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"Time without change" - kann es Zeit ohne Veränderung geben?

Subtitle: Eine kritische Diskussion des Aufsatzes von Sidney Shoemaker

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2004, 17 Pages
Author: Claudia Hoppe
Subject: Philosophy - Philosophy of the Present

Details

Event: Philosophie der Zeit
Institution/College: Humboldt-University of Berlin (Institut für Philosophie)
Tags: Time, Zeit, Veränderung, Philosophie, Zeit
Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2004
Pages: 17
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 3  Entries
Language: German
Archive No.: V113871
ISBN (E-book): 978-3-640-15182-0
ISBN (Book): 978-3-640-15421-0
File size: 122 KB

Abstract

Es geht in dieser Arbeit um ein Gedankenexperiment, das Sidney Shoemaker in einem Text namens "Time without change" entwirft, und dass beweisen soll, dass es Zeit ohne (physikalische) Veränderung geben kann. Leider beruht die gesamte Beweiskraft des Experiments auf einem ziemlich wackeligen Induktivschluss, den ich nicht unbedingt anzuerkennen bereit bin. Damit steht und fällt das ganze Gedankenexperiment, und die These, dass es Zeit ohne Veränderung geben kann, ist im Grunde schon wiederlegt. Jedoch stehen auch Shoemakers weitere Argumente auf ziemlich wackeligen Beinen, da er sich z.B. am Anfang von einem bestimmten Begriff der Veränderung abgrenzen will (nämlich dem, den McTaggart in einem bestimmten Text vertreten hat und der besagt, dass das bloße Verstreichen von Zeit - also die Gegenwart wird Vergangenheit und die Zukunft Gegenwart), am Ende aber doch einen recht schwammigen Veränderungsbegriff annimmt, der im Grunde dem von McTaggert doch entspricht. Ähnliche Unzulänglichkeiten finden sich über den ganzen Text verteilt, so dass mein einhelliges Urteil lautet, dass Shoemaker nicht bewiesen hat, dass es Zeit ohne Veränderung geben kann.


Excerpt (computer-generated)

Philosophie der Zeit

Humboldt Universität zu Berlin

Philosophische Fakultät 1 ­ Institut für Philosophie

Wintersemester 2003/2004

"Time without change" ­ kann es Zeit ohne Veränderung geben?
Eine kritische Diskussion des Aufsatzes von Sidney Shoemaker

von
Claudia Hoppe

 


1. VORÜBERLEGUNGEN UND METHODISCHES 1

2. DAS GEDANKENEXPERIMENT 3

3. SCHLUSS 8

4. LITERATURVERZEICHNIS 14

 


Kann es Zeit geben, wenn in ihr keine (physikalischen) Veränderungen stattfinden, oder ist Zeit notwendig an solche Veränderungen geknüpft? Diese Frage stellt sich Sidney Shoemaker in seinem Aufsatz "Time without change", mit dem ich mich im folgenden beschäftigen möchte. Shoemaker vertritt dort die These, dass es Zeitintervalle ohne (physikalische) Veränderungen geben kann. Allerdings ist seine Argumentation m.E. an vielen Stellen nicht schlüssig. Um mich nicht unnötig zu wiederholen und den Leser zu verwirren, werde ich immer gleich intervenieren, sobald ich an einer Stelle seiner Argumentation denke, einen Fehler entdeckt zu haben, anstatt, wie es sonst üblich ist, dies ausschließlich am Schluss der Arbeit zu tun. Dort werde ich noch einmal seine These diskutieren und einige Gegenargumente ins Feld führen. Vorher möchte ich den Text jedoch erst einmal zusammen-fassend darstellen.

1. Vorüberlegungen und Methodisches

"It is a widely held view that the passage of time necessarily involves change in such a way that there cannot be an interval of time in which no changes whatever occur." (Shoemaker, 1993, 63) Mit diesem Satz beginnt Sidney Shoemaker seinen Aufsatz zur Frage, ob es Zeitintervalle ohne Veränderungen geben kann. Shoemaker möchte hier gegen die Philosophen argumentieren, die behaupten, dass Zeit notwendig an Veränderungen geknüpft ist.1 Sein Vorgehen sieht dabei wie folgt aus: Seine These ist: Es kann Zeit ohne Veränderung geben. Um dies zu beweisen, nimmt er zuerst die Gegenposition ein ­ Zeit ist zwangsläufig an (physikalische) Veränderungen gekoppelt ­ und versucht, diese inkonsistent erscheinen zu lassen, indem er so lange dafür zu argumentieren versucht, bis er sich in Widersprüche verwickelt (woraus er dann ableitet, dass seine These wahr sein muss). Dies tut er anhand eines Gedankenexperimentes, das beweisen soll, dass diese These nicht umfassend haltbar ist, sondern dass es tatsächlich Zeit ohne Veränderungen geben kann; in seinem Gedankenexperiment beruht dieser Sachverhalt jedoch auf einem Induktivschluss der Bewohner seiner imaginären Welten. Ist man nicht bereit, diesen Induktivschluss anzuerkennen ­ und dieser Induktivschluss beruht einzig und allein auf der fraglichen These, dass, wenn wir zwei Erklärungen für ein beobachtetes Phänomen haben, wir die simplere von beiden heran ziehen ­, ist seiner Theorie das Fundament entzogen.

