Untertitel: unter spezieller Beobachtung der rituellen Besonderheiten der Wahl und Weihe und dem Vergleich zur Amtseinsetzung von Konrad II.
Autor: Tobias Bunse
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Details
Institution/Hochschule: Universität Paderborn
Jahr: 2008
Seiten: 26
Note: 2,7
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 162 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-14081-7
ISBN (Buch): 978-3-640-14086-2
Zusammenfassung / Abstract
Friedrich I. wurde am 4. März 1152 zum römisch-deutschen König gewählt. Diese Tatsache bedingt zugleich die Frage, aus welchem Grund ausgerechnet der Neffe des noch amtierenden Königs Konrad III. dessen Nachfolger in diesem Amt geworden ist. Da Konrad III. zudem einen Nachfolger in direkter Erbfolge auf den Thron, in Person seines eigenen Sohnes, designieren hätte können, wird das Interesse an den Hintergründen bezüglich der Königswahl Friedrichs I. verstärkt. Um zu prüfen, inwieweit und ob diese Thronfolge ungewöhnlich zu betrachten ist, sollte in einem ersten Schritt herausgefunden werden, welche Rolle das Erbrecht bei der Königswahl im hohen Mittelalter eingenommen hat. Lässt sich von dem Denken ausgehen, dass der am nächsten Verwandte des Königs die Thronfolge antritt, wie es beispielsweise in den heutigen, noch existierenden, Königshäusern der Fall ist, so hätte demnach Konrads Sohn neuer König werden „müssen“. Doch bekanntermaßen war dem nicht so. Mit Blick auf diese „Besonderheit“ sind im Folgenden die Rituale dieser Königswahl zu beachten, dessen Untersuchung den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden wird. Inwieweit lassen sich Unterschiede in den Ritualen der Königserhebung Friedrich Barbarossas zu anderen Amtseinsetzungen feststellen, das heißt auch, wie könnte sich die Tatsache, dass Barbarossa unter anderen Umständen auf den Thron gehoben wurde, auf den Akt der Wahl und der Weihe, beziehungsweise auf einzelne rituelle Elemente, ausgewirkt haben? Waren diese Umstände überhaupt so besonders oder gar einzigartig? Mögliche Besonderheiten der Königserhebung möchte ich im Folgenden erläutern, wobei mir als Grundlage vor allem die Quelle von Otto von Freising dienen wird...
Textauszug (computergeneriert)
Hausarbeit:
Die Königserhebung Friedrichs I.
unter spezieller Beobachtung der rituellen Besonderheiten der Wahl
und Weihe und dem Vergleich zur Amtseinsetzung von Konrad II.
Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Einleitung
3
2 Die Situation vor der Königswahl Friedrich Barbarossas
3
2.1 Konrads Wahl fällt auf Friedrich Barbarossa
4
2.2 Die Wahl eines Königs
5
3 Die Königserhebung Friedrichs I.
6
3.1 Otto von Freising: ,,Gesta Frederici"
6
3.2 Die Königserhebung Barbarossas und die Rolle der rituellen Elemente
7
4 Die Amtseinsetzung Konrads II.
12
4.1 Wipo berichtet von der Wahl und Erhebung Konrads II.
12
4.2 Die Königwahl Konrads mit Blick auf die rituellen Elemente
13
4.3 Von der Weihe des Königs mit Blick auf die rituellen Elemente
17
5 Zusammenfassende Gegenüberstellung der Königserhebungen
19
5.1 signifikante Gemeinsamkeiten und Unterschiede der untersuchten
19
Königserhebungen
6 Schluss
21
7 Literaturverzeichnis
24
8 Quellenverzeichnis
25
2
1 Einleitung
Friedrich I. wurde am 4. März 1152 zum römisch-deutschen König gewählt. Diese
Tatsache bedingt zugleich die Frage, aus welchem Grund ausgerechnet der Neffe des
noch amtierenden Königs Konrad III. dessen Nachfolger in diesem Amt geworden ist.
Da Konrad III. zudem einen Nachfolger in direkter Erbfolge auf den Thron, in Person
seines eigenen Sohnes, designieren hätte können, wird das Interesse an den
Hintergründen bezüglich der Königswahl Friedrichs I. verstärkt. Um zu prüfen,
inwieweit und ob diese Thronfolge ungewöhnlich zu betrachten ist, sollte in einem
ersten Schritt herausgefunden werden, welche Rolle das Erbrecht bei der Königswahl
im hohen Mittelalter eingenommen hat. Lässt sich von dem Denken ausgehen, dass der
am nächsten Verwandte des Königs die Thronfolge antritt, wie es beispielsweise in
den heutigen, noch existierenden, Königshäusern der Fall ist, so hätte demnach
Konrads Sohn neuer König werden ,,müssen". Doch bekanntermaßen war dem nicht so.
Mit Blick auf diese ,,Besonderheit" sind im Folgenden die Rituale dieser Königswahl
zu beachten, dessen Untersuchung den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden wird.
