Autor: Ishan Hegele
Fach: Indologie
Details
Jahr: 2008
Seiten: 20
Note: 2
Literaturverzeichnis: ~ 29 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 159 KB
ISBN (E-Book): 978-3-640-13759-6
ISBN (Buch): 978-3-640-13899-9
Zusammenfassung / Abstract
Die hinduistischen Religionen sind Strömungen, die viele Götter kennen und verehren. Im Hinduismus sind sowohl männliche als auch weibliche Figuren bzw. Götter von großer Bedeutung. Neben den Göttinnen Śrī Lakshmī, Pārvatī, Sītā, Durgā oder Kālī kommt auch Rādhā immer wieder in hinduistischen Texten vor. Vor allem in der romantischen Literatur der bengalischen Vaishnavite-Kultur des Mittelalters spielt Rādhā eine zentrale Rolle. Ein herausragendes Werk der Sanskrit-Literatur, in dem Rādhā die Heldin spielt, ist das indische Hohelied Gītagovinda3 des bengalischen Dichters Jayadeva. Der Legende nach wurde Jayadeva in einer brahmanischen Familie in Kendubilva im Staat Bengal geboren. Obgleich sein genaues Geburtsjahr unbekannt ist, wird vermutet, dass es im elften Jahrhundert gelegen haben muss. Jayadevas Gītagovinda, das der Verehrung Krishnas gewidmet ist, hatte und hat bis heute in Bengal großen Einfluss auf den Krishna-Kult. In einem ersten Schritt soll in der vorliegenden Arbeit herausgearbeitet werden, wie Rādhā in Jayadevas Werk Gītagovinda dargestellt wird. Es wird ein Überblick darüber gegeben, mit welchen unterschiedlichen Eigenschaften Jayadeva Rādhā in seinem Werk darstellt, um zu zeigen, dass Rādhā im Gītagovinda eine Figur mit einer mannigfaltigen Persönlichkeit ist. In einem zweiten Schritt soll durch die Herausarbeitung von Rādhās Persönlichkeit die Frage geklärt werden, welche religionspsychologische Bedeutung Rādhā hat.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
Die Darstellung der R
dh
in zwei Übersetzungen von
Jayadevas Werk G
tagovinda : Die Frage nach der
religionspsychologischen Bedeutung R
dh
s
Ishan Hegele
Indologie
Fachsemester: 09
2
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
3
2
Die Darstellung der R
dh
in Jayadevas Werk G
tagovinda
5
2.1
Die verliebte Rdh 5
2.2
Die eifersüchtige Rdh 6
2.3
Die zornige Rdh 7
2.4
Die verletzte und leidende Rdh 7
2.5
Die stolze Rdh 9
2.6
Die leidenschaftliche Rdh 10
3
Die Frage nach R
dh
s religionspsychologischer Bedeutung
11
4
Schlussfolgerungen
15
5
Literatur
17
3
1
Einleitung
Die hinduistischen Religionen sind Strömungen, die viele Götter kennen und verehren.
Im Hinduismus sind sowohl männliche als auch weibliche Figuren bzw. Götter von
großer Bedeutung. Neben den Göttinnen r Lakshm, Prvat, St, Durg oder Kl
kommt auch Rdh immer wieder in hinduistischen Texten vor. Vor allem in der
romantischen Literatur der bengalischen Vaishnavite-Kultur des Mittelalters spielt
Rdh eine zentrale Rolle.1 Ein herausragendes Werk der Sanskrit-Literatur2, in dem
Rdh die Heldin spielt, ist das indische Hohelied Gtagovinda3 des bengalischen
Dichters Jayadeva.4
Der Legende nach wurde Jayadeva in einer brahmanischen Familie in
Kendubilva im Staat Bengal geboren.5 Obgleich sein genaues Geburtsjahr unbekannt
ist, wird vermutet, dass es im elften Jahrhundert gelegen haben muss.6 Jayadevas
Gtagovinda, das der Verehrung Krishnas gewidmet ist, hatte und hat bis heute in
Bengal großen Einfluss auf den Krishna-Kult.7
In einem ersten Schritt soll in der vorliegenden Arbeit herausgearbeitet werden,
wie Rdh in Jayadevas Werk Gtagovinda dargestellt wird. Es wird ein Überblick
darüber gegeben, mit welchen unterschiedlichen Eigenschaften Jayadeva Rdh in
seinem Werk darstellt, um zu zeigen, dass Rdh im Gtagovinda eine Figur mit einer
mannigfaltigen Persönlichkeit ist. In einem zweiten Schritt soll durch die
Herausarbeitung von Rdhs Persönlichkeit die Frage geklärt werden, welche
religionspsychologische Bedeutung Rdh hat.
Rdh wird meistens in den Zusammenhang mit einem männlichen Begleiter,
namentlich Krishna, gebracht. Ihre Geschichte zeigt sich in verschiedenen Werken des
Hinduismus, wobei sie vornehmlich in Verbindung mit Krishna Erwähnung findet.
1 vgl. Banerjee (1993), S. 4.
2 vgl. Rath (1980), S. 84.
3 Der Begriff "Gtagovinda" setzt sich zusammen aus den zwei Wörtern
g
ta
mit der Bedeutung ,,Lied,
Gesang" und
govinda
in der Verwendung als Beiname des Krishna.
4 vgl. Miller (1977), S. 26.
5 vgl. ebd., S. 3 & Hota (1980), S. 25.
6 vgl. Sinha (1980), S. 39.
