Das Lexikon des Aberglaubens

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Details

Titel: Das Lexikon des Aberglaubens
Untertitel : Aufklärung oder Esoterik?
Autor: Rebecca Mack
Fach: Buchwissenschaft
Veranstaltung: Die Geschichte der Enzyklopädie
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München (Germanistik)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 22
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 162 KB
Archivnummer: V113268
ISBN (E-Book): 978-3-640-13770-1
ISBN (Buch): 978-3-640-13777-0

Zusammenfassung / Abstract

Enzyklopädien und Lexika stehen im Allgemeinen seit jeher für Aufklärung und Wissenserlangung. Die ersten Universallexika entstanden kurz vor der französischen Revolution im Zeitalter der Aufklärung. Diese Werke ermöglichten nun endlich auch dem Bürgertum Einsichten in Wissensgebiete zu erlangen, die bis dato nur dem Adel und dem Klerus vorbehalten waren. Zwar war es die Kirche, die eine allgemeine Schulbildung forderte und ermöglichte, doch beließ sie die Mehrzahl der Menschen, also das einfache Volk, bestehend aus den niederen Ständen, in einem Zustand beschränkten Wissens, um sich ihre Macht weiterhin zu sichern. Obwohl der Aberglaube von den kirchlichen Institutionen verboten war, schürten weiterhin katholische und protestantische Prediger bei dem einfachen Volk und den Bauern den Glauben an Hexerei, Schadenszauber und schwarze Magie. Mit der Aufklärung musste neben der Aristokratie auch die Kirche einen Grossteil ihrer Macht einbüssen und auch dem Aberglauben setzte sich die Aufklärung mit der starken Entwicklung der Naturwissenschaften und Philosophie entgegen. Trotzdem ist der Aberglaube über die Jahrhunderte immer noch allgegenwärtig geblieben. Gibt man den Begriff „Aberglaube“ bei der Internetsuchmaschine Google ein, so erhält man nach nur 0,17 Sekunden 1.020 000 Treffer. Aberglaube beschäftigt die Menschen auch noch im 21. Jahrhundert so sehr, dass in den letzten 20 Jahren immerhin sechs oder sieben Lexika zum Thema Aberglaube, oder über den Aberglauben veröffentlicht wurden. Neben dem „Lexikon des Aberglaubens“ von Helmut Hiller, erschienen 1992 das „Lexikon des Aberglaubens“ von Christian Wehr, 1993 das „Lexikon des Aberglaubens“ von Erich Roman Buchhammer, 1998 „Das neue Lexikon des Aberglaubens“ von Walter Gerlach und das „Kleine Lexikon des Aberglaubens“ von Ditte und Giovanni Bandini, 1999 „Das kleine Lexikon des Aberglaubens“ von Heide Marie Karin Geiss, sowie 2001 auch „ Das kleine Lexikon des Aberglaubens“ von C. Griephan. Warum in unserer modernen und „aufgeklärten“ Zeit ein Lexikon des Aberglaubens verfasst und veröffentlicht wird, und ob es sich hier um wissenschaftliche Aufklärung oder esotrische „Fachliteratur“ handelt, soll hier anhand des Beispiels des „Lexikon(s) des Aberglaubens“ von Helmut Hiller näher beleuchtet werden.

Textauszug (computergeneriert)

Institut für Buchwissenschaft

Ludwig-Maximilian-Universität

HS: Die Geschichte der Enzyklopädie

Studentin: Rebecca Mack

Hauptseminararbeit:

Das Lexikon des Aberglaubens ­

Aufklärung oder

Esoterik?


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

S. 3

2. Der Begriff ,,Aberglaube" in den wichtigsten deutschen Lexika und Enzyklopädien S. 4

3. Gründe für die Herausgabe der Lexika des Aberglaubens

S. 8

4. Genauere Untersuchung und Rezension des ,,Lexikon des Aberglaubens" von

S.12

Helmut Hiller

5. Fazit

S.19

6. Quellenverzeichnis

S.22

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1. Einleitung



Enzyklopädien und Lexika stehen im Allgemeinen seit jeher für Aufklärung und

Wissenserlangung. Die ersten Universallexika entstanden kurz vor der französischen

Revolution im Zeitalter der Aufklärung. Diese Werke ermöglichten nun endlich auch dem

