Albert Speer, Untersuchung zu seinen Utopien

E-Book Cover: ()
Flash Player und JavaScript werden für eine verbesserte Ansicht des Dokuments benötigt. Bitte installieren Sie den Flash Player und aktivieren Sie Javascript.

Install Flash Player

Details

Titel: Albert Speer, Untersuchung zu seinen Utopien
Untertitel : Germania, Nürnberg, Vergleich mit Ernst Sagebiels Flughafen Tempelhof, Fazit über seine Utopien
Autor: Peter Liptau
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Veranstaltung: Achitekturvisionen und Technikutopien
Institution/Hochschule: Universität Karlsruhe (TH)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 30
Note: 2,3
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 2069 KB
Archivnummer: V113467
ISBN (E-Book): 978-3-640-13862-3
Anmerkungen :
Vollständige Hausarbeit mitsamt Abildungen, Literaturverzeichnis, Abbildungsverzeichnis

Zusammenfassung / Abstract

Zunächst möchte ich eine Biografie Speers voranschicken. Diese soll nur einige wichtige Fakten voranschicken und keine Bewertung der Funktionen Speers im Dritten Reich beinhalten. Das wäre an dieser Stelle ein zu weites Feld. Es geht hier vielmehr um eine bauhistorische und architekturtheoretische Ausleuchtung seiner Tätigkeiten als Architekt. Um eine Einordnung in die gesamte nationalsozialistische Architektur zu ermöglichen, möchte ich, bevor ich exemplarisch auf einzelne Werke Speers eingehen werde, noch einen kurzen Überblick über diese gesamte Architektur geben. Anschließend möchte ich an Hand zweier Beispiele Speers Planungsarbeit erläutern. Zum einen stelle ich seinen Plan für den Ausbau Berlins zur Welthauptstadt Germania vor und werde hier noch konkreter auf das größte Element dieser Planung, der so genannten „Großen Halle“, eingehen. Des Weiteren werde ich auf die Planungen für das Gelände der Reichsparteitage in Nürnberg eingehen. Nach einigen allgemeinen Erläuterungen gehe ich noch näher auf das so genannte Zeppelinfeld und die Pläne für das „Deutsche Stadion“ ein, welches nie errichtet wurde. Um das Feld etwas zu erweitern stelle ich noch ein Werk Ernst Sagebiels vor, den Flughafen Tempelhof in Berlin, der auch ein Teil der Gesamtplanung für die Welthauptstadt Germania war. An diesem Beispiel erkennt man ebenso wie bei Speers Werken die generellen Aspekte der Architektur des Nationalsozialismus. Nach all den genannten Erläuterungen möchte ich endlich auf die Fragestellung eingehen, ob man besonders Speers Utopien konkretisieren kann. Hierzu gibt es selbstverständlich auch in Verbindung mit anderen Architekten des Dritten Reiches einige Aspekte, die nicht so einfach beantwortet werden können.

Textauszug (computergeneriert)

Universität Karlsruhe (TH)

| Institut für Baugeschichte

Seminar II, Architekturvisionen und Technikutopien

Sommersemester 2008

Albert Speer

Peter Liptau

Kunstgeschichte/Baugeschichte | 8. Fachsemester


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3
2. Architektur im Nationalsozialismus 4
3. Biografie Albert Speer 7
4. Exemplarische Werke Speers 9

4.1. Germania 9

4.1.1. Große Halle 10

4.2. Reichsparteitagsgelände Nürnberg 11

4.2.1. Allgemein 11

4.2.2. Zeppelinfeld 13

4.2.3. Deutsches Stadion 14

5. Der Flughafen Berlin Tempelhof als weiteres Beispiel

Nationalsozialistischer Architektur 16
6. Fragestellung: Sind die Utopien bei Speer konkretisierbar? 18

