Untertitel: Baugeschichte, Historischer Kontext, Baubeschreibung
Autor: Peter Liptau
Fach: Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege
Details
Jahr: 2007
Seiten: 34
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 15 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 6979 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-13885-2
Baubeschreibung, Bauanalyse, Baugeschichte, Kurzbiografie Fischer von Erlachs, Fazit, Quellenangaben, viele Abbildungen
Zusammenfassung / Abstract
Salzburg, die älteste Stadt im heutigen Gebiet Österreichs, wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts zunächst von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau als repräsentative Stadt neu gestaltet und konzipiert. Dieses charakteristische Bild Salzburgs ist bis heute erhalten. Allerdings wurde Salzburg erst später, gegen Ende des 17. Jahrhunderts, zu der bedeutenden Barockstadt ausgebaut, wie man es heute vorfindet. Besonders prägend war hierfür die Arbeit Johann Bernhard Fischer von Erlachs, der mit seinen Sakralbauten der Ursulinenkirche, der Dreifaltigkeitskirche und der Kollegienkirche wie auch durch einige andere Projekte das barocke Stadtbild Salzburgs grundlegend prägte. Besonders die Kollegienkirche, der zweite Kirchenbau Fischers in Salzburg, besitzt im Rahmen seiner Tätigkeit eine markante Stellung, die in der gesonderten Aufgabenstellung des Baus als Universitätskirche liegt. Heute gilt die Kollegienkirche als eines der Meisterwerke Fischers, das von bedeutenden Kunsthistorikern wie Hans Sedlmayr oder Hellmut Lorenz ausführlich behandelt wurde. Ich möchte nun an Hand dieser Analysen, aber auch eigenen Beobachtungen und zahlreichen weiteren Quellen einen Überblick über die Baugeschichte, die Formensprache und weitere Aspekte der Kollegienkirche Salzburgs geben.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Karlsruhe (TH)
Institut für Kunstgeschichte
HS, BKII, J.B. Fischer von Erlach u. Lucas von Hildebrandt
Wintersemester 2006/2007
Die Kollegienkirche in Salzburg
(J.B. Fischer von Erlach)
Peter Liptau
Kunstgeschichte/Baugeschichte
5. Fachsemester
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Einleitung 3
2. Biographie J.B. Fischer von Erlach 3
3. Der Auftraggeber, Erzbischof Johann Ernst von Thun 5
4. Planungsgeschichte 6
5. Baubeschreibung 10
5.1. Frontfassade 10
5.2. Innenraum 12
5.3. Chorfassade 15
6. Vergleiche/Ursprünge der Architektursprache der Kollegienkirche 16
6.1. Theorien 16
6.2. Einbindung in das Baugefüge der Umgebung 18
6.3. Beziehung auf das gesamte Stadtbild / Beziehung zum Dom 19
7. Altäre 22
8. Weitere Geschichte 24
9. Schluss 24
10. Quellen 25
11. Abbildungen 27
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1. Einleitung
Salzburg, die älteste Stadt im heutigen Gebiet Österreichs, wurde zu Beginn des
17. Jahrhunderts zunächst von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau als
repräsentative Stadt neu gestaltet und konzipiert. Dieses charakteristische Bild
Salzburgs ist bis heute erhalten.
Allerdings wurde Salzburg erst später, gegen Ende des 17. Jahrhunderts, zu der
bedeutenden Barockstadt ausgebaut, wie man es heute vorfindet. Besonders
prägend war hierfür die Arbeit Johann Bernhard Fischer von Erlachs, der mit
seinen Sakralbauten der Ursulinenkirche, der Dreifaltigkeitskirche und der
Kollegienkirche wie auch durch einige andere Projekte das barocke Stadtbild
Salzburgs grundlegend prägte.
Besonders die Kollegienkirche, der zweite Kirchenbau Fischers in Salzburg,
besitzt im Rahmen seiner Tätigkeit eine markante Stellung, die in der
gesonderten Aufgabenstellung des Baus als Universitätskirche liegt.
Heute gilt die Kollegienkirche als eines der Meisterwerke Fischers, das von
bedeutenden Kunsthistorikern wie Hans Sedlmayr oder Hellmut Lorenz
ausführlich behandelt wurde.
Ich möchte nun an Hand dieser Analysen, aber auch eigenen Beobachtungen
und zahlreichen weiteren Quellen einen Überblick über die Baugeschichte, die
Formensprache und weitere Aspekte der Kollegienkirche Salzburgs geben.
