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Propädeutik der Komplementärmedizin

Subtitle: Bio-psycho-soziales Modell in Komplementärer und Integrativer Biologie und Medizin

Scholarly Essay, 2007, 23 Pages
Author: Dr.med.dent. Hubertus R. Hommel
Subject: Medicine

Details

Category: Scholarly Essay
Year: 2007
Pages: 23
Bibliography: ~ 31  Entries
Language: German
Archive No.: V114304
ISBN (E-book): 978-3-640-14521-8
ISBN (Book): 978-3-640-14670-3
File size: 365 KB

Abstract

In der Stoa (um 300 v.Chr.) ist der Mensch in einen übergreifenden kosmischen Zusammenhang eingebunden, aus dem sich ein in allen Naturerscheinungen und natürlichen Zusammenhängen waltendes göttliches Prinzip ergibt. Der Mensch muss lernen, an der kosmischen Vernunft teilzunehmen und in Gelassenheit und „stoischer Ruhe“ seine Stellung in dieser Ordnung zu akzeptieren. Das Erfassen bildet die Grundlage sowohl des Wissens als auch der Meinung. Voraussetzung für Wissen ist nach stoischer Auffassung die Begründung oder Argumentation, Wissen impliziert Wahrheit, wenn eine Behauptung durch keinerlei Argumentation als Falschheit oder Unhaltbarkeit einer Behauptung widerlegt werden kann. Der Erkenntnisprozess beginnt mit einer Einwirkung der Sinne von außen. Diokles (Mitte 4. Jahrhundert v.Chr.) spricht von einer Prägung in der Seele und einer Veränderung der Seele, als Basis der Kognition. Kognition steht heute nicht allein im Zentrum aller mentaler Prozesse, sondern ist der entwicklungsgeschichtlich jüngere Teil der Funktion des Zentralnervensystems. Der ältere Teil ist der emotionale Kern des ZNS. Ihr Zusammenspiel wird in jüngster Zeit wieder konzeptionell genutzt, um biologisch und medizinisch relevante Verhaltensmuster der Individuen zu erklären und gezielt zu beeinflussen Unter besonderer Berücksichtigung humanökologischer Beeinflussungen werden die Grundlagen der Gesundheits-Wissenschaft in Lebenswelt so zum bio-psycho-sozialen Konzept, mit dem sich Wissenschaftler auseinandersetzen müssen.


Excerpt (computer-generated)

Institut für Nachhaltige Gesundheitswissenschaften AG Osnabrück VR 150239

Online-campus Büro D-26906 Dersum

Modul ,,Propädeutik der Komplementärmedizin"

Lernfeld ,,Bio-psycho-soziales Modell in Komplementärer und Integrativer
Biologie und Medizin"

Autor: Dr. R. Hubertus Hommel

Aktualisiert am 2007-07-20

In der Stoa (um 300 v.Chr.) ist der Mensch in einen übergreifenden kosmischen Zusammenhang eingebunden, aus dem sich ein in allen Naturerscheinungen und natürlichen Zusammenhängen waltendes göttliches Prinzip ergibt. Der Mensch muss lernen, an der kosmischen Vernunft teilzunehmen und in Gelassenheit und ,,stoischer Ruhe" seine Stellung in dieser Ordnung zu akzeptieren. Das Erfassen bildet die Grundlage sowohl des Wissens als auch der Meinung. Voraussetzung für Wissen ist nach stoischer Auffassung die Begründung oder Argumentation, Wissen impliziert Wahrheit, wenn eine Behauptung durch keinerlei Argumentation als Falschheit oder Unhaltbarkeit einer Behauptung widerlegt werden kann. Der Erkenntnisprozess beginnt mit einer Einwirkung der Sinne von außen. Diokles (Mitte 4. Jahrhundert v.Chr.) spricht von einer Prägung in der Seele und einer Veränderung der Seele, als Basis der Kognition. Kognition steht heute nicht allein im Zentrum aller mentaler Prozesse, sondern ist der entwicklungsgeschichtlich jüngere Teil der Funktion des Zentralnervensystems. Der ältere Teil ist der emotionale Kern des ZNS. Ihr Zusammenspiel wird in jüngster Zeit wieder konzeptionell genutzt, um biologisch und medizinisch relevante Verhaltensmuster der Individuen zu erklären und gezielt zu beeinflussen Unter besonderer Berücksichtigung humanökologischer Beeinflussungen werden die Grundlagen der Gesundheits-Wissenschaft in Lebenswelt so zum bio-psycho-sozialen Konzept, mit dem sich Wissenschaftler auseinandersetzen müssen.

