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Die Funktion des Kanons bei der Definition von Weltliteratur

Scholary Paper (Seminar), 2006, 18 Pages
Author: Saskia Bachner
Subject: English Language and Literature Studies - Other

Details

Event: Zwischen Third-World Literature und Globaler Literatur: Neuere Konzepte von Weltliteratur
Institution/College: University of Mannheim
Tags: Funktion, Kanons, Definition, Weltliteratur, Zwischen, Third-World, Literature, Globaler, Literatur, Neuere, Konzepte, Weltliteratur
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 18
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V114250
ISBN (E-book): 978-3-640-15237-7
ISBN (Book): 978-3-640-15451-7
File size: 117 KB

Abstract

Die Auseinandersetzung mit Literatur ist heutzutage unweigerlich verbunden mit dem Gedanken an einen Kanon. Wir sehen uns mit einer Flut an Literatur konfrontiert, die wir gezwungen sind zu bewältigen.1 Angesichts dessen, ist es nur natürlich, dass eine Auswahl getroffen werden muss. Denn lediglich so können wir uns zurechtfinden in der schier unermesslichen Menge literarischer Werke. Auch im Lehrbetrieb kommt man ohne eine Selektion nicht aus. An Schulen und Universitäten muss entschieden werden, welche Literatur gelesen werden soll. Ausgewählt werden dann meist die sogenannten Klassiker. Dennoch ist der Kanon sehr umstritten. Auf der einen Seite dient er als Orientierung und bringt uns die großen Werke der Vergangenheit nahe. Auf der anderen Seite engt er unser literarisches Wissen ein, indem er andere Werke ausschließt, die vielleicht durchaus lesenswert wären. Diese Kontroverse wird unter dem Stichwort Kanon-Debatte zusammengefasst. Sie ist nicht nur auf Nationalliteraturen beschränkt, sondern vollzieht sich ebenfalls in Bezug auf Weltliteratur. Weltliteratur wird gemeinhin als eine Selektion der besten Literatur der Welt verstanden, die in einem Kanon zusammengefasst wird oder gleich als die Summe aller Nationalliteraturen der Welt.2 Mit der zweiten Definition lässt sich allerdings in der Praxis recht wenig anfangen, wodurch meist doch der Kanongedanke verwirklicht wird. Die Definition von Weltliteratur ist also abhängig vom Kanonkonzept. Aber stimmt das? Brauchen wir wirklich einen Kanon, um definieren zu können, was Weltliteratur ist? Oder gibt es vielleicht noch andere Möglichkeiten einer Definition? Im Folgenden werde ich auf diese Fragen näher eingehen. Dazu gebe ich zunächst einen Überblick über die Kanon-Debatte. Danach werde ich die Theorie des populären Kanonbefürworters Harold Bloom erläutern und sie anschließend mit der Theorie von Horst Steinmetz kontrastieren.


Excerpt (computer-generated)

Anglistisches Seminar

Herbstsemester 06

Die Funktion des Kanons bei der
Definition von Weltliteratur

Hausarbeit
im Rahmen des Proseminars
Zwischen Third-World Literature und Globaler Literatur:
Neuere Konzepte von Weltliteratur

Saskia Bachner
Anglistik/Amerikanistik B.A.
3. Fachsemester

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 1
2. Überblick über die Kanon-Debatte 2
3. Harold Bloom und der ästhetische Kanon 4
3.1 Theorie 4
3.2 Kanon und Weltliteratur 5
3.3 Kritik 6
3.4 Ausblick in die Zukunft 8
4. Horst Steinmetz und die Epoche der Weltliteratur 9
4.1 Theorie 9
4.2 Kanon und Weltliteratur 10
4.3 Kritik 11
4.4 Ausblick in die Zukunft 12
5. Fazit 13
6. Literaturverzeichnis 14

 


1. Einleitung

Die Auseinandersetzung mit Literatur ist heutzutage unweigerlich verbunden mit dem Gedanken an einen Kanon. Wir sehen uns mit einer Flut an Literatur konfrontiert, die wir gezwungen sind zu bewältigen.1 Angesichts dessen, ist es nur natürlich, dass eine Auswahl getroffen werden muss. Denn lediglich so können wir uns zurechtfinden in der schier unermesslichen Menge literarischer Werke.

Auch im Lehrbetrieb kommt man ohne eine Selektion nicht aus. An Schulen und Universitäten muss entschieden werden, welche Literatur gelesen werden soll. Ausgewählt werden dann meist die sogenannten Klassiker.

Dennoch ist der Kanon sehr umstritten. Auf der einen Seite dient er als Orientierung und bringt uns die großen Werke der Vergangenheit nahe. Auf der anderen Seite engt er unser literarisches Wissen ein, indem er andere Werke ausschließt, die vielleicht durchaus lesenswert wären.