Bürgertum Einsichten in Wissensgebiete zu erlangen, die bis dato nur dem Adel und dem

Klerus vorbehalten waren. Zwar war es die Kirche, die eine allgemeine Schulbildung forderte

und ermöglichte, doch beließ sie die Mehrzahl der Menschen, also das einfache Volk,

bestehend aus den niederen Ständen, in einem Zustand beschränkten Wissens, um sich ihre

Macht weiterhin zu sichern. Obwohl der Aberglaube von den kirchlichen Institutionen

verboten war, schürten weiterhin katholische und protestantische Prediger bei dem einfachen

Volk und den Bauern den Glauben an Hexerei, Schadenszauber und schwarze Magie. Mit der

Aufklärung musste neben der Aristokratie auch die Kirche einen Grossteil ihrer Macht

einbüssen und auch dem Aberglauben setzte sich die Aufklärung mit der starken Entwicklung

der Naturwissenschaften und Philosophie entgegen. Trotzdem ist der Aberglaube über die

Jahrhunderte immer noch allgegenwärtig geblieben. Gibt man den Begriff ,,Aberglaube" bei

der Internetsuchmaschine

Google

ein, so erhält man nach nur 0,17 Sekunden 1.020 000

Treffer. Aberglaube beschäftigt die Menschen auch noch im 21. Jahrhundert so sehr, dass in

den letzten 20 Jahren immerhin sechs oder sieben Lexika zum Thema Aberglaube, oder über

den Aberglauben veröffentlicht wurden. Neben dem ,,Lexikon des Aberglaubens" von Helmut

Hiller, erschienen 1992 das ,,Lexikon des Aberglaubens" von Christian Wehr, 1993 das

,,Lexikon des Aberglaubens" von Erich Roman Buchhammer, 1998 ,,Das neue Lexikon des

Aberglaubens" von Walter Gerlach und das ,,Kleine Lexikon des Aberglaubens" von Ditte

und Giovanni Bandini, 1999 ,,Das kleine Lexikon des Aberglaubens" von Heide Marie Karin

Geiss, sowie 2001 auch ,, Das kleine Lexikon des Aberglaubens" von C. Griephan.

Warum in unserer modernen und ,,aufgeklärten" Zeit ein Lexikon des Aberglaubens verfasst

und veröffentlicht wird, und ob es sich hier um wissenschaftliche Aufklärung oder esotrische

,,Fachliteratur" handelt, soll hier anhand des Beispiels des ,,Lexikon(s) des Aberglaubens"

von Helmut Hiller näher beleuchtet werden.

3


2. Der Begriff ,,Aberglaube" in den wichtigsten deutschen Lexika und Enzyklopädien

Um den Ursprung des Begriffes ,,Aberglaube" zu erfahren, lohnt ein Blick in das große

deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm. Hier heißt es:

,,ABERGLAUBE,

m.

superstitio, für

oberglaube,

nnl.

overgeloof,

überglaube, dem super in

superstitio nachgebildet, nd.

biglove,

beiglaube, böhm.

pow ra,

von

po

bei und

w ra

glaube,

ahd.

ubarfengida,

was über den wahren glauben hinaus, daran neben vorbei geht.

LESSING

3, 216

setzt fehlerhaft den acc.

aberglaube

f.

aberglauben,

wie umgekehrt andere den nom.

aberglauben

f.

aberglaube."1

Deutlich wird hier vor allem, dass

aber-

nicht

schlecht

oder

falsch

bedeutet, obwohl dies die

übliche Deutung ist, sondern

über,

bzw.

über hinaus.

Das zwischen 1732 und 1750 erschienene ,,Große(s) vollständige(s) Universal-Lexicon aller

Wissenschaften und Künste" des Leipziger Buchhändlers Johann Heinrich Zedler2 widmet

dem Begriff ,,Aberglaube(n)" einen Artikel in vier Spalten auf insgesamt drei Seiten.

,,Aberglaube, es wird dieses Wort in weitläuftigen Verstande vor einem Irrthum gebrauchet,

da man natürlichen und menschlichen Dingen etwas göttliches zuschreibet, welches sie nicht

an sich haben, so daß daraus ein unvernünftiger Affekt in dem Gemüth entstehet. Es leidet

also hierbei unsere ganze Seele Schaden, sowohl in Ansehung des Verstandes als des Willens.

