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Termpaper, 2007, 23 Pages
Author: Michael Jünke
Subject: Nursing / Foster Care Management / Social Services
Details
Institution/College: University of Applied Sciences Osnabrück (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Tags: Anforderungen, Leitungskompetenz, Grundlagen, Organisationsentwicklung
Year: 2007
Pages: 23
Grade: 2,7
Bibliography: ~ 8 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-14253-8
ISBN (Book): 978-3-640-14363-4
File size: 163 KB
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Abstract
Die Krankenhauslandschaft in Deutschland befindet sich seit Jahren im Umbruch. Rationalisierung, Kostendämpfung unter dem Rahmen der DRGVergütung sowie die Optimierung der Prozesse am Patienten innerhalb der Versorgungsketten und eine zunehmende Anspruchshaltung einerseits bei gleichzeitig steigender Multimorbidität der Patienten andererseits seien hier als Schlaglichter erwähnt(Busse 2007).Von einst über 2000 Kliniken in Deutschland sollen nach den Vorstellungen der Gesundheitspolitik in einigen Jahren nur noch annähernd zwei Drittel übrig bleiben. Dies führt zu starker Konkurenz zwischen den Kliniken und zu einer erheblichen Leistungsverdichtung in den Schlüsselbereichen der einzelnen Häuser.In dieser Arbeit wird exemplarisch der OP-Bereich als Zentrum eines multiprofessionellen, in mehreren Hierarchie- und Personalebenen agierenden Systems dargestellt.Dem Führungspersonal insbesondere der Pflege als rein zahlenmäßig größte Gruppe im OP kommt dabei eine entscheidende Rolle bei der Leistungserstellung zu.Eingebunden in Entscheidungen aus den Säulen Pflege , Medizin und Verwaltung und oft ohne systematisch erlernte Leitungskompetenz ,aber mit erheblicher Personalverantwortung im Alltag muss dieses Führungspersonal den Spagat zwischen der Befriedigung der Interessen der einzelnen Anspruchsgruppen einerseits und die über den inkrementalen Aktionismus des einzelnen OP-Tages hinausgehende Perspektiventwicklung für die Abteilung in die Zukunft andererseits bewältigen. Das mit den rasanten technischen Entwicklungen vorhandene notwendige Expertenwissen des Personals wird dort ebenso eingefordert wie die Fähigkeit, bei teilweise hoher Personalfluktuation in einzelnen Bereichen ein Interagieren zwischen den Berufsgruppen möglichst konfliktarm zu gestalten. Diese Arbeit wird sich nicht nur mit den oben erwähnten Säulenstrukturen im Krankenhaus und ihren konfliktauslösenden Auswirkungen auf die OP-Organisation beschäftigen(Ansorg,u.a. 2006:286ff.). Es wird auch ein konkretes Modell für die Mitarbeiterführung sowie die theoretischen und praktischen Anforderungen an OP-Leitungskompetenz im Sinne einer Soll-Ist-Analyse dargestellt. Organisationspsychologisch ist insbesondere für diese Berufsgruppe von Bedeutung, dass sich hier oft ein erhebliches technisches Expertenwissen kombiniert mit relativ wenig fundiertem Wissen über Personalführung.
Excerpt (computer-generated)
Fachhochschule Osnabrück
Fakultät Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften
Anforderungen an
Leitungskompetenz
im OP
Hausarbeit im Fach
Grundlagen der Organisationsentwicklung
Wintersemester2007/2008
Verfasser:
Michael Jünke
Studiengang Pflegemanagement B.A.
