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Scholary Paper (Seminar), 2008, 20 Pages
Author: Nicole Böhmer
Subject: Politics - Didactics, Political Education
Details
Institution/College: Carl von Ossietzky University of Oldenburg
Tags: Schulbuchanalyse, Fach, Politik-Wirtschaft, Beispiel, Mensch, Politik, Forschendes, Lernen, Fach, Politik-Wirtschaft
Year: 2008
Pages: 20
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 20 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-15051-9
File size: 143 KB
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Abstract
Auf dem Schulbuchmarkt in Deutschland gibt es rund 70 Schulbuchverlage die miteinander in Konkurrenz stehen. Mit ca. 30.000 Titeln decken sie alle Schulformen, Bildungsgänge und auch den Bereich der Erwachsenenbildung ab (vgl. Detjen 2001, S. 459). Daran wird deutlich, welche Dimensionen mit dem Stichwort Schulbuch verbunden sind. Zwar ist nur ein geringer Teil dieser Bücher für den Politik-Wirtschaftunterricht konzipiert, was allerdings nichts daran ändert, dass Lehrkräfte dem Schulbuch auch in diesem Fach einen hohen Stellenwert zuweisen. Harms & Breit (1990, S. 143) stellen in ihrer empirischen Erhebung zum Politikunter-richt heraus, dass das Schulbuch für Lehrkräfte eine wesentliche Orientierungshilfe bei der Unterrichtsplanung darstellt. Lehrkräfte sind sich durchaus darüber bewusst, dass insbesondere öffentliche Medien, wie Fernsehen und Internet, einen großen Einfluss auf die politisch-ökonomische Meinungsbildung der Schüler und Schülerinnen haben. Aufgabe des Politik-Wirtschaftunterrichts ist es hier anzuknüpfen und mit den Schülern die angebotenen Informationen kritisch zu reflektieren, um die politisch-ökonomische Urteilsfähigkeit der Schüler zu fördern (vgl. Weißeno 2001, S. 21). Es müssen somit Lernumgebungen geschaffen werden, die neue und traditionelle Medien im Unterricht integrieren. Trotz der Entwicklung moderner Medien zählt nach Schiller (1998, S. 427) das Schulbuch immer noch als das zentrale Arbeitsmittel für Schüler und Lehrer im Unterricht. Aus diesem Grund müssen Schulbücher, als lehrplankonforme und für Schüler hergestellte Druckwerke, methodisch-didaktisch gründlich aufbereitet sowie evaluiert werden (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 2006a, S. 4; Schiller 1998, S. 427). Mit dem Titel „Zu viele Fehler: Schulbücher im Test“ macht die Stiftung Warentest (2007, S. 1) im letzten Jahr auf die vermehrten inhaltlichen und didaktischen Schwächen in Lehr-büchern des Biologie- und Geschichtsunterrichts aufmerksam. Aber auch in den Bereichen Politik und Wirtschaft werden Schulbücher im Hinblick auf einen fehlenden Realitätsbezug sowie ungenügender methodisch-didaktischer Aufbereitung kritisiert (vgl. Schiller 1998, S. 427). Damit geraten die Schulbuchverlage in den kritischen Blickpunkt von Kultusministerien, Eltern und Schülern.
Excerpt (computer-generated)
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Merkmale von Schulbüchern 2
2.1 Funktionen von Schulbüchern 2
2.2 Didaktische Eigenschaften von Schulbüchern 4
3 Einflussfaktoren bei der Schulbuchgestaltung 5
4 Die Schulbuchanalyse ,,Mensch und Politik SI" 6
4.1 Gestaltung und Konzeption 7
4.2 Allgemeine Einsetzbarkeit und Arbeitserleichterung 10
4.3 Inhaltliche Qualität 11
4.4 Spezielles Verständnis von Didaktik 12
5 Fazit 15
Literaturverzeichnis 17
1 Einleitung
Auf dem Schulbuchmarkt in Deutschland gibt es rund 70 Schulbuchverlage die miteinander in
Konkurrenz stehen. Mit ca. 30.000 Titeln decken sie alle Schulformen, Bildungsgänge und
auch den Bereich der Erwachsenenbildung ab (vgl. Detjen 2001, S. 459). Daran wird deutlich,
welche Dimensionen mit dem Stichwort
Schulbuch
verbunden sind. Zwar ist nur ein geringer
Teil dieser Bücher für den Politik-Wirtschaftunterricht1 konzipiert, was allerdings nichts dar-
an ändert, dass Lehrkräfte dem Schulbuch auch in diesem Fach einen hohen Stellenwert zu-
weisen. Harms & Breit (1990, S. 143) stellen in ihrer empirischen Erhebung zum Politikunter-
richt heraus, dass das Schulbuch für Lehrkräfte eine wesentliche Orientierungshilfe bei der
Unterrichtsplanung darstellt.