1 Diese Behauptung muss jedoch unterschieden werden von der Tatsache, dass Veränderungen Zeit beinhalten, d.h. dass sobald etwas in Veränderung begriffen ist, immer Zeit vergeht.

1

 


Shoemaker möchte sich dabei klar von der Haltung abgrenzen, die McTaggart vertreten hat: dass allein die Tatsache, dass Zeit verstreicht, Veränderung bedeutet: Zeit vergeht, Dinge altern (wenn auch nicht sichtbar) und es vergeht nicht ein Moment, in dem das, was gerade noch Zukunft war, nicht Gegenwart und schließlich Vergangenheit wird. Shoemaker geht für seine Argumentation hingegen von wirklichen Veränderungen aus ("pure becoming" ­ Shoemaker, 1993, 64), d.h. Veränderungen in bezug auf physikalische Eigenschaften wie Farbe, Größe, Form, Gewicht und dergleichen.

Damit die These, dass Zeit an Veränderungen geknüpft ist, mehr als eine Trivialität sein soll, muss man also von Un-McTaggart′schen Veränderungen ausgehen. Die Veränderungen die Shoemaker im Blick hat, sind notwendig mit der Existenz eines materiellen Universums verbunden. Das bedeutet, dass das (materielle) Universum keinen zeitlichen Anfang haben kann, ohne dass man gleichzeitig annimmt, dass die Zeit selber im gleichen Moment anfing, als das Universum entstand, bzw. vice versa, dass das Ende des Universums auch das Ende von (jeglicher) Zeit bedeuten würde. Es kann also keine Zeit geben, wenn das Universum nicht existiert. Vom McTaggart′schen Standpunkt aus ist dies natürlich nicht der Fall; legt man ihn zu Grunde, gab es vor dem Universum eine unendliche Spanne von Zeit, in der nichts passierte (d.h. in der es keine substanziellen Veränderungen gab), und nach dem Ende des Universums wird es wieder eine unendliche Spanne von Zeit geben, in der sich nichts ereignet.

Auch von Veränderungen wie dem Prädikat ,Grue′ von Nelson Goodman will Shoemaker sich distanzieren. Diese Art Veränderungen schließt er für seine Betrachtung ebenfalls aus. Eine andere Sicht auf das Thema Zeit bietet der Aristotelische Standpunkt: nur, wenn sich unser Gemütszustand verändert, d.h. nur, so lange wir bei Bewusstsein sind, bekommen wir mit, dass Zeit verstreicht; dies lässt sich auf die Formel reduzieren: ohne Bewusstsein keine Zeit.2

Ferner sei Zeit nach Aristoteles unmittelbar die Maßeinheit von Bewegung und nur indirekt die des Restes. Shoemaker hält es jedoch gerade für falsch, daraus die Behauptung abzuleiten, dass Zeit notwendig an (physikalische) Veränderung geknüpft ist. Die führt natürlich zu der Frage, ob man Zeit überhaupt messen kann. Theoretisch ist es möglich, dass riesige Intervalle von Zeit verstrichen sind, seit ich meine letzte Mahlzeit zu mir genommen habe, ohne dass 2 D.h. sogar wenn ein Objekt, das ich beobachte (z.B. ein Stein), sich während des gesamten Beobachtungszeitraumes nicht verändert, so ändert sich doch mein Bewusstseinszustand, nämlich insofern, dass ich weiß, wie lange ich dieses Objekt jetzt schon beobachtet habe, ohne, dass es sich verändert hat.

Anders, während wir schlafen; wir bemerken nicht direkt, dass Zeit vergangen ist, wir schließen nur (induktiv), dass Zeit vergangen ist (die wir mitbekommen hätten, wären wir wach gewesen), tatsächlich aber verknüpfen wir ein früheres ′jetzt′ mit einem aktuellen ′jetzt′ und schneiden das Intervall dazwischen, in welchem wir nicht ′bewusst′ waren, raus.

2

 



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