Bitte warten
Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.
Hauptseminararbeit, 2001, 32 Seiten
Autor: Jochen Fischer
Fach: Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Details
Institution/Hochschule: Philipps-Universität Marburg (Institut für Neuere deutsche Litertaur und Medien)
Tags: Kafka; Orson Welles
Jahr: 2001
Seiten: 32
Note: 1-2
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-17510-4
Dateigröße: 311 KB
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Textauszug (computergeneriert)
Die Raumstruktur in Franz Kafkas Roman
„Der Proceß“ und Orson Welles Verfilmung „Le procès“
von Jochen Fischer
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der Roman „der Proceß“
2.1. Handlungsstruktur
2.2. Rezeption: Traum oder Realität?
3. Der Film „Le procès“
3.1. Erzählstruktur
3.2. Filmische Stilmittel:
spezifische Methoden von Orson Welles
3.3. Interpretation und Kritik
4. Raumstruktur in Roman und Film
4.1. Die Konstruktion der Räume
4.1.1. Franz Kafkas Roman
4.1.2. Die Verfilmung von Orson Welles
5. Fazit 26
6. Quellen 29
7. Literatur 29
1. Einführung
In der folgenden Arbeit soll versucht werden, über die Analyse der Struktur und der Darstellung des Raumes einen Interpretationszugang zu Franz Kafkas Roman „Der Proceß“1 von 1914 - 1916 und dessen Verfilmung2 von Orson Welles aus dem Jahr 1962 zu finden. Da beide Werke eigenständige und nicht nur durch ihr Medium bedingt, verschiedenartige Kunstwerke darstellen3, muss dies auch in der Interpretation Geltung finden. Deshalb wird zunächst der Roman und im Anschluss daran der Film behandelt.
Eine Schwierigkeit der Adaption eines literarischen Werkes4, ist die Umsetzung, der im Roman durch unterschiedliche Erzählformen möglichen Darstellungen der Gefühlswelten der Protagonisten. Dieser medienspezifischen Herausforderung gerecht zu werden, ist eine der größten Schwierigkeiten einer Literaturverfilmung.5 Wichtig bei der Verfilmung eines literarischen Werkes ist aber zunächst die Entscheidung, inwieweit der Film am Original bleibt. Der Filmtheoretiker André Bazin sieht vor allem in der ästhetischen Entsprechung die Schwierigkeit: „Gerade die Unterschiede in den ästhetischen Strukturen machen die Bemühung um möglichst vollkommene Entsprechungen noch schwieriger. Sie verlangen sowohl mehr Erfindungen als auch mehr Fantasie von dem Regisseur, der sich wirklich um eine werkgetreue Arbeit bemüht.“ 6 Die Adaption eines Romans kann aber immer nur subjektive Interpretation der Vorlage sein, da eine lückenlose Übertragung in ein anderes
Medium aus vielfältigen Gründen nicht möglich ist. Für Bazin ist daher entscheidend, dass der Geist der Literaturvorlage im Film erhalten wird.7
Eine Möglichkeit die nicht sichtbare Ebene der Gefühlswelten und Beziehungen der Figuren untereinander darzustellen, ist sie über Raum, Perspektive oder die Musik zu transportieren. Menschen im Film erlebt man immer innerhalb eines Raumes, den man wiederum in Beziehung zu den Figuren sieht.8 Dabei kann die Raumgestaltung über die Symbolik, die Anordnung der Protagonisten, Beleuchtung und die Darstellung im Bild der Schlüssel zur inneren Handlung der Geschichte sein, die abseits des gesprochenen Wortes liegt. 9. Im folgenden wird nun auf die Gestaltung der Raumstruktur in Franz Kafkas „Der Proceß“ eingegangen, um über diese einen Zugang zur Analyse des Romans zu bekommen. Dabei ist im Hinblick auf die Verfilmung zu überprüfen, ob die von Welles gewählte Deutung des Prozess Romans, als ein angsterfülltes Traumerlebnis, auf die Vorlage zutrifft.10 Im Anschluss daran wird die charakteristische filmische Methodik von Orson Welles erläutert und deren Anwendung im Film analysiert. Dabei ist das Augenmerk vor allem auf die Gestaltung der Raumstrukturen gelegt, um über diese zum Wesen des Werkes zu gelangen. Abschließend geht es darum, inwiefern Welles dem von Bazin geforderten „Geist“ (s.o.) der Literaturvorlage gerecht wird.
2. Der Roman „Der Proceß“
2.1. Handlungsstruktur
[...]
1 Quelle ist das am Originalmanuskript erarbeitete Werk in der Fassung der Handschrift: Franz Kafka: Der Proceß. Roman in der Fassung der Handschrift. Frankfurt a. M. 1999. Im folgenden werden Zitate aus dieser Quelle mit „Der Proceß“ gekennzeichnet.
2 „Le procès“, Frankreich/BRD/Italien 1962. Im folgenden werden Zitate aus dem Film mit „Le procès“ gekennzeichnet. Genaue Angaben in Minuten, wobei „00:00:00“ der Beginn des Prologs ist.