Lehrkräfte sind sich durchaus darüber bewusst, dass insbesondere öffentliche Medien, wie
Fernsehen und Internet, einen großen Einfluss auf die politisch-ökonomische Meinungsbil-
dung der Schüler und Schülerinnen2 haben. Aufgabe des Politik-Wirtschaftunterrichts ist es
hier anzuknüpfen und mit den Schülern die angebotenen Informationen kritisch zu reflektie-
ren, um die politisch-ökonomische Urteilsfähigkeit der Schüler zu fördern (vgl. Weißeno
2001, S. 21). Es müssen somit Lernumgebungen geschaffen werden, die neue und traditionel-
le Medien im Unterricht integrieren. Trotz der Entwicklung moderner Medien zählt nach
Schiller (1998, S. 427) das Schulbuch immer noch als das zentrale Arbeitsmittel für Schüler
und Lehrer im Unterricht. Aus diesem Grund müssen Schulbücher, als lehrplankonforme und
für Schüler hergestellte Druckwerke, methodisch-didaktisch gründlich aufbereitet sowie eva-
luiert werden (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium 2006a, S. 4; Schiller 1998, S. 427).
Mit dem Titel ,,Zu viele Fehler: Schulbücher im Test" macht die Stiftung Warentest (2007,
S. 1) im letzten Jahr auf die vermehrten inhaltlichen und didaktischen Schwächen in Lehr-
büchern des Biologie- und Geschichtsunterrichts aufmerksam. Aber auch in den Bereichen
Politik und Wirtschaft werden Schulbücher im Hinblick auf einen fehlenden Realitätsbezug
sowie ungenügender methodisch-didaktischer Aufbereitung kritisiert (vgl. Schiller 1998,
S. 427). Damit geraten die Schulbuchverlage in den kritischen Blickpunkt von Kultusministe-
rien, Eltern und Schülern. Diese dargestellte Kritik an Schulbüchern wirft die Frage auf, ob
Schulbücher überhaupt noch ihre wesentlichen Funktionen erfüllen und folglich als zentrales
Arbeitsmittel, wie es das Niedersächsische Kultusministerium fordert, im Unterricht einge-
setzt werden können. Daher werden im Folgenden die Funktionen und didaktischen Eigen-
1 Da für das Fach Politik-Wirtschaft noch keine empirischen Erhebungen im Hinblick auf den Stellenwert des
Schulbuches im Unterricht durchgeführt worden sind, beziehe ich mich im Folgenden auf Literatur die sich auf
das Fach Politik oder Sozialkunde bezieht.
2 Im weiteren Verlauf wird für Schüler und Schülerinnen sowie für Lehrer und Lehrerinnen nur die männliche
Schreibweise gewählt.
1
schaften des Schulbuches sowie die Einflussfaktoren, die bei der Schulbuchgestaltung mit-
wirken, herausgearbeitet und analysiert. Anschließend soll ein kurzer Einblick in die ver-
schiedenen Formen der Schulbuchforschung gewährt werden, um dann eine eigens durchge-
führte Schulbuchanalyse des Politik-Wirtschaftschulbuches ,,Mensch und Politik SI" anhand
ausgewählter Kriterien durchzuführen. Damit soll exemplarisch gezeigt werden, dass Schul-
bücher im Politik-Wirtschaftunterricht ihre zugewiesenen Funktionen immer noch erfüllen.
Abschließend werden in einem Fazit die wesentlichen Elemente der Arbeit zusammengefasst.
2 Merkmale von Schulbüchern
Das Niedersächsische Kultusministerium (2006a, S. 4) definiert Schulbücher als für ,,Unter-
richtszwecke bestimmte Druckwerke für die Hand der Schülerin oder des Schülers, die im
Unterricht für einen längeren Zeitraum als Hauptarbeitsmittel benutzt werden." Diese formale
Definition kann ergänzt werden, indem Schulbücher als offizielle Bücher bezeichnet werden,
die in einer staatlichen Einrichtung eingesetzt werden und folglich den Kontroll- und Prü-
fungsverfahren des Staates unterliegen (vgl. Detjen 2001, S. 460). Wird ein Blick auf die in-
haltliche Besonderheit des Mediums Schulbuch gewagt wird deutlich, dass Schulbücher
Merkmale aufweisen, die sie von anderen Büchern unterscheiden. Aufgrund dessen sollen in
einem nächsten Schritt die Funktionen von Schulbüchern beschrieben und analysiert werden.
