Hausarbeit, 2003, 34 Seiten
Autoren: Tim Brüning, Kristin Bönig
Fach: Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
Details
Institution/Hochschule: Universität Bielefeld (Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft)
Tags: Sturm und Drang Aufklärung Natur Genie Regelpoetik Drama Goethe Götz von Berlichingen Pietismus
Jahr: 2003
Seiten: 34
Note: 1
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-17512-8
Dateigröße: 321 KB
Diese Hausarbeit befasst sich mit der Strömung des Sturm und Drang . Dabei wird eine historische Einordnung vorgenommen (mit der Entwicklung von der Aufklärung zum Sturm und Drang). Das große Augenmerk richtet sich ferner auf die zentralen Begriffe Natur und Genie, sowie auf die zeitgenössischen religiösen Umstände. Es folgt eine genaue Darstellung der literarischen Umbrüche im Sturm und Drang, die expemplarisch an Goethes Götz von Berlichingen verdeutlicht werden.
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Sturm und Drang
von Tim Bruening
Inhaltsübersicht
1. Überblick und historische Einordnung
1.1. Grundzüge in historischem Kontext Seite 3
1.2. Begriffserläuterung und wesentliche Merkmale Seite 4
2. Von der Frühaufklärung zum Sturm und Drang
2.1. Bestimmung des Aufklärungs-Begriffs Seite 6
2.2. "Drei-Phasen-Einteilung" der Aufklärung nach P.-A. Alt Seite 7
2.3. Aufklärung in der Literatur Seite 8
2.4. Der Leser innerhalb der Aufklärung Seite 10
3. Geniebegriff
3.1. Der allgemeine Geniebegriff Seite 10
3.2. Vorbild Shakespeare Seite 12
4. Naturbegriff
4.1. Der allgemeine Naturbegriff Seite 14
4.2. Naturmensch vs. Kulturmensch Seite 15
5. Religion im Sturm und Drang Seite 16
6. Schwerpunktverlagerung im Bereich der Gattungstrias
6.1. Allgemeiner Blick auf die Literatur des Sturm und Drang Seite 19
6.2. Epik Seite 20
6.3. Lyrik Seite 21
6.4. Dramatik Seite 23
6.5. Abschließende Betrachtung und Überleitung Seite 25
7. Fallbeispiel an Autor und Werk:
Goethes "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" Seite 25
8. Abschließender Blick auf die Strömung des Sturm und
Drang - Ein Fazit Seite 28
9. Fußnoten Seite 30
10. Arbeitsaufteilung Seite 31
11. Quellenverzeichnis Seite 32
1. Überblick und historische Einordnung
1.1. Grundzüge in historischem Kontext
Der Sturm und Drang ist eine vorwiegend literarische Strömung, die nicht als gesamteuropäisches Phänomen, sondern als Entwicklung der deutschen Literatur und Bewegung innerhalb der Aufklärung im 18. Jahrhundert anzusehen ist. Namensgeber ist das gleichnamige Werk von Friedrich Maximilian Klinger1.
Im Allgemeinen lässt sich von drei Phasen der Sturm-und-Drang-Bewegung sprechen, wobei die Zweite und die Dritte gleichzeitig als Höhepunkte des deutschen Dramas überhaupt gelten.
Die entscheidende Begegnung 1770 zwischen Herder und Goethe in Straßburg kennzeichnet den Beginn der ersten Phase. Das Treffen des erfolgreichen Dichters (Goethe) mit dem bedeutendsten Theoretikers des Sturm und Drang (Herder), weitet sich in kürzester Zeit zu einem Kreis von Intellektuellen aus.
Hieran lässt sich schon der für den Sturm und Drang typische Gruppencharakter, der die Strömung von der Aufklärung abgrenzt erkennen. Die Zentren dieser Gruppenbildung sind die Straßburger Gesellschaft um Salzmann, Herder und Goethe, der Göttinger Hainbund und der Kreis um Goethe und Merck2 in Frankfurt.