6.1. Inszenierung 18

6.2. Generalplan für das Tausendjährige Reich 20

6.3. Der Nationale Stil 20

7. Schluss 21
8. Quellen (verwendet) 23
9. Abbildungsverzeichnis 29


2


1. Einleitung

Die Thematik rund um die Eigeninszenierung der Nationalsozialisten beschreibt ein

äußerst weites Feld, das nicht besonders einfach zu handhaben ist. Mit ein Kern

dieser Eigeninszenierung stellt die Baukunst dar, die sich durch Architekten wie

Albert Speer, Ernst Sagebiel1 oder Hans Freese2 voll in den Dienst des Regimes

stellte. Ich möchte mich in dieser Ausarbeitung besonders dem Architekten,

Reichsminister und persönlichen Freund Hitlers, Albert Speer, widmen. Seine

Planungen, die nur zu einem sehr geringen Teil verwirklicht wurden, sollten das

Gesicht des ,,Tausendjährigen Reiches" bedeutend mitprägen.

Zunächst möchte ich eine Biografie Speers voranschicken. Diese soll nur einige

wichtige Fakten voranschicken und keine Bewertung der Funktionen Speers im

Dritten Reich beinhalten. Das wäre an dieser Stelle ein zu weites Feld. Es geht hier

vielmehr um eine bauhistorische und architekturtheoretische Ausleuchtung seiner

Tätigkeiten als Architekt.

Um eine Einordnung in die gesamte nationalsozialistische Architektur zu

ermöglichen, möchte ich, bevor ich exemplarisch auf einzelne Werke Speers

eingehen werde, noch einen kurzen Überblick über diese gesamte Architektur

geben.

Anschließend möchte ich an Hand zweier Beispiele Speers Planungsarbeit erläutern.

Zum einen stelle ich seinen Plan für den Ausbau Berlins zur Welthauptstadt

Germania vor und werde hier noch konkreter auf das größte Element dieser

Planung, der so genannten ,,Großen Halle", eingehen.

Des Weiteren werde ich auf die Planungen für das Gelände der Reichsparteitage in

Nürnberg eingehen. Nach einigen allgemeinen Erläuterungen gehe ich noch näher

auf das so genannte Zeppelinfeld und die Pläne für das ,,Deutsche Stadion" ein,

welches nie errichtet wurde.

1 Ernst Sagebiel, 2.10.1892 - 5.3.1970, deutscher Architekt, vor allem während der Zeit des

Nationalsozialismus erlangte er zu Ruhm durch seine diversen Planungen für das Dritte Reich; u.a.

Flughafen Berlin-Tempelhof und das Reichsluftfahrtministerium in Berlin. (deu.archinform.net

1.6.2008)

2 Hans Freese, 2.7.1889 - 13.1.1953, deutscher Architekt und Hochschullehrer, Bauten vor 1933 u.a.:

Haus der Gesundheit Karlsruhe, Max-Planck-Institut in Heidelberg, nach 1933 baut er im Dienste der

Nationalsozialisten u.a. das Atelier von Arno Breker, und ein Konzentrationslager in Berlin. Nach dem

Krieg als Hochschullehrer in Berlin tätig. (deu.archinform.net 1.6.2008)

3


Um das Feld etwas zu erweitern stelle ich noch ein Werk Ernst Sagebiels vor, den

Flughafen Tempelhof in Berlin, der auch ein Teil der Gesamtplanung für die

Welthauptstadt Germania war. An diesem Beispiel erkennt man ebenso wie bei

Speers Werken die generellen Aspekte der Architektur des Nationalsozialismus.

Nach all den genannten Erläuterungen möchte ich endlich auf die Fragestellung

eingehen, ob man besonders Speers Utopien konkretisieren kann. Hierzu gibt es

selbstverständlich auch in Verbindung mit anderen Architekten des Dritten Reiches

einige Aspekte, die nicht so einfach beantwortet werden können.