1

 


Inhaltsübersicht

Von der Zufälligkeit des Seins 3
Wann ist der Mensch ein Mensch? 5
Kommunikation ist alles 10
Im Kreisverkehr der Lebenssphären 15
Let′s talk about 17
Publikationsreferenzen : 21

2

 


Von der Zufälligkeit des Seins

Die moderne Biologie versteht Evolution als eine Abfolge von Zufall und Notwendigkeit, in Beziehung zur Umwelt. Ökologische Faktoren wirken hierbei selektierend, jedoch nicht gestaltend. Generell steht Evolution für kontinuierliche Entwicklungsprozesse, mit dem allmählichen Hervorgehen eines meist höheren Zustandes aus einem meist niedrigeren hervorgehenden Zustand. G.L.Stebbins definiert die Evolution von Organismen als jede Reihe teilweiser bzw. vollständiger und irreversibler Transformation des genetischen Bestandes von Populationen, die im wesentlichen auf unveränderten Interaktionen mit der Umwelt beruhen. Nach R.Dawkins bilden weder die Art, noch irgendeine andere Gruppe oder der einzelne Organismus die ,,Einheiten der Selektion", die Erhaltung der Art ist lediglich ein Nebenprodukt der Replikation des ,,egoistischen Gens", indem Gene Organismen schaffen, um ihre Möglichkeiten zur Selbstreplikation zu verbessern. Nach E.A.Howard und E.S.Dennis hat die Regulierbarkeit von Genen oder Gruppen von Genen eine größere Bedeutung als die Punktmutationen einzelner Gene. Demnach läge die Evolution vielzelliger, eukaryotischer Organismen in der Umstrukturierung vorhandener genetischer Information. Hierfür sind ,,springende Gene" als Transponsons zuständig, unter einem Transponson versteht man ein Stück DNA, das von 2 gegenläufig orientierten IS-Elementen (Insertionselementen) flankiert wird. IS-Elemente werden ca. alle 10 Generationen transponiert; über ihre Integrationsstellen, an denen sie in Strukturgene eingebaut werden, die Palindrome, können sie ihre ,,eigene" Transposase kodieren. Daher wirken IS-Elemente mutagen, durch ihre Insertion in ein offenes Leseraster zerstören sie durch eine Rasterschub-Mutation die Funktion des Gens.

Pauschalisierend besagt die Evolutionstheorie, dass alle Lebewesen einer Urzelle entstammen, wobei die Entstehung der ersten Zellen allerdings unklar ist, einer chemischen Evolution war vor ca. 4 Milliarden Jahren offenbar eine biologische gefolgt, in der organische Makromoleküle gelernt hatten, sich zu replizieren und Stoffwechsel zu betreiben. S.L.Miller hatte 1952 die Ursuppentheorie experimentell belegt, wonach sich in Urozeanen durch das Aufeinandertreffen von Wasser, Gasen, und Energie aus Blitzen oder UV-Strahlung biologische Materie organisierte. Diese Theorie wurde inzwischen erweitert durch die Einbeziehung von Gestein, wobei wesentliche chemische Abläufe wohl durch Tiefseevulkane katalysiert werden.

Entsprechend ist auch der Mensch ein Produkt einer natürlichen Evolution, was ihn jedoch von anderen Lebewesen unterscheidet, ist das unterschiedliche Anpassungsvermögen. Während Tiere über ein artspezifisch limitierendes Verhaltensrepertoire optimal an bestimmte ökologische Nischen angepasst sind, ist der Mensch unspezialisiert, was ihm Adaptation an nahezu jedes Ökosystem ermöglicht. Im Gegensatz zur genetisch gesteuerten Anpassungsleistung von Tieren dominieren beim Menschen die adaptiven Konditionen durch den gezielten Einsatz geistigen und praktischen Potentials, um dadurch ökologisch geprägte Problemlagen zu seinem Nutzen zu modulieren.

3

 


A.Gehlen (1904-1976) sieht die Adaptationskapazität des Menschen in dessen Eigenschaft als Mängelwesen (s. Kulturspezifische & Ethnotypische Verfahren: Traditionelle Europäische Medizin (TEM) S.1). Er hatte diese Theorie u.a. über die Philosophien von J.G.Herder, A.Schopenhauer, M.Scheler, P.Th.de Chardin, J.Dewey entwickelt und sie dann er sie mit den Resultaten der neueren Ethologie und Biologie (V. v. Weizsäcker, J. v. Uexküll u.a.) in Relation gesetzt.

A.Gehlen konstatiert im Vergleich mit Tieren beim Menschen 3 grundlegende naturgegebene Mängel in organischer Ausstattung, in zeitaufwendiger Aufzucht der Jungen, und nur noch rudimentär vertretenen Instinkten. Diese 3 Mängel werden vom Menschen zur existentiellen Sicherung für eine kulturelle Formung des Verhaltens modifiziert, an die Stelle genetisch fixierter tierischer Handlungsschemata tritt die erworbene, auf eigener oder übernommener Erfahrung basierende kulturelle Praxis. Diese Kulturleistung profitiert von der biologisch definierten Mängelsituation als ,,Inbegriff tätig veränderter urwüchsiger Bedingungen". Da die menschliche Instinktausstattung durch einen Zufall der Evolution reduziert wurde, sodass ,,natürlichen Antriebe" weitgehend freigesetzt werden konnten, benötigt der Mensch zur Sicherung seiner Existenz kompensatorische ,,Entlastung".

Diese Entlastungsinstanz sieht A.Gehlen in den sozialen Institutionen. Institutionen leiten das Handeln von Menschen, beschränken die Willkür individuellen Handelns über die Vernetzung allgemeiner Bedürfnisse mit allgemeinen sachlichen Notwendigkeiten, und definieren somit über sozial definierte Regeln mit gesellschaftlicher Maßgeblichkeit den gemeinsamen Handlungsrahmen und mit ihm verbundene Verpflichtungen.

Eine weitere wesentliche Abgrenzung vom Tier liegen nach der Evolutionären Erkenntnistheorie in Verstand und Vernunft. Die Vernunft hatte sich demnach über Problembewältigung entwickelt, als Fähigkeit zum Denken wird sie häufig mit Verstand synonymisiert. In der Philosophie gibt es jedoch deutliche Unterschiede zwischen Vernunft und Verstand, bereits Aristoteles (383-322 v.Chr.) forderte für das verstandesmäßige schrittweise Denken Voraussetzungen, die selbst nicht Ergebnis von verstandesmäßigem schrittweisem Denken sein können. Generell ist der Verstand das Vermögen zu denken, erkennen und zu urteilen, und somit eine begriffliche Tätigkeit, während die Vernunft die Verstandestätigkeit leitet, regelt und ordnet, ihm seine Grenzen setzt. Im evolutionären Prozess haben sich zuletzt die Instrumentelle Vernunft herausgebildet, sowie die Objektive Vernunft, indem letztere die beurteilende Argumentation für erstere geben soll. Da es sich bei der instrumentellen Vernunft jedoch um eine auf zweckrationales Handeln ausgerichtete Argumentation handelt, dient deren Beurteilung lediglich der Bestätigung der Sinnhaftigkeit im Rahmen bestehender gesellschaftlicher Interessen und Ziele.

