Untertitel: Strategische Partnerschaft oder pragmatische Beziehung?
Autor: Karl Napf
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Europäische Union
Details
Institution/Hochschule: Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
Jahr: 2008
Seiten: 16
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 26 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 118 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-14149-4
ISBN (Buch): 978-3-640-14161-6
Zusammenfassung / Abstract
Die Auflösung des Ost-West-Konflikts, die deutsche Wiedervereinigung, der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Osterweiterung der Europäischen Union haben gänzlich neue Rahmenbedingungen in Europa und den angrenzenden Regionen geschaffen. Die Beziehungen Russlands zum Westen standen auf beiden Seiten zunächst im Zeichen großer Visionen. Für den Westen war und ist Russland aufgrund seiner Größe, seiner geografischen Nähe und seiner Energieressourcen bedeutsam und es liegt im Interesse der EU, das Nutzenpotenzial des Landes freizusetzen und gleichzeitig sein Schadenspotenzial einzudämmen. Man ging in Europa zunächst davon aus, dass sich Russland wie andere post-sowjetische Staaten nach einer Phase der demokratischen Systemtransformation in den Rahmen der liberal-demokratischen Länder einordnen werde. Doch nach diesen anfänglichen Visionen ist man mittlerweile wieder auf dem harten Boden der Realität gelandet. Trotz pro-westlicher Rhetorik, sind die Zustände in Russland besorgniserregend: Neues Großmachtsbewusstsein und eine demokratische Entwicklung die gekennzeichnet ist von Rückschritt, machen Russland für Viele aus westlicher Sicht zu einer unbekannten, wenn nicht gar unberechenbarer Größe. Manchen scheint es hierzu Lande angebracht, Russland wie einen angeschlagenen Bären zu behandeln, der jederzeit zu unkontrollierbaren Aktionen ausholen könnte. Dies spiegelt sich auch in den Beziehungen zwischen der EU und Russland. Der jüngste Streit zwischen Polen und Russland über europäische Fleischexporte sorgte sogar dafür, dass die Neuverhandlungen des im November 2007 auslaufenden Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (PKA) zwischen der EU und Russland vorerst auf Eis gelegt werden mussten. Einzelstaatliche Interessen auf Seiten der EU und ein neues russisches Selbstbewusstsein auf der anderen Seite stellen beide Akteure vor eine große Herausforderung: eine Neubestimmung des europäisch-russischen Koordinatensystems. Die vorliegende Arbeit, soll die bisherigen Beziehungen zwischen der EU und Russland näher beleuchten und in einem ersten Teil, die gegenseitigen Ansprüche und Unterschiede beider Akteure herausarbeiten. In einem zweiten Teil wird dann an Hand zweier Fallbeispiele nach den Ergebnissen und der Qualität der Beziehungen gefragt und in den Kontext des PKA gestellt.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Zürich - CSS ETH Zürich
Kol oquium: Sicherheitspolitik in Europa nach der Zeitenwende 1990
Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union
und Russland
-
Strategische Partnerschaft oder pragmatische Beziehung?
Karl Napf
HF: Politikwissenschaften
NF: Kommunikationswissenschaften
7. Fachsemester Liz.
Abgabedatum: 7.1.2008
Inhalt:
1. Quo vadis Russland?
Seite 3
2. Partnerschaft ungleicher Akteure
Seite 4
2.1 Wirtschaftliche und strukturel e Unterschiede
Seite 4
2.2 Normative Unterschiede in der Zielbestimmung
Seite 6
3. Das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen
Seite 8
4. Strategische Partnerschaft oder doch pragmatische Beziehung?
Seite 9
4.1 Tschetschenien Grenzen einer Partnerschaft
Seite 9
4.2 Kaliningrad Ein positiver Test der EU Russland Beziehungen Seite 11
5. Vom Idealismus zum Pragmatismus
Seite 12
6. Anhang
Seite 14
2
1. Quo vadis Russland?
,,Unter den russischen Eliten hat sich mittlerweile ein
Grundkonsens darüber heraus gebildet, das Land als
selbstbewusste
Großmacht
mit
spezifischen
Interessen und natürlichen Einflusszonen zu
profilieren, auf dem eurasischen Kontinent einen
eigenen Schwerpunkt zu bilden und seine Umwelt
selbst zu integrieren."1
Die Auflösung des Ost-West-Konflikts, die deutsche Wiedervereinigung, der
Zusammenbruch der Sowjetunion und die Osterweiterung der Europäischen Union
haben gänzlich neue Rahmenbedingungen in Europa und den angrenzenden
Regionen geschaffen. Die Beziehungen Russlands zum Westen standen auf beiden
Seiten zunächst im Zeichen großer Visionen. Für den Westen war und ist Russland
aufgrund seiner Größe, seiner geografischen Nähe und seiner Energieressourcen
bedeutsam und es liegt im Interesse der EU, das Nutzenpotenzial des Landes
freizusetzen und gleichzeitig sein Schadenspotenzial einzudämmen. Man ging in
Europa zunächst davon aus, dass sich Russland wie andere post-sowjetische Staaten
nach einer Phase der demokratischen Systemtransformation in den Rahmen der
liberal-demokratischen Länder einordnen werde. Doch nach diesen anfänglichen
Visionen ist man mittlerweile wieder auf dem harten Boden der Realität gelandet.