2. Architektur im Nationalsozialismus

Auf Basis von angeblichen Stilvorbildern in der klassischen europäischen Architektur

begannen die Nationalsozialisten sehr schnell mit einer Entwicklung eines neuen,

eigenständigen Stils ihrer Zeit.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die vollkommene Ablehnung des Neuen Bauens,

die sich bereits sehr schnell im Verbot des Bauhauses äußerte. Es wurde unter

anderem als ,,kulturbolschewistisch" und ,,undeutsch" bezeichnet.

Die architektonischen Konzepte weisen zunächst eine starke Reduzierung,

Schlichtheit und Nüchternheit, gepaart mit Funktionalismus auf. Im Rahmen dieser

Reduktion auf wenige Elemente finden sich Zitate auf diverse traditionelle

Baugedanken wieder. Besonders die Funktionalität rückt zum Zwecke der Zur-

Schau-Stellung von technischen Errungenschaften deutlich in den Vordergrund.

Anscheinend existierte allerdings keine Angleichung von sämtlicher Architektur der

Zeit, sondern eine Art Gleichschaltung wurde einfach durch Nichtbeachtung von

Architekten erzielt, die ihr Werk nicht den allgemein gültigen Regeln unterwarfen.

Jedoch ist das weitläufige Bild, dass die Bauten der Nationalsozialisten lediglich

durch breite Freitreppenanlagen, wuchtige Säulen, lange und schnurgerade Achsen

und gigantomanische Gebäude- und Ruhmeskomplexe charakterisiert werden

können, obsolet und erfordert eine genauere Einteilung.

Es wurden nämlich für verschiedene Zwecke der Bauten nach heutiger Sicht3

verschiedene Stile definiert:

3 vgl. Weihsmann

4


Für Propaganda-, Staats- und Parteibauten verwendete man hauptsächlich einen

neu definierten Klassizismus. Dieser ,,NS-Klassizismus"4 wies die bereits erwähnten

schlichten und reduzierten Formen auf, schmückte sich aber dennoch mit einigen

klassischen Zitaten wie Säulenvorhallen oder Saalanordnungen. Als Beispiel wäre

hier die Reichskanzlei Speers in Berlin zu erwähnen, die mit ihren langen Korridoren

und Raumanordnungen ein deutliches Zitat von barocken Schlossanlagen darstellt.

Ebenso kann hier das Reichsluftfahrtministerium in Berlin von Ernst Sagebiel

genannt werden5.

Charakteristisch sind bei diesen Bauten vor allem ebenfalls breite Freitreppen und

große Freiflächen. Für Siedlungs- und Wohnbauten, wie auch für die

Ordensburgen6 entwickelte man einen ebenso neuartigen Heimatschutzstil, je nach

der Bausubstanz der Region. So wurden im Schwarzwald beispielsweise weiterhin

Häuser mit Fachwerkoptik, im Umland von Bremen weiter strohgedeckte

Wohnhäuser errichtet. Die Ordensburgen orientierten sich an Burganlagen im

näheren Umland.

Weitere Wohnbauten, eher Bauten des Geschoßwohnungsbaus, wurde dann eine

reduzierte Moderne eingesetzt. Häufig findet man hier klassische Elemente wie

Walmdächer vor, jedoch oftmals in Einheit mit neuen Erkenntnissen bei

Raumaufteilungen oder Grundrissgestaltungen, die gegen die Aussagen der

Nationalsozialisten Zitate des Neuen Bauens aufweisen.

Bei Bauten wie Sport- oder Stadienbauten reduzierte man meist die gesamte

Formgebung auf einen Funktionalismus, der oftmals nur spärlich verkleidet wurde.

Beispiel hierfür sind neben Teilen des Olympiageländes in Berlin7 sicherlich auch die

,,Thingstätten"8.

Ebenso verhält es sich bei Industrie- oder Technikbauten, die auch eine so

genannte ,,Neue Sachlichkeit" aufweisen und somit sofort als Bauwerke ihrer Art

4 vgl. ebd.