7 vgl. Miller (1977), S. ix & Vaudeville (1982), S. 1.
4
Nach der Legende soll Rdh, ein Kuhhirtenmädchen8, am Ufer des Yamun-Flusses
Krishna zum ersten Mal begegnet sein.9 Krishna ist zu dieser Zeit noch ein
Jugendlicher, seine Liebesbeziehung zu Rdh ,,findet in dem Hirtendorf Vraja und in
den Wäldern und Gemächern von Vrndvana statt".10 Rdh, die zu Krishnas liebsten
Gops11 zählte, erlangte im Laufe der Geschichte göttlichen Status.12
Anhand von zwei Übersetzungen der Gtagovinda, die eine von Barbara Stoler
Miller13 und die andere von Friedrich Rückert14 sowie entsprechender Sekundärliteratur
soll zusammengefasst werden, wie Jayadeva die Figur der Rdh in seinem Werk
Gtagovinda darstellt. Mit Hilfe der erarbeiteten Ergebnisse, was Rdhs Persönlichkeit
betrifft, soll dann, ebenfalls unter Verwendung von Sekundärliteratur, ihre
religionspsychologische Wirkung untersucht werden.
Ein besonders umfassendes Bild der Rdh liefern unter anderem die Werke von
Banerjee
Appropriation Of A Folk-Heroine : Radha in Medieval Bengali Vaishnavite
Culture
, die von Hawley & Wulff (Hrsg.)
The Divine Consort : R
dh
And The
Goddesses Of India
und die von Kuppuswamy & Hariharan (Hrsg.)
Jayadeva And
G
tag
vinda : A Study
. Sumanta Banerjee beschäftigt sich vor allem mit der Frage,
welche Rolle Rdh in der Vaishnavite-Kultur des Mittelalters spielte. Bei
Kuppuswamy & Hariharan liegt zwar der Fokus auf Jayadevas Gtagovinda, allerdings
beschäftigen sich nur zwei Artikel intensiv mit der Figur der Rdh, in den übrigen
Beiträgen wird Rdh nur peripher behandelt. Im Gegenzug zu den gerade aufgeführten
Werken soll sich im Folgenden nur auf einen Aspekt in Bezug auf die Darstellung der
Rdh im Gtagovinda konzentriert werden. Der Schwerpunkt wird darin bestehen,
Rdhs vielgestaltige Persönlichkeit vorzustellen.
8 vgl. Banerjee (1993), S. 7.
9 vgl. Schumann (2004), S. 84.
10 Kinsley (2000), S. 115.
11 Der Begriff
gop
bedeutet "Hirtenmädchen", Mylius (72001), siehe unter
gop
.
12 vgl. Renou (1962), S. 51.
13 Miller, Barbara Stoler (Hrsg.):
Love Song of the Dark Lord : Jayadeva′s G
tagovinda
. New York:
Columbia University Press, 1977.
14 Kreyenborg, Herman (Hrsg.):
G
tagovinda : Das indische Hohelied des bengalischen Dichters
Jayadeva
. Leipzig: Insel-Verlag, 1920.
5
2
Die Darstellung der R
dh
in Jayadevas Werk G
tagovinda
In Jayadevas Werk Gtagovinda, das in zwölf Kapitel untergliedert ist, kommen drei
Figuren vor: Die beiden Protagonisten Krishna und Rdh sowie eine Gefährtin der
Rdh, die in den abwechselnden Dialogen zwischen Rdh und Krishna vermittelt.15
Rdhs Beziehung zu Krishna ist durch typische menschliche Emotionen in einer
Liebesbeziehung wie Eifersucht, Gereiztheit, Zorn und Befriedigung gekennzeichnet.16
Mit diesen Gefühlen, die sie zur Figur mit einer mannigfaltigen Persönlichkeit machen,
wird Rdh auch im Gtagovinda dargestellt, wie im Folgenden werden soll.
2.1
Die verliebte R
dh
Zunächst wird Rdh als ein verliebtes und nach Rückert als ,,allverliebt[es]"17
Mädchen dargestellt, welches sich unsterblich in Krishna verliebt hat. In der
Übersetzung von Friedrich Rückert heißt es, dass Rdhs Sinne durch des ,,Kma′s
Kummer"18 ganz verwirrt seien. Das Sanskritwort
k
ma
bedeutet so viel wie ,,Wunsch,
Begehren, Liebe, Liebestrieb"19, d.h. Rdh ist in der Tat am Beginn des Gedichts als
sehr verliebt zu sehen.
In der englischen Übersetzung von Barbara Stoler Miller ist wiederholt die Rede
von ,,passion" und ,,passionate"; zwei Begriffe, die sehr gut diesen Zustand des
Verliebtseins beschreiben.20 An anderer Stelle bzw. am Ende des zweiten Gedichts heißt
es bei Miller ,,Seeking Krishna in his many haunts"21, was nochmals Rdhs Situation
als verliebte Person untermauert.
Barbara Stoler Miller weist selbst in ihrem Werk
Love Song Of The Dark Lord :
Jayadeva′s G
tagovinda
darauf hin, dass Rdh eng mit Leidenschaft verbunden wird
15 vgl. Kreyenborg (1920), S. 58.
16 vgl. Dimock (1966), S. 63.
17 Kreyenborg (1920), S. 11.
18 ebd., S. 7.
19 Mylius (72001), siehe unter
k
ma
.
20 vgl. Miller (1977), S. 69.
21 ebd., S. 74.
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