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Interne Verrechnungspreise im Konzern - Formen und Methoden der Verrechnungspreisermittlung

Diploma Thesis, 2007, 63 Pages
Author: Nadine Mind
Subject: Economics / Business: Controlling

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2007
Pages: 63
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 30  Entries
Language: German
Archive No.: V113513
ISBN (E-book): 978-3-640-13351-2
ISBN (Book): 978-3-640-13516-5
File size: 640 KB

Abstract

Die rasant wachsende Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft haben verstärkt zu Veränderungen unternehmerischer Strukturen geführt. Um sich weiterhin erfolgreich am Markt behaupten zu können, müssen sich die Unternehmen den sich ändernden Marktgegebenheiten anpassen, über nationale Grenzen hinweg wachsen und sich dem internationalen Wettbewerb stellen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Trend zu dezentralen Strukturen durchgesetzt und es haben sich zunehmend international agierende sog. multinationale Konzerne entwickelt. Rechtlich selbstständige Einheiten multinationaler Konzerne tauschen verstärkt Lieferungen und Leistungen untereinander aus. Diese können sowohl aus der Lieferung halbfertiger oder fertiger Produkte als auch aus der Bereitstellung von Dienstleistungen bestehen. In den 90er Jahren wurden bereits mehr als 60% des Welthandels innerhalb von Konzernen abgewickelt. Die ausgetauschten Leistungen zwischen den verschiedenen Unternehmensbereichen müssen bewertet, Erfolge gemessen, den einzelnen Teilbereichen zugerechnet und versteuert werden. Dies erfolgt über die Verwendung von Verrechnungspreisen. In der Betriebswirtschaftslehre haben Diskussionen über Verrechnungspreise eine sehr lange Tradition. Bereits 1903 diskutierte Eugen Schmalenbach in seiner Habilitationsschrift die Problematik der Verrechnung interner Lieferungen und Leistungen zwischen verschiedenen Bereichen innerhalb eines Unternehmens.3 Auch heute stellen Verrechnungspreise eine aktuelle Thematik dar. Insbesondere unter steuerlichen Aspekten gerät das Thema Verrechnungspreis in den Mittelpunkt der Diskussionen. Der wesentliche Grund hierfür ist, dass die Unternehmen das teilweise beträchtliche Steuergefälle zwischen den verschiedenen Nationalstaaten dazu nutzen, um Gewinnverlagerungen in Niedrigsteuerländer vorzunehmen.


Excerpt (computer-generated)