3 Thomas Eigen kommt bei seiner Analyse zwischen Film und Literatur von „der Prozess“ zu dem Schluss, dass es sich bei Orson Welles‘ ‚Le procès‘ um ein „filmisches Kunstwerk [handelt], das dem literarischen in seinem Medium gleichberechtigt gegenübersteht.“ Vgl. Thomas Eigen: „Der Prozess“ (Orson Welles, 1962) – eine Analyse zwischen Film und Literatur, in: Helmut Korte (Hrsg.): Systematische Filmanalyse in der Praxis. HBK 1987. S. 115 – 197, hier S. 182. Im folgenden: Eigen (1987).
4 Ob es sich bei Welles‘ „Le procès“ um eine Adaption handelt, wird noch zu klären sein. Vgl. Kapitel 5.
5 James Monaco sieht die Erfahrung durch den Film im Vergleich zum Roman in dem Punkt als ärmere an, „da die Person des Erzählers sehr viel schwächer ist. [...] Der Film kann sich den Ironien, die der Roman in seiner Erzählform entwickelt, annähern, aber er kann sie niemals nachahmen.“ Vgl. James Monaco: Film verstehen. Hamburg 1999, S.47.
6 André Bazin: Was ist Kino? Bausteine zur Theorie des Films. Köln 1975, S. 59. Im Folgenden: Bazin (1975). 7 „Man kann davon ausgehen, daß in bezug auf Sprache und Stil der Film in einem direkt proportionalen Verhältnis zur Werktreue steht. Aus den gleichen Gründen, aus denen eine Wort-für-Wort-Übersetzung untauglich und auch eine zu freie Übersetzung zu verurteilen ist, muß eine gute Adaption das Original in seiner Substanz nach Wort und Geist wiederherstellen können. Wir wissen aber, daß eine gute Übersetzung eine sehr vertraute Kenntnis der Sprache und des ihr eigenen Geistes erfordert.“ Bazin (1975), S. 59.
8 Vgl. Knut Hickethier: Film- und Fernsehanalyse. Stuttgart 1996, S.72. Im Folgenden: Hickethier (1996).
9 Vgl. Gesine Frey: Der Raum und die Figuren in Franz Kafkas Roman „der Prozess“. Marburg 1965, S. 2. Im Folgenden: Frey (1965).
10 Orson Welles charakterisiert seinen Film folgendermaßen: „Es ist ein Traum... Nun, sie können spezifisch sein, aber einige sind es nicht, und dieser war es nicht, weil das Entsetzliche an der Geschichte ihre besondere Formlosigkeit ist. Sie soll unspezifische Angst wecken, und die Angst ist hier eine Art Traum, aus dem man schweißgebadet und winselnd aufwacht. Und das soll hier erreicht werden, und das ist alles. Der Film ist eine Erfahrung.“ Orson Welles/Peter Bogdanovich: Hier spricht Orson Welles. Weinheim 1994, S.450. Im Folgenden: Welles/Bogdanovich (1994).
Kommentare
Bisher keine Kommentare
Andere Nutzer haben sich auch für folgende Titel interessiert:
Beschreibungen im Film nach Seamour Chatmans What is Description in the Cinema anhand von Kafkas Prozess und dessen Verfilmung von Orson Welles von 1962
Autor: Arik OttGermanistik - Komparatistik, Vergleichende Lit.wiss., 2002 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Ehe als 'wâren minn mit triuwen' - Das Modell der Neigungsehe in Wolfram von Eschenbachs Parzival
Autor: Markus ZügerGermanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, 2000 Als PDF-Datei downloaden für 8,99 EUR
Die Orgelusefigur im "Parzival"
Autor: Christina di BartolomeoGermanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, 2001 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Die Funktion der Krankheitsdarstellung bei Thomas Bernhard
Autor: Vera AllmanritterGermanistik - Neuere Deutsche Literatur, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 8,99 EUR
Die Figur der Kriemhild im Nibelungenlied
Autor: Julia FlüsGermanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, 2006 Als PDF-Datei downloaden für 4,99 EUR
Fachsprachen
Autor: Katharina LangSprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend), 2005 Als PDF-Datei downloaden für 4,99 EUR
Die Figur der Kriemhild im Nibelungenlied
Autor: Claudia FaschingbauerGermanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, 2002 Als PDF-Datei downloaden für 9,99 EUR
Goethes "Italienische Reise"
Autor: Bachelor of Arts Anna SliwaGermanistik - Neuere Deutsche Literatur, 2006 Als PDF-Datei downloaden für 4,99 EUR
Kriemhild - Die Facetten einer Frau
Autor: Britta WertenbruchGermanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, 2004 Als PDF-Datei downloaden für 7,99 EUR
Der Einfluss von Wolframs Minnekonzeption auf Frauengestalten im "Parzival"
Autor: Markus KochGermanistik - ältere Deutsche Literatur, Mediävistik, 2003 Als PDF-Datei downloaden für 5,99 EUR
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden: