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Diploma Thesis, 2006, 76 Pages
Author: Matthias Schiestl
Subject: Economics / Business: Investment and Finance
Details
Tags: Währungsrisiken, Möglichkeiten, Managements
Year: 2006
Pages: 76
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 64 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-13820-3
File size: 343 KB
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Abstract
Die ungebrochene Aktualität des Währungsmanagements für Unternehmen lässt sich nicht zuletzt durch einen Blick auf die Schwankungen des Euro/Dollar-Wechselkurses der jüngeren Vergangenheit erahnen. Eine kontinuierlich steigende Volatilität der Wechselkurse ist allgemein seit Beginn der siebziger Jahre, nach Zusammenbruch des Systems von Bretton-Woods zu beobachten. Das freie Floaten im Zusammenspiel mit der voranschreitenden Globalisierung führt zu einer noch immer wachsenden Bedeutung des Währungsmanagements als Teil des unternehmerischen Risikomanagements. Diese beiden Tatsachen führen aber auch zu einer Verschärfung der Wettbewerbssituation und einem Sinken der Margen. Am Beispiel der Siemens AG lässt sich die immense Bedeutung dieser Problematik veranschaulichen. Das Unternehmen mit einem hohen Internationalisierungsgrad erwirtschaftete im Jahr 2004 eine Nachsteuerumsatzrendite von ca. 4,4%. Im selben Jahr verlor der US-Dollar innerhalb von nur einem Monat in gleicher Höhe an Wert gegenüber dem Euro. Diese Arbeit betrachtetet ökonomische Währungsrisiken, welche insbesondere der Verschiebung der Wettbewerbssituation durch reale Wechselkursveränderungen Rechnung tragen. Allgemein werden sie als die Sensibilität des langfristigen Unternehmenserfolgs gegenüber unvorhergesehenen realen Wechselkursveränderungen definiert. Wettbewerbseffekte führen auch dazu, dass selbst Unternehmen davon betroffen sind, die keinerlei Außenhandel betreiben. Damit muss ein Konzept zum Management der ökonomischen Währungsrisiken viel umfassender als das, gemeinhin als Währungsmanagement postulierte, Transaktionsrisikomanagement sein, welches sich ausschließlich mit der Absicherung bereits bekannter Fremdwährungsbeträge befasst. Aufgrund des ausgesprochen langfristigen Betrachtungshorizonts der ökonomischen Währungsrisiken sind auch die Positionen in Fremdwährung unsicher. Eine Absicherung mit Hilfe der gängigen Hedging-Instrumente ist damit zumeist nicht möglich. Dies führt zu einer besonderen Bedeutung des Leistungsbereichs einer Unternehmung für das Management der ökonomischen Währungsrisiken. Das Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser ein Verständnis für dieses sehr spezielle Konzept zu vermitteln und ihm Möglichkeiten zum Umgang mit diesem aufzuzeigen.[...]
Fulltext (computer-generated)
ALBERT-LUDWIGS-UNIVERSITÄT
FREIBURG IM BREISGAU
Prüfungsausschuss für Diplom-Volkswirte
Ökonomische Währungsrisiken und Möglichkeiten ihres
Managements
Diplomarbeit
Lehrstuhl für Finanzwirtschaft und Banken
von
Matthias Schiestl
Beginn:
10.10.2005
Abgabe:
31.01.2006
Inhaltsverzeichnis
I
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
1 Problemstellung und Gang der Arbeit 1
2 Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken 3
2.1 Wechselkursrisiko 3
2.1.1 Wechselkurs 4
2.1.2 Wechselkursprognosen 5
2.1.2.1 Das Kaufkraftparitätentheorem 5
2.1.2.2 Das Zinsparitätentheorem 7
2.1.2.3 Verknüpfung der Kaufkraft- und
Zinsparität - Fisher-Effekt
9
2.1.2.4 Random Walk Modell 10
2.1.2.5 Weitere Prognosemodelle 11
2.2 Währungsexposure 12
2.2.1 Konversionsexposure 12
2.2.2 Transaktionsexposure 13
2.2.3 Ökonomisches Exposure 14
3 Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos 17
3.1 Verschiedene Ansätze und Methoden zur Quantifizierung des
ökonomischen Währungsexposure 17
3.2 Analyse des ökonomischen Währungsexposure 21
3.2.1 Die Geschäftsstruktur und ihr Einfluss auf das
Währungsmanagement 21
3.2.2 Portfolioanalyse und die Bestimmung der relevanten Wechselkurse
und Exposures 24
3.2.3 Branchen- und Wettbewerbsanalyse 27
3.2.3.1 Rivalität unter Mitbewerbern 29
3.2.3.2 Marktmacht der Lieferanten 30
3.2.3.3 Marktmacht der Abnehmer 30
3.2.3.4 Markteintritt 31
3.2.3.5 Substitutionsprodukte 32
3.2.4 Marktpreis- und Kostenelastizitäten 32
3.2.4.1 Preisabsatzfunktion 33
3.2.4.2 Kostenreagibilität 35
Inhaltsverzeichnis
II
3.2.4.3 Sensitivität der Margen 39
3.2.5 Aggregation zu einem Gesamtexposure 42
4 Management ökonomischer Währungsrisiken 43
4.1 Währungsmanagement als Teil des Finanzmanagements 43
4.2 Formulierung einer Zielstrategie 44
4.3 Absatzwirtschaftliche Maßnahmen 46
4.3.1 Marktauswahl 46
4.3.2 Produkt- und programmpolitische Maßnahmen 47
4.3.3 Ermittlung der optimalen Preisanpassung 49
4.4 Beschaffungswirtschaftliche Maßnahmen 51
4.4.1 Vereinbarungen bezüglich Fakturierungswährung und
Währungsklauseln 51
4.4.2 Veränderung der Währungsstruktur der Beschaffung 52
4.5 Produktionswirtschaftliche Maßnahmen 54
4.5.1 Verlagerung der Produktion in Absatzmärkte 54
4.5.2 Operating Flexibility 56
4.6 Vereinbarung spezieller Kontrakte und M&A-Aktivitäten 57
4.7 Finanzwirtschaftliche Maßnahmen 58
4.7.1 Veränderung der Währungsstruktur der finanzwirtschaftlichen
Zahlungsströme 58
4.7.2 Risikoreduktion durch finanzwirtschaftliche
Absicherungsmaßnahmen 59
5 Schlussbetrachtung 62
Literaturverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis
III
Abkürzungsverzeichnis
Abs.
Absatz
AG
Aktiengesellschaft
Aufl.
Auflage
a. M.
am Main
Bd.
Band
bzw.
beziehungsweise
ca.
circa
DPO
Diplomprüfungsordnung
erw.
erweiterte
f
und die folgende Seite
ff
und die folgenden Seiten
gem.
gemäß
H.
Heft
Hrsg.
Herausgeber
inkl.
inklusive
Jg.
Jahrgang
Jr.
Junior
M&A
Mergers and Acquisitions
No.
Number
Nr.
Nummer
OECD
Organisation for Economic Cooperation and Development
PPP
Purchasing Power Parity
S.
Seite
u.
und
überarb. überarbeitete
U.S.
United States
USA
United States of America
usw.
und so weiter
vgl.
vergleiche
Vol.
Volume
z.B.
zum Beispiel
Abbildungsverzeichnis
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Portfolioanalyse: Gewinnkorrelation (in Lokalwährungseinheiten)
gegenüber realen Wechselkursveränderungen 25
Abbildung 2: Spannungskräfte des Wettbewerbs 28
Abbildung 3: Verschiedene Preisabsatzfunktionen 34
Abbildung 4: Die Wertekette 35
Abbildung 5: Analyse der Kosten und Aktiva 38
Abbildung 6: Absatzsegmentrechnung 40
Problemstellung und Gang der Arbeit
1
1
Problemstellung und Gang der Arbeit
Die ungebrochene Aktualität des Währungsmanagements für Unternehmen lässt
sich nicht zuletzt durch einen Blick auf die Schwankungen des Euro/Dollar-
Wechselkurses der jüngeren Vergangenheit erahnen. Eine kontinuierlich steigende
Volatilität der Wechselkurse ist allgemein seit Beginn der siebziger Jahre, nach
Zusammenbruch des Systems von Bretton-Woods zu beobachten.
Das freie Floaten im Zusammenspiel mit der voranschreitenden Globalisierung
führt zu einer noch immer wachsenden Bedeutung des Währungsmanagements als
Teil des unternehmerischen Risikomanagements. Diese beiden Tatsachen führen
aber auch zu einer Verschärfung der Wettbewerbssituation und einem Sinken der
Margen. Am Beispiel der Siemens AG lässt sich die immense Bedeutung dieser
Problematik veranschaulichen. Das Unternehmen mit einem hohen Internationali-
sierungsgrad erwirtschaftete im Jahr 2004 eine Nachsteuerumsatzrendite von ca.
4,4%. Im selben Jahr verlor der US-Dollar innerhalb von nur einem Monat in
gleicher Höhe an Wert gegenüber dem Euro.
Diese Arbeit betrachtetet ökonomische Währungsrisiken, welche insbesondere der
Verschiebung der Wettbewerbssituation durch reale Wechselkursveränderungen
Rechnung tragen.
Allgemein werden sie als die Sensibilität des langfristigen Unternehmenserfolgs
gegenüber unvorhergesehenen realen Wechselkursveränderungen definiert.
Wettbewerbseffekte führen auch dazu, dass selbst Unternehmen davon betroffen
sind, die keinerlei Außenhandel betreiben.
Damit muss ein Konzept zum Management der ökonomischen Währungsrisiken
viel umfassender als das, gemeinhin als Währungsmanagement postulierte, Trans-
aktionsrisikomanagement sein, welches sich ausschließlich mit der Absicherung
bereits bekannter Fremdwährungsbeträge befasst. Aufgrund des ausgesprochen
langfristigen Betrachtungshorizonts der ökonomischen Währungsrisiken sind auch
die Positionen in Fremdwährung unsicher. Eine Absicherung mit Hilfe der gängi-
gen Hedging-Instrumente ist damit zumeist nicht möglich.1 Dies führt zu einer
besonderen Bedeutung des Leistungsbereichs einer Unternehmung für das Mana-
gement der ökonomischen Währungsrisiken.
1 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991; S. 5; Vgl. Roth, A., 1997, S. 3.
Problemstellung und Gang der Arbeit
2
Das Ziel dieser Arbeit ist es, dem Leser ein Verständnis für dieses sehr spezielle
Konzept zu vermitteln und ihm Möglichkeiten zum Umgang mit diesem aufzuzei-
gen.
In
Kapitel 2
gilt es, die einzelnen Bestandteile der ökonomischen Währungsrisi-
ken zu identifizieren und darüber hinaus zu prüfen, welche Einflussfaktoren auf
sie einwirken. Dabei ergibt sich eine Aufteilung des Risikos in die Komponenten
Wechselkursrisiko und Währungsexposure. Zur Untersuchung des Faktors Wech-
selkursrisiko wird in dieser Arbeit auf die Untersuchung verschiedener Progno-
semodelle eingegangen. Im Bereich der Exposures werden zunächst die verschie-
denen Konzepte gegeneinander abgegrenzt.
Aufbauend auf den, aus dem vorigen Kapitel gewonnen Erkenntnissen, wird in
Kapitel 3
versucht, das ökonomische Währungsrisiko zu messen. Dabei fällt der
Ermittlung des Exposure eine besondere Bedeutung zu. Das Exposure ist die dem
Wechselkursrisiko ausgesetzte Position. In einem ersten Schritt werden verschie-
dene Verfahren zur Quantifizierung vorgestellt. In einem zweiten findet eine de-
taillierte Analyse des ökonomischen Währungsexposure mit Hilfe eines dieser
Ansätze statt. Es wird insbesondere versucht, auf die wettbewerbsbedingten Zu-
sammenhänge einzugehen und deren Bedeutung hervorzuheben.
Kapitel 4
beleuchtet den Aufbau, die Ziele und die Möglichkeiten eines Manage-
ments der ökonomischen Währungsrisiken. Dabei soll gezeigt werden, wie
vielfältig die Ansatzmöglichkeiten für das Management sind. An dieser Stelle
wird auch die zuvor angekündigte Hervorhebung der Rolle des Leistungsbereichs
des Unternehmens für das Währungsmanagemen
en.
t stattfind
Zum Abschluss dieser Arbeit wird in
Kapitel 5
nochmals die Problematik dieses
Konzeptes beleuchtet. Im Mittelpunkt steht jedoch die Zusammenfassung der ge-
wonnen Ergebnisse und die damit verbundene Handlungsempfehlung.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
3
2
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen
Währungsrisiken
Um das Verständnis der späteren Ausführungen zu erleichtern, werden an dieser
Stelle zunächst die wichtigsten Grundlagen erläutert und Einflussfaktoren auf die
ökonomischen Währungsrisiken bestimmt.
Von besonderer Bedeutung ist hierbei die genaue Definition des Begriffs Wäh-
rungsrisiko. Hinter diesem verbirgt sich die Chance auf einen Währungsgewinn
bzw. das Risiko eines Währungsverlustes. Dabei setzt es sich aus dem Produkt des
Währungsexposure2 und des Wechselkursrisikos zusammen. Diese beiden Fakto-
ren werden in der Folge jeweils ausführlich vorgestellt.
2.1 Wechselkursrisiko
Das Wechselkursrisiko entsteht durch unvorhergesehene Schwankungen des
Wechselkurses.3 Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass vorhersehbare oder
erwartete Wechselkursschwankungen kein Risiko darstellen, sondern ausschließ-
lich unerwartete.4
In der Literatur werden im Wesentlichen drei Arten von Wechselkursrisiken un-
terschieden.5 Das älteste und damit auch am längsten betrachtete Risiko stellt das
stichtagsbezogene Währungskonversionsrisiko (Translation Risk) dar. Für den
Fall, dass eine Unternehmung Bilanzpositionen aufweist, die nicht ihrer Bilanz-
währung entsprechen, müssen diese zum Ende des Geschäftsjahres zu Konsolidie-
rungszwecken umgerechnet werden. Dies gilt im Speziellen auch für die Gewinne
von Tochterunternehmen. Es handelt sich dabei nicht um güterwirtschaftliche
Transaktionen, sondern vielmehr um eine buchhalterische Anpassung der ver-
schiedenen Bilanzpositionen.6 Das Währungskonversionsrisiko steht damit für die
Wirkung einer Wechselkursänderung auf buchhalterische Jahresabschlusszahlen.
Das Währungstransaktionsrisiko (Transaction Risk) betrachtet die Gefahr einer
Wechselkursänderung auf, in Höhe und Fälligkeitszeitpunkt bekannte, bereits
kontrahierte Zahlungsströme. Das heißt, dass sich der Kurs zwischen Vertragsab-
schluss und der Begleichung der Forderung bzw. Verbindlichkeit oder der Um-
2 Im Deutschen wird dieser Begriff auch als Währungsrisikoposition bezeichnet. Wörtlich über-
setzt heißt Exposure ,,das Aussetzen" oder auch ,,das Engagement".
3 Vgl. Dichtl, E. / Issing, O., 1994, S. 3264.
4 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 7.
5 Im Wesentlichen sind die Definitionen der Autoren gleich, innerhalb dieser Überbegriffe gibt
es im Detail jedoch leichte Abweichungen.
6 Vgl. Bartram, S. M., 1999a, S. 12.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
4
wechslung dieser in Heimatwährung ändert. Bei dem sich dahinter verbergenden
Risiko handelt es sich um ein reines Preisrisiko.7
Wie schon anhand des Titels deutlich wird, ist das eigentliche Thema dieser Ar-
beit jedoch das langfristige ökonomische Währungsrisiko (Economic Risk). Es
beschreibt das Risiko der Auswirkungen einer Wechselkursänderung auf die noch
nicht kontrahierten Zahlungsströme. Diese sind sowohl von der Entstehung, als
auch in ihrer Höhe unsicher und bergen damit neben dem Preis- auch ein Mengen-
risiko.8 Die Tatsache, dass dieses Risiko nicht mit einzelnen, leicht identifizierba-
ren, sondern mit einem ganzen Bündel ungewisser Zahlungsströme zusammen
hängt, unterstreicht seinen strategischen Charakter. Ebenso, dass der betroffene
Zeithorizont, den von konventionellen Absicherungsinstrumenten bei weitem ü-
berschreitet.9
Das Economic Risk beinhaltet daher auch das schwer greifbare, aber unweigerlich
vorhandene Risiko einer Verschiebung der Wettbewerbsposition aufgrund von
Wechselkursänderungen.
2.1.1 Wechselkurs
Bei der Auseinandersetzung mit dem Wechselkurs bzw. mit Wechselkursände-
rungen muss folgendes beachtet werden. Grundsätzlich ist der Wechselkurs der
Wert einer Währung, ausgedrückt in Einheiten einer anderen Währung.10 Er lässt
sich jedoch auf verschiedene Weisen darstellen. Unterschieden werden die Preis-
notierung (direct quotation) und die Mengennotierung (indirect quotation). War
die Deutsche Mark früher preisnotiert, so wird der Wert des Euro heutzutage mit
Hilfe der Mengennotierung festgestellt. Der Kurs bei der Mengennotierung gibt
an, wie viele Einheiten ausländischer Währung für eine Einheit inländischer Wäh-
rung zu entrichten sind.11 Die Umrechnung dieser beiden Notierungen ist zwar
trivial,12 um so wichtiger ist es jedoch in der Praxis darauf zu achten, in welcher
Notierung eine Währung angegeben wird.13 Dies gilt in ganz besonderem Maße
bei der Betrachtung älterer Literatur des Euroraumes.
Der Handel von Währungen findet entweder auf Kassa- oder Terminmärkten statt.
Kassamärkte zeichnen sich dadurch aus, dass der Vertragsabschluß und die Ver-
7 Vgl. Gamper, P. Ch., 1995, S. 20.
8 Vgl. O´Brien, Th. J., 1994, S. 4.
9 Vgl. Grant, R. / Soenen, L., 2004, S. 53f.
10 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 6.
11 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 6.
12 Die Preisnotierung entspricht der Inversen der Mengennotierung und umgekehrt.
13 Vgl. Stocker, K., 2001, S. 6 ff.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
5
tragserfüllung unverzüglich stattfinden, wobei die tatsächliche Lieferung der
Währung zwei Geschäftstage nach Abschluss erfolgt.14 Auf den Terminmärkten
ist die Zeit zwischen dem Vertragsabschluß und der Erfüllung des Geschäftes, in
Form von Lieferung der Währung, länger. Es wird heute vereinbart, dass zu einem
bestimmten zukünftigen Zeitpunkt Währungen, zu einem heute festgelegten Ter-
minkurs, getauscht werden.15
2.1.2 Wechselkursprognosen
Wie schon im obigen Abschnitt erläutert, rührt ein wesentlicher Risikofaktor aus
der Unsicherheit der Wechselkursentwicklung. Wäre es möglich diese Unsicher-
heit durch zuverlässige Prognosen zu eliminieren, bestände keinerlei ökonomi-
sches Währungsrisiko. Dies lässt sich auch logisch bzw. mathematisch nachvoll-
ziehen. Zuvor wurde das Währungsrisiko als Produkt von Exposure und Wechsel-
kursänderung definiert.16 Ist nun einer dieser beiden Faktoren Null, so wird das
ganze Produkt Null und es besteht kein Risiko.
Aufgrund dieser Tatsache kommt den Wechselkursprognosen in der Wissenschaft
auch eine entsprechend große Bedeutung zu. Die Währungstheorien betrachten
dabei den Einfluss verschiedener volkswirtschaftlicher Größen auf die Wechsel-
kursbildung. Als Haupteinflussgrößen werden in der kurzen Frist das Zinsniveau
und mittel- bis langfristig Preisniveau, Geldmengen sowie Zahlungsbilanzsalden
identifiziert.17 In diesem Kapitel sollen einige Prognosetheorien vorgestellt wer-
den.18 In ihrer Wirksamkeit bzw. ihrem Erklärungsgehalt unterscheiden sie sich
wesentlich, insbesondere in Bezug auf den Betrachtungszeitraum.
2.1.2.1 Das Kaufkraftparitätentheorem
Das Kaufkraftparitätentheorem (Purchasing Power Parity) gehört zu den ältesten
Wechselkurstheorien.19
Wie alle Paritätentheorien begründet sich die PPP mit Hilfe von einsetzenden Ar-
bitrageprozessen. Sie stellt dazu einen Zusammenhang zwischen den Devisen-
14 Vgl. Fischer-Erlach, P., 1995, S. 16.
15 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 6.
16 Siehe Kapitel 2.
17 Vgl. Zimmerer, T., 1997, S. 120.
18 Aufgrund des beschränkten Umfangs einer Diplomarbeit und der Vielfalt an Theorien ist es
leider nicht möglich alle zu erläutern. Selbst bei den Vorgestellten ist es nötig, sich auf die we-
sentlichen Charakteristika zu beschränken.
19 Die Anfänge der Kaufkraftparitätentheorie oder kurz PPP, lassen sich bis ins 19. Jahrhundert
auf Ricardo und Wheatley zurückverfolgen.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
6
und den Gütermärkten her.20 Auch für dieses Modell gelten die gängigen verein-
fachenden Annahmen.21
Das
Law of One Price
besagt, dass gleiche Güter nicht zu unterschiedlichen Prei-
sen gehandelt werden können. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass der Nach-
frageüberschuss nach dem identischen aber billigeren Gut, zu einer Preisanpas-
sung an das vormals teurere Gut führt und sich somit eine Gleichgewichtssituation
einstellt. Die absolute Form der Kaufkraftparität leitet daraus ab, ,,dass der inlän-
dische Preis für handelsfähige Güter mit dem Produkt aus ausländischem Preis für
handelfähige Güter und dem Wechselkurs identisch sein muss."22 Gemäß dieser
Theorie muss also die Kaufkraft in beiden Ländern gleich groß sein. Nivelliert
wird diese Beziehung über den Wechselkurs, der sich aufgrund des entstehenden
Zahlungsbilanzdefizits und dem damit verbundenen Nachfrageüberhang nach der
Währung des Landes mit dem niedrigeren Preisniveau anpasst.23
Die Kaufkraftparität bezieht sich dabei auf die Wirkungszusammenhänge des
Law
of One Price
, verwendet anstatt eines einzelnen Gutes jedoch einen repräsentati-
ven Warenkorb einer Ökonomie.24 Unabhängig von der empirischen Evidenz die-
ses Konzeptes werden im Schrifttum dazu zwei Kritikpunkte aufgeführt. Zum
einen setzt eine exakte Erfüllung der Theorie voraus, dass sich die Indizes25 der
beiden Länder in ihrer Zusammensetzung entsprechen, beide Länder also gleiche
Konsumpräferenzen besitzen. Des Weiteren werden diese Indizes unvermeidlich
nicht handelbare Güter wie Serviceleistungen enthalten, für die kein Arbitrage-
prozess möglich ist.26
Aufgrund dieser Kritik und aus der Erkenntnis erster empirischer Untersuchungen
wurde die relative Form der Kaufkraftparität entwickelt. Sie besagt, ,,dass die Än-
derungsrate des Wechselkurses der Differenz der Änderungsrate des inländischen
Preisindizes und des ausländischen Preisindizes bzw. der Differenz der Inflations-
raten der beiden Länder entspricht."27 Damit ist die weniger strenge relative Form
20 Vgl. Bernhard, W., 1992, S. 27.
21 Devisenmarkt: unendlich viele Käufer und Verkäufer, keine Steuern, keine Informations- und
Transaktionskosten, keine Regulierungen.
Gütermarkt: unendlich viele Käufer und Verkäufer, keine Transportkosten und -zeiten, keine
Handelsbarrieren, homogene Güter.
22 Poddig, T., 1996, S. 245.
23 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 49.
24 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 8.
25 Bzw. Warenkörbe.
26 Vgl. Aggarwal, R. / Soenen, L. A., 1989, S. 62.
27 Gamper, P. Ch., 1995, S. 79.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
7
des PPP eine notwendige aber nicht hinreichende Voraussetzung für die absolute
Form des PPP.28
Die Diskussion bezüglich der empirischen Evidenz der Kaufkraftparität scheint
kein Ende zu nehmen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die überwältigen-
de Mehrheit derzeit von einem kurz- bis mittelfristigen Versagen der Theorie aus-
geht. Langfristig halten sie aber sehr viele Ökonomen zum aktuellen Zeitpunkt für
einen brauchbaren Ansatz zur Erklärung eines Gleichgewichtswechselkurses.29
Sprechen
Adler, M. / Dumas, B. (1983)
der Kaufkraftparität, mit Bezug auf ver-
schiedene Untersuchungen, sogar die langfristige Gültigkeit ab, kommen
Taylor,
M. P. (2003)
und verschiedene andere Autoren mit Blick auf längere Datenreihen
aus der Zeit floatender Wechselkurse und weiterentwickelter ökonometrischer
Erkenntnisse, zu einem gegenteiligen Ergebnis. Sie sind der Auffassung, dass die-
se, wenn auch mit zwischenzeitlichen Abweichungen von einigen Jahren, lang-
fristig Gültigkeit besitzt.30 Dass ein Ende dieser Diskussion dennoch nicht in Sicht
sein dürfte, lässt sich beispielsweise anhand des Monatsberichts Juni 2004 der
Deutschen Bundesbank erahnen.31 Hier wird die preisliche Wettbewerbsfähigkeit
unter anderem mit Hilfe der Kaufkraftparität analysiert. Dabei werden Beispiele
angeführt, die die langfristige, empirische Evidenz bestätigen, genauso jedoch
Artikel, die diese bezweifeln. Interessant ist dieser Bericht aber auch, weil er für
seine Berechnungen auf Daten der Weltbank zurückgreift. ,,Bei der Preiserfassung
wird [...] sowohl auf Repräsentativität als auch auf internationale Vergleichbarkeit
der Waren und Dienstleistungen geachtet."32 Die Verwendung eines solchen Indi-
zes schützt zumindest teilweise vor der allgemein geäußerten Kritik an der PPP,
sie verwende nicht vergleichbare Preisindizes.
2.1.2.2 Das Zinsparitätentheorem
Während sich die Kaufkraftparitätentheorie auf Prozesse an Gütermärkten bezog
und Kapitalbewegungen ausgeblendet hat, sind gerade diese die Grundlage der
Zinsparitätentheorie.
28 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 51; Gamper, P. Ch., 1995, S. 79.
29 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 10f; Bernhard, W., 1992, S. 61.
30 Einen Überblick über die verschiedenen Auffassungen gegenüber der PPP im Zeitablauf, von
der Überzeugung einer ausschließlich langfristigen Relevanz des PPP, bis hin zu der Behaup-
tung einer kurzfristigen Glaubwürdigkeit gibt Taylor, M. P., 2003.
31 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2004, S. 29ff.
32 Deutsche Bundesbank, 2004, S. 37.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
8
Hinsichtlich der involvierten Kapitalmärkte33 gelten die gängigen Vorraussetzun-
gen für vollkommene Märkte. Hervorzuheben ist an dieser Stelle besonders die
Annahme vollkommener Kapitalmobilität, wie auch die Abwesenheit von Risiko-
prämien.34 Die ständige Zunahme der Handelsvolumina auf den Devisenmärkten
und die Tatsache, dass diesen Güterbewegungen in nicht annähernd gleicher Höhe
gegenüberstehen,35 lässt auf einen starken Einfluss dieser Theorie schließen.
In der Literatur lassen sich verschiedene Formen der Zinsparität unterscheiden.
Die wohl am weitesten verbreitete ist die gedeckte Zinsparität (covered interest
parity). Sie ,,[...] resultiert aus einer Arbitrageüberlegung zwischen Kassa- und
Terminmärkten eines Wechselkurses, die genau dem Zinsunterschied der beiden
zugrundegelegten Währungen entsprechen muss."36 Ein Gleichgewicht für das
Beispiel Deutschland/USA herrscht also, wenn folgende Bedingung erfüllt ist:37
K · (1 + rUSD )
1 + rEUR =
T
mit: r
= Zinssatz für die Laufzeit des Terminkontrakts
K
= Kassakurs EUR/USD
T
= Terminkurs EUR/USD
Eine Anlage im Inland zum inländischen Zins muss demnach den gleichen Ertrag
erwirtschaften, wie eine verzinsliche Anlage des gleichen Betrages in Fremdwäh-
rung im Ausland, wobei der Rückzahlungsbetrag inklusive Zinsen per Terminkurs
zum Fälligkeitszeitpunkt gesichert wird.
Durch Umformung der obigen Gleichgewichtsbedingung lässt sich weiter zeigen,
dass ,,das Verhältnis zwischen dem ausländischen und dem inländischen Zinsfak-
tor bei Vernachlässigung von Transaktionskosten mit der Relation zwischen Ter-
min- und Kassawechselkurs übereinstimmt."38
Zahlreiche Untersuchungen haben ergeben, dass insgesamt von der Gültigkeit der
gedeckten Zinsparität ausgegangen werden kann.39 Obwohl ein empirischer Test
der Deutschen Bundesbank zum Teil beobachtbare Abweichungen von der Parität
33 Zur Vereinfachung wird hier nicht zwischen Geld- und Kapitalmärkten unterschieden.
34 Vgl. Blundell-Wignall, A. / Browne, F., 1991, S. 9.
35 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2005, S. 30.
36 Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 59.
37 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 59; Die Ausführung wurde in EUR und auf Mengennotie-
rung umgestellt.
38 Deutsche Bundesbank, 2005, S. 34.
39 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 60.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
9
aufgezeigt hat, geht sie doch in ihrem Monatsbericht Juli 2005 von der Gültigkeit
des Theorems aus. In der Begründung werden die Abweichungen eher auf Date-
nunvollkommenheiten als auf Marktineffizienzen zurückgeführt.40
Unter Vernachlässigung weiterer Varianten der Zinsparität soll an dieser Stelle
abschließend noch die ungedeckte Zinsparität (uncovered interest parity41) erläu-
tert werden.42 Diese lässt sich aus der gedeckten Zinsparität ableiten, indem in der
zuvor erläuterten Gleichung der Terminkurs durch den Erwartungswert des künf-
tigen Kassakurses am Ende des Betrachtungszeitraums ersetzt wird.43 Die Ter-
minsicherung wird hier durch die Erwartung ersetzt, dass eine Abwertung der
Inlandswährung annähernd einer entsprechend höheren Inlandsverzinsung im
Vergleich zur Auslandsverzinsung gegenübersteht.44 Aus der Annahme der Gül-
tigkeit sowohl der gedeckten, als auch der ungedeckten Zinsparität, lässt sich die
weit verbreitete Auffassung ableiten, dass der Terminkurs ein unverzerrter Schät-
zer des zukünftigen erwarteten Kassakurses ist.45
Untersuchungen zur Gültigkeit der ungedeckten Zinsparität stellen sich ausge-
sprochen schwierig dar. Dies ist vor allem auf die dazu benötigte Kenntnis der ex
ante Erwartungen der Markteilnehmer über den zukünftigen zu erwartenden Kas-
sakurs zurückzuführen. Hinzu kommt, dass jeder Test auf Gültigkeit der unge-
deckten Zinsparität gleichzeitig auch einen Test auf die Effizienz der Devisen-
märkte darstellt.46
2.1.2.3 Verknüpfung der Kaufkraft- und Zinsparität - Fisher-Effekt
Irving Fisher stellte 1930 zum ersten Mal die Hypothese auf, dass sich der Nomi-
nalzins aus der Summe eines Realzinses und einer erwarteten Inflationsrate zu-
sammensetzt.47 Dieser Zusammenhang ist seither als Fisher-Gleichung bekannt.
Wenn aufgrund von Arbitrageüberlegungen von einer langfristigen Konstanz des
Realzinses ausgegangen wird, so wirken sich Veränderungen der erwarteten Infla-
tionsraten direkt auf den Nominalzins aus. Dieser Zusammenhang in Verbindung
mit der Erkenntnis aus der Kaufkraftparität, dass die erwartete Änderung des
Wechselkurses der Differenz der erwarteten Veränderungen der Inflationsraten
40 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2005, S. 36.
41 Abkürzung: UIP.
42 In der Literatur sind darüber hinaus Ausführungen zu den Varianten geschlossene Zinsparität
(closed interest parity) sowie der Realzinsparität (real interest parity) zu finden.
43 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 60.
44 Vgl. Deutsche Bundesbank, 2005, S. 31.
45 Vgl. Poddig, T., 1996, S. 263; Blundell-Wignall, A. / Browne, F., 1991, S. 27.
46 Vgl. Blundell-Wignall, A. / Browne, F., 1991, S. 10.
47 Vgl. Cooray, A., 2003, S. 135.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
10
beider Länder entspricht sowie, dass die erwartete Änderung des Wechselkurses
die Differenz zwischen den beiden Nominalzinsen wiederspiegelt (Zinsparität),
gilt die sogenannte Fisher-Open-Bedingung:48
e
e
i - = i -
I
I
A
A
mit: i
= nominaler Marktzinssatz
e
=
erwartete
Inflationsrate
I,A
= Index für Inland, Ausland
Diese Gleichung besagt, ,,dass die Differentiale der Nominalzinssätze und damit
auch die erwarteten Wechselkursschwankungen (UIP) ausschliesslich auf unter-
schiedliche Inflationsschwankungen (relative Kaufkraftparität) zurückzuführen
sind und damit letztendlich durch das Geldmengenwachstum bestimmt werden
(Fisher-Gleichung)."49
Zur Untersuchung der empirischen Evidenz des Fisher Effekts sei auf
Cooray, A.
(2003)
verwiesen: "Despite the positive relationship observed between interest
rates and inflation, the majority of empirical studies have not conformed to the
Fisher hypothesis in its strictest form."50 In der Folge werden einige Gründe dafür
vorgestellt und getestet. Mit dem Ergebnis, ,,they too, have failed to yield a defi-
nite answer."51
Für die Gültigkeit der Fisher-Open-Bedingung ist anzuführen, dass schon allein
die implizite Forderung der Abwesenheit von Risikoprämien äußerst unrealistisch
ist. Darüber hinaus gilt, wie auch für die anderen Paritätentheorien, dass die ihnen
zugrundeliegenden Annahmen sehr restriktiv sind und in der Realität Abweichun-
gen von diesen sehr wahrscheinlich sind.
2.1.2.4 Random Walk Modell
Die Markteffizienzhypothese ist Grundlage der Theorie einer zufälligen Wechsel-
kursentwicklung gemäß eines Random Walks. Nach
Fama, E. F. (1970)
gilt: "A
market in which prices always ´fully reflect´ available information is called
´efficient´."52 Ob es sich dabei um eine schwache, halbstrenge oder strenge Form
48 Vgl. Gamper, P. Ch., 1995, S. 83.
49 Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 62.
50 Cooray, A., 2003, S. 145.
51 Cooray, A., 2003, S. 145.
52 Fama, E. F., 1970, S. 383; Die Worte in ´´ sind im Original auf gleiche Weise hervorgehoben.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
11
der Markteffizienz handelt, wird an dieser Stelle nicht ausgeführt. Weiter wird
davon ausgegangen, dass ,,alle preisrelevanten neuen Informationen zufällig und
unabhängig von den früheren Informationen eintreffen."53 Angewandt auf den
Devisenmarkt bedeutet dies, dass der aktuelle Kassakurs bereits alle relevanten
und zu diesem Zeitpunkt bekannten Informationen verarbeitet hat. Jede Kursände-
rung muss somit als unerwartet angesehen werden.54 Formal ausgedrückt folgt
daraus:
K = K +
t
t 1
-
t
mit: K =
Wechselkurs
t = normalverteilte Zufallsvariable mit einem Erwartungswert von
Null
Das bedeutet, dass wenn alle eintreffenden Informationen zufällig und unerwartet
sind, der Verlauf eines Wechselkurses einem Zufallsprozess entspricht und nicht
prognostizierbar ist. Daher ist der gegenwärtige Kassakurs die aussagekräftigste
Größe bezüglich des zukünftigen Verlaufs des Wechselkurses.55
2.1.2.5 Weitere Prognosemodelle
Bei den ersten beiden vorgestellten Theorien handelt es sich um fundamentalana-
lytische Ansätze. Da sie jeweils nur einen Wirkungszusammenhang betrachten,
handelt es sich um partialanalytische Ansätze einer Fundamentalanalyse. Auf-
grund ihrer umstrittenen Evidenz wurden in den letzten Jahrzehnten neuere Kon-
zepte der Wechselkursprognose erforscht. Hierzu zählen strukturell ökonomische
Modelle wie das monetäre Modell, die Theorie des Overshooting, das Portfolio-
modell aber auch technische Analysetheorien wie die Chartanalyse. Einen beson-
ders interessanten Ansatz stellt die Verwendung neuronaler Netze zur Bestim-
mung der Wechselkursentwicklung dar. Leider kann aber auch sie keine vollstän-
dige Erklärung der Wechselkursentwicklung liefern. Insgesamt muss festgestellt
werden, dass auch die Aussagekraft dieser Theorien nicht zweifelsfrei bewiesen
ist.
53 Gamper, P. Ch., 1995, S. 72.
54 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 14.
55 Vgl. Mayrhofer, H. H., 1992, S. 50.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
12
Bei Versagen der verschiedenen Modelle wird häufig der Schluss gezogen, dass
das Random Walk Modell die Entwicklung des Wechselkurses am besten er-
klärt.56
2.2 Währungsexposure
Obwohl die zuvor erläuterten Theorien für den langfristigen Betrachtungszeitraum
befriedigende Ergebnisse geliefert haben, wird deutlich, dass sie trotz allem ein zu
unsicheres Maß darstellen um ein Risikomanagement nach ihnen auszurichten.
Daher soll in der Folge der zweite Risikofaktor des Währungsrisikos, das Wäh-
rungsexposure, erläutert werden. Dieses beziffert betragsmäßig die Größen eines
Unternehmens, die dem Währungsrisiko ausgesetzt sind.57
Aufgrund der großen Bedeutung der Währungsexposures für das Währungsmana-
gement sollte mit einer genauen Definition und Identifikation dieser begonnen
werden.58 Eine Definition verschiedener Arten von Exposures lässt sich in Analo-
gie zu der bereits erläuterten Einteilung der Wechselkursrisiken vornehmen.
Die nachfolgenden Ausführungen erheben nicht den Anspruch auf Vollständig-
keit. Nach Ansicht des Autors ist jedoch ein grundsätzliches Verständnis von
Wechselkursentwicklungen und eine zumindest kompakte, die wesentlichen Ei-
genschaften betreffende Erläuterung aller Exposurearten wichtig, um die Bedeu-
tung des ökonomischen Währungsmanagements zu verstehen, bzw. dieses Kon-
zept gegenüber den anderen exakt abgrenzen zu können.
2.2.1 Konversionsexposure59
Die Berechnung des Konversionsexposure ist ein vergangenheitsorientiertes Kon-
zept. Es erfasst die Risikopositionen anhand von Jahresabschlussdaten. Dieses
Risiko entsteht aus der Tatsache, dass sich der Kurs von Fremdwährungspositio-
nen zwischen zwei Jahresabschlussterminen ändern kann. Damit ist es, im Gegen-
satz zu den beiden anderen zahlungsstromorientierten Ansätzen, rein buchhalteri-
scher Natur. Es kann sowohl bei Einzelabschlüssen auftreten, die Fremdwäh-
rungspositionen enthalten, als auch bei der Konsolidierung von Konzernabschlüs-
56 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 14.
57 Vgl. Fastrich, H., 1990, S. 105.
58 Vgl. Soenen, L. A., 1979, S. 12.
59 In der Folge werden der deutsche Begriff Konversionsexposure und der englische Begriff
Translation Exposure synonym verwendet. Darüber hinaus lassen sich in der englischen Litera-
tur dafür auch die Begriffe Accounting beziehungsweise Book Exposure finden.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
13
sen, wenn die Denominationswährungen der Töchter nicht mit denen der Mutter
übereinstimmen.60
Dabei stellt sich die Frage zu welchem Kurs die Umrechnung erfolgen soll. Im
Wesentlichen wird zwischen der Verwendung von einheitlichen und differenzier-
ten Kursen unterschieden.61 Dem Translation-Exposure-Konzept wird im allge-
meinen die Fähigkeit abgesprochen, ökonomische Auswirkungen von Wechsel-
kursschwankungen auf das Ergebnis eines Unternehmens richtig erfassen zu kön-
nen.62 Die Begründung dafür liegt in seinen großen Schwachstellen, wie der Ver-
gangenheitsorientierung und der starken Abhängigkeit von Bewertungsvorschrif-
ten, die oftmals wenig mit den tatsächlichen ökonomischen Werten zu tun ha-
ben.63 Darüber hinaus lässt sich feststellen, dass eine Absicherung des Accounting
Exposure nicht nur nicht empfehlenswert, sondern strikt abzulehnen ist, weil da-
mit nicht zahlungswirksame Effekte durch zahlungswirksame Gegenmaßnahmen
kompensiert würden.64
Nichtsdestotrotz wird das Umrechnungsrisiko in der Praxis relativ häufig abgesi-
chert.
Bernhardt, W. (1992)
erklärt dies mit der Angst vor falschen Signalen am
Kapitalmarkt sowie als Reaktion auf eine progressive Unternehmensbesteuerung.
Seines Erachtens ist auf wechselkursbedingte Veränderungen der Jahresab-
schlusszahlen jedoch nicht mit einer Hedgeposition sondern vielmehr mit einer
entsprechenden Informationspolitik gegenüber Aktionären und Gläubigern zu
reagieren.65 Allgemein ist sich die Wissenschaft einig, dass dieses Risiko nicht
abgesichert werden sollte.66
2.2.2 Transaktionsexposure67
Das Transaktionsexposure beziffert das Währungsrisiko, das aus zukünftigen,
zum Zeitpunkt der Betrachtung bereits kontrahierten, Fremdwährungs-Cashflows
und Fremdwährungsbeständen entsteht. Damit resultiert der Großteil aus entspre-
chenden Liefer- und Leistungsbeziehungen, Fremdwährungskrediten und Wertpa-
60 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 21.
61 Einen Überblick über die Umrechnungsmethoden findet der interessierte Leser in der einschlä-
gigen Rechnungslegungs- beziehungsweise Bilanzierungsliteratur. Aufgrund der laufenden
Aktualisierungen dieser Literatur soll hier kein spezielles Werk angegeben werden.
62 Vgl. Oxelheim, L. / Whilborg, C. G., 1995, S. 241.
63 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 23f.
64 Vgl. Henk, A., 2003, S. 92.
65 Vgl. Bernhard, W., 1992, S. 27.
66 Vgl. Dhanani, A., 2004, S. 319.
67 In der Folge werden die deutschen Begriffe Transaktionsexposure, Umrechnungsexposure und
der englische Begriff Transaction Exposure synonym verwendet.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
14
pierbeständen.68 Des Weiteren erfasst es Zahlungsereignisse, für die bereits ein
Vertragsabschluß erzielt wurde, die jedoch noch nicht zu in Höhe und Fälligkeit
genau bekannten Forderung oder Verbindlichkeit geworden sind. Dies kann bei
der Quantifizierung zu erheblichen Problemen führen. Ähnlich verhält es sich mit
den ebenfalls meist dem Transaction Exposure zugeordneten Eventualgeschäften.
Beispielhaft werden hierfür oft internationale Ausschreibungen angeführt. Dabei
ist zum Zeitpunkt der Exposurebestimmung nicht klar, ob das Geschäft überhaupt
zustande kommt. Deshalb kann es entweder gar nicht, teilweise oder voll ange-
rechnet werden.69
Das Transaction Exposure ist das in der Praxis derzeit am meisten angewandte
Konzept.70 Dies resultiert aus der Möglichkeit seiner einfachen Quantifizierung.
Es ergibt sich aus einer Gegenüberstellung bzw. einem Netting71 aller zukünftiger,
vertraglich fixierter Cashflows. Der errechnete Betrag stellt gleichzeitig die abzu-
sichernde Hedgeposition dar. Das Transaction Exposure wird in internationalen
Konzernen sehr intensiv und auf hohem Niveau von zentralen Clearingstellen
gemanagt. Durch die Verwendung von nur in ausländischer Währung denominier-
ten und bereits kontrahierten Beträgen, deckt dieses Konzept jedoch nur einen
Teil der Cashflows einer Unternehmung ab und greift aus wissenschaftlicher Sicht
zu kurz, um als Grundlage für ein unternehmensweites Wechselkursrisiko-
Management zu dienen.72
2.2.3 Ökonomisches
Exposure73
Die beiden vorgestellten Exposure- bzw. Risikokonzepte greifen in der Realität,
wie bereits erläutert, oft zu kurz. Das ökonomische Exposurekonzept weitet daher
den Betrachtungshorizont aus und betrachtet alle zukünftigen und zum jetzigen
Zeitpunkt noch nicht kontrahierten Zahlungsströme.74 Schon bei einem Vergleich
68 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 26.
69 Vgl. Mayrhofer, H. H., 1992, S. 17.
70 Vgl. Glaum, M., 2000, S. 41.
71 Unter Netting wird das Aufrechnen von gegenläufigen Zahlungsströmen verstanden. Existiert
zu einem Fälligkeitstermin eine Forderung und gleichzeitig eine Verbindlichkeit in gleicher
Höhe, so gleichen sich diese beiden Positionen aus Sicht des Umwechslungsrisikos aus.
72 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 28f.
73 In der Folge werden der deutsche Begriff ökonomisches Exposure und der englische Begriff
Economic Exposure synonym verwendet.
74 In der Literatur finden sich unterschiedliche Abgrenzungen des ökonomischen Exposure. In
jüngerer Zeit wird das Transaktionsexposure oft als Teilmenge des ökonomischen Exposure
definiert. Erst zusammen mit dem sogenannten Operating Exposure ergibt es bei dieser Defini-
tion das ökonomische Exposure. Diese Arbeit hält sich jedoch an die traditionelle Einteilung in
Konversionsexposure, Transaktionsexposure und ökonomisches Exposure. Die Autoren, die
sich für die Verwendung anderer Definitionen entschieden haben, benutzen für den in dieser
Arbeit als ökonomisches Exposure bezeichneten Sachverhalt die Begriffe competitive exposu-
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
15
der jeweils betrachteten Zeiträume wird schnell deutlich, dass das ökonomische
Exposure ein viel umfassenderes Konzept darstellt.
Im Gegensatz zum Transaktionsexposure ist dabei nicht nur die Höhe des Hei-
matwährungsbetrages, sondern auch die Höhe des Fremdwährungsbetrages unsi-
cher.75 Zusätzlich zum Preisrisiko ist das ökonomische Exposure damit auch dem
Mengenrisiko ausgesetzt. Dies und die Tatsache, dass hier die realen und nicht
wie bei den beiden anderen Konzepte die nominalen Wechselkursänderungen be-
trachtet werden, führt dazu, dass es ein Maß für die Auswirkungen auf die Wett-
bewerbsfähigkeit einer Unternehmung darstellt.76 Es deckt somit langfristige,
strukturelle Gefahren aus der Währungszusammensetzung von Umsätzen und
Kosten und damit dem operativen Ergebnis auf.
Diese Sachverhalte lassen sich gut anhand des folgenden Beispiels verdeutlichen.
Ein deutsches Unternehmen, das seine in Deutschland produzierten Produkte auf
dem US-amerikanischen Markt absetzt, weist ein großes ökonomisches Exposure
auf. Es kennt nur die Rückflüsse aus bis zum heutigen Tag abgeschlossenen Lie-
ferverträgen. Alles was darüber hinausgeht ist unsicher. So können auch keine
genauen Aussagen über den zukünftigen Umsatz getroffen oder der Umtausch
dieser Rückflüsse in Heimatwährung abgesichert werden.
Weiter ist zu beachten, dass diese zukünftigen Erträge nicht nur vom Euro/Dollar-
Wechselkurs abhängig sind. Sieht sich dieses Unternehmen auf dem amerikani-
schen Markt beispielsweise der Konkurrenz eines japanischen Mitstreiters ausge-
setzt, so ist das Unternehmen zusätzlich von Änderungen des Euro/Yen-
Wechselkurses betroffen. Diese Veränderungen haben wesentlichen Einfluss auf
die Kostenstruktur der Wettbewerber und damit auf die relative Wettbewerbsposi-
tion im Markt. Es entsteht also ein ökonomisches Exposure gegenüber dem Yen.
Dieses Beispiel beschreibt die Situation, in welcher sich deutsche Automobilun-
ternehmen in den 70er Jahren befunden haben. Die Deutsche Mark wertete damals
sehr stark gegenüber dem Dollar auf. Zwar sahen sich auch die japanischen Au-
tomobilhersteller einer Yen-Aufwertung ausgesetzt, dies jedoch in einem wesent-
lich geringeren Maße als die Deutschen. Somit veränderten sich schon allein aus
der Tatsache einer Wechselkursverschiebung die Wettbewerbspositionen auf dem
re, operating exposure oder auch non-contractual exposure.
75 Vgl. Srinivasulu, S. L., 1981, S. 15.
76 Analog zu den Ausführungen aus Kapitel 2.1.2.3 ist der reale Wechselkurs der um die Inflati-
onsrate korrigierte nominale Wechselkurs. Da der Wechselkurs ein Austauchverhältnis von
zwei Währungen ist, wird bei der Korrektur auf die Veränderung der Inflationsraten beider
Länder abgestellt.
Grundlagen und Einflussfaktoren der ökonomischen Währungsrisiken
16
amerikanischen Automobilmarkt, ohne die Betrachtung produktionswirtschaftli-
cher Belange.77
Anhand dieses Beispiels ist zudem ersichtlich, dass das Economic Exposure in
zwei Teileffekte aufgeschlüsselt werden kann. Zum einen in den Umwechslungs-
effekt (conversion effect), welcher das ständig wiederkehrende Transaktionsexpo-
sure beschreibt, und den Wettbewerbseffekt (competitive effect). Er drückt die
Sensitivität von realen Wechselkursveränderungen auf die operativen Zahlungs-
ströme in lokaler Währung aus.78 Neben dem Preiseffekt tritt also auch der schon
mehrfach erwähnte Mengeneffekt auf, was letztlich zu einer Veränderung der op-
timalen Preis-Mengen-Kombination führt.79 Das Preisrisiko bezieht sich hier auf
die unsichere Höhe des Wechselkurses, wohingegen das Mengenrisiko für die
Unsicherheit des Zahlungsstroms in Fremdwährung steht.80
Der Wettbewerbseffekt liefert auch den Grund, warum selbst Unternehmen, die
ihre Geschäfte ausschließlich auf dem Heimatmarkt tätigen, einem Fremdwäh-
rungsexposure ausgesetzt sein können. Dieses kann beispielsweise aus der Im-
portkonkurrenz mit ausländischen Mitbewerbern resultieren.81 Selbst wenn diese
nicht gegeben ist, kann ein Exposure immer noch aus der extremen Wechselkurs-
abhängigkeit eines Kunden des Unternehmen herrühren.82
Die Ausführungen sollen verdeutlichen, wie wichtig ein Management des ökono-
mischen Währungsrisikos und dabei vor allem des ökonomischen Exposure ist.
Dabei sind jedoch auch Wechselwirkungen mit den anderen Exposures zu beach-
ten. So kann eine Absicherung des Transaktionsexposure unter Vernachlässigung
des ökonomischen Exposure sogar zu einer Vergrößerung des Gesamtexposure
führen.83 Ein Beispiel hierfür ist die Absicherung einer Verbindlichkeit in US-
Dollar, obwohl ein Großteil der laufenden Erträge der Unternehmung in US-
Dollar anfallen. Diese Verbindlichkeit könnte gerade mit den Rückflüssen in der
gleichen Währung beglichen werden.
77 Vgl. Srinivasulu, S. L., 1981, S. 15.
78 Vgl. Flood, E. Jr. / Lessard, D. R., 1986, S. 26.
79 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 30.
80 Vgl. Büschgen, H. E., 1980, S. 26.
81 Vgl. Rehkugler, H. / Schindel, V., 2004a, S. 347.
82 Vgl. Adler, M. / Dumas, B., 1984, S. 41.
83 Vgl. Lessard, D. R. / Lightstone, J. B., 1986, S. 108.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
17
3
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen
Währungsrisikos
Als Grundlage für ein fundiertes Management des ökonomischen Währungsrisi-
kos ist es wünschenswert, eine möglichst genaue Vorstellung von diesem Risiko
zu haben. Es soll versucht werden, dieses so genau als möglich zu messen. Wäh-
rend der Ausführungen in Kapitel 2 wurde das Währungsrisiko in seine Bestand-
teile Wechselkursrisiko und Währungsexposure zerlegt. Dabei sollte gezeigt wer-
den, dass ein Währungsmanagement anhand der Steuerung des Wechselkursrisi-
kos nicht möglich ist. Zum einen kann weder der Verlauf des Wechselkurses
durch das Unternehmen beeinflusst werden, noch sind verlässliche Aussagen an-
hand von Schätzungen darüber möglich.
Aus diesem Grund fokussiert diese Arbeit den zweiten Aspekt, nämlich den des
Exposuremanagements. Daher wird im folgenden Kapitel zur Quantifizierung des
Risikos auch versucht das Exposure zu bemessen.
3.1
Verschiedene Ansätze und Methoden zur Quantifizierung des
ökonomischen Währungsexposure
Dieser Abschnitt soll zeigen, dass auch eine sinnvolle exakte Erfassung des öko-
nomischen Exposure aus betriebswirtschaftlich anwendungsorientierter Sicht aus-
gesprochen schwierig ist. Stellvertretend für diese Auffassung sei das folgende
Zitat von
Henk, A (2003)
aufgeführt: ,,Aufgrund der vielfältigen, interdependenten
direkten und indirekten Wirkungseinflüsse von Wechselkursrisiken auf den Un-
ternehmenswert ist jedoch bei Industrie- und Handelsunternehmen lediglich eine
Approximation des Economic Exposure, nicht jedoch dessen absolut exakte Be-
rechnung möglich."84 Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass zur vollstän-
digen Abbildung des ökonomischen Risikos die Kenntnis unternehmensinterner
Informationen notwendig ist. Gestaltet sich die Erhebung dieser Informationen für
das eigene Unternehmen mitunter schon schwierig, so ist es nahezu unmöglich,
diese über Mitbewerber zu erhalten. Für eine vollständige Erfassung sind diese
Kenntnisse jedoch unerlässlich.85
84 Henk, A., 2003, S. 94. Dabei definiert Henk das Economic Risk schon weitläufig, also inklusi-
ve des verhältnismäßig leicht zu ermittelnden Transaction Exposure.
85 Vgl. Henk, A., 2003, S. 91.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
18
Im Schrifttum werden zur Berechnung des Economic Exposure eine wirkungsbe-
zogene und eine ursachenbezogene Herangehensweise unterschieden.86
Die Gruppe der Autoren, die sich für eine wirkungsbezogene Bearbeitung ent-
schieden hat, bedient sich der Hilfe der Regressionsanalyse und ermittelt anhand
historischer Kapitalmarktdaten Zusammenhänge zwischen Wechselkursen und
Unternehmenswert. Diese Wirkungsweisen übertragen sie auf zukünftige Ent-
wicklungen.87
Innerhalb dieser Gruppe, lassen sich wieder zwei grundlegende Herangehenswei-
sen unterscheiden. Stellvertretend für diese seien die Arbeiten von
Adler, M. /
Dumas, B. (1984)
und
Garner, C. K. / Shapiro, A. C. (1984)
angeführt.
Erste definieren in ihrem Aufsatz, ,,der als grundlegend für die weitere Diskussion
zur Wechselkursrisiko-Thematik angesehen werden kann [...]"88, das Exposure als
Betrag in Fremdwährung, der für die Sensitivität des zukünftigen Barwerts einer
Anlage auf zufällige Veränderungen des zukünftigen Wechselkurses steht. Das
Exposure stellt also den Teil des zukünftigen Barwerts einer Unternehmung dar,
der mit einer Veränderung der zukünftigen Austauschrate schwankt. Über diesen
Zusammenhang werden Wechselkursänderungen und zukünftiger Marktwert mit
Hilfe der linearen Regression in Verbindung gebracht. Im vereinfachten Zweilän-
derfall entspricht das Exposure gerade dem Steigungsparameter einer linearen
Einfachregression.89 Eine Anwendung der Regressionsmethode setzt allerdings
die Prämissen eines perfekten Kapitalmarkts voraus, das bedeutet, dass die uner-
warteten Wechselkursänderungen effizient verarbeitet werden und sich unmittel-
bar im Kurs der Anlage niederschlagen.90 Die Definition der Autoren bedeutete
damals die erste Abkehr von der zuvor gängigen Praxis, das Exposure aus den
Unterlagen des Finanz- und Rechnungswesens der Unternehmung zu ermitteln.91
In ihrem ebenfalls 1984 erschienenen Aufsatz analysieren auch
Garner, C. K. /
Shapiro, A. C. (1984)
das Exposure des amerikanischen Unternehmens Vulcan
Materials Company mit Hilfe einer Regressionsanalyse.92 Dabei stellt der Dollar-
wert der Cashflows vergangener Perioden die erklärte Variable und der durch-
schnittliche Wechselkurs der entsprechenden Periode die erklärende Variable
86 Vgl. Henk, A., 2003, S. 94.
87 Vgl. Henk, A., 2003, S. 94.
88 Roth, A., 1997, S. 40.
89 Vgl. Adler, M. / Dumas, B., 1984, S. 41ff.
90 Vgl. Bartram, S. M., 2000, S. 1272.
91 Vgl. Roth, A., 1997, S. 41.
92 Vgl. Garner, C. K. / Shapiro, A. C., 1984, S. 71ff.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
19
dar.93 Der wesentliche Unterschied in der Methodik zu
Adler, M. / Dumas, B
(1984)
ist zum einen die Tatsache, dass sie an Stelle von Kapitalmarktdaten un-
ternehmensinterne Cashflow-Werte verwenden. Darüber hinaus sagt der von
Gar-
ner, C. K. / Shapiro, A. C. (1984)
errechnete Regressionskoeffizient etwas ganz
anderes aus, nämlich um wie viel sich die Cashflows in absoluten Zahlen ändern
wenn sich der Wechselkurs um eine Einheit bewegt.94
Der große Vorteil des Ansatzes von
Adler, M. / Dumas, B. (1984)
ist die Tatsache,
dass es sich bei dem von ihnen errechneten Exposure um einen Wert in der Zu-
kunft handelt. Durch das Eingehen einer gegenläufigen Position in gleicher Höhe
lässt sich das Risiko eliminieren.95 Diese ausgesprochen praktische Tatsache und
die ausführliche und formal exakte Herleitung des Verfahrens von
Adler, M. /
Dumas, B (1984)
sind auch ein Grund, weshalb das Konzept von
Garner, C. K. /
Shapiro, A. C. (1984)
weit weniger Beachtung gefunden hat.96
Letztlich gilt aber für beide Konzepte das schwerwiegende Problem, dass die sta-
tistische Regressionsanalyse immer einen anhand von Vergangenheitsdaten ermit-
telten Zusammenhang in die Zukunft projiziert.97
Dies ist aber aufgrund vielseitiger Veränderungen sowohl der Unternehmensstruk-
tur als auch des ökonomischen Umfelds kritisch zu beurteilen.98 Zu häufig sind
Strukturbrüche zu beobachten, die dazu führen, dass solche Zusammenhänge für
die Zukunft nicht oder nicht in der selben Weise gelten. Darüber hinaus betrachte-
ten die vorgestellten Ansätze nur einzelne Währungen. Sobald jedoch mehrere
betrachtet werden sollen, wird aus der Einfachregression eine multivariate Analy-
se. Diese birgt zusätzliche Probleme bezüglich der Multikollinearität.99
Die soeben vorgestellte wirkungsbezogene Herangehensweise für die Quantifizie-
rung des ökonomischen Exposure hält der Autor auch aus diesen Gründen für nur
begrenzt geeignet. Darüber hinaus zeigt die Regressionsanalyse während des Er-
mittlungsprozesses keinerlei Ansatzpunkte für ein Währungsmanagement auf.
Das Gegenteil ist bei einer ursachenbezogenen Bearbeitung des Themas der Fall.
93 Vgl. Garner, C. K. / Shapiro, A. C., 1984, S. 71f.
94 Vgl. Roth, A., 1997, S. 47.
95 Vgl. Vgl. Adler, M. / Dumas, B., 1984, S. 42.
96 Vgl. Roth, A., 1997, S. 46 f; beispielhaft hierfür ist auch das Ergebnis einer Eingabe der beiden
Aufsätze auf der Internetseite http://scholar.google.com, einem Ableger der bekannten Inter-
netsuchmaschine, die ausschließlich akademische Treffer liefert. Für den Aufsatz von Adler
und Dumas werden 113 Zitationen gezählt, der von Garner und Shapiro erbringt lediglich 6
Treffer. (Stand: 15.11.2005).
97 Vgl. Bernhard, W., 1992, S. 13.
98 Vgl. Henk, A., 2003, S. 114.
99 Vgl. Adler, M. / Dumas, B., 1984, S. 48; für die Probleme der Multikollinearität auch Back-
haus, K. / Erichson, B. / Plinke, W. / Weiber, R., 2000, S. 41ff.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
20
Hier wird in einem ersten Schritt eine statische Bestandsaufnahme des ökonomi-
schen Exposure durchgeführt. Darüber hinaus werden die Wirkungskanäle von
Wechselkursänderungen untersucht. Aufgrund mangelnder Verfügbarkeit objekti-
ver Werte, wird sich in diesem Zusammenhang die Schätzung vieler Zusammen-
hänge nicht vermeiden lassen. Aus diesem Grund steht bei diesem Ansatze eher
die Schaffung eines Verständnisses für die Zusammenhänge der Wirkungsketten,
als eine exakte Quantifizierung im Vordergrund. In den nächsten Schritten findet
eine starke Würdigung der Wettbewerbsposition der Unternehmung sowie der
Unternehmensstruktur statt.100
Weil diese Belange nach Auffassung des Autors im Mittelpunkt eines jeden öko-
nomischen Währungsmanagements stehen sollten und weil dieser Ansatz schon
während der Quantifizierung bzw. Analyse sehr gute Ansätze für ein Management
offen legt, wird im nächsten Kapitel, stellvertretend für die ursachenbezogenen
Ansätze, näher auf die Arbeit von
Fastrich, H. / Hepp S. (1991)
eingegangen.
Aufgrund der erwähnten Bevorzugung analytischer Ansätze vor einer exakten
Quantifizierung des Gesamtexposure wird daher auch in der Folge eher von einer
Analyse als von einer Quantifizierung gesprochen. Das bedeutet aber nicht, dass
im Zuge der Analyse kein Gesamtexposure errechnet wird.
Diese analytischen Ansätze sollen es der Führung eines Unternehmens ermögli-
chen, wesentliche Währungsexposures zu erkennen und diese zu managen. Im
Gegensatz zu vielen Autoren, die sich oftmals sogar von Anfang an auf genettete
Positionen konzentrieren, arbeiten sie nicht mit aggregierten Cashflows. Diese
Konzentration von Informationen ist für eine exakte Quantifizierung als vereinfa-
chende Annahme zwar sehr hilfreich, jedoch bleibt damit eine Vielzahl an
Informationen ungenutzt. Vielmehr wird sich einer disaggregierten Cashflow-
Analyse bedient, die den großen Vorteil aufweist, dass bei der Betrachtung dieser
Cashflows eine viel bessere Einsicht in die Ursachen der Entstehung des Exposure
möglich ist. Hilfsmittel für diese detaillierte Analyse sind dabei unter anderem die
Portfoliotheorie, Wettbewerbsanalysen, Schätzungen von Preisabsatzfunktionen
und die Erstellung von Planbudgets.101
100 Vgl. Henk, A., 2003, S. 113.
101 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 174.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
21
3.2
Analyse des ökonomischen Währungsexposure
3.2.1
Die Geschäftsstruktur und ihr Einfluss auf das Währungsmanage-
ment
Der hier vorgestellte Ansatz wird versuchen eine individuelle Analyse für die je-
weilige Unternehmung zu ermöglichen.
Wenn davon ausgegangen wird, dass ein Management des Währungsrisikos durch
die Unternehmung wertsteigernd und sinnvoll ist,102 muss in einem ersten Schritt
festgestellt werden, welche Geschäftsstruktur ein Unternehmen aufweist.
Diese ist ursächlich dafür, auf welcher Ebene die Quantifizierung und Analyse des
Exposure einsetzen soll. Daher kann die Analyse zweier Unternehmen am Ende
auch zu unterschiedlichen Aggregationsniveaus führen.
Begründbar ist das mit dem Sachverhalt, dass sowohl die Quantifizierung als auch
das Management nur an der Stelle sinnvoll ist, an der sich die Analyse- und die
Entscheidungsebene entsprechen. Dies ist zumeist die Stelle an der das Risiko
entsteht.103
Beispielsweise sollte eine Finanzholding ihr Währungsexposure nicht auf Ge-
samtkonzernebene bestimmen und analysieren, wenn sich diese Gesamtheit aus
selbstständigen Einzelunternehmen zusammensetzt. Das Management und die
Erfassung eines Exposure sollte immer von den verantwortlichen Entscheidungs-
trägern erfolgen. Diese sind in dem erläuterten Beispiel aber nicht im Konzern,
sondern auf der Ebene der Tochtergesellschaften anzutreffen.104 Aufgrund der
Tatsache, dass es sich beim ökonomischen Währungsmanagement weniger um ein
finanzwirtschaftliches als vielmehr ein operatives Konzept handelt, sollten die
entsprechenden Analysen und Entscheidungen auch von den operativen Einheiten
getroffen werden. Dies bedeutet einen Einbezug von Abteilungen wie Beschaf-
fung, Produktion, Marketing und Verkauf.105 Für ein vorrangig dezentral angeleg-
tes Management spricht dabei die Nähe der Entscheidungsträger zu diesen Einhei-
ten.
102 Im Zuge des Risikomanagements wird häufig über die Frage diskutiert, wer sinnvoller Weise
die Absicherungsentscheidung der Risiken zu treffen hat, die Eigentümer oder das Manage-
ment des Unternehmens. Der Autor vertritt die Auffassung, dass aus verschiedenen Gründen,
ein Risikomanagement der Unternehmung unverzichtbar ist. Eine ausführliche Diskussion die-
ses Themas findet der interessierte Leser bei Dufey, G. / Srinivasulu, S. L., 1983, S. 57ff;
Grant, R. / Soenen, L., 2004, S. 56.
103 Vgl. Henk, A., 2003, S. 217.
104 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 171.
105 Vgl. Cornell, B. / Shapiro, A. C., 1983, S. 54; Flood, E. Jr. / Lessard, D. R., 1986, S. 117.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
22
Gegen ein dezentralisiertes Exposuremanagement spricht die Erfahrung, dass ein-
zelne Tochtergesellschaften oftmals gegenläufige Exposure aufweisen und sich
dadurch bei einer Gesamtbetrachtung mitunter beträchtliche Diversifikationspo-
tentiale ergeben. Diese lassen sich ähnlich wie die Diversifikationspotentiale bei
Anlagen begründen.106 Bei einem Exposuremanagement auf untergeordneter Ebe-
ne bleiben diese ungenutzt.
Unabhängig von der Tatsache auf welcher Ebene die Berechnung und das Mana-
gement der Exposures, angesiedelt ist, werden die benötigten Informationen, bei
denen es sich oftmals um Marktkenntnisse handelt, immer aus den verschiedenen
operativen Einheiten kommen müssen. Daraus kann ein erhebliches Principal-
Agent-Problem entstehen. Die Zentrale ist darauf angewiesen, objektive Informa-
tionen zu bekommen. Diese Informationsabhängigkeit der Zentrale ermöglicht es
den beurteilenden Stellen jedoch, die Lage für sich selbst bestmöglich darzustel-
len. Ist die Berichtswährung beispielsweise die des Mutterkonzerns, so kann eine
Reduzierung der berichteten Kosten einer Unternehmenseinheit einerseits auf die
tatsächliche Realisierung von Einsparpotentialen zurückzuführen sein, anderer-
seits könnte aber auch eine Wechselkursänderung dazu führen, dass die in lokaler
Währung gleichbleibenden Kosten als Einsparung deklariert werden. Darüber
hinaus wird die Einheit auch die für die Exposureanalyse notwendigen Informati-
onen über die Märkte bereitstellen. Entwickeln sich diese nicht vorteilhaft, so be-
einträchtigt dies die Stellung der Tochter in erheblichem Maße. Zwar werden die
Einheiten diese Tatsache nicht auf Dauer verschleiern können, aber schon eine
Verzögerung dieser Erkenntnis bedeutet einen Verlust für die Zentrale.107
Diese Probleme treten bei den verschiedenen Organisationsformen in unterschied-
licher Intensität auf. Dabei lassen sich jeweils Argumente für eine Zentralisierung
aber auch für eine Dezentralisierung finden. Zumeist wird eine Ansiedelung der
Quantifizierung und des Managements des Exposure zwischen den beiden Extre-
men gewählt werden.