Interne Verrechnungspreise

im Konzern

Formen und Methoden

der Verrechnungspreisermittlung

Diplomarbeit

Fachhochschule Koblenz

University of Applied Sciences

Fachbereich Betriebswirtschaft

Controlling

Wintersemester 2007/2008

Koblenz, 10.12.2007

vorgelegt von: Nadine Mind


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis II

Abbildungsverzeichnis III

1

Einführung 1

2

Grundlagen interner Verrechnungspreise 3

2.1

Begriffliche Abgrenzung 3

2.2

Funktionen interner Verrechnungspreise 5

2.3

Zielkonflikte 9

2.4

Steuerrechtliche Rahmenbedingungen 10

3

Betriebswirtschaftliche Formen interner Verrechnungspreise 12

3.1

Überblick 12

3.2

Marktpreisorientierte Verrechnungspreise 12

3.3

Kostenorientierte Verrechnungspreise 15

3.3.1

Grundstruktur 15

3.3.2

Grenzkosten als Verrechnungspreis 15

3.3.3

Vol kosten als Verrechnungspreis 16

3.3.4

Vol kosten plus Gewinnaufschlag als Verrechnungspreis 18

3.4

Verrechnungspreise als Ergebnis von Verhandlungen 19

4

Steuerliche Methoden zur Ermittlung interner Verrechnungspreise.. 22

4.1

Überblick 22

4.2

Transaktionsbezogene Standardmethoden 23

4.2.1

Preisvergleichsmethode 23

4.2.2

Wiederverkaufspreismethode 25

4.2.3

Kostenaufschlagsmethode 28

4.2.3.1

Grundstruktur 28

4.2.3.2

Ist-, Normal- und Vol kosten 28

4.2.3.3

Vol - und Teilkosten 30

4.2.3.4

Gewinnaufschlag 32

4.3

Gewinnbezogene Methoden 33

4.3.1

Gewinnaufteilungsmethode 33

4.3.2

Gewinnvergleichsmethode 37

4.3.3

Transaktionsbezogene Netto-Margen-Methode 39

4.4

Anerkennung der Methoden 41

5

Schlussbetrachtung 43

Anhang 45

Literaturverzeichnis 55

I


Abkürzungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

AO Abgabenordnung

AStG Außensteuergesetz

BFH Bundesfinanzhof

DStR Deutsches Steuerrecht

GAufzV Gewinnabgrenzungsaufzeichnungsverordnung

HGB Handelsgesetzbuch

IFRS International Financial Reporting Standards

OECD Organisation for Economic Co-operation and Development

OECD-MA OECD-Musterabkommen

UntStRefG Unternehmenssteuerreformgesetz

US United States

US-GAAP United States General y Accepted Accounting Principles

WISU Wirtschaftliches Studium

II


Abbildungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Funktionen von Verrechnungspreisen 5

Abbildung 2: Einigungsbereich bei Verhandlungen 21

Abbildung 3: Wiederverkaufspreismethode 25

Abbildung 4: Kostenaufschlagsmethode 28

III


1 Einführung

1 Einführung

Die rasant wachsende Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft

haben verstärkt zu Veränderungen unternehmerischer Strukturen geführt. Um

sich weiterhin erfolgreich am Markt behaupten zu können, müssen sich die

Unternehmen den sich ändernden Marktgegebenheiten anpassen, über natio-

nale Grenzen hinweg wachsen und sich dem internationalen Wettbewerb stel en.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Trend zu dezentralen Strukturen durchge-

setzt und es haben sich zunehmend international agierende sog. multinationale

Konzerne entwickelt.1

Rechtlich selbstständige Einheiten multinationaler Konzerne tauschen verstärkt

Lieferungen und Leistungen untereinander aus. Diese können sowohl aus der

Lieferung halbfertiger oder fertiger Produkte als auch aus der Bereitstel ung von

Dienstleistungen bestehen. In den 90er Jahren wurden bereits mehr als 60% des

Welthandels innerhalb von Konzernen abgewickelt.2

Die ausgetauschten Leistungen zwischen den verschiedenen Unternehmens-

bereichen müssen bewertet, Erfolge gemessen, den einzelnen Teilbereichen

zugerechnet und versteuert werden. Dies erfolgt über die Verwendung von

Verrechnungspreisen.

In der Betriebswirtschaftslehre haben Diskussionen über Verrechnungspreise

eine sehr lange Tradition. Bereits 1903 diskutierte Eugen Schmalenbach in sei-

ner Habilitationsschrift die Problematik der Verrechnung interner Lieferungen und

Leistungen zwischen verschiedenen Bereichen innerhalb eines Unternehmens.3

Auch heute stel en Verrechnungspreise eine aktuel e Thematik dar. Insbeson-

dere unter steuerlichen Aspekten gerät das Thema Verrechnungspreis in den

Mittelpunkt der Diskussionen. Der wesentliche Grund hierfür ist, dass die Unter-

nehmen das teilweise beträchtliche Steuergefäl e zwischen den verschiedenen

Nationalstaaten dazu nutzen, um Gewinnverlagerungen in Niedrigsteuerländer

vorzunehmen.

Al erdings haben Verrechnungspreise nicht nur eine steuerliche Funktion im Sin-

ne der Einkunftsabgrenzung, sondern sind auch unter betriebswirtschaftlichen

Gesichtspunkten ein Instrument der Koordination und Lenkung.