Inwieweit lassen sich Unterschiede in den Ritualen der Königserhebung Friedrich
Barbarossas zu anderen Amtseinsetzungen feststellen, das heißt auch, wie könnte sich
die Tatsache, dass Barbarossa unter anderen Umständen auf den Thron gehoben wurde,
auf den Akt der Wahl und der Weihe, beziehungsweise auf einzelne rituelle Elemente,
ausgewirkt haben? Waren diese Umstände überhaupt so besonders oder gar einzigartig?
Mögliche Besonderheiten der Königserhebung möchte ich im Folgenden erläutern,
wobei mir als Grundlage vor allem die Quelle von Otto von Freising dienen wird. Im
weiteren Verlauf der Arbeit werden die beschriebenen Begebenheiten der
Amtseinsetzung Barbarossas einem Vergleich, in Form einer Gegenüberstellung mit
einer anderen Königserhebung, unterzogen werden. An dieser Stelle wird die Wahl
Konrads II. in die Untersuchung miteinbezogen, um in einem weiteren Abschnitt
zudem die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Erhebung Friedrichs I.
und jener von Konrad II. benennen zu können. Im Schlussteil werden die wesentlichen
Erkenntnisse zusammengefasst.
3
2 Die Situation vor der Königswahl Friedrich Barbarossas
2.1 Konrads Wahl fällt auf Friedrich Barbarossa
Aus den Schilderungen des Abtes Wibald von Stablo und Corvey gehen
Charaktermerkmale hervor, die er einst Barbarossa zugeschrieben hat. Seiner
Einschätzung zufolge, die aus dem Jahr 1152 hervorgeht, zeichnet sich dieser ,,durch
einen scharfen Verstand, rasche Entschlusskraft in Beratungen, großes Kriegsglück,
Streben nach Ruhm, Abscheu gegen Ungerechtigkeit, Zugänglichkeit und
Freigiebigkeit und eine deutliche rhetorische Begabung in seiner Muttersprache aus"1.
Eigenschaften also, die der Sohn Konrads III. aufgrund seines jungen Alters
selbstverständlich noch nicht aufweisen konnte, aber als eine Tendenz aufzufassen ist,
die erklärt, weshalb König Konrad nicht seinen eigenen Sohn als Thronfolger
präsentierte. Ein wichtiger Faktor dürfte zudem die Herkunft Friedrichs sein, die in
zahlreichen Werken bereits diskutiert wurde. Die Tatsache, dass sein Vater Staufer und
seine Mutter Welfin war, sollte in jenen Jahren der Spannungen zwischen Staufern und
Welfen besonders erwähnt werden. Opll sagt, dass Heinrich vor allem in seiner
Jugendzeit ein ausgeprägtes Verhältnis zu der Verwandtschaft mütterlicherseits besaß,
was er darauf zurückführt, dass Barbarossas Mutter sehr früh verstarb. Ab 1143 stellte
er sich unter anderem im Zuge kriegerischer Aktivitäten mehrfach auf die Seite der
Welfen, vor allem an die, seines Onkels Welf VI.2 Der Staufer Konrad konnte daher
vermutlich nicht allen Aktionen Friedrichs zustimmen, so sah er aber wohl doch die
Chance, die welfische Opposition mit Hilfe Friedrichs unter Kontrolle zu halten,
indem dieser als Verbindungsglied zwischen Staufern und Welfen fungiert. Zudem ist
überliefert, dass Friedrich Konrad in dessen letzten Wochen seines Lebens nicht mehr
von der Seite rückte.3 Schließlich erkor Konrad Barbarossa zu seinem designierten
Nachfolger. Der scheidende König konnte jedoch lediglich einen Kandidaten für das
Königsamt vorschlagen, wählen mussten ihn jedoch die wahlberechtigten
Reichsfürsten. Daher war es Friedrichs Aufgabe mit den Fürsten in
Wahlverhandlungen zu treten, wovon einige belegt werden können und von Opll in
seinem Werk angeführt werden. So nennt er Zeugnisse, die aus den Wochen vor der
1 OPLL, Ferdinand: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance Friedrich Barbarossa, Darmstadt
1990, S. 30.