2. Biographie J.B. Fischer von Erlach
Johann Bernhard Fischer von Erlach1, als Johann Bernhard Fischer am 20. Juli
des Jahres 1656 in Graz geboren, erlernte zunächst in seinen Jugendjahren von
seinem Vater Johann Baptist Fischer das Handwerk des Bildhauers. In den
Folgejahren hielt er sich längere Zeit in Rom auf, wo er unter anderem Bernini2
kennen lernte. Hier wird er in seinem Schaffen zunehmend von der antiken wie
auch der zeitgenössischen barocken Architektur beeinflusst. Er arbeitet immer
weniger an bildhauerischen Projekten und widmet sich nunmehr der Architektur.
1 Vgl. Abb.1.
2 Gian Lorenzo Bernini (Giovanni Lorenzo Bernini) 7.12.1598 - 28.11.1680, einer der bedeutendsten
italienischen Bildhauer und Architekten des Barock. (Werke u.a.: Tabernakel in der Peterskirche,
Kolonnaden am Petersplatz, Entwürfe für den Louvre).
3
Ab 1688 arbeitet er dann ausschließlich als Architekt. Bevor er im Jahre 1686
nach Graz zurückkehrt, ist er einige Zeit lang in Neapel tätig, und arbeitet dort für
den spanischen König.
In Graz erhält er zunächst kleinere Aufträge, darunter beispielsweise die Stuck-
Ausschmückung des Mausoleums für Ferdinand den Zweiten oder den Bau
zweier Triumphforen anlässlich der Krönung des römisch-deutschen Königs
Josef.
1688 war er für das österreichische Kaiserhaus tätig, als dieses eine Residenz
vor den Toren Wiens plante. Hierfür entwarf er den so genannten Idealplan für
Schönbrunn. Dieser musste aber 1696 aus baulichen Gründen wieder verworfen
werden, so dass Fischer von Erlach ein vollkommen neues Konzept entwickelte,
in welchem sich der Idealplan nur noch rudimentär wieder finden lässt.
Besonders auch durch spätere Umbauten verschwanden immer mehr der Spuren
der ursprünglichen Planung.
Zeitgleich war er noch bei den Familien Batthány und Strattmann angestellt, für
die er ihre Stadtpalais in Wien entwarf.
Ebenso war er in dieser Zeit auch in Salzburg tätig. Hier entwarf und baute er in
den Jahren 1693 bis 1699 das Stadtpalais Prinz Eugen, die Ursulinenkirche, die
Dreifaltigkeitskirche, die Johannesspitalkirche und die Kollegienkirche. Der
Auftrag für das Stadtpalais Prinz Eugen ging allerdings 1700 an Johann Lucas
von Hildebrandt3.
Dieser intensiven Schaffensphase folgte ab 1705 eine Phase der
Auftragslosigkeit. In diesem Jahr wurde er zum ,,Oberinspektor sämtlicher Hof-
und Lustgebäude" ernannt, wodurch er an den Hof gebunden war, der ihm
zunächst keine Aufträge lieferte. Erst wieder 1709 baute er wieder in Wien die
Böhmische Hofkanzlei.
Er arbeitete neben seinen Tätigkeiten 16 Jahre lang an seinem
architekturtheoretischen Werk ,,Entwurf einer historischen Architektur", das 1721
3 Johann Lucas von Hildebrandt, 14.11.1668 - 16.11.1745, einer der bedeutendsten Baumeister
Mitteleuropas im Barock, ständige Konkurrenz zu Johann Bernhard Fischer von Erlach. (Bauten:
Oberes Belvedere, Würzburger Residenz, Stift Göttweig u.v.m.).
4
erschien und zahlreiche Kupferstiche enthielt, die nach seinen Entwürfen und
Skizzen angefertigt worden waren.
Als 1715 der Wettbewerb für den Entwurf der Karlskirche in Wien ausgeschrieben
wurde, konnte er sich mit seiner Idee gegen die anderen Entwürfe, unter
anderem auch den Entwurf Lucas von Hildebrandts, durchsetzen. Aus heutiger
Sicht spricht man bei der Karlskirche, neben der Kollegienkirche oder dem
Idealplan für Schönbrunn, von ein der bedeutendsten Werke Fischer von Erlachs.
