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Diploma Thesis, 2008, 91 Pages
Author: Dipl. Kffr. (FH) Christine Bönig
Subject: Health Science
Details
Tags: Arzneimittel, Gesundheitswesen, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Beispiel, HPV-Impfstoffe
Year: 2008
Pages: 91
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 65 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-40739-2
ISBN (Book): 978-3-640-40757-6
File size: 1131 KB
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Abstract
Die Arzneimittelsicherheit und -wirtschaftlichkeit werden in Deutschland durch ein umfassendes Rechtssystem u a. durch das Arzneimittelgesetz, das Heilmittelwerbegesetz, das Haftungsrecht und das Sozialgesetzbuch - Fünftes Buch – (SGB V) sowie die Arzneimittelpreisverordnung gewährleistet. Insbesondere das Arzneimittelgesetz beinhaltet Instrumente zur Arzneimittelsicherheit wie z. B. die Kontrolle der Arzneimittelherstellung und -qualität, Zulassungsvoraussetzungen, Gefährdungshaftung für Arzneimittelschäden sowie die Kontrolle von Arzneimittelrisiken durch einen Stufenplan. Die Arzneimittelwirtschaftlichkeit soll durch die Instrumente der Mengen- und Preisregulierung gewährleistet werden. Im Oktober 2006 erhielt Gardasil als erster von zwei Impfstoffen gegen humane Papilomviren seine Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde. Seitdem ist der Impfstoff auch auf dem deutschen Markt erhältlich und die Impfung gegen HP-Viren - fälschlicherweise häufig auch als Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs - in der Diskussion. Während der Nutzen und das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Impfung in der Fachwelt umstritten ist, machen die Pharmahersteller Merck, Sanofi Pasteur MSD und GlaxoSmithKline seit Monaten mit Plakaten in Apotheken, Handzetteln, in Rundfunk und Fernsehen sowie im Internet auf die ernsthafte Gesundheitsgefährdung durch Gebärmutterhalskrebs aufmerksam und bewerben ihre Produkte als zuverlässige Abhilfe. In der folgenden Arbeit werden sowohl die Sicherheit als auch die Wirtschaftlichkeit der HPV-Impfstoffe betrachtet. Dazu wird zunächst ein Überblick über den Arzneimittelmarkt, seine Bedeutung, Akteure und Entwicklungen gegeben. Des Weiteren werden die Instrumente der Arzneimittelsicherheit und -wirtschaftlichkeit dargestellt und auf ihre Umsetzung hinsichtlich der HPV-Impfstoffe überprüft. Da im deutschen Gesundheitswesen mit etwa 88% der überwiegende Teil der Bevölkerung in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, werden sich die nachfolgenden Betrachtungen und Ausführungen auf diesen Versicherungszweig beziehen. Die Verwendung der maskulinen Formulierung ist für beide Geschlechter maßgebend. Sofern Angaben sich ausschließlich auf Frauen beziehen wird im Text darauf verwiesen bzw. die weibliche Form verwendet.
Excerpt (computer-generated)
Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel
Standort Wolfsburg
Fachbereich Gesundheitswesen
Studiengang Krankenversicherungsmanagement
Arzneimittel im deutschen Gesundheitswesen
- Sicherheit und Wirtschaftlichkeit
am Beispiel der HPV-Impfstoffe -
Diplomarbeit
zur Erlangung des Grades ,,Diplom-Kauffrau (FH)"
Bönig, Christine
09.03.2008
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis IV
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis VI
1
Einleitung 7
2
Arzneimittelmarkt 9
2.1
Definitionen und begriffliche Abgrenzungen 9
2.1.1
Arzneimittel 9
2.1.2
Analogpräparate und Generika 10
2.2
Bedeutung und Problemfelder in der gesetzlichen
Krankenversicherung 12
2.2.1
Ausgabenentwicklung und Marktsituation 12
2.2.2
Organisation der Arzneimittelversorgung 16
2.3
Struktur und Entwicklung des Pharmamarktes 20
2.3.1
Hersteller 20
2.3.2
Produkte 22
2.4
Staatliche Überwachung 26
2.4.1
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 26
2.4.2
Gemeinsamer Bundesausschuss 27
2.4.3
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Gesundheitswesen 28
2.4.4
Ständige Impfkommission 29
3
