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Scholary Paper (Seminar), 2008, 20 Pages
Author: Stefanie Sieber
Subject: Ethics
Details
Institution/College: Catholic University of Applied Sciences Freiburg
Tags: Dialog, Islam, Christentum, Werte, Differenz, Weltethos
Year: 2008
Pages: 20
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-14000-8
ISBN (Book): 978-3-640-14013-8
File size: 148 KB
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Abstract
Auf der Suche nach einem Thema für diese Hausarbeit interessierte mich vor allem die Möglichkeit des interreligiösen Dialogs zwischen verschiedenen Religionen. Zunächst stieß ich bei der Literatursuche auf das Weltethos-Projekt von Hans Küng. Nach anfänglicher Begeisterung für diese Thematik erschien mir die Literatur, die ich dazu fand zu wenig differenziert und zu einseitig. Ich entschloss mich daher nicht näher mit dem Weltethos(- Projekt), sondern mit dem interreligiösen Dialog zwischen zwei Religionen auseinander zu setzen. Dabei war für mich, aufgrund meiner eigenen Prägung klar, dass ich zunächst das Christentum wählen würde. Als zweite Religion kam nach einiger Überlegung, aufgrund der guten Literatur und des aktuellen Bezugs nur der Islam in Frage. Die Auseinandersetzung mit den Religionen Christentum und Islam in Bezug aufeinander hat mich von Anfang an gefesselt. Gerade aufgrund der heutigen Situation, der verstärkten westlichchristlichen Wahrnehmung des Islam als fundamentalistische Religion, der wechselseitigen Abgrenzung beider Religionen und Kulturen voneinander und der gegenseitigen Bedrohungsszenarien, interessierten mich, im Gegensatz dazu die Möglichkeiten der Annäherung und des Dialogs. In der vorliegenden Hausarbeit beschreibe ich zunächst, in Kapitel 2 die grundlegende Bedeutung der Religon für das Leben der Völker. Daran anschließend folgt die Darstellung des Islam aus christlicher Sicht (Kapitel 3), wobei ich auf einige theologische Vorgaben (3.1), auf die Haltung des Christentums gegenüber dem Islam in der Vergangenheit (3.2) und das heutige Verhältnis (3.3) eingehe. Daraufhin beschreibe ich das Christentum aus islamischer Sicht (Kapitel 4), wobei ich besonders auf die klassische Lehre des Islam (4.1), auf den gihad (4.2), die Stellung der Christen im Islam (4.3) und einige Ansätze der Neuorientierung im islamischen Denken (4.4) eingehe. Nach einer knappen Darstellung der Bedeutung von Religion in der Identitätsbildung (Kapitel 5) mit den Aspekten der Abgrenzung (5.1) und der Anerkennung von Verschiedenheit (5.2) kommt es zu einer ausführlichen Erörterung des christlich-islamischen Dialogs (Kapitel 6). Hierbei gehe ich zunächst auf die Grundlagen eines solchen Dialoges und seine Aspekte ein und beschreibe anschließend die Schwierigkeiten hinsichtlich geschichtlicher Aspekte, verschiedener Ängste und Bedrohungsgefühle und in Bezug auf die Gefahren des Fundamentalismus.
Excerpt (computer-generated)
Stefanie Sieber
8.Sem., Soziale Arbeit
Der interreligiöser Dialog zwischen
Islam und Christentum
Prüfungsleistung
im Studienbereich: Philosophische und theologische Aspekte der Sozialen Arbeit
mit dem Fach: Wertorientierungen
und der Lehrveranstaltung: Wertedifferenz contra Weltethos
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Bedeutung der Religionen im Leben der Völker 4
3. Der Islam in der Sicht christlicher Theologie 4
3.1 Theologische Vorgaben 4
3.2 Christliche Haltungen in der Vergangenheit 5
3.3 Das heutige Verhältnis des Christentum zum Islam 5
3.3.1 Das Christentum als Krisis der Religionen 6
3.3.2 Das Christentum als Erfüllung der Religionen 6