2 Ebd., S. 30.
3 Ebd., S. 33.
4
Königswahl stammen und in denen von der Kontaktaufnahme mit den ,,bedeutendsten
Fürsten des Reiches" zu lesen ist.4 Unter anderem nahm Barbarossa, neben Bischöfen
wie Gebhard von Würzburg oder Eberhard von Bamberg, Kontakt zu Abt Wibald von
Stablo und Corvey auf. Dieser fungierte bereits im Jahr 1146 als Gesandter Konrads III
bei dessen Aufenthalt in Sutri bei Papst Eugen III. Noch im selben Jahr initiierte
Konrad die Wahl Wibalds zum Abt des Klosters Corvey und im Jahr 1149 fungierte er
als Berater Konrads an dessen Hof.5 Wie sich feststellen lässt, gehörte Abt Wibald von
Stablo und Corvey zu den Vertrauten des verstorbenen Königs Konrad. Daher ist es
meiner Ansicht nach nicht verwunderlich, dass Friedrich im Werben um die nötigen
Stimmen zur Königswahl das Gespräch mit dem Abt forcierte. So mag es durchaus
auch mit anderen Fürsten und Äbten abgelaufen sein. Es ist zu vermuten, dass
Friedrich vor allem jene Stimmberechtigte warb, die in einem guten oder engen
Kontakt zum scheidenden König standen und dieselbe Interessenlage bezüglich der
Führung des Reiches aufwiesen. Zudem hatten diese Personen, wie Wibald von Stablo
und Corvey, das Interesse, weiterhin im Umfeld des Königs tätig zu sein.6 So schien es
für sie nur die logische Konsequenz zu sein, Friedrich Barbarossa als direkten
Nachfolger Konrads III. zu wählen. Zudem besteht durchaus die Möglichkeit, dass
Konrad zu Lebzeiten bereits nötige Schritte eingeleitet hat, um die Wahl Friedrichs
durchzusetzen, indem er womöglich bereits mit einigen Fürsten Unterredungen
bezüglich der Amtseinsetzung Barbarossas führte. Dass eindeutig Wahlversprechen in
dieser Zeit vor der Wahl geführt wurden, lässt sich zudem an den Maßnahmen belegen,
die Friedrich nach seiner Amtseinsetzung traf.7
2.2 Die Wahl eines Königs
Die mittelalterliche Königswahl orientierte sich in der Regel an der Geblütsheiligkeit.
Das heißt, dass den Nachkommen des Königs ein Vorrang gegenüber anderen
Bewerbern eingeräumt wurde. Dies lässt sich auf den Glauben der Menschen
zurückführen, dass sich das Königsgeschlecht durch ,,besondere Kraft und besonderes
Glück"8 auszeichne. Wurde diese Linie ohne zwingende Begründung durchbrochen,
fürchteten die Menschen dagegen den Verlust des ,,gottgegeben Königheils". Aus
4 OPLL, Ferdinand: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance Friedrich Barbarossa, S. 34.
5 Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon: Band XIII, Herzberg 2001, Spalten 1029 1034.
6 SIMONSFELD, Henry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Friedrich I., Berlin 1967, S. 26.
7 Ebd., S. 24.
8 SCHMIDT, Ulrich: Königswahl und Thronfolge im 12. Jahrhundert, Köln/Wien 1987, S. 13.
5
diesem Glauben heraus entwickelte sich das Ritual, dass der Sohn des Königs für die
Thronfolge bestimmt war. Festzuhalten ist derweil, dass die Orientierung am
Geblütsrecht lediglich als Leitlinie zu betrachten ist. Ob jeweils ausschließlich nach
diesem Kriterium ausgewählt wurde, lässt sich nach Schmidt indes nicht belegen.9 Bei
der Designation wiederum handelt es sich hingegen um eine Empfehlung des Königs
bezüglich seines Nachfolgers. Der noch amtierende König schlug demnach zu
Lebzeiten vor, wen er sich als direkten Nachfolger wünschte. Überwiegend handelte es
sich dabei wohl um den eigenen Sohn.10 Mitteis nennt diesen Vorgang ,,bindender
Wahlvorschlag", vermerkt zusätzlich jedoch: ,,
Dem Vorschlag des regierenden Königs
(...) nicht zu folgen, wäre eine schwere Pflichtverletzung"11.
Jedoch misst die heutige
Forschung der Designation ebenso wenig eine rechtlich verbindliche Kraft bei, als dem
Geblütsrecht, so dass ,,Wahlvorschlag" wohl als angemessene Definition betrachtet
werden kann. Zudem lässt sich feststellen, dass die Wahl des Königs letztendlich von
den Stimmen der Fürsten abhängig war.12 Nach welchen Kriterien diese schließlich
entschieden, ob nach Geblütsrecht, Designation oder der Überzeugungskraft des
Königskandidaten muss von Königswahl zu Königswahl analysiert werden und obliegt
daher nur noch bedingt dem Themenbereich dieser Hausarbeit.
3 Die Königserhebung Friedrichs I.
3.1 Otto von Freising: ,,Gesta Frederici"
Zu den bedeutendsten Werken bezüglich des Themengegenstands lassen sich allen
voran Otto von Freisings Schilderungen über die Taten Friedrich Barbarossas, den so
genannten ,,Gesta Friderici", anführen. Bischof Otto von Freising ist der Halbbruder
von Barbarossas Onkel Konrad III. und steht daher in verwandtschaftlichem Verhältnis
zum späteren König.13 Es ist daher anzunehmen, dass die Erläuterungen Freisings,
beispielsweise zur Königswahl Friedrichs I., durch seine Beziehung zur Familie
beeinflusst worden sind. 1157 bekam Otto schließlich auch den offiziellen Auftrag
9 SCHMIDT, Ulrich: Königswahl und Thronfolge im 12. Jahrhundert, S. 13.
10 Ebd., S. 13.
11 MITTHEIS, Heinrich: Die deutsche Königswahl. Ihre Rechtsgrundlagen bis zur Goldenen Bulle,
Darmstadt 1965, S. 61.
12 SCHMIDT, Ulrich: Königswahl und Thronfolge im 12. Jahrhundert, S. 23f.
13 OPLL, Ferdinand: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance Friedrich Barbarossa, S. 8.
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