Eine eher zentralisierte Erfassung bietet sich bei den Organisationsformen der
funktionalen und der regionalen Gliederung an. Aufgrund der organisatorischen
Nähe der Zentrale zu den operativen Einheiten und der klaren Reporting- und
Weisungsstruktur sind die geschilderten Probleme einer zentralen Erfassung nicht
so erheblich. Dafür wird aber die Möglichkeit geschaffen, die Diversifikations-
106 Vgl. Rudolf, M. / Zimmermann, H., 1998, S. 914.
107 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 172.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
23
effekte der Exposures voll zu berücksichtigen. Diese Strukturen sind vorrangig
bei mittleren Exportunternehmen und Großunternehmen mit bedeutendem Um-
satzanteil im heimischen Markt anzutreffen.
Bei Unternehmen mit einer Sparten- bzw. Produktbereichsgliederung und bei Fi-
nanzholdings handelt es sich um Organisationsformen mit besonderem Komplexi-
tätsgrad.108 Dabei wäre auch hier der Einsatz der Portfolioanalyse mit dem Ziel
einer Nutzung der Diversifikationseffekte der Einzelexposures möglich.
Dank der heutigen Instrumente würde die Bewältigung des hohen Komplexitäts-
grades auch kein Problem darstellen. Viel kritischer zu beurteilen wäre dagegen
die Inkongruenz zwischen Entscheidung und Erfassung.109 Daher sollten die ent-
sprechenden Unternehmen auch ein tendenziell dezentralisiertes Risikomanage-
ment bevorzugen.
Eine deutliche Qualitätssteigerung der dezentralen Exposureerfassung ist durch
den Einbezug einer Stabsabteilung möglich. Diese Abteilung sollte sich aus Spe-
zialisten auf dem Gebiet des Währungsmanagements zusammensetzten. Dadurch
wäre eine Zusammenführung von Spezialistenwissen und bestmöglicher Informa-
tionsqualität gewährleistet.110
Die Ermittlung bzw. Analyse der Wettbewerbssituation einer Unternehmung ist
für das Exposuremanagement von größter Bedeutung. Sie ist mitunter äußerst
komplex und erfordert sehr detaillierte Kenntnisse. Elementar ist dabei, dass die
Betrachtung, sowohl die Situation auf dem speziellen Markt, als auch die des be-
troffenen Produktbereichs beleuchtet. Die Wettbewerbsposition ist eine Kombina-
tion aus Produkt- und Markteinflüssen. So kann ein und das selbe Produkt auf
dem einen Markt über eine hervorragende Wettbewerbsposition verfügen, auf
einem anderen dagegen eine völlig untergeordnete Rolle spielen. Das Manage-
ment der Exposures sollte in diesem Fall durch die operative Ebene erfolgen, da
diese als einzige sowohl die Einflussfaktoren der Produkte als auch der Märkte
kennt.
Die vorangegangenen Erläuterungen dienten nochmals der Verdeutlichung, dass
das Währungsmanagement bei Sparten- bzw. Produktbereichsgliederung eher in
den Händen des lokalen Managements liegen sollte. Damit trägt dieses zwar ei-
nerseits das volle Währungsrisiko, hat andererseits aber auch die Möglichkeit von
positiven Wechselkursentwicklungen bzw. guten Absicherungsentscheidungen zu
108 Die betroffenen Unternehmen sind zumeist multinationale Konzerne und finanziell orientierte
Unternehmensverbünde.
109 Vgl. Dhanani, A. / Groves, R., 2001, S. 277.
110 Vgl. Henk, A., 2003, S. 284.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
24
profitieren.111 Als weiterer Vorteil kann auch die Vermeidung eines bürokrati-
schen Prozesses angeführt werden, wie er durch die Implementierung eines zent-
ralen Währungsmanagements mit Informationsflüssen durch das ganze Unter-
nehmen bei großen Konzernen mit relativ verkrusteten Strukturen auftreten wür-
de.
3.2.2
Portfolioanalyse und die Bestimmung der relevanten Wechselkurse
und Exposures
Nachdem die Aufgabe des vorigen Kapitels darin bestand, zu klären, wer die in
der Folge diskutierte Erfassung und das Management des ökonomischen Wäh-
rungsexposure durchzuführen hat, beschäftigt sich der folgende Abschnitt mit
dieser selbst.
Am Anfang eines systematischen Managements des ökonomischen Währungsex-
posure steht die Bestimmung der relevanten Wechselkursverhältnisse. Dabei wird
ermittelt, auf welche Veränderungen des realen Austauschverhältnisses die Wett-
bewerbs- bzw. Gewinnsituation reagiert.112
In einem ersten Schritt sollte geprüft werden, welche Währungen einen Einfluss
auf die Cashflows haben,113 in welchen Währungen also die Aufwendungen und
Erträge generiert sind.114
An dieser Stelle ist es jedoch wichtig festzuhalten, dass oftmals gar nicht die
Rechnungswährung ausschlaggebend ist, sondern die Währung, die den Preis de-
terminiert. Daher wird sie auch als Determinationswährung bezeichnet.115 Aus
dieser Feststellung ergibt sich, dass es nötig sein kann, Währungen einzubeziehen,
in denen nominal zwar kein Geschäft getätigt wird, die aber trotzdem einen Ein-
fluss auf die Cash Flows der Unternehmung haben. So sind auch bei der Betrach-
tung der Exposures eines Konkurrenten nicht dessen Fakturierungswährungen,
sondern die Determinationswährungen der Märkte ausschlaggebend, in denen er
tätig ist.116
In einem zweiten Schritt ist zu klären, in welcher Wirkungsrichtung diese Abhän-
gigkeitsbeziehung herrscht. Hat der Kursanstieg einer Währung einen positiven,
einen negativen oder eventuell einen neutralen Einfluss auf die Situation der Un-
ternehmung. Die hier vorgenommene dreiteilige Einordnung macht deutlich, dass
111 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 172.
112 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 176.
113 Vgl. Henk, A., 2003, S. 53.
114 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 171.
115 Vgl. Bartram, S. M., 1999a, S. 79.
116 Vgl. Fels, G., 1988, S. 140.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
25
im ersten Schritt auch Währungen aufgenommen werden, bei denen zum jetzigen
Zeitpunkt eine Änderung des Wechselkurses aus verschiedenen Gründen zu kei-
ner Wirkung führt. Diese Tatsache kann sich im Zeitablauf jedoch ändern.
Fastrich H. / Hepp, S. (1991)
schlagen in ihrer Arbeit einen ähnlich gearteten An-
satz vor.117 Sie lassen in einem fiktiven Beispiel das Management verschiedener
Branchen sowie das Finanzmanagement der Mutterunternehmung die Korrelation
zwischen realer Wechselkursänderung und dem Gewinn schätzen. Das Ergebnis
dieser Schätzung ist in Abbildung 1 dargestellt.
Abbildung 1:
Portfolioanalyse: Gewinnkorrelation (in Lokalwährungsein-
heiten) gegenüber realen Wechselkursveränderungen
G e w in n k o rre la tio n
S p a rte A
+ 1
p o s itiv
+ 0 ,5
n e u tra l
0
- 0 ,5
n e g a tiv
- 1
G e w in n k o rre la tio n
S p a rte B
+ 1
p o s itiv
+ 0 ,5
n e u tra l
0
- 0 ,5
n e g a tiv
- 1
G e w in n k o rre la tio n
S p a rte C
+ 1
p o s itiv
+ 0 ,5
n e u tra l
0
- 0 ,5
n e g a tiv
- 1
G e w in n k o rre la tio n
C h e m ie A G (u m s a tz g e w ic h te t)
+ 1
p o s itiv
+ 0 ,5
n e u tra l
0
- 0 ,5
n e g a tiv
- 1
S F r
H fl
G B P
Y e n
U S -$
C a n -$
Quelle: Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 177.
Eine Korrelation von Eins bedeutet, dass eine Aufwertung in der betreffenden
Fremdwährung zu einem Anstieg des Gewinns in gleicher Höhe führt, umgekehr-
tes gilt für die negative Korrelation. Die Auswahl der aufgeführten Währungen
ist, ähnlich wie auch in dieser Arbeit vorgeschlagen wird, durch die Hauptkosten-
und Absatzwährungen bestimmt. Durch den Verzicht auf eine Unterscheidung in
117 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 176f.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
26
In- und Auslandsgeschäft ist es darüber hinaus möglich, die Auswirkung einer
Wechselkursänderung auf den inländischen Absatz zu berücksichtigen.118 An-
schließend wird mit Hilfe einer Umsatzgewichtung die Gewinnreagibilität des
Gesamtunternehmen dargestellt.
Anhand dieser Grafik bzw. der sich dahinter verbergenden Vorgehensweise lässt
sich sehr gut zeigen, dass eine Ermittlung der Reagibilität durch die dezentralen
Einheiten119 zur Schaffung eines Bewusstseins für die Abhängigkeiten sehr dien-
lich ist. Obwohl die Gewinnreagibilität sowohl von Sparte A als auch von Sparte
B auf Veränderungen des britischen Pfund sehr stark positiv ist, wird dieser Effekt
für die Gesamtunternehmung aber von der negativen Korrelation der Sparte C
überlagert. Bei der Aggregation auf Gesamtunternehmensebene führt dies zu einer
leicht negativen Abhängigkeit vom Pfund.
Ob eine Aggregation auf Gesamtunternehmenssicht überhaupt sinnvoll ist, sollte
anhand der Kriterien aus dem Vorkapitel bereits geprüft worden sein.
Auf den zweiten Schritt der Ermittlung der Korrelationsrichtung folgt eine sinn-
volle Gewichtung der Einzelschätzungen. Wenn die Entscheidung zugunsten einer
Aggregation gefallen ist, muss für diese Gewichtung ein Gewichtungskriterium
ausgewählt werden. Die Wahl einer Umsatzgewichtung wie sie
Fastrich, H. /
Hepp, S. (1991)
für ihr Beispiel vornehmen, ist dabei auch nach Ansicht des Au-
tors am sinnvollsten. Es sollte dabei aber nicht vergessen werden, dass dies eine
Vereinfachung darstellt, da die Gewinnreagibilität sowohl vom Umsatz als auch
von den Kosten abhängt. Darüber hinaus sollte in Erinnerung behalten werden,
dass die Korrelationen in diesem Stadium der Analyse nur eine subjektive Schät-
zung darstellen. Um eine Aussage darüber treffen zu können, wie stark eine pro-
zentuale Veränderung des Wechselkurses Einfluss auf die Gewinnreagibilität
nimmt, ist die Kenntnis komplizierter Zusammenhänge nötig, die aufgrund ihres
Komplexitätsgrades erst im Laufe dieser Arbeit ausführlich analysiert werden.
Grundlage der gerade vorgestellten Vorgehensweise ist dabei ein bewährtes In-
strument des strategischen Managements, die Portfolioanalyse.
Seinen Ursprung hat das strategische Management mit Hilfe von Matrizen in der
von der Boston Consulting Group entwickelten Portfolio-Matrix.120 Diese identi-
118 Diese kann beispielsweise dadurch hervorgerufen werden, dass sich die Kostenstruktur eines
Mitbewerbers verschiebt und dies die betrachtete Unternehmung über eine Veränderung der
Wettbewerbssituation beeinflußt.
119 In diesem Beispiel stellt eine Einheit eine Sparte dar.
120 Da dieser Ansatz sehr große Beachtung gefunden, entwickelte in der Folge jede größere Bera-
tungsgesellschaft eine eigene Matrix.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
27
fiziert mit Hilfe der beiden Achsen Marktwachstum und relativer Marktanteil vier
Produkttypen, "Question Marks", "Stars", "Cash-Cows" und "Dogs". Der Idee
dieses Konzepts zufolge durchläuft ein Produkt während seines Lebenszyklus
meist alle diese Phasen.121
Die Matrix stellt dabei besonders auf die Cashflow-Wirkungen dieser Phasen ab.
Zuerst muss in ein Produkt investiert werden und es entstehen negative Cashflows
("Question Marks"). In der Folge gewinnt das Produkt an Bedeutung und die
Cashflows werden ausgeglichener ("Stars"). Idealerweise folgt diesem Schritt
eine lange Phase, in der die positiven Cashflows aus dem Produkt so hoch sind,
dass mit ihrer Hilfe Produkte in anderen Phasen unterstützt werden können
(,,Cash-Cows"). Am Schluss steht die Reifephase eines Produktes, die Umsätze
sind ebenso wie die Cashflows rückläufig ("Dogs").122
Obwohl es sich dabei um ein ganzheitliches Konzept handelt, ist es auch für das
Währungsmanagement sehr wichtig, in welcher Klasse sich das betrachtete Pro-
dukt gerade befindet. Ist die Betrachtung der Währungseinflüsse der großvolumi-
gen und für das gesamte Unternehmen sehr bedeutenden Cash-Cows besonders
wichtig, so kann dagegen in Erwägung gezogen werden, die Cashflows der sowie-
so rückläufigen ,,Dogs" bei der Betrachtung der Exposures außen vor zu lassen.
Fastrich, H. / Hepp, S. (1991)
haben bereits bei Erhebung der Daten eine Be-
schränkung auf die Hauptkosten- und Absatzwährungen vorgenommen. Betref-
fend der Relevanz für das Gesamtunternehmen ist dies sinnvoll. Abschließend sei
jedoch angemerkt, dass die dezentralen Einheiten die Aufgabe übernehmen soll-
ten, die Entwicklung der Währungen zu beobachten, die zu diesem Zeitpunkt eine
untergeordnete Rolle spielen.
Darüber hinaus müssen für ein ganzheitliches und nachhaltiges Währungsmana-
gement die einzelnen Schritte in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.
3.2.3
Branchen- und Wettbewerbsanalyse
Zur genauen Analyse der Wirkungsweise von Wechselkursänderungen und damit
der Berechnung des Exposure, ist die Anwendung einer Branchen- und Wettbe-
werbsanalyse unverzichtbar. Erst durch sie wird es möglich zu beurteilen, mit
welchen Voraussetzungen ein Unternehmen auf einem Markt konfrontiert wird
und diese entscheiden über die Höhe des Exposure. In der Literatur werden die
beiden Extreme eines vollständigen Pass-Through und eines reinen Pricing-to-
121 Vgl. Wagner, S., 1984, S. 76.
122 Vgl. Schulz, P., 1988, S. 55.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
28
Market unterschieden. Der Pass-Through steht für die Weitergabe der negativen
Auswirkungen einer Wechselkursänderung an den Käufer eines Produktes.123 Bei
einem Pricing-to-Market bestimmt der Markt den Preis.124 Das Unternehmen hat
also nach einer negativen Wechselkursänderung keinerlei Preisanpassungsspiel-
raum. Damit wirkt sich die Änderung direkt auf die Marge und den Gewinn aus.
Wie fast alle Arbeiten, die den Bereich der Branchen- und Wettbewerbsanalyse
behandeln, geht auch die folgende Ausarbeitung auf
Porter, M. E. (1988)
zurück.
Darin identifiziert er die in der Folge näher ausgeführten Faktoren als maßgeblich
für die Wettbewerbsintensität einer Branche. Abbildung 2 zeigt diese Spannungs-
kräfte des Wettbewerbs, die auf eine Branche wirken.
Abbildung 2: Spannungskräfte des Wettbewerbs
Potentielle Konkurrenten
Bedrohung durch
neue Konkurrenten
Verhandlungsstärke
Wettbewerber in der
Verhandlungsmacht
der Lieferanten
Branche
der Abnehmer
Lieferanten
Abnehmer
Rivalität unter den
bestehenden
Unternehmen
Bedrohung durch
Ersatzprodukte und -
dienste
Ersatzprodukte
Quelle: In Anlehnung an Porter, M. E., 1989, S. 26.
Nach Ansicht des Autors kommt den, in der Folge erarbeiteten Zusammenhängen
der Wettbewerbsanalyse aufgrund der Tatsache, dass sie maßgeblich die Höhe des
Exposure bestimmen eine besondere Bedeutung zu.
Die Tatsache, dass diese Zusammenhänge inhaltlich so weit vom Währungsmana-
gement entfernt zu sein scheinen und doch einen direkten kausalen Zusammen-
hang aufweisen, beweißt auf ein Neues die Problematik des Konzeptes des öko-
nomischen Währungsrisikos.
123 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 34.
124 Vgl. Menon, J., 1995, S. 197.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
29
3.2.3.1 Rivalität unter Mitbewerbern
Für die Rivalität der Mitbewerber einer Branche ist ihre Anzahl, sowie ihre Posi-
tion zueinander entscheidend. Wie reagieren die Wettbewerber auf Maßnahmen
eines anderen? Bei sehr vielen Marktteilnehmern ist die Wahrscheinlichkeit grö-
ßer, dass einer Maßnahmen ergreift, beispielsweise eine Wechselkursänderung
weiterreicht, ohne dass es die anderen bemerken.
Eine gute Position innerhalb des Marktes ist die eines Preisführers. Diese versetzt
ein Unternehmen in die Lage, die Preise einer Branche zu bestimmen. Die ande-
ren Marktteilnehmer orientieren sich in der Folge an diesem Preissetzungs- bzw.
Pass-Through-Verhalten. Ist das Unternehmen nicht selbst Preisführer, so ist es
für den wettbewerbspolitischen Aspekt des Währungsmanagements entscheidend
wer diese Position inne hat.125
Denkbar ist auch, dass ein Marktführer die Fakturierung in der von ihm ge-
wünschten Währung durchsetzt.126 Damit delegiert er zwar das komplette Preisri-
siko, ist aber nach wie vor dem Mengenrisiko ausgesetzt. Dies bedeutet, dass der
Kunde zwar den geforderten Preis bezahlt, die unsichere Größe bleibt aber die
Nachfragemenge. Selbst wenn die Marge gleich bleibt, kann die Ertragslage eines
Unternehmens aufgrund eines starken Umsatzrückgangs einbrechen.
Dieses Mengenrisiko verbleibt selbst wenn sich die Wettbewerber gleichen oder
zumindest sehr ähnlichen Währungsstrukturen der Kosten gegenüber sehen. Da-
durch, dass alle ihre Preise in ähnlicher Art und Weise anpassen, verbleibt jedoch
nur ein verhältnismäßig geringes Exposure.127
Porter, M. E. (1995)
betont aber auch, dass die Kostenführerschaft nicht die ein-
zige erstrebenswerte Marktposition gegenüber seinen Mitbewerbern darstellt. Dar-
über hinaus spricht er von der Möglichkeit der Differenzierung. Dabei geht es
darum, sich über Qualität und Service von den Konkurrenten abzuheben. Diese
Konzepte werden später im Rahmen der Absicherungsmaßnahmen explizit be-
handelt.
Darüber hinaus ist aber auch zu beachten, dass beispielsweise in stark wachsenden
Branchen oftmals ein erbitterter Kampf um die Marktanteile ausgetragen wird.
Dieser und die ebenfalls stark wachsenden Exposures führen zu einer großen Be-
deutung des Währungsmanagements.128 Auch hohe Fix- und Lagerkosten führen
in der Regel zu starker Rivalität. Die Unternehmen neigen dazu, diese auf mög-
125 Vgl. Lessard, D. R. / Lightstone, J. B., 1986, S. 111.
126 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 179.
127 Vgl. Lessard, D. R. / Lightstone, J. B., 1987, S. 69.
128 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 181.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
30
lichst viele Stückzahlen verteilen zu wollen und weiten ihre Kapazitäten aus. Dies
führt wiederum zu einem Preiskampf, der am Ende sämtliche Spielräume für
wechselkursbedingte Preisanpassungen vernichtet.129
3.2.3.2 Marktmacht der Lieferanten
Auch für Zulieferer gilt, dass eine sehr gute Stellung am Markt Möglichkeiten
schafft, Wechselkursschwankungen direkt weiterzugeben oder die Fakturierungs-
währung zu bestimmen. Hierbei handelt es sich jedoch wieder nur um die Delega-
tion des Preisrisikos. Besonders zu beachten ist dabei, dass die Weitergabe des
Wechselkursrisikos nicht nur durch Anpassung des Preises möglich ist, sondern
auch über Veränderungen der Qualität oder des Service.130
Ein hohes Gefahrenpotential birgt für jede Branche der Umstand, dass die Bran-
che der Zulieferer ein höheres Konzentrationsmaß aufweist als die eigene. Genau-
so ungünstig sind einseitige Abhängigkeiten, wenn ein Unternehmen beispiels-
weise ein Produkt oder einen Rohstoff nur von einem bestimmten Zulieferer be-
ziehen kann. Aus diesen beiden Gründen ist das Thema der Marktmacht der Lie-
feranten gerade auch für die Automobilindustrie von größtem Interesse. Durch
Ausspielen ihrer Macht hat sich die Anzahl der Zulieferer in den letzten Jahren
deutlich reduziert und damit auch eine Art Gegenmacht provoziert.
Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt sind auch die Mitarbeiter, die als Liefe-
ranten ihrer Arbeitskraft angesehen werden müssen. In der Realität ist zu beo-
bachten, dass ein hoher Organisationsgrad und eine starke Verhandlungsposition
von Arbeitnehmern in Tarifverhandlungen die Rentabilität von Branchen deutlich
schmälern kann. Für das Währungsmanagement ist diese Position besonders wich-
tig, weil sie einen großen Teil der lokalen Wertschöpfung ausmacht.
Die Diskussion bezieht sich letztlich auf eine Analyse der Wettbewerbsposition
der Zulieferer. Für das Währungsmanagement wird damit deutlich, dass das Ex-
posure einer Unternehmung nicht nur vom Exposure seiner Mitbewerber sondern
auch von dem seiner Zulieferer abhängt. Gleiches gilt für das Exposure der im
nächsten Kapitel behandelten Abnehmer.131
3.2.3.3 Marktmacht der Abnehmer
Der Gesichtspunkt der Marktmacht der Abnehmer ist schon einmal im Zuge des
129 Vgl. Porter, M. E., 1995, S. 43.
130 Vgl. Porter, M. E., 1995, S. 54.
131 Vgl. Bartram, S. M., 1999a, S. 15.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
31
Beispiels der Automobilindustrie angesprochen worden. Dies macht deutlich, dass
im Wesentlichen die Aspekte der Marktmacht der Lieferanten in entgegengesetz-
ter Richtung für die Marktmacht der Abnehmer gelten.
