Agrammatismus bei Broca-Aphasie - Beeinträchtigung der Sprachproduktion am Bei... close Bitte warten
Agrammatismus bei Broca-Aphasie - Beeinträchtigung der Sprachproduktion am Beispiel englischer, deutscher und französischer Patienten -

Autor: Anna-Lena Walter
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)

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Details

Veranstaltung: Human language processing
Institution/Hochschule: Universität Konstanz
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2008
Seiten: 18
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 21  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 360 KB
Archivnummer: V113663
ISBN (E-Book): 978-3-640-14131-9
ISBN (Buch): 978-3-640-14141-8

Zusammenfassung / Abstract

Kaum einem neurolinguistischen Untersuchungsgegenstand wird seit den 60er Jahren so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie dem „Agrammatismus“. Dieser stellt eine spezifische Form der Sprachstörung dar, welche durch eine Schädigung des Gehirns im so genannten Broca-Areal der sprachdominanten linken Hemisphäre des Gehirns entsteht. Die Sprachproduktion ist dabei durch das Fehlen grammatischer Strukturen je nach Ausprägung der Läsion mehr oder weniger stark beeinträchtigt, weshalb Sätze zwar gebildet werden können, dies jedoch mit vereinfachter Syntax geschieht. Man spricht hierbei auch vom so genannten „Telegrammstil“, der „Einwortsätze oder wenige Inhaltswörter (Substantive, Verben) in ihrer Grundform“ beinhaltet. Die Fähigkeit Sprache zu verstehen bleibt dabei weitgehend unberührt. Eine besondere Bedeutung im Rahmen der Agrammatismusforschung kommt der Flexionsmorphologie zu. Das Dual-Mechanism-Modell von Pinker und Prince (1988)als dualistisches Flexionsmodell geht dabei von zwei mentalen Repräsentationen bei der Verarbeitung von regulären und irregulären Flexionen aus und wendet sich damit gegen Ansätze, die von einer einheitlichen Repräsentation , also nur einem System zur Verarbeitung regulärer und irregulärer Flexionen, ausgehen. Im Folgenden sollen anhand von Personen verschiedener Nationalitäten mit entsprechender Broca-Aphasie ausgewählte Beeinträchtigungen untersucht werden, um zu sehen welche Auswirkungen eine Störung im Bereich der sprachdominanten linken Hemisphäre des Gehirns mit sich bringen kann. Parallel hierzu soll mit Hilfe bereits bestehender Läsionsstudien nach Antworten gesucht werden, welche die Theorie unterschiedlicher kognitiver Mechanismen bei der Verarbeitung regulärer/irregulärer Flexionen untermauern und bestätigen können, um zur Schlichtung konkurrierender linguistischer Theorien beizutragen.

Textauszug (computergeneriert)

Universität

Konstanz

02.08.2008

Fachbereich

Sprachwissenschaft

Seminar: ,,Human language processing"

Sommersemester 2008

Agrammatismus bei Broca-Aphasie

Beeinträchtigung der Sprachproduktion

am Beispiel englischer, deutscher und französischer

Patienten



Thema: Agrammatismus bei Broca-Aphasie________________________________

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 2

1. Einführung 3

2. Dual-Mechanism-Theory 4

2.1 Grundlegendes 4

2.2 Annahmen des Modells 4

3. Erweitertes Modell nach Ullman 6

3.1 ,,Past-Tense" Bildung bei englischsprachigen Aphasie-Patienten 6

4. Weitere neurolinguistische Untersuchungen 9

4.1 ,,Partizip" Bildung bei deutschsprachigen Aphasie-Patienten 9

4.2 ,,Imparfait" / ,,futur" Bildung bei französischsprachigen Aphasie- Patienten 11

5. Zusammenfassung und Diskussion 13

6. Fazit 15

Literaturverzeichnis 16



2


Thema: Agrammatismus bei Broca-Aphasie________________________________

1. Einführung

Kaum einem neurolinguistischen Untersuchungsgegenstand wird seit den 60er

Jahren so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie dem ,,Agrammatismus". Dieser stellt

eine spezifische Form der Sprachstörung dar, welche durch eine Schädigung des

Gehirns im so genannten Broca-Areal der sprachdominanten linken Hemisphäre

des Gehirns entsteht.1 Die Sprachproduktion ist dabei durch das Fehlen

grammatischer Strukturen je nach Ausprägung der Läsion mehr oder weniger

stark beeinträchtigt, weshalb Sätze zwar gebildet werden können, dies jedoch mit

vereinfachter Syntax geschieht. Man spricht hierbei auch vom so genannten

,,Telegrammstil", der ,,Einwortsätze oder wenige Inhaltswörter (Substantive,

Verben) in ihrer Grundform"2 beinhaltet. Die Fähigkeit Sprache zu verstehen bleibt

dabei weitgehend unberührt.