Unter Mercks Leitung bearbeiten die Stürmer und Dränger im Jahre 1772 die Frankfurter Gelehrten-Anzeigen. Doch die erste "öffentliche Ausstrahlung" erlangt diese frühe Phase des Sturm und Drang erst durch Goethe in den Jahren 1773/1774 durch die zwei großen Publikumserfolge "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (1773) und "Die Leiden des jungen Werthers" (1774).
1776, auch als Dramenjahr bezeichnet, bricht dann die zweite Phase des Sturm und Drang an. Es werden eine Reihe der wichtigsten Dramen der Zeit, unter Anderem Friedrich Maximilian Klingers "Die Zwillinge", Jacob Michael Reinhold Lenz′ "Die Soldaten" und Wagners "Die Kindermörderin" veröffentlicht. Unumstritten ist, dass keines dieser Werke auch nur annährend an Goethes Erfolg und hervorgerufenen Resonanzen anknüpfen kann. Darauf folgt, nach Goethes Rückkehr in die Stadt Weimar, die Auflösung der Stürmer und Dränger- Gruppe.
In diesem Sinne lässt sich das Jahr 1776 einerseits als Höhepunkt, andererseits aber auch zugleich als Ende dieser Phase bezeichnen.
Die dritte und somit letzte Phase der Sturm und Drang-Periode beginnt erst in den frühen achtziger Jahren, in denen Friedrich Schillers drei Jugenddramen "Die Räuber" (1781), "Die Verschwörung des Fiasko zu Genua" (1783) und "Kabale und Liebe" (1884) publiziert werden.
Da diese Phase erst fünf Jahre nach dem Dramenjahr 1776 einsetzt und sowohl geographisch als auch "gruppensoziologisch vom Kreis um Goethe" getrennt verlief, spricht man entweder von einem "zweiten Dammbruch des Sturm und Drang" oder von der gesamten Bewegung zu trennen, obwohl seine Werke eindeutig mit den Konzepten und den Inhalten der Strömung übereinstimmen.
Friedrich Schiller ist zwar stärker an die Aufklärung gebunden, als zum Beispiel Klinger oder Lenz, aber aufgrund seiner größeren "zeitlichen Nähe" zu der Französischen Revolution kritisiert er die deutsche Aufklärung noch rücksichtsloser als die früheren Stürmer und Dränger. "Kein Zweifel - der junge Schiller steht eindeutig auf dem Boden des Sturm und Drang" (Andreas Huyssen).
Infolge dessen wird das Ende der Sturm und Drang Strömung meist auf den Abschluss von Schillers Mannheimer Zeit im Jahr 1785 datiert.
1.2. Begriffserläuterung und wesentliche Merkmale:
Die literaturhistorische Bezeichnung "Sturm und Drang" wird von einer jungen Schriftstellergeneration mit neuen Konzepten geprägt. Im Gegensatz zu den Literaten des 17. Jahrhunderts, die sich als eigenen Stand begreifen, leben die Schriftsteller des darauf folgenden Jahrhunderts in einer Zeit des sozialen Umbruchs, die zum Existenzproblem führt, da die Schriftsteller nun aus der bestehenden sozialen Ordnung herausfallen. Daraus lässt sich schließen, dass die neue Generation gezwungen ist, sich eine gesellschaftliche Legitimation zu erarbeiten, um die fehlende Anerkennung einzufordern.
Aufgrund dessen lässt sich auch sagen, dass Sturm und Drang nicht nur eine Schreib-, sondern auch eine Lebenshaltung bedeutet.
Ein Brieffragment von Lenz macht deutlich, in welchem "geistigen Klima" sich die Autoren des Sturm und Drang kurz vor dem Dramenjahr 1776 befinden müssen, und welchen programmatischen Anspruch sie erheben:
[...]
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