Datum der Abgabe: 4. Februar 2008
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung zum Thema 2
2. Säulenstrukturen im Krankenhaus 3
3. Auswirkungen auf die OP-Organisation 5
4. Voraussetzungen und ein Modell für
Mitarbeiterführung 6
5. Praktische Anforderungen an Führungspersonen im
OP gemessen an der Zielsetzung 9
6. Reale Führungskompetenz des Leitungspersonals.12
7. Die OP-Pflegeleitung im Spannungsfeld zwischen
Delegation und Machterhalt 14
8. Die OP-Bereichsleitungen im Spannungsfeld
zwischen ärztlicher Loyalität und beruflicher
Sozialisation 17
9. Mögliche Entwicklungen in der Zukunft 19
Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung zum Thema
Die Krankenhauslandschaft in Deutschland befindet sich seit Jahren im
Umbruch. Rationalisierung, Kostendämpfung unter dem Rahmen der DRG-
Vergütung sowie die Optimierung der Prozesse am Patienten innerhalb der
Versorgungsketten und eine zunehmende Anspruchshaltung einerseits bei
gleichzeitig steigender Multimorbidität der Patienten andererseits seien hier als
Schlaglichter erwähnt(Busse 2007).Von einst über 2000 Kliniken in
Deutschland sollen nach den Vorstellungen der Gesundheitspolitik in einigen
Jahren nur noch annähernd zwei Drittel übrig bleiben. Dies führt zu starker
Konkurenz zwischen den Kliniken und zu einer erheblichen
Leistungsverdichtung in den Schlüsselbereichen der einzelnen Häuser.In dieser
Arbeit wird exemplarisch der OP-Bereich als Zentrum eines
multiprofessionellen, in mehreren Hierarchie- und Personalebenen agierenden
Systems dargestellt.Dem Führungspersonal insbesondere der Pflege als rein
zahlenmäßig größte Gruppe im OP kommt dabei eine entscheidende Rolle bei
der Leistungserstellung zu.Eingebunden in Entscheidungen aus den Säulen
Pflege , Medizin und Verwaltung und oft ohne systematisch erlernte
Leitungskompetenz ,aber mit erheblicher Personalverantwortung im Alltag muss
dieses Führungspersonal den Spagat zwischen der Befriedigung der Interessen
der einzelnen Anspruchsgruppen einerseits und die über den inkrementalen
Aktionismus des einzelnen OP-Tages hinausgehende Perspektiventwicklung für
die Abteilung in die Zukunft andererseits bewältigen. Das mit den rasanten
technischen Entwicklungen vorhandene notwendige Expertenwissen des
Personals wird dort ebenso eingefordert wie die Fähigkeit, bei teilweise hoher
Personalfluktuation in einzelnen Bereichen ein Interagieren zwischen den
Berufsgruppen möglichst konfliktarm zu gestalten. Diese Arbeit wird sich nicht
nur mit den oben erwähnten Säulenstrukturen im Krankenhaus und ihren
konfliktauslösenden Auswirkungen auf die OP-Organisation
beschäftigen(Ansorg,u.a. 2006:286ff.). Es wird auch ein konkretes Modell für
die Mitarbeiterführung sowie die theoretischen und praktischen Anforderungen
an OP-Leitungskompetenz im Sinne einer Soll-Ist-Analyse dargestellt.
Organisationspsychologisch ist insbesondere für diese Berufsgruppe von
Bedeutung, dass sich hier oft ein erhebliches technisches Expertenwissen
kombiniert mit relativ wenig fundiertem Wissen über Personalführung. Dieses
Missverhältnis wird noch dadurch dynamisiert, dass insbesondere im OP durch
die leitenden ärztlichen Mitarbeiter das reine Expertenwissen als
hierarchiestabilisierend und alleiniges Kriterium für den Führungsanspruch
gelebt und verinnerlicht wird.Zum Verhältnis zwischen Expertenwissen und
Führungswissen ( Stroebe 2006:19ff.). Dies hat erhebliche Auswirkungen auf
die berufliche Sozialisation des OP-Führungspersonal. Auch die damit
verbundenen spezifischen Berufsmerkmale werden im Laufe dieser Arbeit
verdeutlicht. Zunehmende Budgetverantwortung in Teilbereichen,
Personalverantwortung auch unter haftungsrechtlichen Aspekten und die
Konkurrenz der einzelnen Krankenhäuser um immer weniger gut ausgebildetes
Fachpersonal in einem dynamisch sich verändernden Gesundheitsmarkt werden
als Schlaglichter für die Entwicklung in der Zukunft aufgeführt.