Entscheidend dafür, ob die Abnehmer jedoch überhaupt Gebrauch von ihrer even-
tuell vorhandenen Macht machen, ist ihre Preissensitivität. Ist ein Käufer sehr
preissensitiv, wird er keine Mittel scheuen, den Preis zu drücken und damit das
Wechselkursrisiko abzuwälzen oder ein vergleichbares Produkt auf andere Weise,
bzw. in einem anderen Währungsraum zu beschaffen. Spielt das Produkt sowohl
vom Preis als auch von den Qualitätsanforderungen eine untergeordnete Rolle, so
wird er den Preis als gegeben akzeptieren.132
Außerdem spielt der Informationsstand des Abnehmers über die Kostenstrukturen
des Lieferanten eine besondere Rolle. Wenn er diese gut kennt, verfügt er in Ver-
handlungen bezüglich der Weiterreichung einer Wechselkursänderung über eine
bessere Verhandlungsposition. Auch die Kenntnis über das Ausmaß des Wäh-
rungsmanagements des Lieferanten kann sehr hilfreich sein.
Wie groß der Einfluss von Abnehmern sein kann, zeigt das Beispiel eines Ener-
gieunternehmens, welches keinerlei Geschäfte in Fremdwährung kontrahiert, aus-
schließlich am inländischen Markt tätig ist und auch darüber hinaus nicht in Wett-
bewerbsbeziehung zu ausländischen Anbietern steht. Aufgrund der Tatsache, dass
dessen Kunden jedoch sehr stark von Wechselkursänderungen betroffen sind und
in Folge dessen ihre Nachfrage anpassen, weist auch dieses Unternehmen ein Ex-
posure auf.133
3.2.3.4 Markteintritt
Die Gefahr eines Markteintritts diszipliniert die etablierten Marktteilnehmer. A-
giert ein Unternehmen dagegen auf einem Markt, der durch die fünf im Folgenden
erläuterten Markteintrittbarrieren geschützt ist, kann es leichter Wechselkursver-
änderungen weitergeben.
Eine der häufigsten Markteintrittsbarrieren sind
Skalenerträge.
Die Unternehmen
machen sich dabei zu nutze, dass die Stückkosten bei steigendem Output pro Zeit-
einheit sinken.134
Eine weitere, besonders für das Währungsmanagement wichtige Barriere ist die
Produktdifferenzierung
. Etablierte Unternehmen hatten in der Vergangenheit be-
132 Vgl. Porter, M. E., 1995, S. 52.
133 Vgl. Adler, M. / Dumas, B., 1984, S. 41.
134 Vgl. Porter, M. E., 1995, S. 29f.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
32
reits die Möglichkeit, ihre Kunden an sich zu binden. Um diesen Nachteil aufzu-
holen, müssen Marktneulinge beträchtliche Mittel aufwenden.
Branchen wie die Automobilindustrie, in denen ein besonders hoher
Kapitalbe-
darf
besteht, werden oftmals gerade dadurch vor Marktneulingen geschützt. Der
Einsatz von gebundenem Kapital erhöht das Risiko für die Neulinge. Erhöhtes
Risiko bedeutet dabei zudem höhere Kapitalkosten.
Umstellungskosten
entstehen beim Wechsel eines Zulieferers. Da diese Kosten
mit in das Kalkül des Abnehmers eingehen, muss der neue Lieferant deutlich
günstiger oder besser sein als der ursprüngliche.
Außerdem ist für den Markteintritt entscheidend, in welcher Phase des Lebens-
zyklus sich ein Produkt gerade befindet. Ist die Motivation für einen Markteintritt
in einem frühen Stadium sehr hoch, wird sie dagegen gegen Ende eines Produkt-
lebenszyklus nahe Null liegen.135
3.2.3.5 Substitutionsprodukte
Genauso wie die einzelnen Mitglieder einer Branche konkurrieren, existiert auch
für die meisten Produkte eine Konkurrenzbranche. Die Produkte der einen Bran-
che sind dabei in der Lage, die der anderen zu ersetzen. Damit disziplinieren sie
sich gegenseitig. Es wird unterstellt, dass die Mitglieder der Branche zusammen
gegen die Konkurrenzbranche arbeiten. Dies ist jedoch nicht selbstverständlich,
da sich die einzelnen Marktteilnehmer höchstwahrscheinlich in unterschiedlichem
Maße bedroht fühlen werden und zudem die Konkurrenz innerhalb der Branche
fürchten. Am besten ist es für eine Branche jedoch, wenn sie sich zu einem
136
kollektiven Handeln gegen die Konkurrenzbranche einigen kann.
3.2.4
Marktpreis- und Kostenelastizitäten
Es sei an dieser Stelle erneut darauf hingewiesen, dass diese Arbeit eine Betrach-
tung mit Hilfe eines Cashflow-orientierten Ansatzes verfolgt und daher eine Un-
tersuchung sowohl der Erlös- wie auch der Kostenstruktur notwendig macht. Die
Beschaffenheit und das Verhältnis dieser beiden Faktoren ist ausschlaggebend für
den Erfolg einer Unternehmung. Für ein erfolgreiches Management des ökonomi-
schen Währungsrisikos ist dabei im Speziellen die Währungsstruktur der einzel-
nen Posten zu betrachten.
Zunächst soll aber, wie auch beim aggregierten Cashflow-orientierten Ansatz, das
Verhältnis der Erträge in einer Währung mit den Aufwendungen in der selben
135 Vgl. Lessard, D. R. / Lightstone, J. B., 1986, S. 112.
136 Vgl. Porter, M. E., 1995, S. 50.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
33
Währung untersucht werden. Stehen diese beiden Positionen in einem akzeptablen
Verhältnis zueinander, ergibt sich für das Unternehmung zunächst in diesem Be-
reich kein Handlungsbedarf. Was dabei als akzeptabel gilt, muss zuvor vom Un-
ternehmen festgelegt werden. Sollte sich herausstellen, dass die Diskrepanz zu
groß ist, muss die Analyse mit Hilfe der Werkzeuge des disaggregierten Cash-
flow-orientierten Ansatzes erfolgen.
Hierbei wird die Währungsstruktur und damit die Währungsreagibilität der Erträ-
ge und Aufwendungen genauer beleuchtet. Nach der Bestimmung der Preisabsatz-
funktion für die Elastizität der Erträge wird eine Analyse der Kostenreagibilität
durchgeführt.
3.2.4.1 Preisabsatzfunktion
Die Reagibilität der Erträge ist entscheidend von der Reaktion der Käufer auf
Preisveränderungen abhängig. Die verschiedenen Marktpreiselastizitäten lassen
entsprechend mehr oder weniger Spielraum für wechselkursbedingte Preisanpas-
sungen der Unternehmen. Führt eine kleine Erhöhung der Preise in der einen Situ-
ation nur zu kaum merklichen Mengenanpassungen, so kann die selbe Anpassung
bei Überschreiten eines gewissen Signalpreises eine enorme Abwanderung zu
anderen Mitbewerbern oder Substitutionsprodukten auslösen.137
Aufgrund der komplexen Zusammenhänge, die sich dahinter verbergen, ist die
genaue Berechnung einer Preisabsatzfunktion für ein Unternehmen daher nicht
möglich. Umso wichtiger ist es jedoch, die Ergebnisse der vorangegangenen
Wettbewerbsanalyse bei der Schätzung der Preisabsatzfunktion zu berücksichti-
gen.
Da sich die Informationen des einzelnen Unternehmens nicht einfach zu einer
Preisabsatzfunktion aggregieren lassen, muss darüber hinaus auf Schätzungen von
Branchenverbänden oder Informationen ähnlicher Branchen zurückgegriffen wer-
den.138 Diese Kombination stellt dann eine Grundlage zur Analyse der Erträge
dar. Abbildung 3 zeigt verschiedene Preisabsatzfunktionen. Sie geben Aufschluss
darüber, inwieweit ein Wechselkurs-Pass-Through möglich ist.
137 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 183.
138
Fastrich, H. / Hepp (1991)
schlagen an dieser Stelle auch die Schätzung mit Hilfe einer Regres-
sionsanalyse vor.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
34
Abbildung 3: Verschiedene Preisabsatzfunktionen
P reis
P reis
E lastische
U n elastisch e
N ach frage
N ach frage
M enge
M enge
P reis
U n ein h eitlich e
N ach frage
M enge
Quelle: Eigene Darstellung.
Die Situation einer elastischen Nachfrage ist die denkbar schlechteste Vorausset-
zung für einen Pass-Through von Wechselkursschwankungen. Diese Weitergabe
entspricht einer Preiserhöhung, was bei dem Verlauf der Preisabsatzfunktion zu
großen Mengeneinbußen führt.
Eine steile Preisabsatzfunktion, die eine unelastische Nachfrage darstellt, führt
dagegen bei einer Veränderung des Preises nur zu kleinen Mengenanpassungen
und lässt mehr Raum für wechselkursbedingte Preisanpassungen. Differenzierter
ist das Bild bei einer uneinheitlichen Nachfrage, wie sie die dritte Darstellung in
Abbildung 3 zeigt. Bei kleinen Absatzmengen ist die Nachfrage unelastisch, ver-
kauft das Unternehmen jedoch sehr große Stückzahlen, so sieht es sich mit den
ungünstigeren Gegebenheiten einer elastischen Preisabsatzfunktion konfrontiert.
Aufgrund des fortschreitenden globalen Wettbewerbs ist damit zu rechnen, dass
viele Bereiche mit einer zunehmend elastischeren Nachfrage konfrontiert werden.
Weiterführend wäre es aber wünschenswert, die gesamte Auswirkung der Preis-
und Mengenveränderung zu errechnen oder zu schätzen. Führt beispielsweise der
Erhalt der Marge aufgrund von Nachfragerückgängen zu einem Sinken der Erträ-
ge?
Anhand der Analyse der Preisabsatzfunktionen sollen Unternehmensbereiche i-
dentifiziert werden, die als kritisch angesehen werden und bei denen eine weitere
Untersuchung der Währungssensibilität der Kostenstruktur nötig erscheint.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
35
3.2.4.2 Kostenreagibilität
Zur Analyse der Währungsstruktur der Kosten und ihrer Reagibilität auf Wech-
selkursschwankungen soll wieder ein Konzept von
Porter, M. E. (1989)
zu Hilfe
gezogen werden. Die erneute Verwendung eines Konzeptes dieses Vorreiters auf
dem Gebiet der Wettbewerbsstrategie unterstreicht den wettbewerbspolitischen
Aspekt des ökonomischen Exposure bzw. ökonomischen Währungsmanagements.
Grundlage dieses Ansatzes ist das Modell einer Wertekette wie sie in Abbildung 4
zu sehen ist.
Abbildung 4: Die Wertekette
Unternehmensinfrastruktur
Unterstützende
A
k
G
tiv
Personalwirtschaft
ew
i
i
t
n
ä
n
ten
sp
Technologieentwicklung
anne
Beschaffung
Gewin
Eingangs-
Opera-
Marketing &
Ausgangs-
Kunden- nsp
logistik
tionen
Vertrieb
logistik
dienst
anne
Primäre Aktivitäten
Quelle: Porter, M. E., 1989, S. 62.
Ihr liegt die Idee zugrunde, dass ein ,,Unternehmen [...] eine Ansammlung von
Tätigkeiten [ist, Anm. d. Verf.], durch die ein Produkt entworfen, hergestellt, ver-
trieben, ausgeliefert und unterstützt wird."139 Dabei bildet die Wertekette den ge-
samten Ablauf der Unternehmenstätigkeit ab und besteht aus den Wertaktivitäten
und der Gewinnspanne. In den einzelnen Elementen dieser Kette liegt die Mög-
lichkeit sich von anderen Mitbewerbern abzusetzen. So werden unterschiedliche
Unternehmen zumeist auch unterschiedliche Werteketten aufweisen.140
Zunächst wird eine Unterteilung in primäre Aktivitäten, die sich im unteren Teil
der Grafik befinden und unterstützende Aktivitäten, die im oberen Bereich aufge-
139 Porter, M. E., 1989, S. 63.
140 Vgl. Porter, M. E., 1989, S. 63ff.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
36
führt werden, vorgenommen. Auch wenn die Einteilung in bzw. Zuordnung zu
den verschiedenen Tätigkeiten zunächst aus Währungsgesichtspunkten nicht son-
derlich wichtig erscheint, soll an dieser Stelle trotzdem kurz darauf eingegangen
werden. Auch hier ist eine genaue Kenntnis der Entstehung und vor allen Dingen
der Struktur hilfreich und sinnvoll für das Währungsmanagement.
Die fünf primären Aktivitäten sind
Eingangslogistik
,
Operationen
,
Marketing und
Vertrieb,
Ausgangslogistik
sowie
Kundendienst
.141 Wie ausgeprägt die einzelnen
Aktivitäten bei einem Unternehmen sind, bzw. welches Volumen sie annehmen,
unterscheidet sich in besonderem Maße zwischen verschiedenen Branchen. So
wird im produzierenden Gewerbe der größte Teil der Kosten im Bereich der Pro-
duktion entstehen, wohingegen der Schwerpunkt bei Handelsunternehmen eher im
Bereich der Logistik zu finden sein wird. Gerade in diesen Unterschieden liegt der
Schlüssel eines Wettbewerbsvorteils oder Wettbewerbnachteils.142
Für das Währungsmanagement bedeutet dies, dass der Schwerpunkt der Analyse
der Währungsstrukturen in unterschiedlichen Bereichen stattzufinden hat. An die-
ser Stelle sei betont, dass der Aufbau einer strategischen Währungsposition aber
auch gerade in einem Bereich sinnvoll sein kann, der nicht im allgemeinen Mit-
telpunkt der Betrachtung steht.
Bei der Ermittlung der unterstützenden Aktivitäten gilt es, die Begriffe möglichst
weitreichend auszulegen.
Erklärt sei diese Vorgehensweise beispielhaft mit Hilfe der
Beschaffung
. In der
Regel wird unter
Beschaffung
ausschließlich der Einkauf von Roh-, Hilfs- und
Betriebsstoffen verstanden. Diese Definition greift zu kurz, da in allen Bereichen
der Primäraktivitäten, sowie den anderen unterstützenden Aktivitäten Anschaf-
fungen getätigt werden. Ähnlich verhält es sich auch mit der Aktivität der
Techno-
logieentwicklung
. Diese könnten zwar einfach als Forschung und Entwicklung
bezeichnet werden, vielmehr sind hier jedoch die Entwicklungen und Verbesse-
rungen in allen Bereichen gemeint. Der Bereich der
Personalwirtschaft
ist beson-
ders wichtig, weil diese Kosten einen großen Teil der Wertschöpfung ausmachen
und zudem eine relativ unflexible Position darstellen. Auf die Rolle der Wert-
schöpfung im Bereich des Managements der Währungsrisiken wird an späterer
Stelle genauer eingegangen. Die
Unternehmensinfrastruktur
umfasst alle verblei-
benden Abteilungen wie ,,die Gesamtgeschäftsführung, Planung, Finanzen, Rech-
141 Da diese Begriffe, ausgenommen dem der Operationen, selbsterklärend sind, wird auf eine
weitere Erläuterung verzichtet. Operationen ist hier gleichbedeutend mit Produktion verwen-
det. Weiterführende Angaben findet der interessierte Leser bei Porter, M. E., 1989, S. 66.
142 Vgl. Porter, M. E., 1989, S. 67.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
37
nungswesen, Rechtsfragen, Kontakte zu Behörden und staatlichen Stellen und
Qualitätskontrollen"143.
Für das Währungsmanagement zielt die Diskussion über eine engere oder weitere
Auslegung darauf ab, dass bei der Untersuchung der Wechselkurssensibilität nicht
nur die direkt umgelegten Kosten betrachtet werden müssen, sondern auch diese,
die sich hinter den Gemeinkosten verbergen.
Die nun folgende Analyse der Reagibilität der Kosten auf Wechselkursänderun-
gen mit Hilfe von Porters Wertekette hat den besonderen Vorteil, dass sie die ge-
samten Strukturen des Unternehmens einschließt. Genauso wie früher viele Un-
ternehmen ihre Anstrengungen zu Kostensenkungen auf die Kernbereiche kon-
zentriert haben und dabei erhebliche Einsparpotentiale beispielsweise in den Be-
reichen Personal oder Marketing verschenkt haben, könnte ein Währungsmana-
gement auch den Fehler machen, diese Bereiche zu vernachlässigen.144
Nachdem nun die Wertaktivitäten ermittelt wurden, muss in einem nächsten
Schritt eine Zuordnung der Kosten und Aktiva zu ihnen vorgenommen werden.
Die Zuordnung der Betriebskosten stellt dabei kein Problem dar. Aufgrund der
mancherorts abweichenden Definitionen der Wertekette und der Buchhaltung
wird aber oftmals eine Neuordnung der Buchhaltungsunterlagen nötig sein.
Die Zuordnung der Aktiva gestaltet sich dagegen schwieriger. So muss schon im
Voraus festgelegt werden wie der anzusetzende Wert zu ermitteln ist. Zur Aus-
wahl stehen Buchwerte, Wiederbeschaffungswerte und Marktwerte.145
Ist diese Zuordnung zu den Elementen der Wertekette schließlich erfolgt, ist die
Grundlage für eine währungspolitische Betrachtung geschaffen.
Nachdem im vorigen Kapitel mit Hilfe der Preisabsatzfunktionen die kritischen
Währungen bestimmt wurden, sollen nun die dazu entsprechenden Kostenstruktu-
ren analysiert werden.
Wurde beispielsweise festgestellt, dass der US-amerikanische Absatz eines Pro-
duktes mit einer preiselastischen Nachfrage konfrontiert ist, sollte in der Folge der
US-Dollar-Anteil der laufenden Kosten und der Aktiva des betreffenden Gutes
näher betrachtet werden.
Für den Fall dass alle Erträge und auch alle Kosten in Fremdwährung anfallen,
wäre die Marge in lokaler Währung konstant. Ausschließlich der Umtausch in
143 Porter, M. E., 1989, S. 70.
144 Vgl. Porter, M. E., 1989, S. 93.
145 Für die Entscheidung welcher dieser Werte vom Unternehmen angewendet werden soll, wird
auf die einschlägige Fachliteratur verwiesen.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
38
Heimatwährung würde zu Schwankungen führen.146 Ist dies allerdings nicht der
Fall, schwankt auch die Marge in Lokalwährung. Diese Schwankungen stellen
dabei sowohl ein Risiko, als auch eine Chance dar. Die Angleichung der Wäh-
rungsstruktur der Auszahlungen an die der Einzahlungen ist also nur eine mögli-
che Handlungsalternative.
Die beispielhafte Aufstellung einer fiktiven Unternehmung in Abbildung 5 zeigt
welche Anteile an der Wertschöpfung die verschiedenen Kettenglieder aufweisen
und wie hoch der jeweilige US-Dollar-Anteil ist.
Abbildung 5: Analyse der Kosten und Aktiva
Laufende Kosten
Unternehmensinfrastruktur
9%
20%
Personalwirtschaft
4%
60%
Technologieentwicklung
4%
60%
Beschaffung
4%
45%
Wertschöpfung
100%
92%
75%
58%
32%
23%
3%
65%
2%
6%
3%
Eingangslogistik
Produktion
Ausgangs- Marketing & Kunden-
logistik
Vertrieb
dienst
Aktiva
Unternehmensinfrastruktur
16%
20%
Personalwirtschaft
2%
27%
Technologieentwicklung
2%
27%
Beschaffung
2%
27%
Wertschöpfung
100%
60%
30%
40%
20%
30%
8%
46%
20%
2%
2%
Eingangslogistik
Produktion
Ausgangs- Marketing & Kunden-
logistik
Vertrieb
dienst
Quelle: In Anlehnung an Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 186.
146 Dieser Umtausch könnte aber auch hinausgezögert werden, bis die Kurssituation wieder positi-
ver für das Unternehmen ist.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
39
Dieses Beispiel zeigt deutlich wo die Ursachen für das Exposure dieses Produkts
auf dem amerikanischen Markt liegen. Der Hauptteil der Wertschöpfung entsteht
im Bereich der Produktion. Dieser weist aber, abgesehen von der Infrastruktur,
den niedrigsten Anteil an Lokalwährung auf. Die Kombination aus einem großem
Anteil an der Wertschöpfung und sehr niedrigen lokalen Kostenanteilen verur-
sacht ein hohes Exposure und damit eine große Schwankungsanfälligkeit.
3.2.4.3 Sensitivität der Margen
Wurden im Vorfeld über eine Analyse der Preisabsatzfunktionen potentielle Ge-
fahren identifiziert, die anschließend mit Hilfe der Kostenreagibilität genauer spe-
zifiziert wurden, so soll an dieser Stelle mit Hilfe einer Analyse der Sensitivität
der Margen versucht werden, beide Analyseschritte zusammenzuführen. Dies ist
unverzichtbar, weil das Exposure und damit auch die Gefahr aus Wechselkursän-
derungen gleichzeitig von der Struktur der Erträge und der Kosten abhängt.147,148
Das geeignete Instrument hierfür ist die Absatzsegmentrechnung für ein bestimm-
tes Produkt auf verschiedenen Märkten.149 Die Tatsache, dass damit die Analyse
gleichzeitig auf verschiedene Märkte ausgedehnt werden kann, stellt einen zusätz-
lichen Vorteil dar.
Das folgende Beispiel einer Absatzsegmentrechnung in Abbildung 6 soll die Zu-
sammenhänge verdeutlichen.
147 Vgl. Dhanani, A., 2004, S. 320.
148 Die Einflüsse aus den Unterschieden der Kostenstrukturen zwischen Mitbewerbern und damit
einer Würdigung der relativen Exposure, sollen hier durch die Anwendung der Wettbewerbs-
analyse zur Berechnung der Kostenreagibilität abgegolten sein.
149 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 187.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
40
Abbildung 6: Absatzsegmentrechnung
Produkt 1
Produkt 1
Produkt 1
Betrag
Währung A*
Währung B*
Währung C*
DM
DM
US-$
Can-$
Nettoverkauferlös:
599.400
110.000
150.000
170.000
./. Variable Kosten
438.007
95.000
105.650
118.500
davon:
Heimatwährung:
232.707
95.000
25.650
68.500
Fremdwährung:
205.300
80.000
50.000
Deckungsbeitrag 1:
161.394
15.000
44.350
51.500
./. Fixkosten der Produktion:
98.534
10.000
26.970
30.960
(nach Produkten)
davon:
Heimatwährung:
45.484
10.000
11.970
10.960
Fremdwährung:
53.050
15.000
20.000
Deckungsbeitrag 2:
62.860
5.000
17.380
20.540
./. Fixkosten der Unternehmung:
56.420
(inkl. Kapitalkosten)
davon:
Wechselkurs:
Währung A:
40.000
DM/US-$:
1,71
Währung B:
13.680
DM/Can-$:
1,37
Währung C:
2.740
* Die Angaben in den betreffenden
Betriebserfolg (Gewinn):
6.440
Spalten erfolgen in der jeweiligen
Landeswährung.