1 Vgl. Ernst & Young, Verrechnungspreise, 2003, S. 1.

2 Vgl. Horváth, P., Controlling, 2006, S. 568.

3 Vgl. Coenenberg, A., Kostenrechnung, 1999, S. 523.

1


1 Einführung

Auf Grund der steigenden Komplexität der Unternehmensstrukturen stel t sich

die Frage der Ausgestaltungsmöglichkeiten von Verrechnungspreisen, um den

hohen Anforderungen an eine optimale Koordination und Steuerung dezentraler

Bereiche gerecht zu werden.

Vor diesem Hintergrund beginnt die vorliegende Diplomarbeit mit der Definition

theoretischer Grundlagen interner Verrechnungspreise. Dafür werden zunächst

grundlegende Begriffsabgrenzungen vorgenommen. Zudem wird untersucht,

welche al gemeinen Funktionen Verrechnungspreise erfül en und wo mögliche

Zielkonflikte bestehen können. Des Weiteren werden die steuerlichen Rahmen-

bedingungen kurz dargestel t, wobei auf die steuerliche Problematik im weiteren

Verlauf dieser Diplomarbeit nicht detail ierter eingegangen wird.

Darauf aufbauend werden in einem weiteren Schritt drei ausgewählte betriebs-

wirtschaftliche Formen interner Verrechnungspreise herausgearbeitet. Diese

werden auf ihre Durchführbarkeit sowie auf ihre Funktionserfül ung untersucht.

Anschließend werden die steuerlichen Ermittlungsmethoden und die damit ver-

bundenen Problematiken gesondert aufgegriffen, woraufhin eine kurze Beurtei-

lung der Anerkennung der Methoden folgt.

2


2 Grundlagen interner Verrechnungspreise

2 Grundlagen interner Verrechnungspreise

2.1 Begriffliche Abgrenzung

Verrechnungspreise sind in der betriebswirtschaftlichen Literatur nicht einheit-

lich definiert. Schmalenbach bezeichnet den Verrechnungspreis als einen

,,eigenartigen Preis", der angesetzt wird, um gegenseitig erbrachte Leistungen zu

bewerten, wenn einzelne Teile eines Unternehmens in einen ,,rechnerischen

Verkehr treten".4

Nach Ewert/Wagenhofer sind Verrechnungspreise ,,Wertansätze für innerbetrieb-

lich erstel te Leistungen (Produkte, Zwischenprodukte, Dienstleistungen), die von

anderen, rechnerisch abgegrenzten Unternehmensbereichen bezogen werden."5

Synonym für den Begriff des Verrechnungspreises werden in der Literatur eben-

so die Bezeichnungen Lenk-, Transfer- sowie Bereichsabgabepreise verwendet.

Zu unterscheiden ist der Austausch unternehmensinterner Lieferungen zwischen

einzelnen Kostenstel en, zwischen in sich abgeschlossenen Werken, Bereichen

oder Geschäftseinheiten sowie zwischen rechtlich selbstständigen Konzern-

unternehmen. Die Nutzung von Verrechnungspreisen setzt eine dezentrale

Organisationsstruktur des Unternehmens voraus, wobei die verschiedenen

Unternehmensbereiche eigenständig Entscheidungen treffen, sich dabei an ihren

Bereichserfolgen orientieren und zugleich zur Erreichung des Gesamtunterneh-

mensziels beitragen. Derartige Bereiche können Sparten, Divisionen, Geschäfts-

bereiche und Profit Center innerhalb eines Unternehmens sein oder als rechtlich

selbstständige Tochtergesel schaften fungieren.6

Verrechnungspreise sind maßgeblich für die Ergebnisverteilung einzelner Unter-

nehmensbereiche und haben demnach einen erheblichen Einfluss auf die Höhe

der Bereichsgewinne. Die Bewertung interner Leistungen übt eine Anreiz-, Steu-

erungs- sowie Motivationswirkung aus und gewinnt somit zunehmend an zentra-

ler Bedeutung.7

In der Betriebswirtschaftslehre sind Verrechnungspreise von Marktpreisen abzu-

grenzen. Im Gegensatz zu Marktpreisen, die durch das Zusammenwirken von

Angebot und Nachfrage gesteuert werden, sind Verrechnungspreise stark

zweckorientiert und ein Instrument zur Verrechnung interner Lieferungen und

4 Vgl. Schmalenbach, E., Über Verrechnungspreise, 1908/1909, S. 167.

5 Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 563.

