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Ist die sportliche Leistungsfähigkeit antrainiert oder geerbt?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2002, 29 Pages
Author: Thomas Spörrer
Subject: Sport - Sport Medicine, Therapy, Prevention, Nutrition

Details

Event: Sportmedizin
Institution/College: University of Constance (Sportwissenschaft)
Tags: Leistungsfähigkeit, Sportmedizin
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2002
Pages: 29
Grade: 1
Language: German
Archive No.: V11369
ISBN (E-book): 978-3-638-17548-7
ISBN (Book): 978-3-640-32521-4
File size: 341 KB

Abstract

„Außergewöhnliches wurde immer nur von Menschen geleistet, die zu glauben wagten, dass irgend etwas in ihrem Inneren den Umständen gewachsen sei.“ 1 (Bruce Barton, 1886-1967)


Excerpt (computer-generated)

UNIVERSITÄT KONSTANZ
Fachbereich Geschichte und Soziologie
Fachgruppe Sportwissenschaft
Hauptseminar Sportmedizin SS 2002

Ist die sportliche Leistungsfähigkeit antrainiert oder geerbt?

Thomas Spörrer

 

Inhaltsverzeichnis

01. Einleitung  S. 03.

02. Die sportliche Leistungsfähigkeit und deren Einflussfaktoren  S. 04.

03. Die gegenseitige Beeinflussung von Erbe und Umwelt  S. 07.

04. Genetische Grundlagen  S. 10.

05. Verschiedene Methoden der Vererbungsforschung und ihre Ergebnisse  S. 13.
05.1. Aufdecken von Koinzidenzen  S. 13.
05.1. Die Stammbaumforschung  S. 14.
05.1. Die Zwillingsforschung  S. 15.

06. Untersuchung von VO² max. und Genotyp  S. 19.

07. Low- und High-Responder  S. 23.

08. Rolle des ACE-Gens  S. 23.

09. Zusammenfassung  S. 25.

10. Literaturverzeichnis  S. 28.

 

1. Einleitung


„Außergewöhnliches wurde immer nur von Menschen geleistet, die zu glauben wagten, dass irgend etwas in ihrem Inneren den Umständen gewachsen sei.“ 1 (Bruce Barton, 1886-1967)

„Bedeutende Leistungen werden nur von besonderen Menschen erzielt; und bedeutend ist jemand nur dann, wenn er fest entschlossen ist, es zu sein.“ 2 (Charles de Gaulle, 1890-1970)

Die körperliche Leistungsfähigkeit hat in der stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen eine große Rolle gespielt. Sie entschied über Leben und Tod und hat somit in hervorragendem Maße mitgeholfen, den Menschen selektiv zu formen.3 Die Rolle der körperlichen Leistungsfähigkeit hat sich jedoch im Laufe der Zeit drastisch verändert. Während es bei den „Jägern und Sammlern“ primär um das eigene Ernähren und Überleben ging, steht die körperliche Leistungsfähigkeit in unserem Zeitalter quasi als ein Statussymbol für Gesundheit, Schönheit und Erfolg. Doch auch oder gerade deshalb, weil wir in einer kommerzialisierten und medialisierten Gesellschaft leben, steht die körperliche Leistungsfähigkeit vor allem für sportlichen Erfolg.

„Ist die sportliche Leistungsfähigkeit antrainiert oder geerbt?“ ist eine Fragestellung, die die Talentsucher im Sport seit jeher interessierte. Da die körperliche bzw. sportliche Leistungsfähigkeit jedoch von vielen Faktoren beeinflussbar ist, wird deutlich, dass es sich hier um ein sehr komplexes Gebilde handelt. Inwieweit diese Faktoren genetischen oder umweltbedingten Ursprungs sind, welcher Einfluss bedeutender ist, oder ob einmal erworbene Fähigkeiten direkt an die Nachfahren vererbt werden können, soll genauso geklärt werden wie die Problematik, dass bestimmte Rekordhöhen, -weiten und -zeiten von manchen Sportlern erbracht wurden, während andere jedoch selbst bei maximalen Trainingsumfängen und optimaler Trainingssteuerung sowie optimalen Umweltbedingungen dies nicht erreichen konnten. Dieser Kontroverse von Anlage und Umwelt kommt vor allem im Kontext spitzensportlicher Höchstleistungen besondere Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang ergeben sich weitere interessante Fragestellungen, die auch für die Talentsucher und die Sportwissenschaft große Bedeutung haben. Dabei soll z.B. herausgefunden werden, inwieweit der Mensch durch seine Gene limitiert ist, wie viel durch Training überhaupt erreicht werden kann, oder ob es bestimmte Faktoren gibt, die zu trainieren es besonders lohnen würde, weil sie vielleicht besonders leicht zu verändern sind.

Anhand dieser Arbeit soll an verschiedenen Untersuchungen und ihren Ergebnissen dargestellt werden, inwieweit der genetische Faktor für die körperliche Leistungsfähigkeit entscheidend ist. Ich möchte mich dabei vor allem auf die Zwillingsforschung, die Stammbaumforschung, das Aufdecken von Koinzidenzen sowie auf neueste Erkenntnisse aus der genetischen Forschung beziehen.

2. Die sportliche Leistungsfähigkeit und deren Einflussfaktoren

Wie komplex die sportliche Leistungsfähigkeit ist und wie viele verschiedene Faktoren sie beeinflussen, soll anhand der folgenden Schaubilder verdeutlicht werden. Zum ersten die „Bedingungen sportlicher Leistung“ nach MARTIN/ CARL/ LEHNERTZ.


[Abb. in Downloaddatei enthalten.]
Abb. 1: Bedingungen sportlicher Leistung 4

Wie aus dem Schaubild zu erkennen, kann man zwei Hauptfaktoren unterscheiden: die „personalen Bedingungen“ und die „apersonalen Bedingungen“.

Die personalen Bedingungen sind die durch Veranlagung und Umwelt geprägten Bedingungen, sie sind zum Teil durch Training beeinflussbar. Einzelne Bedingungsvariablen sind jedoch in ihrer Weiterentwicklung auch durch genetische Voraussetzungen vorherbestimmt oder fixiert. Daraus lässt sich z.B. auch die Trainierbarkeit einzelner Merkmale ableiten. Für Leistungs- und Talentprognosen ist es jedoch sicher nicht sinnvoll, nur die indirekt beobachtbaren personalen Bedingungen, speziell die vier Körpersysteme zu betrachten, da eben dadurch, dass die körperliche Leistungsfähigkeit ein derart komplexes Gebilde ist, man alle Faktoren in Betracht ziehen muss, die ein potentielles Talent zu einem Weltklasseathleten machen könnten. Auch die apersonalen Bedingungen, die das Umfeld des Sportlers kennzeichnen müssen daher Beachtung finden. Diese Faktoren sind durch Training nicht veränderbar, können und müssen jedoch bewusst ausgenutzt und eingesetzt werden, z.B. durch unterschiedliche Geräte um damit einen bestimmten Trainingseffekt zu erreichen. 5

Das Schaubild von JÖRGENSEN/ RIEDER zeigt ebenfalls die wichtigsten Faktoren, die auf die sportliche Leistung Einfluss nehmen.

 

[....]


1  www.zitate.de
2  vgl. www.history.com/france
3  Vgl. Jörgensen/ Rieder 1972, S. 304.
4  Martin/ Carl/ Lehnertz 1993, S.25.
5  vgl. Martin/ Carl/ Lehnertz 1993, S. 24-26.


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