Eine besondere Bedeutung im Rahmen der Agrammatismusforschung kommt der

Flexionsmorphologie zu. Das Dual-Mechanism-Modell von Pinker und Prince

(1988)3 als dualistisches Flexionsmodell geht dabei von zwei mentalen

Repräsentationen bei der Verarbeitung von regulären und irregulären Flexionen

aus und wendet sich damit gegen Ansätze, die von einer einheitlichen

Repräsentation4, also nur einem System zur Verarbeitung regulärer und irregulärer

Flexionen, ausgehen.

Im Folgenden sollen anhand von Personen verschiedener Nationalitäten mit

entsprechender Broca-Aphasie ausgewählte Beeinträchtigungen untersucht

werden, um zu sehen welche Auswirkungen eine Störung im Bereich der

sprachdominanten linken Hemisphäre des Gehirns mit sich bringen kann. Parallel

hierzu soll mit Hilfe bereits bestehender Läsionsstudien nach Antworten gesucht

werden, welche die Theorie unterschiedlicher kognitiver Mechanismen bei der

Verarbeitung regulärer/irregulärer Flexionen untermauern und bestätigen können,

um zur Schlichtung konkurrierender linguistischer Theorien beizutragen.



1 Vgl. Penke, 1998, S.1.

2 Holzapfel, 2007, S.7.

3 Vgl. Pinker; Prince, 1988, S.73 ff.

4 Vgl. u.a. Rumelhart; McClelland, 1986.

3


Thema: Agrammatismus bei Broca-Aphasie________________________________

2. Dual-Mechanism-Theory

2.1 Grundlegendes

Das Dual-Mechansim-Modell von Pinker und Prince (1988) gilt als

Spracherwerbsmodell nativistischer Prägung, dessen Grundannahmen auf Noam

Chomskys Theorie der ,,Universalgrammatik" aus dem Jahre 1965 basieren.5

Dieser begreift Spracherwerb als etwas, das einem Menschen passiert und eine

aktive Beteiligung derer nicht voraussetzt beziehungsweise benötigt.6

Dementsprechend werden essentielle Aspekte der Grammatik als angeboren und

damit genetisch bestimmt betrachtet. Da die zugrunde liegenden Prinzipien jedoch

nur den Teilaspekt ,,Grammatik" beinhalten, wird von einer so genannten

,,Modularität" der Lernmechanismen ausgegangen, die sich mit den weiteren

Teilaspekten von Sprache beschäftigen. Zu diesen lassen sich die Grundaspekte

der Linguistik (Morphologie, Semantik, Syntax, Pragmatik, Phonologie) zählen.

Von einem Einfluss durch Interaktion mit der eigenen Umwelt, in welcher sich erst

durch Umgang mit Gegenständen und Personen ,,kognitive Strukturen"7

unterschiedliche Niveaus des Denkens/der Sprache entwickeln wird weitgehend

abgesehen. Dennoch geht die nativistische Spracherwerbstheorie nicht von einer

vollkommenen Irrelevanz sprachlichen und umweltbedingten Inputs aus. In

welchem Maße dies jedoch mit einzubeziehen ist, ist bislang umstritten und soll

hier nicht weiter Beachtung finden.

2.2 Annahmen des Modells

Das Dual-Mechanism-Modell unterscheidet zwischen regulären und irregulären

Formen und geht dabei von zwei vollkommen getrennten kognitiven Systemen bei

deren Verarbeitung aus. Reguläre Formen werden demnach über ein anderes

System innerhalb des angeborenen Mechanismus verarbeitet, als irreguläre

Formen (s.Abb1), worauf die Bezeichnung des Modells ,,Dual-Mechanism" bereits

schließen lässt.


5 Vgl. Chomsky, 1965.

6 Ebenda, 1965.

7 Piaget, 1981, In: Deissinger, 2008, S.54.

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