Quelle: Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 188.
Unter der Annahme, dass das Unternehmen jeweils in Landeswährung fakturiert,
entspricht diese Analyse der einer des deutschen, US-amerikanischen und kanadi-
schen Marktes. Die Kosten auf einem Markt können dabei im Gegensatz zu den
Erlösen in verschiedenen Währungen anfallen.
Aufgrund der Aufschlüsselung, in die verschiedenen Kategorien - variable Kos-
ten, Fixkosten der Produktion und Fixkosten der Unternehmung - auf der einen
Seite und der Aufteilung in Heimat- und Fremdwährung andererseits, lässt sich
anhand dieser Aufstellung sehr genau analysieren, wo die entsprechenden Prob-
lembereiche der Währungsstruktur der Cashflow-Komponenten liegen.
Diese Dreiteilung ermöglicht aber auch eine genaue Untersuchung der einzelnen
Teilbereiche. Wegen ihres großen Anteils an den Gesamtkosten ist es wichtig,
dass schon die Analyse der Zusammensetzung der variablen Kosten und des De-
ckungsbeitrags 1 ein befriedigendes Ergebnis liefert.
Die Analyse des Deckungsbeitrags 2 gibt in der Folge genaueren Aufschluss über
die Währungseinflüsse auf die produktspezifischen Fixkosten und damit die
Struktur der Anlageinvestitionen.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
41
Der letzte Schritt ist die Analyse der Gemeinkosten, die auf das Produkt entfallen.
Aufgrund der verschiedenen Maßnahmen, welche zur Reduktion der Exposures zu
treffen sind, sollte jedoch auf eine genauere Aufschlüsselung dieser nach Kosten-
stellen verzichtet werden.150 Ein großes Exposure in diesem Bereich deutet darauf
hin, dass die Zusammensetzungen der Bilanz und des Marktportfolios aus Wäh-
rungsgesichtspunkten ein strukturelles Missverhältnis aufweisen. Die in diesen
Fällen häufig beobachtete währungstechnische Diskrepanz zwischen Investitionen
und ihrer entsprechenden Fremdfinanzierung führen dabei nicht nur zu Wertbe-
richtigungen, sondern bei unterschiedlicher Zusammensetzung der Deckungsbei-
träge und der Finanzierung auch zu Schwankungen der Kapitalkosten.151
An dieser Stelle wird deutlich, dass eine Betrachtung der gesamten Kostenstruktur
vorgenommen werden muss. Diese ganzheitliche Betrachtung ist besonders rele-
vant, wenn das Exposure von den dezentralen operativen Einheiten ermittelt wird.
Auch wenn diese keinen direkten Einfluss auf die Währungsstruktur aller Ge-
meinkosten haben, so bedeutet das nicht, dass sie die Analyse in diesem Bereich
vernachlässigen dürfen. Ihnen fällt die Aufgabe zu, eventuelle Missstände den
entsprechenden Stellen anzuzeigen und zu notwendigen Maßnahmen anzuregen.
Hat die bisherige Analyse der absoluten Beträge im Zuge der Absatzsegmentre-
chung nochmals gut die Entstehung der Exposures verdeutlicht und die entspre-
chenden Reaktionen erahnen lassen, so wird die Reagibilität der einzelnen Positi-
onen auf Veränderungen der Wechselkurse durch Variation der zugrundegelegten
Wechselkurse noch deutlicher.
Weitergehend lässt sich durch Simulation verschiedener Kurse leicht und schnell
errechnen, ob das Unternehmen nach der Veränderung noch profitabel wirtschaf-
ten würde. Als Grundlage für solche Wechselkursvariationen können beispiels-
weise vom Unternehmen für die Zukunft erwartete Austauschraten dienen. Dabei
geben auch besonders die Veränderungen innerhalb der einzelnen Positionen und
den Deckungsbeiträgen Aufschluss über Gefahren und Chancen, die sich hinter
der Währungsstruktur verbergen.
Ausgesprochen wichtig ist die Tatsache, dass bei einer Simulation verschiedener
Wechselkurse nicht vergessen werden darf, die Wettbewerbswirkungen dieser
Veränderungen zu berücksichtigen. Damit sind die bereits bekannten Mengenef-
fekte angesprochen, die auch Auswirkungen auf Zahlungsströme in Lokalwäh-
rung haben.
150 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 189.
151 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 189f.
Quantifizierung und Analyse des ökonomischen Währungsrisikos
42
Durch die Variation verschiedener Wechselkurse können darüber hinaus kritische
Austauschraten ermittelt werden, bei denen die Profitabilität des Unternehmens
nicht mehr gewährleistet ist. Sollte festgestellt werden, dass dies schon bei Kursen
der Fall ist, deren Eintreten für wahrscheinlich gehalten wird, muss zur Bestim-
mung der Absicherungsentscheidung wieder eine Analyse anhand der Währungs-
reagibilität der Kosten aus dem vorangegangen Kapitel vorgenommen werden.
Gerade in der Bestimmung dieser ,,kritischen" Wechselkurse liegt der Vorteil der
angewandten disaggregierten Analysemethode. Des Weiteren ist es mit deren Hil-
fe möglich, eine Art Frühwarnsystem zu installieren, das beispielsweise bei Errei-
chen eines bestimmten Wechselkurses, z.B. des ,,kritischen Wechselkurses" kor-
rigiert um einen Sicherheitszuschlag bzw. -abschlag, einen festgelegten Prozess
auslöst.152
3.2.5
Aggregation zu einem Gesamtexposure
Nach Ansicht des Autors steht die Tatsache, dass jede operative Unternehmens-
einheit ihr eigenes Exposure zu berechnen und auch zu verantworten hat, unwei-
gerlich im Vordergrund. Daneben lässt sich jedoch auch die Tatsache, dass ein
Exposure auf übergeordneter Ebene ermittelt werden muss, nicht bestreiten.
Schließlich wird zum einen auch diese übergeordnete Ebene Rechenschaft über
den Gesamtverbund abgeben müssen und zum anderen sind die Kompensations-
wirkungen der einzelnen Exposures zu groß, um sie vernachlässigen zu können.153
Nichtsdestotrotz wird die Bedeutung der Einzelverantwortung der Einheiten a-
bermals von der Tatsache unterstrichen, dass in diesem Verbund auf Dauer keine
Einheit geduldet werden dürfte, die nicht in der Lage ist, ihren Beitrag zum Gan-
zen zu leisten. Sei dies aufgrund währungspolitischer Gesichtspunkte oder ande-
rer. Für die Wahl der angesprochenen Aggregationsebene ist dabei die, im Vor-
feld bereits behandelte, Organisationsstruktur des Unternehmens entscheidend.154
Anhand der aus der disaggregierten Analyse gewonnen Erkenntnisse, sowie der
aus der Unternehmensplanung gewonnen Informationen ist abschließend ein Ge-
samtexposure zu berechnen.
Trotz des sehr langfristigen Betrachtungshorizonts des ökonomischen Exposure-
konzeptes, wird dazu wahrscheinlich auf Daten der mittel- und langfristigen Pro-
jektion der Exposures zurückgegriffen werden müssen.
152 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 393.
153 Vgl. Henk, A., 2003, S. 290.
154 Eine Analyse der Organisationsstruktur und ihres Einflusses hat bereits in Kapitel 3.2.1 ,,Die
Geschäftsstruktur und ihr Einfluss auf das Währungsmanagement" stattgefunden.
Management ökonomischer Währungsrisiken
43
Bei der Verwendung dieser aggregierten Größe sollte jedoch nicht vergessen wer-
den, welche vereinfachenden Annahmen der Aggregation zugrunde liegen.
4 Management
ökonomischer
Währungsrisiken
Bereits im Verlaufe der bisher durchgeführten qualitativen Analyse des ökonomi-
schen Währungsexposure wurden einige Ansatzpunkte für sein Management auf-
gezeigt. In der Folge wird dieser Aspekt vertieft und eine umfassende Abhandlung
der Handlungsalternativen des ökonomischen Währungsmanagements vorge-
nommen.
Welch erhebliche Probleme insbesondere mit der langfristigen Konzeption des
Managements ökonomischer Währungsrisiken verbunden sind, zeigt die Feststel-
lung von
Grant, R. / Soenen, L. (2004)
, wonach Absicherungsinstrumente nicht zu
gebrauchen sind, wenn deren Laufzeit kürzer ist als der Planungshorizont der ab-
zusichernden Position.155
4.1
Währungsmanagement als Teil des Finanzmanagements
Welch große Bedeutung der Existenz eines Währungsmanagements im Allgemei-
nen und der eines Managements des ökonomischen Währungsrisikos im Speziel-
len zukommt, wurde in der Arbeit bereits deutlich.
Trotz dieser Bedeutung hängen die Entscheidungen des ökonomischen Wäh-
rungsmanagements unglücklicherweise zumeist mit sehr vielen und sehr wichti-
gen anderen Aspekten des betriebswirtschaftlichen Entscheidungsprozesses zu-
sammen, weshalb sie sich in der Regel auch den strategischen Entscheidungen der
Gesamtunternehmung unterordnen müssen.156
Deutlich wird dies auch durch den Kreis der Beteiligten. Für dieses Thema eher
ungewöhnlich, herrscht im Schrifttum allgemeine Übereinstimmung darüber, dass
das Management des ökonomischen Währungsrisikos anders, als das Transakti-
ons- oder Konversionsrisiko, keinesfalls nur in der Finanzabteilung einer Unter-
nehmung angesiedelt werden darf, sondern vielmehr durch alle Funktionsbereiche
getragen werden soll.157
Dabei mag die Tatsache, dass sich die Umsetzung dieser Forderung in die Praxis
recht schwierig darstellt, ein Grund dafür sein, dass auf diesem Gebiet eine be-
sonders große Abweichung zwischen Theorie und Praxis zu beobachten ist.
155 Vgl. Grant, R. / Soenen, L., 2004, S. 55.
156 Vgl. Brunner, M., 2003, S. 112.
157 Vgl. Srinivasulu, S. L., 1981, S. 14; Lessard, D. R. / Lightstone, J. B., 1986, S. 112; Cornell, B.
/ Shapiro, A. C., 1983; S. 44; Glaum, M., 1990, S. 69ff.
Management ökonomischer Währungsrisiken
44
Genauer gesagt sind sich die Unternehmen zwar größtenteils des Economic Risk
bewusst, fühlen sich jedoch nicht in der Lage dieses aktiv zu managen.158 Diese
Erfahrung hat auch der Autor selbst in Gesprächen mit verschiedenen Vertretern
aus der Industrie gemacht.159 Dabei stimmten die Aussagen weitestgehend über-
ein, dass aufgrund der besonderen Komplexität, der sich ständig ändernden Ein-
flussfaktoren und vor allem der starken Abhängigkeit von anderen Entscheidun-
gen, ein direktes Management des ökonomischen Währungsrisikos zumeist nur
intuitiv stattfindet,160 bzw. seine Effekte als besonderer Bonus im Zuge anderer
Entscheidung betrachtet werden. Darüber hinaus wurde dem Autor bestätigt, dass
speziell das Management eines relativen Exposure gegenüber einem Mitbewerber
als zu spekulativ erachtet wird.
Umso wichtiger ist es daher, alle Managementmöglichkeiten aufzuzeigen und
deren Nutzten und Vorteile herauszustellen. Dies geschieht vor dem Hintergrund,
dass ein Währungsmanagement immer nur ein Teilaspekt eines ganzheitlichen
Finanzmanagements sein kann.161
4.2 Formulierung
einer
Zielstrategie
Der systematische Managementprozess des Währungsrisikos beginnt mit einer
umfassenden Analyse des Risikos wie sie im Laufe dieser Arbeit durchgeführt
wurde.
Hierbei wird der Ist-Zustand, zum einen des Währungsmanagements an sich, also
der funktionale Umgang mit diesem Thema innerhalb des Unternehmens betrach-
tet, zum anderen findet aber auch eine Ermittlung der zu betrachtenden Positionen
und ihrer Höhe statt. Es wird geprüft, welche Exposures bestehen und welche
Werte sie aufweisen.
Dieser Ist-Zustand muss in der Folge mit einer gewünschten Zielstrategie vergli-
chen werden. Auch hier gilt, dass ein Management umso einfacher und besser
möglich ist, je präziser diese Ziele festgelegt und formuliert sind.
Das Management des ökonomischen Währungsrisikos sieht sich jedoch auch hier
mit dem Problem konfrontiert, dass eine exakte Formulierung der Ziele fast nicht
möglich ist. Können im Bereich des Transaktionsrisikos Ziele wie eine vollstän-
dige Absicherung des Transaktionsrisikos oder das Eingehen einer offenen Positi-
158 Vgl. Bartram, S. M., 1999b, S. 74.
159 Aus Gründen der Vertraulichkeit, können die Namen der Unternehmen bzw. Gesprächspartner
hier nicht angegeben werden.
160 Vgl. hierzu auch Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 381.
161 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 382.
Management ökonomischer Währungsrisiken
45
on sehr präzise festgelegt und auch erreicht werden, ist dies im Bereich der öko-
nomischen Risiken nicht möglich. Die Formulierungen sind dabei weit offener
gehalten und betreffen Fragen wie die Erhaltung der Margen in lokalen Wäh-
rungseinheiten, Reduktion der Währungsexposures des Gesamtunternehmens,
Diversifikation und Angleichung von Kosten- und Ertragsstruktur in Fremdwäh-
rungen sowie Aspekte der Überwälzung von Währungsrisiken auf Dritte.162
Nach Auffassung des Autors kommt zur Erreichung dieser Ziele im Wesentlichen
nur ein Management der Exposures in Frage.
Die Tatsache, dass kein Unternehmen über einen Einfluss auf die Wechselkurs-
entwicklung verfügt und darüber hinaus auch die Möglichkeiten einer verlässli-
chen Voraussage dieser sehr beschränkt sind, muss das Management des ökono-
mischen Währungsrisikos auf diesen Bereich nahezu völlig verzichten.
Ganz entscheidend für die Art der Ausgestaltung der Zielformulierung ist die
Struktur der Geschäftsfelder bzw. der Märkte eines Unternehmens. Hierzu wird
häufig die folgende Unterteilung vorgenommen:
Unternehmen mit gelegentlichen
Importen und Exporten
,
import- und exportorientierte Unternehmen
,
Unterneh-
men mit ausländischen Tochtergesellschaften
, sowie
multinationale Unterneh-
men
.163 Für das Economic Risk müssen an dieser Stelle natürlich auch die aus-
schließlich national agierenden Unternehmen mit Importkonkurrenz und die rein
national tätigen Unternehmen, deren Kunden und damit deren Nachfrage sehr
wechselkurssensitiv sind, ergänzt werden.164 Die Einstellung gegenüber einem
Währungsmanagement unterscheidet sich zwischen den Unternehmen der ver-
schiedenen aufgeführten Klassen sehr und hängt mit der Stärke des Einflusses von
Währungsschwankungen zusammen.165 Die Umschreibungen reichen dabei von
einer fatalistischen Hinnahme der Tatsache von Schwankungen, bis hin zu der
Einstellung, diese als Chance zu verstehen.166
Hier wird deutlich, dass nicht immer eine völlige Immunisierung der Exposures
angestrebt werden muss. Die Unternehmung kann eine offene Position auch be-
wusst als Chance verstehen, sollte dabei aber in der Lage sein, das daraus resultie-
rende Risiko tragen zu können.
162 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 399.
163 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 383; Gamper, P. C., 1995, S. 182.
164 Vgl. Adler, M. / Dumas, B., 1984, S. 41.
165 Vgl. Gamper, P. C., 1995, S. 182f.
166 Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 395.
Management ökonomischer Währungsrisiken
46
Keinen Unterschied gibt es dagegen bei der Tatsache, dass Absicherungsmaß-
nahmen mit Kosten verbunden sind. Wirkungen auf zukünftige Cashflows lassen
sich demzufolge in einen Risikoaspekt und einen Renditeaspekt aufteilen.
Der Risikoaspekt steht für die Einschätzung inwieweit der Einsatz eines Instru-
ments die Volatilität der Cashflows verringert.167 Der Renditeaspekt hingegen
betrachtet damit verbundene Kosten, einschließlich Opportunitätskosten.168 Die
Entscheidung für die jeweilige Absicherungsmaßnahme wird damit auch von dem
Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Analyse abhängen. Die Nutzenpotentiale, die Un-
ternehmen aus der Reduktion der Volatilität ihrer Cashflows ziehen können sind
vielfältig und reichen von einer Reduktion der Steuerlast bei progressiven Besteu-
erungssystemen bis hin zu einer Verringerung der Finanzierungskosten aufgrund
verbesserter Bonität.169
Die folgenden Kapitel werden die verschiedenen Maßnahmen und Instrumente,
die einem Unternehmen für das Management zur Verfügung stehen, erklären und
unter verschiedenen Gesichtspunkten näher beleuchten.
4.3 Absatzwirtschaftliche
Maßnahmen
4.3.1 Marktauswahl
Der Aspekt der Marktauswahl umfasst zweierlei Handlungsmöglichkeiten. Es
kann bedeuten, dass ein Unternehmen einen neuen Markt erschließt den es bisher
noch nicht bediente, oder aber es verlässt einen Markt auf dem es bisher tätig
war.170
Bevor auf die weiteren Beweggründe eingegangen wird, die ein Unternehmen zu
solchen Schritten bewegen, sei angemerkt, dass diese Maßnahmen besonders gute
Beispiele für die untergeordnete Stellung des Währungsaspektes innerhalb eines
betriebswirtschaftlichen Entscheidungsprozesses sind. Zwar kommt es in der Rea-
lität nicht selten vor, dass Unternehmen Märkte verlassen oder neu ergründen,
dies geschieht jedoch nie aus rein währungspolitischen Gesichtspunkten.
Aus währungspolitischer Sicht dürfte das wichtigste Kriterium für die Entschei-
dung die Wechselkurssensitivität des Marktes sein. Zu einer Senkung des unter-
nehmerischen Währungsrisikos ist also die Auswahl eines Marktes nötig, dessen
167 Die Volatilität ist nur eine Form der Risikomessung unter vielen. Sie ist dabei aber sehr ver-
breitet und einfach zu ermitteln.
168 Vgl. Roth, A., 1997, S. 176f.
169 Vgl. Dufey, G. / Srinivasulu, S. L., 1983, S. 57 u. S.59; Flood, E. Jr., 1986, S. 169.
170 Vgl. Roth, A., 1997, S. 181.
Management ökonomischer Währungsrisiken
47
Determinationswährung entweder sehr stark mit der Heimatwährung korreliert,171
oder andere bereits vorhandene Währungsrisiken aus Fremdwährungserlösen di-
versifiziert.172 Ersteres würde seine weniger kraftvolle währungspolitische Wir-
kung, vor allem aus wettbewerbspolitischer Sicht, nämlich einer verstärkten Ver-
handlungsposition gegenüber den bisherigen inländischen Abnehmern entfalten.
Die Abhängigkeit von neuen Abnehmern, wie auch die Höhe des ökonomischen
Exposure wird wesentlich durch die Preisabsatzfunktion des lancierten Produktes
auf dem neuen Markt bestimmt.
Zumeist sollten aus währungspolitischer Sicht eher diversifizierende als korrelier-
te Währungen ausgewählt werden, weil der direkte Diversifizierungseffekt und
der damit verbundene Abbau von Klumpenrisiken,173 stärker anzusehen ist.174 So
kann ein starker Euro beispielsweise zumindest partiell durch einen schwachen
US-Dollar kompensiert werden.175
Die Kosten eines Eintritts in einen neuen Markt werden eine nicht zu vernachläs-
sigende Dimension annehmen. Diese reichen von Ausgaben für die Auslands-
marktforschung, die für die Entscheidung des Beitritts benötigt wird, bis hin zu
den immensen Kosten für den Aufbau eines neuen Vertriebsnetzes.176 Anzumer-
ken ist auch, dass eine Entscheidung über die Erschließung komplett neuer Märkte
nicht immer im Kompetenzbereich der lokalen Einheiten liegen wird, sondern
vielmals in der Unternehmens- bzw. Konzernleitung. Somit ist dieses Instrument
zwar nicht immer direkt zugänglich, trotzdem können diese Einheiten aber die
Nutzung an entsprechender Stelle vorschlagen. Falls die Unternehmen bereits auf
vielen Märkten tätig sind, kann es vorkommen, dass das Potential der Marktaus-
wahl bereits stark ausgeschöpft ist.177
4.3.2
Produkt- und programmpolitische Maßnahmen
Die produkt- und programmpolitischen Maßnahmen zielen darauf ab, die Umsätze
des Unternehmens sowohl in Fremd- als auch in Heimatwährung von Verände-
rungen des Wechselkurses unabhängiger zu machen.178 Grundsätzlich handelt es
sich dabei um die gleichen Maßnahmen, die im Zuge eines allgemeinen strategi-
schen Managements zur Verringerung der Preissensitivität eingesetzt werden.
171 Vgl. Henk, A., 2003, S. 263.
172 Vgl. Roth, A., 1997, S. 183.
173 Vgl. Gamper, P. C., 1995, S. 213.
174 Vgl. Bernhard, W., 1992, S. 117f.
175 Vgl. Dhanani, A., 2004, S. 329.
176 Vgl. Roth, A., 1997, S. 186.
177 Vgl. Dhanani, A. / Groves, R., 2001, S. 281.
178 Vgl. Roth, A., 1997, S. 188.
Management ökonomischer Währungsrisiken
48
Eine weitergereichte Wechselkursänderung stellt nichts anderes als eine Preisver-
änderung dar.
Zur Erreichung einer starken Wettbewerbsposition unterscheidet Porter zwischen
den drei Strategien der
Kostenführerschaft
, der
Differenzierung
und der
Konzent-
ration auf Schwerpunkte
.179
Die
Kostenführerschaft
stellt die am weitesten verbreitete Wettbewerbsstrategie
dar. Bei ihr ist das Handeln von dem Bewusstsein geprägt, dass das Unternehmen
mit den niedrigsten Kosten die größten Spielräume für Preisanpassungen hat bzw.
am längsten auf eine wechselkursbedingte Preisanpassung verzichten kann. Das
unterscheidende Merkmal zum Markt ist hier also der Preis. Zu erreichen ist diese
Strategie durch Ausnutzung von Skalenerträgen, strenger Kostenkontrolle, Pro-
duktivitätsfortschritten sowie der Einführung oder sogar Entwicklung innovativer
Produktionstechniken.180 Sie erreicht dabei aber keinerlei Verringerung der Preis-
elastizität.