-2-
2. Säulenstrukturen im Krankenhaus
Durch die Landesgesetzgebung vorgeben und durch Entwicklungen in der
Vergangen heit verfestigt existiert in fast allen Krankenhäusern unabhängig von
Trägerschaft und Rechtsform eine Dreiteilung in der Personalstruktur in Pflege,
Medizin und Verwaltung.(Haubrock u. Schär 2002:108f.) Dies manifestiert sich
nicht nur in den drei Leitungspersonen Pflegedirektor(in),ärztliche(r)
Direktor(in) und Verwaltungsdirektor(in) sondern auch in dem jeweils
spezifischen Aufbau der nachfolgenden Hierarchiestufen, Aufgaben ,Funktionen
und Delegationsrechten. Die unterschiedlichen Prädisponierungen hinsichtlich
der Formal-und Sachziele des Krankenhauses; die unterschiedlichen Ansprüche
hinsichtlich des Erreichens dieser Ziele sowie die sich erheblich unterscheidende
Selbst-und Fremdwahrnehmung zwischen den einzelnen Säulen und auf den
einzelnen Hierarchiestufen seien hier als wichtigste Gründe für
Kommunikationsstörungen und Schnittstellenproblematiken erwähnt. Die
Verwaltung existiert oft auch räumlich getrennt unabhängig vom aktuellen
Geschehen am Patienten als Instanz, die von den übrigen Mitarbeitern des
Krankenhauses oft als bremsende und realitätsferne, beamtenähnliche
Personalgruppe erlebt wird. Das außerklinische Anspruchsgruppenmanagement,
das Verhandeln der Klinikbudgets und die Sicherung der wirtschaftlichen Lage
des Hauses auch mit Instrumenten des Controllings wird von den direkt am
Patienten Agierenden nicht wahrgenommen oder als Kontrolle ohne Verstehen
der Arbeitsinhalte der jeweils eigenen Profession erlebt. Während die
Verwaltung eben nicht nur verwaltet, sondern in Versuchen der kooperativen
Zusammenarbeit mit den anderen klinischen Berufsgruppen in einer sich rasch
verändernden Krankenhauslandschaft nach Perspektiven für die
Leistungserstellung in der Zukunft sucht, agieren die Berufsgruppen der Pflege
und der Ärzte oft in einem sich auf den einzelnen Tag oder die vorliegende
Woche reduzierten , individuell als vorrangig empfundenen Aufgabenspektrum.
Den Anspruch, nicht nur die Dinge richtig zu tun, sondern auch die richtigen
Dinge im Sinne einer aufgehenden Kostenkalkulation zu tun , muss die
Verwaltung aus der idealerweise vorhandenen Metaebene den anderen
Berufsgruppen vermitteln. Hierfür bedarf es kompetenter Ansprechpartner mit
Entscheidungsbefugnissen . Während in der Pflege gerade diese
Entscheidungsbefugnis reduziert bleibt auf der Ebene der Pflegedirektion, stellt
die Hierarchiestruktur des ärztlichen Dienstes durch die in einer
Schlüsselfunktion agierenden Oberärzte mehr Ansatzpunkte dar. Insbesondere
hier fehlt es in der Pflege an korrespondierenden Funktionsträgern mit ähnlicher
Delegationsfunktion, Entscheidungshoheit und Budgetverantwortung. Der
ärztliche Sektor ist die Berufsgruppe, deren Arbeit auch in der Öffentlichkeit als
echte Profession verstanden wird. Die jeweiligen Chefärzte haben sowohl im
Hinblick auf die Umsetzung evidenzbasierter neuer Behandlungsstrukturen,und
den sich daraus ergebenden Entwicklungsmöglichkeiten ihrer Abteilungen wie
auch dem sich Verantworten müssen bezüglich eventueller Fehlentwicklungen
eine Schlüsselposition für das gesamte Klinikgeschehen. Die Zusammenarbeit