2.1 Funktionen von Schulbüchern
Hacker (1980, S. 14-30) nimmt eine Untereilung der Funktionen von Schulbüchern als Unter-
richtsmedium in sechs Kategorien vor: Strukturierungs-, Repräsentations-, Steuerungs-, Moti-
vations-, Differenzierungs- und Übungs- bzw. Kontrollfunktion.
Im Hinblick auf die Gestaltung der Unterrichtseinheiten bildet das Schulbuch einen struktu-
rierten inhaltlichen roten Faden ab, an dem sich Lehrer orientieren können (vgl. Detjen 2001,
S. 460). Das Schulbuch versucht die Gesamtheit der Lerninhalte des jeweiligen Faches aufzu-
teilen und in eine sinnvolle Ordnung zu bringen. Die Strukturierungsfunktion beinhaltet aber
nach Hacker (1980, S. 15) auch, dass durch die Aufdeckung grundlegender Strukturen Inter-
pretationsmuster zum Verstehen eines Unterrichtsfaches geschaffen werden. Es kommt somit
zu einer Verknüpfung von einzelnen Kapiteln und Inhalten des Schulbuches, in Anlehnung an
die detaillierte Curriculumentwicklung des Faches (vgl. Giesecke 1993, S. 150). Die Darstel-
lung der Strukturen im Schulbuch bedarf allerdings der Erläuterung. So müssen den unterrich-
tenden Lehrkräften zum Verständnis der inneren Zusammenhänge im Schulbuch, Einstiegs-
kapitel oder Lehrerbegleithefte zur Verfügung gestellt werden, um eine fachlich kompetente
Vermittlung der Schulbuchinhalte zu gewährleisten.
2
Wie Gegenstände im Unterricht dargestellt werden, hängt von ihrer Verfügbarkeit und Be-
schaffenheit ab (vgl. Hacker 1980, S. 17). Eine realitätsnahe Repräsentation von Unterrichts-
inhalten kann erfolgen, wenn Politik-Wirtschaftschulbücher bspw. Zeitungskommentare, ak-
tuelle Wirtschaftsgrafiken oder Parteiprogramme enthalten. Die Sachverhalte, die hinter die-
sen Realitäten stecken, müssen zusammen mit dem Lehrer aufgedeckt und geklärt werden,
sodass Schüler die Möglichkeit haben sich auch kritisch mit dem Schulbuch auseinanderzu-
setzen. Diese Erfahrungen können im Umgang mit politisch-publizistischen Produkten später
nützlich sein (vgl. Giesecke 1993, S. 150 f.). Neben realitätsnaher Repräsentation gibt es im
Schulbuch noch die Repräsentation didaktisch gestaltender Situationen. Darunter werden
Text-Bild-Darstellungen von Problem- und Fallsituationen gefasst, welche zum Handeln her-
ausfordern, wie bspw. Diskussionen, Rollenspiele oder Erkundungen. Häufig wird den Kapi-
teln im Schulbuch eine Alltagssituation vorgeschaltet, in die der jeweilige Unterrichtsgegen-
stand eingebettet ist. Dies stellt eine Entlastung für die Lehrkräfte dar (vgl. Hacker 1980,
S. 20). Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass Text-Bild-Darstellungen zwar häufige und ent-
lastende, aber nicht die einzigen Repräsentationsformen sind.
Schulbücher haben neben den genannten Funktionen auch eine Steuerungsfunktion, da sie
Lehrkräften verfügbare Ressourcen und Materialien zur Unterrichtsplanung zur Verfügung
stellen. Über die Planung des tatsächlichen Verlaufs geben sie Steuerungsmöglichkeiten, wie
Impulse, Fragen, Arbeitsanweisungen bis hin zu Maßnahmen und Situationen die geeignet
sind, um den Unterricht zu steuern und die Motivation der Lernenden zu wecken. Es ist aller-
dings darauf hinzuweisen, dass Schulbücher den Unterricht unterstützen und ergänzen sollen,
es aber nicht vorgesehen ist, dass die im Unterricht herrschende Kommunikation durch das
Schulbuch ersetzt wird. Schulbücher haben somit nur eine eingeschränkte Steuerungsfunkti-
on.