Das Ziel einer
Differenzierungsstrategie
ist es dagegen, ein Produkt so einzigartig
zu gestalten, dass Käufer dieses selbst nach Preiserhöhungen oder der Weiterrei-
chung einer Wechselkursveränderung, anderen vorziehen. Dabei handelt es sich
um eine tatsächliche Verringerung der Preiselastizität der Nachfrage.181 Aus die-
sem Grund ist sie der Kostenführerschaft vorzuziehen.182
Differenzierungspotentiale entstehen dabei in den Bereichen physikalische und
funktionale Produkteigenschaften, ästhetische Produkteigenschaften, symbolische
Produkteigenschaften, sowie Zusatzleistungen.183
Diese Potentiale lassen sich nicht bei allen Produkten gleich gut ausschöpfen. So
wird es für einen Hersteller von Baumaschinen problematisch sein, sein Produkt
mit Hilfe einer besonderen Farb- und Formgebung oder gar Verpackung von an-
deren abzugrenzen. Sehr gut möglich ist das dagegen über Qualität und Zusatz-
leistung. Die Absicherungskosten durch eine Differenzierung sind damit bei-
spielsweise Mehrausgaben für höherwertige Materialien und Verpackungen oder
den Aufbau eines besonderen Kundendienstnetzes.184
Erfolgreich ist eine Differenzierungsstrategie, wenn der Nutzen aus ihr größer ist
als die Kosten. Das heißt, die positiven Effekte aus der Verminderung der Preis-
179 Vgl. Porter, M. E., 1995, S. 62ff.
180 Vgl. Henk, A., 2003, S. 250.
181 Vgl. Roth, A., 1997, S. 188.
182 Vgl. Roth, A., 1997, S. 189.
183 Vgl. Meffert, H., 1986, S. 396f.
184 Vgl. Porter, M. E., 1989, S. 174ff.
Management ökonomischer Währungsrisiken
49
sensitivität, also die Möglichkeit der Wechselkursweitergabe, müssen größer sein
als die Investitionen.185
Die Strategie
Konzentration auf Schwerpunkte
schiebt der Entscheidung über die
Auswahl einer Strategie der Kostenführerschaft oder der Differenzierung Ein-
schränkungen im Bereich der Produktpalette, der Käufergruppe oder der geogra-
phischen Präsenz voraus. ,,Für das Währungsmanagement ergeben sich damit die
gleichen Implikationen wie für die beiden [anderen, Anm. d. Verf.] Strategien
[...]."186
Die Steuerung der Programmpolitik aus Währungsgesichtspunkten verfolgt eben-
falls das Ziel, die Sensitivität der Erlöse zu vermindern. Sie stellt dazu jedoch auf
die Aufnahme bzw. Streichung von Produkten aus dem Sortiment eines Unter-
nehmens ab. Aufgenommen werden Produkte und Leistungen mit geringer Wech-
selkursreagibilität, gestrichen die mit hoher.187 Auch hier lässt sich anführen, dass
diese Maßnahmen nicht aus rein währungspolitischen Aspekten getroffen werden.
Trotzdem sind ihre Auswirkungen für das Währungsmanagement bedeutend.
Eine Maßnahme, die sich sowohl in den Bereich der Differenzierung als auch der
Programmpolitik einordnen lässt, ist ein starkes Engagement in Forschung und
Entwicklung. Patentierte Innovationen verschaffen Unternehmen zumindest vorü-
bergehend eine Quasimonopolstellung.188 Diese versetzt das Unternehmen in die
ausgesprochen angenehme Position, Wechselkursänderungen an die Abnehmer
weitergeben zu können.
4.3.3
Ermittlung der optimalen Preisanpassung
Die Ausführungen aus dem vorigen Kapitel befassten sich damit, wie Reaktionen
der Abnehmer auf Preisänderungen beeinflusst und negative abgewendet werden
können. Beim preispolitischen Aspekt des Währungsmanagements geht es darum,
Margeneinbusen in Heimatwährung, die aus Wechselkursveränderungen erwach-
sen, durch Preiserhöhungen in Fremdwährung entgegen zu wirken. Dabei handelt
es sich um den bereits angesprochenen Pass-Through von Wechselkursverände-
rungen. An dieser Stelle soll versucht werden den Pass-Through zu finden, der die
Kombination aus Preis- und Mengeneffekt optimiert und damit den Gewinn des
185 Vgl. Porter, M. E., 1989, S. 165.
186 Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 409.
187 Vgl. Roth, A., 1997, S. 193.
188 Die Dauer der Wirksamkeit dieser Maßnahme ist begrenzt, weil Patente nur für eine gewisse
Laufzeit gelten und darüber hinaus Konkurrenten Anstrengungen unternehmen werden, ver-
gleichbare Produkte bzw. Technologien zu entwickeln.
Management ökonomischer Währungsrisiken
50
Unternehmens maximiert. Beispielhaft für ein solches Modell sei die Vorgehens-
weise von
Simon, H. (1992)
vorgestellt.189
Bei Unterstellung einer linearen Preisabsatzfunktion und eines linearen Kosten-
verlaufs erhält er durch Ableitung und Umformung, unter der Bedingung Grenzer-
lös gleich Grenzkosten und der Berücksichtigung des Wechselkurses, eine
optimale Preisreaktion auf die Wechselkursveränderung von:190
dpopt
k -2
= - e
de
2
mit: popt
= gewinnmaximaler Exportpreis
e =
Wechselkurs191
k
= variable Kosten (in Stammlandwährung).
Damit wird gezeigt, dass auf eine Abwertung der Fremdwährung mit einer Anhe-
bung des Fremdwährungspreises zu reagieren ist. Gewinnoptimal ist diese jedoch
nur, wenn sie unterproportional zur Abwertung vorgenommen wird.
Eine ähnliche Berechnung lässt sich auch für Preisanpassungen im heimischen
Markt durchführen. Der Impuls für die Preisänderung entsteht dabei aus der Wir-
kung von Wechselkursveränderungen auf die Importkonkurrenz.
Beide Modelle sehen sich jedoch der Kritik ausgesetzt, dass sie lediglich eine Pe-
riode betrachten und damit die Tatsache vernachlässigen, dass durch eine Preiser-
höhung abgewanderte Kunden mitunter mit dem Konkurrenzprodukt sehr zufrie-
den sind und nur unter sehr hohen Kosten wieder zurück gewonnen werden kön-
nen.192
Preisanpassungen sind für nahezu alle Unternehmen in einer Marktwirtschaft
möglich. Eine Ausnahme bilden hier nur bestimmte wettbewerbsrechtliche Regu-
lierungen.193 Die Kosten für preispolitische Anpassungen sind dabei außer den
eventuell anfallenden Opportunitätskosten für die Umsatzrückgänge aufgrund
eines negativen Mengeneffekts, vergleichsweise geringe Menükosten194 für die
Erstellung neuer Preislisten.195
189 Vgl. Simon, H., 1992, S. 468ff.
190 Die vollständige Herleitung kann der interessierte Leser nachlesen in Simon, H., 1992, S.
468ff.
191 Hier in Preisnotierung. Zu beachten ist, dass Euro-Wechselkurse in Mengennotierung angege-
ben werden.
192 Vgl. Shapiro, A. C., 1996, S. 310.
193 Vgl. Roth, A., 1997, S. 200f.
194 Vgl. Mankiw, N. G., 2000, S 201.
195 Vgl. Roth, A., 1997, S. 201.
Management ökonomischer Währungsrisiken
51
4.4 Beschaffungswirtschaftliche
Maßnahmen
4.4.1
Vereinbarungen bezüglich Fakturierungswährung und
sklauseln
Währung
Die aus dem Transaktionsrisikomanagement bekannte Maßnahme der Änderung
der Fakturierungswährung ist nur sinnvoll, wenn der Zulieferer die dazu passende
Währungsstruktur der Kosten aufweist.
Ist dies nicht der Fall, so wird er bei Wechselkursveränderungen auch nicht auf
Preisanpassungen verzichten, womit dies ein ungeeignetes Instrument für das ö-
konomische Währungsmanagement darstellt.
Darüber hinaus zeigt die Praxis, dass Zulieferer sich die Übernahme dieses Risi-
kos durch einen zusätzlichen Aufschlag vergüten lassen.196
Erfüllen jedoch die Lieferanten die Forderung einer entsprechenden Währungs-
struktur der Kosten, so wird dadurch erreicht, dass nicht der nominale, sondern
der für das ökonomische Währungsmanagement relevante reale Wechselkurs aus-
schlaggebend ist.
Ein ähnliches Instrument ist die Vereinbarung von Währungsklauseln beim Ab-
schluss von Verträgen. Diese verteilen das Währungsrisiko zwischen den beiden
Vertragsparteien.197 Da diese Klausel ein Bestandteil des Vertrags ist, entspricht
die Laufzeit ihrer Wirkungsdauer auch der des Vertrags. Für ein Management des
ökonomischen Risikos greift sie damit zu kurz. Trotzdem gibt es Autoren, die
behaupten, dass diese auch zum Management des ökonomischen Risikos geeignet
sei, falls ,,eine einmal vereinbarte Währungsklausel auch in allen künftigen Ver-
trägen zwischen Abnehmern und Zulieferern Verwendung findet."198 Diese Auf-
fassung teilt der Autor nicht, weil die Haltbarkeit einer solchen Regelung in der
Praxis doch zumindest angezweifelt werden kann.
Ein Unternehmen, das durch eine Risikoübernahme in Zeiten länger anhaltender
und starker Abweichung des Wechselkurses in seiner Existenz gefährdet ist, wird
alles versuchen sich dieses Risiko zu entledigen. Selbst wenn ihm das nicht ge-
lingt, wird es nach einem Konkurs seinen Verpflichtungen nicht nachkommen
können.
Diese Tatsache ist nur zu umgehen, indem der Lieferant seine Währungsstruktur
der Kosten dieser Situation anpasst.
196 Vgl. Dhanani, A., 2004, S. 327.
197 Vgl. Gamper, P. Ch., 1995, S. 275.
198 Roth, A., 1997, S. 203.
Management ökonomischer Währungsrisiken
52
4.4.2
Veränderung der Währungsstruktur der Beschaffung
Die wahrscheinlich effektivste Methode zur Reduzierung eines Exposure ist die
Angleichung der Währungsstruktur der Auszahlungen an die der Einzahlungen.
Die Beschaffung im Land des Absatzmarktes bewirkt dabei, dass Wechselkurs-
veränderungen auf beide Positionen in gleicher Richtung wirken und damit eine
Risikokompensation erreicht wird.199 Eine hundertprozentige Risikodeduktion
wird jedoch nur erreicht werden, wenn beide Cashflows über die gleiche Wech-
selkurssensibilität verfügen.200 Da auf den Beschaffungs- und Absatzmärkten oft
sehr unterschiedliche Bedingungen herrschen, ist diese vollständige Risikokom-
pensation aber zumeist nicht zu erzielen. Ein Beispiel hierfür ist die Beschaffung
von Rohstoffen, die zu Weltmarktpreisen gehandelt werden.201 Hier hat die De-
terminationswährung nichts mit der Lokalwährung zu tun und eine Exposuremin-
derung ist trotz lokaler Beschaffung nicht zu erreichen.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass über eine entsprechende Anpassung auch die
Generierung eines strategisch gewünschten Exposure zu Absicherungszwecken
erreicht werden kann.
Ein zusätzlicher positiver Effekt neben der Minderung des Währungsrisikos lässt
sich dagegen mit Kosteneinsparungen aus sogenannten Cross-Hedging-
Aktivitäten erzielen. Dabei wird auf einem Markt mit niedrigerem Kostenniveau
als dem des alternativen Beschaffungsmarktes eingekauft. Trotzdem gilt dort des-
sen Währung als Determinationswährung oder die beiden Währungen sind zu-
mindest eng aneinander gekoppelt.202
Die Entscheidung über die Wahl der Beschaffung aus Währungsgesichtspunkten
ist meist mit einem Lieferantenwechsel verbunden.203 Im Zuge dieser sind ver-
schiedene Voraussetzungen zu prüfen: Sind die Lieferanten aus dem gewünschten
Währungsraum überhaupt in der Lage die Produkte in der benötigten Qualität und
zu einem vergleichbaren Preis anbieten zu können? Ist eine eventuell notwendige
Just-in-time-Lieferung möglich? Wie hoch sind die zusätzlichen Transportkosten?
Sind die bisherigen Lieferverträge überhaupt kündbar?204 Ist die Unternehmung
vielleicht auf das Forschungs- und Entwicklungs-Know-How des Zulieferers an-
199 Vgl. Aggarwal, R. / Soenen, L. A., 1989, S. 65.
200 Vgl. Roth, A., 1997, S. 208.
201 Vgl. Glaum, M. / Roth, A., 1993, S. 1196.
202 Vgl. Dhanani, A., 2004, S. 328; Roth, A., 1997, S. 209.
203 Nur wenige Unternehmen stellen die gleichen Produkte in verschiedenen Ländern her, was
eine Änderung der Beschaffungswährung ohne Lieferantenwechsel ermöglicht.
204 Vgl. Bernhard, W., 1992, S. 110.
Management ökonomischer Währungsrisiken
53
gewiesen oder arbeitet in diesem Bereich mit ihm zusammen? Ein praktisches
Beispiel zu diesen Aspekten liefert
Dhanani, A. (2004)
in einer Fallstudie.205
Aufgrund verschiedener Gegebenheiten, wie langfristiger Lieferverträge und Ab-
hängigkeiten im Bereich der Forschung und Entwicklung, war es im Zuge einer
Anpassung der Währungsstruktur der Beschaffungs- an die der Absatzaktivitäten
nicht möglich alle Lieferanten so zu wechseln wie es aus Währungsgesichtspunk-
ten wünschenswert gewesen wäre. In der Folge erarbeitete das Unternehmen zu-
sammen mit diesen Zulieferern eine Strategie, die es trotzdem ermöglichte, das
Währungsrisiko zu senken. Erreicht wurde dies dadurch, dass der Zulieferer wie-
derum seine Zulieferer im Sinne des Unternehmens gewechselt, das heißt die
Währungsstruktur seiner Kosten verändert hat. Den in der Folge für den Zulieferer
in Fremdwährung anfallenden Anteil der Kosten begleicht das Unternehmen in
der jeweiligen Fremdwährung. Für in Heimatwährung angefallene Kosten wird
weiterhin in dieser bezahlt. Bezeichnet wird diese Methode als ´dual payment
policy´.
Die Tatsache, dass diese Maßnahmen struktureller Natur sind und einen erhebli-
chen Aufwand erfordern, verdeutlicht den schwierigen Charakter von Verände-
rungen im Beschaffungsbereich.
Unter der Voraussetzung, dass bereits aus verschiedenen Währungsräumen be-
schafft wird, lässt sich auch ohne den Abschluss neuer oder der Kündigung alter
Lieferbeziehung eine Verbesserung für die Unternehmung aus Währungsgesicht-
punkten erzielen. Sofern die abgenommenen Mengen flexibel anpassbar sind,
werden in Zeiten der Schwäche einer Währung besonders viele Erzeugnisse aus
diesem Währungsraum bezogen und umgekehrt, der Bezug aus starken Wäh-
rungsräumen vermieden. Hierbei handelt es sich um die Flexibilisierung der Be-
schaffungsausgaben, welche erhebliche Gewinnpotentiale durch die aktive Aus-
nutzung von Wechselkursänderungen in sich birgt.206
Die Erzielung einer risikokompensierenden Wirkung durch geographische Diver-
sifizierung, wie sie sich im Bereich der Erlöse erzielen lässt, ist auch mit den Be-
schaffungsaktivitäten möglich.207
Wie bereits erwähnt, ist die Veränderung der Währungsstruktur der Beschaf-
fungsausgaben nach Auffassung des Autors eines der besten Instrumente des
Währungsmanagements. Aufgrund der Dominanz vieler anderer Aspekte der Be-
205 Vgl. Dhanani, A., 2004.
206 Vgl hierzu auch Kapitel 4.5.2 Operating Flexibility.
207 Vgl. Roth, A., 1997, S. 209; Dhanani, A., 2004, S. 326.
Management ökonomischer Währungsrisiken
54
schaffungspolitik und wegen des großen Aufwands eines damit verbundenen Lie-
ferantenwechsels, besonders bei langjährigen Geschäftsbeziehungen, sind die
Vorbehalte gegen eine aktive Nutzung allerdings relativ groß.
Eine Aufnahme des Währungsmanagementaspekts in die Einkaufsstrategie eines
Unternehmens wie sie
Dhanani, A. (2004)
beschreibt ist demnach, wenn sie nicht
nur auf dem Papier existiert, sondern auch wirklich berücksichtigt wird, ein gro-
ßer Fortschritt.208
Ausgesprochen interessant ist auch die in der selben Arbeit vorgeschlagene Beru-
fung eines Verbindungsmannes zwischen der Einkauf- und der Finanzabtei-
lung.209 Dessen Aufgabe ist es, zwischen beiden Abteilungen zu vermitteln. Diese
Vermittlung ist bei der Anwendung einer Flexibilisierung der Währungsstruktur
besonders wichtig. Zum einen müssen die Einschätzungen, welche Währungen
gerade stark und welche schwach sind, von der Finanzabteilung an die Einkaufab-
teilung vermittelt werden. Darüber hinaus prüft der Mittler ob die Einkaufabtei-
lung im Sinne der Währungspolitik richtig handelt.
4.5 Produktionswirtschaftliche
Maßnahmen
4.5.1
Verlagerung der Produktion in Absatzmärkte
Wie schon bei der Beeinflussung der Währungsstruktur der Beschaffungsmaß-
nahmen, kann auch durch den Aufbau von Produktionsstätten im Währungsraum
eines Absatzmarkts eine deutliche Risikominderung herbeigeführt werden.210 Da
beide Maßnahmen auf eine Angleichung der Währungsstruktur der Ausgaben an
die der Einnahmen abzielen, vollzieht sich die Risikominderung analog.
Aufgrund des noch bedeutend größeren Aufwands der Errichtung einer Produkti-
onsstätte im Ausland, dürfte dies allerdings zumeist erst in Erwägung gezogen
werden, wenn die Potentiale der Beschaffungsstruktur erschöpft sind.211
Im Gegenzug verringert der Aufbau von Produktionsanlagen vor Ort auch die
Transportwege. Für transportkostenintensive Branchen kann dies einen nicht zu
vernachlässigenden Effekt darstellen.212
Unabhängig von den durch das Währungsmanagement motivierten Aspekten, gilt
es zunächst vor Eröffnung eines neuen Werkes verschiedene allgemeine Kriterien
208 Vgl. Dhanani, A., 2004, S. 329.
209 Vgl. Dhanani, A., 2004, S. 329.
210 Vgl. Srinivasulu, S. L., 1981, S. 16f.
211 Vgl. Roth, A., 1997, S. 212.
212 Ob die Transportkosten aus währungspolitischer Sicht ein Entscheidungskriterium darstellen,
hängt von der Währungsstruktur dieser ab. Unabhängig davon dürfte dieser Aspekt in die all-
gemeine betriebswirtschaftliche Beurteilung der Investition einfließen.
Management ökonomischer Währungsrisiken
55
wie vorhandene Infrastruktur, qualifiziertes Personal usw. zu prüfen.213 Hierzu
dürfte auch ein kalkulatorischer Vergleich der Kosten der Unternehmung vor und
nach der Maßnahme durchgeführt werden. Dies sollte auch Aufschluss darüber
geben, ob die Aufgabe eventueller Skalenerträge lohnend ist.214 Bei dieser Analy-
se ist aber zu bedenken, dass sie nicht isoliert durchgeführt werden sollte, da ne-
ben dem Währungsgesichtspunkt auch andere interdependente Faktoren Einfluss
nehmen.215
Zur Senkung des Währungsrisikos mit Hilfe der Eröffnung, oder dem Kauf einer
Produktionseinheit im Ausland, 216 ist darüber hinaus die Fertigungstiefe entschei-
dend. Wenn im lokalen Markt eine große Wertschöpfung erbracht wird, kann eine
deutliche Risikoreduktion erreicht werden.217 Die Eröffnung einer Vertriebsein-
heit ist dagegen, aufgrund mangelnder Wertschöpfung aus Währungsgesichts-
punkten, wenig erfolgsversprechend.
Die Wahl des Produktionslandes kann aber nicht nur auf die Währungsstruktur
der Kosten wirken. Unter Umständen kann sie auch Auswirkungen auf die Erlöse
einer Gesellschaft haben.218 Die Präsenz des Unternehmens am Ort des Absatz-
markts verbessert dessen Gespür für diesen Markt und dessen Anforderungen.
Unter Ausnutzung dieser Kenntnisse ist es möglich, die Kundenzufriedenheit zu
erhöhen. Potential für weitere positive Effekte bieten darüber hinaus Aspekte wie
die Identifikation mit dem Unternehmen als Arbeitgeber oder Präsenz im sozialen
und gesellschaftlichen Bereich.219 Diese Effekte können entweder zu einer Aus-
weitung des Absatzes und damit einer Erhöhung der Erträge in der entsprechen-
den Währung führen, oder aber die Sensitivität der bestehenden Erlöse mindern.
Negative Auswirkungen können Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer
verursachen, wenn mit ihnen die Aufgabe eines Made-in-Effekts einhergeht. Um-
so wichtiger wird es dabei für die Unternehmen ihr individuelles Made-by-Image
zu pflegen.220
213 Vgl. Bernhard, W., 1992, S. 111.
214 Vgl. Roth, A., 1997, S. 214f.
215 Vgl. Dhanani, A. / Groves, R., 2001, S. 283.
216 Der Kauf einer Produktionsstätte bringt die gleichen Effekte mit sich, dürfte in den meisten
Fällen aber wesentlich günstiger sein.
217 Vgl. Flood E. Jr., 1986, S. 169.
218 Vgl. Roth, A., 1997, S. 215f; Bernhard, W., 1992, S. 121.
219 Besonders in den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich viel durch die Einführung von Good
Governance Kodices getan.