Dies steht im Widerspruch zu I.Kant (1724-1804), dessen theoretische und praktische Vernunft zu einer Übereinstimmung des Wollens und Handelns mit dem Sittengesetz führen. Dieses Sittengesetz formuliert I.Kant als Kategorischen Imperativ.

4

 


Th.W.Adorno und M.Horkheimer sehen daher in der Orientierung an der Instrumentellen Vernunft zur technischen Beherrschung der Natur Auswirkungen auf den Menschen, als Teil der Natur. Indem nicht der Mensch den Zweck bestimmt, sondern umgekehrt der Zweck den Menschen, führt dies zur totalitärer Beherrschung und Barbarei. Dennoch halten sie am Ideal einer ,,wahren Vernünftigkeit" fest, einer nicht-begrifflichen ,,Versöhnung" der Gegensätze.

Gegenwärtig gilt der in der binären Nomenklatur ausgewiesene homo sapiens in seiner sozialen Kompetenz als zivilisiert, rational und wissenschaftlich und befindet sich in der Diskussion seines potentiellen evolutionären Endpunktes.

Wann ist der Mensch ein Mensch?

Dem Menschen fällt es grundsätzlich schwer, sich über die biologische Systematisierung hinaus existenzanalytisch selbst darzustellen, da er nach R.Steiner ,,sich die Welt nur durch die Brille seines subjektiven Lebens vorstellen kann, ist alle seine Erkenntnis nur eine subjektive, beschränkt-menschliche." Um solche Subjektivierung möglichst zu vermeiden, verwendet er auch zu seiner eigenen taxonomischen Kategorisierung die in der gesamten biologischen Artdiagnostik üblichen Schemata. Im allgemeinen werden in der biologischen Systematik wenige Kernmerkmale als Charakteristika definiert, um hierüber die Differenzierung von sonst unter die gleiche Gattung zu subsumierenden Wesen hervorzuheben. C.v.Linné unterteilt in seiner Taxonomie die Oberbegriffe Klasse, Ordnung, Familie, Gattung, Art, entsprechend ist der moderne Mensch ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten, in seiner Unterordnung gehört er zu den Trockennasenaffen, und dort zur Familie der Menschenaffen; er gilt als einziges rezentes Mitglied der Gattung Homo.

In der biologischen Ontogenese beginnt das Menschsein mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, alternativ mit der intrauterinen Nidation. Solche Systematiken können zwar die anatomische Klassifizierung des Menschen erleichtern, erfassen jedoch keinesfalls das metaphysische Spektrum des Menschseins.

Die philosophische Tradition beurteilt seit der Sophistik (5.-4.Jh. v.Chr.) als verbindliches Merkmal des Menschen seine Vernunftfähigkeit. Vorher stand der Kosmos im Zentrum philosophischer Betrachtungen, der Mensch war subordinativer Bestandteil, mit Protagoras (490-411 v.Chr.) rückt der Mensch in den Mittelpunkt, ,,Der Mensch ist das Maß aller Dinge, der seienden, dass sie sind, und der nichtseienden, dass sie nicht sind". Mit diesem sog. Homo-Mensura-Satz war die Grenze vom religiös mystisch bestimmten Denken zum selbstbestimmten Wissen überwunden. Sokrates (469-399 v.Chr.) und Platon (427-327 v.Chr.) sahen folglich die herausragende menschenspezifische Qualität in der Erkenntnisfähigkeit, die den Menschen dazu befähigt, die Wahrheit zu erkennen. Hierauf baute die von Aristoteles (384-322 v.Chr.) ausgearbeitete Tugendlehre, wonach der Mensch als denkendes Wesen sich die dianoetischen Tugenden ( = griech. Vernunft) aneignen kann, um darüber sein [...]

5

 



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