Zu den Hauptproblemen schulischen Lernens gehört, dass Schüler nicht genügend motiviert
werden bzw. sind. Gründe dafür können sein, dass schulisches Lernen rezeptiv erfolgt und
Gegenstände vermittelt werden, die meist selbst nicht präsent sind. In einem Lernprozess, wo
aktive Auseinandersetzungen notwendig und möglich sind, spielt das Schulbuch sicherlich
keine große Rolle, allerdings gibt es auch beim schulischen Lernen, Aufgaben und Sachver-
halte, die durch das Buch motivierend dargestellt werden können (vgl. Hacker 1980, S. 22).
Schulbücher können umso stärker ihre Motivierungsfunktion wahrnehmen, je stärker sie als
Arbeitsbuch konzipiert sind und je stärker die Repräsentationsformen so gewählt sind, dass
Lernanreize geweckt werden, bspw. durch das Provozieren von Kritik oder die Auseinander-
setzung mit Ideen und Vorurteilen. Unterstützend wirken hier ein ansprechendes Layout und
ein vielfältiges Textangebot.
3
Unterricht muss unterschiedlichen Leistungsniveaus von Schülern gerecht werden und unter-
schiedliche Begabungen und Interessen von Schülern berücksichtigen, deshalb kommt dem
Schulbuch auch eine Differenzierungsfunktion zu. Differenzierung innerhalb eines Klassen-
raums bedeutet hier, eine Gruppe ähnlicher leistungsstarker Schüler zu bilden und die Lehrer-
funktion in gewissem Maße an das Medium Schulbuch zu delegieren. Dadurch haben Lehr-
kräfte die Möglichkeit einen differenzierteren Unterricht durchzuführen.
Die Übungsphase gilt im Lernprozess bei Schülern als weniger attraktiv, da es nicht mehr
darum geht etwas Neues und Interessantes zu erfahren, sondern sich bekannte Lerninhalte
einzuprägen, zu vergleichen, zu analysieren und auf neue Sachverhalte zu übertragen. Des-
halb müssen die Aufgabenstellungen in Schulbüchern methodisch variabel konzipiert sein,
indem sie bspw. unterschiedliche Methoden oder Arbeitsformen zur Lösung nahe legen oder
unterschiedliche Arbeitsmittel und Materialien anbieten. Meyer (1987, S. 174) gibt an, dass
das Schulbuch die wichtigste Grundlage für die Ergebnissicherung darstellt, da es während
des Unterrichts sowie danach als offizielle Zusammenfassung und Ergänzung des Unterrichts-
stoffes dient. Darüber hinaus haben die Schüler mit Hilfe des Schulbuches die Möglichkeit
das mündlich Erarbeitete im Unterricht an den Erklärungen des Buches festzumachen sowie
Inhalte nachzulesen oder zu vertiefen (vgl. Giesecke 1993, S. 150).
Giesecke (1993, S. 149 ff.) führt neben den genannten Funktionen des Schulbuches weiter an,
dass ein Schulbuch insbesondere im Politikunterricht auch Diskussionsanreize im außerschu-
lischen Umfeld (bspw. in der Familie) schaffen sollte, da die Möglichkeit zu solchen Gesprä-
chen im Hinblick auf die politische Sozialisation von großer Bedeutung für die Entwicklung
des politischen Bewusstseins der Schüler ist. Die analysierten Funktionen machen die Bedeut-
samkeit von Schulbüchern im Unterricht deutlich. Neben diesen können dem Schulbuch (vgl.
Stein 1979, S. 8 ff.) drei didaktische Eigenschaften zugewiesen werden, welche nach Detjen
(2001, S. 461) ,,[...] ein hervorstechendes Merkmal des Mediums Schulbuch [...]" sind. Auf-
grund dessen sollen diese in einem nächsten Schritt näher beleuchtet werden.
2.2 Didaktische Eigenschaften von Schulbüchern
Ein bedeutsames Merkmal des Schulbuches ist, dass es zugleich Informatorium, Pädagogicum
und Politicium ist (vgl. Stein 1976, S. 8 ff.; Stein 1979, S. 26 ff.; Detjen 2001, S. 461 ff.). Es
kann als Informatorium bezeichnet werden, da es erforschte Sachverhalte als Lerninhalte für
den Schulgebrauch didaktisiert präsentiert, d.h. elementarisiert und differenziert aufbereitet
und somit Strukturen und Dimensionen der Welt abbildet. Insbesondere Schulbücher der so-
zialwissenschaftlichen Fächer spiegeln dabei erheblich den aktuellen zeitgeschichtlichen Er-
kenntnis- und Diskussionsstand wider. Die Didaktisierung umfasst auch, Anreize zur Er-
örterung der dargebotenen Inhalte zu geben und somit Multiperspektivität zu wahren. Deshalb
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