220 Vgl. Bernhard, W., 1992, S. 121.
Management ökonomischer Währungsrisiken
56
4.5.2 Operating
Flexibility
Die Bedeutung der Flexibilisierung der Kostenstruktur wurde bereits in Zusam-
menhang mit der Beschaffung angesprochen. Im Bereich der Produktion war es
Kogut, B (1985)
, der als erster auf die Möglichkeit hingewiesen hat, wechselkurs-
bedingte internationale Kostendifferenzen gewinnbringend ausnutzen zu kön-
nen.221 Aus der Tatsache, dass ein Unternehmen seine Produktionsstätten weltweit
verteilt, eröffnet sich diesem das Potential, seine jeweiligen Ausbringungsmengen
aufgrund des Wechselkurses anzupassen. Verfügt ein Unternehmen beispielsweise
über Produktionsstandorte in den USA und Deutschland, so werden zu Zeiten
eines schwachen Euros die Kapazitäten im Euroraum aufgrund des relativen Kos-
tenvorteils erhöht. Im Gegenzug wird das Werk in den USA nur noch den zur Stil-
lung des Bedarfs nötigen Rest produzieren.222
Hierzu ist jedoch zu beachten, dass die Kapazitäten zum einen nicht unendlich
erweiterbar sind bzw. die Erweiterung erst durch den Bau neuer Anlagen und
durch die, in der Folge entstehenden Leerkosten erkauft werden müssen. Ebenso
wird sich die Kapazität eines Werkes nicht vorübergehend auf Null reduzieren
lassen. Das größte Gewicht im Zusammenhang dieser Entscheidung fällt dabei
dem Faktor Arbeit zu. Er und die verwendete Fertigungstechnologie bestimmen
letztlich den Grad der Flexibilität.223
Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Gleichge-
wichtskurs zu. Das ist der Kurs, bei dem es aus währungspolitischer Sicht gleich-
gültig ist, in welcher Produktionsstätte die Güter gefertigt werden. Aufgrund der
Existenz von Umstellungskosten, die aus der Verlagerung der Kapazitäten entste-
hen wird eine kritische Bandbreite durch einen Auf- bzw. Abschlag für die Um-
stellungskosten errechnet. Bei Unter- bzw. Überschreiten der dadurch entstehen-
den Grenzwechselkurse werden die Kapazitäten entsprechend verlagert. Mit der
Bandbreite ergibt sich ein Spielraum in dem die Kapazitäten trotz Wechselsignal
beibehalten werden, weil die Umstellungskosten zu hoch wären.224
Das Zwei-Produktionsstätten-Beispiel, das hier zur Veranschaulichung des Sach-
verhalts verwendet wurde, stellt eine grobe Vereinfachung dar. In der Realität
handelt es sich um wesentlich mehr Standorte, was das verfügbare Potential um
ein Vielfaches erhöht. Dies führt gleichzeitig aber zu dem Problem, dass eine
221 Vgl. Kogut, B., 1985, S. 31.
222 Falls die Kapazitäten in Deutschland nicht voll ausgelastet wären, wäre sogar eine Produktion
auf Vorrat vorstellbar.
223 Vgl. Roth, A., 1997, S. 219.
224 Vgl. Kogut, B., Kulatilaka, N., 1994, S. 128.
Management ökonomischer Währungsrisiken
57
Ausnutzung der Operating Flexibility nur bei globaler Koordination der Produkti-
onsplanung, und damit letztlich auch tendenziell einer Zentralisierung des Expo-
suremanagements möglich ist.225 Dagegen kam die vorige Diskussion über die
Ansiedlung des Exposuremanagements zu dem Schluss eine Dezentralisierung
anzustreben.
4.6
Vereinbarung spezieller Kontrakte und M&A-Aktivitäten
Eine weitere Möglichkeit, sich gegen unerwünschte Wechselkursentwicklungen
abzusichern besteht in einem von
Lessard, D. R. und Lightstone, J. B. (1984)
vor-
geschlagenen Instrument. Es handelt sich dabei um ein Hedge-Geschäft, bei dem
zwei Unternehmen mit betragsmäßig gleicher, von der Wirkung aber entgegenge-
setzter Wechselkursabhängigkeit226 vereinbaren, alle zukünftigen von Realkurs-
veränderungen verursachten Gewinnschwankungen gegenseitig auszuglei-
chen.227,228 Ein speziell auf Realkursveränderungen zugeschnittener Vertrag regelt
dabei, dass die jeweiligen Gewinne und Verluste aus diesen ausgetauscht werden.
Ein Sinken des ´normalen´ Jahresergebnisses wird also durch Gewinne aus dem
Sicherungsvertrag ausgeglichen. Im Gegenzug verlieren die Unternehmen folglich
auch die Chance auf zusätzliche Gewinne aus Realkursveränderungen, weil diese
gegebenenfalls an das andere Unternehmen abzuführen sind.
Die daraus entstehenden Kosten sind gering und bestehen nur aus den Suchkosten
für ein Unternehmen mit dem richtigen Exposure und den Kosten der Ausgestal-
tung des Vertrags. Dadurch, dass damit nur Gewinnschwankungen vermieden
werden und im Gegensatz zum Abschluss anderer Hedge-Geschäfte keine Partei
ein Risiko im eigentlichen Sinne eingeht, muss auch keine Partei dafür entlohnt
werden.
Ähnliche Wirkungsweisen auf das ökonomische Währungsrisiko können sich
auch aus Mergers & Acquisitions-Aktivitäten ergeben. Durch den Zukauf von
Unternehmungen229 mit entsprechend gegenläufigen Währungsexposures kann
das Währungsrisiko ebenso gesenkt werden. Auch hier gilt, dass der Währungsas-
pekt nicht das vorrangige Entscheidungskriterium ist.
225 Vgl. Beck, M. S., 1989, S. 68.
226 Oder auch Exposure.
227 Die Gegenposition kann aber auch von einem Kreditinstitut oder einem anderen Vertragspart-
ner eingegangen werden.
228 Vgl. Lessard, D. R. / Lightstone, J. B., 1987, S. 72.
229 Oder auch eine Fusion.
Management ökonomischer Währungsrisiken
58
4.7 Finanzwirtschaftliche
Maßnahmen
4.7.1 Veränderung
der
Währungsstruktur der finanzwirtschaftlichen
Zahlungsströme
Haben die bisherigen Managementmaßnahmen den realwirtschaftlichen Güterbe-
reich betroffen, so sollen jetzt finanzwirtschaftliche Absicherungsmaßnahmen
vorgestellt werden.
Zunächst kann im finanzwirtschaftlichen Bereich ein ökonomisches Währungsri-
siko aus der uneinheitlichen Währungsstruktur der Bilanz und damit der originä-
ren Cashflows entstehen. Verursacht wird dies durch Finanzierungs- oder Anlage-
positionen in Fremdwährung. Eine Minderung des Risikos lässt sich durch die
Verminderung dieses Exposure erreichen, indem die Struktur der Währungsposi-
tionen der Aktiva an die der Passiva bzw. umgekehrt angeglichen wird.230
Die Aufnahme und Anlage von Fremdwährungsbeträgen stellt hierbei die Mög-
lichkeit dar, Kosten bzw. Erträge in der Fremdwährung zu generieren, in der Er-
träge bzw. Aufwendungen erwartet werden. Im Falle der Kreditaufnahme wird
von einer währungskongruenten Finanzierung gesprochen.231 Da die Finanzie-
rungskosten in der Kalkulation den operativen Einheiten anteilig zugerechnet
werden, kann die währungsstrukturelle Angleichung der Einzahlungen und Aus-
zahlungen auch durch diesen Bereich unterstützt werden. Eine Verschlechterung
der Wettbewerbsposition einer Unternehmung für den Ertragsbereich, verursacht
durch eine Wechselkursänderung, wird dann durch eine Verminderung der Kosten
aus dem Finanzierungsbereich ausgeglichen.232
Die Höhe der zur Absicherung benötigten Fremdwährungsfinanzierung ist dabei
von der Höhe der Wechselkurssensitivität und der Höhe der Zins- und Tilgungs-
leistungen abhängig.233
Bei den bisherigen Ausführungen war es für das Unternehmen nötig, neue Ver-
bindlichkeiten aufzunehmen. Aufgrund des langfristig strategischen Charakters
des ökonomischen Währungsmanagements spielt diese mangelnde Flexibilität
zwar keine so bedeutende Rolle, dennoch ist es zu begrüßen, dass die gleiche
Wirkung auch mit Hilfe von Swap-Geschäften erreicht werden kann, die eine be-
deutend höhere Anpassungsgeschwindigkeit erlauben.234
230 Vgl. Roth, A., 1997, S. 221.
231 Vgl. Roth, A., 1997, S. 221.
232 Vgl. Beck, M. S., 1989, S. 65.
233 Vgl. Cornell, B. / Shapiro, A. C., 1983, S. 58.
234 Vgl. Dhanani, A., 2004, S. 330.
Management ökonomischer Währungsrisiken
59
Der Einsatz eines Swaps ist bei der ,,Existenz zweier Partner, welche bezüglich
der Laufzeit und des Betrags gleiche Interessen besitzen, jedoch gegensätzliche
Währungsbedürfnisse aufweisen"235 möglich. Dabei nimmt jedes Unternehmen in
seinem Stammland durch einen Kredit oder die Begebung einer Anleihe, unter
Ausnutzung seines Bekanntheitsgrades und seiner dortigen Bonitätsbeurteilung,
Geld in Heimatwährung auf. Diese Beträge tauschen die Vertragsparteien, zumeist
unter Einschaltung eines Kreditinstitutes als Intermediär, gegeneinander aus. Für
die Zins- und Tilgungszahlungen wird vereinbart, dass das jeweils andere Unter-
nehmen diese zu einem, bei Vertragsabschluß festgelegten Wechselkurs dem an-
deren in dessen Währung bezahlt.236
Waren Swaps früher eher großen und in diesem Bereich erfahrenen Unternehmen
vorbehalten, sind sie heutzutage jedem zugänglich.
Wie anhand der Ausführungen bereits deutlich geworden ist, unterscheidet sich
die Wirkung eines Swap-Geschäfts nicht von der einer Finanzierung in Fremd-
währung.237
Genauso wie im Beschaffungs- bzw. Produktionsbereich, ist es auch im Finanzbe-
reich möglich, ein Cross-Hedging zu betreiben.238 Jedoch wiegt hier das Argu-
ment der Verfügbarkeit der anderen Währung stärker als der Kostenaspekt.
4.7.2 Risikoreduktion durch finanzwirtschaftliche
Absicherungsmaßnahmen
Aus theoretischer Sicht ist die Beurteilung der Eignung von den, für das Transak-
tionsrisiko gängigen, Kurssicherungsinstrumenten wie Devisentermingeschäften,
Währungsfutures oder Devisenoptionen für das Management des ökonomischen
Währungsexposure eindeutig.
Da die Höhe der zukünftigen, risikobehafteten Positionen des Economic Risk zur
Zeit der Absicherung noch nicht feststeht, entsteht die große Gefahr, entweder
eine zu große oder eine zu kleine Position abzusichern, was ein zusätzliches Risi-
ko bedeuten würde.
Aus diesem Grund halten die meisten Autoren ihren Einsatz im Rahmen eines
strategischen Managements des ökonomischen Währungsrisikos für ungeeig-
235 Vgl. Gamper, P. Ch., 1995, S. 396.
236 Vgl. Beck, M. S., 1989, S. 66.
237 Vgl. Roth, A., 1997, S. 223f.
238 Vgl. Aggarwal, R. / Soenen, L. A., 1989, S. 65.
Management ökonomischer Währungsrisiken
60
net.239 Zur Überbrückung der Anpassungszeit - bis die eingeleiteten operativen
Maßnahmen greifen - werden sie jedoch oft akzeptiert.240
Obgleich in der jüngeren Vergangenheit in einigen Arbeiten Modelle entwickelt
wurden, die die Kalkulation der unsicheren Hedge-Größe so verbessern sollen,
dass sie einen Einsatz im strategischen Bereich rechtfertigten,241 sieht der Autor
diese Entwicklungen eher skeptisch. Diese Konstrukte werden das Risiko höchs-
tens verringern, nicht jedoch eliminieren können.
Darüber hinaus wird es mit finanzwirtschaftlichen Hedginginstrumenten nicht
möglich sein eine Wechselkursentwicklung aufzuhalten. Im Sinne einer Auftei-
lung des Economic Risk in einen Competitive Effect und einen Conversion Ef-
fect242 ist es nur möglich, sich für eine begrenzte Zeit des Conversion Effects zu
entledigen.243
Im Umgang mit Absicherungsinstrumenten244 ist zudem in besonderem Maße zu
beachten, dass daraus entstandene Risiken nicht mit denen aus dem operativen
Geschäft kumuliert werden.245
Eine Möglichkeit, dieses zu vermeiden, ist die Anwendung der von
Rehkugler, H.
/ Schindel, V. (2004)
vorgestellten ´Bewertungsorientierten Vorgehensweise´.
,,Bei der bewertungsorientierten Vorgehensweise ist Gegenstand der Analyse
nicht die Veränderung der Wechselkurse, sondern ihre Höhe im historischen Ver-
gleich."246 Für ihre Analyse verwenden sie, wie für das ökonomische Währungs-
management gefordert, Realkurse. Darüber hinaus machen sie sich die Erfahrung
zu nutze, dass diese Kurse erstens nur innerhalb einer bestimmten Bandbreite um
den langfristigen Durchschnitt schwanken, zweitens sich ihre Entwicklung nicht
sprunghaft, sondern vielmehr entlang langfristiger Trends vollzieht und drittens
eine Korrelation zwischen realen Wechselkursen und der Ergebnissituation von
Unternehmen zu beobachten ist.247
Durch die Verwendung eines auf Basis des Realkurses ermittelten langfristigen
Gleichgewichtskurses, der sich als gewichteter gleitender Durchschnitt des selben
errechnet, schaffen es die Autoren, verschiedene auch aus der Anwendung der
239 Vgl. Dhanani, A. / Groves, R., 2001, S. 276; Lessard, D. R. / Lightstone, J.B., 1990, S. 94f;
Vgl. Fastrich, H. / Hepp, S., 1991, S. 5.
240 Vgl. Vgl. Bernhard, W., 1992, S. 138; Henk, A., 2003, S. 278.
241 Vgl. Breuer, W., 1996, S. 518ff; Chowdhry, B., 1995, S. 1083ff; Kerkvliet, J. / Moffet, M. H.,
1991, S.565 ff.
242 Vgl. Flood, E. Jr. / Lessard, D. R., 1986, S. 26.
243 Vgl. Roth, A., 1997, S. 232.
244 Beispielsweise im Rahmen des Transaktionsrisikomanagements.
245 Vgl. Rehkugler, H / Schindel, V., 2004, S. 348.
246 Vgl. Rehkugler, H / Schindel, V., 2004, S. 351f.
247 Vgl. Rehkugler, H / Schindel, V., 2004, S. 352.
Management ökonomischer Währungsrisiken
61
Kaufkraftparität bekannte Probleme, wie den Umgang mit Strukturbrüchen, zu
beheben.248
Indem zu Zeiten einer historischen Überbewertung (bzw. Unterbewertung)249 die
Kurse festgeschrieben werden und diese Festschreibung in Zeiten einer Unterbe-
wertung (bzw. Überbewertung) vermieden wird, ist eine Verbesserung der Unter-
nehmenssituation zu erreichen. Die daraus generierten Vorteile werden als Wind-
fall-Profits bezeichnet. Entscheidungskriterium ist hierbei nicht die Erwartung
über die Wechselkursentwicklung sondern vielmehr die Dauer der Festschreibung
des aktuellen Kurses.
Der Grund, warum die Verwendung dieses Ansatzes hier vorgeschlagen wird,
liegt darin begründet, dass eine Absicherung nur stattfindet, wenn sich der Wech-
selkurs im Bereich der Windfall-Profits befindet. Damit führen Fehleinschätzun-
gen nicht zu realen Verlusten, sondern nur zu Opportunitätskosten aus nicht voll
ausgeschöpften Gewinnpotentialen.250
Weil dies jedoch zu einer Verschlechterung der Wettbewerbssituation im Ver-
gleich zu den Mitbewerbern führen kann, wäre bei strenger Auslegung, eine An-
wendung dieser Technik im Zuge des ökonomischen Währungsmanagements
nicht zu empfehlen. Nach Ansicht des Autors ist seine Anwendung als Ergänzung
des bisher vorgestellten Managements aber trotzdem vorstellbar, weil er anders
als bisher propagiert, nicht an einer Veränderung der Exposures ansetzt, darüber
hinaus den realen Wechselkurs als Grundlage verwendet und das damit verbunde-
ne Risiko überschaubar bleibt.
Da das Hauptgewicht eines Währungsmanagements der ökonomischen Wäh-
rungsrisiken nach Auffassung des Autors unbedingt im Bereich des Managements
des Exposure zu liegen hat, wäre ein Einsatz als Ergänzung dazu empfehlenswert.
Nach Ausschluss des existenzbedrohenden Risikos im Bereich der Exposure,
könnte die, im Rahmen der Analyse aus Kapitel 3 im letzten Schritt ermittelte
aggregierte Exposuregröße mit Hilfe dieses Verfahrens gemanagt werden.
Das Management dieses Exposure würde dann mit Hilfe der gängigen derivaten
Sicherungsinstrumente stattfinden. Die Erträge daraus würden dem Finanzergeb-
nis zugeschrieben.251 Zu klären ist allerdings noch, ob der Bezug der Absicher-
248 Weil sich dieser Kurs mittelfristig den Strukturveränderungen beider Volkswirtschaften an-
passt, verlieren über die Zeit auch Strukturbrüche an Bedeutung.
249 In welcher Situation die Kurse festgeschrieben werden hängt dabei vom Vorzeichen des Expo-
sure ab.
250 Vgl. Rehkugler, H / Schindel, V., 2004, S. 353.
251 Vgl. Rehkugler, H / Schindel, V., 2004, S. 348.
Schlussbetrachtung
62
ungsentscheidung zum aggregierten Exposure des Unternehmens ausreicht, um
die Instrumente nach dem Hedge Accounting zu bilanzieren. Nach Ansicht des
Verfassers sollte dies aber gewährleistet sein.
5 Schlussbetrachtung
Bei der Auseinandersetzung mit ökonomischen Währungsrisiken zeigt sich, dass
diesem Thema in der wissenschaftlichen Forschung große Beachtung entgegen
gebracht wird. Dies schlägt sich auch in unzähligen Veröffentlichungen nieder. Es
handelt sich dabei jedoch fast ausschließlich um volkswirtschaftlich ausgerichtete
Betrachtungen, wohingegen diese Arbeit einen betriebswirtschaftlich, praxisbezo-
genen Ansatz verfolgt.
Dies ist vermutlich auch der Grund dafür, dass dem Thema in der Praxis noch
keine so große Bedeutung beigemessen wird.252
Darüber hinaus mag dies aber auch an der schwierigen Rolle des Managements
der ökonomischen Währungsrisiken liegen. Wie diese Arbeit gezeigt haben soll
lässt sich ein entsprechendes Konzept nicht isoliert implementieren, sondern be-
trifft aufgrund der vielen wechselseitigen Beziehungen vielmehr alle Bereiche
eines Unternehmens. Außerdem können die meisten Absicherungsmaßnahmen
nicht isoliert betrachtet werden, sondern sind zumeist ein Teil einer gesamtbe-
triebswirtschaftlichen Entscheidung.
Diese Arbeit hat dabei versucht, die Thematik von Grund auf zu beleuchten.
So wurde zu Beginn das Währungsrisiko in seine Bestandteile, nämlich das
Wechselkursrisiko und das Währungsexposure zerlegt. Aufgrund der Feststellung,
dass eine genaue Vorhersage der Wechselkursentwicklung es ermöglicht, das
Wechselkursrisiko und damit auch das Währungsrisiko vollständig zu eliminieren,
wurde eine Analyse der gängigsten Prognosemodelle vorgenommen. Mit dem
Ergebnis, dass eine zuverlässige Vorhersage nicht möglich ist.
Damit war als Hauptansatzpunkt für die weitere Bearbeitung das Währungsexpo-
sure, im Speziellen das ökonomische Währungsexposure, identifiziert.
Um ein möglichst gutes und effizientes Währungsmanagement betreiben zu kön-
nen, wurde in der Folge nach Möglichkeiten gesucht, das Risiko zu quantifizieren.
Dazu wurden verschiedene Ansätze vorgestellt. Eine Anwendung der ursachenbe-
zogenen Vorgehensweise mit Hilfe der Regressionsanalyse wurde, aufgrund man-
gelnder Ansatzpunkte für ein Management und den mit der Regressionsanalyse
252 Vgl. Glaum, M. / Roth, A., 1993.
Schlussbetrachtung
63
verbundenen Problemen, abgelehnt. Stattdessen fand ein wirkungsbezogener An-
satz Anwendung, der aufgrund der Verwendung einer disaggregierten Analyse der
Cashflows sehr gute Einblicke in die Wirkungsweisen der Exposureentstehung
geben kann. Durch die Einbindung einer Branchen- und Wettbewerbsanalyse soll-
te hier auch eine spezielle Würdigung des Wettbewerbseffekts erreicht werden.
Besonders zu betonen ist an dieser Stelle aber auch die ausgesprochen hilfreiche
Eigenschaft dieser Vorgehensweise, dass durch die Variation verschiedener
Wechselkurse kritische Austauschraten ermittelt werden können, bei denen die
Profitabilität des Unternehmens nicht mehr gewährleistet ist.
Darüber hinaus wurde in diesem Kapitel die Empfehlung ausgesprochen, dass im
Umgang mit dem ökonomischen Exposure auf die Kongruenz zwischen Analyse
und Entscheidung geachtet wird. Daraus wird eine Tendenz zur Dezentralisierung
abgeleitet, wobei der Grad dieser von den individuellen Gegebenheiten des Un-
ternehmens abhängt.
Nachdem das Exposure in dieser Arbeit nicht nur quantifiziert wurde, sondern
auch eine detaillierte Analyse der Wirkungsweisen stattgefunden hat, folgte im
Anschluss eine ausführliche Darstellung der Handlungsmöglichkeiten eines Ma-
nagements der ökonomischen Währungsrisiken.
Eingeleitet wurde dieser Abschnitt jedoch von der Diskussion über die Rolle des
Währungsmanagements innerhalb des Finanzmanagements, sowie der Bedeutung
einer Zielstrategie. Während der darauf folgenden Vorstellung der Management-
maßnahmen mag sich der Leser an die Aussage aus der Problemstellung zu Be-
ginn dieser Arbeit erinnert fühlen, dass diese hauptsächlich im Leistungsbereich
stattzufinden haben.
Zu diesem Schluss kommt auch diese Arbeit. Im Detail werden dabei für den
Hauptbestandteil des Managements des ökonomischen Währungsrisikos Maß-
nahmen in den Bereichen Absatz, Beschaffung und Produktion vorgeschlagen.
Neben der Möglichkeit eines Managements über spezielle Verträge und Mergers
& Acquisitions-Aktivitäten wird unter Eingehung einiger Kompromisse versucht,
auch das finanzwirtschaftliche Hedging in die Überlegungen einzubinden. Mit
dessen Hilfe soll zum einen Zeit für Anpassungen in den operativen Bereichen
gewonnen werden, zum anderen wird versucht durch die Nutzung von Windfall-
Profits einen zusätzlichen Gewinn aus den bewusst ,,offen" gelassenen Risikopo-
sitionen des Gesamtexposure zu ziehen.
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