde la
muerte" (2003, S. 11;30). Goytisolo analysiert diese zwei Aussagen dahingehend, dass der
Leser mit zwei Erzählpositionen konfontriert wird: der des toten, und der des im Sterben
liegenden Aguilar (vgl. Fuentes 2003, S. 76). Er bemerkt hierzu:
Ya muerto, ya agonizante, el narrador circula de uno a otro mundo [...] con
la misma facilidad y ligereza con las que nos vemos y actuamos en los
sueños [...] La identidad del narrador a veces pluma, a veces voz [...]
(1995, S. 75f.).
Zusätzlich zur Erzählperspektive erkennt Goytisolo daher eine Diskrepanz in der Erzählweise
der im Sterben Liegende erzählt, der tote Aguilar schreibt.
Dieser Kontrast ist in den folgenden Textstellen deutlich nachvollziehbar:
Mirad, sin embargo, lo que son las ironías de la historia (2003, S. 15).
Esta pregunta, lector, me obliga a una pausa reflexiva antes de que los
acontecimientos, una vez más, se precipiten, siempre más veloces que la pluma del
narrador, aunque en esta ocasión se escriban desde la muerte (2003, S. 30).
Goytisolos Interpretation ist jedoch umstritten; so trifft etwa de Toro diese Unterscheidung
nicht, sondern sieht den Erzähler trotz des obigen Zitats als permanent tot an (vgl. de Toro 94,
S. 7). Jedoch lässt sich Goytisolos These durch das Argument stützen, dass sowohl die
Textstellen, die den Erzähler als tot deklarieren, wie auch die oben angeführten Zitate, welche
diesen als sterbend bezeichnen, im Präsens stehen. Beide Aussagen heben sich dadurch von
der der erzählten Zeit ab und nehmen denselben Stellenwert auf der Ebene des Erzählens ein.
Die Unterscheidung von Goytisolo erscheint deswegen logisch und soll in dieser Arbeit
übernommen werden.
Die Erzählperspektive und die ihr zugehörige Erzählweise zieht sich folglich nicht homogen
durch den Text, sondern beide wechseln die Erzählperspektive zwischen einem toten und
einem lebenden Aguilar und die Erzählweise zwischen Schreiben und Erzählen. Folglich
besitzt die Kurzgeschichte drei temporal-versetzte Ebenen, von denen die ersten beiden durch
die zwei erzählenden Ichs realisiert werden. Beide sprechen im Präsens von sich und wenden
sich mehrmals direkt im Imperativ an den fiktiven Leser: ,,Mirad [...]" und ,,Ved así lectores,
auditores [...]" (Fuentes 2003, S. 15; 13). Der Text wirkt daher wie eine unmittelbare
Erzählung an diesen.
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