4. Das Christentum in der Sicht islamischer Theologie 7
4.1 Die klassische Lehre 7
4.2 Der gihad heute 7
4.3 Die Stellung der Christen im Islam 8
4.4 Ansätze von Neuorientierung 9
5. Religiöse Identitätsbildung 9
5.1 Identität durch Abgrenzung 10
5.2 Identität durch Anerkennung von Verschiedenheit 11
6. Der christlich-islamische Dialog 12
6.1 Grundlagen 12
6.1.1 Ernst nehmen 12
6.1.2 Kenntnisse erweitern 12
6.1.3 Das Wahre und Gute anerkennen 12
6.1.4 Austausch unter Partnern 13
6.1.5 Treue zur eigenen Religion 13
6.1.6 Praktische Zusammenarbeit 13
6.2 Schwierigkeiten im christlich-islamischen Dialog 14
6.2.1 Geschichtliche Aspekte 14
6.2.2 Ängste und Bedrohungsgefühle 14
6.2.3
Fundamentalismus 15
7. Christlich-islamischer Dialog zur Friedensförderung 16
7.1 Einsatz für den Frieden 16
7.2 Orientierung an gemeinsamen Werten und Grundsätzen 16
7.3 Konfliktlösung 17
8. Schlussbemerkung 18
9. Literaturverzeichnis 19
1. Einleitung
Auf der Suche nach einem Thema für diese Hausarbeit interessierte mich vor allem die
Möglichkeit des interreligiösen Dialogs zwischen verschiedenen Religionen. Zunächst stieß ich
bei der Literatursuche auf das Weltethos-Projekt von Hans Küng. Nach anfänglicher
Begeisterung für diese Thematik erschien mir die Literatur, die ich dazu fand zu wenig
differenziert und zu einseitig. Ich entschloss mich daher nicht näher mit dem Weltethos(-
Projekt), sondern mit dem interreligiösen Dialog zwischen zwei Religionen auseinander zu
setzen. Dabei war für mich, aufgrund meiner eigenen Prägung klar, dass ich zunächst das
Christentum wählen würde. Als zweite Religion kam nach einiger Überlegung, aufgrund der
guten Literatur und des aktuellen Bezugs nur der Islam in Frage.
Die Auseinandersetzung mit den Religionen Christentum und Islam in Bezug aufeinander hat
mich von Anfang an gefesselt. Gerade aufgrund der heutigen Situation, der verstärkten westlich-
christlichen Wahrnehmung des Islam als fundamentalistische Religion, der wechselseitigen
Abgrenzung beider Religionen und Kulturen voneinander und der gegenseitigen
Bedrohungsszenarien, interessierten mich, im Gegensatz dazu die Möglichkeiten der
Annäherung und des Dialogs.
In der vorliegenden Hausarbeit beschreibe ich zunächst, in Kapitel 2 die grundlegende
Bedeutung der Religon für das Leben der Völker. Daran anschließend folgt die Darstellung des
Islam aus christlicher Sicht (Kapitel 3), wobei ich auf einige theologische Vorgaben (3.1), auf
die Haltung des Christentums gegenüber dem Islam in der Vergangenheit (3.2) und das heutige
Verhältnis (3.3) eingehe. Daraufhin beschreibe ich das Christentum aus islamischer Sicht
(Kapitel 4), wobei ich besonders auf die klassische Lehre des Islam (4.1), auf den gihad (4.2), die
Stellung der Christen im Islam (4.3) und einige Ansätze der Neuorientierung im islamischen
Denken (4.4) eingehe.
Nach einer knappen Darstellung der Bedeutung von Religion in der Identitätsbildung (Kapitel 5)
mit den Aspekten der Abgrenzung (5.1) und der Anerkennung von Verschiedenheit (5.2) kommt
es zu einer ausführlichen Erörterung des christlich-islamischen Dialogs (Kapitel 6). Hierbei gehe
ich zunächst auf die Grundlagen eines solchen Dialoges und seine Aspekte ein und beschreibe
anschließend die Schwierigkeiten hinsichtlich geschichtlicher Aspekte, verschiedener Ängste
und Bedrohungsgefühle und in Bezug auf die Gefahren des Fundamentalismus. Danach folgt ein
Kapitel (7) zur den möglichen Beiträgen des christlich-islamischen Dialogs zur
Friedensförderung. Hierbei wird auf den Einsatz für den Frieden (7.1), die Orientierung an
gemeinsamen Werten und Grundsätzen (7.2) und die Konfliktlösung (7.3) eingegangen.