Trotz pro-westlicher Rhetorik, sind die Zustände in Russland besorgniserregend:
Neues Großmachtsbewusstsein und eine demokratische Entwicklung die
gekennzeichnet ist von Rückschritt, machen Russland für Viele aus westlicher Sicht
zu einer unbekannten, wenn nicht gar unberechenbarer Größe. Manchen scheint es
hierzu Lande angebracht, Russland wie einen angeschlagenen Bären zu behandeln,
der jederzeit zu unkontrol ierbaren Aktionen ausholen könnte.2
Dies spiegelt sich auch in den Beziehungen zwischen der EU und Russland. Der
jüngste Streit zwischen Polen und Russland über europäische Fleischexporte sorgte
sogar dafür, dass die Neuverhandlungen des im November 2007 auslaufenden
Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (PKA) zwischen der EU und Russland
vorerst auf Eis gelegt werden mussten. Einzelstaatliche Interessen auf Seiten der EU
und ein neues russisches Selbstbewusstsein auf der anderen Seite stel en beide
Akteure vor eine große Herausforderung: eine Neubestimmung des europäisch-
russischen Koordinatensystems.
1 Timmermann, H. (1997). Osteuropa: Drang nach Westen. Möglichkeiten und Hemmnisse. Zitiert nach: Peter, M.
(2001). Russlands Platz in Europa. Dokumente und Schriften der Europäischen Akademie Otzenhausen Bd.94.
Berlin: Duncker & Humblot, S.56.
2 Timmermann, H. (2006). Alte Großmacht mit neuen Ambitionen - Russland. In: Bundeszentrale für politische
Bildung (Hrsg.): Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert. Informationen zur politischen Bildung (Heft 291). Berlin,
S.24.
3
Die vorliegende Arbeit, sol die bisherigen Beziehungen zwischen der EU und
Russland näher beleuchten und in einem ersten Teil, die gegenseitigen Ansprüche
und Unterschiede beider Akteure herausarbeiten. In einem zweiten Teil wird dann an
Hand zweier Fal beispiele nach den Ergebnissen und der Qualität der Beziehungen
gefragt und in den Kontext des PKA gestel t.
2. Partnerschaft ungleicher Akteuren
Die Ausgangslage in den Beziehungen zwischen der Europäischen Union und
Russland ist geprägt durch ein gemeinsames Ziel: Beide Akteure streben eine
strategische Partnerschaft an, die von europäischer Seite in der
Gemeinsamen
Strategie der EU gegenüber Russland
und von russischer Seite in der
Mittelfristigen
Strategie zur Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und der
Europäischen Union
mit diesen Worten konkretisiert wurde.3 Doch ist eine
strategische Partnerschaft, die ihrem Verständnis nach gleichberechtigt sein sol te,
zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Vertragspartnern überhaupt möglich
oder werden die Beziehungen zu Lasten eines Akteurs verzerrt? Die
Grundvoraussetzungen könnten dabei nicht unterschiedlicher sein.
2.1 Wirtschaftliche und strukturelle Unterschiede
Die EU hat nach ihrer jüngsten Erweiterungsrunde eine Bevölkerungszahl von 488
Mil ionen4, während die Russische Föderation im Vergleich nur 142 Mil ionen
Einwohner aufweisen kann.5 Dies spiegelt sich in der Folge auch in der
Wirtschaftskraft der beiden Akteure. So ist die Außenhandelsbilanz der EU um gut 15
mal größer, als die Russlands und die gegenseitige handelspolitische Relevanz ist
von einer bedeutenden Asymmetrie gekennzeichnet.6 Während für Russland die
Europäische Union der mit Abstand wichtigste Handelspartner ist, rangiert für die EU
Russland hinter den USA, der Schweiz, Japan, China und Norwegen.7 50 Prozent
des russischen Außenhandels gehen direkt in die EU, während umgekehrt der
3 Siehe Gemeinsame Strategie der EU gegenüber Russland vom 4. Juni 1999 unter
http://ec.europa.eu/external_relations/ceeca/com_strat/russia_99.pdf [Stand: 5.12.2007] und die mittelfristige
Strategie zur Entwicklung zur Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union
(2000 2010) unter http://ec.europa.eu/external_relations/russia/russian_medium_term_strategy/index.htm
[Stand: 5.12.2007].
4 Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Online unter: http://www.europa-waechst-
zusammen.de/laender.php?order=habitants. [Stand 23.11.2007].
5 Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland: Länderinformation Russland. Online unter:
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/RussischeFoederation.html
6 So beträgt das Volumen des Warenhandels für Westeuropa circa 4 Billionen Dol ar, während Russland (zudem
noch mit den osteuropäischen Staaten) lediglich 266 Milliarden aufweisen kann. Aus: Le Monde diplomatique
(2006). Atlas der Globalisierung. Berlin: Le Monde diplomatique/ TAZ Verlags- und Vetriebs GmbH, S.90.
7 Siehe http://europa.eu.int/comm/external_relations/russia/intro/trade.htm [zuletzt am 3.12.2007].
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