In den Folgejahren erhält er noch zahlreiche größere Aufträge, unter anderem für
die Hofbibliothek und die Hofstallungen der Wiener Hofburg.
Johann Bernhard Fischer von Erlach stirbt am 5. April 1723 in Wien im Alter von
66 Jahren. Sein einziger Nachfolger und Schüler ist sein eigener Sohn, Johann
Lukas von Hidebrandt, der später unter anderem die Peterskirche in Wien oder
das Obere Belvedere baut.
Johann Bernhard. Fischer von Erlach gilt heute als herausragender Architekt des
Barock, da seine monumentalen Gebäude trotz ihrer Größe sehr ausgeglichen
und harmonisch wirken. Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen setzte Fischer
von Erlach das Hauptaugenmerk nicht auf die reichhaltige Ausschmückung der
Bauten, sondern konzentrierte sich auf die gesamte Formensprache der
Architektur, die er, für die Zeit des Barock, verhältnismäßig dezent mit
Ornamenten und Ausschmückungen versah.
3. Der Auftraggeber, Erzbischof Johann Ernst von Thun
Den Auftrag zum Bau der Kollegienkirche erhielt Johann Bernhard Fischer von
Erlach im Jahre 1694 vom Erzbischof Johann Ernst Graf von Thun4 und
Hohenstein, dem Erzbischof von Salzburg. Dieser hatte Fischer von Erlach
bereits zuvor mit dem Bau der Dreifaltigkeitskirche beauftragt.
Am 3. Juli 1643 in Graz geboren wurde er nach seinem Studium und seiner
Tätigkeit für die Kirche im Jahre 1697 zum Bischof von Seckau ernannt. In dieser
Position war er bis zu seiner Wahl zum Salzburger Erzbischof 1687 tätig.
Unter seiner Führung wurden in Salzburg vier Kirchen, neben der Kollegienkirche
die Dreifaltigkeitskirche mit ihrem Priesterkollegium, die Ursulinenkirche, und eine
4 vgl. Abb.2.
5
weitere in Lofer in der Nähe des Salzburger Zentrums erbaut. Ebenso entstand
nach seinem Auftrag das Schloss Klessheim, welches ebenfalls von Fischer von
Erlach errichtet wurde. Von Thun ließ des Weiteren das heutige
Landeskrankenhaus und die Domorgel errichten und erwarb zudem das
Salzburger Glockenspiel.
In seiner Zeit als Erzbischof gab es zahlreiche Konflikte und
Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Domkapitel, welche letzten
Endes erst durch Papst Innozenz XIII entschieden werden konnten. Nach dieser
Entscheidung war seine Position gefestigter und er konnte seinen Einfluss
weiterhin ausweiten. So setzte er beispielsweise Franz Anton Graf von Harrach
als Koadjutor fest, welcher nach von Thuns Tod auch sein Nachfolger wurde,
obwohl sich das Domkapitel entschieden dagegen ausgesprochen hatte.
Durch seine sehr entschlossene Bekämpfung des Protestantismus sah man von
Thun mit gespaltener Meinung an.
Zu Zeiten des Bayerischen Volksaufstandes setzte er sich für die Anführer der
Bewegung bei der kaiserlichen Administration und direkt bei Kaiser Joseph dem
Ersten ein. Besonders für den Freiheitskämpfer Johann Georg Meindl5 setzte er
sich ein, den er sogar in seine eigene Leibgarde aufnahm.
Johann Ernst von Thun stirbt in seinem Amt als Erzbischof am 20. April 1709 in
Salzburg.
4. Planungsgeschichte
Bereits die Vorgänger von Johann Ernst von Thun, Paris Lodron und Guidobald
von Thun hatten sich schon um den Bau einer Universitätskirche bemüht. Erst
Johann Ernst Graf von Thun gelang es durch eine Stiftung die erste Summe für
den Baubeginn bereitzustellen. So geht im Jahre 1694 der Auftrag für den Bau an
Johann Bernhard Fischer von Erlach, der auch zeitgleich den Auftrag für den Bau
der Dreifaltigkeitskirche erhielt.
Man begann mit den ersten Bauschritten wie dem Aushub und der
Fundamentlegung allerdings erst beinahe zwei Jahre nach der Erteilung des
Auftrages, am 12. März 1696, worauf am 6. Mai die Grundsteinlegung erfolgte.
5 Johann Georg Meindl, geb. 23. April 1682, gest. 9. April 1767, bayerischer Freiheitskämpfer.
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