6 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 564.

7 Vgl. Weber, J./Kleindienst, I./Stoffels, M., Internationale Verrechnungspreise, 2004, S. 7 f.

3


2 Grundlagen interner Verrechnungspreise

Leistungen.8 Indem die einzelnen Bereiche autonome Entscheidungen treffen

können und wie eigenständige Unternehmen agieren, wird versucht, den Markt-

mechanismus mit dessen Koordinationsfähigkeit auf das Unternehmen zu über-

tragen. Verrechnungspreise sind somit das Resultat aus der Fiktion eines ,Mark-

tes′ innerhalb eines Unternehmens. Die Integration mehrerer Bereiche muss

al erdings Vorteile für ein Unternehmen gegenüber selbstständig am Markt agie-

renden Unternehmen haben, da zusätzlich Koordinationskosten u.a. durch die

Verwendung von Verrechnungspreisen entstehen. Die Vorteile einer Integration

sind bspw. in einer verbesserten Kapazitätsauslastung, in einer besseren Koor-

dination von Produktentwicklungen sowie in der Nutzung und Geheimhaltung von

Know-how zu sehen.9

Eine Besonderheit stel en Konzernverrechnungspreise dar. Als Konzerne werden

wirtschaftliche Einheiten bezeichnet, die sich aus mehreren rechtlich selbststän-

digen Teileinheiten, sog. Tochtergesel schaften, zusammensetzen. Konzernver-

rechnungspreise, die in der Literatur vereinfacht als Verrechnungspreise be-

zeichnet werden, sind dadurch gekennzeichnet, dass sie zwischen verbundenen

aber rechtlich selbstständigen Unternehmen, die innerhalb einer Beteiligungs-

beziehung zueinander stehen, geleistet werden. Sie werden somit effektiv

fakturiert, geschuldet und gezahlt.10

Im Folgenden bezieht sich der Begriff ,Verrechnungspreis′ auf den Leistungsaus-

tausch zwischen rechtlich selbstständigen Konzernunternehmen.

Insbesondere bei multinationalen Konzernen gewinnt die Problematik der Ver-

rechnungspreise zunehmend an Bedeutung. Die Festlegung der Verrechnungs-

preise nimmt erheblichen Einfluss auf die Gewinne der Tochtergesel schaften

und somit auch auf die Konzernbesteuerung, da Verrechnungspreise die Höhe

der nationalen steuerlichen Bemessungsgrundlage bestimmen. Aufgrund inter-

national unterschiedlicher Steuersysteme sind Konzerne demnach bestrebt, ihre

Gewinne in steuerbegünstigte Länder zu verlagern.11

Ebenso sind Gewinnverlagerungen in Hochsteuerländer denkbar. Dies wird

bspw. dann der Fal sein, wenn eine Konzerngesel schaft dort hohe Verlustvor-

träge auszuweisen hat oder diese zu verfal en drohen.12

8 Vgl. Kotschenreuther, H., Ziele und Funktionen, 1997, S. 446.

9 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 564 f.

10 Vgl. Mandler, U., Internationale Konzernverrechnungspreise, 2002, S. 929.

11 Vgl. Weber, J./Kleindienst, I./Stoffels, M., Internationale Verrechnungspreise, 2004, S. 8.

12 Vgl. Kotschenreuther, H., Nationales Recht, 1997, S. 36 f.

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