Arzneimittelsicherheit 30
3.1
Prozess der Arzneimittelentwicklung 30
3.2
Zulassung 34
3.2.1
Nationales Verfahren 34
3.2.2
Europäische Verfahren 36
3.3
Pharmakovigilanz 38
3.4
Umsetzung am Beispiel der HPV-Impfstoffe 41
3.4.1
Epidemiologischer Hintergrund 41
3.4.2
HPV-Impfstoffe 43
II
3.4.3 Klinische Wirksamkeit 44
3.4.4 Sicherheit 50
4 Arzneimittelwirtschaftlichkeit 54
4.1 Mengenregulierung 54
4.1.1 Wirtschaftlichkeitsgebot 54
4.1.2 Leistungsansprüche und -begrenzungen 55
4.1.3 Steuerung des ärztlichen Verordnungsvolumens 56
4.1.4 Kosten-Nutzen-Bewertung 58
4.2 Staatliche Preisregulierungen 59
4.2.1 Vorbemerkung 59
4.2.2 Zuzahlungen 61
4.2.3 Festbeträge 61
4.2.4 Höchstbetrag 65
4.2.5 Arzneimittelpreisverordnung 65
4.2.6 Rabatte 66
4.2.7 Aut-idem-Regelung und Importarzneimittel 68
4.3 Umsetzung am Beispiel der HPV-Impfstoffe 70
5 Resümee 77
Literaturverzeichnis 80
Anhang I: Akteure am deutschen Arzneimittelmarkt 90
III
Abkürzungsverzeichnis
Abs. -
Absatz
AKF -
Arbeitskreis Frauengesundheit
AMG -
Arzneimittelgesetz
AOK -
Allgemeine
Ortskrankenkasse(n)
AVWG - Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz
BfArm -
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
BAH -
Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller
BAnz. -
Bundesanzeiger
BGBl. -
Bundesgesetzblatt
BKK -
Betriebskrankenkasse(n)
BMG -
Bundesministerium für Gesundheit
BPI -
Bundesverband der pharmazeutischen Industrie
bzw. -
beziehungsweise
ca. -
circa
CIN -
cervikale
intraepitheliale Neoplasien
(zervikale
intraepitheliale
Neoplasien)
DAMA -
Deutsche Arzneimittel und Medizinprodukte
Agentur
DDD -
defined daily doses
(definierte
Tagesdosis)
d. h. -
das heißt
Ebd. -
Ebenda
EBM -
einheitlicher Bewertungsmaßstab
EMEA -
European Medicines Evaluation Agency
(Europäische Agentur für die Beurteilung von
Arzneimitteln)
et al.
et alii
(und
andere)
EU -
Europäische Union
f - folgende
ff - fortfolgende
IV
G-BA - Gemeinsamer Bundesausschuss
GEK - Gmünder - Ersatzkasse
GKV - gesetzliche Krankenversicherung
GMG - Gesundheitsmodernisierungsgesetz
HPV - humane Papillomviren
Hrsg. - Herausgeber
HVV - Honorarverteilungsvertrag
IQWiG - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
i. V. m. - in Verbindung mit
KBV - Kassenärztliche Bundesvereinigung
Mio. - Million(en)
ml - Milliliter
Mrd. - Milliarde(n)
Nr. - Nummer
OTC - over the counter (über die Theke; frei verkäuflich)
o. V. - ohne Verfasser
PAP-Test - Abstrichtest nach Dr. George Papanicolaou
S. - Seite
SGB V - Sozialgesetzbuch Fünftes Buch
STIKO - Ständige Impfkommission
u. a. - unter anderem
USA - United States of America (Vereinigte Staaten von Amerika)
VFA - Verband Forschender Arzneimittelhersteller
vgl. - vergleiche
WHO - World Health Organization (Weltgesundheitsorganisation)
WSG - Wettbewerbsstärkungsgesetz
z. B. - zum Beispiel
$ - Dollar
V
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: Ausgabenentwicklung für Arzneimittel im GKV-Verordnungsmarkt in Mrd. Euro von 1993 bis 2007 12
Abbildung 2: Ausgaben der GKV in Mrd. Euro im Jahr 2006 13
Abbildung 3: Prozessstufen der Arzneimittelentwicklung 30
Abbildung 4: Verteilung des Fertigarzneimittelumsatzes nach
Distributionsstufen im Jahr 2004 60
Tabelle 1:
Arzneimittelmarkt zu Endverbraucherpreisen 2006 17
Tabelle 2:
Vergleich von Entwicklungskosten, Dauer und
Umsatz neuer Medikamente und patentierter
Darreichungssysteme 25
Tabelle 3:
Klassifikation von Dysplasien 42
Tabelle 4:
Spontaner Verlauf der Zervixdysplasie ohne
Therapie 42
Tabelle 5:
Wirksamkeit von Gardasil gegen CIN und
Adenokarzinome in situ 47
Tabelle 6:
Wirksamkeit von Gardasil gegen Genitalwarzen
sowie CIN und Karzinome an Vulva und Vagina
aus Future I 47
VI
1 Einleitung