mit den einweisenden Kollegen sowie die Bindung der vorhandenen Mitarbeiter
an die eigene Abteilung auch unter dem Eindruck einer zunehmenden
-3-
Konkurrenz der einzelnen Kliniken sowohl bezüglich fachlich gut ausgebildeten
Personals wie auch bezüglich der zu behandelnden Patienten stellen weitere
wünschenswerte Kernkompetenzen dar. Um diese Ansprüche umzusetzen ist der
ärztliche Sektor straff hierarchisch aufgebaut.(von Eiff u. Stachel 2007:201ff.) Die
jeweils vor Ort agierenden Stationsärzte als letztes Glied in der Kette erleben
ihren Arbeitsalltag somit als Wechselspiel aus nicht vorhandener
Entscheidungskompetenz, permanent einzuhaltenen Absicherungs- und
Rückfragestrategien sowie regelmäßiger fachlicher Kontrolle. Insbesondere hier
wird die Schnittstellenproblematik in der Interaktion mit der Pflege deutlich. Das
ärztliche , durch die Profession legitimierte Diagnose- und Anordnungsrecht trifft
auf Agierende in der Pflege, die über die auch dort vorhanden Kompetenzen
hinaus Entscheidungen hinsichtlich der Gesamtstruktur der Versorgung des
einzelnen Patienten einfordert. Dieses Organisationsvakuum, welches nur im
Idealfall durch gute Kommunikationsstrukturen zwischen den Oberärzten und der
pflegerischen Stationsleitung ansatzweise kompensiert werden kann führt zu
erheblichen Frustrationen bei den jeweiligen Berufsgruppen und zu durch
Verzögerung hinsichtlich der Leistungserstellung am Patienten verursachenden
Mehrkosten. Die fehlende Entscheidungsinstanz auf der pflegerischen Ebene, die
im Sinne eines Case-Managements damit verbunden auch eine
Weisungskompetenz allen anderen Berufsgruppen gegenüber besitzt und damit
zur Prozessoptimierung beitragen würde, macht sich hier im Klinikalltag
bemerkbar. Diese Instanz wäre auch dafür prädisponiert, die bisher fehlende
alltägliche fachliche Begleitung und Überprüfung der pflegerischen Arbeit so zu
gestalten, dass eine entsprechende Personalentwicklung und Optimierung der
patientennahen ,pflegerelevanten Dienstleistungen als letztlich strategischer
Konkurrenzvorteil des Hauses entwickelt werden könnte. Es lässt sich feststellen,
dass durch die Säulenstruktur im Krankenhaus mit den nicht synchronisierten
Entscheidungs- und Delegationsabläufen ein erheblicher Teil der zur Verfügung
stehenden Zeit für Koordinierungs-, Abklärungs-, und
Rückversicherungsgespräche aufgrund mangelnder Entscheidungs- und
Delegationshoheit verschwendet wird. Insbesondere in den Widersprüchen
zwischen der jeweiligen Selbst- und Fremdwahrnehmung wird ein Mangel an
Verständnis für die Arbeit der jeweiligen anderen Berufsgruppe deutlich( Ansorg
u.a.2006:292). Das Gefühl einer gemeinsamen Leistungserstellung am Patienten
wird überdeckt von der empfundenen Blockierung der eigenen Arbeit durch die
andere Berufsgruppe. Die mangelnde Zielvermittlung der Verwaltung, das nicht
zielgerichtete Berücksichtigen betriebswirtschaftlicher Gesichtspunkte in der
täglichen Arbeit und somit das Fehlen einer gemeinsamen über alle Säulen
gehende Zielvereinbarung verhindern eine geplante, strukturierte
multiprofessionelle Leistungserstellung.
-4-
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