2. Die Bedeutung der Religionen im Leben der Völker
Die Religionen nehmen eine zentral Stellung in der Welt ein und erfüllen wichtige Funktionen
im Leben der jeweiligen Völker. Dies wird auch den christlichen Kirchen immer bewusster. Die
Suche der Menschen nach Sinn und Transzendenz ist nach wie vor lebendig, ob sie nun an eine
bestimmte Religion gebunden ist oder nicht. Khoury wer ist das? (1993) spricht hier von der
Heilsbedürftigkeit des Menschen, seinem Angewiesen- und Ausgerichtetsein auf Gott und dem
Ausschauhalten nach Heilswegen. Innerhalb aller Religionen geht es um den Glauben an eine
existentielle, sinnstiftende Wahrheit. Eine der wichtigsten Funktionen von Religion ist daher ihre
identitätsstiftende und identitätssichernde Bedeutung. Die Religionen kommen dieser im
Menschen angelegten Sinnsuche entgegen, sie bieten ,,Sinngebung und Heilswahrheiten über
Gott und die Beziehung des Menschen zu Gott, über den Kosmos, über Leben und Tod über die
Gesamtgeschichte des Menschen."1 Damit geben sie vielen Menschen Orientierungshilfen
hinsichtlich der Bewältigung der Gegenwart, zur Eingliederung der Vergangenheit und zur
Planung der Zukunft. Eine weitere zentrale Funktion aller Religionen ist das Aufstellen eines
Wertesystems, das den Menschen Antworten auf Fragen nach richtigem und falschem Denken
und Handeln gibt. Der Mensch erhofft sich hierdurch Aussöhnung mit sich selbst, mit seinen
Mitmenschen, Frieden in seiner Umgebung und Versöhnung mit Gott. ,,Die Menschen erwarten
von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins,
die heute wie von je die Herzen der Menschen am tiefsten bewegen." 2
Im Grunde beschäftigen sich alle Religionen mit ähnlichen menschlichen Anliegen. Sie
entsprechen sich in manchen Inhalten, finden jedoch gemäß ihrer geschichtlichen Prägung und
kulturellen Entwicklung auch unterschiedliche Antworten.
3. Der Islam in der Sicht christlicher Theologie
3.1 Theologische Vorgaben
Khoury (1996) geht in seinem Referat auf die Sicht des Christentums auf den Islam ein. Dazu
nennt er einige theologische Grundlagen, die als Ausgangspunkt der christlichen Haltung
gegenüber dem Islam berücksichtigt werden müssen:
Erstens wird davon ausgegangen, dass Heil und Wahrheit miteinander verbunden sind, was
beispielweise in folgenden Bibelzitat deutlich wird: ,,Er will, dass alle Menschen gerettet werden
und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen."3
Zweitens hängen Heil und Wahrheit eng mit Gott und mit Jesus Christus zusammen. ,,Ich bin der
Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich."4
1
Khoury, 1993, S. 8
2
König, 2006, S.128
3
Bibel, 2005, 1.Tim 2,4
,,Und in keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name
unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen."5
Drittens sind nach Khoury das Heil und die Wahrheit in besonderer Weise der
Christengemeinschaft, also der Kirche anvertraut, zur Wahrung und als Aufgabe. Hierzu: ,,Er ist
das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche"6
3.2 Christliche Haltungen in der Vergangenheit
Für die früheren christlichen Theologen, beispielweise die Byzantiner, galt der Islam als falsche
Religion, die keine Heilsrelevanz besitzt und deren Falschheit es zu entlarven gilt.
Zu Mohammed und seiner prophetischen Sendung wurden folgende Argumente angeführt. Diese
sollten die Echtheit seiner Sendung in Frage stellen:
Mohammed hat keine Zeugen, er ist von keinem Propheten vorausverkündet worden, er hat
selbst keine Prophezeiungen ausgesprochen. Mohammed hat keine Wunder gewirkt und hat kein
vorbildliches Verhalten aufzuweisen.
Des Weiteren wurde in Bezug auf den Koran seine Widersprüchlichkeit gegenüber der Bibel
angeführt und bezweifelt, dass er als Wort Gottes anzusehen ist. Weiterhin wurde dem Koran,
der im Islam als letztgültige Offenbarung nach der Thora und dem Evangelium gilt, dieser
Anspruch abgesprochen.
Mit dem Urteil über Mohammed als falschen Propheten und den Koran als falsche Schrift ging
die Verurteilung des Islam als falsche Religion einher. Sein Gesetz und seine Lehre seien falsch.
Seine Bedeutung für das Heil der Menschen ohne jede Relevanz.
3.3 Das heutige Verhältnis des Christentum zum Islam
Im 20. Jahrhundert hat sich innerhalb der katholischen Theologie eine Wende in der Sichtweise
und Würdigung nichtchristlicher Religionen, also auch des Islams, vollzogen. Die Lehren,
Normen und Verhaltensmuster anderer Religionen werden nicht mehr grundsätzlich abgelehnt
oder als falsch verurteilt. Den Nichtchristen wird also eine bedingte Heilsmöglichkeit
eingeräumt. Dies wird in der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen
Religionen ,,Nostra aetate" deutlich: ,,Wer nämlich das Evangelium Christi und seine Kirche
ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens
erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige
Heil erlangen."7 Auch denjenigen, die sich bemühen ein gutes Leben zu führen und noch nicht
4
Bibel, 2005, Joh 14,6
5
Bibel, 2005, Apg 4,12
6
Bibel, 2005, Kol 1,18
7
Khoury, 1996, S. 278
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