Die Arzneimittelsicherheit und -wirtschaftlichkeit werden in Deutschland durch ein umfassendes Rechtssystem u a. durch das Arzneimittelgesetz, das Heilmittelwerbegesetz, das Haftungsrecht und das Sozialgesetzbuch - Fünftes Buch (SGB V) sowie die Arzneimittelpreisverordnung gewährleistet. Insbesondere das Arzneimittelgesetz beinhaltet Instrumente zur Arzneimittelsicherheit wie z. B. die Kontrolle der Arzneimittelherstellung und -qualität, Zulassungsvoraussetzungen, Gefährdungshaftung für Arzneimittelschäden sowie die Kontrolle von Arzneimittelrisiken durch einen Stufenplan. Die Arzneimittelwirtschaftlichkeit soll durch die Instrumente der Mengen- und Preisregulierung gewährleistet werden.1
Im Oktober 2006 erhielt Gardasil als erster von zwei Impfstoffen gegen humane Papilomviren seine Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde. Seitdem ist der Impfstoff auch auf dem deutschen Markt erhältlich2 und die Impfung gegen HP-Viren - fälschlicherweise häufig auch als Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs - in der Diskussion. Während der Nutzen und das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Impfung in der Fachwelt umstritten ist, machen die Pharmahersteller Merck, Sanofi Pasteur MSD und GlaxoSmithKline seit Monaten mit Plakaten in Apotheken, Handzetteln, in Rundfunk und Fernsehen sowie im Internet auf die ernsthafte Gesundheitsgefährdung durch Gebärmutterhalskrebs aufmerksam und bewerben ihre Produkte als zuverlässige Abhilfe.3
In der folgenden Arbeit werden sowohl die Sicherheit als auch die Wirtschaftlichkeit der HPV-Impfstoffe betrachtet. Dazu wird zunächst ein Überblick über den Arzneimittelmarkt, seine Bedeutung, Akteure und Entwicklungen gegeben. Des Weiteren werden die Instrumente der Arzneimittelsicherheit und -wirtschaftlichkeit dargestellt und auf ihre Umsetzung hinsichtlich der HPV-Impfstoffe überprüft.
1 Vgl. o. V., Arzneimittelsicherheit, Stand: 21.01.2008 (Internet).
2 Vgl. Hillemanns, P., Schneller als das Virus!, 2007, S. 8.
3 Vgl. o. V., HPV-Impfstoff Gardasil, 2007, S. 57; vgl. o. V., Zweiter HPV-Impfstoff Cervarix, 2007, S. 102.
7
1 Einleitung
Da im deutschen Gesundheitswesen mit etwa 88% der überwiegende Teil der Bevölkerung in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist4, werden sich die nachfolgenden Betrachtungen und Ausführungen auf diesen Versicherungszweig beziehen. Die Verwendung der maskulinen Formulierung ist für beide Geschlechter maßgebend. Sofern Angaben sich ausschließlich auf Frauen beziehen wird im Text darauf verwiesen bzw. die weibliche Form verwendet.
4 Vgl. o. V., Steuerung der Arzneimittelausgaben [...], 2006, S. 34.
8
2 Arzneimittelmarkt
2.1 Definitionen und begriffliche Abgrenzungen
2.1.1 Arzneimittel
Nach der Definition des Arzneimittelgesetzes (AMG) sind Arzneimittel insbesondere Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen. Diese sind dazu bestimmt, durch Anwendung bei Mensch oder Tier
- Krankheiten, Leiden, Körperschäden oder krankhafte Beschwerden zu heilen, zu lindern, zu verhüten oder zu erkennen,
- körperlich erzeugte Wirkstoffe oder Körperflüssigkeiten zu ersetzen,
- Krankheitserreger, Parasiten oder körperfremde Stoffe abzuwehren, zu beseitigen oder unschädlich zu machen oder
- die Beschaffenheit, den Zustand oder die Funktionen des Körpers oder seelische Zustände zu beeinflussen (vgl. § 2 Absatz 1 AMG5).
Da diese Definition weit gefasst ist, grenzt das Gesetz Arzneimittel klar von Lebens- und Futtermitteln, Kosmetika und Körperpflegeprodukten, Tabakwaren sowie Medizinprodukten ab, die demzufolge keine Arzneimittel sind (vgl. § 2 Absatz 3 AMG). Impfstoffe werden dagegen explizit als Arzneimittel ausgewiesen (vgl. § 4 Absatz 4 AMG).
Heute werden überwiegend so genannte Fertigarzneimittel abgeben, die im Voraus hergestellt und in einer zur Abgabe an den Verbraucher bestimmten Packung in den Verkehr gebracht werden (vgl. § 4 Abs. 1 AMG). Arzneimittel können nach · ihren Wirkstoffen - z. B. chemisch definierte Stoffe oder Pflanzenextrakte;
- ihrem Anwendungsgebiet - z. B. Schmerz-, Schlaf-, Beruhigungs- oder Betäubungsmittel und [...]
5 BGBl. I S. 3394 in der Fassung der Bekanntmachung vom 12.12.2005, zuletzt Geändert durch Artikel 9 Absatz 1 des Gesetzes vom 23.11.2007 BGBl. I S. 2631.
9
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