Es bestehet der Aberglaube in einem Irrthume, der denen Sachen etwas göttliches beyleget,

welches in der That bey ihnen nicht anzutreffen ist.(...) Ist also nöthig, daß sich diejenigen,

welche noch zur Zeit nichts von Aberglauben wissen, wohl in acht nehmen, damit sie nicht in

zukünftigen Zeiten darein verwickelt werden; andere aber, welche schon in solche elende

Umstände gesetzet sind, haben alle Kräfte anzuwenden, sich davon zu befreyen, worzu am

meisten in der Philosophie eine mit einer richtigen Logique verknüpfte Erkäntniß der

Physique dienet, als welche uns einsehen lernet, was sowol mit der Natur übereinkommt als

auch nicht, oder gar über selbige weit hinaus gehet; dahingegen die Unwissenheit nicht nur

der Grund zum Aberglauben ist, sondern auch diesen, wenn er sich bereits geäussert, zu

1 Grimm, Jakob und Wilhelm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bde(in 32 Teilbänden). 1.Bd. Leipzig: S.Hirzel,1854-

1960

2 Lenz, Werner: Kleine Geschichte großer Lexika. Lizenzausgabe für den Fackelverlag. Gütersloh, Berlin,

München, Wien: Bertelsmann, 1974; S. 125

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erhalten im Stande ist.(...) Zu dieser Verderbniß trugen die Geistlichen sehr vieles bey, als

welche sich durch die vorgegebenen Weissagungen und göttliche Entdeckungen, in ganz

besonders Ansehen und Ehre setzen, und was das allerschlimmste, das arme Volck in Irrthum

und grober Unwissenheit stecken liessen. Denn daferne selbiges aus dieser gerissen würde, so

wäre es nicht nur um die abergläubischen Possen, sondern auch um das allzu grosse Ansehen

der Geistlichkeit, welche durch die Dummheit und Einfalt des Pöbels selbige zu mainteniren

suchet, geschehen.(...)"3

Dieser Artikel wurde laut Angabe von neun Autoren verfasst, die aufgrund der starken Kritik

an ,,Staatspersonen" und ,,Geistlichen" zu der Seite der Aufklärer zu zählen sind. Sie betonen

immer wieder, dass der Aberglaube schlechten Einfluss auf das Gemüt und die Vernunft der

Menschen habe und diese sich deswegen vor ihm in Acht nehmen müssten. Obwohl sie den

Grund und die Ursache des Aberglaubens deutlich zu erklären versuchen, bringen sie nur

wenige konkrete Beispiele für abergläubisches Handeln, bzw. abergläubische Ansichten. Kurz

wird auf die fälschlicherweise nachgesagte zauberhafte Wirkung verschiedener Pflanzen und

die Schicksalsdeutung durch Erscheinen eines Kometen hingewiesen. Illustrationen zum

Thema sind ebenfalls nicht abgebildet.

Das bibliographische Institut Joseph Meyers schreibt 1874 in der dritten Auflage des

,,Neue(n) Konversations-Lexikon":

,,Aberglaube (Afterglaube, lat. superstitio), diejenige Ausartung des Glaubens, welche

Natürliches und Übernatürliches mit einander vermischt und daher bald von natürlichen

Ursachen übernatürliche Wirkungen erwartet, bald natürliche Wirkungen von übernatürlichen

Ursachen ableitet. Psychologisch erscheint der A. meist als ein Erzeugnis der

Einbildungskraft, welche allerlei Trugbilder erdichtet und diese den Erscheinungen

unterlegt,(...). Seinem Wesen nach ist der A. entweder theoretisch oder praktisch; jener

besteht in der bloßen Vorstellung, dieser wirkt auf den Willen und dadurch auf das Handeln.

Seinen Objekten nach ist er religiöser oder physikalischer A. Ersterer bezieht sich auf die

Geisterwelt (...); aus ihm entstehen Abgötterei, Theosophie, Werkheiligkeit, Reliquiendienst,

Glaube an die magische Kraft gewisser Zeremonien (...). Der physikal. A. bezieht sich auf das

3 Zedler, Johann H. (Hrsg.): Großes vollständiges Universal - Lexicon aller Wissenschaften und Künste. 63 Bde.

Halle, 1732-1750. Band 1(A-Am). Graz: Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, 1993

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