Diese Kontroverse wird unter dem Stichwort Kanon-Debatte zusammengefasst. Sie ist nicht nur auf Nationalliteraturen beschränkt, sondern vollzieht sich ebenfalls in Bezug auf Weltliteratur. Weltliteratur wird gemeinhin als eine Selektion der besten Literatur der Welt verstanden, die in einem Kanon zusammengefasst wird oder gleich als die Summe aller Nationalliteraturen der Welt.2 Mit der zweiten Definition lässt sich allerdings in der Praxis recht wenig anfangen, wodurch meist doch der Kanongedanke verwirklicht wird. Die Definition von Weltliteratur ist also abhängig vom Kanonkonzept.

Aber stimmt das? Brauchen wir wirklich einen Kanon, um definieren zu können, was Weltliteratur ist? Oder gibt es vielleicht noch andere Möglichkeiten einer Definition?

Im Folgenden werde ich auf diese Fragen näher eingehen. Dazu gebe ich zunächst einen Überblick über die Kanon-Debatte. Danach werde ich die Theorie des populären Kanonbefürworters Harold Bloom erläutern und sie anschließend mit der Theorie von Horst Steinmetz kontrastieren.

1 Vgl. Harold Bloom, The Western Canon. The Books and School of the Ages (New York: Harcourt Brace & Company, 1994) 526.
2 Vgl. Horst Steinmetz, Literatur und Geschichte: 4 Versuche (München: iudicium Verlag, 1988) 2.

1

 


2. Überblick über die Kanon-Debatte

Die Kanon-Debatte hatte ihren Höhepunkt in den 1960/70er Jahren vor allem im anglophonen Raum, dauert aber bis heute an.3 Es kursieren dabei so viele verschiedene Meinungen zum Kanon wie Kanones selbst.

Zahlreiche berühmte Persönlichkeiten, darunter z.B. Marcel Reich-Ranicki, erstellen ihren eigenen literarischen Kanon und vermarkten ihn. In den 1970er Jahren gab es in der Wochenzeitung Die Zeit eine Umfrage unter bedeutenden Prominenten, welche literarischen Werke sie als die wichtigsten der deutschsprachigen Literatur ansähen.4

Heraus kam ­ wenn auch unbeabsichtigt ­ ein Kanon, der in der Öffentlichkeit Beachtung fand und eine heftige Diskussion auslöste.

Selbst im Internet hat der Kanongedanke schon Einlass gefunden. Gottfried Willems formuliert diese Entwicklung so:

Was die Schulen nicht mehr dürfen, können oder wollen, das leisten die Medien: unermüdlich nehmen sie den Kanon im Rhythmus der Jubiläen durch, wie die Schulen früher am Leitfaden des Curriculums.5

Bei aller Beschäftigung mit der Thematik ist allerdings immer noch nicht geklärt, ob es überhaupt einen Kanon geben sollte und wenn ja, wie dieser auszusehen hat. Soll er offen oder geschlossen sein? Soll es für jede Nationalliteratur einen eigenen geben oder ein allumfassender Weltliteratur-Kanon angestrebt werden?

Obwohl die Vorstellung eines Weltliteratur-Kanons in den letzten Jahren sehr populär geworden ist, ist ein solcher freilich nur schwer realisierbar, weil die jeweils kulturell bedeutendsten literarischen Werke deutlich voneinander abweichen. So ist z.B. die Bibel eine wichtige Schrift für die westliche Welt, jedoch nicht für den Osten, der vom Koran geprägt ist.6

Wie bereits erwähnt, geht die Debatte aber meist nicht einmal über die Diskussion des Sinns bzw. Unsinns eines Kanons hinaus. Manche Literaturkritiker fordern die Abschaffung, andere wiederum sehen im Kanon ein unumgängliches und ­ trotz kleiner Fehler ­ grundsätzlich erhaltenswertes Konzept und wieder andere würden ihn zwar gerne abschaffen, haben aber kein adäquates Ersatz-Modell anzubieten.7

3 Vgl. Dennis Walder, Literature in the Modern World (New York: Oxford University Press, 2004) 2.
4 Vgl. Stefan Neuhaus, Revision des literarischen Kanons (Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2002) 8.
5 Gottfried Willems, Der Weg ins Offene als Sackgasse. Zur jüngsten Kanon-Debatte und zur Lage der Literaturwissenschaft (Bonn: Bouvier Verlag, 2000) 5.
6 Vgl. Harold Bloom, Shakespeare. Die Erfindung des Menschlichen (Berlin: Berlin Verlag, 2000) 1021.
7 Vgl. Bloom, Western Canon 4.

2

 



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