5 vgl. Abb.2

6 Ordensburgen: Erziehungsschule für die Jugend im dritten Reich. Hier sollten sie in weltanschaulich

perfektem Rahmen zu treuen Nationalsozialisten heranreifen. Diese Burgen wurden an verschiedenen

Orten in ganz Deutschland errichtet, bekannteste Beispiele sind Vogelsang in der Nordeifel,

Quedlinburg und Sonthofen im Allgäu. (vgl. Weihsmann)

7 vgl. Abb.4

8 Thingstätte: Meist im Wald gelegene amphitheaterähnliche Bühnenanlagen, in denen die Thingspiele

abgehalten wurden. Die Thingspiele waren eine schauspielerische Umsetzung alter Germanensagen.

Heute zu einem grossteil erhaltene Baukomplexe, Beispielsweise in Heidelberg (Architekt Hermann

Alker). (vgl. Weihsmann)

5


erkannt werden können. Auch das Seebad Prora9, obgleich kein Industriebau, kann

hier als Stilbeispiel dienen. Es fingiert als eine Art ,,Urlaubsmaschine", die nahezu

vollständig auf gestalterische Elemente verzichtet.

Diesen neuen Stilen sollten von nun an sämtliche Neubauten unterworfen werden.

Hitler selbst war es, der den Plan fasste, das gesamte Land müsse innerhalb von 15

Jahren umgebaut werden, um seinen Plänen eines tausendjährigen Reiches gerecht

zu werden.

Diese Pläne sahen vor, jeder Großstadt im Reich eine bestimmte Funktion

zuzuweisen. So sollte Berlin zur ,,Reichshauptstadt Germania" ausgebaut werden,

während München die Funktion der ,,Stadt der Bewegung" erhalten sollte. Diese

Bezeichnung bezieht sich auf die Tatsache, dass die Anfänge der NSDAP in

München lagen. Nürnberg sollte die ,,Stadt der Reichsparteitage" werden und Linz

zum ,,Kulturzentrum Deutscher Nation". Hier wollte Hitler sich selbst zu Lebzeiten

eine Grablege errichten lassen. Hamburg sollte den Auftrag erhalten eine

Welthandelsstadt zu werden.

Für alle diese Planungen wurden die führenden Architekten der Zeit, unter anderen

natürlich Albert Speer, herangezogen.

Gekoppelt waren diese Vorstellungen mit der Idee, das ,,Tausendjährige Reich" mit

einem Netz an Breitspurbahnen10 zu erschließen. Diese Eisenbahn sollte in die

Architektur mit integriert werden, was besonders bei den Planungen für Germania

deutlich wird. Die Breitspureisenbahn war es auch, die neue Siedler in die

Ostgebiete bringen sollte, welche dort wiederum Siedlungen im Heimatstil errichten

sollten.

Die Breitspurbahn gelangte nie über den Status von Planungen heraus, während

man heut zu Tage noch zahlreiche Bauten aus der NS-Zeit in Deutschland

vorfindet. Nahezu aus allen genannten Bereichen gibt es noch monumentale

Rudimente ihrer Zeit. Zu nennen sind hier als prominenteste Beispiele sicherlich das

Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, das zu einem großen Teil fertiggestellt

wurde. In Berlin kam es zur Umsetzung eines Teils der Pläne für Germania.

9 vgl. Abb.3

10 Breitspurbahnen: Nie errichtetes Schienennetz von 3 Metern Spurbreite. Planungen ab 1934. Ein

groß angelegtes Netz dieser Bahnen sollte wichtige Orte des 1000-Jährigen Reiches Verbinden. U.a.

ein Breitspurbahnhof am Kopf der Ost-West-Achse in Berlin, wie am Reichsparteitagsgelände in

Nürnberg. Ebenso geplante Erschließung der neuen Deutschen Siedlungsgebiete im Osten. (vgl. Anton

Joachimsthaler: Die Breitspurbahn, München 1981)

6


Kommentare

Kommentar hinzufügen

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/113467/